Zweite Chance

#1 von Inque , 13.09.2007 11:18

So ihr Lieben, ich werde dann mal wieder versuchen, meine letzte FF in Angriff zu nehmen, die ja leider noch unvollendet ist. Dazu werde ich die Story aber natürlich von Anfang an posten.

Für diejenigen, die diese FF noch nicht aus dem alten Forum kennen, kurz eine Erklärung zur Story von mir:
Diese FF ist eine Art "Was-wäre-wenn"-Geschichte. Allerdings kein Alternativende zu einer bestimmten Folge, wie es sie zuhauf gibt. Sondern es geht darum, wie es Harm und Mac ergangen wäre, wäre ihr bisheriges Leben anders verlaufen, als wir es kennen. Und in meiner Story ist Mac nie zum Militär gegangen, was ja damals eine Wende in ihrem bis dahin tragischen Leben bedeutet hatte. Und trotzdem begegnen sich die zwei durch Zufall.

Aber genug der Einleitung, lest am besten selbst...


Zweite Chance

Sie fiel. Der Wind blies ihr ins Gesicht, während sie sich zunehmend schneller abwärts bewegte. Sie hatte die Augen geschlossen, wollte nicht sehen, wie der Abgrund sich auf sie zubewegte. Dann tauchte sie ein und wurde umhüllt von Wasser. Sie hörte nichts mehr, sah nichts, spürte nichts, außer…. Wasser. Gleich würde es vorbei sein, dachte sie, während das Wasser auf ihre Brust drückte und ihr die Luft zum atmen nahm. Gleich würde es vorbei sein…


15 Minuten vorher

Lincoln Memorial
Washington, D.C.

17:22 Uhr EST

„Verdammt, wo bleibt sie denn?“ Ärgerlich trat Commander Harmon Rabb jr., Anwalt des Navy Judge Advocat General, von einem Bein aufs andere. Er wartete bereits seit knapp 25 Minuten vor dem Lincoln Memorial, wo er mit seiner Verlobten verabredet war. Die Hochzeit sollte in ein paar Wochen stattfinden, und in der Nähe gab es ein kleines Juweliergeschäft, in dem sie sich Trauringe ansehen wollten. Natürlich war die Hochzeit ihre Idee gewesen, wenn es nach Harm gegangen wäre, dann hätte er auch gut darauf verzichten können. Nicht, dass er gar nicht heiraten wollte. Er wünschte sich durchaus eine Familie. Aber er würde Renee nicht unbedingt als die Liebe seines Lebens bezeichnen. Genau genommen fragte er sich in letzter Zeit immer häufiger, ob er sie überhaupt liebte. Sicher, sie waren jetzt etwa vier Jahre zusammen, und Renee war attraktiv und erfolgreich in ihrem Beruf als Filmproduzentin. Und er konnte auch nicht leugnen, dass er sehr viel Spaß mit ihr hatte. Aber irgendetwas fehlte. Eine emotionale Bindung. Das Gefühl, der eine wäre die jeweils fehlende Hälfte des anderen. Eine Liebe, die so stark war, dass man für den anderen alles tun, alles aufgeben würde. Er wusste, dass das eine kitschige Vorstellung war, und vermutlich total unrealistisch. Aber nun war es ohnehin zu spät. Und schließlich wurden schon Ehen aus weitaus weniger Gründen geschlossen als die, die ihn mit Renee verbanden.

Während Harm immer noch wartete, schweifte sein Blick umher. Um das Lincoln-Denkmal herum gab es viele Grünflächen, die sich angenehm von dem Grau der zahlreichen Regierungsgebäude abhoben. Er war gerne hier, um zu entspannen und ein wenig von der Geschichte zu schnuppern, die regelrecht in der Luft lag.
Unerwartet wurde er angerempelt, und er wollte schon auf den unachtsamen Passanten losschimpfen. Doch bevor er etwas sagen konnte, bekam er auch schon eine Entschuldigung zu hören.

„Tut mir leid, Sir, ich habe Sie nicht gesehen“, kam es leise von einer zarten Frauenstimme. Eine starke Alkoholfahne schlug Harm entgegen, so dass er einen Schritt zurückging. Die Frau war etwa in Renee’s Alter, brünett, schlank. Sie machte einen ungepflegten Eindruck, die schulterlangen Haare hingen ihr wirr ins Gesicht. Bei ihrem Zusammenstoß war der Frau ihre Sonnenbrille von der Nase gerutscht und entblößte ein Paar hinreißend braune Rehaugen….von denen das rechte ein hässliches grünblaues Veilchen zierte.
„Schon gut“, erwiderte Harm schockiert.

Die Fremde schob sich hastig die Brille wieder zurecht und wankte weiter. Sie schien stark angetrunken zu sein, konnte kaum aufrecht laufen. Wie durch ein Wunder schaffte sie es, die stark befahrene Straße unverletzt zu überqueren, und ging dann weiter zur Arlington Memorial Bridge, eine der zahlreichen Brücken, die den Potomac River umspannten.

Harm stand immer noch wie erstarrt an derselben Stelle und schaute der fremden Frau nach. Er konnte nicht verstehen, wie sich ein Mensch so dermaßen gehen lassen konnte. Nüchtern und frisch geduscht war sie sicherlich eine hübsche Frau, aber in diesem Zustand empfand Harm nur Abscheu. Andererseits, war er wirklich in der Position, um über sie zu urteilen? Das blaue Auge hatte sie sich ja sicherlich nicht selbst zugefügt. Der kurze Moment, in dem er in ihre Augen geblickt hatte, hatte immerhin genügt, um ihm einen winzigen Einblick in ihre Seele zu verschaffen. Schmerz hatte er darin gesehen, Einsamkeit, Angst. Beschämt sah er wieder zur Seite.

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Fest umklammerte Sarah MacKenzie die Brüstung der Arlington Memorial Bridge. Sie hatte Angst davor, dass ihre Beine jeden Moment ihren Dienst versagten, aber das durfte jetzt nicht geschehen. Mit der linken Hand langte sie ihre Jackentasche und beförderte eine kleine Flasche ans Tageslicht. Schnell nahm sie einen kräftigen Schluck. Der Whiskey sorgte dafür, dass sie sich gleich wieder etwas stärker fühlte. Wenn sie trank, waren dies die einzigen Augenblicke, in denen sie sich jemals stark fühlte. Stark genug, um all das Elend ihres Lebens zu vergessen. Ihr Leben…. war eine einzige Katastrophe. Sie hatte nichts erreicht bisher, außer am Leben zu bleiben. Seit fast 20 Jahren war sie nun Alkoholikerin. Etliche Entziehungsversuche hatte sie hinter sich, doch keiner war mehr als ein paar Wochen erfolgreich geblieben. Dank ihrem Mann hatte sie jedes Mal einen Rückfall erlitten.
Sarah nahm die dunkle Brille ab. Die Sonne glitzerte auf dem Fluss, als wären tausende von Diamanten auf dem Grund verborgen. Der Wind blies kühl in ihre Richtung und verursachte ein schmerzhaftes Ziehen unter ihrem ramponierten Auge. Dieses Veilchen hatte sie, wie so oft, ihrem Mann Chris zu verdanken. Dieses Veilchen, und auch all die anderen Blutergüsse, die ihren Körper zierten. Anfangs hatte sie sich noch gewehrt, wenn er wieder einmal grob wurde. Doch seine Schläge waren mit der Zeit immer brutaler geworden, wenn sie wagte, sich zu wehren. Und irgendwann hatte sie einfach keine Kraft mehr gehabt, sich ihm entgegenzusetzen.
Vor ein paar Tage dann hatte sie endlich den Mut gehabt, Chris zu verlassen. Als er mit seinen Kumpeln unterwegs war, war sie einfach abgehauen. Nur mit ein paar Dollars in der Tasche und den Sachen, die sie am Leib trug, war sie verschwunden und nach Washington getrampt. Warum sie ausgerechnet hierher gefahren war, wusste sie selbst nicht genau. Vielleicht weil es die Hauptstadt war, und sie sich daher bessere Chancen auf einen Job oder eine Bleibe ausrechnete. Doch Washington hatte sie enttäuscht. Da sie nichts gelernt hatte, fand sie keine Arbeit. Das einzige, was sie konnte, war kellnern, doch arbeitslose Kellner gab es wie Sand am Meer. Eine Unterkunft hatte sie auch nicht gefunden, so dass sie die letzten Nächte auf der Straße verbracht hatte. Nun war sie endgültig am Ende. Zu Chris konnte sie unmöglich zurück, der würde sie totprügeln oder für immer einsperren. Also sah sie nur noch einen Ausweg.

Verstohlen sah sie noch einmal zu dem gutaussehenden Navy-Offizier auf der anderen Straßenseite hinüber, der jetzt von einer attraktiven Blondine stürmisch begrüßt wurde.
‚Schade’, dachte sie, ‚dass ich nie jemanden wie dich kennengelernt haben. Vielleicht wäre mein Leben dann anders verlaufen.’
Doch jetzt gab es kein Zurück mehr. Sarah kletterte über die Brüstung der Brücke, hielt sich noch einen Moment lang fest. Sie wagte es nicht, nach unten zusehen, hatte Angst, der Mut würde sie dann verlassen. Zum Glück war sie keine gute Schwimmerin, es würde also schnell gehen. Hoffte sie…. Ein letztes Mal atmete sie tief ein, beugte sich etwas vor und ließ die Brüstung los. Dann kippte sie vorn über und fiel.

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„Hi Schatz, entschuldige die Verspätung, aber der Verkehr….“ Renee fiel Harm um den Hals und küsste ihn zur Entschuldigung. „Und einen Parkplatz zu finden, war fast unmöglich“, fuhr sie fort.
„Ja, schon gut, lass uns endlich gehen“, seufzte Harm genervt. Renee hakte sich bei ihm unter und sie wollten gerade los, als Harm noch einen letzten Blick auf die fremde Frau mit den bezaubernden traurigen Augen warf. Er bekam gerade noch mit, wie sie auf der falschen Seite des Geländers stand und dann in die Tiefe verschwand.
„Verdammt“, schrie er und sprintete über die Straße.
Renee blieb verdutzt zurück. „Was ist denn jetzt los?“ rief sie ihm hinterher.
„Ruf einen Krankenwagen, hier ist gerade eine Frau von der Brücke gesprungen!“ schrie er von der anderen Straßenseite zurück. Schnell entledigte er sich seines Jackets und der Schuhe, damit diese sich nicht mit Wasser vollsogen, dann sprang er ebenfalls die Brücke hinunter.
Renee stand wie versteinert am Straßenrand, konnte sie nicht glauben, was sie gerade gesehen hatte. Ihr Verlobter riskierte sein Leben für eine Wildfremde! Der konnte was erleben. Wütend zückte sie trotzdem ihr Handy und wählte den Notruf.

Harm war derweil ins kalte Flusswasser eingetaucht. Prustend kam er wieder hoch und sah sich um, ob er die Frau irgendwo entdecken konnte. Nichts zu sehen. Also holte er tief Luft und tauchte unter. Zum Glück gab es an dieser Stelle keine starke Strömung, sie hätte sonst beide fortgerissen. Harm tauchte so tief er konnte, doch es war nichts zu erkennen. Er tauchte wieder auf, holte Luft und ging wieder auf Tauchstation. Diesmal schwamm in die andere Richtung, und tatsächlich, da war etwas. Er näherte sich dem sinkenden Körper so schnell er konnte, bekam einen Arm zu fassen und tauchte wieder an die Oberfläche. Er beförderte auch den Rest von ihr nach oben, so dass ihr Kopf schließlich über Wasser lag. Schwer atmend schaffte es Harm, sich und die Frau zum nächstgelegenen Ufer zu bringen. Seine Lungen schmerzten und er fror von dem kalten Wasser, aber er konnte nicht zulassen, dass sie einfach so ihr Leben beendete. Am Ufer angekommen schleppte er sie an Land und legte sie vorsichtig im Gras ab. Er überprüfte ihre Atmung und ihren Puls. Beide waren nicht fühlbar. Harm strich der Frau das nasse Haar aus dem Gesicht, um mit der Mund-zu-Mund-Beatmung zu beginnen. Doch gerade als er anfangen wollte, hielt er für einen Moment inne. So wie sie da lag, erinnerte sie ihn an eine längst vergangene Liebe, die auf brutale Weise aus seinem Leben gerissen worden war, bevor sie überhaupt die Chance gehabt hatte, sich zu entwickeln. Sie ähnelte der verstorbenen Diane Schonke nicht nur, sie gleich ihr sogar fast bis aufs Haar. Der gleiche Mund, die Nase, die wundervoll geschwungenen Augenbrauen. Harm glaubte, sein Herz würde jeden Moment zerspringen. Doch dann fing er sich wieder und er begann mit der Wiederbelebung. Abwechselnd führte er die Herzmassage und die Beatmung durch, aber nichts geschah.

„Nein! Komm schon, atme!“ schrie Harm verzweifelt. Das durfte nicht geschehen. Er hatte Diane nicht retten können, aber diese Frau würde er nicht so einfach aufgeben. Wie eine Maschine fuhr er mit der Wiederbelebung fort. Plötzlich riss sie die Augen auf und röchelte nach Luft. Sie hustete Wasser und rang nach Atem. Harm hielt ihren Kopf zur Seite und redete beruhigend auf sie ein.
„Ja, los. Spuck das Wasser aus, so ist gut.“ Harm war erleichtert. Erschöpft ließ sie ihren Kopf wieder nach hinten fallen. Dann öffnete sie ihre Augen und sah ihn an.

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Als Sarah wieder zu Bewusstsein kam, blickte sie in das Paar der schönsten graublauen Augen, die sie jemals gesehen hatte. Aber wie war das möglich? Sie war doch von der Brücke gesprungen? Verwirrt versuchte sie sich aufzusetzen, der Fremde stützte sie dabei. Jetzt erkannte sie, dass es der gut aussehende Offizier war, den sie vorhin fast umgestoßen hatte. Er war tropfnass und jetzt bemerkte sie, dass auch sie komplett durchnässt war. Hatte er sie etwa gerettet?

„Warum? Warum haben Sie das getan?“ Sarah’s Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Sie meinen, warum ich Sie aus dem Wasser gefischt habe? Weil ich nicht zulassen konnte, dass Sie sich das antun“, erwiderte Harm sanft. Dabei lächelte er sie an.
Noch nie hatte ein Mann Sarah derart angesehen. Er war nur ein Fremder für sie, und doch enthielt sein Blick mehr Zuneigung und Zärtlichkeit, als sie jemals bisher erfahren hatte.
„Aber.. warum? Sie kennen mich doch gar nicht? Es hätte Ihnen doch egal sein können, was mit mir passiert….“ Sarah war immer noch verwirrt.
„Nun, es war mir aber nicht egal. Ich weiß nicht, was Sie dazu getrieben hat, etwas derart schreckliches zu tun. Aber ich bin mir sicher, dass es auch für Ihr Problem eine Lösung gibt. Vielleicht haben Sie bisher nur nicht die richtige Hilfe bekommen.“
„Es ist komisch. Ich habe noch nie jemandem etwas wirklich bedeutet, und ausgerechnet ein Fremder ist um mein Wohlergehen besorgt.“ Sie lächelte schüchtern.
„Das klingt sehr traurig. Ich finde, jeder sollte jemanden haben, dem er etwas bedeutet. Vielleicht bin ich derjenige für Sie…? Wie heißen Sie überhaupt? Ich kenne noch nicht einmal Ihren Namen.“
Bei seinen letzten Worten rollte Sarah eine Träne die Wange hinunter, doch sie lächelte tapfer.
„Mein Name ist Sarah…. Sarah MacKenzie.“ Der Fremde strich ihr die Träne aus dem Gesicht und berührte sanft den blauen Fleck unter ihrem Auge.
„Hallo Sarah… Sarah MacKenzie. Ich bin Harm.“ Wieder lächelte er sie an, und in diesem Augenblick vergaß sie all die Sorgen und die Angst, die sie ihr Leben lang geplagt hatten. Und als sie zurücklächelte, wusste Harm, dass das Schicksal ihm eine zweite Chance zur Liebe gewährt hatte.


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zuletzt bearbeitet 13.09.2007 | Top

RE: Zweite Chance

#2 von Inque , 18.09.2007 19:17

So, hier kommt der nächste Teil:


Harm schüttelte das Gefühl, das ihn eine Sekunde vorher überkommen hatte, wieder ab. ‚Das ist nicht Diane, Kumpel, sie sieht nur so aus. Außerdem bist du bereits mit einer anderen verlobt, also schlag dir das aus dem Kopf. Und überhaupt, du kennst diese Frau doch gar nicht. Du kennst nur ihr Gesicht, mehr nicht.’

Aus der Ferne war mit einem Mal die Sirene eines Krankenwagens zu hören, die immer lauter wurde. Dann verstummte die Sirene, und stattdessen waren Stimmen zu hören, die sich näherten. Zwei Sanitäter, angeführt von Renee, kamen über die Wiese zum Ufer des Potomac gelaufen. Dort saß noch immer Harmon Rabb klatschnass im Gras und hielt Sarah MacKenzie im Arm, die erschöpft an seiner Brust lehnte. Renee gefiel ganz und gar nicht, was sie sah.
Die Sanitäter stellten ihre Ausrüstungstaschen ab und begannen damit, Sarah zu untersuchen. Harm war derweil aufgestanden und ging zu Renee hinüber, die sich mit verschränkten Armen vor ihm aufbaute.

„Kannst du mir mal verraten, was diese Aktion eben sollte? Du kannst doch nicht einfach für eine Wildfremde von der Brücke springen? Dir hätte sonst was passieren können!!“ Renee konnte sich kaum beruhigen.
„Hör mal, da hat jemand Hilfe gebraucht, so einfach ist das. Ich weiß, dass du so etwas nicht verstehst, aber für mich ist es selbstverständlich zu helfen. Außerdem ist mir nichts passiert, also krieg dich wieder ein, ja?“ Harm war sichtlich gereizt und ärgerte sich über Renee’s Reaktion.
„Na, du machst es dir ja sehr leicht, Harmon Rabb! Du tust einfach, was du für richtig hältst ohne Rücksicht auf andere, und erwartest dann auch noch, dass alle mit deinem Handeln einverstanden sind! So läuft das aber nicht, nicht mit mir!“ Renee war immer noch aufgebracht. Sie verstand einfach nicht, wie Harm einfach so sein Leben für andere aufs Spiel setzte und dann von ihr erwartete, dass sie dafür Verständnis hatte.

Einer der Sanitäter hatte inzwischen eine Trage aus dem Krankenwagen geholt, und Sarah wurde dort hinaufgelegt.
Harm hatte keine Lust mehr, mit Renee zu streiten. Zu den Sanitätern gewandt fragte er: „In welches Krankenhaus bringen Sie sie?“
„Rüber ins George Washington, das ist am nächsten“, kam die Antwort, ehe sie Sarah auf der Trage zum Krankenwagen brachten.
„Pass auf, Renee. Ich werde jetzt zu mir nach Hause fahren, ALLEIN, und mich umziehen, denn ich verspüre wirklich keine Lust, länger als notwendig in einer nassen Uniform herumzustehen. Ich ruf dich an.“ Mit diesen Worten ließ Harm Renee stehen, die ihm mit weit offenem Mund hinterher starrte, aber keinen Ton mehr herausbrachte.

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George Washington University Hospital
900 23rd St. Nw, Washington D.C.

19:05 Uhr EST

Harm betrat die Notaufnahme des George Washington University Hospitals. Er hatte sich zu Hause umgezogen und unterwegs ein paar Blumen besorgt, gelbe und lachsfarbene Rosen, dazu violetter Flieder. Der Strauß war etwas bunt geraten, zugegeben, aber er wollte Sarah damit aufmuntern, also durfte es schon ein schöner Frühlingsstrauß sein.
Er näherte sich der dienst habenden Schwester am Aufnahmetresen.

„Guten Abend, ich suche eine Sarah MacKenzie. Sie wurde vor etwa einer Stunde hier eingeliefert.“
„Sarah MacKenzie, Sekunde, ich schau nach… ach ja, hier ist sie. Vierte Etage, Zimmer 412“, gab die Schwester bereitwillig Auskunft.
„Vielen Dank.“

Harm ging zu den Fahrstühlen hinüber und fuhr in das angegebene Stockwerk. Schnell hatte er das gesuchte Zimmer gefunden und klopfte an. Als keine Antwort kam, öffnete er langsam die Tür und steckte seinen Kopf ins Zimmer. Sarah lag ausgestreckt auf dem Bett. Statt ihrer nassen Kleidung trug sie eins dieser scheußlichen Krankenhausnachthemden. Ihr Kopf lag zur Seite gedreht auf dem Kissen, die Augen hatte sie geschlossen. Gleichmäßig hob und senkte sich ihr Brustkorb, anscheinend schlief sie. Da Harm sie nicht wecken wollte, hielt er nach einer Vase Ausschau, in die er die Blumen verstauen konnte. Endlich fand er ein passendes Gefäß, ging in das angrenzende Bad, um es mit Wasser zu befüllen, und stellte die Blumen dann auf dem kleinen Nachttisch ab, in dessen Richtung Sarah’s Kopf lag. Sie sollte die Blumen als erstes sehen, wenn sie aufwachte. Ebenso lautlos, wie er sich bisher bewegt hatte, rückte er einen Stuhl näher an das Bett heran und setzte sich. Er legte seine Arme auf das Metallgestell, welches an der Seite des Bettes hochgeklappt war und stützte sein Kinn darauf ab. Fasziniert betrachtete er Sarah’s Gesicht. Wie konnten sich zwei unterschiedliche Frauen nur so wahnsinnig ähnlich sehen, es war fast schon unheimlich. ‚Was hat sie wohl bisher in ihrem Leben durchmachen müssen’, fragte er sich. Er wusste zwar nicht viel über sie, aber immerhin zwei gravierende Dinge: sie war Alkoholikerin und sie wurde geschlagen. Und offensichtlich war sie verzweifelt genug gewesen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Sarah bewegte im Schlaf unruhig den Kopf, und auf ihrer Stirn bildeten sich kleine Schweißperlen. Anscheinend träumte sie schlecht. ‚Kein Wunder nach einem Selbstmordversuch’, dachte Harm. ‚Erstaunlich, dass sie überhaupt schlafen kann. Liegt wohl am Alkohol…’ Wieder bewegte sie sich, diesmal heftiger. Reflexartig streckte er seinen Arm durch das Bettgestell und legte sanft seine Hand auf ihre. Augenblicklich wurde sie wieder ruhiger. Als er seine Hand wieder zurückzog, zuckte sie erschrocken zusammen und schlug die Augen auf. Ihr Blick fiel auf die Blumen. ‚Wie wunderschön’, war ihr erster Gedanke. ‚Vorhin standen die doch noch nicht hier…?’ Sie drehte den Kopf und erblickte Harm. Ein müdes Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab.

„Sie schon wieder…“, lächelte sie.
„Ja, ich schon wieder…. Gut geschlafen?“ fragte Harm ebenfalls lächelnd.
Sarah schüttelte den Kopf und starrte an die Decke.
„Möchten Sie darüber reden?“ fragte Harm sanft.
„Nein…. Aber danke.“ Sarah sah ihn wieder an. Ihre Augen blickten ernst. „Ich sollte mich wohl dafür bedanken, dass Sie mich gerettet haben. Aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob Sie mir damit wirklich einen Gefallen getan haben.“
„Für jedes Problem gibt es eine Lösung, Sarah. Und Selbstmord ist die denkbar schlechteste. Ich würde Ihnen gerne helfen, wenn Sie mich nur lassen.“
„Tun Sie das für alle Menschen?“
„Nein. Nur für die, deren Leben ich gerettet habe…“, lachte Harm.
„Für Sie gibt es wohl keine unlösbaren Dinge, wie? Für Sie ist alles ganz einfach, hm? Sie retten mich und schon ist mein Leben besser und einfacher als vorher…“ Sarah gab ein bitteres Lachen von sich. „So ist es aber nicht. Ich will Ihnen mal sagen, wie es für mich weitergehen wird. Wenn ich dieses Krankenhaus hier verlasse, habe ich genau zwei Möglichkeiten: entweder lande ich wieder auf der Straße, wo ich bereits die letzten Tage gezwungenermaßen verbracht habe.“ Sarah’s Stimme wurde immer lauter, während sie redete. „…oder aber ich kann zu meinem gewalttätigen und ebenfalls trinkenden Ehemann zurückgehen. Und wissen Sie, was der mit mir machen wird? Entweder hält der mich für den Rest meines erbärmlichen Lebens als Haussklavin oder, wenn ich Glück habe, wird er mich totprügeln, dann hab ich es hinter mir. Ach ja, und apropos Krankenhaus: ich weiß noch nicht einmal wie ich die verdammten Kosten hier bezahlen soll!“
Als Sarah geendet hatte, schlug sie die Hände vors Gesicht. Ein leises Schluchzen war zu hören.

Harm hatte bisher nur stumm zugehört. Ihm war nicht klar gewesen, dass ihre Situation so schlimm war. Und er war jetzt möglicherweise Schuld daran, wenn sie sich noch weiter verschlechterte.
‚Okay, Kumpel. Du hast dafür gesorgt, dass sie weiterlebt. Dann lass dir jetzt was einfallen, dass sie auch einen Grund dazu hat!’
Wortlos stand er auf und verließ das Zimmer.

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Sarah wusste nicht, wie lange sie dagesessen und einfach nur geweint hatte. Geweint, weil ihr schäbiges Leben weiterging…. Geweint, weil sie noch am Leben war… Geweint, weil sie unbeabsichtigt so gemein zu dem einzigen Menschen gewesen war, der sich um sie sorgte. Irgendwann hatte sie keine Tränen mehr, und sie ließ erschöpft die Hände in den Schoß sinken. Müde schloss sie ihre brennenden und geschwollenen Augen. Was sollte jetzt nur aus ihr werden? Einerseits war sie irgendwie froh darüber, dass sie noch lebte, aber andererseits… sie wusste einfach nicht, wie es weitergehen sollte.
Dieser Harm hatte ihr Hilfe angeboten, aber wie konnte er ihr schon helfen? Er konnte nicht dafür sorgen, dass ihr Körper entgiftet wurde. Und er konnte ihr auch keinen vernünftigen Job besorgen, schließlich konnte sie ja nichts besonders gut.

„Morgen ist auch noch ein Tag“, murmelte sie im Halbschlaf. Dann übermannte sie die Müdigkeit, und der Schlaf legte sich wie eine schützende Decke über sie und verdrängte alle beängstigenden Gedanken.

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Nachdem Harm das Krankenzimmer verlassen hatte, nahm er auf einem der Stühle im Flur Platz und grübelte darüber, wie er Sarah helfen konnte. Okay, zurück konnte sie nicht, aber er wollte sie auch nicht so einfach ihrem Schicksal überlassen. Wie lange würde sie überhaupt im Krankenhaus bleiben müssen? Vielleicht konnte sie an einer Entziehungskur teilnehmen? Diese und ähnliche Gedanken schossen ihm unentwegt durch den Kopf. Aber um ihr konkret helfen zu können, musste Harm erst mit dem zuständigen Arzt sprechen.
Er stand auf und hielt nach der Stationsschwester Ausschau. Diese war gerade damit beschäftigt, Medikamente für einige Patienten zusammenzustellen und ignorierte Harm, als er neben ihr stand.

„Entschuldigen Sie, Schwester. Ich unterbreche Sie ja nur ungern, aber ich hätte eine Frage“, sprach er sie schließlich an.
Schwester Beth Wagner blickte von den Pillenverpackungen auf und beäugte Harm über den Rand ihrer Brillengläser hinweg mürrisch. Ihrem Blick entnahm Harm, dass sie nur ungern bei ihrer Tätigkeit gestört werden wollte.
„Und das wäre?“ fragte sie schließlich in einem brummigen Ton.
„Wären Sie wohl so liebenswürdig mir zu sagen, wer der behandelnde Arzt von Miss Sarah MacKenzie auf Zimmer 412 ist?“ Dabei setzte Harm sein charmantestes Flyboy-Grinsen in der Hoffnung auf, Schwester Wagner würde ihm nicht gleich eines der Pillenfläschchen um die Ohren hauen.
„Da müsste ich erst nachsehen“, erwiderte Schwester Wagner knapp und widmete sich wieder den Medikamenten.
Offensichtlich war Charme die falsche Strategie gewesen, also musste Harm eine andere Taktik anwenden, um an die gewünschte Information zu gelangen.
„Ma’am, ich benötige den Namen sofort. Sie würden mir wirklich einen riesengroßen Gefallen tun.“ Harm legte seine Hand auf Schwester Wagner’s Arm, woraufhin diese ihn mit einem strafenden Blick bedachte. Harm schenkte ihr nun seinen besten Dackelblick und fügte in beschwörendem Ton hinzu: „Bitte!“
„Sie geben ja doch keine Ruhe, bis ich meine Arbeit beendet habe“, erwiderte Schwester Wagner etwas milder, aber nach wie vor genervt und begab sich zu ihrem Computer. „Zimmer 412 sagten Sie?“
„Ja, Ma’am“, antwortete Harm sichtlich erleichtert.
„Miss MacKenzie wird von Dr. Preston behandelt. Er müsste hinten im Ärztezimmer zu finden sein.“
„Ich danke Ihnen vielmals, Schwester.“
Harm lächelte ihr noch einmal zu und machte sich dann auf die Suche nach Dr. Preston. Er ging den Flur in die angegebene Richtung entlang, bis er das besagte Zimmer auf der rechten Seite entdeckte und anklopfte.

Ein mittelgroßer schlanker Mann mit graumeliertem Haar öffnete die Tür und musterte Harm. „Ja bitte?“ fragte dieser schließlich.
„Entschuldigen Sie, aber ich bin auf der Suche nach Dr. Preston“, antwortete Harm.
„Der steht vor Ihnen. Und Sie sind?“
„Harmon Rabb. Dr. Preston, ich würde Sie gerne kurz wegen Miss MacKenzie sprechen.“
„Ach ja, der Selbstmordversuch. Sind Sie ein Angehöriger von ihr?“
„Nein, Doktor. Aber ich habe sie aus dem Potomac River gefischt.“
„Verstehe. Aber dann darf ich Ihnen eigentlich keinerlei Auskünfte zu ihr geben, Mr. Rabb.“
„Das weiß ich, Dr. Preston. Aber sie scheint niemanden zu haben. Ich möchte auch nur wissen, was als nächstes mit ihr passiert. Wie lange werden Sie sie hier behalten? Und wie sieht es mit einem Platz in einer Entziehungsklinik aus? Sie scheint ja ein Alkoholproblem zu haben.“
„Warum interessiert Sie das, Mr. Rabb? Sie kennen sie doch selbst kaum, außer dass Sie sie gerettet haben?“ Dr. Preston war nun sichtlich neugierig.
„Schwer zu erklären. Sie tut mir einfach leid. Haben Sie das Veilchen unter ihrem Auge gesehen?“
„Nicht nur dieses, Mr. Rabb. Das scheint bei Miss MacKenzie schon ziemlich häufig vorgekommen zu sein.“
„Und deshalb möchte ich ihr irgendwie helfen, wenn ich kann.“ Harm sah den Arzt eindringlich an.
„Nun, eigentlich müssten wir sie allein schon wegen dem versuchten Selbstmord in die Psychiatrie einweisen lassen, aber die Abteilung ist überbelegt. Und für die Entzugsplätze gibt es meilenweite Wartelisten. Da sie aber sonst keine körperlichen Verletzungen hat, werden wir sie wohl morgen entlassen müssen.“
„Ich danke Ihnen, Dr. Preston. Dann weiß ich, was ich zu tun habe.“ Harm schüttelte dem Arzt die Hand und entfernte sich dann. Dieser schaute ihm noch eine Weile nach. Er wusste nicht, was er von diesem Mann halten sollte. Aber andererseits konnte die arme Frau von Glück reden, dass sich überhaupt jemand um sie sorgte.

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Nachdem Harm das Krankenzimmer verlassen hatte, nahm er auf einem der Stühle im Flur Platz und grübelte darüber, wie er Sarah helfen konnte. Okay, zurück konnte sie nicht, aber er wollte sie auch nicht so einfach ihrem Schicksal überlassen. Wie lange würde sie überhaupt im Krankenhaus bleiben müssen? Vielleicht konnte sie an einer Entziehungskur teilnehmen? Diese und ähnliche Gedanken schossen ihm unentwegt durch den Kopf. Aber um ihr konkret helfen zu können, musste Harm erst mit dem zuständigen Arzt sprechen.
Er stand auf und hielt nach der Stationsschwester Ausschau. Diese war gerade damit beschäftigt, Medikamente für einige Patienten zusammenzustellen und ignorierte Harm, als er neben ihr stand.

„Entschuldigen Sie, Schwester. Ich unterbreche Sie ja nur ungern, aber ich hätte eine Frage“, sprach er sie schließlich an.
Schwester Beth Wagner blickte von den Pillenverpackungen auf und beäugte Harm über den Rand ihrer Brillengläser hinweg mürrisch. Ihrem Blick entnahm Harm, dass sie nur ungern bei ihrer Tätigkeit gestört werden wollte.
„Und das wäre?“ fragte sie schließlich in einem brummigen Ton.
„Wären Sie wohl so liebenswürdig mir zu sagen, wer der behandelnde Arzt von Miss Sarah MacKenzie auf Zimmer 412 ist?“ Dabei setzte Harm sein charmantestes Flyboy-Grinsen in der Hoffnung auf, Schwester Wagner würde ihm nicht gleich eines der Pillenfläschchen um die Ohren hauen.
„Da müsste ich erst nachsehen“, erwiderte Schwester Wagner knapp und widmete sich wieder den Medikamenten.
Offensichtlich war Charme die falsche Strategie gewesen, also musste Harm eine andere Taktik anwenden, um an die gewünschte Information zu gelangen.
„Ma’am, ich benötige den Namen sofort. Sie würden mir wirklich einen riesengroßen Gefallen tun.“ Harm legte seine Hand auf Schwester Wagner’s Arm, woraufhin diese ihn mit einem strafenden Blick bedachte. Harm schenkte ihr nun seinen besten Dackelblick und fügte in beschwörendem Ton hinzu: „Bitte!“
„Sie geben ja doch keine Ruhe, bis ich meine Arbeit beendet habe“, erwiderte Schwester Wagner etwas milder, aber nach wie vor genervt und begab sich zu ihrem Computer. „Zimmer 412 sagten Sie?“
„Ja, Ma’am“, antwortete Harm sichtlich erleichtert.
„Miss MacKenzie wird von Dr. Preston behandelt. Er müsste hinten im Ärztezimmer zu finden sein.“
„Ich danke Ihnen vielmals, Schwester.“
Harm lächelte ihr noch einmal zu und machte sich dann auf die Suche nach Dr. Preston. Er ging den Flur in die angegebene Richtung entlang, bis er das besagte Zimmer auf der rechten Seite entdeckte und anklopfte.

Ein mittelgroßer schlanker Mann mit graumeliertem Haar öffnete die Tür und musterte Harm. „Ja bitte?“ fragte dieser schließlich.
„Entschuldigen Sie, aber ich bin auf der Suche nach Dr. Preston“, antwortete Harm.
„Der steht vor Ihnen. Und Sie sind?“
„Harmon Rabb. Dr. Preston, ich würde Sie gerne kurz wegen Miss MacKenzie sprechen.“
„Ach ja, der Selbstmordversuch. Sind Sie ein Angehöriger von ihr?“
„Nein, Doktor. Aber ich habe sie aus dem Potomac River gefischt.“
„Verstehe. Aber dann darf ich Ihnen eigentlich keinerlei Auskünfte zu ihr geben, Mr. Rabb.“
„Das weiß ich, Dr. Preston. Aber sie scheint niemanden zu haben. Ich möchte auch nur wissen, was als nächstes mit ihr passiert. Wie lange werden Sie sie hier behalten? Und wie sieht es mit einem Platz in einer Entziehungsklinik aus? Sie scheint ja ein Alkoholproblem zu haben.“
„Warum interessiert Sie das, Mr. Rabb? Sie kennen sie doch selbst kaum, außer dass Sie sie gerettet haben?“ Dr. Preston war nun sichtlich neugierig.
„Schwer zu erklären. Sie tut mir einfach leid. Haben Sie das Veilchen unter ihrem Auge gesehen?“
„Nicht nur dieses, Mr. Rabb. Das scheint bei Miss MacKenzie schon ziemlich häufig vorgekommen zu sein.“
„Und deshalb möchte ich ihr irgendwie helfen, wenn ich kann.“ Harm sah den Arzt eindringlich an.
„Nun, eigentlich müssten wir sie allein schon wegen dem versuchten Selbstmord in die Psychiatrie einweisen lassen, aber die Abteilung ist überbelegt. Und für die Entzugsplätze gibt es meilenweite Wartelisten. Da sie aber sonst keine körperlichen Verletzungen hat, werden wir sie wohl morgen entlassen müssen.“
„Ich danke Ihnen, Dr. Preston. Dann weiß ich, was ich zu tun habe.“ Harm schüttelte dem Arzt die Hand und entfernte sich dann. Dieser schaute ihm noch eine Weile nach. Er wusste nicht, was er von diesem Mann halten sollte. Aber andererseits konnte die arme Frau von Glück reden, dass sich überhaupt jemand um sie sorgte.


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RE: Zweite Chance

#3 von Inque , 18.09.2007 19:18

Harm’s Wohnung

Nördlich der Union Station
Washington, D.C.

22:03 Uhr EST

Harm saß auf dem Sofa, das Telefon in der Hand. Er hatte es bereits sieben Mal klingeln lassen, aber niemand hob ab. Gerade wollte er genervt den Hörer auflegen, als sich doch eine Stimme meldete.

„Hallo?“
„Renee, na endlich.“
„Hallo Harm. Was gibt’s?“ Renee’s Stimme klang kühl und gleichzeitig verletzt.
Harm atmete tief durch. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen, weil wir vorhin so aneinander geraten sind.“
„So, wolltest du… dann tu es doch.“ Sie klang immer noch gereizt.
„Es tut mir Leid, okay? Ich wollte nur helfen. Du weißt, dass ich nicht einfach wegsehen kann, wenn jemand in Gefahr ist.“
„Und mir tut es Leid, weil ich so zickig war. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass mein Verlobter ein ausgesprochenes Helfer-Syndrom hat.“ Sie lachte leise. „Aber jetzt ist ja alles vorbei. Die Frau ist gerettet, und wir können uns wieder unserer Hochzeit widmen.“
„Deswegen wollte ich noch mit dir reden. Weißt du, sie hat keine Bleibe oder jemanden, an den sie sich wenden kann. Daher habe ich beschlossen, sie ein paar Tage bei mir wohnen zu lassen, bis ich eine andere Möglichkeit gefunden habe, wo sie unterkommen kann.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte entsetztes Schweigen.

„Renee?“
„Entschuldige, ich muss mich wohl gerade verhört haben. Mir war so, als wolltest du deine Wohnung in ein Obdachlosenasyl verwandeln. Verrückt, nicht?“
„Du hast dich nicht verhört. Ich meine es ernst.“
„Ich fasse es nicht, Harm. Da kommt dieses hergelaufene Flittchen daher, klimpert dich einmal mit ihrem blauen Auge an, und du musst gleich den guten Samariter spielen? Was ist mit uns? Mit mir?“ Renee war sichtlich aufgeregt, und ihre Stimme klang leicht brüchig, als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen.
„Renee, das hier hat nichts mit uns zu tun“, antwortete Harm besänftigend. „Natürlich werden wir unsere Hochzeit weiterplanen, und zwischen uns wird sich nichts ändern. Außer dass ich für ein paar Tage einen Gast haben werde. Versuche bitte einfach, das zu akzeptieren. Mehr verlange ich nicht von dir.“

Wieder schwieg Renee eine Weile. Anscheinend hatte sie ja ohnehin keine andere Wahl.

„Na schön. Ein paar Tage, ja? Und danach verschwindet sie wieder?“ fragte sie schließlich seufzend.
„Ja.“
„Okay, aber du hast dann was gut zu machen bei mir, Sailor.“ Renee versuchte ein Lächeln. Auch wenn Harm es nicht sehen konnte, sollte er es zumindest spüren.
„Danke, Renee“, antwortete Harm erleichtert. „Wir sehen uns dann.“
„Ja, sicher. Ich liebe dich, Harm.“
„Ich dich auch. Mach’s gut.“

Harm legte auf. Zum Glück hatten sie ihren Streit wieder beigelegt. Er stand auf und schlenderte zu seinem Bett hinüber. Morgen würde ein interessanter Tag werden.


MfG Inque
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Inque
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RE: Zweite Chance

#4 von Inque , 27.09.2007 21:22

Und weiter geht's... Ach ja, FB ist jederzeit erwünscht!!



Am nächsten Tag

George Washington University Hospital
900 23rd St. Nw, Washington D.C.

08:21 Uhr EST

Langsam zog Sarah ihre mittlerweile wieder trockenen Sachen an; die verschlissene Jeans, den ausgebleichten roten Pullover und Turnschuhe, die einmal weiß gewesen waren. Sie hatte eine unruhige Nacht hinter sich, geprägt von düsteren Träumen und dem immer wiederkehrenden Schmerz unter ihrem Auge. Gleich würde der Arzt kommen, um sie zu entlassen. Und dann wüsste sie wieder nicht, wohin sie gehen sollte. Naja, immerhin hatte sie einmal die Möglichkeit gehabt, in einem warmen und sauberen Bett zu schlafen, ehe die Straße sie wieder empfing.
An der Tür klopfte es kurz und Dr. Preston betrat das Zimmer.

„Guten Morgen, Miss MacKenzie. Wie geht es Ihnen?“ fragte er freundlich lächelnd.
„Ich lebe noch, das muss wohl reichen“, erwiderte sie gereizt und nahm auf dem Bett Platz.
“Miss MacKenzie, ich weiß nicht, warum Sie sich etwas antun wollten. Aber für Menschen in Ihrer Situation, gibt es Anlaufstellen, wo Sie professionelle Hilfe bekommen können. Sie müssen nur wollen. Und glauben Sie mir, Selbstmord ist nie eine Lösung.“
„Sie klingen schon wie…“, antwortete Sarah, beendete den Satz aber nicht. Stattdessen versuchte sie Dr. Preston’s Blick auszuweichen.
„Wie der junge Mann, der Sie gerettet hat?“ ergänzte er sanft.
Sarah sah den Arzt nun irritiert an.
„Hat er etwa mit Ihnen gesprochen?“ Ihre Stimme verriet Überraschung, sogar einen Hauch von Freude darüber.
„Ja. Er schien ernsthaft besorgt um Sie. Leider gibt es zu wenige Menschen, die sich für andere Leute in Not einsetzen. Ach, und wegen der Rechnung für Ihre Behandlung müssen Sie sich keine Gedanken machen. Das ist erledigt.“
„Er hat doch nicht…?“ Sarah’s Augen weiteten sich. Statt einer Antwort lächelte Dr. Preston nur wissend.

Sarah wusste nicht, was sie davon halten sollte. Einerseits war sie erleichtert und sogar etwas erfreut, dass dieser Harm Interesse an ihr zeigte. Andererseits aber war es ihr auch peinlich, und sie schämte sich. Vermutlich hatte er es ohnehin nur aus Mitleid getan. Warum sonst sollte sich auch ein Mann wie er für solch ein Wrack interessieren, für das sie sich mittlerweile hielt. Sicher, früher in der Highschool hatte sie zahlreiche Verehrer gehabt. Aber der Alkohol hatte sein Übriges getan, um in ihren Augen jegliche Attraktivität aus ihrem Gesicht zu verbannen.

„Miss MacKenzie…“ Dr. Preston unterbrach Sarah’s Gedanken. „Das Leben hat Ihnen eine zweite Chance gegeben. Sie sollten sie nutzen.“
Sarah sah ihn nachdenklich an. Vielleicht hatte er Recht. Aber andererseits… was konnte sie aus ihrem Leben jetzt noch machen?
„Ich werde dann jetzt besser gehen, Dr. Preston. Danke für alles.“ Sarah schüttelte dem Arzt die Hand und griff nach den Blumen, die Harm ihr am Abend zuvor mitgebracht hatte.
„Alles Gute, Miss MacKenzie. Passen Sie auf sich auf.“ Dr. Preston lächelte ihr noch einmal aufmunternd zu, ehe Sarah ihm den Rücken kehrte und mit ihrem Anorak über den Arm das Zimmer verließ.

Sarah presste die Blumen dicht an sich, vergrub ihr Gesicht darin und sog noch einmal ihren verführerischen Duft ein, als versuchte sie, damit den Gedanken daran zu betäuben, was sie als nächstes erwarten würde. Gedankenverloren schlenderte sie den Krankenhausflur zum Fahrstuhl entlang und überlegte, was sie als nächstes tun sollte. Sie könnte versuchen, ihre Mutter zu finden, die sie verlassen hatte, als sie noch ein Kind war. Oder sehen, ob ihr Vater noch lebte, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Und da war noch ihr Onkel Matt. Der war bei den Marines, soweit sie sich erinnerte. Als Kind hatte sie immer zu ihm aufgeschaut, doch leider war der Kontakt zu ihm vor ein paar Jahren abgerissen. Naja, erstmal raus aus Washington. Irgendeinen Truckerfahrer, der sie mitnahm, würde sie schon finden. Und dann würde sie schon sehen, wohin es sie verschlagen würde.
Endlich hielt der Fahrstuhl in ihrem Stockwerk. Doch als sie ihn besteigen wollte, prallte sie mit jemandem zusammen, der im Begriff war, den Lift zu verlassen.

„Entschuldigung“, murmelte Sarah geistesabwesend und wollte weitergehen, doch stattdessen wurde sie sanft an den Armen festgehalten. Sie wollte schon dagegen protestieren, als sie endlich realisierte, wer sie da festhielt.
„Das scheint wohl zur Gewohnheit zu werden, dass wir uns so über den Weg laufen“, lächelte Harm sie an.
„Oh, was machen Sie denn hier?“ fragte sie überrascht.
„Ich hatte gehofft, Sie noch anzutreffen, bevor Sie entlassen werden. Können wir reden?“
Sarah nickte nur.
„Kommen Sie, wir fahren runter und gehen ein paar Meter“, schlug er vor.

Während der Fahrt nach unten musterte Sarah ihn verstohlen. Harm trug wieder seine dunkelblaue Uniform und sah einfach unverschämt gut darin aus. Bestürzt registrierte sie, dass ihr Herz immer dann einen Hüpfer machte, wenn er sie kurz anlächelte. Nein, das konnte, durfte einfach nicht sein. Daher beschloss sie, die Schmetterlinge in ihrem Bauch zu ignorieren so gut es ging.

Unten im Empfangsbereich des Krankenhauses angelangt, verließen sie schweigend das Gebäude. Sarah war gespannt darauf, was Harm wohl von ihr wollte. Und Harm wusste nicht, wie Sarah auf seinen Vorschlag reagieren würde.

Draußen schien die Sonne, und die Luft war erfüllt von Frühlingsduft. Es versprach ein angenehmer Tag zu werden, da der März bisher eher kühl gewesen war. Immer noch schweigend gingen Sarah und Harm nebeneinander her, bis sie auf einer Bank Platz nahmen.
Endlich ergriff Harm das Wort.

„Wissen Sie schon, wohin Sie jetzt gehen werden?“ fragte er vorsichtig.
Sarah schüttelte den Kopf. „Ich werde wohl einfach erstmal die Stadt verlassen und sehen, wo ich lande“, antwortete sie leise.
„Dann möchte ich Ihnen einen Vorschlag machen.“

Sarah, die bisher versuchte hatte, seinem Blick auszuweichen, sah Harm nun doch direkt an.

„Und der wäre?“ fragte sie erstaunt.
„Bleiben Sie ein paar Tage bei mir, bis Sie wissen, wie es mit Ihrem Leben weitergehen soll. Meine Wohnung ist nicht groß, aber die Couch ist bequem. Vor allem hätten Sie dort einen warmen und vor allem sicheren Platz zum Schlafen, und Sie könnten in Ruhe über alles nachdenken. Vielleicht möchten Sie die Scheidung von Ihrem Ehemann einreichen. Dabei könnte ich Ihnen helfen, ich bin Anwalt. Sie könnten sich in Ruhe Arbeit suchen und eine eigene Wohnung. Also, was sagen Sie?“ Harm sah Sarah gespannt an.

„Wow, das… das ist wirklich sehr großzügig von Ihnen, aber das kann ich nicht annehmen“, erwiderte sie, nachdem sie einen langen Moment zum Nachdenken gebraucht hatte.
„Warum nicht?“
„Weil ich es eben nicht kann. Außerdem, was soll Ihre Freundin denn dazu sagen, dass Sie eine Wildfremde bei sich wohnen lassen?“ versuchte Sarah auszuweichen.
„Das lassen Sie mal meine Sorge sein. Also, aus welchem Grund möchten Sie meine Hilfe nicht annehmen?“ bohrte Harm weiter nach.

Sarah seufzte innerlich. Sie war hin- und hergerissen zwischen ihrem Stolz und dem Gedanken daran, zumindest vorübergehend eine sichere Unterkunft zu haben.

„Ich will endlich versuchen, auf eigenen Beinen zu stehen, ohne auf das Mitleid anderer Leute angewiesen zu sein“, gab sie schließlich zu.
„Ich mache das nicht aus Mitleid, Sarah.“
„Dann haben Sie ein schlechtes Gewissen?“
„Schon möglich.“ Nun war es Harm, der nachdenklich schaute. „In erster Linie möchte aber einfach nur jemandem helfen, der in Not ist. Bitte nehmen Sie meine Hilfe an. Nicht um meinetwillen, um Ihretwillen.“

Sarah versuchte, noch einmal alle Möglichkeiten, die sie hatte, abzuwägen. Und plötzlich erschien ihr diese Option gar nicht mehr so abwegig.

„Mit einem Alkoholiker zusammenzuwohnen ist aber nicht sehr einfach, das sollte Ihnen klar sein“, versuchte sie ihm die Sache noch einmal auszureden.
„Da mögen Sie Recht haben. Aber ich unterstütze Sie bei allem, versprochen“, lächelte Harm zuversichtlich.
„Aber wirklich nur ein paar Tage…“, wiederholte Sarah noch einmal. „Ich hoffe nur, Sie verlangen keine Gegenleistung von mir“, fügte sie leise hinzu.
„Doch, eine“, antwortete Harm bestimmt.

Sarah sah ihn mit großen Augen an. Doch sie lächelte, nachdem sie seine Antwort gehört hatte.

„Ich möchte, dass Sie wieder anfangen zu leben.“

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Harm’s Wohnung

Nördlich der Union Station
Washington, D.C.

09:55 Uhr EST

„Da wären wir also.“ Harm öffnete die Tür zu seiner Wohnung und machte einen Schritt zur Seite, um Sarah hineinzulassen.

Zaghaft betrat sie die Wohnung und schaute sich unsicher um.

„Sieht gemütlich aus“, sagte sie schließlich.
„Dort drüben ist das Bad.“ Harm zeigte in die entsprechende Richtung. „Wenn Sie duschen möchten, frische Handtücher finden Sie im unteren Regal. Falls Sie Hunger haben sollten, der Kühlschrank ist voll. Bedienen Sie sich einfach. Ach ja, und für den Fall, dass Sie etwas Bequemeres anziehen möchten…“ Harm ging zu seinem Kleiderschrank und suchte zwei Kleidungsstücke heraus, die er auf das Bett legte. „Hier habe ich ein Sweatshirt und eine Jogginghose für Sie. Die Hose dürfte etwas lang sein, aber sie lässt sich im Bund verstellen.“
„Bleiben Sie denn nicht hier?“ fragte Sarah erstaunt.
„Ich muss ins Büro. Es wartet noch einiges an Arbeit auf mich.“ Harm langte in seine Uniformjacke und zog eine Visitenkarte heraus, die er Sarah reichte. „Hier stehen meine Büro- und meine Handynummer drauf, falls etwas sein sollte.“
„Sind Sie eigentlich immer so vertrauensselig?“
„Bitte?“ Nun war es Harm, der verwundert schaute.
„Naja, Sie kennen mich gerade einen Tag, und schon lassen Sie mich ganz allein in Ihrer Wohnung zurück. Woher wissen Sie denn, dass ich mir nicht Ihren Fernseher unter den Arm klemme und mich aus dem Staub mache?“ Herausfordernd blickte sie ihn an.
„Nun, das weiß ich natürlich nicht. Aber ich habe einen recht guten Instinkt, wem ich vertrauen kann, und wem nicht. Außerdem: wenn Sie eine Diebin wären, hätten Sie sicherlich schon gestohlen, um an Geld zu kommen und nicht auf der Straße übernachten zu müssen. Dann hätten Sie bestimmt nicht versucht, sich umzubringen.“
„Da haben Sie wohl Recht.“ Sarah schaute verlegen zu Boden.
„Und meinen Fernseher würde ich übrigens sowieso nicht vermissen“, grinste Harm schelmisch. „Bis vor zwei Jahren hatte ich gar keinen. Aber Renee, meine Verlobte, war der Meinung, ich bräuchte dringend einen.“
„Na, ich wäre ja eine tolle Diebin…“, kicherte Sarah.
„Also dann, wir sehen uns heute Abend. Und machen Sie in der Zwischenzeit keine Dummheiten…“ Harm schenkte ihr ein umwerfendes Lächeln und zwinkerte ihr noch einmal zu, ehe er dann die Wohnung verließ.

‚So, das ist also mein Domizil für die nächsten Tage’, dachte Sarah und beschloss, sich erst einmal die Wohnung näher anzusehen.
Das Appartement war eher schlicht, aber gemütlich eingerichtet. Richtige Zimmer gab es keine. Bad und Schlafbereich waren durch Milchglaswände vom Wohnbereich abgetrennt, an den sich nahtlos der offene Küchenbereich mit freistehendem Herd anschloss. Da die Küche einen recht großen Platz einnahm, schloss Sarah daraus, dass Harm wohl zu den wenigen Männern gehörte, die gern kochten. Verschiedene Pfannen baumelten über dem Herd, und diverse Kochutensilien waren feinsäuberlich nebeneinander aufgereiht. Ein Blick in den Kühlschrank verriet ihr, dass Harm offenbar viel Wert auf gesunde Lebensmittel legte, denn es befand sich größtenteils frisches Gemüse darin. Im Kühlfach lagerten zusätzlich Fisch, Meeresfrüchte und tiefgekühltes Gemüse. Von Fleisch dagegen keine Spur.
,Na toll, ein Vegetarier. Da werde ich ja verhungern’, grinste Sarah in sich hinein.

Sie ließ ihren Blick erneut durch das Appartement schweifen, und dabei entdeckte sie ein gerahmtes Foto auf einem Sideboard, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie ging auf das Sideboard zu und nahm das Foto in die Hand, um es sich am Fenster bei Tageslicht genauer anzusehen. Das Foto war eine Schwarzweiß-Aufnahme und zeigte einen kleinen Jungen in einem Flugzeug, daneben einen Mann in der Uniform eines Piloten. Der Mann auf dem Foto hatte eine große Ähnlichkeit mit Harm, trug aber im Gegensatz zu ihm einen Schnurrbart. Außerdem schien das Bild einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, alt zu sein. Sarah’s Neugier war nun aber geweckt, und sie beschloss, Harm am Abend zu dem Foto zu befragen.


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