Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy

#1 von Petra , 03.05.2007 00:28

Titel: Rotes Licht
Autor: Amy
Ratings: PG
Kategorie: Shipper
Zeitrahmen: spielt in der 7. Staffel
Inhalt: Harm wird in ein teuflisches Spielchen verwickelt.
Disclaimer: Alle Rechte an der Fernsehserie, JAG und ihren Charakteren gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions, CBS und Paramount.
Anmerkung: Das ist meine erste FF. Hoffentlich gefällt sie euch. Ich freue mich natürlich über Verbesserungsvorschläge und Anregungen (wenn sie nett formuliert sind J)



Kapitel 1

Montagmorgen, 08.00 Uhr
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Es war ein kalter Januarmorgen, der Himmel war grau verhangen und er versprach später noch Schneeflocken auf Washington nieder schneien zu lassen.
Admiral A.J. Chegwidden lehnte sich in seinem Schreibtischstuhl zurück. Er hatte die Fingerspitzen aneinander gelegt und musterte interessiert sein Gegenüber.
Vor ihm in einem der Sessel saß der neue Commander. Heute war ihr erster Tag und er würde sie später noch den anderen Anwälten vorstellen.
„Sie haben ja eine beeindruckende Personalakte, Commander Stern“, der 2 Sterne Admiral schaute sie direkt an. Sie war ungefähr so groß wie er und hatte dunkelbraunes, fast schwarzes Haar, welches zu einem strengen Knoten am Hinterkopf gebunden war. Ihre Augen schauten ihn offen an, sie waren blau, eisblau und kalt. Wahrscheinlich würden sie jeden, der sich mit ihr anlegen wollte einschüchtern. Sicherlich sehr hilfreich bei so mancher Verhandlung, dachte A.J.
„Warum haben sie um eine Versetzung gebeten?“, fragte er.
Commander Stern schaute ihren neuen Vorgesetzten an. „Nun, es gab da einige Zwischenfälle mit einem Kollegen, und obwohl die Sache nun überstanden ist, konnte und wollte ich dort nicht mehr arbeiten“
„Das ist ja ihr gutes Recht“, der Admiral erhob sich aus seinem Sessel. „Ich hoffe, dass sie sich hier schnell zurechtfinden werden. Am besten werde ich sie jetzt herumführen und ihnen alles zeigen. Dann können sie sich gleich einarbeiten“



Commander Harmon Rabb jr. stand im Aufzug, seine Offiziersmütze hatte er unter seinen linken Arm geklemmt und in der Hand hielt er seine Aktentasche.
Montagmorgen, eine neue Woche und eine ohne seine Partnerin. Sie war schon seit einigen Tagen irgendwo in der Adria auf einem Flugzeugträger unterwegs und er wäre jetzt auch gerne dort, und das nicht nur wegen der Flugzeuge. In der letzten Woche waren seine Blicke immer wieder in Macs Büro gewandert, das ohne sie leer und verwaist wirkte. Irgendwie musste er sich eingestehen, dass er sie vermisste.
Leise glitten die Aufzugtüren auseinander und Harm betrat das große Foyer, das fast wie eine Art Großraumbüro wirkte.
Obwohl es noch früh am Morgen war, war bereits ein emsiges treiben zu verzeichnen. Offiziere liefen herum, telefonierten oder diskutierten, Telefone klingelten und Faxgeräte ratterten. Der Raum schien zu pulsieren, als wäre er das Herz des Hauptquartiers.

Harm bog gerade um die Ecke in Richtung seines Büros, als er auf Admiral Chegwidden traf, der die neue Kollegin einwies. Er nahm Haltung an und grüßte.
„Guten Morgen, Commander Rabb“, grüßte der Admiral zurück, „ich möchte ihnen Commander Stern vorstellen. Sie wird ab heute bei uns arbeiten.“
„Herzlich Willkommen“, Harm zeigte sein breites Grinsen und streckte ihr seine Hand entgegen, die mit einem kräftigen Händedruck erfasst wurde.
„Freut mich sehr“, antwortete die neue Anwältin und musterte Harm abschätzend.
Sie musste zugeben, dass er nicht schlecht aussah- groß, breitschultrig, sympathische Gesichtszüge. Dann viel ihr Blick auf das goldene Fliegerabzeichen auf seiner linken Brustseite und sie erstarrte. Noch so ein verdammter Flieger, dachte sie, warum können die Kerle nicht einfach bei ihren Flugzeugen bleiben, überall schien man sie anzutreffen.
Erinnerungen blitzen auf einmal wie Signalleuchten vor ihrem inneren Auge auf und eine Panikattake begann in ihr hochzusteigen. Ihr Herz hämmerte, die Hände wurden feucht und das Fliegerabzeichen, dass sie noch immer anstarrte, begann sich gefährlich zu drehen. Commander Stern atmete einmal tief ein um sich wieder zu fangen. Nein! sie würde sich nicht unterkriegen lassen, schon gar nicht von so einem Piloten. Sie würde ihm schon zeigen wer hier die Spielregeln macht!
Ihre Gedanken wurden von den Worten des Admirals unterbrochen.
„Sie werden später noch Gelegenheit haben sich auszutauschen“. Der Admiral begann bereits seinen Weg fortzusetzen. Commander Stern löste ihre Blicke von Harms Brust und folgte dem Admiral

Harmon Rabb jr. blickte der neuen Kollegin noch nach, ihm war der seltsame Ausdruck nicht entgangen, der das Gesicht des neuen Commanders verdunkeln lies.

23.00 Uhr
Linda Sterns Apartment
Washington DC


Linda Stern streifte durch Ihr Apartment, sie war unruhig und konnte nicht schlafen. Sie hatte ihre Lieblingsmusik aufgelegt – Countrymusik- um sich abzulenken und die aufsteigenden Bilder niederzukämpfen. Sie versuchte sich etwas Schönes vorzustellen und einen Augenblick lang dachte sie an das Country Festival in Sweetsprings, das bald stattfinden würde und für das sie Karten besaß. Es gelang ihr nicht lange sich abzulenken und die Vorfreude wurde von Erinnerungen verdrängt. Immer wieder tauchte die gleiche Szene in ihrem Kopf auf und sie konnte sie nicht mehr aus dem Bewusstsein verbannen.

Sie war damals noch keine 14 Jahre alt gewesen als es passierte. Und niemand hatte ihr geglaubt, weil es ein guter Freund der Familie gewesen war, dem man so etwas nicht zutraute. Ihr Vater war auch in der Navy gewesen, ebenso wie der besagte Freund - er war ein Navypilot.
Dieses Fliegerabzeichen… nie würde sie es vergessen und nie würde sie vergessen können was der Träger dieses Abzeichens ihr angetan hatte.
Eines Abends wollte er zu ihren Eltern, sie waren nicht da gewesen aber sie hatte ihn trotzdem hereingelassen. Es ging alles so schnell. Er hatte sich über sie hergemacht. Sie hatte sich einfach nicht wehren können, zu stark war er gewesen und sie hatte so große Angst gehabt. Und so hatte sie in einer brutalen Aktion ihre Unschuld verloren.
Die Erinnerungen und Bilder überfielen sie aufs Neue und kalter Angstschweiß rann ihr den Rücken hinunter.

Damals hatte sie sich geschworen sich zu rächen. Diese Navy Piloten waren doch alle gleich! Arrogant und von sich selbst eingenommen, sie würde sich rächen und jeder dieser Flieger wäre der richtige!
Sie hatte einen Plan und sie war sich ziemlich sicher, dass er funktionieren würde. Immerhin hatte er das bereits einmal.
Sie spürte wie die alt vertraute Wut in ihr aufstieg und sie zu ersticken drohte. Ein innerer Zwang, den sie nur zu gut kannte, begann sich in ihr auszubreiten und von ihr Besitz zu nehmen. Sie musste sich beweisen, dass sie die Macht hatte und niemand über sie verfügen konnte, niemand!

Machen sie sich auf etwas gefasst Harmon Rabb jr. das Spiel beginnt!!

Kapitel 2

Dienstag
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Commander Harmon Rabb und Commander Sturgis Turner verließen den Gerichtsaal.
„Herzliche Glückwunsch zum Sieg“, der farbige Commander schüttelte Harm die Hand.
„Danke, Sturgis. Wie wär’s, ich lade sie heute Abend auf einen Drink ein.“
„Da sag’ ich nicht nein.“
Die beiden Anwälte gingen Richtung Foyer.
„Vielleicht haben Harriet und Bud auch Lust mitzugehen, ich werde sie nachher mal fragen. Also 20.00 Uhr bei McMurphys?“, sagte Harm.
„Ja, ich schätze das dürfte ich schaffen.“ Sturgis blieb an einem kleinen Tisch stehen, auf dem Tassen und eine Kanne Kaffee stand und bediente sich. „Wollen sie auch einen?“
„Nein, danke“, Harm schaute in sein Büro. Auf dem Schreibtisch stapelten sich bereits einige Akten
„Ich hab’ noch viel zu tun. Wenn ich nicht gleich damit anfange, müssen sie heute Abend alleine auf meinen Sieg trinken“
Sturgis grinste, er konnte Commander Rabb gut leiden. Sie waren zusammen auf der Akademie gewesen, hatten sich dann aber aus den Augen verloren und erst vor kurzen hier bei JAG wieder getroffen. Er musste an die gemeinsame Zeit an der Akademie denken und sein Grinsen wurde noch breiter.


Mittlerweile hatte sich Harm an seinem Schreibtisch niedergelassen. Vor ihm lag der Berg Papiere der dringend bearbeitet werden musste. Seufzend nahm er einen Stift in die Hand, öffnete die erste Akte und begann mit seiner Arbeit.
Er war bereits in die ersten Seiten vertieft als Commander Stern den Kopf zur Tür hereinsteckte.
„Entschuldigung Commander, ich suche die Willis Akte. Haben sie die zufällig?“
Harm schaute auf. „Ja, ich bin damit fertig, sie können sie mitnehmen“.
Er zog die Akte aus dem Stapel der bearbeiteten Papiere und hielt sie ihr hin.
Linda Stern trat entschlossen an den Tisch heran und nahm sie entgegen.
„Es ist aber sehr heiß in ihrem Büro“, sagte sie und begann sich mit der Akte etwas Luft zuzufächern. Dabei schaute sie Harm direkt an und fügte sie in einem verführerischen Tonfall hinzu, „oder sind sie so heiß?“

Harm blickte sie überrascht an und wusste nicht so recht was er von der Anspielung halten sollte, aber noch ehe er irgendetwas erwidern konnte war Commander Stern aus dem Büro verschwunden. Mit nachdenklichem Gesichtsausdruck schaute er ihr nach, gab ein leisen „Tß“ von sich und wandte sich kopfschüttelnd seiner Arbeit zu.

20.00 Uhr
McMurphys
Washington DC

Harm und Sturgis standen bereits an der Theke und hatten ihre Bestellung aufgegeben. Harm schaute sich um, für einen Dienstagabend war es doch relativ voll, fand er. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzt mal hier gewesen war, aber es war wohl schon länger her. Hin und wieder gingen die JAG Anwälte nach einer erfolgreichen Verhandlung ins McMurphys und tranken zusammen auf ihren Sieg.
Schade dass Mac heute nicht dabei ist, dachte er und nahm das Glas in die Hand, das der Barkeeper vor ihn gestellt hatte.
Sturgis erhob ebenfalls sein Glas und prostete ihm zu, „Auf ihren Sieg, Harm.“

Ein kalter Luftzug kam herein, als sich die Bartür öffnete und Harriet und Bud eintraten, gefolgt von … der neuen Kollegin.
Es war Harriets Idee gewesen Commander Stern zu fragen, ob sie nicht Lust hätte auch mitzukommen, so würde Linda die Kollegen gleich besser kennen lernen. Linda war auch sofort darauf eingegangen. Für sie war es eine willkommene Gelegenheit gewesen, um Commander Rabb außerhalb des Büros zu treffen.

Sie sah ihn auch gleich an der Bar stehen und suchte sich einen Platz neben ihm.
„Glückwunsch zum Sieg“, sagte sie zu ihm gewand.
„Danke“
„Wie sind sie eigentlich zur Navy gekommen, Commander Rabb?“
„Mein Vater war Navypilot.“ Harm nahm einen Schluck aus seinem Glas.
„Scheint ja in der Familie zu liegen.“

Harriet nippte an ihrem Glas und schaute zu den beiden Anwälten rüber. Sie schienen sich ziemlich gut zu unterhalten. Sie fand es toll, dass sich alle so gut verstanden. JAG war eben wie eine große Familie, fand sie und war richtig zufrieden.


Nach zwei Stunden machte sich Aufbruchstimmung breit. Harriet und Bud mussten nach hause, weil der Babysitter nicht länger Zeit hatte, aber schließlich mussten ja morgen alle wieder arbeiten und so verließ die kleine Gruppe die Bar.

Nachdem sich allen auf dem Parkplatz von einander verabschiedet hatten, drehte sich Commander Stern noch einmal zu Harm, der gerade seine Corvette aufschloss.
„Also wissen sie, ich bin hier neu in der Stadt, könnten sie mir sagen, wie man zu ihrer Wohnung kommt?“ Linda Stern sah Harm verführerisch in die Augen.
Harm musste unwillkürlich grinsen. „Wir sehen uns dann morgen im Büro“, antwortete er über das Dach seines Autos hinweg, stieg ein und fuhr los.

Linda Stern verweilte noch einen Moment alleine auf dem Parkplatz. Der kalte Januarwind blies ihr ins Gesicht und sie zog ihren Mantel enger um sich.
Interessanter Mann, dachte sie. Sie würde schon noch bekommen was sie wollte.
Nur noch dieses eine Mal und dann würde sie die Navy verlassen.
Eigentlich hatte sie gedacht, dass mit dem Wechsel der Arbeitsstelle alles vorbei währe, aber als sie dann gestern das Fliegerabzeichen gesehen hatte, wusste sie, dass es nicht so war. Nur noch dieses eine Mal, sagte sie sich wieder. Dann würde sie alledem den Rücken zukehren und in die freie Wirtschaft gehen, in eine nette kleine Anwaltskanzlei. Dann hätten diese Alpträume endlich ein Ende.

Kapitel 3


Einige Tage später
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Sarah McKenzie war seit gestern wieder im Hauptquartier und ihr Schreibtisch schien überzuquellen. Außerdem hatte der Admiral ihr gleich einen neuen Fall zugeteilt. Gemeinsam mit der neuen Kollegin Commander Linda Stern hatten sie die Verteidigung übertragen bekommen und Harm hatte die Anklage zu führen. Es versprach ein spannender Prozess zu werden.

Sie hatte sich gefreut wieder da zu sein und Harm zu sehen, leider waren sie beide so beschäftigt, dass sie noch keine Zeit gefunden hatten, um miteinander zu reden. Vielleicht konnten sie zusammen Mittagessen. Mac brauchte gar nicht erst auf ihre Uhr zu sehen, um zu wissen, dass es schon 12.00 Uhr war. Sie hatte einfach ein Gespür dafür. Sie wusste zwar selbst nicht, woher sie das immer so genau wusste, aber um mehr als 30 Sekunden hatte sie noch nie danebengelegen. Mac räumte ihre Akte in die Schublade und machte sich auf den Weg zu Harms Büro.



In der kleinen Kantine war es ziemlich voll, tatsächlich schien der Raum aus allen Nähten zu platzen. In der kalten Jahreszeit aßen fast alle Offiziere hier und die Luft war voll von Geschirrgeklapper und Stimmengewirr. Harm suchte nach einem Tisch, während Mac sich bereits an die Schlange vor dem Essensschalter angestellt hatte. In der hintersten Ecke war gerade ein Tisch freigeworden, Harm steuerte darauf zu und setzte sich.
„Kann ich mich zu ihnen setzen“ Commander Stern stand plötzlich neben ihm, mit einem Kaffee in der Hand.
„Ja, ein Platz ist noch frei“ Harm zeigte mit seiner rechten Hand auf einen Stuhl.
„ Essen sie nichts zu Mittag?“, fragt er.
„ Nein, eine Tasse von diesem starken, schwarzen Kaffe langt mir, und sie?“
„Mac bringt mir etwas mit“
Harm schaute zu Mac rüber, die in der langen Warteschlange stand. Es würde wohl noch etwas dauern bis er sein Essen bekam.

Linda Stern betrachtete ihr Gegenüber, zu schade aber auch, dass er auf ihre Anspielungen bis jetzt nicht eingegangen war. Aber das würde er schon noch und dann, ja dann hatte sie ihn, wo sie ihn haben wollte.
Sie wollte ihn verführen und ihn dann wegen eines grässlichen Vergehens beschuldigen- Vergewaltigung!
So war ihr Plan.
Aber zuerst würde sie ihren Spaß mit ihm haben, dass er so gut aussah machte die ganze Sache natürlich noch reizvoller und angenehmer.
Nun gut, starten wir einen neuen Versuch, sagte sich.

„Wissen sie, Commander Rabb“, Linda beugte sich zu Harm rüber, der seinen Blick von der Warteschlange gelöst hatte. Mit leiser Stimme, in der ein Hauch von Erotik mitschwang, fuhr sie ihren Satz fort. „ Ihre Uniform würde sich unglaublich gut auf meinem Schlafzimmerboden machen.“
„So?“ Harm lehnte sich in seinem Stuhl zurück und zog eine Augenbraue hoch. „Ich kann ihnen ja die Adresse meines Schneiders geben.“
In diesem Augenblick stellte Mac das Tablett mit dem Essen auf den Tisch.

Commander Stern erhob sich verärgert von ihrem Stuhl. „ Ich gehe dann mal zurück an die Arbeit.“
„Oh, ich wollte sie nicht vertreiben, Commander “, erwiderte Mac.
„Nein, nein schon gut, ich wollte sowieso gerade gehen, meine Pause ist vorüber. “
Mac zuckte mit den Schultern und setzt sich neben Harm. Irgendwie war sie erleichtert, dass Commander Stern ging, sie hatte sich darauf gefreut nur mit Harm alleine zu Mittag zu essen soweit man das in diesem Überfüllten Raum überhaupt konnte. Sie setzte sich und verteilte Besteck und das Essen „Ja, dann erzähl doch mal, was so alles los war, in den letzten Wochen!“

4 Tage später
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Mac stand in der Teeküche und schenkte sich gerade einen Kaffee ein, als Harm eintrat.
„Hallo, ich hab’ dich heute Morgen noch gar nicht gesehen“, begrüßte er sie.
„Ja, ich hab noch so einiges zu tun, es hat sich doch eine Menge angesammelt als ich weg war“, antwortete Mac.
Harm holte sich eine Tasse aus dem Schrank und Mac goss ihm Kaffee ein.
„Und wie gefällt dir die neue Kollegin?“ fragend schaute Harm sie an, während er einen großen Schluck Kaffee genoss.
„Oh, ich finde sie ist wirklich gut, sehr gut sogar. Sie hat eine hervorragende Auffassungsgabe. Außerdem hat sie sich schnell eingearbeitet, sofort zurechtgefunden und schnell Kontakt zu den Kollegen aufgenommen“
Harm lehnte an der Arbeitsplatte und schaute Mac über den Rand seiner Tasse hinweg an.
„Ein bisschen zu viel Kontakt für meinen Geschmack.“
Mac sah ihn mit einem kecken Gesichtsausdruck an.
„Was, macht sie dir etwa schöne Augen, Harm“, neckte sie ihn.
„Ich muss gestehen, sie macht mir Probleme.“
Mac stellte grinsend ihre Tasse auf die Spüle, drehte sich zu Harm um und tippte mit ihrem Zeigefinger über sein glänzendes Fliegerabzeichen. Dabei schaute sie ihm direkt in die blauen Augen.
„Na klar macht sie das. Und ich weiß auch warum. Sie und ich haben dich gestern vor Gericht alt aussehen lassen, wir haben dich geradezu platt gemacht und du kannst es nicht vertragen zu verlieren.“ Und mit einem Siegerlächeln verschwand sie durch die Tür.

Harm schaute ihr noch nach. Vielleicht bewertete er das ganze ja wirklich etwas über. Er musste an die vergangenen 2 Wochen denken, seit dem Commander Stern zu JAG kam. Sie hatte versucht ihn anzubaggern. Am Anfang fand er die ganze Sache ja noch amüsant. Ihre Sprüche manchmal sogar originell.
Langsam wurde es ihm aber zu viel und es ging ihm auf die Nerven. Irgendwie schien sie nicht zu verstehen, dass er kein Interesse an ihr hatte. Wie sollte er auch Interesse haben, wenn sein Herz eigentlich einem speziellen Marine gehörte.
Jedenfalls nervte Linda Stern und darin ergänzte sie sich brillant mit Lieutenant Singer.
In den letzten Tagen trafen ihn immer häufiger Lindas Blicke. Zum Beispiel bei den morgendlichen Besprechungen oder wenn sie sich im Foyer begegneten.
Nicht, dass es ungewöhnlich für ihn wäre, wenn er einen Raum betrat zog er oft die Blicke von Frauen auf sich und dessen war er sich auch bewusst, aber diese Blicke waren irgendwie anders … komisch.
Einerseits schien er darin Interesse zu sehen, andererseits waren sie eiskalt und stechend. Manchmal konnte er direkt spüren wenn sie aus eisblauen, kalten Augen auf seinen Rücken starrte. Es war, als würden ihn scharfe Eiskristalle durchbohren.

Da waren aber nicht nur ihre Blicke, sie schien immer häufiger in seiner Nähe aufzutauchen. Bei Besprechungen wählte sie einen Platz direkt neben ihm und rückte dabei unangenehm dicht an ihn heran und heute Morgen war sie mit ihm bei der Bibliothek im Besprechungszimmer zusammengestoßen. Sämtliche Bücher und Akten, die er getragen hatte, waren auf dem Boden gelandet, Papiere und Zettel verstreuten sich auf dem ganzen Fußboden und er musste sie mühsam wieder einsammeln und neu ordnen. Dabei hätte er schwören können, dass der Zusammenstoß kein Zufall gewesen war.
Wenn das so weiter ging würde er wohl nicht darum herumkommen mit ihr ein ernstes Wort zu reden.
Harm stellte seine Tasse ins Spülbecken und verließ ebenfalls die Küche.

Kurze Zeit später
Admiral Chegwiddens Büro

„Setzen sie sich“ Admiral Chegwidden saß in seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch und schaute seine vier Anwälte an. Commander Rabb, Colonel McKenzie, Lieutenant Singer und Commander Stern setzten sich in die schweren Ledersessel.
„Es geht um Petty Officer Winter. Er wird verdächtigt in den letzten Monaten mehrere Wohnungen auf dem Stützpunkt in Norfolk ausgeraubt zu haben. Der Verdacht viel auf ihn, als einige Eigentümer ihre Sachen wieder erkannten als er sie auf einem Flohmarkt verkaufen wollte. Und - anscheinend wurde er auch noch bei den Diebstählen beobachtet.
Ich möchte dass die Sache schnell geklärt wird. Alles Weitere finden sie in den Unterlagen.“
A.J. Chegwidden schaute über den Rand seiner Lesebrille zu seinen Anwälten.
„Commander Rabb, sie und Commander Stern übernehmen die Anklage. Colonel McKenzie und Ltd. Singer, sie verteidigen.“ Der Admiral schob die Akten über seinen Tisch.
Ein zackiges „ Ja, Sir“ war von den Anwälten zu hören. Und ohne ein weiteres Wort verließen sie das Büro des Vorgesetzten. Im Rausgehen warf Harm Mac einen Blick zu und zog dabei leicht eine Augenbraue hoch als wolle er sagen: Das hat mir gerade noch gefehlt. Er war nicht besonders scharf darauf, mit Commander Stern einen Fall zu bearbeiten. In der Tat hätte er da lieber der unbeliebten Kollegin Lieutenant Singer den Vorzug gegeben und mit ihr zusammengearbeitet. Aber darüber gab es wohl keine Diskussionen, wie er aus der Vergangenheit wusste. Der Admiral mochte es überhaupt nicht, wenn man seine Entscheidungen in Frage stellte.


Gefolgt von Commander Stern setzte Harm den Weg in sein Büro fort. Nicht gerade begeistert setzte er sich in seinen Bürostuhl hinter den Schreibtisch und schlug die Akte auf. Zuerst würden sie einmal die Unterlagen durchgehen müssen.
Commander Linda Stern verweilte zuerst etwas an der Bürotür bevor sie diese sorgfältig hinter sich schloss. Dann, anstatt auf dem Stuhl vor Harms Schreibtisch platz zu nehmen, umrundete sie ihn und trat von hinten an Harm heran. Langsam beugte sie sich über seine linke Schulter stützte sich dabei mit ihrer linken Hand auf dem Schreibtisch ab und schaute in die Akte. Dabei rückte sie noch etwas näher heran, und drückte ihren Körper an Harms Seite.
Harm konnte ihr süßes Parfüm riechen und ihren warmen Atem auf seinem Arm spüren. Er empfand es alles andere als angenehm. Harmon Rabb, jr. fühlte sich bedrängt.
Sie hatte gerade eine unsichtbare Grenze überschritten und unausgesprochene Regeln verletzt!
Er drehte seinen Bürostuhl abrupt zur rechten Seite und stand auf, die Akte in den Händen
„Ich werde ihnen mal eine Kopie hiervon machen, damit sie sie besser lesen können“, sagte er zynisch,
„und falls sie Schwierigkeiten mit ihren Augen haben, sollten sie mal einen Termin beim Augenarzt ausmachen.“ Mit diesen Worten verlies er sein Büro in Richtung Kopierer.
Linda Stern stand da, mit einem eiskalten Blick in ihren Augen. Sie kommen mir nicht so leicht davon!

Mittwochabend
Harms Apartment
Nähe der Union Station, Washington DC

Harm hatte geduscht und sich etwas Bequemes angezogen. Jetzt stand er in seiner Küche, setzte Nudelwasser auf und holte sich ein kühles Bier aus dem Kühlschrank. Es war schon sehr spät und der heutige Tag war wirklich anstrengend gewesen. Den ganzen Tag lang hatte er mit Commander Stern zusammengearbeitet – Zugegeben, nach dem Zwischenfall von gestern war zwar nichts mehr in dieser Hinsicht vorgefallen, aber es war einfach anstrengend mit ihr. Sie hatte eine schnelle Auffassungsgabe, da hatte Mac schon recht, aber obwohl der Fall eindeutig war kamen sie aus endlosen Diskussionen über, seiner Meinung nach weniger bedeutenden Aspekten, nicht heraus. Dabei war die Sache doch wirklich klar.
Petty Officer Winter hatte in den letzten Wochen mehrere Wohnungen ausgeraubt. Bei zwei seiner Raubzüge war er beobachtet worden und dann hatte er die Sachen auch noch verkauft. Der gesamte Fall sollte höchsten ein paar Tage in Anspruch nehmen, einschließlich Untersuchung und Gerichtsverfahren. Letztendlich ging es doch sowieso nur noch um die Höhe des Strafmasses.

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als das Nudelwasser zu kochen begann und vor sich hin blubberte. Harm schüttete die Nudeln hinein und stellte die zweite Platte, auf der ein Topf mit Soße stand, an. Dann nahm er noch einen tiefen Schluck aus der Bierflasche. Gerade als er sich setzen wollte klopfte es an der Tür. Fragend zog er die Augenbrauen hoch, eigentlich erwartete er keinen Besuch mehr und schon gar nicht zu so später Stunde.

Er öffnete die Tür und im ersten Augenblick erkannte er nicht gleich, wer da vor ihm stand und er starrte sie ein paar Sekunden lang an. Sie hatte ihre Haare offen und die dunklen Locken umspielten ihr Gesicht und fielen leicht auf ihre Schultern. Sie war etwas stärker geschminkt als im Büro und ihre roten Lippen lächelten ihn herausfordernd an.
„Darf ich denn nicht hereinkommen, Harm? In ihrem Flur ist es wirklich kalt.“
Harm ging einen Schritt zur Seite. „Was führt sie denn hier her, Commander Stern?“
„Nennen sie mich doch einfach Linda“, antwortete sie und ging an ihm vorbei . „ Ich dachte, wir sollten unseren Fall noch zu Ende bringen, wo doch morgen der erste Verhandlungstag ist, es sind noch so einige Fragen offen.“ Während sie sprach, bahnte sie sich ihren Weg weiter durch Harms Wohnung, warf einen Blick in sein Schlafzimmer und kam zurück in die offene Küche. Harm stand noch immer an der offenen Tür, hielt den Griff in der Hand und schaute zu, wie Commander Stern, ähnlich einer Raubkatze auf Reviermarkierung durch seine Wohnung streifte.
„Ich denke das hatten wir bereits geklärt“, sagte er kühl. „Der Fall ist eindeutig, wir haben alles Wichtige besprochen und es gibt Zeugen, die den Petty Officer eindeutig identifizieren können.“
„Nun gut, wir müssen ja nicht über den Fall sprechen, wenn sie nicht wollen. Wir können uns den Abend auch anders vertreiben.“ Commander Linda Stern hob den Deckel des Nudeltopfes und späte hinein.
„Reicht das für zwei?“, fragte sie.
„Ich denke es ist besser, wenn sie jetzt gehen, Commander“ Harms Stimme klang scharf. Langsam wurde er ungeduldig.
„Schade, nun, falls sie es sich doch noch anders überlegen sollten, meine Telefonnummer haben sie ja.“ Langsam ging sie an Harm vorbei nach draußen und sah ihn herausfordernd an. Harm schaute missbilligend zurück, dann schloss er die Tür hinter ihr.

Kapitel 4

Einige Tage später
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Der Fall von Petty Officer Winter hatte doch etwas länger gedauert, als Harm gehofft hatte. Aber schließlich war es zu einer Verurteilung gekommen und mit dem Ergebnis war er zufrieden.
Allerdings hatte Commander Stern ihm eine schwere Zeit bereitet, indem sie nicht gerade kooperativ war. Vermutlich weil er nicht auf ihre Anspielungen einging. Er fand, sie war in dieser Hinsicht absolut unprofessionell.

Nun saß Harm in Macs Büro vor einem neuen Auftrag. Diesmal ging es um einen Marine, der Verdächtigt wurde seinen Vater ermordet zu haben.
Harm war froh dass er den Fall mit Mac zusammen bearbeiten konnte.
„Ich würde gerne mit der Familie von Colonel Scott sprechen.“ Mac hielt die Unterlagen des Falls in der Hand und blätterte darin.
„Hm, er kommt aus Sweetsprings, West Virginia. Seine Mutter, der Bruder und seine Schwester leben noch dort. Die Eltern waren geschieden. Am besten werde ich gleich mal versuchen mit den Familienmitgliedern einen Termin auszumachen.“ Mac griff zum Telefon.
Harm schnappte sich die Unterlagen und schaute hinein. Sweetsprings? Den Ort hatte er schon mal gehört. Aber wo? Er dachte kurz nach. Ja richtig, auf der Weihnachtspostkarte von Renees Mutter. Sie hatte über Renees Flitterwochen geschrieben und darüber, dass sie anschließend mit ihrem Verlobten nach Sweetsprings ziehen wollte. Als er so an Renee dachte, bemerkte er, dass er keinerlei Gefühle mehr für sie empfand-, weder Trauer oder Ärger darüber, dass sie mit ihm schlußgemacht hatte. Wahrscheinlich war es eben doch nicht die große Liebe gewesen.

Mac legte den Hörer auf. „Ich hoffe du hast noch keine Pläne fürs Wochenende! Sieht so aus
als müssten wir einen Teil davon in unsere Untersuchung stecken. Ich habe für Freitag und Samstag Termine ausgemacht.“ Mac schaute ihren Partner mit großen, braunen Augen an.
„Es scheint mir ja nichts anderes Übrigzubleiben“, antwortete Harm und legte die Akte auf den Tisch zurück. Wie sollte man denn diesem Blick etwas abschlagen. Vielleicht war es auch gar nicht so schlecht für kurze Zeit aus dem Büro zu kommen und vor allem vor dieser Klette, wie er Commander Stern insgeheim getauft hatte, etwas Ruhe zu haben. Vielleicht würde sich die Lage dann entspannen.

Freitag, 14.00Uhr
Days Inn Motel
Sweetsprings, West Virginia


Harm und Mac standen an der Rezeption in der Eingangshalle des Motels.
„Es tut mir wirklich leid, aber wir haben kein Zimmer mehr frei und schon gar nicht zwei.“
Die Empfangsdame schaute die beiden entschuldigend an.
„Die ganze Stadt ist schon seit Wochen ausgebucht. An diesem Wochenende findet hier ein großes Country-Festival statt.“
„Ein Country- Festival im Winter?” Harm sah ungläubig sein Gegenüber an.
„Na ja, es ist nicht nur ein Festival, sondern auch eine große Messe und die Farmer haben im Winter eben mehr Zeit, um sich über die aktuellsten Gerätschaften und Neuerungen zu informieren. Zum Abschluss gibt es dann das große Country-Fest.“ Das Klingeln des Telefons unterbrach ihre Erklärungen „Entschuldigen sie mich kurz – ich muss ans Telefon.“
„Tja, sieht ganz so aus, als müssten wir im Auto schlafen.“ Harm drehte sich zu seiner Kollegin und zeigte dabei sein breites Fliegergrinsen.
„Ich würde sagen, wir versuchen es erst in einem anderen Hotel noch mal“, erwiderte Mac und war sich nicht ganz sicher, ob ihr Partner einen Witz gemacht hatte oder es ernst damit meinte, im Auto zu übernachten.
„Du hast doch gehört, die ganze Stadt ist ausgebucht.“
„Entschuldigung!“ Die Empfangsdame hatte ihr Telefonat beendet und wendete sich wieder den Militäranwälten zu.
„Es scheint als wäre heute ihr Glückstag! Soeben hat jemand abgesagt. Sie können das Zimmer haben, wenn sie wollen. Es ist leider nur ein Zimmer aber es hat zwei großen Doppelbetten.“
Mac streckte die Hand aus, um sich den Schlüssel geben zu lassen.
„Wir nehmen es, es ist ja nicht das erste mal, das wir zusammen schlafen… äh, in einem Zimmer schlafen, meine ich.“
Ein fragender Blick ihres Kollegen traf sie und ein Mir-ist-alles–klar-Blick der Rezeptionsfrau.
Leichte Röte stieg Mac ins Gesicht und sie drehte sich schnell um, damit es niemand bemerken konnte. Freud lässt grüßen, dachte sie, es war ja schließlich nicht das erste Mal, dass ihr der Versprecher passiert war. Sie schnappte sich ihre Tasche und ging Richtung Treppe.
Sie hatte das Gefühl etwas sagen zu müssen, damit dieser peinliche Moment nicht in der Luft hing.
„Ich hoffe nicht, dass du seit Russland mit dem Schnarchen angefangen hast, Harm.“
„Und ich hoffe nicht, dass du seit Russland dein nettes Nachthemd gegen einen Pyjama eingetauscht hast.“
Mac schaute über ihre Schulter zu Harm.
„Du hast wohl noch nicht bemerkt, dass wir Winter haben“, fing Mac an, Harm zu foppen. „Weiße Schneeflocken sind typisch für diese Jahreszeit und für gewöhnlich gehen sie mit Minusgraden einher. Ich würde im Nachthemd erfrieren! Vor allem wenn wir tatsächlich im Auto übernachtet hätten!“

Harm blieb stehen und schaute, wie Mac die Stufen hoch ging. Nun, er würde schon wissen wie ihr schön warm werden würde, aber diese Bemerkung verkniff er sich lieber.

Freitagabend, 18.45 Uhr
Blue Riders Pub
Sweetsprings, West Virginia

Während Harm bei der Befragung von Mrs. Scott war, hatte Mac einen Termin mit dem Bruder des Verdächtigen. Er arbeitete als Kellner im Blue Riders Pub.
Mac ging gerade über den Parkplatz des Restaurants, als ihr eine Person auffiel, die ihr irgendwie bekannt vorkam. Erst beim genauen hinsehen erkannte sie, wer es war. In ziviler Kleidung sah Commander Linda Stern ganz anders aus. Ihre lockigen Haare waren nicht wie gewöhnlich zusammengebunden, sondern fielen ihr auf die Schultern. Mac musste sich eingestehen, dass sie eigentlich gar nicht so schlecht aussah, ganz im Gegenteil.
„Das ist ja ein Zufall sie hier zu treffen“, Commander Stern kam genau auf Mac zu. „Sind sie auch wegen dem Country- Festival da?“
„Nein, Harm und ich haben hier einige Befragungen durchzuführen.“
„Fleißig, fleißig und das am Wochenende! Also, da genieße ich doch lieber das Wochenende. Ich liebe Countrymusik und freue mich schon seit Monaten auf das Festival.“
Es war Mac jetzt nicht danach, mit Commander Stern zu plaudern und schon gar nicht über Countrymusik. Sie wollte gerade deutlich machen, dass sie nicht viel Zeit hatte und zu ihrer Befragung musste, als eine blonde Frau direkt an ihnen vorbei schritt. War das nicht …
„Renee ??“, rief Mac.
Die blonde Frau blieb stehen und drehte sich verwundert um.
„Mac, was für eine Überraschung.“ Renee kam einige Schritte auf die beiden zu. „Schön sie wieder zu sehen.“
Mac hatte das Gefühl, dass diese Begrüßung nicht wirklich ernst gemeint war. Trotzdem versuchte sie etwas höflichen Smalltalk zu führen
„Harm sagte, sie seien in den Flitterwochen.“
„Die sind leider schon vorüber. Jetzt sind wir gerade dabei hier nach Sweetsprings zu ziehen. Wie geht es Harm denn so?“
„Eigentlich ganz gut“, antwortete Mac.
Commander Stern wurde aufmerksam.
„Sie kennen Commander Rabb?“, harkte sie nach.
„Nun ja, wir waren einige Zeit zusammen“, beantwortete Renee die Frage, dann wendete sie sich an Mac und sagte: „Richten sie Harm schöne Grüße von mir aus!“ Anschließend drehte sie sich um, warf schwungvoll ihre langen Haare zurück und stolzierte erhobenen Hauptes in das Innere des Pubs.
Die beiden Frauen schauten Ihr kurz nach.
Im Kopf von Commander Stern begann es zu arbeiten. Sehr interessant, sie war also mit ihm zusammen gewesen. Um ihren Plan zu vollenden, musste sie Commander Rabb irgendwie ins Bett kriegen. Bis jetzt war sie ja nicht gerade erfolgreich gewesen. Der Commander war wirklich sehr hartnäckig und hatte sich sogar abweisend verhalten. Vielleicht konnte sie erfahren, wie man an ihn heran kam. Seine frühere Freundin könnte ihr wahrscheinlich weiter helfen.
Commander Sterns Gedanken wurden von Mac unterbrochen.
„Ja, ich muss dann mal zu meinem Termin“, verabschiedete sich Mac und begab sich ebenfalls ins Blue Riders.

Im Pub war es etwas dunkler als Mac erwartet hatte, vor den Fenstern hingen schwere Vorhänge, die Sitzecken waren mit dunklem Leder bespannt und hatten hohe Rücklehnen.
In einer Ecke brannte ein offener Kamin und sein warmes Licht ließ das Innere irgendwie gemütlich und einladend erscheinen. Mac konnte Countrymusik hören. Ich hätte auch nichts anderes erwarte, dachte sie. Hinter der Bar fand sie schließlich Mr. Scott.
Der Bruder des Verdächtigen erklärte ihr, dass er noch einige Gäste abkassieren musste bevor er seine Pause einlegen konnte, um mit ihr zu reden.
Mac wählte einen Tisch in der hintersten Ecke und bestellte ein Wasser. Dann holte sie einen Notizblock und einen Stift aus ihrer Tasche und ging gedanklich noch einmal die Fragen durch, die sie gleich stellen wollte. Allerdings wurden sie gleich wieder aus den Gedanken gerissen, als sie eine bekannte Stimme hinter sich hörte.

„Kann ich mich kurz zu ihnen setzen, Renee?“
Das war Commander Sterns Stimme! Mac wurde hellhörig. Von der anderen Seite ihrer Sitzecke her hörte sie, wie Renee antworten und sich Commander Stern daraufhin setzte. Anscheinend hatte keiner der beiden bemerkt, dass Mac direkt hinter ihnen saß. Mac rutschte unbewusst etwas tiefer in den Sitz, um nicht bemerkt zu werden. Was wollte Commander Stern denn von Renee?
„Sie sagten vorhin, dass sie mit Commander Rabb zusammen waren! “ begann Linda ohne große Umschweife.
„Wieso interessiert sie das?“, fragend schaute Renee ihr Gegenüber an, dann fuhr sie fort, „ich sag ihnen was, lassen sie die Finger von Harm! Sie stürzen sich nur ins Unglück. Er ist nicht fähig eine Beziehung einzugehen“
„Hm, vielleicht will ich ja auch gar keine Beziehung. “
„Ach, und was wollen sie dann? “
„Verraten sie mir, wie er so ist!“
Renee blickte verständnislos. „Wie er so ist?“, wiederholte sie.
Linda seufzte kurz und verdrehte die Augen, dummes Blondchen, dachte sie.
„Also Renee, ich habe folgende Erfahrung gemacht: die meisten gut aussehenden Kerle sind im Bett ’ne Niete. Sie verbrauchen sozusagen ihre ganze Energie für das gute Aussehen. Ich will nur wissen, ob es sich lohnt, sich an Harm heranzumachen, und wenn, wüsste ich gerne wie. Also wie tickt er?“
Renee wusste nicht ob sie schockiert oder amüsiert sein sollte über die Offenheit der fremden Frau. Schließlich sagte sie, „eine Niete ist er bestimmt nicht, aber das müssen sie schon selber herausfinden.“ Dann knallt sie einige Münzen auf den Tisch und verließ den Pub.
Linda Stern blieb alleine am Tisch zurück. Sehr viel weiter war sie ja nicht gekommen. Sie hob ihr Glas an die Lippen und trank es aus. „Tja, scheint ja ’ne echte Perle zu sein, der Commander!“, sagte sie beißend, stand auf und ging.

Auf der anderen Seite der Sitzecke saß eine ziemlich bleiche Mac, die Ihr Herz klopfte wild und ihre zittrigen Finger hatte sie zu Fäusten geballt. In ihrem Kopf rasten tausend Gedanken hin und her und verursachten ein Schwindelgefühl. Sie konnte nicht fassen, was sie da eben mitangehört hatte. Linda Stern hatte es auf Harm abgesehen! Ihr war plötzlich ziemlich übel. Was hatte Commander Stern da eben noch gesagt? Tja, nur dass man Perlen nicht vor die Säue wirft, dachte Mac grimmig und fand Commander Stern mit einem mal überhaupt nicht mehr nett, sie war ihr in den vergangenen Minuten sogar ziemlich unsympathisch geworden.




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RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy

#2 von Petra , 03.05.2007 00:33

Days Inn Motel
Sweetsprings , West Virginia

Mac stand unter der Dusche und ließ das warme Wasser über ihren Körper laufen. Eine heiße Dusche war genau das, was sie jetzt brauchte. Noch immer war sie ganz durcheinander von dem, was sie im Blue Riders Pub gehört hatte. Sie stellte am Duschkopf den Massagestrahl ein und ließ das prickelnde Wasser ihren verspannten Nacken massieren. Nur langsam schienen sich ihre Gedanken wieder zu normalisieren.
Nachdem sie lange und ausführlich die heiße Dusche genossen hatte, brauste sie sich kalt ab. Dann stieg sie aus der Dusche, trocknete sich ab und zog etwas Bequemes an. Ihre innere Uhr sagte ihr, dass es 22.05 war und sicherlich würden sie und Harm noch zwei oder drei Stunden damit beschäftigt sein, die neuen Informationen durchzugehen und vielleicht würden sie auch schon eine Strategie entwickeln. Irgendwie freute sie sich darauf, die nächsten Stunden mit Harm zu verbringen, sie genoss die Zeit, die sie nur mit ihm hatte – auch wenn es bloß ein gemeinsamer Fall war. Es hatte schon so viele Abende gegeben, an denen sie bei einem Essen, bei ihm oder ihr zu hause, Fälle bearbeitet hatten.
Mit einem Lächeln begann sie sich die Haare zu fönen und ging gedanklich ihre Gesprächsnotizen durch.
Irgendwie hatte sie sich bei der Befragung von Mr. Scott nicht wirklich konzentrieren können, zu viele Gedanken waren in ihrem Kopf herumgewirbelt, um das, was sie kurz zuvor vom Nachbarstisch gehört hatte.
Und auch jetzt drifteten ihre Gedanken immer wieder dort hin zurück.
-Eine Niete ist er bestimmt nicht, aber dass müssen sie schon selber herausfinden-
hallte Renees Stimme in ihrem Kopf.
Mac schaltete den Fön aus und schüttelte leicht den Kopf, als wollte sie die Stimme damit zur Ruhe bringen.
< Komm, Mac, behalte eine kühlen Kopf, du hast noch ein paar Stunden arbeit vor dir>
Mit diesem Gedanken öffnete sie die Badezimmertür.

„Harm, ich glaube wir sollten ….“ mitten im Satz verstummte sie.

Ihr Partner hatte sich auf seinem Bett ausgestreckt und - schlief.
Er hatte sich ebenfalls umgezogen und eine dunkelblaue Sporthose und ein weißes T-Shirt gegen seine Uniform getauscht, die nun ordentlich auf einem Bügel am Schrank hing.
Leise näherte sich Mac ihrem schlafenden Kollegen, einen Anblick, den sie so nur selten zu Gesicht bekam. Lange stand sie einfach nur da und schaute auf ihn herunter. Ein warmes Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit. Sie musste an Russland denken, als sie gemeinsam seinen vermissten Vater gesucht hatten, damals hatten sie sich auch ein Zimmer geteilt, mein Gott war das schon lange her.
Mac betrachtete ihn noch einen Augenblick- er schien wirklich tief und fest zu schlafen. In seiner Hand, die auf seinem Bauch ruhte hielt er ihre Aufzeichnungen der Befragung. Anscheinend war er beim Lesen der Seiten eingeschlafen. Muss er ja sehr spannend gefunden haben, meinen Bericht, dachte sie. Vorsichtig nahm sie den Falter an sich und warf einen Blick darauf. Harm hatte einige Notizen dazu an den Rand geschrieben. Seine gleichmäßige Handschrift würde sie unter allen anderen im Büro sofort erkennen.
Dann fiel ihr eine Notiz ins Auge. Sie war ganz unten auf das letzten Blatt geschrieben worden.

- Mac fragen, wegen Abendessen-

Mac musste lächeln und flüsterte „ja, gerne.“ Dabei strich sie mit dem Zeigefinger über die Buchstaben.
Ob er wohl an sie Gedacht hatte, bevor er eingeschlafen war?
Seufzend legte sie die Blätter aus der Hand, sie brachte es nicht übers Herz ihn zu wecken, irgendwie sah er so friedlich aus und morgen würde auch noch genug Zeit für die Akten sein.
Sie ging zum Schrank, holte eine Decke heraus und breitete sie sorgfältig über ihren Kollegen aus. Das letzte was sie nun brauchen könnte wäre ein erkälteter Navy Pilot.

Kapitel 5



Montagmorgen
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Es versprach eine schöne Woche zu werden. Harm war bestens gelaunt, das Wochenende war erstklassig verlaufen. Mac und er hatten viele neue Informationen bekommen und auch schon eine wirklich gute Strategie entwickelt. Mit Mac konnte er einfach hervorragend zusammenarbeiten, sie ergänzten sich in machen Dingen wirklich außerordentlich gut.
Und außerdem hatte sie beide am Samstag nach ihren Ermittlungen zusammen zu Abend gegessen und es war ein wirklich toller Abend gewesener. Sie waren in einem kleinen, italienischen Restaurant in Washington gewesen und Mac hatte einfach hinreisend ausgesehen. Auf Harms Gesicht erschien ein Lächeln als er an seine Partnerin dachte.
„Guten Morgen, Commander“, Linda Stern tauchte plötzlich vor Harm auf und grinste, „ein schönes Wochenende gehabt?“
Mit einem Schlag war seine gute Laune verflogen. Er hatte überhaupt nicht mehr an die Klette gedacht.
„Guten Morgen, Commander“, erwiderte er und verschwand in seinem Büro.
Die Anwältin zuckte nur mit den Schultern und in ihrem Kopf formten sich schon neue Pläne. Ich hoffe, sie hatten ein nettes Wochenende, denn bald werden ihre Tage nicht mehr so schön sein. Ich denke ich werde nun zum Angriff übergehen.
Sie wartete noch einen kurzen Augenblick bevor sie schließlich Harms Bürotür öffnete.


Harm stand an seinem Aktenschrank und suchte nach Unterlagen, als Commander Stern eintrat und die Tür anlehnte. Harm drehte sich um „Kann ich ihnen irgendwie helfen?“, sagte er im forschen Ton und widmitte sich wieder der Suche seiner Akte.
Commander Stern trat näher an ihn heran und fuhr sich langsam mit der Zungenspitze ihre Oberlippe entlang um sie zu befeuchten. Dann hauchte sie:
„Ja, das können sie – ich möchte mit ihnen schlafen.“
Harm drehte sich ruckartig zu ihr um. „Was?“
Im ersten Moment dachte er, er hätte sich verhört „Was haben sie da eben gesagt?“
„Sie haben mich schon richtig verstanden.“
„Hören sie, Commander…“, setzte Harm gerade mit scharfem Ton an, um ihr rotes Licht zu geben und sie in die Schranken zu weisen, als sich seine Bürotür öffnete und Mac herein kam.
Linda Stern warf Harm einen stechenden Blick zu. „Überdenken sie mein Angebot“, sagte sie zu ihm und verschwand aus dem Büro.
„ Was denn für ein Angebot ?“ Mac schaute fragend in Harms Richtung, der wie versteinert auf der Stelle stand und irgendwie geschockt aussah. “Ging es da eben um unseren Fall? Ich habe gehört Commander Turner und Commander Stern übernehmen die Verteidigung im Fall Scott, wollten sie uns ein Verhandlungsangebot machen?“
Harm schaute sie verwirrt an, „Äh….na ja, …. nicht so direkt.“
„Ist alles in Ordnung?“
„Ich werde es schon in Ordnung bringen“, sagte Harm etwas abwesend und schaute wieder auf die Tür, aus der Linda Stern soeben gegangen war, „ich werde es schon in Ordnung bringen!“
Es war schon spät ,als Harm auf dem Nachhauseweg war. Die grauen Wolken, die sich den ganzen Tag über am Himmel gezeigt hatten, hatten sich am späten Abend zu einer dichten Wolkendecke zusammengezogen. Aus dem dunklen, verhangenen Himmel begann es leicht zu schneien, und Harm schaltete die Scheibenwischer an.
Mac und er waren heute mit den Ermittlungen ein gutes Stück vorwärts gekommen. Aber er war ständig mit den Gedanken abgeschweift. Immer wieder überkam ihn ein seltsames Gefühl, wenn er an die Szene in seinem Büro am Morgen dachte. Was hatte diese Frau vor? Außer das, was anscheinend so offensichtlich war. Irgendwas steckte doch dahinter. Er bekam eine Gänsehaut als er an ihren Blick dachte, da spiegelte sich Hass drin und genau deswegen passte das alles nicht zusammen. Sie machte ihn an und blicke gleichzeitig so, als wolle sie ihn auf der Stelle umbringen.
Er musste mit jemanden darüber reden. Vor allem aber musste er mit Commander Stern reden und sie in die Schranken weisen.
Unbewusst hatte er seinen Wagen in die Richtung von Macs Wohnung gefahren. Ja, vielleicht wäre es keine schlechte Idee, mit Mac zu sprechen. Sie waren gute Freunde, hatten gemeinsam schon so einiges durchgemacht und viel erlebt. Sie waren immer für den anderen da gewesen -fasst immer-. Vor allem aber vertraute er ihr, sie würde die Situation bestimmt nicht missverstehen wenn er ihr von Commander Stern erzählte. Vielleicht konnte sie ihre Spielchen durchschauen, immerhin war Mac auch eine Frau- und was für eine.


Mac hatte sich gerade einen Kaffee gekocht und wollte es sich mit einem Buch auf der Couch gemütlich machen, als es an ihrer Wohnungstür klopfte. Sie öffnete die Tür einen Spalt weit und späte nach draußen.
„Harm! Komm rein, gibt’s noch was zu besprechen?“ Sie schob die Sicherheitskette zur Seite und öffnete die Tür. „Ich hab gerade Kaffee gekocht magst du einen?“ Sie hielt ihm ihre Tasse hin.
„Danke.“ Harm nahm die Tasse mit der dampfenden Flüssigkeit entgegen. Er machte keine Anstalten seinen Mantel auszuziehen. Er stand da, mit der Tasse in seiner Hand, als müsste er sich daran festhalten.
Mac ging in die Küche, um sich einen neue Kaffee zu holen.
„Ich hätte da wirklich was mit dir zu besprechen“, rief Harm ihr nach.
Mac wurde hellhörig, das hörte sich fast so an, als ob ihr Kollege irgendetwas auf dem Herzen hätte. Sie kam aus der Küche und blickte neugierig zu ihrem Partner.
„ Ich … na ja… heute Morgen“, Harm wusste nicht so recht wie er mit dem Thema beginnen sollte und drehte die Tasse in seinen Händen. Er starrte in die schwarze Flüssigkeit, als würde er dort eine Lösung finden. Dann setzte er noch einmal neu an.
„Also, als du heute Morgen in mein Büro kamst und Commander Stern da war – Das Angebot…ich meine das Angebot von dem sie da sprach, … sie sagte zu mir, dass sie mit mir schlafen will … und… “
Mac stand da wie vom Donner gerührt. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand einen eiskalten Eimer Wasser üben den Kopf geschüttet. Dazu kam ein plötzliches Gefühl von unbeschreiblicher Wut und …. Eifersucht ?
„Und? Was willst du jetzt von mir wissen?“, unterbrach sie ihn und ihre Augen funkelten gereizt.
„ Fragt du mich etwa um Erlaubnis oder was?“ Sie konnte einfach nicht fassen was er da gesagt hatte.
„Mach doch was du für richtig hältst, Harm“, fuhr sie ihn an.
Harm war wie vor den Kopf geschlagen, mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet. Er war enttäuscht und verletzte, das hatte er nicht erwartet.
„Ich glaube, du verstehst mich nicht richtig“, versuchte er die Situation klar zu stellen.

„Was kann man denn daran missverstehen?“

„Es war wohl doch keine so gute Idee hierher zukommen.“ Harm stellte die Tasse weg und ging zur Tür.
Mac konnte sich nicht rühren, wie festgeklebt stand sie am selben Punkt und sah, wie ihr Partner die Wohnung verließ.
Es dauerte eine ganze Weile bevor sie sich schließlich auf die Couch fallen lies.
Mein Gott, was hatte er da eben gesagt? Was hatte Commander Stern zu ihm gesagt? Und wie hatte sie, Mac, bloß reagiert?
Sie sah seine Augen vor sich, seine blauen Augen, die wieder spiegelten, wie verletzt er durch ihre Reaktion war. Ihre Worte hatten ihn wirklich getroffen, dass war ihr nun auch klar. Aber sie waren einfach so aus ihr herausgesprudelt. Noch ehe sie ihre Gedanken in Worte fassen konnte, hatte sie sie auch schon ausgesprochen und konnte sie nicht mehr zurückgenehmen.
Was ging da nur vor sich, erst das Gespräch im Pub und jetzt das. Commander Stern hatte es tatsächlich auf Harm abgesehen und ging dabei ja nicht gerade zimperlich vor, sie kommt sozusagen gleich zur Sache.
Irgendwie passte Mac das überhaupt nicht, natürlich hatte sie keinerlei Anspruch auf Harm und sie waren ja nur Freunde, auch wenn ihr Herz da tief drinnen oft ganz anderen Meinung war, so wie z.B. in diesem Augenblick
Mac wurde es langsam mulmig und sie nahm sich vor Commander Stern genauer im Auge zu behalten.

Harm öffnete seine Wohnungstür. Er ärgerte sich noch immer über sich selbst. Warum hatte er nicht nachgedacht, bevor er etwas gesagt hatte.
Er legte die Schlüssel auf den Tisch und zog den Mantel aus.
Macs Reaktion hatte ihn verletzt, wirklich verletzt, aber er hatte ja sein Problem auch nicht gerade schlau dargestellt. Tatsächlich hatte er sich sogar ziemlich dusselig angestellt und war sozusagen mit der Tür ins Haus gefallen und hatte damit sämtliche Bewohner erschlagen. Kein Wunder, dass sie so reagiert hatte.
Aber so war das eben. Jedes Mal, wenn er und Mac redeten - wenn es persönlich wurde- konnte er einfach nicht die passenden Worte finden.
Es war eben nicht sein Ding, über Gefühle zu reden und schon gar nicht über seine eigenen oder womöglich noch darüber, was er für seine Partnerin empfand. Warum war das nur so kompliziert?
Vor Gericht hatte er auch keine Probleme spontan die richtigen Worte zu finden und mit seinen Abschlußplädoyes konnte er fast jeden um den kleinen Finger wickeln und überzeugen.
Es war immer nur bei ihr so. Ihr wütendes Gesicht tauchte vor ihm auf und er fand, dass sie sogar hübsch aussah, wenn sie so sauer war. Sie machte es ihm aber auch nicht einfach. Aber er hatte eben auch seine Prinzipien und sich nicht mit einer Kollegin einzulassen war eine davon. Besonders nach den Erfahrungen mit Kate Pike. Das bestärkte ihn nur noch mehr in seiner Absicht, sich nicht mit Mac einzulassen. Es würde alles nur komplizieren und ihre Freundschaft aufs Spiel setzen. Was würde aus seiner Karriere werden und aus ihrer? Immer wenn er darüber nachdachte, war es wie ein Kreislauf, bei dem man zu keinem Ergebnis kam.

Harm setzt sich auf die Couch, er verspürte keinerlei Hungergefühl, obwohl er den ganzen Tag nicht viel gegessen hatte, irgendwie war im die ganze Sache auf den Magen geschlagen. Vielleicht sollte er sich lieber gleich schlafen legen und morgen würde er die verdammte Sache mit Commander Stern klären.

Kapitel 6

Dienstagmorgen
Washington DC

Es war ein kalter, klarer Februarmorgen, die Sonne ging gerade auf und hellrosa Streifen durchzogen den Himmel als hätten sie jemand mit einem Aquarellpinsel dorthin gemalt. Es hatte zwar noch in der Nacht aufgehört zu Schneien aber auf den Strassen und Wegen lag noch immer eine dünne Schneedecke.
Harm war mit seinem Auto auf dem Weg zum JAG Hauptquartier. In seiner Corvette war es noch ziemlich kalt, es dauerte im Winter immer lange bis das Wageninnere richtig aufgeheizt war. Dieser Umstand hatte Harm schon früher des Öfteren eine Erkältung beschert.
Seine kalten Finger umklammerten das Lenkrad und seine Stimmung war mindestens genauso frostig wie das Wetter draußen. Daran konnte auch der harte Beat von Bruce Springsteens Song aus dem Autoradio nichts ändern.
Er würde mit Commander Stern reden, gleich die erste Gelegenheit würde er nutzen damit die Sache ein für allemal geklärt wurde.
Er bog auf den noch ziemlich leeren Parkplatz ein und sah wie Linda Stern gerade aus ihrem Auto ausstieg. Na, das war doch eine günstige Gelegenheit!
„Guten Morgen Commander“, Harm sprang aus seinem Auto.
Ein übertrieben freundliches „Guten Morgen, Commander Rabb“ kam von ihr zurück.
„Ich möchte mit ihnen reden.“ Harm blieb stehen and schaute auf sie herab.

„Oh, haben sie noch mal über mein Angebot nachgedacht?“

„Darüber möchte ich mit ihnen sprechen!“

Nur eine kurze Sekunde lang schaute Linda an Harm vorbei, gerade lang genug um zu sehen, wie hinter Harms Rücken das Auto des Admirals auf den Parkplatz fuhr.
Was für ein hervorragender Zufall, dachte sie und fasste schnell einen Entschluss.
„Ich weiß nicht wovon sie Reden, Commander!“, zischte sie und ging in Richtung Haupteingang.
„Sie wissen ganz genau, was ich meine.“ Harm ging mit großen Schritten hinter Ihr her, packte sie am Arm und hielt sie fest. So schnell würde er sie nicht gehen lassen. Er wollte die Sache jetzt klären.
„Lassen sie mich sofort los, Commander“, sagte sie laut und empört, fast eine Spur zu laut fand Harm.
„Und hören sie auf, mich zu begrabschen und zu belästigen“, schrie sie nun. Dann riss sie sich aus seinem Griff los und stürmte ins Hauptquartier mit einem gehässigen Grinsen auf dem Gesicht, welches allerdings niemand zu sehen bekam.
Auf dem Parkplatz stand der Admiral und hatte die ganze Szene beobachtet. Anscheinend war er gerade Zeuge geworden wie Commander Stern bedrängt wurde und das auch noch von einem seiner besten Anwälte.
Dieser stand noch immer verblüfft auf der Stelle. Was war das für ein Auftritt gewesen? Er war verwirrt. Wer belästigte denn hier wen?
„Guten Morgen, Commander Rabb!“ Der Admiral tauchte hinter ihm auf
„Guten Morgen, Sir!“ Harm nahm Haltung an und grüßte zackig.
„Irgendwelche Probleme, Commander?“, fragte der Vorgesetzte und schaute ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
„Nichts was sich nicht lösen ließe“, entgegnete Harm
„Das hoffe ich auch!“ Der Admiral schaute ihn noch kurz eingehen an. Dann nickte er leicht und ging auf das rote Ziegelsteingebäude zu.
Das war ja prima gelaufen, ganz toll Rabb! dachte Harm. Genau das, was ich heute Morgen gebraucht hatte.
Er seufzte tief und begann seinen Weg ins Büro fortzusetzen.

Kurze Zeit später.

Harm hatte sich in sein Büro zurückgezogen, die Tür geschlossen und die Jalousien zugedreht. Er wollte seine Ruhe haben. Dieses Biest hatte ihn da auf dem Parkplatz ganz schön dumm aussehen lassen und sein Gefühl, dass sie etwas gegen ihn im Schilde führte wurde immer größer. Aber warum nur – weil er nicht auf ihre Spielchen einging?
Ein Klopfen an seiner Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Mac steckte den Kopf herein. „Darf ich rein kommen?“ Harm nickte kurz und bedeutete ihr mit einem Wink einzutreten. Mac war etwas unbehaglich zumute. Sie wusste nicht so recht wie sie anfangen sollte und sie wollte nicht, dass ihr Gespräch genauso wie gestern Abend endete.
Sie blieb vor Harms Schreibtisch stehen. Keiner sagte ein Wort.
Schließlich beendete Mac das Schweigen.
„Harm, es tut mir leid, wegen gestern Abend. Ich wollte dich nicht verletzen aber-“
„Ist schon in Ordnung“, unterbrach Harm sie und schaute zu ihr auf.
Ein kleiner Moment der Stille entstand, in dem sich beide ansahen.
Dann sagte Harm: „Ich habe ein ungutes Gefühl was Commander Stern betrifft. Irgendetwas führt sie im Schilde und ich befürchte es betrifft mich. Sie lässt unangebrachte Kommentare in meiner Gegenwart fallen, ich meine sexuelle Anspielungen, Mac. Und immer nur dann, wenn kein anderer dabei ist.“
„Hast du ihr rotes Licht gegeben?“

„Dazu bin ich gar nicht gekommen“

„Sexuelle Anspielungen können bereits Tatbestand sexueller Belästigung ausmachen. Das ist immerhin ein Grund zur fristlosen Kündigung, sie würde aus der Navy fliegen wenn du das bekannt machst. Du musst mit ihr reden und das klären, Harm“
„Das habe ich schon versucht.“ Harm lehnte sich in seinem Stuhl zurück und rieb sich mit der Hand über die Stirn, klopfende Schmerzen begannen sich in seinem Kopf auszubreiten. Er machte einen verzweifelten Eindruck.
„Vorhin auf dem Parkplatz wollte ich mit ihr reden, und die Sache ging gewaltig nach hinten los. Sie hat es so aussehen lassen, als würde ich sie belästigen und das alles vor den Augen des Admirals.“ Harm klang wütend.
„Das hört sich nicht gut an, vielleicht solltest du an einem Ort mit ihr reden an dem niemand das Gespräch mitverfolgen kann.“
„Ich werde sie ganz bestimmt nicht zu mir nach Hause einladen.“
„ Das habe ich auch nicht gemeint, vielleicht ist dein Büro ein geeigneter Ort dafür.“
„Ja, vermutlich hast du Recht.“
Harm atmete tief ein und schaute Mac an. „Also was ist, wollen wir jetzt weiter am Fall Scott arbeiten oder nicht.“
Damit war das Thema fürs Erste beendet.

Kapitel 7


Mac hatte sich vorgenommen Commander Stern im Auge zu behalten, was sich als nicht allzu leicht herausstellte, schließlich hatte sie ja auch zu arbeiten. Und wenn Mac die Möglichkeit dazu hatte, nun ehrlich gesagt, war ihr bis jetzt nichts aufgefallen. Commander Stern beherrschte ihr Spielchen wirklich. Keiner bekam etwas mit, außer das, was man sollte.
Sarah McKenzie saß in ihrem Büro und dachte darüber nach, was Harm ihr erzählt hatte. Auch das Gespräch aus dem Raiders Pub kam ihr wieder in den Sinn. Sie starrte ins Foyer raus.
Es war bereits spät und die meisten Offiziere waren schon nach hause gegangen, nur noch wenige saßen an den Schreibtischen und alles in allem war es ein ruhiger Abend.
Sie sah wie Harm mit einem Stapel Papiere zum Kopierer ging, der an der hinteren Wand stand. Wenn sie sich ein bisschen streckte, konnte sie den Kopierer gut einsehen. Sie beobachtete wie Harm seitlich des Gerätes stand und die Papiere einlegte. Er sah so verdammt gut aus in seiner Uniform ,dachte sie und schaute ihn verträumt an.

Harmon Rabb jr. schaute gedankenverloren vor sich hin, während der Kopierer sein grelles Licht über die Papiere schickte ,um sie zu vervielfältigen. Er war etwas müde und rieb sich mit der Hand über die brennenden Augen. Eigentlich wollte er schon längst zu Hause sein.

Mac sah, wie plötzlich Commander Linda Stern auftauchte, unter ihrem Arm hatte sie einen Stapel Akten geklemmt. Sie beobachtete, wie Linda ihre Schritte verlangsamte, als sie Harm am Kopierer erspähte. Mac streckte sich noch etwas in ihrem Stuhl, um besser sehen zu können.

Linda blieb stehen, schaute sich kurz um, ob jemand Notiz von ihr nahm, was nicht der Fall zu sein schien, wie sie entschied. Dass Mac sie sehen konnte, ahnte sie nicht. Commander Stern blieb kurz vor Harm stehen.
„Entschuldigung, ich brauche etwas von dem grünen Papier.“
Harm wurde aus seinen Gedanken gerissen, er hatte Linda gar nicht bemerkt.
Diese hatte ihn bereits an die Wand manövriert, so dass er zwischen ihr, dem Kopierer und der Wand fest saß. Dann stellt sie sich dicht vor ihn und ging in die Hocke, um aus der untersten Schublade das grüne Papier zu holen. Ihr Kopf war genau in Harms Schritthöhe. Harm fühlte sich ziemlich unwohl in seiner Haut als er bemerkte, dass es keine Möglichkeit für ihn gab aus dieser anzüglichen Position zu gelangen. Am liebsten hätte er sie am Arm gepackt und hochgezogen, aber nach dem Auftritt auf dem Parkplatz, konnte er ihre Reaktionen nicht zuverlässig einschätzen und einen weiteren Aufstand wollte er wirklich vermeiden.

Sorgfältig zog Linda die Schublade auf und nahm einige Blätter heraus. Sie schaute frech zu Harm hoch, um dann betont langsam an ihm herunter zu schauen und ihren Blick auf seinen Schritt zu heften. „Nette Aussicht hat man von hier“, stellte sie fest. Dann schloss sie die Schublade, stand auf und glättete mit einer Hand ihren weißen Rock.
„Dann noch einen schönen Feierabend, Commander“ Linda legte das grüne Papier in ihre Akten und ging davon.

Mac saß in ihrem Stuhl und hatte genau beobachtet, was da vor sich ging, sie hatte zwar nicht verstanden was Linda gesagt hatte, aber Harm fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut und sein Gesichtsausdruck bestätigte das nur.
Diese Frau bedrängte ihren Partner und Freund und nach allem, was sie bisher gehört und nun auch gesehen hatte, gefiel ihr das wirklich nicht, überhaupt nicht. Commander Stern war ein Biest und trieb ihre Spielchen. Sie nahm sich vor, Harm noch einmal auf sie anzusprechen.
Sie überlegte kurz, ob sie sich Commander Stern mal vorknöpfen sollte, sozusagen von Frau zu Frau. Dann entschloss sie sich aber dagegen. Harm würde das schon alleine regeln, hoffte sie jedenfalls.
Mac packte ihre Sachen und beschloss nach hause zu fahren, es war ohnehin schon spät und sehr produktiv fühlte sie sich auch nicht mehr.

Macs Apartment
The Washington 2812
Georgstown, Washington DC

Wenig später lag Mac wach in ihrem Bett und konnte nicht einschlafen. Sie starrte an die Decke. Der Grund dafür war Harmon Rabb jr. und das wusste sie. Warum war ihre Beziehung nur so kompliziert? Welche Beziehung eigentlich? Mac schüttelte traurig den Kopf. Es hatte mal eine Zeit gegeben, da hatte sie gedacht sie müsse nur mit dem Finger schnippen und er würde ihr gehören. Aber sie war eines besseren belehrt worden. Vielleicht hatte Renee wirklich Recht und Harm war nicht in der Lage eine Beziehung einzugehen. Sie musste sich wohl damit begnügen, dass sie eben nur gute Freunde waren. Und trotzdem wünschte sie sich manchmal mehr. Sie musste nicht mal ihre Augen schließen, um seine Lippen auf den ihren zu spüren, als er sie vor ein paar Wochen so zärtlich am Weihnachtsabend geküsst hatte. Schade, dass es nur passiert war, weil sie beide zufällig unter dem Mistelzweig gestanden hatten und es eben so Brauch war.
Sie drehte sich zur Seite und nahm ihr Buch vom Nachttisch, vielleicht würde sie das Lesen auf andere Gedanken bringen. Ungefähr 23 Seiten später war Mac eingeschlafen, allerdings hatte sie keine Ahnung, was sie eigentlich gelesen hatte.


Liebe Grüsse Petra

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RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy

#3 von Petra , 03.05.2007 00:35

Kapitel 8


07.58 Uhr
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Sarah McKenzie stand im Aufzug. Die Türen begannen sich gerade zu schließen, als jemand seine Hand dazwischen hielt und sie wieder aufglitten.
Harm sprang rein „Morgen, Mac.“
„Guten Morgen“
Der Aufzug setzte sich in Bewegung.
Harm schaute gerade aus, auf die Aufzugsanzeige. „Mac, ich wollte dich das die ganze Zeit schon fragen.“
Einen kleinen Moment setzte Macs Herz aus und ihre Knie wurden weich.
Harm schaute sie nun direkt an. „Habe ich zufällig mein Handy bei dir liegenlassen oder in deinem Büro?“
Mac versuchte sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Sie wusste auch nicht, was sie eigentlich erwartet hatte.
„Nein, ich habe es nicht gesehen. Seit wann vermisst du es denn?“
„Ich bin mir nicht so sicher, ich habe es immer in der Jackentasche und in der letzen Zeit nicht gebraucht. Vorgestern wollte ich telefonieren, und es war nicht da.“
„Wahrscheinlich hast du es unter irgendwelchen Akten vergraben und es taucht irgendwann wieder auf.“
„Ja, vermutlich.“
Mit einem kleinen Ruck hielt der Aufzug und die beiden Anwälte verließen den Fahrstuhl in Richtung Foyer.

Harm musste heute unbedingt mit Commander Stern reden. Das stand auf seiner Prioritätenliste an oberster Stelle und er machte sich gleich daran sie zu suchen. Es dauerte auch nicht lange bis er sie gefunden hatte.
„Kommen sie bitte in mein Büro, ich möchte mit ihnen sprechen, Commander“, sagte er in einem Ton, der keine Widerrede duldete.

Harm hatte die Bürotür geschlossen.
„Setzen sie sich!“ Mit der Hand deutete er auf einen der beiden Stühle vor seinem Tisch.
Commander Linda Stern setzte sich. Harm nahm auf seinem Stuhl platz.
„Worum geht es denn?“, fragend schaute sie ihn an. Sie wusste natürlich genau, um was es ging, aber dieses Spiel machte ihr einfach zu viel Spaß.
„Hören sie auf, mich zu bedrängen, Commander!“ Verachtung schwang in seiner Stimme mit.
„Ich glaube, sie verstehen da etwas falsch!“, konterte Commander Stern plötzlich ziemlich aggressiv.
Sie erhob sich und beugte sich über den Schreibtisch. „Sie sollten aufhören MICH zu bedrängen, aber das sagte ich ihnen ja bereits schon.“ Wutschnaubend drehte sie sich um und ging Richtung Bürotür, riss sie auf und stürmte nach draußen, wobei sie laut und für alle deutlich zu hören schrie: „Lassen sie ihre Hände von mir, Commander Rabb!“ Dann hastete sie aufgebracht in Richtung Aufzug davon.
Im Foyer war es mit einem mal Totenstill. Admiral A.J. Chegwidden, der gerade auf dem Weg in sein Büro war und dabei in einen Bericht vertieft gewesen war, blieb überrascht stehen und hob den Kopf, um zu sehen, wer hier so einen Lärm machte.
Er sah wie Commander Stern aufgeregt an ihm vorbei eilte und verschwand.
„Weiter machen“, bellte er seinen Leuten zu und sofort begann das emsige Treiben wieder. Dann warf er einen Blick in das Büro welches anscheinend den Auslöser dieser Beschuldigung beherbergte.
Drinnen sah er, wie Commander Rabb starr an seinem Schreibtisch saß.
Admiral Chegwidden kniff die Augen zusammen. Auf seiner Stirn entstand eine dünne Sorgenfalte. Es gefiel ihm überhaupt nicht was hier geschah, in keinster Weise.

15.00 Uhr
Besprechungsraum
JAG Hauptquartier

Harm war außerordentlich schlecht gelaunt, nach dem Vorfall in seinem Büro war er wütend, wirklich wütend. Es fiel ihm ziemlich schwer seinen Ärger über Commander Stern in Zaum zu halten. Und jetzt sollte er auch noch mit ihr über den Fall Scott verhandeln. Es gab neue Erkenntnisse und Commander Turner und Commander Stern, die die Anklage übertragen bekommen hatten, wollten neue Informationen offen legen.

Harm und Mac saßen bereits an dem langen Tisch, an dem auch die morgendlichen Besprechungen stattfanden. Mac konnte spüren, wie schlecht gelaunt ihr Partner war und sprach ihn lieber nicht an. Sie konnte es ihm auch nicht verübeln, schließlich hatte die gesamte Belegschaft den Vorfall heute Morgen mitbekommen. Und es hatte nicht gerade ein gutes Licht auf ihn geworfen.

Harm saß neben ihr und klopfte nervös mit seinem Kugelschreiber auf den Block der vor ihm lag. Irgendwie musste er die angestaute Aggressivität loswerden. Mac befürchtete, dass der Stift den heutigen Tag nicht überleben würde. Besser der Stift als Commander Stern, dachte sie, obwohl - vielleicht doch nicht. Groll stieg in ihr auf, als sie an Linda Stern dachte.

Commander Turner und Commander Stern betraten den Raum und Linda fiel sofort die Anspannung auf, die von Harm ausging. Es würde nur noch ein kleiner Tropfen fehlen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.
Na gut, gehen wir dem Ende zu, Commander, dachte sie. Sie hatte ihn zwar nicht ins Bett bekommen, aber das war ihr nun auch egal. Sie hatte ihren Plan etwas umgeändert und er würde auch so funktionieren, schließlich hatte sie nun schon einige Zeugen, die bestätigen konnten, wie der Commander sie belästigt hatte.
Innerlich grinsend setzte sie sich gegenüber von Harm, der sie mit wütenden Blicken bedachte.

Sturgis legte seine Unterlagen auf den Tisch.
„Also, wir haben neue Zeugen im Fall Scott ausfindig gemacht.“

Harm hörte nicht, was Sturgis sagte, denn unter dem Tisch hatte soeben Lindas Fuß die Innenseite seines rechten Knöchels berührt und arbeitete sich gerade weiter nach oben. Er würde sich das nicht weiter gefallen lassen.
Im nächsten Moment war er auch schon von seinem Stuhl aufgesprungen, als hätte ihn jemand heißen Kaffee in den Schoß geschüttet. Der Stuhl kippte daraufhin gefährlich, blieb jedoch stehen.
„Commander! Lassen sie Ihre Füße gefälligst bei sich!“, herrschte er Linda an und beugte sich über den Tisch zu ihr herunter, so dass sein Gesicht nur wenige Zentimeter von Ihrem entfernt war.
Commander Stern stand jetzt ebenfalls auf.
„Nun hören sie aber auf, das ist doch lächerlich, ich habe gar nichts getan!“ Sie schaute ihn unschuldig an, dann wurde sie plötzlich zornig.
„Es reicht mir jetzt. Ständig beschuldigen sie mich, dabei sind SIE derjenige, der mich bedrängt. Ich werde von ihnen gemoppt und belästigt. Das werde es mir nicht länger gefallen lassen! So kann man ja nicht arbeiten. Ich werde eine Beschwerde über sie einreichen, Commander!“ Und mit eiligen Schritten verließ sie den Saal.

Harm starrte ihr ungläubig hinterher, das konnte doch alles nicht wahr sein. Er ließ sich zurück auf seinen Stuhl sinken und rieb mit der Hand über seine Schläfen, plötzliche Kopfschmerzen machten sich dahinter breit.

Sturgis schaute zu Mac und zog die Augenbraun hoch. Diese schaute besorgt zu ihrem Partner
und versuchte gerade ein paar aufmunternde Worte zu finden, als sich die Tür öffnete und Tiner den Kopf hereinsteckte.
„Commander Rabb, der Admiral will sie sofort sehen!“
Harm schmiss seinen Stift, den er die ganze Zeit über in der Hand gehalten hatte, auf den Tisch und folgte Tiner.

Sturgis wandte sich an Mac „Uh, das riecht aber nach Ärger!“ – „Scheint so, Sturgis, scheint so.“

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14.07.2005 21:59 Harm nahm Haltung vor dem Vorgesetzten an, sein Blick auf einen Punkt irgendwo hinter dem Admiral fixiert. Dieser stand mit verschränkten Armen hinter seinem Schreibtisch und sah außerordentlich verärgert aus.
„Commander Stern war soeben in meinem Büro und hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass sie von ihnen bedroht und sexuell belästigt wird“

Harm hätte beinahe die Fassung verloren und nur mit großer Disziplin konnte er sich dazu bringen die Haltung nicht zu verlieren.

Admiral Chegwidden umrundete seinen Schreibtisch und baute sich vor Commander Rabb auf. Er schaute ihn mit funkelnden Augen direkt an und seine Autorität erfüllte den Raum.

„Sie wissen genauso gut wie ich, dass jede Anschuldigung oder auch nur Verdacht von sexueller Belästigung ernst genommen wird, egal was ich darüber denke. Ich muss der Sache nachgehen und es wird eine Untersuchung geben, Commander. Sie sind mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres beurlaubt.“

Harm öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, aber der Admiral fuhr ihn mit einer Heftigkeit an, die er nur selten von ihm erfahren hatte, und er hatte schon so einige Abreibungen und Zurechtstutzungen seines Vorgesetzten hinnehmen müssen.
„Halten sie den Mund. Rabb! Ich will nichts davon hören aber auch gar nichts. Sparen sie sich das für die Untersuchung auf. Wegtreten !“

„Ja, Sir“ antwortete Harm und verlies den Raum.


Harm war in seinem Büro und feuerte gerade einige Papiere in seine Aktentasche, als Mac eintrat.
„Alles OK, Harm?“ Sie schaute ihn besorgt an. Selten hatte sie ihn so zornig und durcheinander erlebt, allerdings konnte sie ihm dass nicht verdenken, nachdem Commander Stern so eine Szene gemacht hatte. Der Tag war für ihn wirklich nicht gut gelaufen und anscheinend hatte der Admiral sein übriges dazu getan.

„Nein, nichts ist in Ordnung, Mac.“ Harm schaute sie gereizt an. „Der Admiral hat mich soeben beurlaubt. Commander Stern hat mich der sexuellen Belästigung beschuldigt. Es wird eine Untersuchung geben.“
Harm zog seinen Mantel vom Kleiderständer und griff nach seiner Offiziersmütze, dann ging er an Mac vorbei und verließ sein Büro.

„Aber … das ist nicht dein Ernst - Harm“, rief Mac hinter ihm her aber Harm ging weiter und verschwand im Aufzug. Ungläubig starrte sie ihm nach. Das konnte doch alles nicht wahr sein.


Liebe Grüsse Petra

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RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy

#4 von Petra , 03.05.2007 00:39

Titel: Rotes Licht / Teil 2

Autor: Amy

Zeitrahmen: spielt in der 7. Staffel

Inhalt: Harm sieht sich eines unangemessenen Vergehens beschuldigt.

Disclaimer: siehe Teil 1



Kapitel 1



16.45 Uhr
Nähe der Union Station
Washington DC


Der Himmel über Washington war grau und verhangen. Es war einige Grad unter dem Gefrierpunkt, und die Luft war kalt und schneidend. Seit den frühen Morgenstunden wirbelten kleine Schneefocken auf die Erde zu. Die kahlen Ästen der Bäume im Park nahe der Union Station waren bereits mit einigen Zentimetern weißen, flockigen Schnees bedeckt, und auf den Wegen wehte der Wind den Pulverschnee vor sich her, als wolle er den Boden fegen, was ihm aber nicht gelang.
Der Schnee knirschte unter den Schuhen des Joggers, der schon seit einiger Zeit unzählige Runden gedreht hatte. Er war zu sehr in seinen Gedanken vertieft, um zu bemerken, wie der Schnee auf seiner Joggingjacke abperlte und er spürte auch nicht, wie die weißen Flocken auf seiner warmen Haut schmolzen und in kleinen Rinnsalen seinen Hals hinunterlief, um dort seinen Kragen zu durchnässen.
Harmon Rabb jr. begann eine weitere Runde zu laufen. Die Ereignisse der letzten Tage gingen ihm immer wieder durch den Kopf, und er fragte sich zum hundertsten Mal wie das alles passieren konnte. Sie hatte ihn ausgetrickst und jetzt saß er in der Klemme, er saß tief in der Klemme und das war ihm bewusst. Sein Job, seine Karriere, alles stand auf dem Spiel.
Das missbilligende Gesicht des Admirals erschien wieder vor ihm. „Sie wissen, dass der Verdacht von sexueller Belästigung ernst genommen wird. Es wird eine Untersuchung geben“, hatte er zu ihm gesagt und keinerlei Erklärung zugelassen. Dann hatte er ihn bis auf weiteres beurlaubt. Jetzt saß er seit drei Tagen zu Hause und konnte nichts tun. Ein Gefühl das er hasste, er hatte gerne alles unter Kontrolle.
Harm hatte die Richtung zu seinem Apartment eingeschlagen und begann auf den letzten Metern sein Tempo zu drosseln. Er bemerkte erst jetzt, dass er durchnässt war und begann zu frieren. Wenigstens war sein Gemüt auch abgekühlt und sein Kopf wieder etwas klarer. Was konnte ihm schon passieren, es würde eine Untersuchung geben und er würde aufklären, dass es sich um eine arglistige Täuschung handelte. Schließlich hatte er sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Harm betrat den Aufzug. Eine heiße Dusche würde jetzt gut tun, dachte er und fuhr sich mit den Fingern durch das nasse Haar.
Als sich die Fahrstuhltüren knarrend öffneten, sah Harm sofort, dass Jemand vor seiner Wohnung stand.

„Hi, Harm“, begrüßte ihn eine nur allzu vertraute Stimme. „Ich wollte gerade wieder gehen.“
Mac sah ihren durchtränkten Partner erstaunt an, der mit nassen Haaren und Schneeresten auf der Jacke aus dem Aufzug trat.
„Ist das eine spezielle Übung für Navy Piloten – Orientierungslauf im Schneegestöber?“, neckte sie ihn und klopfte etwas Schnee von seiner Schulter.
„Nein, das ist das neue Wellnessprogramm für Beurlaubte“, antwortete Harm mit breitem Grinsen und fischte mit tauben Händen den Wohnungsschlüssel aus der Jackentasche.
„Ich wollte dir dein Handy bringen. Ich habe es heute in deinem Büro gefunden, als ich einige Akten gesucht habe. Deine ganze Arbeit darf ich jetzt nämlich auch noch übernehmen“, sagte Mac vorwurfsvoll.
„Jetzt gibst du mir wohl auch noch die Schuld, Mac.“ Harm öffnete seine Tür und hielt sie auf, damit Mac eintreten konnte.
„So hab ich das nicht gemeint und das weißt du auch“, sie legte sein Handy auf den Schreibtisch während Harm in Richtung Schlafzimmer ging.
„Wenn du was trinken willst, du weißt ja wo alles steht, bediene dich. Ich dusche nur schnell, bevor ich mir auch noch eine Erkältung hole“, rief er ihr zu, holte aus dem Schrank neue Kleidung und verschwand hinter der Abtrennung zu seinem Schlafzimmer.
Mac starrte ihm eine Weile nach und sah durch die nicht ganz durchsichtige Abtrennung, wie er seine Jacke, das T-Shirt und die Jogginghose auszog und aufs Bett warf. Ein leichtes Kribbeln stieg in ihr auf, als sie ihn so beobachtete, doch dann wandte sie sich ab. Mit klopfendem Herzen begann sie nach dem Kaffeepulver zu suchen. Sie hatte beschlossen, dass etwas Warmes ihrem Partner gut tun würde.
Mac hörte wie Harm die Dusche anstellte und sie versuchte sich ganz und gar auf das Kaffeekochen zu konzentrieren und sich nicht auszumalen, wie ein gewisser Harmon Rabb jr. unter der Dusche stand.

„ Eine Anwältin war gestern da und hat mit den Befragungen begonnen“, sagte Mac zu Harm, als dieser schließlich fertig geduscht und umgezogen zu ihr in die offene Küche kam.
Sie konnte einen Hauch seines Duschgels riechen als er sich neben sie stellte und nach dem Kaffee griff.
„Damit habe ich gerechnet, sicherlich wird sie auch hier bald auftauchen“
„Sie hat Commander Stern, Sturgis, Harriet und den Admiral befragt, ich hoffe nur, dass sich alles schnell aufklärt.“
„Ja, das hoffe ich auch“. Tief in Harms Inneren machte sich allerdings ein gegenteiliges Gefühl breit, das er aber ignorierte.
„Hast du Lust zum Essen zu bleiben?“, fragte er und hoffte somit auf andere Gedanken zu kommen.

19.30 Uhr
Nähe der Union Street
Washington DC

Lieutenant Astor hatte den ganzen Tag über im JAG- Hauptquartier mit den Befragungen begonnen und sich für den Abend vorgenommen, mit dem eigentlichen Beschuldigten zu sprechen. Ihrer Meinung nach war die Sache schon fast klar. Commander Stern hatte ihr von den Belästigungen erzählt und sehr glaubhaft geklungen, anscheinend wurde sie von dem Kollegen ziemlich bedrängt. Weitere Untersuchungen hatten ergeben, dass sogar der Admiral gesehen hatte, wie der Anwalt handgreiflich gegenüber Commander Stern geworden war.
Nun stand sie vor Commander Rabbs Wohnungstür und klopfte kräftig dagegen.
Das Bild, das sie sich automatisch von Commander Rabb gemacht hatte- nämlich ein gut aussehender Frauenheld, der immer bekommt was er will – bestätigte sich für sie auf Anhieb, als die Tür geöffnet wurde.

„Sind sie Commander Harmon Rabb jr.?“, fragte sie, um sicher zu gehen.
„Ja, der bin ich.“
„Ich bin Lieutenant Astor und führe die Ermittlungen in ihrer Sache durch. Darf ich hereinkommen?“
Ihr Blick fiel durch die Tür auf Mac, die sich vom Esstisch erhoben hatte. Unwiderruflich setzten sich der erste Eindruck von Commander Rabb bei Lieutenant Astor fest und blieb unbewusst in ihr haften. Aha, noch eine Kollegin und ein nettes Abendessen zu Zweit, wie romantisch - typisch Frauenheld, dachte sie und eine negative Einstellung machte sich in ihr breit, die ihrer Unprofessionalität alle Ehre machte.

„Ich werde dann mal gehen.“ Mac zog ihre Jacke an und ging Richtung Tür. Zur Ermittlerin gewand sagte sie: „Wir werden uns ja sicherlich auch noch sprechen, auf wieder sehen.“

Harm ging mit Lieutenant Astor zu dem Tisch, an dem Mac und er soeben mit dem Essen fertig geworden waren. Schade, dass der Abend so jäh unterbrochen wurde, dachte Harm, während er die Teller auf die Theke räumte, um etwas Platz zu schaffen. Dann setzte er sich der Ermittlerin gegenüber. Sie hatte kurz geschnittene, strohblonde Haare. Ihre Frisur und ihre scharf geschnittenen Gesichtszüge ließen sie jungenhaft und herb aussehen, fand Harm.


„Also, ihnen wird vorgeworfen, Commander Stern sexuell belästigt zu haben, was sagen sie dazu“, begann Lieutenant Astor mit scharfem Ton.
„Dass es nicht der Wahrheit entspricht.“
„Sie geben es also nicht zu, obwohl es Zeugen gibt, die gesehen haben, wie sie Commander Stern bedrängten?“ In ihrer Stimme klang Sarkasmus mit, der eine ungute Stimmung verbreitete.
Harm beugte sich vor. „Hören sie zu und hören sie gut zu, denn ich sage es nur einmal. Commander Stern hat mich bedrängt, und als ich die Sache klären wollte, hat sie mir alles in die Schuhe geschoben. Sie hat mich ausgetrickst. Sie ist eine gute Schauspielerin und Lügnerin.“
„Sie wollen mir also weiß machen, dass Commander Stern sie belästigt hätte. Wenn es so gewesen wäre, warum haben sie ihr dann nicht rotes Licht gegeben?“
„Sehen sie, genau das ist der Punkt. Das habe ich mehrmals versucht, aber sie hat alles verdreht.“
„Commander, ehrlich gesagt ist das nicht sehr glaubwürdig, warum sollte Commander Stern das tun? Ich sehe keinen Grund dafür. Sie hat überhaupt keinen Anlass, kein Motiv, dazu. Und überhaupt kennt Commander Stern sie ja auch erst, seit dem sie bei JAG in Falls Church angefangen hat. Ihrer Aussage nach, haben die Belästigungen durch sie gleich danach angefangen. Also, ich sehe die Sache so: SIE wollten etwas von ihr, und als Commander Stern nicht darauf einging, hat ihr Ego das nicht verkraftet und sie haben sie schikaniert.“

Harm fühlte sich nicht ernst genommen. Seine Sichtweise wurde überhaupt nicht berücksichtigt, eigentlich wurde er ja überhaupt nicht zu den Vorkommnissen befragt. Hier hatte schon jemand eine festgefahrene Meinung und das machte Harm langsam ärgerlich.
„Sieht so aus, als hätten sie ihren Schuldigen ja schon. Sollten sie nicht objektiv bleiben!?“
„Manchmal ist es gut, wenn man sich auf seinen Instinkt verlässt, Commander Rabb.“ Lieutenant Astor stand auf und ging zur Tür. „Einen schönen Abend noch.“
Harm spürte, wie plötzlich alle Stricke zu reißen drohten und er fühlte sich als wäre soeben sein Untergang unterzeichnet worden.

Kapitel 2



Zwei Tage später
JAG-Hauptquartier
Falls Church, Virginia

„Tiner, ich möchte mit dem Admiral sprechen.“ Mac betrat das Vorzimmer des vorgesetzten Offiziers.
Am frühen Morgen hatte sie mit Lieutenant Astor gesprochen und hatte dabei ein ganz merkwürdiges Gefühl. Die Anwältin schien sich bereits ein genaues Bild von der Situation gemacht zu haben. Die Schilderungen über den Vorfall am Kopierer oder das Gespräch im Blue Riders Pub, das Mac gehört hatte, hatten nicht wirklich Gewicht gehabt. Sie wurden als nicht aussagekräftig abgetan. Wahrscheinlich, weil sie nicht in das Bild passten, welches sich Lieutenant Astor von der Situation aufgebaut hatte.

„Kommen sie rein.“
Der Admiral saß an seinem Schreibtisch und winkte sie zu sich.
„Setzen sie sich.“
„Admiral, ich habe gehört, dass es in Commander Rabbs Fall zu einem Prozess kommen soll“
„In der Tat, da haben sie richtig gehört.“ A.J. Chegwidden lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Ich möchte gerne die Verteidigung von Commander Rabb übernehmen, Sir.“
„Colonel, so gerne ich auch dem Commander ihre ausgezeichneten Fähigkeiten als Anwältin zu Gute kommen lassen würde, kann ich dem nicht zustimmen. In einer Art und Weise sind wir alle beteiligt und können als Zeugen gehört werden. Zum anderen kann ich nicht zulassen, dass es irgendwelche Zweifel geben könnte, dass möglicherweise Vetternwirtschaft im Spiel ist. Die Weste des Commanders wird nur rein gewaschen, wenn er einen neutralen Prozess erhält. Ein unbefangener Anwalt aus einem anderen JAG Büro wird die Verteidigung übernehmen. Ich werde sicherstellen, dass er die bestmögliche Verteidigung erhält, Colonel. Wie sie sicherlich schon mitbekommen haben, wird Lieutenant Astor die Anklage führen.“
Im Grunde hatte Mac schon längst gewusst, dass sie nicht die Verteidigung bekommen würde, aber sie fühlte sich hilflos und hatte das Gefühl irgendetwas unternehmen zu müssen.
„Sir, dann glauben sie also auch, dass Harm unschuldig ist?“ Hoffnungsvoll schaute sie ihren Vorgesetzten an.
Der Admiral seufzte und rückte auf seinem Sessel vor. „Schauen sie, Mac. Ich habe einige Situationen zwischen Commander Stern und Commander Rabb miterlebt und mache mir meine eigenen Gedanken über die Umstände. Ich kenne Rabb schon lange genug, um sein Pflichtgefühl und seine Prioritäten der Navy gegenüber einschätzen zu können. Was Commander Stern angeht, bleibe ich neutral. Ich kenne nur ihre Personalakte und weiß über ihren Versetzungsgrund bescheid. Das ist dann alles, Colonel.“ Der Admiral wandte sich wieder seinen Papieren zu und die Unterhaltung war somit beendet.

Mac machte sich auf ihren Weg ins Büro und ließ sich die Worte des Admirals noch einmal durch den Kopf gehen.Warum hatte er nur die Personalakte von Commander Stern erwähnt?

Commander Linda Stern stand im Foyer und betrachtete Mac in ihrem Büro. Bis jetzt war alles nach ihrer Zufriedenheit gelaufen, wenn auch nicht ganz so wie beim letzten Mal. Es schien aber auch so zu funktionieren. Sie hatte Lieutenant Astor gekonnt überzeugt und sie hatte ihr jedes Wort geglaubt. Am meisten Spaß hatte es Linda gemacht ihr ausführlich zu erzählen, wie Commander Rabb sie in der Bibliothek begrabscht hatte und sie bei ihrer Gegenwehr die Akten vom Tisch gestoßen hatte. Nur wenige Minuten danach sei sie vor der Bibliothek Commander Turner begegnet, der sicherlich bestätigen könne, wie verstört sie durch die Belästigung gewesen war. Er hätte bestimmt auch gesehen, wie Commander Rabb schließlich die Akten aufgesammelt hatte, die überall auf dem Boden verstreut lagen.
Dass es eigentlich ein geplanter Zusammenstoß ihrerseits gewesen war, bei dem Commander Rabb ein großer Stapel Akten aus den Armen gefallen war, wusste ja niemand, außer Rabb natürlich. Aber man würde ihn sowieso bald für unglaubwürdig halten, denn sie war einfach eine zu gute Schauspielerin, konnte beeinflussen und hatte Zeugen - er hatte nichts.
In den nächsten Tagen würde der Prozess gegen ihn beginnen und sie freute sich schon darauf, wenn er schließlich aus der Navy fliegen würde und sie einen weiteren persönlichen Sieg errungen hatte gegen diese Flieger.

Kapitel 3


Freitagabend
Harms Apartment
Nähe der Union Station


Mac hatte Harm zugesichert, bei den Besprechungen mit seinem Verteidiger dabei zu sein. Nun saßen sie an Harms Tisch und gemeinsam gingen sie jedes Detail mit dem Anwalt durch.
Der Anwalt, Major Martin, war ein leicht untersetzter, kleiner Mann mit rundlichem Gesicht. Er hatte eine Glatze und nur noch an seinem Haarkranz konnte man erkennen, dass seine Haarfarbe dunkelbraun war. Mac schätzte ihn auf Anfang 50, was sie auf reichlich Erfahrung hoffen ließ. Allerdings schien er geistig nicht unbedingt der Schnellste zu sein, denn Harm musste immer wieder die verschiedenen Vorfälle schildern.
Sie versuchten nun schon seit geraumer Zeit eine Strategie zu erarbeiten und Mac fragte sich langsam, ob es nicht besser wäre, wenn Harm sich selbst verteidigen würde. Offenbar konnte Major Martin mit den Gedankengängen von ihr und Harm nicht mithalten und das beunruhigte sie mit zunehmender Stunde.
Nur keine voreiligen Schlüsse ziehen, versuchte sie sich zu beruhigen, Außerdem hatte Admiral Chegwidden versichert, dass er einen guten Anwalt auswählen würde. Also müssen ja irgendwo die Qualitäten liegen. Hoffentlich kommen sie schnell zum Vorschein.

„Da ist noch etwas, vermutlich wird es nicht viel helfen, aber wir sollten alles verwenden“, sagte Mac und schaute Harm von der Seite her an. „Ich habe es dir noch nicht erzählt, aber als wir in Sweetsprings waren, habe ich Renee getroffen.“
„Du hast Renee getroffen?“, fragte er skeptisch.
„Ja … und Commander Stern. Beide waren in dem Pub, in dem ich die Befragung durchführte. Dabei habe ich ein Gespräch zwischen den beiden mit angehört. Commander Stern hat Renee über dich ausgefragt, sie hat großes Interesse an dir gezeigt und wollte wissen, nun, sie wollte von ihr wissen, wie sie am besten an dich ran kommt.“
„Sie wollte was?“ Harm schaute sie ungläubig an.
Mac fühlte sich ein bisschen unwohl und berichtete in knappen Worten von dem Gespräch.

„Aber das ist ja toll“, der korpulente Anwalt sprang von seinem Sitz auf, „Da haben wir ja einen Beweis dafür, dass Commander Stern an ihnen interessiert war.“
„So toll ist das nun auch wieder nicht“, Harm verlor langsam die Geduld.
„Ich kann ihnen auf Anhieb sagen, wie man diese Aussage entkräftigen kann“
Dann drehte er sich zu Mac und begann sie zu befragen, als säße sie im Zeugenstuhl.
„War es an diesem Abend voll im Pub?“
„Ja, ziemlich sogar.“
„Vermutlich wurde auch Musik gespielt?“
„Das ist richtig, irgendwelche Countrymusik“
„Es war also laut.“
„Etwas schon.“
„Wie kannst du dir dann sicher sein, dass du alles richtig verstanden hast.“
„Harm, ich bin mir sicher!“
„Ich glaube dir ja auch, aber werden die Geschworenen es auch glauben?“

Major Martin ließ sich auf seinen Stuhl zurück sinken. Er schaute etwas gekränkt, weil er sich eben noch so für diese neue Erkenntnis begeistert hatte und sein Mandant mit ein paar Worten Zweifel gesät hatte. Warum war er nicht selber auf die Idee gekommen?
„Wir sollten uns lieber auf eine handfeste Strategie konzentrieren“, hörte er Harm sagen und nickte zustimmend.

Es war schon spät, als der Anwalt schließlich Harms Apartment verließ, mit einer Vorgehensweise, zu der er nicht viel beigetragen hatte.

Mac sah zu Harm, der sich in seinen Sessel gesetzt hatte und nicht sehr zufrieden aus sah.
„Wo haben sie den nur ausgegraben?“, fragte er kopfschüttelnd. „Das gibt eine Katastrophe im Gerichtssaal.“
Mac stand in der Küche und spülte ihr leeres Glas aus
„Unsere Strategie ist doch gar nicht so schlecht“, versuchte sie ihn aufzuheitern.
„Ja genau, unsere Strategie. Ist nur die Frage, ob er sie auch umsetzen kann.“
„Das wird er schon, schließlich hat ihn der Admiral empfohlen. Und der wird schon wissen, was er tut.“
Harm hatte sich in seinem Sessel nach vorne gebeugt, die Ellenbogen auf die Knie gestützt und seine Stirn in den Handballen vergraben. In seinem Kopf begann sich erneut ein dumpfer, pochender Schmerz auszubreiten.
„Hoffentlich hast du recht“, murmelte er.
„Du siehst nicht gut aus, Harm“, besorgt betrachtete Mac ihren Partner. „Hast du Kopfschmerzen?“
„Seitdem Commander Stern bei uns arbeitet ist mein Aspirin verbrauch drastisch gestiegen“,
versuchte Harm zu scherzen, obwohl ihm überhaupt nicht danach war.
Mac ging zu ihn rüber und setzte sich vorsichtig auf die Armlehne des Sessels.
„Oh, ich kenne da ein gutes Mittel“, sagte sie und beugte sich leicht über Harms Rücken. Dann setzte sie vorsichtig ihre Daumen rechts und links neben seinen Halswirbeln auf und begann mit kleinen, kreisenden Bewegungen seinen Nacken zu massieren.
Seine Haut fühlte sich unter ihren Fingern warm an und sie konnte jeden Muskel darunter spüren, die zum Teil verkrampft und hart waren. Sie verstärkte ihren Druck und arbeitet sich langsam durch seinen Haaransatz hoch bis zu der Stelle, an der der erste Wirbel saß.

Im ersten Augenblick war Harm etwas überrascht, als er Macs warme Hände an seinem Nacken spürte. Doch es fühlte sich gut an, wie sie mit festem Druck seine verkrampften Muskeln bearbeitete und er begann sich langsam zu entspannen.
Aber mit der Entspannung stieg auch eine plötzliche Sehnsucht in ihm auf, und sein Körper begann mehr zu verlangen.
Er musste diesem intensiven Verlangen Einhalt gebieten und griff nach Macs Händen, um sie sachte von seinem Nacken zu lösen.
„Es ist schon besser-“, sagte er, „Danke.“
Dabei schaute er sich zu ihr um.
Mac lächelte zaghaft, dann gab sie ihm einen Klaps auf die Schulter und stand auf.
„Na gut, ich glaube ich werde dann mal gehen. Schließlich muss ich ja morgen früh wieder arbeiten und kann nicht so wie du auf der faulen Haut liegen bleiben.“
Harm erhob sich ebenfalls. „Glaub mir, Mac, ich würde gerne tauschen.“


Nachdem Mac sein Apartment verlassen hatte, stand Harm etwas unschlüssig da, er konnte noch immer ihre Hände an seinem Nacken spüren und die Wärme, die ihn durch ihre Massage durchflutete.
Mac, mein Gott Mac, was machst du nur mit mir? fragte er sich.
Sie hatte sein Blut in Wallung gebracht und das nicht zum ersten Mal. Seine Gefühle waren durchgerüttelt. Er wusste nicht, was er denken oder fühlen sollte. Sie waren Kollegen und vor allem waren sie gute Freunde, auch wenn er vielleicht etwas mehr für sie empfand, als er sich eingestehen wollte. Er konnte einfach nicht loslassen und die Kontrolle aufgeben. Das hatte sie schon einmal gut erkannt und ihm auch gesagt, damals auf ihrer Verlobungsparty. Sie hatte damit genau ins Schwarze getroffen. Aber gerade jetzt, da er das Gefühl hatte, seine Sicherheiten zu verlieren, seinen Ruf, seinen Job, da brauchte er Mac mehr denn je und konnte einfach keine Gefühlsduseleien akzeptieren, die sonst wohin führen könnten- ja, wer weiß wohin. Es ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt darüber nachzudenken, aber irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt. Harm schüttelte den Kopf. Jetzt stand erst einmal der Prozess an und er wollte sich ganz und gar darauf konzentrieren.


Liebe Grüsse Petra

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RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy

#5 von Petra , 03.05.2007 00:41

Kapitel 4



1. Prozesstag

Am frühen Morgen
JAG-Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Mac betrat die Teeküche. Sie brauchte heute einen extra starken Kaffee, um den Tag zu überstehen. Seit dem sie aufgestanden war, hatte sich eine besorgniserregende Unruhe in ihr ausgebreitet. Sie hatte ein merkwürdiges Gefühl und wusste nicht genau, woher es kam. Mac leerte gerade ein Päckchen Zucker in ihre Tasse, als der Admiral eintrat.

„Wie waren denn die Vorbereitungen mit Major Bryson?“
Bryson ? Mac stutzte, der Name kam ihr überhaupt nicht bekannt vor. In wenigen Sekunden ratterte ihr Gehirn alle Fälle und Unterlagen durch, an denen sie gerade arbeitete, aber ein Major Bryson war nicht dabei. Mein Gott, hatte sie etwa einen Fall verbummelt? Durch die ganze Sache mit Harm war sie in letzter Zeit vielleicht etwas abgelenkt gewesen. Wenn der Admiral erfuhr, dass sie sich zu sehr mit Harms Anklage beschäftigt und dabei einen seiner Fälle vernachlässigte, würde das verdammt großen Ärger geben.
Verunsichert fragte sie nach, „Major Bryson, … Sir?“
„Ja, der Anwalt der Harm verteidigt, er soll sehr gut sein. Ich habe Erkundigungen über ihn eingeholt. Er hat sehr viele seiner Fälle gewonnen.“
Der Admiral schaute Mac verwundert an. „Ich dachte sie würden vielleicht in der Angelegenheit ein wenig mitmischen.“
Mac war nun etwas verwirrt „Ja, um ehrlich zu sein, habe ich Harm versprochen, bei den Besprechungen mit dem Anwalt dabei zu sein, aber der Anwalt heißt nicht Major Bryson sondern Major Martin.“
„Da muss ein Irrtum vorliegen, ich habe extra Major Bryson angefordert.“
„Vielleicht ist irgend Etwas schief gelaufen“, sagte Mac
„Hmm, ich werde mich darum kümmern“, versprach der Admiral und verließ die Küche.

Während des Gesprächs hatte sich ein zäher Klumpen in Macs Magen gebildet, der immer größer wurde. Zuerst war sie darüber erleichtert, dass sie doch keinen Fall vergessen hatte, aber gleich danach erkannte sie, welche Katastrophe sich hier anbahnte. Die ganze Zeit über hatte sie schon an Major Martin gezweifelt, sich aber immer wieder gesagt, dass er ja seine Qualitäten haben müsse, wenn der Admiral ihn empfohlen hatte. Sie hatte Harm ermutigt und sich selbst immer wieder versucht zu überzeugen, dass der Anwalt im Gerichtssaal der Knaller wäre. Ja, sozusagen der Elvis Presley der Anwälte.
So, und jetzt waren diese wackeligen Hoffnungen wie ein Kartenhaus eingestürzt. Und nicht nur das, in zwei Stunden würde der Prozess beginnen und es war zu spät einen anderen Verteidiger zu ernennen.

1 ¾ Stunden später
JAG-Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Vor dem Gerichtssaal hatte sich bereits eine kleine Menge Leute angesammelt. Harm stand bei Mac. Sie warteten auf Major Martin, der eigentlich schon längst hier sein wollte.
Irgendwie hatte Harm das Gefühl, dass mit Mac etwas nicht in Ordnung war. Ständig trat sie von einem Bein auf das andere, überprüfte den Sitz ihrer Uniform und fuhr sich durch die Haare. Außerdem sah sie ein bisschen blass um die Nase herum aus.
„Geht’s dir gut, Mac?“, fragte Harm und berührte dabei leicht ihren Arm.

„Ja, alles in Ordnung“, schwindelte sie.

Mac hatte beschlossen Harm zu verschweigen, dass Major Martin nicht der vorgeschlagene Anwalt von Admiral Chegwidden war. Wenn der Prozess begann, würde er das gleich selber herausfinden, da musste sie ihn nicht schon vorher nervös machen.
Aber vielleicht würde ja auch ein Wunder geschehen.

In diesem Augenblick öffnete der Gerichtsdiener den Saal zum Eintreten. Harm schaute sich noch einmal um, ob sein Verteidiger irgendwo zu sehen war und beschloss dann ohne ihn den Verhandlungsraum zu betreten. Er nahm vorne auf der linken Seite Platz und Mac setzte sich direkt hinter ihn. Sie hoffte, dass Major Martin möglicherweise nicht kommen würde, dann könnten sie die Verhandlung verzögern und vielleicht…
„Sie sind schon hier drin!“ Admiral Chegwidden beugte sich zu seinen Anwälten herunter.
Harm hatte sich umgedreht und wurde stutzig, was wollte denn der Admiral jetzt noch?
„Colonel McKenzie, Sie hatten recht“, sagte A.J. Chegwidden kaum vernehmbar. „Aber es war kein Irrtum. Major Martin wurde für Major Bryson eingesetzt, weil dieser mit einer Blinddarmentzündung im Krankenhaus liegt.“
Mac presste die Lippen aufeinander und schaute zu Harm. Der verstand überhaupt nicht wovon der Admiral sprach.
„Sir, von welchem Irrtum sprechen sie?“ fragte er.
„Ich habe für sie eigentliche Major Bryson angefordert, er ist ein Top- Anwalt. Tja, leider liegt er jetzt im Krankenhaus und man hat ohne Rückfrage einen Ersatz geschickt - Major Martin. Er hatte wohl gerade nicht so viel zu tun, sie können sich vielleicht vorstellen warum. Leider ist er nicht ganz so kompetent wie Major Bryson.“
Und das war noch ziemlich untertrieben, setzte der Admiral gedanklich hinzu.

Auf Harms Gesicht machte sich Fassungslosigkeit breit. Er hatte zwar nie wirklich Major Martin für den Superanwalt gehalten, aber immerhin hatte er, genau wie Mac, auf das Urteilungsvermögen des Admirals vertraut.

„Ah, da sind sie ja“, Major Martin kam zwischen den Stühlen durch gehetzt. Sein rundliches Gesicht war vor Hektik rot und Schweißperlen rannen von seiner Stirn. Seine Stimme überschlug sich fast.
„Es tut mir leid, dass ich mich etwas verspätet habe.“ Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich auf den Stuhl neben Harm fallen, dann kramte er ein Taschentuch aus seiner Uniformhose und wischte sich die Stirn ab.
Er war so mit sich beschäftigt, dass ihm gar nicht auffiel, wie ihn drei entsetzte Gesichter anstarrten.

Am Vormittag des ersten Prozesstages wurden die ersten Zeugen gehört. Zuerst natürlich Commander Stern mit ihrer Version der Dinge.
Harm hatte sich nur schwer zurückhalten können, um nicht ständig einzugreifen. Es viel ihm absolut schwer, ruhig auf dem Stuhl sitzen zu bleiben und jemand Anderes die Führung zu überlassen. Vor allem wenn derjenige nicht der hellste war, wie sich seine Vermutungen bestätigt hatten.
Zu allem Überfluss war die Anklägerin der ’vorurteilsfreie’ Lieutenant Astor. Und sie machte ihren Job gut, fand Harm, zumindest in der Hinsicht, dass sie den Prozessverlauf voll in der Hand hatte.

Nach Commander Stern wurde Harriet befragt, die ausgesagt hatte, wie Harm und Linda sich angeregt an dem Abend im McMurphys unterhalten hatte. Und dass es so aussah, als haben sie sich sehr gut verstanden.

Der Admiral gab sachlich Auskunft über den Vorfall auf dem Parkplatz und im Foyer. Zu Letzterem konnten noch eine Reihe andere Mitarbeiter bestätigen, dass Commander Stern verstört und mit den Worten >Lassen sie ihre Hände von mir< aus Harms Büro kam.

Dann wurde Commander Turner zu der angeblichen Begrabschung in der Bibliothek befragt. Er bestätigte, dass er Commander Stern verwirrt und verstört vor der Bibliothek vorfand und berichtete, wie sie ihre Kleidung in Ordnung brachte. Dann schilderte er, wie er in der Bibliothek auf Commander Rabb traf, der gerade die Akten und Papiere vom Boden aufsammelte. Eigentlich war es eine neutrale Aussage, aber durch die vorangegangenen Behauptungen von Commander Stern und durch geschickte Interpretationen von Lieutenant Astor ergab sich für den Zuhörer und die Geschworenen ein ganz eigenes Bild.

Wie auch nicht anders zu erwarten war, brachte es Harms Anwalt einfach nicht zustande Aussagen zu entkräften oder unglaubwürdig erscheinen zu lassen.
Bei Sturgis Aussage hatte Harm aus lauter Verzweiflung über die Unfähigkeit seines Verteidigers auf dessen Block mit großen Buchstaben – Einspruch: Spekulation - geschrieben und drei Ausrufezeichen dahinter gesetzt. Sonst hätte sein Verteidiger wohl nie etwas gesagt. Und so hatte sich bis zum Ende des erstem Prozesstages ein Teil ins andere gefügt, bis die Anklage ein Bild von Harm aufgebaut hatte, das einen Frauenheld, der mit Abweisung nicht fertig wurde, wiederspiegelte.

2. Prozesstag, Donnerstag
JAG-Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Harm saß im Zeugenstuhl und hatte soeben die Befragung seines Verteidigers hinter sich gebracht. Es war nicht ganz so schlecht gelaufen, wie er befürchtet hatte. Jedenfalls hatte er endlich die ganze Situation schildern können und hoffte nun einen Vorteil damit erreicht zu haben. Deshalb hatte er auch darauf bestanden selber auszusagen.

Nun bestand ihm noch die Befragung der Anklage bevor und sein Puls begann schneller zu schlagen. Er hoffte, dass es einigermaßen glimpflich über die Bühne ging.

Lieutenant Astor erhob sich von ihrem Stuhl, knöpfte ihre Uniform zu und trat zu ihm an den Zeugenstand.

„Commander Rabb, wie ist ihre Beziehung zu Commander Stern?“

„Rein beruflich.“

„Weil Commander Stern nicht auf ihre Annäherungsversuche eingegangen ist?“

Harm schaute zu seinem Anwalt, der jedoch keine Anstalten machte, Einspruch zu erheben.

„Nein, ich hatte nie ein andere Interesse an ihr, als ein Berufliches“, antwortete er.

„Sie haben sie also auch nie bedrängt?“

„Nein.“

„Was war das dann auf dem Parkplatz vor dem JAG-Hauptquartier? Haben sie da Commander Stern festgehalten?“, fragte Lieutenant Astor und drehte sich zu den Geschworenen um, um ihrer Frage Nachdruck zu verleihen.

„Ja, ich wollte mit ihr über ihre unangemessenen Bemerkungen mir gegenüber reden.“

„Welche Bemerkungen?“

„Sie hatte einige sexuelle Anspielungen gemacht und ich wollte das mit ihr klären.“

„Commander, es gibt Niemanden, der diese Bemerkungen bezeugen könnte, richtig?“

„Richtig, sie fielen immer nur, wenn wir alleine waren.“

„Vielleicht waren SIE ja derjenige, der die sexuellen Bemerkungen gemacht hat und sie verwechseln hier etwas!“

Harms Anwalt wuchtet sich aus dem Sitz. „Einspruch. Polemik!“

Na, vielleicht wacht er jetzt mal auf, dachte Harm.

„Stattgegeben“, sagte der Richter „Bleiben sie bitte sachlich, Lieutenant Astor!“

Lieutenant Astor trat näher an den Zeugenstand.

„Warum haben sie ihr nicht gleich rotes Licht gegeben, wenn die angeblichen Äußerungen nicht angemessen waren?“

„Sie hat mich nicht dazukommen lassen.“

„Oder wollten sie nicht dazu kommen, weil sie doch Interesse an ihr hatten?“

Harm warf einen Blick zu seinem Verteidiger, der eifrig auf seinem Blatt schrieb, dann drehte er sich zum Richtertisch. „Einspruch, Euer Ehren! Das ist Spekulation“, sagte er in festem Ton.

Der Richter atmete tief ein. „Major Martin, wollen sie vielleicht Einspruch erheben?“

Der Verteidiger schaute überrascht auf. „Ja, … ja, Einspruch.“

„Stattgegeben.“

Lieutenant Astor drehte sich abermals zu den Geschworenen und ging einige Schritte auf sie zu.
„Commander Rabb, sie behaupten also, dass sie Commander Stern nie belästigt haben.“

„Ja“

Sie wendete sich ihrem Tisch zu und zog ein Papier aus den Unterlagen.
Dann schritt sie zum Richtertisch und legte dem Richter eine Kopie vor.
„Euer Ehren, ich möchte das Dokument als Beweisstück Nummer 1 der Anklage vorlegen.“
Dann reichte sie Harm eine zweite Kopie.

„Lesen sie bitte die gelb markierten Stellen vor, Commander!“

Harm starrte auf das Papier in seinen Händen. Dann begann er laut zu lesen.

„Gebührenabrechnung des Handyvertrages 8237434875 vom 15.Januar bis 15. Februar“

„Ist das ihr Handy?“

„Ja, das ist meine Abrechnung.“

„Bitte lesen sie die markierten Stellen weiter vor!“


„5 Verbindungen zu 555 98456 am 3. Februar
12 Verbindungen mit 555 98456 am 5. Februar
3 Verbindungen zu 555 98456 am 6. Februar
5 Verbindungen zu 555 98456 am 8. Februar
15 Verbindungen mit 555 98456 am 9. Februar“

„Danke Commander, das langt. Es ist auf ihrer Abrechnung zu sehen, dass sie im Zeitraum von ca. einer Woche mehrmals täglich die Nummer 555 98456 angerufen haben. Es ist Commander Sterns Handy Nummer!“

Harm starrte wieder auf das Dokument.

„Ich habe sie nie angerufen, aber mein Handy war für einige Tage verschwunden“, sagte er.

„Aber sie haben nie ihre Nummer sperren lassen oder ihr Handy als gestohlen gemeldet. Das ist sehr unglaubwürdig, Commander.“

Harm schaute von dem Zettel in seiner Hand auf und heftete dann seinen Blick auf Commander Stern.

„Ich habe vorerst keine weiteren Fragen, Euer Ehren“, beendete Lieutenant Astor ihre Befragung.

3. Prozesstag, Freitag
JAG-Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Es sah für ihn nicht gut aus, und Harm hoffte, dass ihm Mac irgendwie heraus helfen könnte. Obwohl ihm bewusst war, dass ihre Beobachtungen nicht sehr aussagekräftig waren und leicht zerredet werden konnten. Trotzdem legte er all seine Hoffnung in sie.

Mac saß auf dem Zeugenstuhl und hatte soeben ihre Beobachtungen geschildert und davon berichtet, wie Harm sein Handy vermisst hatte.

Lieutenant Astor stand einige Schritte von ihr entfernt.
„Er sagte ihnen also, dass er sein Handy verlegt hatte, aber sie fanden es in seinem Büro. Glauben sie nicht auch, dass er es vielleicht gar nicht verlegt hatte, sondern nur vorgab, es verloren zu haben?“

Major Martin erhob sich von seinem Stuhl.
„Einspruch, Euer Ehren. Das ist Beeinflussung der Zeugin.“

„Stattgegeben.“

Die Anwältin drehte sich wieder den Geschworenen zu.
„Sie sahen also, wie Commander Stern, Commander Rabb am Kopierer bedrängte.“

„Ja.“

„Und sie geben vor, gehört zu haben, wie Commander Stern angeblich bei einem zufälligen Treffen mit seiner Ex- Freundin Interesse an Commander Rabb gezeigt haben will.“

„So war es.“

„Colonel“, Lieutenant Astor wandte sich wieder an Mac. „Ist ihnen bewusst, dass sie die einzige Zeugin sind, die gesehen haben will, wie Commander Stern, Commander Rabb bedrängt hat.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr die Anklage weiter fort.

„Wie ist ihre Beziehung zu Commander Rabb?“

„Freundschaftlich.“

„Nicht beruflich?“

Harm wurde es plötzlich heiß, er wusste genau worauf Lieutenant Astor abzielte. Glücklicherweise erhob sein Verteidiger gerade Einspruch.
„Das hat nichts mit dem Fall zu tun, Euer Ehren“,sagte Major Martin.

Lieutenant Astor wandte sich an den Richter „Ich möchte gerne die Beziehung der Zeugin zu Comander Rabb klären, um zu verdeutlichen, welche Absichten hinter ihrer Aussage stecken.“

Der Richter nickte kurz und sagte dann: „Ich lasse die Frage zu.“

Harm atmete kaum noch. Da schien etwas Unvermeidbares auf sie zuzukommen.

Mac krampfte ihre Hände um die Lehne des Zeugenstuhles. Ihr hatte mittlerweile auch gedämmert worauf das hinauslief.

„Also, ihre Beziehung geht über das Berufliche hinaus!“

„Wir sind gut befreundet.“

„Sie verbringen auch Zeit außerhalb der Arbeitszeit miteinander?“

„Manchmal.“

„Sind sie ein Paar?“

„Nein, das sind wir nicht. “

„Aber sie empfinden etwas für Commander Rabb, mehr als nur freundschaftliche Gefühle! - Lieben sie ihn?“

Im Gerichtsaal war es mit einem Mal still. Nur das gleichmäßige Tippen der Gerichtsstenotypistin war zu vernehmen.

Mac empfand plötzlich eine unbeschreibliche Hitze. Ihre Handflächen waren feucht und sie hatte das Gefühl, dass ihr die Armlehne des Stuhls, um die sich ihre Finger die ganze Zeit gekrallt hatten, keinen sicheren Halt mehr geben konnte. Ihr Herz klopfte nun wie wild in ihrem Brustkasten, und sie wusste nicht, wo sie hinschauen sollte. Sie zögerte.

Auf der Anklageseite saß Harm wie versteinert auf seinem Stuhl. Oh Gott, wo sollte das nur hinführen. Der gesamte Gerichtsaal schien an Macs Lippen zu hängen. Macs Zögern kam ihm endlos vor. Schließlich stand er auf.
„Einspruch“, sagte er in die Stille hinein.
Der Richter klopfte mit dem Hammer auf sein Pult.
„Commander Rabb, sie vergessen wohl, dass sie nicht in der Lage sind hier Einspruch zu erheben. Wenn sie sich weiter gegen die Vorschriften widersetzen, lasse ich sie aus meinem Gerichtsaal entfernen. Ist das klar? Setzen sie sich!“ Der Richter schaute Harm mit funkelnden Augen an. „Ich habe vorhin schon den Einspruch abgewiesen - Die Frage ist zulässig!“

Lieutenant Astor trat nun ganz dicht an Mac heran.

„Antworten sie auf meine Frage! Lieben sie ihn?“

Mac schaute zu Harm. Ihre Blicke trafen sich und sie schaute ihm intensiv in seine blauen Augen und suchte darin Sicherheit und Bestätigung.
Harm hielt den Blickkontakt und Mac hatte das Gefühl eine unendlich starke Verbindung würde zwischen ihnen entstehen, wie ein unzerreißbares Seil. Mac versuchte daran Halt zu finden und Kraft daraus zu ziehen. Sie konzentrierte sich ganz auf ihn, so als würden nur sie beide anwesend sein.
„Ja, das tue ich“, sagte sie dann langsam.

„ Dann würden sie also alles tun, um ihn zu entlasten!“, sagte Lieutenant Astor.

Mac war noch immer auf Harm konzentriert und hatte alles aus ihrem Focus ausgegrenzt. Und so nahm sie diese Behauptung gar nicht wahr.

„Keine weiteren Fragen an die Zeugin.“


Mac stand auf und wie in Trance ging sie den endlosen Mittelgang des Saales entlang.
So, jetzt wussten es alle, Harriet, Bud, der Admiral, Sturgis, aber der wusste es ja sowieso schon und vor allem Harm. So hatte sie es ihm nicht sagen wollen.
Ihre Schritte wurden größer, als sie sich der Gerichtstür näherte. Sie wollte so schnell wie möglich raus hier und am besten niemanden sehen. Sie fühlte sich so erniedrigt. Ihre Gefühle in aller Offenheit kundtun zu müssen.

In ihrem Büro angekommen, schloss sie die Tür hinter sich. Sie hatte den Entschluss gefasst, einen Urlaubstag zu nehmen und nach Hause zu fahren. Eilig packte sie die Akten von ihrem Schreibtisch in ihre Tasche, nahm ihre Jacke vom Kleiderständer und verließ das Hauptquartier.




Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy

#6 von Petra , 03.05.2007 00:44

Kapitel 5

Freitagabend
Washington DC


Harm hielt seinen Telefonhörer in der Hand und wählte Macs Nummer. Er hatte schon mindestens fünfzig Mal angerufen, jedenfalls kam es ihm so vor, aber immer war nach dem vierten Klingeln der Anrufbeantworter angegangen und er hatte aufgelegt. Er wollte persönlich mit ihr reden. Es schien eben alles den Bach runter zu gehen, aber auch wirklich alles.



Mac saß auf ihrer Couch und ließ das Telefon klingeln. Auf dem Display konnte sie sehen, dass es Harm war, der schon zum x - ten Mal anrief. Sie wollte jetzt nicht mit ihm reden, sie kam sich so bloßgestellt vor.
>Hallo, hier ist Mac ich bin nicht zu…< begann ihr Anrufbeantworter, aber der Anrufer hatte schon aufgelegt.
Irgendetwas brauchte sie jetzt, um sich abzulenken. Entschlossen setzte sie sich an ihren Schreibtisch und holte die Akten aus ihrer Tasche. Das würde sie vielleicht auf andere Gedanken bringen. Das Telefon begann erneut zu klingeln und mit einem Handgriff zog Mac die Schnurr aus der Dose.
Zuerst würde sie die Akten nach der Dringlichkeit durchsehen, und dann mit der Wichtigsten anfangen. Mac begann die ersten Falter anzusehen, als ihr eine Akte auffiel, die nicht den üblichen Aufdruck der JAG-Ordner hatte. Sie erkannte sofort, um was für eine Akte es sich handelte. Mit zittrigen Fingern öffnete sie das Deckblatt der Personalakte und begann zu lesen.



Harm starre auf den Hörer in seiner Hand, der plötzlich keinen Laut mehr von sich gab. Na gut, dann würde er eben zu ihr fahren. Er zog seine Fliegerjacke an und schnappte sich seine Autoschlüssel.
Sie musste mit ihm reden. Früher oder später musste sie das sowieso. Schließlich arbeiteten sie zusammen. Er hoffte zumindest, dass sie das noch taten. Sie konnte ihn doch nicht ignorieren, nach dem was sie gesagt hatte.
Auf dem Weg zu Macs Apartment überlegte er, wie er am Besten das sagen konnte, was er sagen wollte. Es sollte ja nicht schon wieder ein Misserfolg werden.

Harm parkte vor Macs Apartment und schloss die Corvette ab. Von unten konnte er erkennen, dass kein Licht bei ihr brannte. Vielleicht war sie schon ins Bett gegangen. Egal, dann würde er sie eben rausklingeln. Entschlossen ging er die Stufen hoch und klopfte an ihre Tür. Nichts. Er klopfte noch einmal. Wieder nichts.
„Mac, ich bin’s. Komm schon, mach auf. Ich muss mit dir reden!“ Harm lauschte in die Stille hinein, dann klopfte er resolut an die Tür und rief: “Bitte Mac, mach schon auf!“
„Was machen sie den für einen Krach, hier, mitten in der Nacht!“
Eine alte Dame im Bademantel und Lockenwicklern auf dem Kopf spähte aus der gegenüberliegenden Tür.
„Diese jungen Leute haben aber auch keinen Anstand.“
„Entschuldigen die, Madam. Ich möchte zu Colonel McKenzie.“
„Das hört man. Sie ist aber nicht da. Das weiß ich ganz genau, sonst würde sie doch aufmachen, wenn jemand so einen Radau macht, mitten in der Nacht.“
„Es tut mir wirklich leid, wenn ich sie geweckt habe, aber es ist dringend.“
„Ja, ja, schon gut. Ich habe sowieso noch nicht geschlafen. Dabei ist es schon mitten in der Nacht!“ Die alte Dame zog den Gürtel ihres Bademantels fester um sich und trat einen Schritt in den Gang hinaus.
„Sie ist nicht zu Hause, ich habe gesehen wie sie weg gegangen ist, vor circa 10 Minuten und das obwohl es schon mitten in der Nacht ist. So eine junge Frau sollte so spät nicht alleine nach draußen gehen!“
Harm musste das Verlangen unterdrücken, Mac zu verteidigen. Schließlich war sie ein Marine und konnte mit Gefahren umgehen, falls wirklich etwas Gefährliches da draußen auf sie lauern sollte.
„Wissen sie vielleicht wohin sie gegangen ist?“, fragte er stattdessen.
„Ja, die Stufen hinunter und dann ist sie mit dem Taxi weggefahren.“

„Vielen Dank“, antwortete Harm und ging zurück zur Treppe.
Toll! Sie konnte ja überall sein. Hoffentlich machte sie keine Dummheiten und ging auf Kneipentour. Er seufzte. Im Grunde blieb ihm jetzt nichts anderes übrig, als wieder nach Hause zu fahren und zu warten bis sie zurück war oder sich meldete.

Kapitel 6


Montagmorgen 05.00 Uhr
Harms Apartment
Nähe der Union Station


Das Wochenende war die Hölle gewesen. Das war es eigentlich noch immer, nur dass das Wochenende bereits vorbei war. Harm hatte die Nacht kaum geschlafen. Endlos lange hatte er sich von einer Seite auf die andere gedreht, war aufgestanden um etwas zu trinken, hatte sich wieder hingelegt um sich dann weiter von einer Seite auf die andere zu drehen. Harm fragte sich, wo Mac nur war. Seit Freitag war sie nicht mehr in ihrer Wohnung gewesen. Er hatte sie in ihrer Wohnung und auf ihrem Handy angerufen, aber sie war nicht zu erreichen. Gestern war er sogar noch einmal zu ihrer Wohnung gefahren und hatte dann 2 Stunden im Auto auf der anderen Straßenseite gewartet. Aber sie war nicht gekommen. Er hatte keine Ahnung, wo sie war und machte sich große Sorgen. Und auch bei Harriet und Bud hatte sich Mac nicht gemeldet.

Jetzt hatte er schon seinen zweiten Kaffee getrunken und tigerte durch seine Wohnung. Sein Blick fiel auf ein Buch, das auf dem Tisch lag - Die Anfänge des Fliegens- Harm nahm es in die Hand, blätterte es durch und legte es wieder zur Seite.
Einen kurzen Augenblick lang dachte er darüber nach, alle Krankenhäuser in der Umgebung anzurufen. Vielleicht war ihr tatsächlich etwas zugestoßen. Andererseits, wenn Mac wirklich im Krankenhaus wäre, hätte er es schon erfahren. Mac hatte ihn schon vor einiger Zeit als nächsten Angehörigen in ihre Unfallkarte eingetragen.
Vielleicht war sie auch nur übers Wochenende irgendwohin gefahren, um einen klaren Kopf zu bekommen, versuchte sich Harm zu beruhigen, aber es funktionierte nicht wirklich. Erneut griff er zum Telefon und wählte Macs Nummer.
>der Anschluss ist zur Zeit nicht zu erreichen> hörte er eine Frauenstimme von Band, die er mittlerweile schon fast persönlich zu kennen glaubte. Warum zum Teufel war sie dann jetzt noch nicht zu Hause? Sie hatte doch keinen Urlaub eingereicht und außerdem würde in wenigen Stunden seine Verhandlung zu Ende geführt werden.

Die Sorgen um Mac wurden durch den Umstand seines Prozesses nicht gerade verringert.
Der Prozess! Harm stopfte sich sein Hemd in die Uniformhose und band sich dann energisch die Schnürsenkel zu. Er würde jetzt erst einmal ins Hauptquartier fahren.

Einige Zeit später
Gerichtsaal 2
JAG- Hauptquartier

Der gesamte Gerichtssaal erhob sich, als der Richter eintrat. Harm schaute noch einmal über seine Schulter zur Tür und hoffte, dass Mac noch kommen würde.
Sie konnte ihn doch hier nicht so hängen lassen. Das war wirklich nicht ihre Art!

Der Richter ging zu seinem Pult und nahm Platz.
„Bitte setzten sie sich.“
Im Saal wurde es kurz laut, während sich alle setzten.

„Frau Anwältin sie können mit ihrem Abschlussplädoyer beginnen.“

„Ja, Euer Ehren!“ Lieutenant Astor trat vor und drehte sich aber gleich wieder Richtung Gerichtstür.

Diese wurde soeben schwungvoll geöffnet und Mac trat ein, gefolgt von einem jungen, gut aussehenden Mann.

„Euer Ehren, Entschuldigen sie die Unterbrechung, aber es gibt einen neuen Zeugen.“

Gemurmel war aus dem Zuschauerraum zu hören und der Richter ließ seinen Hammer auf das Pult niedersausen.
„Ruhe bitte!“

„Der Zeuge ist uns nicht genannt worden!“, erhob Lieutenant Astor Einspruch.

„Wir haben ihn selber erst jetzt ausfindig gemacht“, richtete sich Mac an den Richter.

Dieser runzelte die Stirn. „Na gut, ich lasse den Zeugen zu. Bevor die Anklage ihn verhört, bekommt sie 20 Minuten Zeit, um ihn zu befragen.“

Mac blickte kurz zu Harm, der sie fragend anschaute. Dann schob sie Major Martin mehrere Papiere zu und flüsterte: „Gehen sie genau nach den Fragen vor, wir haben alles gründlich besprochen“. Anschließend setzte sie sich hinter Harm.
Harm beugte sich leicht nach vorne und schaute rüber zur Anklage. Neben Lieutenant Astor saß Commander Stern, die plötzlich sehr blass aussah.
„Was geht hier vor, Mac?“ fragte er über seine Schulter gewant.
„Ich erkläre dir alles später“, antwortete sie.

Der Zeuge hatte bereits Platz genommen und wurde vereidigt.
„Schwören Sie, die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“
„Ich schwöre.“
„Sie dürfen Platz nehmen.“
Major Martin stand, mit den Zetteln in der Hand, vor dem neuen Zeugen und begann mit der Befragung.

„Bitte nennen sie Ihren Namen und ihren Beruf.“

„Mein Name ist Jason Bix und ich bin zur Zeit arbeitssuchend.“

„Was haben sie vorher beruflich getan?“

„Ich war Pilot in der Navy. Wegen einer Verletzung des Rückgrates bei einem Autounfall konnte ich allerdings nicht mehr fliegen und war gerade dabei umzusatteln.“

„Was wollten sie werden?“

„Ich habe angefangen Jura zu studieren,-“

Harm kniff die Augen leicht zusammen. Ach, was für ein Zufall, dachte er

„nebenbei habe ich im JAG-Büro in San Diego gearbeitet.“

„Dann kennen sie ja Commander Stern! Sie hat ja auch dort gearbeitet bevor sie noch Washington kam.“

„Einspruch“, Lieutenant Astor stand auf. „Die Verteidigung versucht dem Zeugen die Antwort in den Mund zu legen.“

Major Martin schaute auf seine Papiere herab, „Ähm, ich formuliere es anders.“

„Kennen sie Commander Stern?“

„Ja, ich kenne sie, sehr gut sogar.“

„Erklären sie uns bitte genauer, was sie damit meinen“

„Sie begann mit mir im Büro zu flirten und ließ nicht locker. Irgendwann bin ich darauf eingegangen. Wir haben uns privat getroffen, sind zusammen ausgegangen. Ich dachte zu dem damaligen Zeitpunkt, dass wir ein Paar wären.“

Major Martin schaute auf die nächste Frage, die auf seinem Blatt stand und kratzte sich verlegen an der Stirn.

„Es tut mir leid, Mr. Bix, dass ich ihnen jetzt diese persönlichre Frage stellen muss, aber sie ist sehr wichtig. Hatten sie mit Commander Stern Sexualverkehr?“

„Ja“

„Was ist dann passiert?“

„Sie ist ins Krankenhaus gefahren und hat behauptet ich hätte sie vergewaltigt.“

Einigen Zuhörern entfuhr ein Raunen. Harm blickte zu Mac und zog fragend eine Augenbraue hoch. Mac nickte bestätigend.

„Und hatten sie sie vergewaltigt?“

„Nein, das hatte ich nicht, es war alles einvernehmlich.“

„Bitte schildern sie uns was danach geschehen ist.“

„Es wurde Anklage gegen mich erhoben. Da ich keine Beweise gegen die Anschuldigen vorlegen konnte und Commander Stern einen Bericht des Krankenhauses und natürlich mein … meine Körperflüssigkeiten aufweisen konnte, dachte ich, ich komme mit einem Kompromiss glimpflicher davon. Deshalb habe ich den Vorschlag der Anklage angenommen und wurde unehrenhaft aus der Navy entlassen.“

„Ich habe keine weiteren Fragen an den Zeugen.“

Major Martin blickte auf seine Papiere und drehte sich dann zum Richterpult.

„Euer Ehren, ich möchte gerne von dem Recht Gebrauch machen, Commander Stern noch einmal zu befragen.“

Der Richter presste die Lippen zusammen und überlegte „Nun, eigentlich hätte die Anklage zuerst ein Anrecht darauf Mr. Bix zu befragen, aber den neuen Informationen nach, werde ich hier eine Ausnahme machen. Mr. Bix, sie dürfen den Zeugenstand verlassen!
Commander Stern, bitte treten sie vor! Ich erinnere sie daran, dass sie noch immer unter Eid stehen.“

Commander Linda Stern nahm auf dem Stuhl Platz. In ihrem Kopf drehte sich alles. Woher wussten sie nur von Jason? Es war doch alles so gut geplant gewesen, Harm wäre aus der Navy geflogen, so wie Jason damals und somit hätte sie ihr Ziel erreicht gehabt.
Damals mit Jason war es viel einfacher gewesen, es war ja gar nicht erst zu einem Prozess gekommen, weil Jason auf eine Einigung eingegangen war. Sie musste also gar nicht vor Gericht aussagen oder einen Meineid begehen.
Sie hatte damit gerechnet, dass es dieses Mal genauso einfach werden würde. Und jetzt das! Was sollte sie nur machen? Alle abstreiten? Alles zugeben? Sie wusste es nicht.

„Commander Stern, kennen sie Mr. Jason Bix?“

Ja“

„Hatten sie ein Verhältnis mit ihm?“

Linda Stern schaute zuerst zu Jason und dann zu Harm.
Das Fliegerabzeichen auf seiner dunklen Uniformjacke erschien ihr in diesem Moment überdimensional groß zu sein. Es schien geradezu zu wachsen und auf sie zuzukommen. Dann wurde es unscharf, um gleich darauf wieder deutlich hervorzustechen, allerdings heftete es nun an einem anderen Mann. Ihre Hände wurden feucht und die Härchen auf ihren Unterarmen stellten sich auf. Sie hatte die Bilder jener Nacht nun deutlich vor Augen, die Nacht in der ihr Alptraum begann. Die alt vertraute Panik begann in ihr hoch zu kriechen. Sie starrte vor sich und betrachtete hasserfüllt die Szene vor ihrem inneren Auge.

„Commander Stern! Bitte beantworten sie die Frage.“

Linda Stern war noch immer in ihrer Welt versunken. Es sah aus als starrte sie vor sich ins Leere. „Ich wollte mich rächen, für das, was damals passiert ist“, sagte sie wie in Trance.

Major Martin trat näher an sie heran und fragte in leiserem Ton nach: „Was ist damals passiert?“

„Der Freund meiner Eltern, ein Navy Pilot, hatte mich mit 13 Jahren vergewaltigt. Niemand hatte mir geglaubt. Damals hatte ich beschlossen mich an ihnen zu rächen, an den Fliegern.
Ich ging zur Navy und wurde Anwältin. Ich habe mir Fälle, die Piloten betrafen, nicht entgehen lassen. Zuerst habe ich sie unzureichend verteidigt und jeder Pilot der gehen musste, war ein persönlicher Sieg für mich. Dann kam ich nach Atlanta und lernte Jason Bix kennen. Er war ein Kollege und ich musste mir etwas anderes einfallen lassen, da kam mir die Idee, mich mit einer Vergewaltigung zu rächen, was auch funktionierte. Dann ließ ich mich nach Falls Church versetzten und Commander Rabb lief mir über den Weg. Ich dachte, ich könnte das Spiel noch einmal spielen, aber er ist auf meine Annäherungsversuche nicht eingegangen. Deshalb habe ich einige Vorfälle inszeniert und ihn darin verwickelt- Es war alsoalles ein Schwindel? Er hat sie also nie belästigt oder angefasst!“

„Nein.“

„Dann sagen sie uns noch eines, wer hat sie dann auf ihrem Handy angerufen.“

„Das war ich. Ich habe Commander Rabbs Handy aus seiner Jackentasche genommen und selber meine Nummer gewählt, damit es so aussieht, als hätte er mich angerufen.“

„Ich habe keine weiteren Fragen“, beendete Major Martin sein Verhör.

Der Richter wandte sich an Linda Stern: „Commander Stern ich ordne an, dass sie vorläufig in Untersuchungshaft kommen. Gegen sie wird Anklage erhoben. Was die Anklage gegen Commander Rabb betrifft, sie wird somit fallengelassen.“
Der Richterhammer fiel auf den Holzblock und verkündete damit das Ende des Prozesses.

Während Commander Stern aus dem Gerichtssaal abgeführt wurde, schüttelte Major Martin Harm die Hand, Harriet und Bud kamen nach vorne, um ihm zu gratulieren und Sturgis klopfte ihm auf die Schulter.
In der vorletzten Reihe saß Admiral Chegwidden, hatte die Arme verschränkt und ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen.

Harm schaute zu Mac, sie war von ihrem Stuhl aufgestanden und nahm gerade ihre Aktentasche hoch.
„Mac, kann ich mit dir reden?“
Sie blickte ihn an und nickte.
„Komm, lass uns nach draußen gehen“, schlug Harm vor und schob sie sachte vor sich durch die Menge im Gerichtssaal.


Die Schneereste der vergangenen Tage waren endgültig weggetaut. Es war zwar noch immer
kalt, aber die Sonne versuchte alles aufzuwärmen, was sie mit ihren Strahlen erreichen konnte.
Harm und Mac stiegen wortlos die Stufen des Haupteinganges runter und gingen weiter um das Gebäude herum. Hier an der Seite war man etwas abseits der Betriebsamkeit.
„Wie bist du auf diesen Zeugen gekommen?“ fragte Harm schließlich.
„Ich glaube da hat jemand mit ‚2 Sternen’ nachgeholfen.“ antwortete Mac.
Harm schaute sie erst verständnislos an, dann machte sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht breit und er nickte.
Wortlos gingen sie weiter und bei jeder ihrer Schritte, knirschte der feine Kiesweg leise.
„Ich habe mir das ganze Wochenende über Sorgen gemacht. Ich dachte schon, es ist dir etwas zugestoßen.“
Mac lächelt und schaute vor sich auf den Weg. „Ich habe den Zeugen ausfindig gemacht und habe mit ihm übers Wochenende die Befragung durchgespielt. Dann habe ich noch für deinen Anwalt die Fragen vorbereitet. Na ja, ich war eben ziemlich beschäftigt, einem guten Freund aus der Patsche zu helfen.“
„Nur einem guten Freund?“ fragte Harm.
Eine Pause entstand, als Mac nichts erwiderte.
„Mac, hör mal, was du da heute im Gerichtssaal für mich getan hast, ich bin dir wirklich dankbar dafür…“
Mac wandte ihren Blick von dem Boden ab und schaute zu Harm, der stehen geblieben war.
„…und was du am Freitag gesagt hast…“
„Harm, du musst dazu nichts sagen“, unterbrach ihn Mac.
„Nagut, dann sage ich nichts dazu“, sagte Harm, trat einen Schritt an Mac heran und schaute ihr direkt in die Augen.
Macs Herz machte einen heftigen Doppelschlag. Seine Lippen fühlten sich weich an, als sie ihre berührten. Sie spürte wie er seinen Arm um sie legte und sie näher an sich heranzog und fest hielt; als würde er sie nie wieder loslassen. Zärtlich erwiderte sie seinen Kuss. Und diesmal war sie sich sicher, dass er sie nicht küsste, weil sie unter einem Mistelzweig standen und es vielleicht so Brauch war.

The End

So, das war also meine erste FF.
Bitte, bitte gebt mir Feedback, wie sie euch gefallen hat.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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Das TagebuchTeil 1,2, 3 von TeaKay
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