Fan Fiction unserer Autoren

Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy

 von Petra-Andreas , 03.05.2007 00:28

Titel: Rotes Licht
Autor: Amy
Ratings: PG
Kategorie: Shipper
Zeitrahmen: spielt in der 7. Staffel
Inhalt: Harm wird in ein teuflisches Spielchen verwickelt.
Disclaimer: Alle Rechte an der Fernsehserie, JAG und ihren Charakteren gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions, CBS und Paramount.
Anmerkung: Das ist meine erste FF. Hoffentlich gefällt sie euch. Ich freue mich natürlich über Verbesserungsvorschläge und Anregungen (wenn sie nett formuliert sind J)



Kapitel 1

Montagmorgen, 08.00 Uhr
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Es war ein kalter Januarmorgen, der Himmel war grau verhangen und er versprach später noch Schneeflocken auf Washington nieder schneien zu lassen.
Admiral A.J. Chegwidden lehnte sich in seinem Schreibtischstuhl zurück. Er hatte die Fingerspitzen aneinander gelegt und musterte interessiert sein Gegenüber.
Vor ihm in einem der Sessel saß der neue Commander. Heute war ihr erster Tag und er würde sie später noch den anderen Anwälten vorstellen.
„Sie haben ja eine beeindruckende Personalakte, Commander Stern“, der 2 Sterne Admiral schaute sie direkt an. Sie war ungefähr so groß wie er und hatte dunkelbraunes, fast schwarzes Haar, welches zu einem strengen Knoten am Hinterkopf gebunden war. Ihre Augen schauten ihn offen an, sie waren blau, eisblau und kalt. Wahrscheinlich würden sie jeden, der sich mit ihr anlegen wollte einschüchtern. Sicherlich sehr hilfreich bei so mancher Verhandlung, dachte A.J.
„Warum haben sie um eine Versetzung gebeten?“, fragte er.
Commander Stern schaute ihren neuen Vorgesetzten an. „Nun, es gab da einige Zwischenfälle mit einem Kollegen, und obwohl die Sache nun überstanden ist, konnte und wollte ich dort nicht mehr arbeiten“
„Das ist ja ihr gutes Recht“, der Admiral erhob sich aus seinem Sessel. „Ich hoffe, dass sie sich hier schnell zurechtfinden werden. Am besten werde ich sie jetzt herumführen und ihnen alles zeigen. Dann können sie sich gleich einarbeiten“



Commander Harmon Rabb jr. stand im Aufzug, seine Offiziersmütze hatte er unter seinen linken Arm geklemmt und in der Hand hielt er seine Aktentasche.
Montagmorgen, eine neue Woche und eine ohne seine Partnerin. Sie war schon seit einigen Tagen irgendwo in der Adria auf einem Flugzeugträger unterwegs und er wäre jetzt auch gerne dort, und das nicht nur wegen der Flugzeuge. In der letzten Woche waren seine Blicke immer wieder in Macs Büro gewandert, das ohne sie leer und verwaist wirkte. Irgendwie musste er sich eingestehen, dass er sie vermisste.
Leise glitten die Aufzugtüren auseinander und Harm betrat das große Foyer, das fast wie eine Art Großraumbüro wirkte.
Obwohl es noch früh am Morgen war, war bereits ein emsiges treiben zu verzeichnen. Offiziere liefen herum, telefonierten oder diskutierten, Telefone klingelten und Faxgeräte ratterten. Der Raum schien zu pulsieren, als wäre er das Herz des Hauptquartiers.

Harm bog gerade um die Ecke in Richtung seines Büros, als er auf Admiral Chegwidden traf, der die neue Kollegin einwies. Er nahm Haltung an und grüßte.
„Guten Morgen, Commander Rabb“, grüßte der Admiral zurück, „ich möchte ihnen Commander Stern vorstellen. Sie wird ab heute bei uns arbeiten.“
„Herzlich Willkommen“, Harm zeigte sein breites Grinsen und streckte ihr seine Hand entgegen, die mit einem kräftigen Händedruck erfasst wurde.
„Freut mich sehr“, antwortete die neue Anwältin und musterte Harm abschätzend.
Sie musste zugeben, dass er nicht schlecht aussah- groß, breitschultrig, sympathische Gesichtszüge. Dann viel ihr Blick auf das goldene Fliegerabzeichen auf seiner linken Brustseite und sie erstarrte. Noch so ein verdammter Flieger, dachte sie, warum können die Kerle nicht einfach bei ihren Flugzeugen bleiben, überall schien man sie anzutreffen.
Erinnerungen blitzen auf einmal wie Signalleuchten vor ihrem inneren Auge auf und eine Panikattake begann in ihr hochzusteigen. Ihr Herz hämmerte, die Hände wurden feucht und das Fliegerabzeichen, dass sie noch immer anstarrte, begann sich gefährlich zu drehen. Commander Stern atmete einmal tief ein um sich wieder zu fangen. Nein! sie würde sich nicht unterkriegen lassen, schon gar nicht von so einem Piloten. Sie würde ihm schon zeigen wer hier die Spielregeln macht!
Ihre Gedanken wurden von den Worten des Admirals unterbrochen.
„Sie werden später noch Gelegenheit haben sich auszutauschen“. Der Admiral begann bereits seinen Weg fortzusetzen. Commander Stern löste ihre Blicke von Harms Brust und folgte dem Admiral

Harmon Rabb jr. blickte der neuen Kollegin noch nach, ihm war der seltsame Ausdruck nicht entgangen, der das Gesicht des neuen Commanders verdunkeln lies.

23.00 Uhr
Linda Sterns Apartment
Washington DC


Linda Stern streifte durch Ihr Apartment, sie war unruhig und konnte nicht schlafen. Sie hatte ihre Lieblingsmusik aufgelegt – Countrymusik- um sich abzulenken und die aufsteigenden Bilder niederzukämpfen. Sie versuchte sich etwas Schönes vorzustellen und einen Augenblick lang dachte sie an das Country Festival in Sweetsprings, das bald stattfinden würde und für das sie Karten besaß. Es gelang ihr nicht lange sich abzulenken und die Vorfreude wurde von Erinnerungen verdrängt. Immer wieder tauchte die gleiche Szene in ihrem Kopf auf und sie konnte sie nicht mehr aus dem Bewusstsein verbannen.

Sie war damals noch keine 14 Jahre alt gewesen als es passierte. Und niemand hatte ihr geglaubt, weil es ein guter Freund der Familie gewesen war, dem man so etwas nicht zutraute. Ihr Vater war auch in der Navy gewesen, ebenso wie der besagte Freund - er war ein Navypilot.
Dieses Fliegerabzeichen… nie würde sie es vergessen und nie würde sie vergessen können was der Träger dieses Abzeichens ihr angetan hatte.
Eines Abends wollte er zu ihren Eltern, sie waren nicht da gewesen aber sie hatte ihn trotzdem hereingelassen. Es ging alles so schnell. Er hatte sich über sie hergemacht. Sie hatte sich einfach nicht wehren können, zu stark war er gewesen und sie hatte so große Angst gehabt. Und so hatte sie in einer brutalen Aktion ihre Unschuld verloren.
Die Erinnerungen und Bilder überfielen sie aufs Neue und kalter Angstschweiß rann ihr den Rücken hinunter.

Damals hatte sie sich geschworen sich zu rächen. Diese Navy Piloten waren doch alle gleich! Arrogant und von sich selbst eingenommen, sie würde sich rächen und jeder dieser Flieger wäre der richtige!
Sie hatte einen Plan und sie war sich ziemlich sicher, dass er funktionieren würde. Immerhin hatte er das bereits einmal.
Sie spürte wie die alt vertraute Wut in ihr aufstieg und sie zu ersticken drohte. Ein innerer Zwang, den sie nur zu gut kannte, begann sich in ihr auszubreiten und von ihr Besitz zu nehmen. Sie musste sich beweisen, dass sie die Macht hatte und niemand über sie verfügen konnte, niemand!

Machen sie sich auf etwas gefasst Harmon Rabb jr. das Spiel beginnt!!

Kapitel 2

Dienstag
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Commander Harmon Rabb und Commander Sturgis Turner verließen den Gerichtsaal.
„Herzliche Glückwunsch zum Sieg“, der farbige Commander schüttelte Harm die Hand.
„Danke, Sturgis. Wie wär’s, ich lade sie heute Abend auf einen Drink ein.“
„Da sag’ ich nicht nein.“
Die beiden Anwälte gingen Richtung Foyer.
„Vielleicht haben Harriet und Bud auch Lust mitzugehen, ich werde sie nachher mal fragen. Also 20.00 Uhr bei McMurphys?“, sagte Harm.
„Ja, ich schätze das dürfte ich schaffen.“ Sturgis blieb an einem kleinen Tisch stehen, auf dem Tassen und eine Kanne Kaffee stand und bediente sich. „Wollen sie auch einen?“
„Nein, danke“, Harm schaute in sein Büro. Auf dem Schreibtisch stapelten sich bereits einige Akten
„Ich hab’ noch viel zu tun. Wenn ich nicht gleich damit anfange, müssen sie heute Abend alleine auf meinen Sieg trinken“
Sturgis grinste, er konnte Commander Rabb gut leiden. Sie waren zusammen auf der Akademie gewesen, hatten sich dann aber aus den Augen verloren und erst vor kurzen hier bei JAG wieder getroffen. Er musste an die gemeinsame Zeit an der Akademie denken und sein Grinsen wurde noch breiter.


Mittlerweile hatte sich Harm an seinem Schreibtisch niedergelassen. Vor ihm lag der Berg Papiere der dringend bearbeitet werden musste. Seufzend nahm er einen Stift in die Hand, öffnete die erste Akte und begann mit seiner Arbeit.
Er war bereits in die ersten Seiten vertieft als Commander Stern den Kopf zur Tür hereinsteckte.
„Entschuldigung Commander, ich suche die Willis Akte. Haben sie die zufällig?“
Harm schaute auf. „Ja, ich bin damit fertig, sie können sie mitnehmen“.
Er zog die Akte aus dem Stapel der bearbeiteten Papiere und hielt sie ihr hin.
Linda Stern trat entschlossen an den Tisch heran und nahm sie entgegen.
„Es ist aber sehr heiß in ihrem Büro“, sagte sie und begann sich mit der Akte etwas Luft zuzufächern. Dabei schaute sie Harm direkt an und fügte sie in einem verführerischen Tonfall hinzu, „oder sind sie so heiß?“

Harm blickte sie überrascht an und wusste nicht so recht was er von der Anspielung halten sollte, aber noch ehe er irgendetwas erwidern konnte war Commander Stern aus dem Büro verschwunden. Mit nachdenklichem Gesichtsausdruck schaute er ihr nach, gab ein leisen „Tß“ von sich und wandte sich kopfschüttelnd seiner Arbeit zu.

20.00 Uhr
McMurphys
Washington DC

Harm und Sturgis standen bereits an der Theke und hatten ihre Bestellung aufgegeben. Harm schaute sich um, für einen Dienstagabend war es doch relativ voll, fand er. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzt mal hier gewesen war, aber es war wohl schon länger her. Hin und wieder gingen die JAG Anwälte nach einer erfolgreichen Verhandlung ins McMurphys und tranken zusammen auf ihren Sieg.
Schade dass Mac heute nicht dabei ist, dachte er und nahm das Glas in die Hand, das der Barkeeper vor ihn gestellt hatte.
Sturgis erhob ebenfalls sein Glas und prostete ihm zu, „Auf ihren Sieg, Harm.“

Ein kalter Luftzug kam herein, als sich die Bartür öffnete und Harriet und Bud eintraten, gefolgt von … der neuen Kollegin.
Es war Harriets Idee gewesen Commander Stern zu fragen, ob sie nicht Lust hätte auch mitzukommen, so würde Linda die Kollegen gleich besser kennen lernen. Linda war auch sofort darauf eingegangen. Für sie war es eine willkommene Gelegenheit gewesen, um Commander Rabb außerhalb des Büros zu treffen.

Sie sah ihn auch gleich an der Bar stehen und suchte sich einen Platz neben ihm.
„Glückwunsch zum Sieg“, sagte sie zu ihm gewand.
„Danke“
„Wie sind sie eigentlich zur Navy gekommen, Commander Rabb?“
„Mein Vater war Navypilot.“ Harm nahm einen Schluck aus seinem Glas.
„Scheint ja in der Familie zu liegen.“

Harriet nippte an ihrem Glas und schaute zu den beiden Anwälten rüber. Sie schienen sich ziemlich gut zu unterhalten. Sie fand es toll, dass sich alle so gut verstanden. JAG war eben wie eine große Familie, fand sie und war richtig zufrieden.


Nach zwei Stunden machte sich Aufbruchstimmung breit. Harriet und Bud mussten nach hause, weil der Babysitter nicht länger Zeit hatte, aber schließlich mussten ja morgen alle wieder arbeiten und so verließ die kleine Gruppe die Bar.

Nachdem sich allen auf dem Parkplatz von einander verabschiedet hatten, drehte sich Commander Stern noch einmal zu Harm, der gerade seine Corvette aufschloss.
„Also wissen sie, ich bin hier neu in der Stadt, könnten sie mir sagen, wie man zu ihrer Wohnung kommt?“ Linda Stern sah Harm verführerisch in die Augen.
Harm musste unwillkürlich grinsen. „Wir sehen uns dann morgen im Büro“, antwortete er über das Dach seines Autos hinweg, stieg ein und fuhr los.

Linda Stern verweilte noch einen Moment alleine auf dem Parkplatz. Der kalte Januarwind blies ihr ins Gesicht und sie zog ihren Mantel enger um sich.
Interessanter Mann, dachte sie. Sie würde schon noch bekommen was sie wollte.
Nur noch dieses eine Mal und dann würde sie die Navy verlassen.
Eigentlich hatte sie gedacht, dass mit dem Wechsel der Arbeitsstelle alles vorbei währe, aber als sie dann gestern das Fliegerabzeichen gesehen hatte, wusste sie, dass es nicht so war. Nur noch dieses eine Mal, sagte sie sich wieder. Dann würde sie alledem den Rücken zukehren und in die freie Wirtschaft gehen, in eine nette kleine Anwaltskanzlei. Dann hätten diese Alpträume endlich ein Ende.

Kapitel 3


Einige Tage später
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia


Sarah McKenzie war seit gestern wieder im Hauptquartier und ihr Schreibtisch schien überzuquellen. Außerdem hatte der Admiral ihr gleich einen neuen Fall zugeteilt. Gemeinsam mit der neuen Kollegin Commander Linda Stern hatten sie die Verteidigung übertragen bekommen und Harm hatte die Anklage zu führen. Es versprach ein spannender Prozess zu werden.

Sie hatte sich gefreut wieder da zu sein und Harm zu sehen, leider waren sie beide so beschäftigt, dass sie noch keine Zeit gefunden hatten, um miteinander zu reden. Vielleicht konnten sie zusammen Mittagessen. Mac brauchte gar nicht erst auf ihre Uhr zu sehen, um zu wissen, dass es schon 12.00 Uhr war. Sie hatte einfach ein Gespür dafür. Sie wusste zwar selbst nicht, woher sie das immer so genau wusste, aber um mehr als 30 Sekunden hatte sie noch nie danebengelegen. Mac räumte ihre Akte in die Schublade und machte sich auf den Weg zu Harms Büro.



In der kleinen Kantine war es ziemlich voll, tatsächlich schien der Raum aus allen Nähten zu platzen. In der kalten Jahreszeit aßen fast alle Offiziere hier und die Luft war voll von Geschirrgeklapper und Stimmengewirr. Harm suchte nach einem Tisch, während Mac sich bereits an die Schlange vor dem Essensschalter angestellt hatte. In der hintersten Ecke war gerade ein Tisch freigeworden, Harm steuerte darauf zu und setzte sich.
„Kann ich mich zu ihnen setzen“ Commander Stern stand plötzlich neben ihm, mit einem Kaffee in der Hand.
„Ja, ein Platz ist noch frei“ Harm zeigte mit seiner rechten Hand auf einen Stuhl.
„ Essen sie nichts zu Mittag?“, fragt er.
„ Nein, eine Tasse von diesem starken, schwarzen Kaffe langt mir, und sie?“
„Mac bringt mir etwas mit“
Harm schaute zu Mac rüber, die in der langen Warteschlange stand. Es würde wohl noch etwas dauern bis er sein Essen bekam.

Linda Stern betrachtete ihr Gegenüber, zu schade aber auch, dass er auf ihre Anspielungen bis jetzt nicht eingegangen war. Aber das würde er schon noch und dann, ja dann hatte sie ihn, wo sie ihn haben wollte.
Sie wollte ihn verführen und ihn dann wegen eines grässlichen Vergehens beschuldigen- Vergewaltigung!
So war ihr Plan.
Aber zuerst würde sie ihren Spaß mit ihm haben, dass er so gut aussah machte die ganze Sache natürlich noch reizvoller und angenehmer.
Nun gut, starten wir einen neuen Versuch, sagte sich.

„Wissen sie, Commander Rabb“, Linda beugte sich zu Harm rüber, der seinen Blick von der Warteschlange gelöst hatte. Mit leiser Stimme, in der ein Hauch von Erotik mitschwang, fuhr sie ihren Satz fort. „ Ihre Uniform würde sich unglaublich gut auf meinem Schlafzimmerboden machen.“
„So?“ Harm lehnte sich in seinem Stuhl zurück und zog eine Augenbraue hoch. „Ich kann ihnen ja die Adresse meines Schneiders geben.“
In diesem Augenblick stellte Mac das Tablett mit dem Essen auf den Tisch.

Commander Stern erhob sich verärgert von ihrem Stuhl. „ Ich gehe dann mal zurück an die Arbeit.“
„Oh, ich wollte sie nicht vertreiben, Commander “, erwiderte Mac.
„Nein, nein schon gut, ich wollte sowieso gerade gehen, meine Pause ist vorüber. “
Mac zuckte mit den Schultern und setzt sich neben Harm. Irgendwie war sie erleichtert, dass Commander Stern ging, sie hatte sich darauf gefreut nur mit Harm alleine zu Mittag zu essen soweit man das in diesem Überfüllten Raum überhaupt konnte. Sie setzte sich und verteilte Besteck und das Essen „Ja, dann erzähl doch mal, was so alles los war, in den letzten Wochen!“

4 Tage später
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Mac stand in der Teeküche und schenkte sich gerade einen Kaffee ein, als Harm eintrat.
„Hallo, ich hab’ dich heute Morgen noch gar nicht gesehen“, begrüßte er sie.
„Ja, ich hab noch so einiges zu tun, es hat sich doch eine Menge angesammelt als ich weg war“, antwortete Mac.
Harm holte sich eine Tasse aus dem Schrank und Mac goss ihm Kaffee ein.
„Und wie gefällt dir die neue Kollegin?“ fragend schaute Harm sie an, während er einen großen Schluck Kaffee genoss.
„Oh, ich finde sie ist wirklich gut, sehr gut sogar. Sie hat eine hervorragende Auffassungsgabe. Außerdem hat sie sich schnell eingearbeitet, sofort zurechtgefunden und schnell Kontakt zu den Kollegen aufgenommen“
Harm lehnte an der Arbeitsplatte und schaute Mac über den Rand seiner Tasse hinweg an.
„Ein bisschen zu viel Kontakt für meinen Geschmack.“
Mac sah ihn mit einem kecken Gesichtsausdruck an.
„Was, macht sie dir etwa schöne Augen, Harm“, neckte sie ihn.
„Ich muss gestehen, sie macht mir Probleme.“
Mac stellte grinsend ihre Tasse auf die Spüle, drehte sich zu Harm um und tippte mit ihrem Zeigefinger über sein glänzendes Fliegerabzeichen. Dabei schaute sie ihm direkt in die blauen Augen.
„Na klar macht sie das. Und ich weiß auch warum. Sie und ich haben dich gestern vor Gericht alt aussehen lassen, wir haben dich geradezu platt gemacht und du kannst es nicht vertragen zu verlieren.“ Und mit einem Siegerlächeln verschwand sie durch die Tür.

Harm schaute ihr noch nach. Vielleicht bewertete er das ganze ja wirklich etwas über. Er musste an die vergangenen 2 Wochen denken, seit dem Commander Stern zu JAG kam. Sie hatte versucht ihn anzubaggern. Am Anfang fand er die ganze Sache ja noch amüsant. Ihre Sprüche manchmal sogar originell.
Langsam wurde es ihm aber zu viel und es ging ihm auf die Nerven. Irgendwie schien sie nicht zu verstehen, dass er kein Interesse an ihr hatte. Wie sollte er auch Interesse haben, wenn sein Herz eigentlich einem speziellen Marine gehörte.
Jedenfalls nervte Linda Stern und darin ergänzte sie sich brillant mit Lieutenant Singer.
In den letzten Tagen trafen ihn immer häufiger Lindas Blicke. Zum Beispiel bei den morgendlichen Besprechungen oder wenn sie sich im Foyer begegneten.
Nicht, dass es ungewöhnlich für ihn wäre, wenn er einen Raum betrat zog er oft die Blicke von Frauen auf sich und dessen war er sich auch bewusst, aber diese Blicke waren irgendwie anders … komisch.
Einerseits schien er darin Interesse zu sehen, andererseits waren sie eiskalt und stechend. Manchmal konnte er direkt spüren wenn sie aus eisblauen, kalten Augen auf seinen Rücken starrte. Es war, als würden ihn scharfe Eiskristalle durchbohren.

Da waren aber nicht nur ihre Blicke, sie schien immer häufiger in seiner Nähe aufzutauchen. Bei Besprechungen wählte sie einen Platz direkt neben ihm und rückte dabei unangenehm dicht an ihn heran und heute Morgen war sie mit ihm bei der Bibliothek im Besprechungszimmer zusammengestoßen. Sämtliche Bücher und Akten, die er getragen hatte, waren auf dem Boden gelandet, Papiere und Zettel verstreuten sich auf dem ganzen Fußboden und er musste sie mühsam wieder einsammeln und neu ordnen. Dabei hätte er schwören können, dass der Zusammenstoß kein Zufall gewesen war.
Wenn das so weiter ging würde er wohl nicht darum herumkommen mit ihr ein ernstes Wort zu reden.
Harm stellte seine Tasse ins Spülbecken und verließ ebenfalls die Küche.

Kurze Zeit später
Admiral Chegwiddens Büro

„Setzen sie sich“ Admiral Chegwidden saß in seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch und schaute seine vier Anwälte an. Commander Rabb, Colonel McKenzie, Lieutenant Singer und Commander Stern setzten sich in die schweren Ledersessel.
„Es geht um Petty Officer Winter. Er wird verdächtigt in den letzten Monaten mehrere Wohnungen auf dem Stützpunkt in Norfolk ausgeraubt zu haben. Der Verdacht viel auf ihn, als einige Eigentümer ihre Sachen wieder erkannten als er sie auf einem Flohmarkt verkaufen wollte. Und - anscheinend wurde er auch noch bei den Diebstählen beobachtet.
Ich möchte dass die Sache schnell geklärt wird. Alles Weitere finden sie in den Unterlagen.“
A.J. Chegwidden schaute über den Rand seiner Lesebrille zu seinen Anwälten.
„Commander Rabb, sie und Commander Stern übernehmen die Anklage. Colonel McKenzie und Ltd. Singer, sie verteidigen.“ Der Admiral schob die Akten über seinen Tisch.
Ein zackiges „ Ja, Sir“ war von den Anwälten zu hören. Und ohne ein weiteres Wort verließen sie das Büro des Vorgesetzten. Im Rausgehen warf Harm Mac einen Blick zu und zog dabei leicht eine Augenbraue hoch als wolle er sagen: Das hat mir gerade noch gefehlt. Er war nicht besonders scharf darauf, mit Commander Stern einen Fall zu bearbeiten. In der Tat hätte er da lieber der unbeliebten Kollegin Lieutenant Singer den Vorzug gegeben und mit ihr zusammengearbeitet. Aber darüber gab es wohl keine Diskussionen, wie er aus der Vergangenheit wusste. Der Admiral mochte es überhaupt nicht, wenn man seine Entscheidungen in Frage stellte.


Gefolgt von Commander Stern setzte Harm den Weg in sein Büro fort. Nicht gerade begeistert setzte er sich in seinen Bürostuhl hinter den Schreibtisch und schlug die Akte auf. Zuerst würden sie einmal die Unterlagen durchgehen müssen.
Commander Linda Stern verweilte zuerst etwas an der Bürotür bevor sie diese sorgfältig hinter sich schloss. Dann, anstatt auf dem Stuhl vor Harms Schreibtisch platz zu nehmen, umrundete sie ihn und trat von hinten an Harm heran. Langsam beugte sie sich über seine linke Schulter stützte sich dabei mit ihrer linken Hand auf dem Schreibtisch ab und schaute in die Akte. Dabei rückte sie noch etwas näher heran, und drückte ihren Körper an Harms Seite.
Harm konnte ihr süßes Parfüm riechen und ihren warmen Atem auf seinem Arm spüren. Er empfand es alles andere als angenehm. Harmon Rabb, jr. fühlte sich bedrängt.
Sie hatte gerade eine unsichtbare Grenze überschritten und unausgesprochene Regeln verletzt!
Er drehte seinen Bürostuhl abrupt zur rechten Seite und stand auf, die Akte in den Händen
„Ich werde ihnen mal eine Kopie hiervon machen, damit sie sie besser lesen können“, sagte er zynisch,
„und falls sie Schwierigkeiten mit ihren Augen haben, sollten sie mal einen Termin beim Augenarzt ausmachen.“ Mit diesen Worten verlies er sein Büro in Richtung Kopierer.
Linda Stern stand da, mit einem eiskalten Blick in ihren Augen. Sie kommen mir nicht so leicht davon!

Mittwochabend
Harms Apartment
Nähe der Union Station, Washington DC

Harm hatte geduscht und sich etwas Bequemes angezogen. Jetzt stand er in seiner Küche, setzte Nudelwasser auf und holte sich ein kühles Bier aus dem Kühlschrank. Es war schon sehr spät und der heutige Tag war wirklich anstrengend gewesen. Den ganzen Tag lang hatte er mit Commander Stern zusammengearbeitet – Zugegeben, nach dem Zwischenfall von gestern war zwar nichts mehr in dieser Hinsicht vorgefallen, aber es war einfach anstrengend mit ihr. Sie hatte eine schnelle Auffassungsgabe, da hatte Mac schon recht, aber obwohl der Fall eindeutig war kamen sie aus endlosen Diskussionen über, seiner Meinung nach weniger bedeutenden Aspekten, nicht heraus. Dabei war die Sache doch wirklich klar.
Petty Officer Winter hatte in den letzten Wochen mehrere Wohnungen ausgeraubt. Bei zwei seiner Raubzüge war er beobachtet worden und dann hatte er die Sachen auch noch verkauft. Der gesamte Fall sollte höchsten ein paar Tage in Anspruch nehmen, einschließlich Untersuchung und Gerichtsverfahren. Letztendlich ging es doch sowieso nur noch um die Höhe des Strafmasses.

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als das Nudelwasser zu kochen begann und vor sich hin blubberte. Harm schüttete die Nudeln hinein und stellte die zweite Platte, auf der ein Topf mit Soße stand, an. Dann nahm er noch einen tiefen Schluck aus der Bierflasche. Gerade als er sich setzen wollte klopfte es an der Tür. Fragend zog er die Augenbrauen hoch, eigentlich erwartete er keinen Besuch mehr und schon gar nicht zu so später Stunde.

Er öffnete die Tür und im ersten Augenblick erkannte er nicht gleich, wer da vor ihm stand und er starrte sie ein paar Sekunden lang an. Sie hatte ihre Haare offen und die dunklen Locken umspielten ihr Gesicht und fielen leicht auf ihre Schultern. Sie war etwas stärker geschminkt als im Büro und ihre roten Lippen lächelten ihn herausfordernd an.
„Darf ich denn nicht hereinkommen, Harm? In ihrem Flur ist es wirklich kalt.“
Harm ging einen Schritt zur Seite. „Was führt sie denn hier her, Commander Stern?“
„Nennen sie mich doch einfach Linda“, antwortete sie und ging an ihm vorbei . „ Ich dachte, wir sollten unseren Fall noch zu Ende bringen, wo doch morgen der erste Verhandlungstag ist, es sind noch so einige Fragen offen.“ Während sie sprach, bahnte sie sich ihren Weg weiter durch Harms Wohnung, warf einen Blick in sein Schlafzimmer und kam zurück in die offene Küche. Harm stand noch immer an der offenen Tür, hielt den Griff in der Hand und schaute zu, wie Commander Stern, ähnlich einer Raubkatze auf Reviermarkierung durch seine Wohnung streifte.
„Ich denke das hatten wir bereits geklärt“, sagte er kühl. „Der Fall ist eindeutig, wir haben alles Wichtige besprochen und es gibt Zeugen, die den Petty Officer eindeutig identifizieren können.“
„Nun gut, wir müssen ja nicht über den Fall sprechen, wenn sie nicht wollen. Wir können uns den Abend auch anders vertreiben.“ Commander Linda Stern hob den Deckel des Nudeltopfes und späte hinein.
„Reicht das für zwei?“, fragte sie.
„Ich denke es ist besser, wenn sie jetzt gehen, Commander“ Harms Stimme klang scharf. Langsam wurde er ungeduldig.
„Schade, nun, falls sie es sich doch noch anders überlegen sollten, meine Telefonnummer haben sie ja.“ Langsam ging sie an Harm vorbei nach draußen und sah ihn herausfordernd an. Harm schaute missbilligend zurück, dann schloss er die Tür hinter ihr.

Kapitel 4

Einige Tage später
JAG Hauptquartier
Falls Church, Virginia

Der Fall von Petty Officer Winter hatte doch etwas länger gedauert, als Harm gehofft hatte. Aber schließlich war es zu einer Verurteilung gekommen und mit dem Ergebnis war er zufrieden.
Allerdings hatte Commander Stern ihm eine schwere Zeit bereitet, indem sie nicht gerade kooperativ war. Vermutlich weil er nicht auf ihre Anspielungen einging. Er fand, sie war in dieser Hinsicht absolut unprofessionell.

Nun saß Harm in Macs Büro vor einem neuen Auftrag. Diesmal ging es um einen Marine, der Verdächtigt wurde seinen Vater ermordet zu haben.
Harm war froh dass er den Fall mit Mac zusammen bearbeiten konnte.
„Ich würde gerne mit der Familie von Colonel Scott sprechen.“ Mac hielt die Unterlagen des Falls in der Hand und blätterte darin.
„Hm, er kommt aus Sweetsprings, West Virginia. Seine Mutter, der Bruder und seine Schwester leben noch dort. Die Eltern waren geschieden. Am besten werde ich gleich mal versuchen mit den Familienmitgliedern einen Termin auszumachen.“ Mac griff zum Telefon.
Harm schnappte sich die Unterlagen und schaute hinein. Sweetsprings? Den Ort hatte er schon mal gehört. Aber wo? Er dachte kurz nach. Ja richtig, auf der Weihnachtspostkarte von Renees Mutter. Sie hatte über Renees Flitterwochen geschrieben und darüber, dass sie anschließend mit ihrem Verlobten nach Sweetsprings ziehen wollte. Als er so an Renee dachte, bemerkte er, dass er keinerlei Gefühle mehr für sie empfand-, weder Trauer oder Ärger darüber, dass sie mit ihm schlußgemacht hatte. Wahrscheinlich war es eben doch nicht die große Liebe gewesen.

Mac legte den Hörer auf. „Ich hoffe du hast noch keine Pläne fürs Wochenende! Sieht so aus
als müssten wir einen Teil davon in unsere Untersuchung stecken. Ich habe für Freitag und Samstag Termine ausgemacht.“ Mac schaute ihren Partner mit großen, braunen Augen an.
„Es scheint mir ja nichts anderes Übrigzubleiben“, antwortete Harm und legte die Akte auf den Tisch zurück. Wie sollte man denn diesem Blick etwas abschlagen. Vielleicht war es auch gar nicht so schlecht für kurze Zeit aus dem Büro zu kommen und vor allem vor dieser Klette, wie er Commander Stern insgeheim getauft hatte, etwas Ruhe zu haben. Vielleicht würde sich die Lage dann entspannen.

Freitag, 14.00Uhr
Days Inn Motel
Sweetsprings, West Virginia


Harm und Mac standen an der Rezeption in der Eingangshalle des Motels.
„Es tut mir wirklich leid, aber wir haben kein Zimmer mehr frei und schon gar nicht zwei.“
Die Empfangsdame schaute die beiden entschuldigend an.
„Die ganze Stadt ist schon seit Wochen ausgebucht. An diesem Wochenende findet hier ein großes Country-Festival statt.“
„Ein Country- Festival im Winter?” Harm sah ungläubig sein Gegenüber an.
„Na ja, es ist nicht nur ein Festival, sondern auch eine große Messe und die Farmer haben im Winter eben mehr Zeit, um sich über die aktuellsten Gerätschaften und Neuerungen zu informieren. Zum Abschluss gibt es dann das große Country-Fest.“ Das Klingeln des Telefons unterbrach ihre Erklärungen „Entschuldigen sie mich kurz – ich muss ans Telefon.“
„Tja, sieht ganz so aus, als müssten wir im Auto schlafen.“ Harm drehte sich zu seiner Kollegin und zeigte dabei sein breites Fliegergrinsen.
„Ich würde sagen, wir versuchen es erst in einem anderen Hotel noch mal“, erwiderte Mac und war sich nicht ganz sicher, ob ihr Partner einen Witz gemacht hatte oder es ernst damit meinte, im Auto zu übernachten.
„Du hast doch gehört, die ganze Stadt ist ausgebucht.“
„Entschuldigung!“ Die Empfangsdame hatte ihr Telefonat beendet und wendete sich wieder den Militäranwälten zu.
„Es scheint als wäre heute ihr Glückstag! Soeben hat jemand abgesagt. Sie können das Zimmer haben, wenn sie wollen. Es ist leider nur ein Zimmer aber es hat zwei großen Doppelbetten.“
Mac streckte die Hand aus, um sich den Schlüssel geben zu lassen.
„Wir nehmen es, es ist ja nicht das erste mal, das wir zusammen schlafen… äh, in einem Zimmer schlafen, meine ich.“
Ein fragender Blick ihres Kollegen traf sie und ein Mir-ist-alles–klar-Blick der Rezeptionsfrau.
Leichte Röte stieg Mac ins Gesicht und sie drehte sich schnell um, damit es niemand bemerken konnte. Freud lässt grüßen, dachte sie, es war ja schließlich nicht das erste Mal, dass ihr der Versprecher passiert war. Sie schnappte sich ihre Tasche und ging Richtung Treppe.
Sie hatte das Gefühl etwas sagen zu müssen, damit dieser peinliche Moment nicht in der Luft hing.
„Ich hoffe nicht, dass du seit Russland mit dem Schnarchen angefangen hast, Harm.“
„Und ich hoffe nicht, dass du seit Russland dein nettes Nachthemd gegen einen Pyjama eingetauscht hast.“
Mac schaute über ihre Schulter zu Harm.
„Du hast wohl noch nicht bemerkt, dass wir Winter haben“, fing Mac an, Harm zu foppen. „Weiße Schneeflocken sind typisch für diese Jahreszeit und für gewöhnlich gehen sie mit Minusgraden einher. Ich würde im Nachthemd erfrieren! Vor allem wenn wir tatsächlich im Auto übernachtet hätten!“

Harm blieb stehen und schaute, wie Mac die Stufen hoch ging. Nun, er würde schon wissen wie ihr schön warm werden würde, aber diese Bemerkung verkniff er sich lieber.

Freitagabend, 18.45 Uhr
Blue Riders Pub
Sweetsprings, West Virginia

Während Harm bei der Befragung von Mrs. Scott war, hatte Mac einen Termin mit dem Bruder des Verdächtigen. Er arbeitete als Kellner im Blue Riders Pub.
Mac ging gerade über den Parkplatz des Restaurants, als ihr eine Person auffiel, die ihr irgendwie bekannt vorkam. Erst beim genauen hinsehen erkannte sie, wer es war. In ziviler Kleidung sah Commander Linda Stern ganz anders aus. Ihre lockigen Haare waren nicht wie gewöhnlich zusammengebunden, sondern fielen ihr auf die Schultern. Mac musste sich eingestehen, dass sie eigentlich gar nicht so schlecht aussah, ganz im Gegenteil.
„Das ist ja ein Zufall sie hier zu treffen“, Commander Stern kam genau auf Mac zu. „Sind sie auch wegen dem Country- Festival da?“
„Nein, Harm und ich haben hier einige Befragungen durchzuführen.“
„Fleißig, fleißig und das am Wochenende! Also, da genieße ich doch lieber das Wochenende. Ich liebe Countrymusik und freue mich schon seit Monaten auf das Festival.“
Es war Mac jetzt nicht danach, mit Commander Stern zu plaudern und schon gar nicht über Countrymusik. Sie wollte gerade deutlich machen, dass sie nicht viel Zeit hatte und zu ihrer Befragung musste, als eine blonde Frau direkt an ihnen vorbei schritt. War das nicht …
„Renee ??“, rief Mac.
Die blonde Frau blieb stehen und drehte sich verwundert um.
„Mac, was für eine Überraschung.“ Renee kam einige Schritte auf die beiden zu. „Schön sie wieder zu sehen.“
Mac hatte das Gefühl, dass diese Begrüßung nicht wirklich ernst gemeint war. Trotzdem versuchte sie etwas höflichen Smalltalk zu führen
„Harm sagte, sie seien in den Flitterwochen.“
„Die sind leider schon vorüber. Jetzt sind wir gerade dabei hier nach Sweetsprings zu ziehen. Wie geht es Harm denn so?“
„Eigentlich ganz gut“, antwortete Mac.
Commander Stern wurde aufmerksam.
„Sie kennen Commander Rabb?“, harkte sie nach.
„Nun ja, wir waren einige Zeit zusammen“, beantwortete Renee die Frage, dann wendete sie sich an Mac und sagte: „Richten sie Harm schöne Grüße von mir aus!“ Anschließend drehte sie sich um, warf schwungvoll ihre langen Haare zurück und stolzierte erhobenen Hauptes in das Innere des Pubs.
Die beiden Frauen schauten Ihr kurz nach.
Im Kopf von Commander Stern begann es zu arbeiten. Sehr interessant, sie war also mit ihm zusammen gewesen. Um ihren Plan zu vollenden, musste sie Commander Rabb irgendwie ins Bett kriegen. Bis jetzt war sie ja nicht gerade erfolgreich gewesen. Der Commander war wirklich sehr hartnäckig und hatte sich sogar abweisend verhalten. Vielleicht konnte sie erfahren, wie man an ihn heran kam. Seine frühere Freundin könnte ihr wahrscheinlich weiter helfen.
Commander Sterns Gedanken wurden von Mac unterbrochen.
„Ja, ich muss dann mal zu meinem Termin“, verabschiedete sich Mac und begab sich ebenfalls ins Blue Riders.

Im Pub war es etwas dunkler als Mac erwartet hatte, vor den Fenstern hingen schwere Vorhänge, die Sitzecken waren mit dunklem Leder bespannt und hatten hohe Rücklehnen.
In einer Ecke brannte ein offener Kamin und sein warmes Licht ließ das Innere irgendwie gemütlich und einladend erscheinen. Mac konnte Countrymusik hören. Ich hätte auch nichts anderes erwarte, dachte sie. Hinter der Bar fand sie schließlich Mr. Scott.
Der Bruder des Verdächtigen erklärte ihr, dass er noch einige Gäste abkassieren musste bevor er seine Pause einlegen konnte, um mit ihr zu reden.
Mac wählte einen Tisch in der hintersten Ecke und bestellte ein Wasser. Dann holte sie einen Notizblock und einen Stift aus ihrer Tasche und ging gedanklich noch einmal die Fragen durch, die sie gleich stellen wollte. Allerdings wurden sie gleich wieder aus den Gedanken gerissen, als sie eine bekannte Stimme hinter sich hörte.

„Kann ich mich kurz zu ihnen setzen, Renee?“
Das war Commander Sterns Stimme! Mac wurde hellhörig. Von der anderen Seite ihrer Sitzecke her hörte sie, wie Renee antworten und sich Commander Stern daraufhin setzte. Anscheinend hatte keiner der beiden bemerkt, dass Mac direkt hinter ihnen saß. Mac rutschte unbewusst etwas tiefer in den Sitz, um nicht bemerkt zu werden. Was wollte Commander Stern denn von Renee?
„Sie sagten vorhin, dass sie mit Commander Rabb zusammen waren! “ begann Linda ohne große Umschweife.
„Wieso interessiert sie das?“, fragend schaute Renee ihr Gegenüber an, dann fuhr sie fort, „ich sag ihnen was, lassen sie die Finger von Harm! Sie stürzen sich nur ins Unglück. Er ist nicht fähig eine Beziehung einzugehen“
„Hm, vielleicht will ich ja auch gar keine Beziehung. “
„Ach, und was wollen sie dann? “
„Verraten sie mir, wie er so ist!“
Renee blickte verständnislos. „Wie er so ist?“, wiederholte sie.
Linda seufzte kurz und verdrehte die Augen, dummes Blondchen, dachte sie.
„Also Renee, ich habe folgende Erfahrung gemacht: die meisten gut aussehenden Kerle sind im Bett ’ne Niete. Sie verbrauchen sozusagen ihre ganze Energie für das gute Aussehen. Ich will nur wissen, ob es sich lohnt, sich an Harm heranzumachen, und wenn, wüsste ich gerne wie. Also wie tickt er?“
Renee wusste nicht ob sie schockiert oder amüsiert sein sollte über die Offenheit der fremden Frau. Schließlich sagte sie, „eine Niete ist er bestimmt nicht, aber das müssen sie schon selber herausfinden.“ Dann knallt sie einige Münzen auf den Tisch und verließ den Pub.
Linda Stern blieb alleine am Tisch zurück. Sehr viel weiter war sie ja nicht gekommen. Sie hob ihr Glas an die Lippen und trank es aus. „Tja, scheint ja ’ne echte Perle zu sein, der Commander!“, sagte sie beißend, stand auf und ging.

Auf der anderen Seite der Sitzecke saß eine ziemlich bleiche Mac, die Ihr Herz klopfte wild und ihre zittrigen Finger hatte sie zu Fäusten geballt. In ihrem Kopf rasten tausend Gedanken hin und her und verursachten ein Schwindelgefühl. Sie konnte nicht fassen, was sie da eben mitangehört hatte. Linda Stern hatte es auf Harm abgesehen! Ihr war plötzlich ziemlich übel. Was hatte Commander Stern da eben noch gesagt? Tja, nur dass man Perlen nicht vor die Säue wirft, dachte Mac grimmig und fand Commander Stern mit einem mal überhaupt nicht mehr nett, sie war ihr in den vergangenen Minuten sogar ziemlich unsympathisch geworden.




Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

Petra-Andreas
Chefchen/Administrator
Beiträge: 9.115
Registriert am: 16.04.2007

Themen Überblick

Betreff Absender Datum
Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy Petra-Andreas 03.05.2007
RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy Petra-Andreas 03.05.2007
RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy Petra-Andreas 03.05.2007
RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy Petra-Andreas 03.05.2007
RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy Petra-Andreas 03.05.2007
RE: Rotes Licht Teil 1 + 2 von Amy Petra-Andreas 03.05.2007
 

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz