Friend or Foe/Mr. Brumby goes to Hollywood von Butze

#1 von Petra , 07.05.2007 21:20

Friend or Foe/Mr. Brumby goes to Hollywood

von butze


Disko „Inferno“
Nischni Noworod, Russland
Montag, 19 Februar 2001
0 Uhr 14 Minuten Ortszeit
56° 19' 37"N/ 44° 00' 00"W

Der Bass der Musik pumpte laut durch die Lautsprecher, das Licht pulsierte heftig und wechselte die Farben rasend schnell, hunderte von jungen Russen tanzten manisch zu einem Rhythmus den nur sie zu erkennen schienen. Zusammen ergaben diese Eindrücke ein Gesamtbild das irre und gespenstig zu gleich wirkte.

Torkelnd und mit einer halbvollen Wodkaflasche in der Hand schob er sich zwischen den eng aneinander gedrängten Gästen vorbei. Niemand registrierte oder verfolgte seine, durch die Massen siechende, Figur. Aus Vorsicht nicht entdeckt zu werden fokussierte er sein Ziel nie genau, verlor es aber genauso wenig aus den Augen.

Um sich unauffällig an der Wand entlang zudrücken gab er vor von einem Mann neben ihm angerempelt worden und in diese Richtung gestoßen worden zu sein. Vorsichtig stützte er sich an der Wand ab und ließ sich von ihrem Verlauf zu seinem gesuchten Objekt leiten. Innerhalb weniger Sekunden hatte er einen Moment ausgemacht an dem der flackernde Lichterschwall den Raum in ein kurzes Dunkel hüllte.

Im Schutze dieser trügerischen Sicherheit drückte er die Klinke einer Nebentür und war erstaunt sie nicht verschlossen vorzufinden. Flink öffnete er diese nur einen Spalt breit und schlüpfte hindurch.

Dämmriges Licht und ein muffliger Geruch begrüßten ihn in dem langen Gang. Obwohl von innen ein Schlüssel in dem Schloss der Tür steckte durch die er gerade gekommen war verschloss er sie nicht. Es war klüger alles im Ursprungszustand zu belassen. So lenkte man weniger Aufmerksamkeit auf sich.

Der Flur wirkte ordentlich. Er war mit rotem Teppich ausgelegt, die Wände waren hoch und es roch nur ein wenig mufflig. Nichts Neues dabei. In wie vielen Gängen solcher Art er schon herum geschlichen war um für die Firma die heißen Kastanien aus dem Ofen zu holen wusste er nicht mehr. Nichtsdestotrotz musste er es gut genug gemacht haben, sein Job war gefährlich das wusste er, und die Tatsache dass er noch am Leben war bestätigte seine Fähigkeiten.

Er hatte Jahre gebraucht um sie sich anzutrainieren. Egal wie gut sie dich in der Grundausbildung hetzten, man ist nie ideal auf alle Situationen vorbereitet, - schoss ihm ein Satz durch den Kopf den einer seiner Mentoren immer zu sagen gepflegt hatte bevor einer seiner Schützlinge eine neue Mission startete. Bestimmt hatte er das getan um sie zu ermahnen auf der Hut zu sein, nie jemandem anderen als sich selbst zu vertrauen und unkonventionelle Methoden der Problemlösung in Betracht zu ziehen.

Den Ratschlag dieses alten Mannes hatte er sich zur obersten Regel gemacht und war fest davon überzeugt dass sie ihm das Leben schon oft genug gerettet hatten. Die Ironie wollte er dass eben der Verfasser dieser klugen Worte sterben musste weil er seinen eigenen Ratschlag nicht befolgte. Man hatte ihm nie wirklich gesagt warum sein Mentor gestorben war, geschweige denn wann oder wo.

Himmel, dachte er bei sich, wer sagt mir den dass er wirklich tot ist? Er könnte auch genauso gut irgendwo am Strand sitzen und unter neuem Namen Cocktails bestellen.

Er verdrängte die ins Nichts führenden Gedanken und schaltete auf Agentenmodus. Dicht an die Wand gedrückt und mit einer Hand an der Waffe schlich er weiter. Immer nach Anzeichen von ungebetenem Besuch und Kameras Ausschau haltend.

Die Wodkaflasche hatte er schon längst hinter einer Topfpflanze in einer Ecke versteckt. Er würde die später wieder als Tarnung brauchen wenn er mit den Informationen unauffällig die Disko verlassen wollte. „Onkel Ramon“, so sein Deckname, durfte keine Hinweise auf seine Person hinterlassen, nichts durfte verraten was er hier getan hatte. An der nächsten Ecke versicherte er sich alleine zu sein, dann Tippte er kurz an sein Ohr und schon drang das nach so vielen Jahren vertraute Rauschen in seine Ohrmuschel.

“Hallo Tante Aurelia, hier ist Onkel Ramon, ich gehe jetzt einkaufen.“
“Verstanden Onkel Ramon, vergiss die Milch nicht.“

Er verzog das Gesicht und wunderte sich aus welchem Spatzenhirn diese Codenamen stammten. Als Profi empfand er es als lächerlich sich als „Onkel Ramon“ bei „Tante Aurelia“ zu melden. Allerdings konnte er es auch nicht riskieren das der Funkspruch abgehört wurde und somit seine Tarnung aufflog. Er musste vorsichtig sein wenn er in ein paar Stunden als unscheinbarer Tourist im Flieger nach Hause sitzen wollte. Jetzt wo er sein letztes Lebenszeichen abgesetzt hatte wurde es Zeit das Hightechspielzeug zu benutzten.

Vorerst würde er nur das Handy brauche, jedenfalls sah es aus wie ein Handy. Er klappte es auf, gab einen Pin ein und schon begann das Ding Daten hoch zuladen. Akten über Kontaktpersonen, Karten des Operationsgeländes, Zugangsdaten zu Computern, Informationen über alle möglichen technischen Errungenschaften die die Feinde der freien Welt einsetzten und viel mehr.

In diesem kleinen Gerät war einfach alles gespeichert was er auch nur im Entfernten brauche konnte um seine Mission erfolgreich zu beenden. Kombiniert mit seiner Erfahrung war er selbst eine Art Waffe gegen den Terrorismus. Laut seinen Daten musste sich sein Ziel irgendwo in diesen Hinterräumen befinden.

Wo, das musste er selbst herausfinden. Mit der flexiblen Optik, ein praktisches Gerät das man mühelos durch Türschlitze schieben konnte um dann in den Raum zu spähen, stellte dies allerdings kein Problem da. So schnell wie es der Anspruch an Sicherheit erlaubte kontrollierte er jeden Raum in dem er die Optik zwischen Tür und Boden schob.

Dank der vielen Übung in solchen Tätigkeiten konnte er relativ schnell durch die kleine Linse erkennen was sich in den Räumen verbarg. Immer wieder kontrollierte er die Uhrzeit. 01 Uhr und 7 Minuten. Offiziell schloss das „Inferno“ erst wenn der letzte Gast von den Türstehern rausgeschmissen wurde, allerdings konnte ihm keiner sagen ob man ihn nicht doch bald entdecken würde oder vielleicht schon hatte. Es half nichts, er musste sich höllisch beeilen.

Die Nächste Tür war nicht wie die anderen aus Holz sondern aus Metall und wirkte massiv aber gegen die flexible Optik hatten diese Sicherheitsmaßnahmen auch keine Chance. Mit einem zugekniffenen Auge schielte er durch die Linse, erkannte dabei mehrere in sauberen Reihen ausgestellte Tische. Auf diesen Geräten standen lauter kleine Fläschchen, Pinzetten, Tütchen und anderer Krimskrams.

Alles in allem sah es wie das Labor in dem Chemiesaal seiner alten Schule aus. Genau nach so etwas hatte er gesucht. Mit einem Einwegdietrich knackte er das Schloss und drang lautlos in den Raum ein. Er schnüffelte hier und da und fand bald Grund zum stillen Jubel. Der Agent verschwendete keine Zeit Dinge einzupacken die nicht unbedingt nötig waren um die Anschuldigungen gegen die Betreiber der Disko zu stützen.

Das hätte nur zu Auffälligkeiten geführt. Wenn er zu viel als Beweise mitnahm konnte es passieren dass die Beschuldigten etwas witterten und dann mit Sack und Pack verschwanden. Also ging nur das Nötigste mit, ein Päckchen und einige Dokumente. Das sollte vollkommen genügen. Zurück im Gang duckte er sich in einen Schatten um einen erneuten Funkspruch abzusetzen.

“Hier ist Onkel Ramon, die Milch ist im Einkaufswagen.“
“Verstanden Onkel Ramon, kehren Sie zum Parkplatz zurück.“

Der Weg auf den Parkplatz der Disko war ein Kinderspiel. Jetzt wo er alles hatte erlaubte sich sein Herz wieder langsamer zu schlagen und er konnte fast spüren wie sein Adrenalinspiegel abnahm. Niemand schenkte ihm Beachtung als er sich torkelnd und mit einer Wodkaflasche an den Lippen aus dem Eingang schleppte.

Die Türsteher machten noch einige unhöfliche Kommentare über seine Person dann wagte er sich wieder gerade zu laufen. Die Flasche feuerte er in einen Mülleimer, seine Beweise klebte er wie besprochen mit doppelseitigem Klebeband aus der Hosentasche und eine grüne Limousine bevor er eine Straße überquerte und danach in eine Seitengasse einbog. Er zündete sich eine Zigarette an und ließ sich von dem Geschmack durchfluten.

Den einzigen Genuss den er sich in dieser Lage erlauben durfte. Der Gedanke daran in einigen Stunden in seiner eigenen Badewanne entspannen zu können entschädigte ihn dafür das er russische Zigaretten rauchen musste.

Die Entspannung währte aber nicht lange als er einen Schatten bemerkte. Eine Gefahr witternd, wollte er nach seiner Waffe greifen doch schon spürte er wie etwas Hartes auf seinen Kopf aufschlug. Die Beine gaben nach er schlug hart auf den dreckigen Boden auf, die Nase nahe an einem Abflussgully so das der eklige Fäkaliengestank Russlands das letzte war was er wahrnahm bevor es dunkel wurde.


Franklin Country
Vermont, USA
42°44'N/ 71°28'W
Montag, 19 Februar
6.30h

Frank Baynes eilte die wenigen Meter zu seinem, durch eine dicke Schicht von braunem Schlamm bedeckten, Geländewagen. Bei jedem neuen Schritt wirbelte er kleine Staubwolken auf dem trockenen Kiesweg auf. Er warf einen Blick zurück an das Ufer des Sees. Sein Atem beruhigte sich als er die muntere Figur seiner Tochter ausmachen konnte.

Sie saß wartend auf einem Baumstumpf und schwang die Angelrute übend hin und her. Frank wusste er verhielt sich paranoid. In dieser Gegend sagten sich Fuchs und Hase noch gute Nacht und außerdem wusste niemand dass er hier war. Und trotzdem, es war nicht einfach für ihn nach Jahren die Dämonen die er damals so agil bekämpft hatte einfach zu begraben und mit diesem Leben weiter zu machen.

So froh er auch war seiner Tochter und sich selbst ein ruhiges und sicheres Leben zu ermöglichen, so sehr er diese Dämonen fürchtete, mit gleichen Maß vermisste er sie auch. Den Nervenkitzel, das Adrenalin, die Chance etwas wirklich Wichtiges für sein Land und die Menschen zu tun. Aber so sehr er die alten Zeiten auch vermisste, er musste versuchen sich mit seinem jetzigen Leben als Frank Baynes abzufinden.

Wenn nicht zum eigenen Wohle, dann für seine Tochter. Und apropos eigenes Wohl, wenn er diese Köder nicht gleich zu seiner Tochter brachte wäre es wohl um seine Gesundheit geschehen. Auf dem Weg zurück um See ließ er sich dennoch die Zeit die Landschaft zu bewundern.

Er war nie ein besonders sentimentaler Mensch gewesen, oder jemand der Stunden damit zu bringen konnte über einen Sonnenuntergang zu staunen. Jedoch war dieser Angelausflug mit seiner Tochter eine angenehmen Abwechslung und Entspannung. Es war recht früh und die Sonne noch nicht ganz aufgegangen. Das Dorf in dem sie beide ihr Quartier bezogen hatten war noch im Tiefschlaf gewesen als sie heute Morgen aufbrachen. Alleine eine schwarze Katze wünschte ihnen einen guten Morgen.

„Dad, soll ich die Fische etwa mit den Händen fangen?“ forderte ihn seine Tochter im zarten Teenageralter von 15 Jahren auf sich zu beeilen. Sarah war mitten in der Pubertät und zeigte oft die gleiche Sturheit und Energie wir ihr Vater. Baynes war sich sicher das es nicht mehr lange dauerte bis sie der Chef ihrer kleinen Familie war. Bei diesem Gedanken musste er lachen.

<Ich kann Haftminen entschärfen und Selbstschussanlagen deaktivieren. Aber auf einen Teenager hat mich niemand vorbereitet. <

„Da bist du ja endlich! Ich dachte schon dir ist deine eigene Idee zu langweilig geworden.“
In einer schnellen Bewegung hatte sie ihrem Vater die Köder aus der Hand geschnappt und war jetzt damit beschäftigt die Angelrute zu beobachten die sie genau so schnell wie den Köder an den Haken zu befestigen, im Wasser landen ließ. Frank schüttelte den Kopf.

Ja der Angelausflug war seine Idee gewesen und am Anfang war seine Tochter nicht davon begeistert gewesen ihr wertvolles Schulfreies Wochenende in einen Kaff zu verbringen. Die ersten paar Stunden hier hatte ihm wieder ein Mal bewiesen das dieses Mädchen wirklich seine Tochter war, denn sie hatte schnell Gefallen daran gefunden in einem nahe gelegenen Stück Wald die Fallen einiger Jäger zum Schutze der Eichhörnchen zu entschärfen.

Weniger optimistisch hatte sie sich zwar gezeigt als er sie heute Morgen aus dem Bett geschmissen hatte, aber schon wenig später war sie dabei ihren Dad davon zu überzeugen das es kein Problem darstellen würde ihr das Steuer des Wagens zu überlassen.
“Blöd das wir nur eine Angelrute haben, wir werden uns einfach abwechseln müssen.“
Frank blieb still und begnügte sich damit seine Tochter zu beobachten.

Etwa eine Stunde später wurde Sarahs Interesse von der Rute zu einem nahenden schwarzen Auto gelenkt das vorsichtig neben dem Land Rover ihres Vaters hielt. Dessen geschulte Augen erkannten den Mann sofort der ausstieg und schon war er auf den Beinen.

“Warte hier.“ instruierte er seine Tochter und ging in abgemessenen Schritten auf die Person zu die einige Meter vor dem Auto stehen geblieben war. Wahrscheinlich in dem lächerlichen Versuch ihm und seinem Mädchen Privatsphäre zu ermöglichen.
“Ist es wichtig, Lambert?“ Von dem Mann vor ihm ging keine Gefahr aus, das allein hieß aber noch lange nicht dass es nicht gefährlich werden konnte.
“Sam, stünde ich sonst hier?“
“Ich dachte ich heiße jetzt Frank Baynes?“
“Lassens Sie doch den Mist, Fisher. Sie sind wieder dabei.“

Colonel Irving Lamberts Worte ließen keinen Zweifel oder Widerspruch zu. Er klopfte dem jüngeren Mann auf die Schulter und auf seinen Wink hin begann ein anderer Mann in schwarzem Anzug die Besitztümer der ehemaligen Baynes aus dem Rover in das andere Auto zu laden.
“Wo geht’s hin, Lambert?“
“Top Secret.“
“Ich liebe diese Wort.“


J.A.G HQ
Washington D.C., USA
38° 53' 42" N/77° 2' 12" W
Montag, 19. Februar 2001
Punkt 8.00 Uhr

Der Offizier im kleinen Wachhäuschen vor dem Hauptquartier des Judge Advocate General sah lange genug von seiner Zeitung auf um das Taxi zu sehen das sich mit großer Geschwindigkeit den heruntergelassenen Schranken näherte. In weiser Voraussicht das eben dieses Fahrzeug vor den Schranken halten und sie nicht etwa durchbrechen würde baute er sich so wie man es ihm in der Ausbildung beigebracht hatte Vorschriftsmäßig vor dem versperrten Eingang auf.

Wie sich herausstellte hatte er sich gerade im richtigen Moment in Bewegung gesetzt, denn das gelbe Auto kam keine zehn Sekunden später vor ihm zum Halten. Da der Taxifahrer und auch der Passagier keine Anstalten machten sich erkennen zu geben umrundete er das für den öffentlichen Personenverkehr zugelassene Fahrzeug und bezog neben der Beifahrertüre Stellung. Wie es ein anständiger Soldat tut knirschte er mit den Zähnen und klopfte gegen das Fenster.

“Entschuldigen sie, würden sie bitte das Fenster herunter kurbeln.“
Seiner Aufforderung kam man nach und ein schwarzer Offizier in Navyuniform und J.A.G. Insignien an den Ärmeln steckte seinen Kopf hinaus. Der Wachoffizier trat sofort einen Schritt zurück und straffte die Schultern als er den jungen, ihn im Rang überragenden, Lieutenant sah.
“Sir, kann ich ihnen helfen?“
“Ja, ich bin Lieutenant Styles, “ er pausierte um dem anderen Offizier durch das offene Fenster beherzt die Hand zu schütteln. Dieser sah sich mittlerweile um, nur um sicherzugehen das er nicht bei der „Versteckten Kamera“ gelandet war.
“, und ich muss da rein.“ redete inzwischen Styles weiter und deutete auf das J.A.G- Gebäude.
“Natürlich Sir, kann ich ihren Ausweis sehen.“
„Klar doch.“

Der Lieutenant begann sogleich in seinen Taschen zu kramen und förderte zuerst ein Päcken Kaugummi zu Tage, dessen Inhalt er sogleich dem anderen Mann anbot, und reichte danach seinen Ausweis.
“Da haben wir ihn ja. Kaugummi?“
„Nein Danke Sir, der Ausweis genügt mir. Warten sie bitte einen Moment, damit ich ihn überprüfen kann.“
„Ah verstehe schon, sonst könnte ja jeder hier rein spazieren.“
“Genau, Sir.“

Wenige Minuten später wurde das Taxi samt Lieutenant Styles durch gewunken. Dieser machte sich dann sogleich fröhlich dreinschauend auf den Weg zum Admiral. Bei diesem sollte er sich nämlich auf Befehl hin melden, und das genau in …Uhrenvergleich … sechs Minuten. Wenn ihm jetzt auf dem Weg in das richtige Stockwerk per Fahrstuhl kein Unglück geschah würde er seinen ersten Tag mit Bravour einleiten.

Im Bullpen angekommen konnte er trotz der frühen Uhrzeit nicht gerade wenige Offiziere dabei beobachten hektisch, manche mit manche ohne Kabel, hin und her zu wuseln. Nachdem er beinahe von einem Petty Officer umgerannt worden wäre und noch niemand von ihm Notiz genommen hatte beschloss Styles jemanden zu suchen der ihn beim Admiral anmelden konnte. Er hielt den nächsten Ensign an doch dieser wehrte ihn ab und meinte im Moment keine Zeit zu haben.
“Sprechen Sie am besten mit Lieutenant Sims.“

Diesen Ratschlag setzte er auch in die Tat um und ihm blieben noch knapp zwei Minuten um sich bei seinem neuen Boss vorzustellen.
“Sie müssen das Chaos hier entschuldigen, aber die gesamten Computer haben beschlossen heute zu streiken und jetzt ist hier jeder damit beschäftigt das Problem zu beheben bevor der Admiral einen halbherzigen Wutausbruch bekommt.“ plappert Harriet Sims darauf los und brachte ihn in ein Vorzimmer an dem ein junger Petty Officer etwas in eine Schreibmaschine tippte.

“Das heißt dann wohl der Admiral hat heute schlechte Laune.“ erwiderte Styles.
“Das weis man nie genau.“ gab Sims enthusiastisch zurück und verschwand in den Wirren des Bullpen. Styles verlagerte seine Aufmerksamkeit zu dem Petty Officer der ihn fragend ansah.


Währenddessen in Admiral Chegwiddens Büro…

“Sind das alle neuen Fälle die uns diese Woche erwarten?“ fragte Sarah MacKenzie, Chief of Staff, an Admiral A.J. Chegwidden gewandt der gerade seine Brille mit einem weißen Taschentuch putzte.
„Sieht so aus Colonel, ich habe hier noch einen etwas delikateren Fall bei dem ich noch ein paar Einzelheiten absprechen muss.“
“Dann wird es diese Woche wohl etwas ruhiger zu gehen.“
“Das hoffe ich doch.“

Die letzten Wochen waren für alle nicht sehr leicht gewesen, zu Anfang des neuen Jahres hatten sich die Akten auf den Schreibtischen seiner Leute getürmt und er selbst wusste nicht mehr wie viele Anklagen er wegen Trunkenheit im Dienst direkt nach dem 1. Januar an seine Mitarbeiter übergeben hatte. Es waren auf jeden Fall genug gewesen. Bei diesem ganzen Schlamassel mit den Computern war es nicht das Schlechteste wenn alle weniger zu tun hatten. Jedoch fiel ihm noch etwas ein. Hätte Tiner ihn heute Morgen nicht noch daran erinnert, es wäre ihm doch glatt entfallen.

“Da fällt mir ein, der neue Lieutenant meldet sich heute zum Dienst.“ er reichte MacKenzie eine Dienstakte während er sprach.
“Ja, Sir, davon hatten sie schon mal gesprochen. Ein Lieutenant…“ ihr wollte der Namen nicht mehr einfallen.
“Lieutenant Furious Styles.“

A.J. beobachte amüsiert wie Colonel MacKenzies brauen in die Höhe schossen.
“Er heißt tatsächlich Furious Styles?“
“So steht es in der Akte.“
“Wir bekommen doch hoffentlich nicht noch einen abtrünnigen Flieger.“ scherzte sie und blätterte in der Akte.
“GOTT BEWAHRE!, “ brummte Chegwidden ,“ noch so einen würde das Büro nicht überleben. Wir zahlen heute noch die Kosten für die Renovierung der Decke ab!“
“Und für anderes Regierungseigentum.“ flüsterte Mac als Tiners Stimme durch die Gegensprechanlage, die glücklicherweise und im Gegensatz zu den Computern nicht den Dienst eingestellt hatte, knisterte.
“Sir, Lieutenant Styles ist hier.“
“Schicken Sie ihn rein.“

Mac schaute gespannt auf die Tür und fragte sich wie jemand wohl aussehen mochte der tatsächlich Furious Styles hieß. Immerhin bedeutete das Wort furious so etwas wie wild, oder heftig, und das Wort styles, nun ja, passte eben. Dieser Name wäre eigentlich wie geschaffen für einen Piloten. Der Neuankömmling wirkte jedoch gar nicht wie die Piloten die sie sonst kannte.

Er war klein, vielleicht sogar kleiner als sie selbst, hatte eine sehr dunkle Hautfarbe, war schmächtig und sah in seiner Uniform aus wie ein kleiner Junge der sich auf dem Weg zur Kostümparty verlaufen hatte. Aber man sollte eben nicht von dem äußeren auf die Fähigkeiten einer Person schließen. Sie linste zum Admiral, der sich allerdings durch seine steinharte Seal Maske nichts anmerken ließ.

„Lieutenant Furious Styles meldet sich zum Dienst, Sir.“ sprach der und baute sich vor dem Schreibtisch des Admirals auf.
“Rühren. Setzten sie sich Lieutenant.“
Den aller ersten Befehl A.J. Chegwiddens befolgte er sofort.
“Lieutenant, das ist Colonel Sarah MacKenzie, unser Chief of Staff. Ich bin sicher Sie wird ihnen ihr Büro zeigen.“

Der Colonel nickte ihm ermutigend zu.
“Lieutenant, wie ich sehe kommen sie frisch von ihrem Studium…,“ er studierte die Dienstakte genauer, „…Sie waren vorher auf einem Stützpunkt in Deutschland stationiert.“
“Das ist richtig, Sir.“
“Warum haben sie sich entschlossen Anwalt zu werden?“
“Naja, das ist eine recht lustige Geschichte. Als ich meiner Mutter erzählte ich sei der Navy beigetreten hat sie ein großes Donnerwetter gemacht. Mit Anbrüllen, Fluchen und Hände in die Luft werfen, eben alles was dazugehört. Sie sagte immer >Furious, warum lernst du nicht was Anständiges?<. Als sie vor vier Jahren Geburtstag hatte habe ich ihr mein Jurastudium als Geschenk gemacht.“
“Sie haben Jura studiert weil ihre Mutter ihnen gesagt hat sie sollen etwas Anständiges lernen?“

“Ja, Sir. Sie hätten sehen sollen wie die Alte Dame gestrahlt hat.“
Chegwidden musterte den Knaben vor ihm einige Sekunden lang skeptisch und atmete dann dramatisch aus.
“Sie können gehen. Warten sie draußen auf den Colonel.“
“Aye Sir.“
Styles erhob sich, baute sich aber nochmals stramm vor dem Admiral auf.
“Haben wir etwas vergessen Lieutenant?“
“Ich wollte nur sagen, es ist mir eine große Ehre unter ihrem Kommando dienen zu dürfen. Ich habe sehr viel von ihnen gehört, Sir. Und ich schwöre, bei dem Hintern meiner Mutter, das ich sie nicht enttäuschen werde.“ verkündete Styles mit Stolz geschwellter Brust.

Mac musste sich ziemlich zusammen reißen um nicht laut loszulachen und blickte erstaunt zum Admiral der den jungen Anwalt mit einem Todesblick fixierte. Dieser Blick schien allerdings seine Wirkung zu verfehlen denn der Neue grinste nur noch breiter und schien die gefährliche Stille wohl für ein gutes Zeichen zu halten.
<Er wird viel lernen müssen>, dachte Mac.

“Was haben sie gerade gesagt, Lieutenant Styles?“ knurrte der alte Seal bedrohlich.
“Oh, entschuldigen Sie Sir, ich meinte natürlich, ich schwöre es bei dem Heck meiner Mutter…“

Styles unterbrach die Korrektur seines Fehlers um erstaunt zum Chief of Staff zu sehen. Ihre Augen hatten sich geweitet und ihm war es als schüttelte sie leicht den Kopf. Es war fast so als wolle sie ihm etwas signalisieren. Nur was genau? Die allgemeine Verwirrung löste sich allerdings schnell in Luft auf als sich der Admiral erhob, seine Brille vorsichtig auf dem massiven Schreibtisch ablegte und dann um selbigen herumging.

Er richtete sich in voller Größer vor dem neuen Lieutenant auf und Styles wurde mal wieder in seinem Leben schmerzhaft bewusst das 20 Zentimeter mehr seiner Statur nichts schaden würden. Furious machte schnell zwei Schritte zurück als sein neuer CO auf ihn zukam, wie eine Raubkatze die sein Opfer umkreist.

„Sir, habe ich etwas Falsches gesagt? Wenn ja tut es mir sehr leid…“
“Allerdings, und ich hoffe doch dass es ihnen sehr leid tut. Ich will es kurz machen, sie sind jung und unerfahren, trotzdem erwarte ich von ihnen, wie auch von meinen anderen Anwälten, dass sie mit höchster Professionalität und Effektivität arbeiten. Wenn Sie das nicht leisten können sagen sie es mir gleich und ich werde sofort eine Versetzung beantragen. Haben sie jetzt noch etwas zu sagen?“

Mit Zufriedenheit beobachtete Chegwidden wie sein neuer Mitarbeiter den Körper anspannte und energisch mit dem Kopf schüttelte.
“Gut. Sie können jetzt gehen. Warten sie bitte draußen auf den Colonel.“
“Aye, Sir.“
Wenige Sekunden später kniff Styles erneut die Augen zusammen als ihn der Admiral noch ein Mal rief.
“Und noch etwas Lieutenant, falls sie noch ein Mal etwas bei dem Heck ihrer Mutter, oder sonst irgendwelchen Körperteilen schwören sollten, fliegen sie hochkant raus.“
“Ja, Sir.“ sagte Furious und konnte nicht schnell genug die Tür hinter sich schließen. Wieder im Vorzimmer des Admirals atmete er tief durch und zerrte seine Uniform glatt.
“Das lief doch gar nicht so schlecht.“

Währenddessen wieder beim Admiral…
„Also, was halten sie von ihm?“ fragte Admiral Chegwidden schließlich nachdem er der Anwältin vor ihm genug Zeit gegeben hatte um den lauernden Lachanfall hinunterzuschlucken. Sein besonders grimmiger Ausdruck musste ihr wohl dabei geholfen haben.

Nicht das er es ihr verdenken konnte. Es kam ja nicht alle Tage jemand in sein Büro und schwört etwas bei dem Hintern der Mutter. A.J. musste zu geben das dies einer der wenigen Momente in seinem Leben gewesen war der ihn sofort entwaffnete und sprachlos ließ. Vor allen Dingen hätte er nicht erwartet dass ein Junioroffizier so eine Dreistigkeit besitzen konnte. Von Rabb hätte er so etwas erwartet, als respektvolle Neckerei wobei er ganz genau wusste wie weit er sich aus dem Fenster lehnte.

Zweifellos hätte so ein Satz auch aus dem Munde Roberts stammen können, gleich danach wären dann hunderte Entschuldigungen gekommen. Aber jemand, der solch ein Kommentar in diesem Maße ernst meinte und nicht wusste was er dabei falsch machte war ihm in seiner langen Zeit als Seal und Anwalt nicht vorgekommen.

“Er…,“ MacKenzie hielt Styles Dienstakte nochmals in die Höhe um ihrer nächsten Aussage Kraft zu verleihen, „…ist wirklich kein Pilot. Das ist doch schon mal ein Pluspunkt, nicht wahr Sir.“
“Ich warne Sie Colonel, versuchen nicht mich aufzuheitern. Daran ist noch jeder gescheitert.“ gab A.J. zurück der Macs betont aufmunternden Tonfall sicher geortet hatte, obwohl sie versucht hatte ihn zu tarnen. Verdammt, er brauchte keine Aufmunterungen! Was er jetzt wirklich brauchte waren professionelle Kommentare.

„Nun, Sir, er scheint sein Herz auf der Zunge zu tragen. Ich hatte noch keine Zeit seine Dienstakte genauer durchzusehen, aber diese Fähigkeit kann durchaus, professionell eingesetzt, von Nutzen sein.“
Bei der Erwähnung der Dienstakte winkte der Admiral ab.
“Es ist nicht nötig sich die Dienstakte anzusehen, das habe ich schon getan. Lieutenant Styles wird als offen, loyal und immer einsatzbereit beschrieben.“
„Das sind Qualitäten die wir brauchen können.“

“Ja Colonel, ich weis nur nicht ob ich jemandem der nur Jura studiert hat, weil seine Mutter über die vorige Berufswahl unzufrieden war, einen wichtigen Fall übertragen kann. Dazu kommt noch die Unerfahrenheit, Gerichtsverhandlungen kennt er nur aus dem Fernsehen.“
„Er braucht jemanden der ihn einweist.“ sagte Mac die keine Probleme gehabt hatte den Gedankengängen ihres CO zu folgen.
“Exakt. Jemand der Erfahrung hat. Jemand der keine Scheu zeigt unserem Lieutenant eine Standpauke zu halten. Jemand wie…“


J.A.G HQ
Washington D.C., USA
38° 53' 42" N/77° 2' 12" W
Montag, 19. Februar 2001
8.28h

„…und hier finden Briefings und Besprechungen statt.“ endete Colonel MacKenzie ihre, durch die Zeitmangel sehr eingegrenzte, Tour durch das Hauptquartier. Styles hatte überraschender Weise äußerst viel Interesse an der Führung gezeigt und sich dabei nicht durch die vielen arbeitenden Computerspezialisten stören lassen um die sie immer wieder einen Bogen hatten machen müssen. Jetzt stand er vor ihr und sah sie erwartend an.

“Sind sie bereit für ihre erste Montag Morgen Besprechung?“
“Ja, Ma´am. Ich bin für jede Schandtat bereit.“
Bevor Mac die Tür zum Konferenzraum aufstieß drehte sie sich noch Mals zu dem jüngeren Mann um.
“Noch etwas Lieutenant, in Hörweite des Admirals sollten sie auf…allzu blumige Ausdrucksweise verzichten. Schön genau und sachlich.“

Mit eifrigem Nicken gab er ihr zu verstehen dass er ihre Kritik aufgenommen hatte und so öffnete Mac die Tür. Sie wies Styles einen Platz zu und setzte sich dann selbst. Da der Admiral noch nicht anwesend war unterhielt Bud Roberts den gesamten versammelten Stab mit seinen Aktivitäten am Wochenende die er allesamt in Commander Rabbs Stearman verbracht hatte.

Sehr eindrucksvoll erzählte er von den vielen Manövern die sein Freund und Kollege ausgeführt hatte um ihm eine Freude zu machen. Um das Ganze zu verdeutlichen hatte er einen Kugelschreiber in der Hand und ließ diesen in der Luft um her sausen. Alle Anwälte, bis auf Loren Singer die sich kein bisschen für Buds Ausführungen begeistern konnte, schmunzelten und folgten mit ihren Augen dem Kugelschreiber.

Sogar Styles hatte dieser vertrauten Atmosphäre nicht widerstehen können und begann sich bei jedem vorzustellen. Gerade als er Singer die Hand hinhielt polterte die Tür und Admiral Chegwidden nahm seinen Platz am Tisch ein. Noch bevor seine Offiziere sich erheben konnten bedeutete er ihnen mit einem Handzeichen sitzen zu bleiben. Chegwidden begrüßte die Runde mit einem Gruß und klatschte, sehr zur Erleichterung seiner Anwälte, nur wenige Akten auf den Tisch.

“Bevor wir mit den Fällen beginnen möchte ich ihnen Lt. Furious Styles vorstellen. Er ist unser neuer Anwalt.“
Die Offiziere nickten dem Neuen freundlich zu.
“Colonel MacKenzie kennen sie ja schon, und das hier ist Lt. Commander Mic Brumby.“
Mic schaute verwundert auf und fragte sich warum er als einziger Vorgestellt wurde.
“Er ist als Austauschoffizier der Royal Australian Navy hier. Merken sie sich seinen Namen gut denn sie beide werden als Team und Partner zusammen arbeiten.“
“Sir?“ Brumby sah verwundert darüber seinen Admiral an.
“Haben sie ein Problem damit?“
“Nein, ganz und gar nicht Sir. Ich frage mich nur warum ich erst jetzt etwas darüber erfahre.“
A.J. Chegwidden zuckte nur mit den Schultern.
“Es hat sich kurzfristig so ergeben.“
Und an Styles gewandt: “Ich bin sicher Commander Brumby wird Sie mit allem vertraut machen.“

“Jetzt zu den Fällen.“ begann der Admiral nachdem er sich sicher war wieder der Punkt der allgemeinen Aufmerksamkeit zu sein.
“Mattoni, wie kommen sie mit dem Kingsley Fall zu Recht?“
Commander Alan Mattoni gab dem Admiral eine kurze Zusammenfassung über seinen Erfolg in dem Fall. Es ging um einen Petty Officer Kingsely der beschuldigt wurde an Bord eines Flugzeugträgers Geld gestohlen zu haben. Mattoni hatte dabei die Verteidigung übernommen und war von der Unschuld seines Mandanten zwar keines Falls überzeugt, da es sich aber um eine Geldsumme von lediglich 50 Dollar handelte hoffte er den Fall schnell abschließen zu können.

“Ich ziehe in Betracht der Anklage einen Deal zu unterbreiten. Somit sollte der Fall bis Ende der Woche abgeschlossen sein.“
“Das sehe ich nicht so, “ begann Lieutenant Loren Singer, Vertretung der Anklage, und holte zu einer breiten Erklärung aus.
“PO Kingsley hat durch niedere Motive die Navy bestohlen und somit das Vertrauen seiner Kameraden, seines COs und der Navy missbraucht. Noch dazu zeigt er sich nicht einsichtig und verhielt sich bei Gericht äußerst arrogant Sir.“
“Und wie wollen Sie vorgehen?“ erkundigte sich Chegwidden.

“Ich werde jeden Deal ablehnen und die Höchststrafe fordern.“ erwiderte Sie eiskalt.
Mattoni verzog das Gesicht zu einem schmerzerfüllten Lächeln, das eindeutig zeigte wie sehr er es schätzte mit Singer zu arbeiten, bevor er zum Gegenangriff ausholte.
“Lieutenant, meinen sie tatsächlich das es bei einem so geringen Betrag nötig ist solche Geschütze aufzufahren. Ich bin mir sicher dass sie mit meinem Vorschlag mehr als zu frieden sein können.“

Beide Anwälte sahen ihren CO an und es war klar dass sie ihn zum Schiedsrichter erkoren hatten und jetzt ein Urteil erwarteten. Chegwidden blieb ruhig und spielte den Unparteiischen.
“Wie lautet ihr Deal Commander?“
“Ein Monat Gefängnis und Abzug von zwei Monatssolden.“
“Abgelehnt.“ Singer ließ keine Zeit verstreichen um ihre Position erneut zu zeigen.
“Mit einem Deal würden wie dem Gericht und allen Beteiligten viel Zeit und Ärger ersparen. Je früher mein Mandant das Urteil antritt desto früher kann er wieder in den Dienst zurück.“ argumentierte Mattoni.
“Das hätte sich ihr Mandant früher überlegen sollen Commander.“ prallte es von Singer zurück.
“Dann sehen wir uns vor Gericht. Ich hoffe sie haben eine wasserdichte Anklageschrift.“ konterte der Commander.
“Und ich hoffe…“

“Lieutenant Singer, Commander Mattoni, heben sie sich dieses Geplänkel für die Verhandlung auf.
“Aye Sir.“ kam es monoton von den beiden Anwälten.
“Schön.“ Er schenkte jedem der Offiziere einen strengen Blick und widmete sich dann der Verteilung der Fälle.

“Schlägerei in einer Bar – Rabb verteidigt, Mattoni klagt an, Unerlaubtes Entfernen vom Dienst – Verteidigung MacKenzie, Anklage Roberts und Rabb, Beleidigung eines Vorgesetzten – Verteidigung Roberts, Anklage Singer.“ endete A.J.

Mic Brumby verfolgte die Vergabe der Akten mit Misstrauen. Warum hatte man ihm bisher noch keinen Fall zugeteilt? Nicht das er sich darum gerissen hätte seine sowieso spärliche Freizeit mit der Übernahme einer weiteren unspektakulären Verteidigung oder Anklage weiter zu spannen, jedoch fühle er sich übergangen.

Mic hatte seine Fälle alle mit höchster Ordentlichkeit erledigt, niemand hatte sich je beschwert, kein Mandant könnte von sich behaupten nicht fachgerecht vertreten worden zu sein. Warum also hatte sogar Roberts - den Mic zweifellos für einen korrekten Mann hielt, jedoch nicht für einen Anwalt mit Biss – einen eigenen Mandanten erhalten. Rabb und Sarah würden sich jetzt sogar um mehr als einen Fall zusätzlich ihrer noch laufenden Verhandlungen kümmern müssen.

Nur er, Mic Brumby, Offizier aus Australien fühlte sich wie ein Fisch auf dem Trockenen. Nicht das erste Mal seit er hier in Amerika war fragte er sich ob die Integration in das Team wohl doch nicht so gut verlaufen war wie angenommen. Er konnte sich nicht darüber beschweren nicht in Aktivitäten der Gruppe integriert zu werden. Man lud ihn ein nach Dienstschluss noch ein Bier zu trinken oder verabredete sich für einen Abstecher ins Fitnesscenter.

Wenn er dann aber eine solche Einladung annahm fühlte sich Brumby regelmäßig wie das fünfte Rad am Wagen. Den allgemeinen Tratsch in der Kaffeeküche verstand er nicht weil ihm die Hintergründe fehlten und keiner es für nötig hielt ihn zu informieren. Wagte er es dann doch nachzufragen bekam er Sätze zu hören wie: Ah Sir, ich möchte lieber nichts hinter dem Rücken anderer erzählen; oder: Das würde zu lange dauern um es zu erklären.

Ja verdammt noch Mal! Von wegen! Wenn „hinter dem Rücken anderer tratschen“ so definiert wurde einen Unwissenden die nötigen Informationen zu geben, wie nannte man hier dann den Tatbestand des allgemeinen am Leben halten der Gerüchteküche? War es denn kein tratschen wenn sich Loren Singer laut hals fragte warum der Admiral Roberts den Vorzug vor ihr gab? Und zu der zweiten Begründung, wenn er keine Zeit hatte es sich erklären zu lassen hätte er auch nicht gefragt!

Solche Dinge, im Allgemeinen das das man ihn nicht voll nahm oder über seinen Kopf weg bestimmte Dinge einfach so tat ohne ihm zu erklären warum und wie, waren es die ihn auf die Palme brachten. Wollte er sich an einer kleinen Sportwette in Baseball beteiligen erklärte ihm Gunny das die Zeit abgelaufen war um seinen Tipp abzugeben.

Schlug er vor Abends mit den Roberts eine Runde Billard bekam er zu hören das sie an diesem bestimmten Tag nie einen Babysitter für ihr Kind finden konnten. Erlaubte Mic sich in der Bar eine Runde Schnaps auszugeben hörte er dass Sarah nichts trank. Je mehr er darüber nachdachte desto stärker glaubte er daran mit Absicht ausgegrenzt zu werden. Und das mit solcher Methode dass der Admiral davon nichts merkte.

Mic wusste, selbst falls auch Chegwidden selbst ihn nicht leiden konnte, er würde ein riesiges Theater machen wenn er herausbekam was seine Mitarbeiter betrieben. Die Leute hier wussten das…

“Commander Brumby! Sind sie noch bei uns?“ die leicht gereizte Stimme seines gegenwärtigen CO drang sanft an sein Ohr und riss ihn aus seinen Überlegungen.
“Admiral, entschuldigen Sie, ich war…“
“Ich fragte gerade ob Sie sich zutrauen diesen Fall mit Lieutenant Styles zu bearbeiten.“
“Welchen Fall, Sir?“ gab Mic seine geistige Abwesenheit zu.
Chegwidden seufzte jetzt mehr als leicht gereizt und schmiss dem Australier die betreffende Akte fast an den Kopf.

“Der Mord an einem Lieutenant Keira J. Langley. Sie werden die Verteidigung übernehmen und Lieutenant Harry Smith vertreten. Jetzt da sie wieder unter uns weilen…trauen sie sich zu zusammen mit Lieutenant Styles den Fall zu übernehmen?“ Brumby fühlte alle Augen auf sich ruhen. Seine Erfahrung als Boxer half ihm dabei in diesem Moment kühl und berechnend zu wirken, anstatt vor lauter Verlegenheit wegen seiner geistigen Abwesenheit rot anzulaufen.
Mit ruhiger Stimme antwortete er.

Natürlich, Sir. Das stellt kein Problem dar.“
“Ich erwarte eine vorläufige Berichterstattung spätestens Mittwochmorgen. Verstanden?“
Die scharfen Augen des Seals bohrten sich abwechselnd in Brumbys und Styles Köpfe während er auf eine Antwort wartete. Er hatte kein Problem damit dem Neuen einen Vorgeschmack auf das zu geben was ihn weiterhin erwarten würde.
“Aye, Sir!“ erwiderten Beide und Chegwidden lehnte sich zu Frieden zurück.
“Wir sind fertig für heute.“
Wie immer blieb der Admiral als letzter am Tisch sitzen und erhob sich erst als der Raum leer war.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Friend or Foe/Mr. Brumby goes to Hollywood von Butze

#2 von Petra , 07.05.2007 21:21

J.A.G HQ
Montag, 19. Februar 2001
Kaffee-/Teeküche/Trasch-/Pausenraum für gestresste Anwälte
11.25h

“…das hat er nicht getan!“ hörte man Commander Rabbs amüsierte Stimme durch das ganze Bullpen während er in Begleitung eines Marines den Pausenraum betrat.
“Wenn ich es dir sage;“ antwortete Colonel MacKenzie und zog ihren Partner am Ärmel in den Raum und bedeutet ihm leiser zu sprechen. Man musste sie ja nicht im ganze HQ reden hören.
“; er stand vor dem Admiral und schwor ihm seine Treue bei dem Hinterteil seiner Mutter. Du hättest sein Gesicht sehen sollen als ihn der Admiral mit seinem Todesblick gestraft hat. Der Arme wusste gar nicht was los war.“

“Darauf wette ich.“ lachte Rabb und machte sich daran im Kühlschrank nach seiner dort deponierten Sojamilch zu suchen während Mac hinter ihm stand und versuchte an seinem Körper vorbei die Kaffeesahne aus dem obersten Fach des Kühlschrankes zu greifen. Gerade als sie nach der Dose greifen wollte drehte Harm seinen Kopf etwas und Macs Finger landeten in seinen Augen.
“Autsch!“

Mac zog sofort ihre Hand weg als Harms Kopf nach oben schreckte und zu allem Überfluss mit einer Ecke Schranks kollidierte.
“Mist!“ fluchte er erneut und befühlte die nun pochende Stelle nach einer drohenden Beule. Mac reagierte schnell und hielt ihm ein kaltes Packet Butter an die Stirn.
“Tut mir leid Harm! Das wollte ich wirklich nicht!“
“Kein Problem. Ist nicht so schlimm.“ winkte er ab und schnappte ihr die Butter aus der Hand um eine Stelle seines Kopfes zu kühlen die mehr unter dem Zusammenprall gelitten hatte.
“So was passiert aber auch nur Montags!“
Als er Macs immer noch besorgten Blick bemerkte legte er die Butter zurück und lächelte sie aufmunternd an.

“Siehst du Mac. Alles noch ganz.“ wie um das zu beweisen fuhr er sich durchs kurze Haar und stellte tatsächlich erleichtert fest dass sich keine Beule zu bilden schien.
“Gut das du so einen Dickschädel hast!“

Harm schenkte ihr ein unsicheres Lächeln, so als wüsste er nicht genau was er von diesem Kommentar halten sollte, drehte sich langsam um und reichte Mac die Kaffeesahne bevor er sich wieder der Suche nach seiner Sojamilch widmete. Geistesabwesend rührte Mac mit einem Löffel das Kaffe-Sahne-Zucker-Gemisch und starrte auf Harms Körper der nun zur Hälfte im Gefrierfach steckte.

Solche Momente gab es immer weniger zwischen ihnen. Sie meinte nicht solche in denen sie ihm fast die Augen ausstach, Mac war froh das sich diese in Grenzen hielten. Aber eigentlich spukten ihr mehr die freundschaftlichen Momente im Kopf herum. Die netten Worte, die Scherze, freundschaftliches Geplänkel, Neckereien. Solche einfachen Dinge wie zusammen Lachen oder stundenlanges Diskutieren das sämtliche Kollegen in einem Radius von hundert Meter um die Vernunft brachte.

Eben solche Sachen dir früher ganz selbstverständlich passiert waren. Bevor er zur Fliegerei zurückgekehrt war. Nach seiner Rückkehr hatte es sie ein hartes Stück Arbeit gekostet ihre Freundschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Was Harm und ihr schließlich gelungen war. Gerade eben deshalb war ihr Harms jetziges Verhalten ein Rätsel. Er schien mit aller Macht solche Momente verhindern zu wollen.

Und das obwohl er selbst so viel Energie die Restauration ihrer Freundschaft gesteckt hatte. Früher würde er sie zu einem Abendessen bei sich einladen um danach einen Fall zu besprechen oder man sah sich danach noch einen Film zusammen an. Aber all solche Dinge hatten sich auf ein Minimum reduziert. Mac wusste nicht warum.

Sie bezweifelte das es immer noch mit den anfänglichen Schwierigkeiten nach seiner Rückkehr zu tun hatte. Oder mit ihrer Beziehung mit Mic. Die war schließlich vorbei. Und Mr. Rabb hatte nicht gerade bestürzt darauf reagiert. Im Gegenteil! Er hatte sogar zugegeben das, das Ende der Beziehung etwas war über das er sich freute. Harm hatte sogar durchblicken lassen das er mit ihr ausgehen wollte. Mac war sich sicher nichts falsch in seine Worte hinein interpretiert zu haben. Immerhin hatte er es genau so gesagt.


Flashback (Szene aus Boomerang Reloaded):

“Wenn du auch...mehr als einen Freund in mir siehst dann, würde ich gerne in absehbarer Zeit mit dir ausgehen.“
“Harm...ich weis nicht was ich sagen soll. Damit hab ich nicht gerechnet.“ sie lachte nervös. Aber wenn er so ehrlich war konnte sie es auch sein. Das erste Mal seit sie ihn zu Rede gestellt hatte bewegte sie ihre rechte Hand und legte sie vorsichtig auf seine. Sie waren eiskalt.
“Ich mag dich. Ich mag dich sehr. Komischerweise glaube ich das ich dich auch mehr mag als meinen Ex.“

Auch Harm lächelte auf Grund dieser gemeinsamen Schicksalsfügung und entspannte sich. Sie mochte ihn, nicht schlecht für den Anfang. Immerhin hatte sie ihm noch keinen Kinnhacken verpasst. Auch eine gute Sache.
“Und ja, ich würde gerne in absehbarer Zeit mit dir ausgehen.“
Harm ließ geräuschvoll Atmen entweichen von dem er gar nicht wusste das er ihn angehalten hatte.

Aber Harm, ich brauche ein wenig Zeit für mich. Die Sache mit Mic war kompliziert war kompliziert und um ehrlich zu sein hilft mir dein Geständnis auch nicht die Knoten in meinem Kopf zu lösen. Ich muss mir einfach über ein paar Dinge klar werden. Ich bin noch nicht bereit jetzt, oder in zwei Wochen mit dir...du weist schon. Außerdem wäre es Mic nicht fair gegenüber...Er liebt mich wirklich.“
“Ich weis. Mac, nimm dir soviel Zeit wie du brauchst. Ich will nicht das du dich zu etwas gedrängt fühlst.“
“Danke.“

Eben als sie sich diese Szene noch Mals durch den Kopf gehen ließ traf es sie wie ein Schlag. Sie hatte ihn damals um Zeit gebeten als er sie nach einer Verabredung fragte. Harm schien das aber falsch verstanden zu haben. Sie hatte um Zeit gebeten um die Sache mit Mic zu regeln und um sich über ihre eigenen Gefühle klar zu werden. Zeit um das zu tun bevor sie ihre Verabredung angingen. Doch Harm, immer der eifrige Pfadfinder, dachte wahrscheinlich er würde ihr etwas Gutes tun wenn er ihren Kontakt so gering wie möglich hielt. Mac seufzte.

Ihr Flyboy meinte es mal wieder zu gut und erkannte dabei nicht dass sie schon längst bereit war. Sie hatte genug Zeit gehabt um ihr Gefühlschaos zu ordnen und Mic davon zu überzeugen das es wirklich vorbei war. Es hatte zwar einige Zeit gedauert aber er hatte es jetzt verstanden. Wo war dann das Problem für Harm? Sie fragte sich nur auf was er wartete.

Immer noch in Gedanken öffnete sie eine andere Schranktür und griff zielsicher den Beutel Sojamilch der da einsam und verlassen zwischen Teebeuteln und einer alten Packung Schokokekse stand. Den Beutel drückte sie einem nun verwirrten Harm Rabb in die Hand der bis dato immer noch im Kühlschrank gesucht hatte.

“Danke.“ stammelte dieser überrumpelt und fragte sich warum ihn Mac die ganze Zeit hatte suchen lassen obwohl sie doch ganz genau gewusst hatte wo seine Milch war. Als er seine verwunderten Augen von ihrer in Richtung Büro entschwindende Form zu seiner Milch lenkte entdeckte er dass sie bereits angebrochen war.
“Hier muss man wirklich alles verstecken!“ murmelte er leicht verärgert darüber das sich ein unbekannter jemand unerlaubt an seiner Milch vergriffen hatte und vertiefte sich nun auf die Suche nach seinem Müsli.

Zehn Minuten später entschied er sich dafür das späte Frühstück aus Mangel an seinem Müsli auf den Lunch zu verschieben und klopfte stattdessen an Macs Bürotüre. Diese sah von einem Stapel Papiere auf und lächelte als sie ihn sah.
“Was kann ich für dich tun?“

Langsam machte er zwei Schritte in den Raum.
“Ich wollte dir nur deinen Kaffee bringen. Du hast ihn in der Küche vergessen.“
Erschrocken über ihre eigene Schussligkeit schwang sie ihren Kopf an die Stelle wo man normalerweise rund um die Uhr eine Kaffeetasse sehen konnte und entdeckte dass der Platz leer war.

“Ich war wohl mit meinen Gedanken wo anders.“
Harm nickte und stellte den Kaffee auf dem Schreibtisch ab. Danach verzog sich sein Mund zu diesem spitzbübischen Grinsen das sie so mochte.
“Zum Beispiel wo du meine Milch versteckt hast.“
Sein Lachen war ansteckend und sie ließ sich, froh darüber ihm eine solche Reaktion entlockt zu haben, auf seine Neckerei ein.
“Ich habe sie nicht versteckt! Ich wusste nur dass ich sie irgendwo gesehen hatte. Das schwöre ich. Bei dem Heck von Lt. Styles Mutter!“ ergänzte sie nun ebenso breit grinsend wie ihr Partner.

“So, so, so. Dann bist du sicher auch nicht an dem Verschwinden meines Müslis beteiligt.“ mutmaßte er.
“Ganz genau. Ich habe deine Frühstücksflocken nicht gesehen.“
Das nächste Kommentar konnte sie sich nicht verkneifen.
“Aber du könntest ja einen der Unteroffiziere fragen. Vielleicht hat einer von ihnen damit die Straße gestreut damit es wegen dem Schnee nicht glatt wird.“
“Sehr witzig, Marine.“

Als er sie immer noch mit seinem Ich-hab-den-Täter-erwischt-Blick besah sah sich der Marine in ihr gezwungen sich erneut zu verteidigen.
“Harm weder trinke ich deine Bohnenmilch noch kann ich mein Herz für diese trockenen Krümel erwärmen die du nahrhaft nennst. Was sollte ich als mit deinem Essen anfangen?“
“Mobbing.“ meinte er ernst. Todernst.

Jetzt hatte sie Probleme ihre Gesichtszüge zu kontrollieren.
“Aber Harm, ich würde dich doch nie im Leben mobben. Du bist doch mein Freund. Wenn das deine Befürchtung ist solltest du lieber mit Lieutenant Singer sprechen. Die würde alles für ihre Karriere tun. Sogar diese komische Milch trinken. Wenn du willst komm ich mit dir und wir werden sie jetzt gleich anprangern.“
Spaßeshalber stand sie auf und ging auf die Tür zu. Doch Harm schlug ihr diese vor der Nase zu. Verwundert sah sie ihn an. Er kuckte zurück.
“Mac, was machst du Freitagabend?“

Völlig von dieser Frage überrascht torkelt sie ein wenig zurück und räusperte sich um ihre Stimmbänder zum laufen zu bringen.
“Nichts. Wieso?“
“Hast du vielleicht Lust etwas zu unternehmen…mit mir?“ fragte er und lächelte scheu.
“Reden wir hier von einem…geschäftlichen Unternehmen oder von einem Privaten?“
Er petzte die Augen zusammen und sah so aus als müsse er wirklich nachdenken.

“Privat.“ kam seine knappe Antwort und nun wirkte er schon wieder wie ihr leicht arroganter und von sich selbst überzeugter Kollege. Er faltete auf ihre Antwort wartend die Arme vor der Brust. Harm schien es sichtlich zu genießen seine Partnerin so aus der Reserve gelockt zu haben.
“Gern. Sehr gern.“
“Wirklich?“
“Wirklich.“
Er atmete geräuschvoll aus.
“Puh! Das war gar nicht so schwer.“ murmelte er aber Mac hörte es trotzdem.
“Hey! Noch hast du es nicht überstanden.“

Ergeben hielt Harm die Hände in die Luft.
Keiner von beiden wusste was er jetzt noch sagen sollte und so standen sie sich erneut schweigend gegenüber.
“Ich werd dann mal wieder…“ rappelte sich Harm als erster wieder zusammen und deutete auf die Tür.
“Ja, klar.“
“Ähm, weist du schon was du zu Mittag isst?“
“Nichts. Ich treffe mich mit Bud.“
“Ach so, na dann.“

Harm hatte die Tür schon wieder geöffnet, drehte sich aber wieder zu ihr um.
“Mac?“
“Ja?“
“Wo ist das Müsli?“
“Ich weis es wirklich nicht! Und jetzt raus hier!“
Sie warf einem sich aus der Tür duckenden Harm einen Bleistift entgegen und nahm dann einen Schluck von dem mittlerweile mehr kalt als warmen Kaffee. Genau in diesem Moment fiel ihr ein das sie nicht mal gefragt hatte was Harm für ihr „Unternehmen“ plante. Auch nicht wann und wo sie sich trafen oder ob er sie abholte.
Ich war mit meinen Gedanken wohl wirklich woanders, ging ihr die einzige Erklärung dafür durch den Kopf.

Wenige Meter weiter ließ Harm Rabb seinen Kopf auf die Tischplatte knallen und stöhnte gleichzeitig als ihn ein Schmerz an seine letzte Begegnung mit dem Kühlschrank erinnerte.
Du bist so ein Esel! Jetzt fragst du sie und hast noch keinen Plan für Freitag!


Mittwoch, 21. Februar 2001
Unbekannte Örtlichkeit
03.30h

Seine starken Schritte waren alles was man in der absoluten Stille des Gebäudes hörte. Obwohl auf der ganzen Welt vielleicht hundert Personen von diesem Ort wussten kannte er sich blenden aus. Man könnte ihm die Augen verbinden und er würde es schaffen ohne Probleme die Toilette zu finden und genau in die Schüssel zu treffen. Es wunderte ihn nicht dass zu dieser Zeit die Gänge Menschenleer waren. Sogar das Putzpersonal hatte ihre Arbeit erledigt. Sogar in einer Weltfrieden sichernden Anlage wie dieser kannte man das Wort Feierabend.

Nur leider galt es nicht für ihn. Aber wenn man wollte dass etwas richtig gemacht wurde musste man es selbst erledigen. Auch wenn das bedeutete zu der unchristlichsten Zeit aus dem Bett gerissen zu werden. Jemand musste diesen Job ja machen. Ohne sich große Gedanken zu machen ob er jemanden bei einer zufälligen „Geheimbesprechung“ störte und etwas hörte was nicht für seine Ohren bestimmt war, es wäre nicht das letzte Mal das ihm so etwas passierte, stieß er die Türe auf und sah sich drei weiteren Personen gegenüber. Sam Fisher musterte die zwei Männer und die Frau bevor er sich dann mit verschränkten Armen vor dem Tisch an dem die drei saßen aufbaute.

“Warum habe ich das Gefühl das die Party schon ohne mich begonnen hat?“
“Weil du paranoid bist, Fisher.“ antwortete einer der beiden Männer, Colonel Irving Lambert.
“Bringt der Job mit sich.“ Sam verzog die Mundwinkel zu einem wissenden Grinsen und auch Lambert lächelte ob dem Insiderwitz. Der andere Mann, er hatte rote Haare und wirkte zu jung für sein Berufsfeld, blickte konfus von einem zum anderen während die Frau sich gar nicht dafür zu interessieren schien. Sie verhielt sich kühl und distanziert. Zwei Pluspunkte in Sachen Professionalität, fand Fisher.

“Da wir jetzt alle komplett sind können wir mit der richtigen Feier beginnen. Setzt dich.“ forderte Lambert. Sam setzte sich auf den letzten leeren Stuhl am Tischende und bemerkte dass dieser noch genauso gut gepolstert war wie das letzte Mal als er darauf Platz genommen hatte.
“Zuerst möchte ich dich mit unseren zwei Neuen bekannt machen.“ begann Irving und gestikulierte zu erst in Richtung des jungen Mannes.
“Links von dir sitzt Vernon Wilkes Jr. Unser Experte wenn es um Waffen und Transport geht.“

Vernon Wilkes jr. hob die Hand zum Gruß, sagte aber nichts weiter.
“Die Dame rechts ist Anna Grimsdottir, ihr Fachgebiet ist der IT Bereich.“
Grimsdottir nickte nur.
“Grimsdottir, Wilkes, darf ich vorstellen, Sam Fisher. Der ausführende Agent.“
Fisher hob verwundert die Braue.
“Ausführender Agent von was?“
“Third Echelon.“
“Klärt mich jemand auf?“ fragte Sam trocken.

Lambert drückte auf einen der Knöpfe die auf einem Panel am Tisch angebracht waren. Augenblicklich verdunkelte sich der Raum und ein großer Monitor an der Wand leuchtete und begann zu brummen. Gleich darauf erschien das Bild einer Landkarte. Sam lehnte sich zurück und beschloss die Show zu genießen.

“Das hier ist Russland. Nischni Nowgorod um genau zu sein.“
Nach einem weiteren Klick auf einem Pad von Lambert zoomte die Karte auf einen Fleck
“Nischni Nowgorod ist die Hauptstadt der Oblast Nischni Nowgorod und des Föderationskreises Wolga. Die Stadt liegt an der Einmündung Oka in die Wolga und hat knapp1.300.000 Bewohner.“
“Warum erzählen sie uns das alles?“ wollte nun Wilkes wissen und es beruhigte Fisher das seine anderen zwei neuen Kollegen offenbar genauso wenig wussten wie er.
“Die CIA hat Berichte über einige neu gegründete terroristische Organisationen in Russland zusammengestellt. Fast alle der Gruppen sind jedoch mit niedriger Priorität eingestuft worden da sie entweder zu klein sind oder über zu wenig Mittel verfügen um eine Gefahr in absehbarer Zeit darzustellen.“

“Lass mich raten, unsere Leute sind nicht der Selben Meinung.“ warf Sam ironisch ein.
“Wann hast du je erlebt das jemand von uns auf jemanden von denen gehört hat?“
“Noch nie.“
Lambert nickte. „Und in diesem Fall ist das auch gut so.“
Das Bild auf dem Monitor wechselte wieder und zeigte nun das Photo eines Mittfünfzigers. Eingehüllt in einen dicken Mantel und einer Zigarette im Mund. Das Bild war für Geheimdienstzwecke äußerst unvorteilhaft da das Gesicht von einer tief sitzenden Mütze verdeckt wurde. Auch der Blick auf die Hände war durch das im Foto treibende Schneegestöber getrübt so dass man nichts Markantes wie zum Beispiel einen Ring oder Tatoo ausfindig machen konnte.

“Das hier ist der Gründer einer dieser Gruppen. Sein Name ist nicht bekannt, laut Gerüchten nennt er sich selbst Christof. Wie viele Mitglieder seine Gruppe wirklich hat, über welche Mittel er verfügt oder welches Zielt er verfolgt wissen wir nicht.“
“Klingt für mich eher nach einem Schützenverein.“ sagte Fisher mit seinem berühmten sarkastischen und trockenen Humor.
“Das würde ich auch sagen…hätten wir nicht diese Daten in Erfahrung gebracht.“
Lambert brachte einen großen Ordner zu Tage und reichte ihn Fisher. Die Papiere darin waren voll mit Zahlen und vereinzelten Buchstaben bedruckt. Das war nichts woraus er sich einen großen Reim machen konnte.

“Sehen aus wie Computerprotokolle.“ mutmaßte er.
“Das sind sie auch. Sicherheitsprotokolle.“ meldete sich Anna Grìmsdòttir zu Wort.
“Genauer gesagt ein L2sec –Protokoll. Es wurde vor einigen Tagen von einem Computer der CIA angefertigt.“
“Das war aber noch nicht alles.“
“Ganz im Gegenteil Agent Fisher. Es sieht so aus als habe jemand versucht sich in den Computer der CIA einzuhacken.“
“Was nicht das erste Mal so wäre. Warum die ganze Aufregung?“
“Die Spur wurde zu einem Gebäude in Nischni Nowgorod zurückverfolgt.“

“Was hat das mit diesem Christof und den Protokollen zu tun?“
“Dieses Foto…, “ Lambert wies mit seiner Hand nochmals auf die Abbildung des unbekannten Russen ,…wurde aufgenommen nachdem Christof gerade aus eben diesem Gebäude kam.“
“Und jetzt glaubt ihr das das kein Zufall ist.“
“Ich hoffe das es einer ist.“
“Mit was rechnest du?“
“Wir befürchten das diese Gruppe bald eine erhebliche Gefahr durch Information Warface darstellen wird.“

“Was ist Information Warface?“
“Cyberterrorismus. Der Angriff gegen Computernetzwerke oder Informationssysteme um Nationen unter Druck zu setzten.“ sagte Anna.
“Gibt es eine Untersuchung?“
“Offiziell nicht.“
“Und inoffiziell?“
“Inoffiziell führt ein Agent der CIA gerade eine Untersuchung gegen eine Gruppe in Nischni Nowgorod durch, die im großen Stil Drogen in die USA verschiffen soll. Der Auftrag lautet Beweise und Inforationen zu sichern. Grìmsdòttir hat uns bei diesem Vorhaben geholfen.“

“Mit „eine Gruppe“ meinst du diesen Christof und sein Verein?“
“Genau.“
“Moment, warte? Soll das heißen ihr hab bei der CIA gespukt und sie glauben gemacht das dieser Verein Drogen herstellt? Damit einer ihrer Agenten die Drecksarbeit für unsere erledigt?“
“Genau. Falls er geschnappt wird kann man die Spur nicht zu uns weiter verfolgen und wir können in Ruhe weiter machen.“
“Und ich dachte immer ich war der einzige hier der miese Tricks benutzt hat?“ amüsiert hob Fisher die Braue.

“Spaß beiseite. Ich fasse noch Mal zusammen. Vor einigen Tagen versuchte jemand die CIA und hacken. Die Spuren führen nach Russland und zu einer Gruppe die uns per Cyberterrorismus den Arsch aufreißen will. Weil die CIA die Gruppe als ungefährlich eingestuft hat, hat Grìm hier eine Drogenuntersuchung angezettelt die in Wahrheit keine ist sondern nur dafür dient unsren Leuten Informationen zu besorgen. Ohne das jemand merkt das wir unsere Finge mit im Spiel haben. Richtig?“

Lambert wiegte seinen Kopf hin und her bevor er antwortete.
“Einige Dinge hätte ich nicht so drastisch formuliert, aber im Grunde hast du’s erfasst.“
“Da bin ich beruhigt. Wo komme ich und dieses Third Echelon ins Spiel?“
“Wenn unser Verdacht stimmt, und davon gehen wir aus, muss sofort etwas dagegen getan werden. Mit Information Warface kann man auch mit wenigen Leuten viel Schaden anrichten. Deshalb haben die hohen Tiere beschlossen eine neue Unterabteilung ins Leben zur rufen um solche Gefahren in Zukunft schneller und effizienter bekämpfen zu können. Third Echelon.“

“Meine Rolle?“ fragte Sam erneut.
“Splinte Cell.“
“Bitte?“
“Splinter Cell wird das Informationsbeschaffungskommando von Third Echelon sein. Es besteht aus dir.“
“Mir?“
“Ja.“
“Warum?“
“Du bist unser bester Mann. Hast die meiste Erfahrung und hast noch nie eine Gefahr gescheut.“
“Meine Aufgabe?“
“Hauptsächlich das Infiltrieren von Organisationen um Informationen zu beschaffen. Wilkes und Grìmsdòttir sind hier um dich dabei zu unterstützten.“
“Was ist mit meinem frühzeitigen Ruhestand?“
“Aufgehoben.“

“Und was wenn ich ablehne?“
“Wirst du nicht.“
“Wie kommst du darauf?“
“Ich kenne dich. Ich weis wie sehr du es vermisst.“
Fisher legte die Stirn in Falten.
“Was ist mit Sarah?“
“Sam, du weist das ich dir das nicht anbieten würde wenn die Sicherheit deiner Tochter nicht garantiert werden könnte. Sie wird rund um die Uhr bewacht und es werden alle Maßnahmen für Sarah getroffen.“
Sam Fisher stand auf und sah Lambert ausdruckslos an.
“Das muss ich mit ihr besprechen.“
“Tu was du für nötig hältst. Aber wird brauchen eine schnelle Entscheidung. Die NSA zählt auf dich.“
“NSA my ass.“ war das letzte was Lambert hörte und es brachte ihn dazu leise zu lachen.


J.A.G HQ
Washington D.C., USA
38° 53' 42" N/77° 2' 12" W
Freitag, 23. Februar 2001
15.30h

Admiral A.J. Chegwidden war außer Haus. So zumindest berichtete es seine seriöse Quelle. Diese war in Mic Brumbys Fall PO Tiner der im Moment damit beschäftigt war Akten von vorher selbst angebrachten Heftklammern zu befreien da diese fälschlicher Weise zusammen geheftete worden waren. Mit einem lauten Seufzer packte Mic seine Aktentasche für seinen letzten Termin am Freitag zusammen.

Danach würde er direkt nach Hause fahren. Eine solche Gelegenheit ergab sich nur wenn der Herr Admiral nicht da war, also würde er sie nutzten und das Wochenende ein paar Stunden früher einläuten. Und nach seiner Meinung konnte ihm das niemand verwähren, bei seiner Woche…

Mit dem Neuen Lieutenant kam er erstaunlicher Weise gut zurrecht. Der junge Mann war zwar etwas vorlaut, übermütig und seine nie zu verschwindende gute Laune konnte einem manchmal den Tag versauen, aber trotzdem schien dieser Anwalt einen natürlichen Charme zu besitzen der es unmöglich machte ihn nicht zu mögen. Eine Gabe die sich Mic auch selbst zuschrieb. Aber genug von dem Kollegen, zurück zur Woche aus der Hölle…

Lieutenant Harry Smith stellte sich als sturköpfiger Kerl mit Abneigung gegen Anwälte heraus. Smith schien der Meinung zu sein sich selbst vertreten zu können. Zu seinem Glück hatte sein CO Zeit aufgebracht etwas Vernunft in ihn zu reden so dass er sich nun doch vertreten ließ. Wenn auch äußerst unkooperativ. Er hielt sich kurz und beantwortete jede Frage nur notdürftig. Das machte sie Sache nicht gerade einfach, so Mal die Beweise bisher nicht zu seinem Vorteil ausgelegt werden konnten.

Smith kannte das Opfer, hatte sich offensichtlich an sie herangemacht und war abgelehnt worden. Wenige Tage später ist die betreffende Frau tot und das Motiv perfekt. Aber sein Name wäre nicht Mic Brumby wenn er nicht planen würde diesen unlösbar scheinenden Fall zu wenden. In wenigen Minuten würde er mit Styles losziehen um das persönliche Umfeld des Opfers zu durchleuchten. Vielleicht fanden sich kein Paar nette, kleine schmutzige Umstände in Lieutenant Keira J. Langley’s Leben die das Ansehen vom Unschuldslamm bröckeln ließen. Drogen und Alkohol als Teenager?

Noch mehr verschmähte Liebhaber und Umwerber? Oder hatte sie als Jugendlicher ein Kind bekommen, es zur Adoption freigegeben und nun rächte sich der ungeliebte Spross an seiner Karrieregeilen Mutter? Man konnte nie wissen. So etwas war besser als Jeopardy.

Sich über den weiteren Verlauf des Tages klar geworden hielt Mic nach seinem Neuen Kollegen Ausschau und fand ihn auch gleich. Er stand mit wenigen losen Zetteln in der Nähe des Kopierers der im Augenblick von Rabb belagert wurde und wartete anscheinend brav bis er an der Reihe war. Der Australier beobachtete seinen Kollegen eindringlich wie dieser offenbar, offenherzig wie er nun mal war, mit dem Ex-Piloten schnatterte.

Etwas nagte an ihm als er das sah. Mics Gefühle sagten ihm klar dass er Sarah schon an Rabb verloren hatte, eine Tatsache die er immer noch nicht ganz akzeptieren konnte auch wenn sie es ihm mittlerweile ziemlich klar gemacht hatte. Aber das sich Rabb nun auch noch den Neuen, der ja IHM zugeteilt wurde, unter den Nagel riss wollte ihm nicht schmecken.

„Commander Rabb.“ Grüßte Styles freundlich und stellte sich neben den Commander um darauf zu warten dass der Kopierer frei wurde. Rabb nickte zurück und widmete sich dann wieder seinen Dingen. Furious war erst seit einer Woche in diesem Büro tätig und hatte deshalb noch keine Zeit gehabt um mit jedem ein Schwätzchen zu halten um die Leute hier kennen zu lernen. Er hatte ja gehofft dass ihm sein neuer Partner, Mic Brumby, eine kleine Einführung geben würde.

Allerdings schien es der Australier wohl eher vorzuziehen von Morgens bis Abends Trübsal zu blasen. Wann immer Furious ihn antraf, der Kerl hatte einen schlechten Tag nach dem anderen. Das war generell etwas was der junge Anwalt nicht mit ansehen konnte. Er hatte sich fest vorgenommen seinen neuen Partner heute Abend nach ihren Befragungen in eine Bar zu schleppen, ein paar Drinks einzuflößen um dann herauszufinden wo den Lt. Commander der Schuh drückte.

“Schönes Wetter heute, nicht wahr?“ begann Furious einen Smalltalk.
“Ja.“ Antwortete Harm und beachte den immer noch grantigen Mic Brumby wie er zackig an ihm vorbeilief und ihn wie zufällig, ganz aus Versehen anrempelte.
“Entschuldigen sie COMMANDER.“ Betonte Brumby und war schon verschwunden.
“Keine Sorge, ich kenne ihn zwar noch nicht so lange aber ich denke der Mann ist harmlos.“ Versicherte Styles der Rabbs verärgerten Blick bemerkt hatte und fing dann breit zu grinsen an.

“HARMlos, eh? Ich wette diesen Witz kriegen sie mehrmals am Tag zu hören, was?“ freundschaftlich klopfte er Harm auf die Schulter, was sich als etwas schwierig herausstellte da Styles dem Commander gerade mal bis zu seinen Abzeichen ging. Also musste er sich strecken um sein Vorhaben durchzuführen und erregte dabei die Aufmerksamkeit einiger Offiziere die um einen Schreibtisch standen und offensichtlich über etwas diskutieren.

Als Styles merkte das er plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand ließ er von seinem Unterfangen ab und warf einen Blick in die Richtung der Offiziere. Auch Harm Rabb riskierte einen Seitenblick und wurde fast gleichzeitig von einem Arm gepackt und herumgedreht so dass sein Blick wieder den Kopierer traf. Erstaunt über diese überstürzte Aktion ließ der seine Augen über den Arm wandern bis er schließlich bei Styles Kopf angelangt war. Der wartete gar nicht erst bis der Commander fragen konnte was diese Aktion zu bedeuten hatte sondern erklärte sofort.

“Nicht umdrehen!“ flüsterte er und riskierte selbst einen schnellen Schulterblick.
“Meine Güte, die Lady ist scharf!“ wisperte Furious und fasste sich ans Herz.
“Was für eine Figur!“
Da Harm auch nur ein Mann war wurde nun auch sein Interesse geweckt und er schielte über seine Schulter, konnte aber keine Lady mit einer scharfen Figur erkennen.
“Nicht hinsehen!“ wiederholte Styles.
“Sie sieht aus wie Marilyn Monroe.“
“Wen meinen sie?“ fragte Harm als er nach erneutem Blick auch kein Monroedouble sichten konnte.
“Na sie!“
“Sie, wer?“
“Sie steht etwas weiter Abseits der Schreibtischgruppe…gerade klappt sie eine Akte auf.“

Rabb folgte den Beschreibungen seines jungen Kollegen und schließlich entdeckte er die Person. Sofort gefror ihm das Blut in den Adern und er sah Styles geschockt an.
“Weiblicher Lieutenant, blonde Haare?“
Der andere Mann nickte eifrig. Harm konnte es nicht fassen, er musste ganz sicher gehen.
“Sind sie sicher das sie diese Frau meinen?“ nickte er in die Richtung dieser.
Styles nickte noch motivierter. Da blieb dann nur eine Möglichkeit, aber nein, das konnte einfach nicht wahr sein. Noch nicht mal Lt. Styles konnte so enthusiastisch sein!
“Wie war noch gleich ihr Name…?“
“Loren Singer!“ antwortete Rabb geschockt und fuhr sich wegen seinem lauten Aufschrei gleich ein „Schhhhht!“ ein.

“Nicht so laut! Sie darf nicht wissen was ich für sie empfinde, noch nicht.“
Doch es war schon zu spät. Singer stapfte, wie ein Waldschrat fand Harm, zu ihnen hinüber.
Rabb sah es als seine Pflicht als Offizier der Navy, mit dem Slogan nie einen Mann hilflos zurückzulassen, den jungen Anwalt eine Chance zum Überleben zu geben.
“Lieutenant, ein harmloser Hinweis, wenn sie den morgigen Tag überleben möchten, dann laufen sie!“

Aber Styles hörte ihm gar nicht mehr zu, er zupfte schnell an seiner Uniform und stellte sich auf die Zehenspitzen um das best Möglichste aus seinem Erscheinungsbild herauszuholen. Hastig hob Harm seine Kopien schützend vor seinen Oberkörper als Singer etwas einen halben Meter vor ihnen zum stehen kam.

Er meinte einen Geruch von Old Spice ausmachen zu können, der eindeutig nicht von ihm oder Styles stammte. Todesmutig beschloss er an der Seite seines Kameraden zu bleiben, egal auf welche Art Loren Singer ihnen gleich an die Gurgel gehen würde. Kalte Augen blickten beide Offiziere an, wo bei sie sich hauptsächlich auf den Afroamerikaner konzentrierte.

“Darf ich erfahren was ihre Aufmerksamkeit erregt hat?“ bei dem klang ihrer Stimme glaubte Harm zu fühlen wie ihm ein eisiger Windhauch die Haare zerzauste.
Das Schicksal wollte es das man in diesem Moment den mutigsten Mann auf dem Erdball im J.A.G. Hauptquartier finden konnte, als dieser anfing Poesie zu zitieren...

“Mein Inneres strömt sich dir entgegen, umfließt dich mit heißem Sehnen! In glühend heißem Funkenflug vergehen wir in lang ersehnter Wonneglut!“ säuselte Styles und hatte dazu die Augen halb geschlossen.

Harm Rabb stand paralysiert von dem eben erfahrenen Schock da und starrte abwechselnd von Styles zu Singer. Loren sagt nichts, sie hatte nur die Lippen zusammen gepresst und fixiert den Lieutenant vor ihr mit einem eisigen Blick den dieser wohl als Beweis für ihre Zuneigung hielt und gewinnend lächelte. Singer machte einen letzten Schritt vorwärts und drängte sich unsanft zwischen Rabb und Styles. Einerseits froh so aus dem Schussfeld zu sein machte sich Harm doch Sorgen um den noch so jungen Mann. Er hatte doch noch sein ganzes Leben vor sich…

“Hören sie ganz genau zu Lieutenant!“ zischte Singer wie eine Klapperschlange kurz bevor sie ihre scharfen Zähne in todgeweihte Haut vergrub.
“Wenn Sie mich noch ein Mal auf so eine Art und Weise vorführen werde ich persönlich dafür sorgen dass sie ihren Dienst als Gartenzwerg in dem Blumenkasten des SecNav versehen.“

Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen machte sie auf der Stelle kehrt und verschwand im Treppenhaus.

“Wie ein Engel.“ Seufze Styles und ließ sich von Commander Brumby einsammeln als dieser nun mit einem schwarzen Aktenkoffer ebenfalls zum Ausgang hin verschwand.
Harm umklammerte immer noch seine Kopien als er ein paar braune Augen bemerkte die amüsiert zu ihm hinauf funkelten. Eine zarte Hand fuhr aus um ihm seinen durch Erstaunen immer noch geöffneten Mund zu schließen und gleichzeitig versetzte Mac ihm einen mittleren Stups in die Rippengegend um ihren Partner aus seiner unproduktiven Hirnerstarrung zu befreien. Sie konnte förmlich beobachten wie seine Augen sich aufklärten. Sprachlos zeigte er in die Richtung in die Styles gerade verschwunden war und brachte fast keinen Ton heraus.
“Hast du das auch gesehen?“

MacKenzie, die das ganze Tamtam von ihrem Büro aus verfolgt hatte lächelte neckig.
“Eins kann ich dir sagen, mit so einem kitschigen Gesäusel lockst du mich heute Abend nicht mal hinter der Couch vor.“
Als Harm sie nur erstaunt ansah bauten sich Zweifel auf.
Nein, er würde es nicht wagen unsre Verabredung zu vergessen! Oder? Immerhin ist er nur ein Matrose.

„Es bleibt doch bei heute Abend, oder. Du willst jetzt nicht kurzfristig absagen?“
Endlich zappte Harm aus seiner geistigen Umnachtung um gerade noch zu spüren wie sein Herz kurz einen Tick schneller schlug. Sie machte sich also Sorgen er könne absagen? Offensichtlich schien sie sich auf ihre gemeinsame „Unternehmung“ zu freuen. Das war gut zu wissen. Ihm ging es ja nicht anders.
“Natürlich werde ich nicht absagen…Ich war nur so…das kann doch nicht sein Ernst sein! Was will er den von der?“

“Vielleicht hat Lieutenant Styles Singers gute Seite entdeckt. Du solltest sie mal zum Essen einladen, wahrscheinlich entdeckst du einige verborgene Talente.“ Frotzelte Mac und wollte mit ihrem Kommentar die andere Frau zum Essen einzuladen unauffällig erforschen ob er sich noch für andere Frauen interessierte.

Natürlich tut er das! Er wird nicht aufhören irgendwelchen Blondinen hinterher zu sehen nur weil er dich heute in ein Restaurant ausführt! Bleib realistisch!

Trotz dem inneren Aufruf zum Realismus beruhigte es sie als er sagte; „ Bevor das passiert mache ich Brumby lieber einen Heiratsantrag!“
„Und Webb organisiert deine Junggesellenabschiedsparty.“
“Übrigens hol ich dich heute Abend ab. Es wird aber etwas später werden.“ Überhörte Harm gekonnt die letzte Bemerkung und entschwand als er sein Telefon nach ihm rufen hörte.
“Okay….Ich freu mich.“

Zur gleichen Zeit kamen Brumby und Styles gerade bei den Eltern ihres verstorbenen Lt. an. Das Haus mit weißem Gartenzaun empfand Brumby als übertrieben und spießig während Styles offenbar die Stabilität des Zauns überprüfte indem er an dem Holz rüttelte. In Mics Vorstellungen hatte er sich immer eine schöne Frau gesucht, eine schöne Wohnung gemietet und sich schön aus allem anderen raus gehalten.

Der Kies knisterte unter ihren Schuhen als sie den kleinen Weg zur Türe gingen. Mic klopfte rhythmisch gegen das massive Holz und musste nicht lange warten bis ihm die Türe geöffnet wurde. Eine Frau in den Fünfzigern öffnete und sah beide ängstlich an.
“Guten Tag, ich bin Lt. Commander Mic Brumby und das ist Lt. Styles. Wir vertreten Lieutenant Smith und möchten ihnen ein paar Fragen stellen. Dürfen wir reinkommen?“

Vorsichtig nickte die Frau und öffnete die Tür weiter. Brumby stapfte hinein während Furious sich ein wenig Zeit nahm um seine Schuhe an der dafür vorgesehenen Bodenmatte zu säubern. Kaum war er eingetreten sah er weder die Frau noch seinen Vorgesetzten, konnte aber klar dessen Stimme ausmachen und folgte dieser ins Wohnzimmer.
Mic Brumby hatte es sich bereits auf der Couch bequem gemacht und sprach mit einem jungen Mann. Beide sahen auf als er eintrat.

“Das ist mein Partner Lt. Styles. Styles das ist Tim Langley. Der Bruder der Verstorbenen. Die Eltern sind noch sehr durcheinander, deshalb wird er uns unsere Fragen beantworten.“
Styles war erstaunt über den ruhigen und weichen Ton mit dem der Rang höhere Offizier nun sprach. Normalerweise war er von ihm Grummeln gewohnt. Aber Mic Brumby stand nicht umsonst im Rang über ihm. Er wusste wie man mit Menschen umging die gerade ein Mitglied der Familie verloren hatten, besonders wenn es ihre Aufgabe war den möglichen Mörder zu verteidigen.

“Lieutenant, setzten sie sich bitte. Möchten sie etwas trinken?“ fragte der Bruder mit stabiler Stimme.
“Nein, machen sie sich keine Umstände.“
“Oh, das ist kein Problem? Ein Glas Cola?“
“Danke, wieso nicht?“
Wenn es Tim Langley so leichter viel zu reden ließ ihn Styles seinen Willen.
Kurz später waren die zwei Anwälte und der Bruder der sich erstaunlich gut zusammenhielt in ein Gespräch über Keira Langley vertieft. Auf dem kleinen Kaffeetisch standen einige Fotos von ihr. Sie war eine schöne blonde Frau, fand Mic.
“…Sie hatte wenig Streit mit anderen Leuten und war immer gut gelaunt. Definitiv Pricess Charming. Keira war eine tolle Schwester, ich kann mir nicht vorstellen dass jemand so wütend auf sie war.“

“Also denken sie nicht das sie ermordet wurde?“
“Doch, ich meine um das beweisen zu können hat man sie doch aufgeschnitten. Ich kann mir nur nicht denken was sie getan haben könnte um so etwas zu verdienen.“
“Das fragt sich jeder in solch einer Situation Tim. Sagen sie, kennen sie einen Henry Smith?“ fragte Mic und wählte mit Absicht den falschen Namen um ausschließen zu können das der Zeuge den genannten Mann wirklich kannte und nicht nur darauf einging weil Mic den Namen erwähnt hatte.

“Sie meinen Harry Smith? Ja, er war ein Freund meiner Schwester.“
“Wie würden sie diese Freundschaft beschreiben?“
“Sie haben sich auf der Akademie kennen gelernt, sind miteinander ins Kino gegangen, haben zusammen Spinde geputzt. Solche Sachen eben.“
“Haben sie ihn mal kennen gelernt.“
“Nicht direkt. Nur mal kurz mit ihm gesprochen.“
“Mit ihm gesprochen?“
“Ja, ich wollte Keira auf ihrem Quartier anrufen und er nahm ab. Aber er gab den Hörer sofort an Keira weiter.“

Das ist interessant. Könnte da mehr als nur gemeinsames Spinde putzen sein. Wenn er ihre Anrufe entgegen nimmt. Ich äh, wir, das heißt Ich und Styles sollten noch mal mit Smith sprechen. Wenn er etwas verheimlicht kriegen wir ihn nie frei.

Gerade jetzt war eine schluchzenden Frauenstimme zu hören die aus dem zweiten Stock rief: „Tim, sind sie schon weg?“
“Noch nicht Mum, aber es wird sicher nicht mehr lange dauern.“ Versicherte der Sohn der Mutter und hielt Blickkontakt mit Brumby um sich zu vergewissern seine Mutter nicht gerade eben angelogen zu haben.
“Nur noch eine Frage Tim, dann sind wir weg. Wissen sie wo ihre Schwester am Tattag hinwollte?“

“Ja sicher. Das habe ich ihnen noch gar nicht erzählt, die Navy war nicht ihre einzige Leidenschaft. Sie liebte das Schauspielern. In der zweiten Klasse hat sie an einer Aufführung teilgenommen…sie durfte zwar nur den Baum spielen…aber sie war so stolz auf sich…“
“Tim, wo wollte sie hin?“ hakte Mic nach als er merkte das der Bruder immer weniger Kontrolle über seine offensichtliche Trauer hatte.
“Sie…sie wollte zu einem Vorsprechen für einen Märchenfilm.“
“Wissen sie wo das war?“
“Nein, aber ich weiß dass sie einen Flyer dafür hatte. Bestimmt können sie den in ihrem Quartier finden.“

“Gut, danke für ihre Zusammenarbeit Tim. Nochmals mein tiefstes Beileid für ihren Verlust.“
Obwohl er am Anfang sehr höflich gewesen war hatte es Tim Langley nun sehr eilig die Anwälte zur Tür zu führen. Es musste ja nicht sein das sie ihn weinen sahen.
Zurück im Auto bereitete sich Mic auf ein erneutes Wochenende vor in dem er eine seiner berühmten Mitleid-für-Mic-Partys gab, bei denen er für gewöhnlich der einzige Gast war.
“Styles, ich setzte sie im Büro ab und sie besorgen bitten diesen Flyer. Montag besprechen wir dann alles weitere.“

“Sir, wie wäre es wenn wir uns heute Abend noch kurz in einer Bar treffen?“
Furious sah seine Chance dem Problem des Commanders auf den Grund zu gehen. Brumbys Brauen zuckten und sein Hirn arbeitete auf Hochtouren um sich eine Ausrede einfallen zu lassen.

“Ich könnte den Flyer mitbringen und wir könnten uns schon eine Strategie überlegen. So müssen sie sich übers Wochenende keine Gedanken darum machen und Montag wird nicht zu stressig. Wissen sie, mein Mathelehrer an der Highschool hat immer gesagt „Montag ist Schontag“. Was sagen sie?“
“Na gut, kenne sie Mc Murphys?“
“Logisch. Sagen wir gegen halb neun?“
“Das schaffe ich.“
“Super Partner!“


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Friend or Foe/Mr. Brumby goes to Hollywood von Butze

#3 von Petra , 07.05.2007 21:22

Mac’s Wohnung
Georgetown
22.05 Uhr Ortszeit

„Der gewünschte Gesprächsteilnehmer ist im Moment nicht zu erreichen, bitte versuchen sie es später noch ein Mal…“ Ungeduldig knallte Mac den Hörer auf die Gabel, bevor die nette Dame am Ende der Leitung überhaupt daran denken konnte, diesen Standartsatz in Französisch, Latein oder Suaheli zu wiederholen. Wie ein Tiger in einem Käfig, wirbelte sie rastlos durch ihre Wohnung und dachte über die Millionen von Möglichkeiten nach, wie sie Harm für sein Vergehen bestrafen konnte.

Es erstaunte sie nicht, dass sie keine fand, die schmerzhaft genug für ihn sein würde. Immer wieder lief sie zwischen Küche und Schlafzimmer hin und her. Angetrieben von ihren gemixten Gefühlen: Ärger, Angst, Traurigkeit, Gewissheit und eine riesige Portion Wut. Noch genauer konnte er ihr seine Botschaft nicht überbringen. Das Schlimmste daran war, dass er es auf so eine gemeine und feige Art machte. Er hätte ihr ruhig sagen können, dass er es nicht wollte, dazu musste er sie nicht so enttäuschen. Verstehen können hätte sie es nicht gleich, aber auf jeden Fall besser akzeptieren.

Jetzt stand sie vor dem großen Spiegel, der ihr Schlafzimmer zierte und fand die Aufmachung, für die sie sich so viel Zeit genommen hatte und die erst vor drei Stunden fertig geworden war, lächerlich. Das exklusive schwarze Kleid, das genug Eleganz besaß um ihr das Aussehen irgendeines Promis auf der Titelseite eines Klatschblattes zu geben, und großzügig genug geschnitten war um nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel der männlichen Fantasie zu überlassen. Das sorgsam aufgetragene Make-up, die Frisur, persönlich von einem nicht ganz billigen Frisör gerichtet. Sogar ein neues Paar Schuhe hatte sie gekauft.

Und wofür das Ganze? Nur um sich eine ganze Woche lang, unsinnige Hoffnungen zu machen oder ihren sonst von einem Wunsch nach Realismus geprägten Verstand, in einen Nebel aus Vorfreude zu füllen. Harm hatte bemerkt es könnte spät werden.

Aber nach 22 Uhr!? Es war an der Zeit eine kleine Rechung durch zu führen: Falls Harm gedachte doch noch zu erscheinen, dann war es bestimmt nicht in den nächsten 15 Minuten. Denn 15 Minuten war die durchschnittliche Zeit die er zu spät kam. Dann wäre es also bereits 22.15 Uhr. Natürlich müsste sie sich erst umziehen denn selbst ein Marine geht nicht halb angezogen aus. Wahrscheinlich würden sie Beide dann gegen 22.30 im Auto sitzen, kalkulierte man also noch ein dass die Fahrt zum Zieltort und die Suche nach einem Parkplatz ungefähr zwanzig Minuten in Anspruch nehmen würde, so kämen beide erst gegen 23 Uhr an.
Keiner konnte ihr weismachen, dass ein Restaurant, welches diesem Ereignis würdig war, um diese Zeit noch eine warme Küche hatte. Gut, sie wollte keineswegs verwöhnt erscheinen, aber sie hatte vier lange Jahre darauf gewartet und da sollte es verdammt noch mal etwas besonders sein.

Leise fragte sie sich welchen Grund sie ihm wohl gegeben hatte, sich so zu verhalten? Mac konnte sich nicht erinnern etwas getan zu haben um ihn zu verärgern oder unsicher zu machen.

Aber vielleicht gab es für sein Fernbleiben und die Tatsache, dass er weder das Telefon in seiner Wohnung noch sein Handy beantwortete, eine andere Antwort als die nahe liegende? Nämlich die, dass er Mac einfach vergessen hatte. Die Gedanken daran, dass sie sich wohl oder übel damit abfinden musste, dass er sie schonungslos versetzt hatte, schob Mac beiseite und sah aus dem Fenster.

Plötzlich, mit neuen Gefühlen einer nagenden Nervosität gefüllt, anstatt die Wut die ihren Körper noch vor wenigen Sekunden durchflutet hatte. Was war wenn er einen Unfall hatte? Die Nacht war zwar kalt aber klar, kein Anzeichen von Regen oder sonstigen Wetterverhältnissen die für einen Verkehrsunfall förderlich gewesen wären. Die Straßen sahen von ihrem Standpunkt auch nicht glatt aus, trotzdem, ein Autounfall konnte sich schnell ereignen, auch ohne mieses Wetter.

Nur um sicherzugehen, dass sie nichts verpasste, schaltete Mac das Radio in der Küche an. Es war zwar utopisch zu vermuten, dass ein Sender in so einer großen Stadt wie Washington D.C. das Programm stoppen würde, um über einen Unfall zu berichten, aber es war besser als nichts. Wenn er nun wirklich jetzt irgendwo dort draußen war? Begraben unter den Teilen seines Autos, auf Hilfe wartend, die sich mühsam und viel zu langsam durch die hinter und vor der Unfallstelle gestauten Autos kämpfte, während ihm das Blut von der Stirn…Nein!

Solche Zufälle gab es nicht. Nicht mal in der größten Hollywoodkitsche kam es vor, dass der Kerl bei dem ersten Date einen Autounfall hatte und qualvoll an den Folgeerscheinungen einer Eisenstange, die sich quer durch den Torso gebohrt hatte und durch einen verrückten Wink des Schicksals an seinem Hinterteil wieder herauskam, starb. Nein, so etwas passierte nicht im richtigen Leben.

Der Grund für ihre Sorgen, war ein anderer. Einer, der dafür sorgte, das sie eine eigentlich schon längst abgelegte Angewohnheit wieder aufgriff: Fingernägel kauen. Der Grund für das kauen war ihre Fantasie, die sich immer wieder unnötig selbstständig machte und sie so, auch in diesem Moment, das Schlimmste befürchten ließ.

Ganz klar, Harm hatte Recht- leider. Sie sah zu viel Fernsehen und aß zuviel Fastfood und das Ergebnis war, dass sie zu viel Fantasie hatte und sich völlig umsonst die verdammt noch mal frisch manikürten Nägel zerstörte. Aber was machte das schon?

Sie hatte die Nägel sowieso lieber kurz und schlicht, das war praktischer. Was sollte sie mit der ganzen Farbe und dem Plastik anfangen? Wenn man nicht regelmäßig in ein Nagelstudio ging, fielen die Dinger nach einiger Zeit von selbst ab und landeten im Müll. Also kein Grund ihnen jetzt nachzuweinen. Genauso wenig sollte sie über den verpatzten Abend trauern. Ja, sie hatte sich gefreut und ja, sie hatte sich für ihn hübsch machen wollen, und ihrer Meinung nach war es ihr auch gelungen, obwohl sie ein wenig aus der Übung war. Aber noch mal, was machte das schon aus?

Harm hatte genau das getan, was sie von jedem anderen auch erwartet hätte. Einfach sitzen gelassen zu werden war etwas mit dem Sarah MacKenzie Erfahrung hatte. Als die Wut wieder Oberhand gewann, versuchte sie sich, mit der Hilfe des hart-wie-Stahl Marines davon zu überzeugen, dass sie sich mehr über das ausgegebene Geld für Outfit und Haare ärgern sollte, als den Tatbestand von mutwilligem Versetzen.

In einem Anfall von Trotz, schenkte sie der Tür, die Mac lange Stunden an diesem Abend erwartend angesehen und auf ein Klopfen gewartet hatte, einen letzten Blick und eilte in ihr Schlafzimmer. Dort war sie schnell dabei ihre künstlichen Fingernägel mit der teuren Farbe einzeln von ihren Fingern zu pflücken und mit einem Wurfarm, der selbst Kenny Rogers beeindruckt hätte, in den Abfalleimer zu befördern. Danach waren die Schuhe dran, die nun mit der unbändigen Kraft eines Footballspielers, der kurz davor war den finalen Punkt für seine Mannschaft zu machen, unter ihr Bett gekickt wurden.

“Pff! Wer hat schon mal einen Marine mit manikürten Nägeln gesehen!?“ zischte sie während sich ihr Rücken in ein Hohlkreuz bog und sie sich verrenkte um den Reißverschluss ihres Kleides zu fassen zu bekommen. Das Bild eines Marines in voller Montur, inklusive hohen Absätzen und roten Nägeln, wie er gerade in irgendeinem sandigen Gebiet einem Terroristen hinterher jagte, ließ den Wunsch ihr jetziges Erscheinungsbild so schnell wie möglich zu ändern nur noch wachsen.

Plötzlich klopfte es laut an der Tür und der Verschluss des Kleides rutschte ihr aus der Hand, was dem Marine einen frustrierten Schnaufer entlockte.
Jetzt dachte sie gar nicht mehr daran in etwas Anderes zu schlüpfen. Jetzt wollt sie nur noch die Tür öffnen.

“Gnade dir Gott, wenn du das bist!“ rief sie, der noch geschlossenen Tür entgegen und riss selbige fast aus den Angeln, als sie nun ihrem späten Besucher gegenüber stand. Wegen der Schroffheit mit der die Türe von ihr geöffnet worden war, war er aus Reflex ein wenig zurück gewichen. Auch jetzt machte er keine Anstalten näher zu kommen.

Harm ließ seinen Blick langsam über sie schweifen, registrierte dabei am Rande, dass mit ihrem Erscheinungsbild etwas nicht ganz stimmte. Mann! Sah sie gut aus! Sein Herz machte einen Sprung als er erkannte, dass sie sich für ihn so rausgeputzt hatte. Wow! Renee hatte sieben Tage die Woche, vierundzwanzig Stunden am Tag versucht elegant und modisch auszusehen, hatte es aber nie geschafft so zu wirken wie Mac es gerade auf ihn tat. Die wenigen Bälle zu denen er seine Partnerin begleitet hatte, hatten bei weitem nicht gereicht um sich an ihren atemberaubenden Anblick zu gewöhnen. Insgeheim hoffte er, dass er es auch nie tat.

Wo wenige Momente zuvor sein Herz noch heftig gepocht hatte, da zog es sich nun zusammen, als er ihr Gesicht sah. Natürlich stachen ihm die geschmackvoll aussehenden Kosmetika zuerst in die Augen, aber ihr Blick war es, der ihn fesselte. Jedoch nicht im Positiven. Sie sah irgendwie, nicht nur irgendwie, sondern ganz eindeutig so aus, als wolle sie ihm die Haut bei lebendigem Leib abziehen.

Wütend blitzten ihre Augen, als sie ihn gleichermaßen musterte, kurz glaubte er, etwas wie Freude zu sehen, aber als sie keine Anstalten machte ihn zu begrüßen, fühlte Harm ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aufsteigen. Vielleicht hätte er doch mal durchklingeln sollen.

Ein “Hi!“ rang er sich schließlich ab.
“Hi“, kam es klanglos zu rück. Ihr Blick zeigte immer noch extreme Ähnlichkeit mit dem einer Löwenmutter, die ein paar Tierfilmer auf frischer Tat dabei erwischte, wie sie ihre Babys in Szene setzten wollten.
“Du…du siehst toll aus.“
“Du nicht,“ schnappte sie zurück.

Wenn sie sich doch die ganze Zeit über nicht sicher über seine Motive war, so hatte sie sich spätestens jetzt ein genaues Bild gemacht. Der Mann hatte keinesfalls vor, sie irgendwohin auszuführen. Er trug weiße ausgelatschte Schuhe, eine gut abgetragene blaue Jeans und der dunkle Stoff hinter der offenen Jacke ließ auf einen Pullover schließen. Sah so ein Mann aus, der eine Frau in ein teures Restaurant einladen wollte? Wohl kaum.

Harm musste ihren Unmut wohl bemerkt haben, hätte er es nicht müsste sich Mac wohl ernste Sorgen um seinen Geisteszustand machen, denn er verlagerte das Gewicht nach vorne und machte einen zaghaften Schritt auf sie zu. Er zuckte mit den Schultern und setzte einen halb beschämten, halb scheuen Blick auf.

“Ich weiß, dass man Frauen normalerweise Blumen mitbringt, aber ich dachte mir du hast hierfür mehr Verwendung.“

Die immer noch hinter dem Rücken verschränkten Arme kamen nun nach vorne und hielten ihr eine 3 Literpackung von Ben&Jerry’s bestem Schokoladeneis entgegen. Über diese Geste verwundert, machte Mac ein paar Zentimeter nach hinten gut und nun wäre es ein Leichtes für Harm gewesen an ihr vorbei in die Wohnung zu kommen.

Er tat es aber nicht. Seine Mutter Trish und Großmutter Sarah hatten dafür gesorgt, dass er genügend Respekt vor Frauen aufbrachte. Also kam es für ihn nicht in Frage ihr privates Reich ungebeten zu betreten. Das einzige was er tat, war ihr das Eis noch weiter entgegen zu strecken, so als wolle er sagen: „Bitte friss mich nicht. Ich bringe Geschenke“.

Sie würde sich nicht von ihm einlullen lassen. Auch wenn ihm seine Jeans noch so gut standen. Ein Marine blieb standhaft.

Mac war nicht von Gestern. Sie wusste, dass dieses Eis nur von seinem Fehlverhalten ablenken sollte. Und als Entschuldigung würde sie es auch nicht akzeptieren. Kein Mann würde ihr je Versöhnungseis andrehen. Keiner! Nicht Richard Gere, George Clooney noch Flipper oder Lassie. Also verschränkte der Marine die Arme vor der Brust und machte keine Anstalten das Geschenk anzunehmen.

Harm hingegen dachte genauso wenig an einen Rückzug. Er hielt ihr den Karton immer noch hin. Ein paar Augenblicke schienen sich Beide mit ihren Blicken zu duellieren, bis Mac schließlich ein Seufzen unterdrückte und ihm das kalte Paket abnahm. Harm sah sie dankbar an und rieb die Handflächen, in dem Bestreben das durch das Eis viel zu stark gekühlte Blut, wieder zur Zirkulation zu bringen.

“Danke. Das wäre nicht nötig gewesen.“ Sie hielt sich immer noch knapp. Ihr ihrem Kopf formte sich der Plan, Harm seine zu einhundert Prozent unstimmigen Entschuldigungen stammeln zu lassen, ihn dann in die Nacht zu entlassen und sich über das Eis herzumachen. Wenn es schon kein Entschuldigungseis sein durfte, würde sie eben ein Frusteis daraus machen. Mac fürchtete nur, dass diese kleinen 3 Liter sie nicht unbeschadet über das Wochenende bringen würden. Verdammt! Jetzt würde sie auch noch wegen IHM in den Supermarkt rennen müssen.

„Komm doch rein,“ bat sie und hoffte, dass er es kurz machen würde. Der Ex-Pilot bombardierte den Marine jetzt mit seinem Lächeln.

Sollte er nur lächeln! Wenn Mac mit ihm fertig war, würde er sich wünschen im sonnigen Kalifornien geblieben zu sein.

Während Harm einen Stehplatz neben dem Sofa bezog, wandte sich Mac in die Küche um das Eis vor dem davon Schmelzen zu retten. Als sie das Tiefkühlfach schloss und zurück ins Wohnzimmer kam, sah sie dass es Jingo nun endlich doch geschafft hatte, die Augen aufzuschlagen und aus seinem Dornröschenschlaf, den er den ganzen Tag über für angebracht gehalten hatte, zu erwachen.

Der Hund schien sich mehr über den Besuch des Mannes zu freuen als sein Frauchen. Trotz seines Alters bewies der Drogenhund eine erstaunliche Lebendigkeit, als er sich mit den Vorderpfoten auf Harms Hüfte abstützte und freudig mit dem Schwanz wedelte. Dabei untersuchte er jede Hand genau mit seiner Nase nach möglichen Leckereien. Doch alles was er, trotz seiner doch etwas in Mitleidenschaft gezogenen Nase erschnüffeln konnte, war der Geruch von französischem Salatdressing, also ließ er schnell wieder von seinem neuen Gefährten ab und nahm seinen angestammten Platz auf der Couch wahr.

Jingo gab auch kein weiteres Lebenszeichen von sich als sich das Polster unter Harms Gewicht leicht zusammenknautschte, als der Mensch sich auf Bitten seines Frauchens gesetzt hatte.

“Ich dachte eigentlich das wir gleich gehen,“ sagte Harm beiläufig und schaffte es so, ohne wirklich zu wissen warum, die durch die schlechte Laune seiner lieblichen Partnerin heraufbeschworene Falle zuschnappen zu lassen. Die Anwältin bekam große Augen und schob die Hände in die Hüfte, was ihr die Haltung einer Lehrerin gab die ihren Schüler rügte. Eine sehr sexy Lehrerin, wie Harm fand.

“Wohin?“
“Ehm, wir hatten eine Verabredung,“ Gab er zurück und sah ehrlich verwirrt aus. Langsam wurde es ihm mulmig und der Kragen seines Pullovers schien auf ein Mal viel zu eng zu werden und somit buchstäblich die Kehle zuzuschnüren.
Tatsächlich, und Mac dachte schon sie hätte diesen ganzen teuren Mist umsonst angezogen!

Laut sagte sie allerdings: „Hast du Mal auf die Uhr gesehen?“
Harm musste nicht auf die Uhr sehen um zu wissen wie spät es war. “Ich sagte, dass es spät wird.“
“Mit spät dachte ich eigentlich, an viertel nach Acht, halb Neun…“
“Du denkst ich will absagen?“ nutzte er seinen Verstand und folgerte daraus den Grund für ihren nur halb angezogen wirkende Erscheinung. Das könnte auch erklären warum sie ihm auch nur halb angezogen vorkam. Nicht das ihn das stören würde…

“Na ja, es ist 22.15 Uhr fünfzehn. Was hast du gedacht?“ fragte Mac unsicher.
Die Art und Weise wie Harm fragend drein sah, verriet ihr, dass seine Verspätung vielleicht doch nicht so ganz mutwillig war. Oder war sie es doch und er wollte nur sehen wie sie reagieren würde?
Was führte er im Schilde? Und überhaupt, war dieses etwas wert darüber zu diskutieren?

Aber bevor sie die Chance bekam, den Matrosen vor ihr in die Mangel zu nehmen, machte er sich selbst daran die Bombe zu entschärfen.

“Ich hatte nicht vor, dass es so spät wird. Eigentlich wollte ich nur noch was besorgen und bin dann irgendwie in Verzug geraten. Es tut mir leid.“
“Du hättest anrufen können,“ erwiderte sie schon nicht mehr ganz so aufgebracht.
Er würde einfach nur weiter reden müssen. Vielleicht wurde sie ja dann von seinem Fehler abgelenkt? Aber nein, Marines waren nicht so leicht auszutricksen. Besser war es ihr ein Kompliment zu machen. Ja, das war eine gute Idee.

„Du warst beim Frisör, nicht wahr? Steht dir sehr gut, “ schmeichelte er.
“Vergiss es! Lenk nicht vom Thema ab!“
“Du warst gerade dabei dich für deine Dummheit zu entschuldigen, “ half sie ihrem Partner auf die Sprünge. Mac war längst dahinter gekommen, dass es weit mehr Spaß machte ihn auf die Folter zu spannen, als einfach nur mit einem bösen Blick zu strafen.
„Ich weiß, ich hätte anrufen können…es tut mir wirklich leid.“
Schuldbewusst sah er auf den Boden und spielte mit seinem Academyring. (Ich hab schon so oft gelesen das jemand den Ring als „Navyring“ beschreibt also hab ich das so übernommen. Aber bei genauerem Nachdenken mein ich auch das es der Ring aus der Akademie ist)

“Ich kann verstehen, wenn du um die Uhrzeit keine Lust mehr hast…aber ich dachte, da es Wochenende ist, wäre das kein Problem wenn es später wird.“ Geschlagen gegeben, schlurfte er zur Türe und todsicher, dass sie ihm nie wieder eine Chance gebe würde um diesen Fauxpas gut zu machen, drehte er sich verwundert um als er ihre Hand spürte, die ihn zurückhielt.
“Wo willst du hin? Glaub ja nicht, dass ich dich so leicht davon kommen lasse.“
Mit dem Rücken zu ihr, konnte Harm sich ein schnelles Grinsen nicht verkneifen, als seine Augen das Wort „YES!“ herausschrieen. Innerhalb von einem Sekundenbruchteil, hatte der Pilot sein Pokerface wieder an Ort und Stelle und drehte sich ruckartig zu ihr um.
“Okay, ich bringe dir eine Woche lang Kaffee und mache deinen Papierkram, aber ich werde NICHT deinen Schreibtisch aufräumen!“

Mac starrte ihn mit einem Blick an, den nur ein Arzt in einem Irrenhaus an den Tag legen konnte, kurz bevor er sagte: „Steckt ihn zurück in den Raum mit den Polstern!“ und verschränkte die Arme vor dem Oberkörper.
“Willst du mich etwa veräppeln?“

So ernst, wie der Papst bei der Beichte, schüttelte Harm den Kopf. Mac trat ganz nah an ihn heran, was ihm ermöglichte eine Nase voll ihres Parfums zu erhaschen, und stupste ihn gespielt vorwurfsvoll auf die pulloverbekleidete Brust.
“Ich an deiner Stelle, würde mich den Rest des Abends benehmen. Haben wir uns verstanden, Freundchen?“
“Hey…Du hast mich ja noch nie Freundchen genannt!“ schmachtete er ihr entgegen, was sie veranlasste noch näher zu kommen, was zur Folge hatte, dass sich ihr Finger nun schmerzhaft in seinen Oberkörper bohrte.
“Wie war das?“
“Ich meine: Ja Ma’am. Alles verstanden,“ antwortete er und stand stramm.
“Schon besser,“ erwiderte sie mit einem gewinnenden Lächeln, das klarstellte wer von beiden der Sieger war.
“Also, gehen wir jetzt, oder was?“ wollte sie nach einem Moment wissen und nun war sie es die am Arm zurückgehalten wurde.
“Du musst dich umziehen.“

Verblüfft sah sie an sich herunter. Okay, ein Teil ihres Outfits war ihrem Wutanfall von zuvor zum Opfer gefallen. Aber ansonsten fand sie ihr Outfit noch passend genug für ein Essen.
“In welches Restaurant gehen wir denn?“
“Hm? Was für ein Restaurant?“ fragte Harm verwirrt, als er eine erneute Musterung seiner Partnerin abgeschlossen hatte. “Wer hat was von einem Restaurant gesagt?“
“Aber…aber ich dachte wir gehen essen. Ich dachte das wäre…ein…Date?“ beschämt sah sie zu Boden und fragte sich erneut, ob sie ihn nicht ganz falsch verstanden hatte…
Harm bemerkte den Stimmungsumschwung sofort und reagierte prompt. “Das ist es auch…ein Date, meine ich. Nur, gehen wir nicht essen.“

Nun peilten ihre Augen seine Pupillen blitzschnell an und ihre Brauen küssten den Haaransatz. “Willst du mir sagen dass kein Essen involviert ist?“ Kuriose kleine Sorgenfältchen bildeten sich auf ihrer Stirn und Harm musste über seine immer hungrige Partnerin leicht lachen.

“Keine Sorge, du bekommst was zu Beißen. Nur gehen wir einfach nicht essen.“
Nicht Essen gehen? Das war für Mac schwer zu glauben. Egal welcher Mann, sie hatte beim ersten Date noch nie etwas anderes gemacht, als Essen zu gehen. Einerseits schmeichelte es ihr, dass sich Harm offensichtlich extra für sie etwas ausgedacht hatte, andererseits wüsste sie gerne was. So wie sie ihren oftmaligen Gegner vor Gericht kannte, war ihm alles zuzutrauen.
“Was machen wir dann?“
“Wenn ich es dir sage wäre es keine Überraschung.“
“Ach nun ist es kein Date, mehr sondern eine Überraschung,“ stellte Mac sichtlich verwirrt fest.
“Es ist Beides.“

Die Tatsache, dass sie sich wahrhaftig schon fast in der ersten Verabredung mit Harm befand sickerte langsam in ihren Verstand und machte selbst den Marine in ihr nervös.
Es war also wirklich ein Date!
“Was soll ich anziehen?“

Mac war nun wirklich gespannt, was er geplant hatte. Und je länger sie beide hier herumstanden und nichts taten, desto länger dauerte es, bis die Überraschung gelüftet wurde. Außerdem erhoffte sie sich von seiner gewünschten Kleiderwahl erraten zu können, wo es hin ging. Harm hingegen schien es nicht in den Sinn zu kommen ihr einen kleinen Tipp zu gönnen. So zuckte er nur mit den Schultern, als er antwortete: „Ach, ganz normal. Als würdest du einkaufen gehen.“

“Bist du sicher?“
Sie konnte sich keinen Mann vorstellen, der sie in so einem Kleid sah und sie dann aufforderte sich so zu kleiden, als wolle sie samstags Brötchen kaufen gehen. Aber gut, wenn er es so wollte. Harm wusste bestimmt was er tat.
„Absolut.“
“Na gut. Ich bin gleich wieder da.“
“Bis dann.“ Lächelnd winkte er ihr hinterher als sie im Schafzimmer verschwand.

Um sich die Wartezeit zu verkürzen, ließ sich Harm auf die Couch fallen und blätterte in der Fernsehzeitschrift die vor ihm auf dem Tisch lag. Eigentlich interessierte er sich nicht sonderlich für das aktuelle Programm, was vermutlich größtenteils daran lag, dass er keinen Fernseher besaß. Was übrigens nichts war, worüber man sich schämen musste. Er hielt sich mit anderen Mitteln auf dem Laufenden.

Er las Zeitung, hörte die Nachrichten im Radio, als Militäranwalt erfuhr man sowieso zwangsläufig immer was in der Welt vor sich ging und natürlich gab es da noch, den Klatsch und Tratsch. Also wirklich kein Grund sich einen TV anzuschaffen. Trotzdem war es besser sich mit dem Programm zu beschäftigen, als einem alten Hund beim Schlafen zuzusehen. Als er aber bei der Sparte für Donnerstag angelangt war und die Serie „Seinfeld“ mit einem Stift markiert sah, legte er das Heft kopfschüttelnd wieder an seinen Platz zurück.

Gerade als er sich mit dem TV-Programm nicht mehr beschäftigen konnte, legte ihm Jingo den Kopf auf den linken Oberschenkel und wackelte mit den Ohren. Anscheinend wollte er gekrault werden. Mit den Schultern zuckend beugte sich Harm seinem Schicksal und erfüllte dem Hund seinen Wunsch.
“Ich schätze alte Hunde brauchen auch Liebe, was?“
Jingo gab keine Antwort.
“Ich hoffe es macht dir nichts aus, dass ich dein Frauchen für ein paar Stunden entführe?“ plapperte Harm weiter. Als der Hund begriff um wen sich der bisherige Monolog des Mannes drehte wurde er nun doch hellhörig und wandte den Kopf so, dass er den Besuch seines geliebten Frauchens ansehen konnte. Der Mann hatte die Veränderung bemerkt und hob ergebend die Hände.

“Keine Sorge, ich bringe sie vor dem Frühstück wieder zurück.“
Jingo schien das erst mal zu beruhigen und er ließ Harm wieder an seine Ohren.
“Ich hoffe ihr gefällt meine Überraschung? Weißt du, ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, aber Mac ist nicht nur eine Frau, sondern auch ein Marine. Ein einfaches Essen reicht da nicht aus.“
Halb seufzend, halb schnarchend streckte Jingo nun auch alle Pfoten von sich und es fiel ihm sichtlich schwer die Augen offen zu halten. Aber die Worte des Menschen schienen ihn zu unterhalten.

“Für sie muss es schon was Besonderes sein. Ich meine…Wow. Ich hab ein Date mit Sarah MacKenzie, kannst du das glauben?“
Engagiert schüttelte das Tier den Kopf.
“Ich auch nicht. Aber es ist wahr.“
“Mit wem redest du?“
“Was?“ schreckte Harm auf und fühlte sich plötzlich ertappt, wie er mit einem halb schlafenden Hund redete.

Mac, die in der Türe zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer lehnte, lachte über den erschrockenen Ausdruck ihres Partners.
“Mit wem du redest?“
“Ach, nur mit Jingo.“
“Warum?“ lachte sie immer noch.
“Na ja, er lebt mit dir zusammen. Und er ist das einzige männliche Wesen das in deinem Bett schlafen darf und den ich dafür nicht hasse…Ich wollte mir nur ein paar Tipps geben lassen.“

Um die lockere und entspannte Atmosphäre nicht unnötig zu belasten, ließ sie seine Bemerkung über seine Abneigung für schlafende Männer in ihrem Bett unter den Tisch fallen und beschloss dagegen weiter zu scherzen.
“Ich hoffe, er hat dir nicht erzählt das ich Hundekekse mag.“ In ihren Augen funkelte der Schalk.
“Nein, um genau zu sein hat er nichts gesagt. Aber weißt du, allein seine stille Unterstützung hilft mir schon sehr,“ gab Harm ehrlich dankbar zu.
“Brauchst du denn Unterstützung?“
“Hey, ich gehe mit einem Marine aus. Ich kann jede Hilfe gebrauchen.“
“Du Spinner.“
“Nur für dich.“
“Danke.“

Blitzschnell war Harm an ihrer Seite, um ihr wie ein Kavalier die Jacke hinzuhalten und die körperliche Nähe zu ihm trieb Mac, ihre über das Scherzen vergessene Nervosität zurück in alle Glieder.
„Sollen wir?“ wollte Mac wissen als Beide startklar an der Tür standen aber sich keiner traute sie zu öffnen.
“Ja. Lass uns gehen.“

In sich hinein lächelnd, öffnete sie die Tür und bedeutete ihm vorauszugehen. Bevor sie die Türe wieder schloss drehte sich Mac noch mal zu Jingo und flüsterte:
“Du brauchst nicht auf mich zu warten.“

Ungefähr zehn Minuten später lenkte Harm seinen Wagen durch die, zu dieser Uhrzeit nicht mehr so stark befahrenen Straßen Washingtons und konzentrierte sich ganz auf den Verkehr. Mac hingegen hatte es aufgegeben Fragen über ihren Zielort zu stellen. Einerseits rückte die Navy sowieso kein Wort darüber heraus und auf der anderen Seite, wollte sie sich selbst den Spaß nicht verderben. Außerdem wollte er sie ja überraschen, das musste sie akzeptieren.

Als sie wenig später an einer roten Ampel hielten, nutzte sie die Zeit um einen Blick auf den Mann neben ihr zu erhaschen. Er schien das zu bemerken und schenkte ihr ein Lächeln, bevor er den Wagen bei grün wieder in Bewegung setzte. Mac konnte ihren Blick nicht von dem feinen roten Strich auf seiner Wange lösen.

Es war gut verheilt, bemerkte sie.
Mac konnte sich ein trauriges Lächeln nicht verkneifen, als sie an die Begebenheiten dachte, bei der sich ihr Kollege diesen mehr als leichten Kratzer eingefangen hatte.

Ironischerweise war dies am Valentinstag geschehen, so jedenfalls hatte Harriet es berichtet. Denn sie war die erste, die nach Harms etwas entglittenen Unterhaltung mit Renee, genug Verstand besaß dem armen Mann mit einem Pflaster zu versorgen. Nur leider war Harm ein Mann der sein Privatleben nicht so einfach Preisgab. Auch Harriet hatte er nur eine notdürftige Erklärung gegeben. Die Schlussfolgerung daraus war, dass auch sie selbst nur minimal Bescheid wusste.

Allerdings brannte sie darauf herauszufinden was wirklich passiert war. Vielleicht konnte man diese Furie ja verklagen? Mac würde sich sogar, selbstlos und uneigennützig wie sie nun mal war, als Anklägerin zur Verfügung stellen. Aber bevor es so weit kommen konnte musste man erst ein Mal Beweise und Aussagen sammeln…

„Harm?“ fragte sie vorsichtig. Immer darauf bedacht unschuldig zu wirken.
“Ja?“
“Ich frage mich, wo her du diese Kratzer in deinem Gesicht hast?“
Mac versuchte ihre Untersuchung beiläufig klingen zu lassen, aber anscheinend kannte er sie doch zu gut.
“Ich denke Harriet hat schon geplaudert.“ stellte er sachlich fest und versuchte krampfhaft an seiner guten Laune fest zu halten.

Gedanken an das letzte Treffen mit seiner Ex, waren das letzte was er jetzt gebrauchen konnte. Aber wie schon so oft setzte die blonde Frau ihren Kopf durch, wenn auch indirekt.
Harm seufzte als er nicht anders konnte, als das letzte Gespräch vor seinem inneren Auge Revue passieren zu lassen…


Flashback…

Leise in sich hinein pfeifend umrundete Harm einen Schreibtisch im großen Bullpen und steuerte sein eigenes Büro an. Ja, es war Valentinstag. Er hatte zwar keine Verabredung, aber das überraschend warme Wetter im sonst so kühlen Februar, ließ seine gute Laune einfach nicht verebben.

Sein Blick wanderte zu Mac die hinter herunter gelassenen Rollos mit Bud sprach. Wegen einem Fall, vermutete er. Ein Seufzer suchte sich seinen Weg aus Harms Kehle. Sicher, ein Date würde den heutigen Tag gut abrunden, auch war er sich sicher dass Mac zusagen würde, falls er fragte.

Aber das Gefühl das es vielleicht nicht der beste Grund war Mac ausgerechnet am Valentinstag einzuladen ließ sich nicht abschütteln. Falls er sie heute ausführte dachte Mac entweder, er sei ein hoffnungsloser Kitschfan, der versuchte die Frau seines Herzens am 14. Februar mit Hilfe seiner unglaublichen Manneskraft zu verführen, oder er wirkte wie jemand der einem plumpen Klischee folgte und dem nichts Besseres einfiel als den Valentinstag für eine Verabredung auszusuchen.

Ein weiterer Grund war, dass Harm erst am Anfang der Woche ein Gespräch zwischen Mac und dem ehemaligen Krokodiljäger ihres Herzens gehört hatte. Natürlich ging es um Mic’s Wunsch nach einem Neuanfang, den Mac ihm allerdings nicht gewähren wollte. Wenn Mac nun just am Tag der Verliebten mit dem von Mic so verachteten Ex-Piloten ausging, würde das die Gemüter nur weiter erhitzen. Und das, konnte im Moment niemand gebrauchen.

Noch über dies und das grübelnd, ließ er sich in seinen Sessel plumpsen und in seinem Kopf formte sich bereits ein Schlachtplan, wie er die Aktenmengen auf seinem Schreibtisch angehen wollte, als plötzlich…eine überaus liebliche Stimme an sein Ohr drang…
“Da ist ja mein hinreißender Seemann!“

Innerhalb von Millisekunden machten seine Gesichtsmuskeln einen unglaublichen Stunt indem es, zuerst so aussah als wollten ihm die Augen mit Mach9 aus den Höhlen springen und gleich danach, konnte er ein einigermaßen glaubhaftes Lächeln aufbringen.
“Renee! Was für eine Überraschung!“
Sie hatte ihm gerade noch gefehlt!

Mit der Anmut eines sterbenden Schwans tänzelte sie in sein Büro und ließ sich mit ihrem Hinterteil auf der Kante seines Schreibtisches nieder. Leider schien sie sich dazu entschlossen zu haben, wahrhaftig auch mit ihm Konversation zu treiben. Was ihn dazu veranlasste ein gezwungenes Lächeln beizubehalten.

“Freust du dich denn nicht mich wieder zu sehen?“
Ja, das war eine gute Frage. Die blonde Jane, die sich vor ihm auf dem Tisch räkelte, und die er seine Freundin nannte, jedenfalls noch, war für fast zwei Monate auf Geschäftsreise gewesen. Jedenfalls hatte sie ihm das erzählt. Dank seinen Beobachtungen im Einkaufszentrum konnte er sich aber gewiss sein, dass die Frau nicht ganz die Wahrheit gesprochen hatte. Also, freute er sich nun oder nicht?

„Ich wusste nicht, dass du heute zurückkommst.“
Renee schien mit seiner Antwort nicht sehr zufrieden zu sein, denn sie zog eine Grimasse und rückte ein Stück zurück.
“Ich wollte dich überraschen.“
“Das, ist dir gelungen…wirklich.“ Brav nickte er mit dem Kopf und bedeutete ihr doch lieber in einem der Besucherstühle Platz zu nehmen. Eine Maßnahme die gleichermaßen ihren Hintern schonte und von seiner Seite aus, den begrüßten Abstand brachte.

“Setz dich doch lieber auf einen Stuhl. Das ist bequemer als dieser harte Schreibtisch.“
Missmutig folgte sie seinem Vorschlag und schlug ihre langen Beine verführerisch übereinander.
“Was führt dich hier her?“ wollte er wissen als ihm, ihr flirtender Blick zu viel wurde.
Sie hingegen sah ihren Noch-Freund an, als ob er nicht ganz klar im Kopf wäre.
“Harm, du bist zwar ein Romantikbanause, aber selbst du müsstest wissen welcher Tag heute ist.“
Er verstand was sie vorhatte, jedoch war ihm klar, dass es ihre Beziehung hier und jetzt beenden wollte. Es ergab keinen Sinn noch ein Mal mit ihr auszugehen.


“Harm, heute ist Valentinstag. Der Tag der Verliebten, “ half sie ihm auf die Sprünge.
Sarkastisch klopft er sich an die Stirn und ließ die Augen kreisen. “Ach, ja! Wie konnte mir das nur entfallen.“

Renee ließ sich von seinem bissigen Ton nicht bekehren, sie kannte ihren Commander gut und wusste dass er ein Muffel in diesen Dingen war. Da musste man ihn einfach ein wenig anstupsen…oder ihm eine Belohnung in Aussicht stellen. Sie beschloss ihn mit einer Belohnung zu ködern und lehnte sich so weit nach Vorne, sodass ihr Freund einen guten Einblick in ihr Dekollete hatte. Fast schon verlegen wandte er sich allerdings ab und blickte starr auf die staubigen Akten vor ihm. Diese Aktion fand sie fast niedlich, aber eben nur fast.
Heute schien er besonders stur zu sein…

Langsam, sehr langsam stand sie auf, lehnte sich an die geschlossene Tür und ließ die Jalousien herunter. Harm, der eine gewisse Ahnung von ihrem Vorhaben hatte, schluckte hart.
Wenn er hier wieder rauskommen wollte, sollte es aber eine gute Ausrede sein.

Danach ging sie noch langsamer auf ihn zu, ihre Hüften lasziv hin und her schwingend. Der Ex-Pilot, der dank den geschlossenen Jalousien nicht mal mehr per Blickkontakt Hilfe rufen konnte, überlegte fieberhaft was er jetzt noch tun konnte. Aber darin hatte er keine Übung, bisher hatte er solche Einladungen zu Schäferstündchen, wie es ihm Renee gerade bot, immer angenommen, nie aber versucht sie abzulehnen. Aber es war schon zu spät. Ehe er sich versah hatte ihn die Blondine samt Sessel gedreht und es sich auf seinem Schoss bequem gemacht.

Die Arme um den Nacken gelegt, bewegte sie ihren Hintern und da sie von ihren Verführungstaktiken sehr überzeugt war, entfuhr ihr ein frustrierter Seufzer, als sie in seiner Schrittgegend kein Anzeichen von Leben spürte.
So hartnäckig hatte er sich ja noch nie verhalten. Vielleicht gab es da ein Problem von dem sie nichts wusste?

„Wie wäre es, wenn wir uns in eine etwas ruhigere Ecke zurückziehen…und ganz ungestört den Valentinstag feiern?“ Verführerisch ließ sie ihre Zunge um sein Ohr kreisen. Renee hatte eigentlich erwartet, jetzt ein lustvolles Stöhnen oder ähnliches von ihm zu hören.

Jedoch, unverhofft kommt oft, und schon merkte sie, wie Harm sich unter ihr ruckartig bewegte. Wenig später lag sie auf ihrem Hosenboden während ihr Seemann, nachdem er überstürzt aufgesprungen war, den Überraschungsmoment genutzt hatte um sich hinter den Schreibtisch zu retten.

“Sag mal spinnst du! Ich versuche dir hier den besten Valentinstag deines Lebens zu geben und du wirfst mich auf den Boden!“ Das Gesicht schmerzverzerrt rieb sie sich die linke Pobacke. Irgendwo hatte sie mal gelesen, dass man nach einem harten Aufprall die schmerzende Stelle reiben oder massieren sollte. So verteilte sich das Blut besser und die Chance auf einen blauen Flecken ging gegen Null.

“Renee, das geht so nicht!“
“Wieso auf ein Mal? Früher warst du nicht so prüde. Das liegt nur daran, dass du mit dieser grauen Marine Maus arbeitest. Ich glaube ihre Langeweile färbt auf dich ab,“ plapperte Renee los und bemerkte so gar nicht das ihr Gegenüber energisch den Kopf schüttelte.
“Das meine ich nicht.“
Zwei verwirrte Augen trafen ihn und ehe die Besitzerin wieder eine Tirade starten konnte begann er zu erklären.

“Ich meine DAS hier…“ Zur Veranschaulichung gestikulierten seine Hände zwischen ihm und Renee hin und her. „…das mit uns Zwei geht nicht.“
“Was soll das heißen?…Willst du etwa?...“ Entsetzt baute sie sich, so gut wie es eben mit einer verletzten Pobacke ging, vor ihm auf.
“Renee…ich mache es kurz. Es ist vorbei,“ sagte er bestimmt. Harm sah keinen Grund ihr Hoffnungen zu machen.

“So, ist das also? Glaubst du etwa dass ich da kein Wörtchen mitzureden habe?“
Drohend zielte ihr Zeigefinger auf seine Brust. Niemand wagte es Renee Peterson eine solche Abfuhr zu geben. Wenn schon, dann war sie es die die Körbe verteilte, und nicht anders herum. Diesem arroganten Kerl würde sie es schon zeigen.
“Du kannst gerne etwas dazu sagen, aber Fakt ist das unsere Beziehung vorbei ist.“

“Für wen hältst du dich eigentlich? Zu einer Beziehung gehören immer noch zwei,“ sagte sie aufgebracht und war fest davon überzeugt, diesem Mann Benehmen beizubringen.
“Das stimmt aber…ich…will das nicht mehr und ich finde du solltest meinen Wunsch respektieren. Ich habe genauso das Recht meine Meinung zu sagen wie du.“
“Du glaubst doch nicht im ernst, dass ich mich hier so von dir abservieren lasse? Kennst du mich etwa so schlecht, Mr. Hormon?“ konterte sie in dem bissigsten Ton den Renee bewerkstelligen konnte.

Genervt über ihre Art und erstaunt darüber, dass er jetzt erst merkte dass sie ihn überhaupt nervte, verdrehte er die Augen. “Bitte, jetzt werde nicht kindisch. Es ist aus, und damit basta! Du kannst sagen was du willst. Ich weiß auch überhaupt nicht, warum du dich so aufregst, ich habe nämlich sowieso das Gefühl das ich nicht ganz dein Typ bin.“
“Und welchem deiner unglaublich scharfen Sinne hast du diese Eingebung zu verdanken?“
Sarkasmus stand ihr gut.

“Sagen wir es so, meine Sehnerven funktionieren noch ganz gut.“
“Was soll das denn heißen?“
Ihre Stimme wurde immer lauter und Harm war sich sicher, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Admiral eine Erklärung für das ganze Gezeter verlangen würde. Also war es wohl das Beste die Sache so schnell wie möglich zu beenden.
“Wo warst du am 21. Dezember?“
“Ich bin keiner deiner Mandanten!“
“Tu mir doch den Gefallen und mach nur ein Mal was ich möchte…Also?“ sagte Harm
fordernd.

“Na gut, wenn es dein Gewissen beruhigt. Ich war auf Geschäftsreise, in einem Flugzeug, hunderte Meilen über dem Atlantik wenn du es genau wissen willst,“ antwortete sie locker. Die Gleichgültigkeit die Renee an den Tag legte, trieb ihn nur noch mehr in die Wut.
“Tja, das ist komisch, ich dachte nämlich, ich hätte dich in einer sehr intensiven Diskussion mit einer Blondine gesehen. Aber ich muss mich wohl geirrt haben.“
“Oh, das wirst du wohl,“ kam es bissig zurück.

“Junge, da bin ich aber beruhigt,“ täuschte Harm Erleichterung vor. “Und ich dachte schon ich hätte meine nicht-mehr-lange-Freundin bei einer wilden Knutscherei mit einer Blondine erwischt,“ gab er zurück und interessierte sich nicht dafür, dass seine Worte vor Ironie nur so trieften.

Kaum hatte er den letzten Satz fallen gelassen, wurde Renee käsebleich und unnatürlich still.
Ihre Redepause nutzte er, um sich ein wenig zu beruhigen. Harm hatte die Vermutung, dass diese Unterhaltung noch nicht vorbei war und er seine Puste noch brauchen konnte. Selbst wenn er damit das Wachpersonal rufen musste.

Die Idee mit dem Wachpersonal war gar nicht schlecht, denn kaum hatte die Blondine seine Worte verdaut, rauschte sie mit wallendem Haar auf ihn zu und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige.
Dass ihre langen Fingernägel dabei, unschöne rote Striche, von denen einer sogar zu bluten anfing, hinterließen, störte sie wenig. Bestürzt sah er sie mit großen Augen an.

“Die Ohrfeige war absolut unnötig. Ich dachte du wolltest das ausdiskutieren,“ sagte Harm, während er seine Kriegswunden notdürftig mit einem Taschentuch versorgte.
“Für dich vielleicht nicht, aber ich musste mal etwas angestaute negative Energie ablassen! Ich hoffe doch, dass es nicht zu sehr weh tut.“

Als Renee Peterson Harmon Rabb dabei erwischte, wie er sich offensichtlich erfolgreich beruhigte, beschloss sie sich von einer anderen Seite zu zeigen. Er wollte sie loswerden? Aber nicht ohne einen Kampf. Durch ihren Job hatte Renee schon alle Arten von Charakteren kennen gelernt und wusste instinktiv wie man mit ihnen umgehen musste. Mr. Rabb bildete da keine Ausnahme und sie sah keinen Grund, warum sie ihm nicht die Hölle heiß machen sollte.

„Soll ich dir erklären was du gesehen hast?“ fragte Renee unnatürlich ruhig und die Drohung die in ihrer Stimme mit vibrierte, ließ ihm einen Schauer über den Rücken laufen. Als er nichts erwiderte schlug der Racheengel, auch bekannt als Renee Peterson, zu.
“Es stimmt, ich war nicht nur auf Geschäftsreise. Ich habe ein heißes, leidenschaftliches Wochenende mit meiner neuen Liebhaberin, Rosemarie, verbracht.“

Im Büro war es mittlerweile Mucksmäuschen still geworden. Das Einzige was zu hören war, war das bei dem Einen unruhige und bei der Anderen gleichmäßige Atmen, der zwei ehemaligen Liebhaber.
Eiskalt berechnend, was ihm am meisten beschämen und verletzten würde, fuhr Renee fort:
“Wir waren zusammen im Kino und dann Eis essen. Danach haben wir es uns bei ihr im Bett gemütlich gemacht und miteinander geschlafen.“

Überrascht über die plötzliche, bei Renee doch ungewohnten, offenherzigen Ausdrucksweise konnte er nicht anders als an ihren Lippen zu hängen.
“Sie hat mich überall da angefasst wo es dir zu wild wurde…“
“Ich habe nie gehört dass du dich beschwert hast,“ versuchte Harm verzweifelt seine Ehre zu verteidigen. Leider aber ohne Erfolg, denn Renee schien ihm die schonungslose Wahrheit unter die Nase reiben zu wollen.
“Zuerst hat sie mich gestreichelt…, “ nun vollends angestachelt beobachtete Renee jede seiner Bewegungen, sie wollte ihn leiden sehen. „…dann hat sie meine Beine gespreizt und ihre Zunge…“

Ein lauter Schlag auf den Schreibtisch ließ sie verstummen. Hoch erfreut musterte sie Harm wie er beschämt zu Boden sah und zwanghaft versuchte, seine Atmung unter Kontrolle zu kriegen.

“Das…ist genug,“ presste Harm schließlich hervor, als er seiner Stimme wieder traute.
“Meinst du? Ich könnte nämlich stundenlang so weiter machen.“
“Warum tust du das?“ verlangte er zu wissen und das Flehen in seinen Augen, hätte fast dafür gesorgt, dass Renee vor Freude hüpfte.
“Warum? Weil ich es dir heimzahlen will. Alles. Seit wir zusammen sind behandelst du mich wie das fünfte Rad am Wagen. Aber das lasse ich mir nicht länger gefallen. Wenn du zu ignorant bist um zu merken was ich brauche, dann muss ich es mir eben wo anders holen. Weißt du, nur weil ich blond bin, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht bemerke was für ein Spielchen du spielst. Von nun an lasse ich mich von niemandem mehr ausnutzen und verletzen. Ich weiß dass bei einer Trennung immer jemand leidet, aber ich schwöre dir, ich werde es nicht sein. Nie mehr! Ab heute, sage ich wo es lang geht. Ab heute bin ich Diejenige die abrechnet und bei dir fange ich gleich an.“

Glücklicherweise sprach sie jetzt nicht mehr laut und hysterisch, sondern leise und drohend. Das war das einzig Gute das Harm der Situation abringen konnte. Es störte ihn nicht nur, dass Renee so schamlos auf ihm herumtrampelte, viel frustrierender war es, das er nicht fähig war sich verbal zu wehren.

“Du bist arrogant, verlogen, hinterlistig, egoistisch und so sehr von dir selbst eingenommen, dass du gar nicht siehst, wie verblendet du bist. Tag und Nacht lebst du für deine Navy und ihre pseudo-ehrenhafte Motive. Aber soll ich dir was sagen? Das interessiert niemanden! Mit deiner Einstellung bist du ein Relikt. Du bist genauso ein Typ, der vor einer roten Ampel wartet auch wenn alles frei ist. So läuft es aber nicht mehr. Die Welt hat sich verändert. Heute muss man die Ellenbogen ausfahren und ich habe es satt, dass du mich mit deinem Helfersyndrom immer weiter nach unten ziehst! Mir ist vollkommen egal wie du leben willst, aber ich werde mich deinem Himmelfahrtskommando nicht anschließen. Von mir aus spiel doch mit dieser Mac weiterhin Batman und Robin. Aber wenn du dann am Boden liegst denk an mich.“ So plötzlich wie sie aufgetaucht war, verschwand sie auch wieder.

Sich völlig ausgelaugt fühlend öffnete Harm ein Fenster. Er hatte das seltsame Verlangen nach frischer Luft.

Ende Flashback…


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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zuletzt bearbeitet 07.05.2007 | Top

RE: Friend or Foe/Mr. Brumby goes to Hollywood von Butze

#4 von Petra , 07.05.2007 21:25

Ein leichtes Schaudern durchfuhr seinen Körper, als er erneut über Renees letzte Worte nachdachte.

Harm hatte lange und ausführlich über ihre Argumente gegrübelt. Hatte sich gefragt ob seine Werte und Prinzipien wirklich nicht mehr in diese Welt passten. Ob er damit tatsächlich so falsch lag. Allerdings, was war man schon ohne Wertvorstellungen?

Jeder Mensch musste doch etwas haben an das er glauben konnte, Etwas was einem half den richtigen Weg im Leben zu gehen. Bei ihm waren es eben Dinge wie Ehre, Freundschaft, Treue, Idealismus, Willenskraft, Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit. Vor allem Ehrlichkeit.

Es konnte doch nicht falsch sein, für die persönlichen Prinzipen ein zustehen, solange man sie niemandem aufdrängte. Und die Navy gab ihm die Chance genau das zu tun.

So war er am Ende seiner Grüblereien zu dem Schluss gekommen, dass er und Renee zwei völlig verschiedene Menschen waren. Renee lebte genau wie er für ihren Beruf, allerdings mit dem Unterschied, dass es ihr am wichtigsten war, was am Ende des Monates dabei auf dem Gehaltscheck stand.

Harm hätte von Renee solch einen Ausbruch nie erwartet, aber die Szene in seinem Büro ließ sich nicht verleugnen. Irgendwann zwischen Antritt ihrer „Dienstreise“ und ihrem Besuch am Valentinstag hatte sie ich verändert. Er wusste zwar nicht genau wie und warum, hatte es aber spüren können. Renee Peterson war noch nie eine Frau gewesen die seine Motivationen besonders gut verstand, was auch der Grund für die häufigen Missverständnisse während des Drehs für den Werbefilm erklärte, jedoch hatte Sie sie immer toleriert. Doch jetzt schien sie so kalt und schneidend wie noch nie. Ihre Ansprach in seinem Büro hatte klar gestellt dass sich ihre Prinzipien verlagert hatten und nun nicht mehr mit seinen vereinbar waren.

Mit der Erkenntnis dass es wirklich besser war wenn sie beide getrennte Wege gehen würden, kam der finale Schlussstrich, den er endlich unter die gemeinsame Beziehung setzten konnte. Er würde die guten Momente genauso wie die Schlechten in Erinnerung behalten. So konnte er dass Bestmögliche mitnehmen und die gewonnene Energie in etwas Neues investieren.

Ein Blick zu seiner Beifahrerin verriet ihm, dass sie sich scheinbar mit seinem Schweigen abgefunden hatte. Harm allerdings nicht. Wenn da etwas zwischen ihr und ihm entstehen konnte, so wollte er es auf keinen Fall verhindern. Und Ehrlichkeit war der erste Schritt, ihr zu zeigen dass er ihr vertraute, nicht nur mit seinem Leben sondern auch mit seinen Gefühlen.

„Renee hat mir ganz schön den Kopf gewaschen,“ begann er schließlich mit einem tiefen Atemzug. Mit den Augen blieb er auf der Fahrbahn um ihren verwunderten und forschenden Blicken zu entgehen.

“Zu Recht oder zu Unrecht?“ fragte Mac, überrascht über seine Offenheit. Sie drehte sich im Sitz um, damit sie seine Körpersprache besser lesen konnte und verschwendete dabei keinen Gedanken daran ihr Vorhaben unauffällig wirken zu lassen. Durch seine angebotene Ehrlichkeit sah Mac keinen Grund darin ihre Blicke zu maskieren.

Harm machte ein nachdenkliches Gesicht als er antwortete.
“Beides, denke ich…“
“Sie war recht direkt mit ihren Beschuldigungen…,“ fuhr er mit ruhiger Stimme fort. Was Mac verriet, dass er ziemlich sicher mit dem war was er ihr heute sagen wollte.
„Inwiefern?“

Harm wusste das dies eine forschende Frage war, nur gestellt um sehen zu können in wie weit er sich öffnen würde. Er war sich noch nicht sicher ob er alle seine Gedanken Preis geben würde, aber ihr zeigen dass er zur Offenheit gewillt war, wollte er alle Mal.

“Im Groben wollte sie wohl sagen, dass ich zu ehrlich für diese Welt bin.“
Da Mac von der blonden Frau weit größere Kaliber erwartet hatte, blieb ihr nichts anderes übrig, als ihrer Verwunderung mit einem überraschten Blick Ausdruck zu verleihen.
“Es gibt Schlimmeres als ehrlich zu sein.“
“Denkst du dass ich zu ehrlich bin?“ wollte Harm wissen und schien dabei ihre vorigen Worte gar nicht bemerkt zu haben.

„Was?“ fragte sie verwundert.
“Naja, Reneé sagte dass es altmodisch und weltfremd wäre für seine Ideale einzustehen. “ Er ließ den Blick einen Moment von der Straße, um einer ziemlich verwirrten Mac in die Augen zu sehen. Diese bemerkte den Blick sofort und es kam ihr fast so vor, als würde Harm die Wahrheit aus ihren Augen saugen.
„Mache ich mir was vor wenn ich zum Beispiel…bei einer roten Ampel stehen bleibe, auch wenn die Straßen völlig frei sind?“

“Harm, Reneé lebt in einer ganz anderen Welt als du.“
„Aber sie könnte trotzdem Recht haben.“
“Hat sie aber nicht.“ Widersprach Mac, so mit Selbstzweifel hatte sie ihn noch nie erlebt.
„Woher willst du das wissen?“

Mac seufzte laut auf, während sie in ihren Gedanken eine passende Antwort formte, die ihren Kollegen, Partner und Freund beruhigen würde. Er schien es diesmal wirklich wissen zu wollen.
“Sie hat nicht Recht, jedenfalls nicht aus meiner Sicht…“
“Und was ist deine Sicht?“ unterbrach Harm sie, begierig darauf sich von ihr seine sämtlichen Zweifel verjagen zu lassen.

“Würdest du mich bitte ausreden lassen?“
“Ja, natürlich Mac. Entschuldige.“ murmelte Harm geschlagen lächelnd.
“Ich kenne dich jetzt schon so lange und egal was du angestellt hast, die Idee dass du altmodisch oder weltfremd bist ist mir noch nie gekommen… „ Jetzt war sie es die verschmitzt zu ihm hinüber lächelte „…obwohl, die Musik die du manchmal hörst könnte einen Menschen schon annehmen lassen dass du ein paar Jährchen hinterher hinkst.“ Versuchte sie das Gespräche aufzulockern, wurde aber von einem ernsten Blick seitens Harm daran erinnert, dass er anscheinend im Moment keine Scherze gebrauchen konnte.

“Sie hat Recht! Du BIST ehrlich, hingebungsvoll, du hältst an deinen Idealen fest und bist auch bereit für sie ein zustehen. Das macht deinen Charakter aus und unterscheidet dich von Menschen wie Reneé. Was dich auf eine gewisse Art…attraktiv macht.“
“Auf eine gewisse Art?“ fragend hob Harm die Brauen. Mac nickte nur Schulter zuckend.
„Also wenn du das so sagst, klingt es als wäre ich ein Außerirdischer.“ Warf er ihr entrüstet vor.
“Ich weis eben nicht wie ich es sonst ausdrücken soll. Du bist nicht unbedingt der unkomplizierteste Mensch.“
“Du redest von mir wie von einem ungezogenen Kind das seiner Kindergärtnerin Probleme macht.“

“Mrs. Rabb…,“ sagte Harm in einer piepsigen Stimme um offenbar eine Erzieherin nachzuahmen,…ihr Sohn ist sooo schwierig. Er hört nie und will auch nicht im Häkelkurs mitwirken. Die Kommunikation mit ihm ist sehr kompliziert aber wenn er möchte kann Harmi ein richtiger Charmeur sein.“ Mit einem nicht sehr professionellen Augenblinzeln beendete Harm seine Tirade auf überbezahlte möchtegern Pädagogen und warf der sich im Beifahrersitz vor Lachen kullernden Mac einen provozierenden Blick zu. Offenbar wollte er eine Äußerung von ihr heraufbeschwören, doch diese war viel zu sehr mit Lachen beschäftigt als dass Sie seinen subtilen Hinweis erkannt hätte.

“Harmi?!“ brachte Mac schließlich mit tränenden Augen heraus.
“Was ist daran so witzig? Ich war eben ein niedliches Kind.“ Obwohl er mit dieser Aussage eigentlich seine Beifahrerin beruhigen wollte, hatte er gerade das Gegenteil bewirkt. Ihre Unterlippe zitterte verräterisch und gleich darauf vergrub sie ihr Gesicht in den Händen. Die Schultern zuckten immer wieder auf und ab, man hätte meinen können dass sie weinte, wären da nicht diese nach Lachen klingenden Laute.

„Also, das war ja auch nur ein Beispiel. Meine Kindergärtnerin hat mich nie Harmi genannt. Ich war auch gar nicht in einem Kindergarten.“
“Und auch nicht in der Vorschule.“ Ergänzte Harm vorsorglich um zu verhindern dass Mac auf die falschen Gedanken kam. Der Marine allerdings, schien ihn nicht ernst zu nehmen.

“Natürlich warst du nie im Kindergarten. Du bist aus dem Bauch deiner Mutter gleich in die Highschool geflutscht.“ Stellte sie mit einem Blick fest der genau zeigte wie gut bestimmte Marines mit Ironie spielen konnten.
“Ich hätte von dir auch nichts anderes erwartet…Harmi-Maus.“
Als hätten ihre Worte sein Ego nicht schon genug geschrumpft, setzte sie dem Ganzen noch die Krone auf indem sich Mac zu ihm lehnte und genüsslich in seine rechte Backe kniff.

Harm seinerseits reagierte mit einem empörten „Hey!“ und hielt sofort die Hand schützend vor sein Gesicht.
Harm grummelte vor sich hin und beschleunigte. Schon bald kam dir richtige Ausfahrt und nach wenigen Kilometern auf einer Landstraße bog er in ein Neubaugebiet ein und hielt auf einem Kies bedeckten Parkplatz.

“So Marine, wir sind da. Willkommen zu unserem ersten Date.“
Augenblicklich wich alle Schadenfreude aus ihrem Gesicht und wurde durch Gespanntheit und leichte Unsicherheit ersetzt. Nur war es Harms Rolle vorwitzig zu grinsen.

Neugierig hüpfte Mac aus ihrem Sitz und ignorierte Harms verstohlenes Lachen, als dieser ihre Anstalten beobachtete. Während sie ihre Umgebung musterte, bemerkte Mac nur am Rande wie ihr Begleiter im Kofferraum raschelte. Sie befanden sich in Mitten einer sehr neu wirkenden Häusersiedlung, von denen viele der weißen Domizile noch ein „For Sale“ – Schild im Rollrasen vor dem Eingang hatten.

“Ich kann verstehen warum hier Niemand wohnen will. Diese Häuser sehen aus wie Hasenställe.“ murmelte Mac zu niemandem Bestimmten und bemühte sich stattdessen weiter ein Anzeichen von Unterhaltungsmöglichkeiten, die für ein Date nutzbar waren zu entdecken.
„Hast du was gesagt?“ wollte Harm zwischenzeitlich wissen, da er mit dem Oberkörper im Kofferraum seines Autos versunken war und somit ihr letztes Statement akustisch nicht verstehen konnte.

“Nein, nichts Wichtiges.“ antwortete sie und runzelte die Brauen, als ihre Verabredung einen riesigen Rucksack zu Tage förderte, nur um danach schon wieder in den ewigen Weiten seines SUV’s zu versinken.
“Harm, was wollen wir hier?“
“Wirst du gleich sehen…ich muss nur dieses Ding hier rauskriegen….“ antwortete er und zog fest an einer Schlaufe.

Mac wollte nicht so lange auf eine Antwort warten und sah sich erneut um. Diesesmal bemerkte sich hinter sich einen großen, länglichen Betonklotz welcher zur Hälfte rosa gestrichen war. In der Front befand sich ein großer mit Rollos versehener Eingang. Ein Zaun grenzte dahinter ein weiträumiges, begrastes Gebiet ein.
Auf dem Dach thronte eine Leuchtreklame und hüllte sich in nichts sagende Dunkelheit.

Derselbe Schriftzug, der auf dem Dach des Hauses angebracht war, befand sich auch auf einem Schild, neben dem Eingang. Ungläubigkeit stand ihr im Gesicht und die Augenbrauen schossen fragend in die Höhe, als sie sich zu Harm umdrehte.
“Golf?“ wollte Mac wissen.

Ihr Rendezvous musste ihr allerdings nicht antworten, die große Golftasche aus denen Schläger herausguckten, war Bestätigung genug für ihre Vermutungen.

Gewinnend lächelte ihr großer Begleiter und stütze sich auf die Golftasche.
„Golf? Du willst Golf spielen? An unserem ersten Date?“ stotterte Mac nichtsgläubig.

Selbstsicher schwang sich Harm die Tasche mit den Schlägern über die Schulter und machte einen Schritt auf sie zu, den anderen schwarzen Rucksack dabei mit der linken Hand vor ihren Füßen abstellend. In einer verneinenden Geste streckte er den Zeigefinger aus und ließ diesen hin und her schwingen.

Obwohl seine Fassade die eines von sich überzeugten Mannes war, freute er sich innerlich wie ein Schneekönig. Er, Harmon Rabb jr. hatte es tatsächlich geschafft den wohl gewieftesten und den am gerissensten weiblichen Marine im ganzen Land zu überraschen.

“Nicht einfach nur Golf, Marine. Wir werden NACHTGOLFEN.“ Antwortete er enthusiastisch.
“Nachtgolfen?!“ ungewollt und nicht sehr Marine-haft, stieg ihre Stimme ob der Verwunderung mehrere Oktaven in die Höhe.

Da wartete sie Jahre lang drauf, dass dieser Mann den Kopf aus dem Sand holte und alles was sie bekam war eine Partie Golf!

Sich nicht von seiner Selbstsicherheit beeindrucken lassend, hob sie die Brauen in einer ihr typischen Art und visierte den Vertreter des anderen Geschlechts vor ihr mit einem starren Marineblick an.

“Sag bitte dass, das nicht dein Ernst ist. Sag bitte dass hier gleich ein italienischer Geigenspieler mit einer Rose und Kerzen um die Ecke kommt.“
Jetzt nicht mehr ganz so Sicher von seinem Plan setzte Harm die Golftasche wieder ab und hielt sich mit beiden Händen daran fest.
“Ich dachte so was ist dir zu Kitschig…ich wollte dich überraschen.“ Murmelte er enttäuscht darüber ihr offensichtlich keine Freude mit seiner Idee bereitet zu haben.

Mac ließ einen kleinen Lacher hören und drehte sich ein Mal um die eigene Achse.
“Das ist dir gelungen!“ zweifelnd musterte sie die offensichtliche Golfanlage vor ihr.
“Ich…wenn du jetzt keine Lust mehr hast, dann kann ich dich auch einfach wieder nach Hause fahren. Wenn dir das lieber ist.“ Bot Harm an, allerdings nicht sehr überzeugen.

Auch Mac wollte den Abend nicht so enden lassen. Obwohl sie nicht wirklich begeistert von seiner Idee war wollte sie wenigstens abwarten was sich noch ergeben würde. Es kam ihr einfach unfair vor, seine Bemühungen etwas Besonders für ihre erste Verabredung zu finden mit Abwesenheit und Unlust zu würdigen.

„Nein, nein! Wo ich schon mal hier bin will ich auch sehen was du geplant hast.“
“Das heißt du spielst mit? Golf, meine ich?“ hakte Harm zur Sicherheit nichts falsch verstanden zu haben nach.
“Ich dachte es heißt Nachtgolf?“ feixte sie.
“Sag ich doch! Jetzt komm, in ein paar Stunden ist die Nacht rum und dann wäre es Morgengolfen.“
“Würde das denn einen großen Unterschied machen?“ wollte Mac wissen als sie, den schwarzen Rucksack geschultert, neben Harm her lief.
“Natürlich! Nachtgolfen ist nicht dass Selbe wie Morgengolfen!“ korrigierte er Macs offenbar falsche Auffassung vom Golfen.

“Wo liegt der Unterschied?“ Skepsis schwang in ihrer Stimme mit.
“Der größte Unterschied liegt wohl darin dass wir Morgens gesehen werden würden, wie wir uns in einer offensichtlich noch nicht geöffneten Golfanlage vergnügen. Das würde an sich schon den Reiz der Sache nehmen.“ Erklärte er verständnisvoll.
Mac jedoch blieb stutzend ein paar Schritte hinter ihm stehen.
“Soll das etwa heißen wir brechen hier ein?!“
Harm drehte sich nach ihr um, um zu antworten.
„Ich würde nicht einbrechen sagen…diese Anlage hier ist noch nicht ganz fertig. Nehmen wir einfach an wir testen sie.“ Bot er frech grinsend an.

Nachdem er diese Worte gesprochen hatte ging er ein paar Schritte weiter bis Harm vor einem Zaun stand, der bei näherem Hinsehen das Golfgelände abgrenzte. Der Commander ignorierte den unglaubwürdigen Blick seiner Partnerin und brachte sich stattdessen in Position. Mit den Händen und Füßen in den Maschen des Zaunes gestützt war er bereit diesen zu erklimmen.

„Ich klettere rüber und du wirfst mit die Schläger und den Rucksack zu.“
Nur ihre aufgebrachte Stimme hielt ihn zurück.
“Harm! Du kannst doch nicht einfach da einbrechen!“ rief sie und umklammerte sein linkes Bein um ihn von seinem Plan abzubringen.

In einem letzten Versuch Mac von seinen guten Motiven zu überzeugen ließ er von der Besteigung des Zaunes ab. Harm hatte sich auf ihre Einwände vorbereitet, jedoch nicht erwartet dass sie seine Pläne so rigoros ablehnen würde. Immerhin war sie ein Marine!
Über einen Zaun zu klettern müsste eigentlich zu ihren größten Vergnügungen gehören.

“Mac, das ist vollkommen sicher. Ich hab mich über alles schlau gemacht…“ Harm pausierte kurz um mit seinen Händen auf die Anlage zu zeigen, „…diese Anlage ist noch nicht fertig. Kein Überwachungsservice und die Kameras im Eingangsbereich sind noch nicht installiert…“ nochmals ausholend verwies er jetzt auf die vielen leer stehenden Häuser, „…Und diese Häuser da, stehen noch alle leer. Die einzigen lebenden Leute weit und breit, außer uns, sind zwei alte Damen die am Ende der Straße eine Wohnung gemietet haben. Und vor denen können wir im Zweifelsfall flüchten.“
Er sah ihr in die Augen, hoffnungsvoll den normalerweise immer bereiten Marine vor sich auf seine Seite gezogen zu haben.

“Komm schon Mac, das wird Spaß machen. Wie oft warst du schon in einem überkandierten Restaurant essen und wie oft hat dich jemand zum Nachtgolfen entführt?“ sprach er und drehte sich mit ausgebreiteten Armen erneut in Richtung der Neubauten. Er hoffte etwas von seiner Vorfreude auf Mac übertragen zu haben.
“Siehst du, hier ist Niemand…“ verdutzt blickte er umher. Von Mac war keine Spur mehr zu sehen.
“Mac?...Colonel MacKenzie?“ rief Harm, mit der Absicht sein verschwundenes Rendezvous wieder zu finden, in die Nacht.

Aber erst ein leises Pfeifen aus der Golfanlage brachte ihn auf die richtige Fährte.
Er spähte durch die Maschen des Zaunes…und tatsächlich…ihm direkt gegenüber stand Mac, die Hände an die Hüften gestützt und tat so als würde sie schon sehr lange auf etwas warten.
Seine Überzeugungsversuche schienen wohl so gut angeschlagen zu haben, dass sie ihre Ausbildung als Kampfmaschine genutzt hatte um unbemerkt von ihm über den Zaun zu klettern.

“Ich mache dir einen Vorschlag Sailor, du wirfst mir die Schläger und den Rucksack zu…dann spielen wir Golf. Aber nach den offiziellen Regeln für Marines.“ Neckte Mac sein Ego. Harm lächelte, machte einen Schritt nach Vorne und lehnte sich an den Zaun. Mac tat es ihm gleich und ihre beiden Körper waren nur noch durch die Maschen des Zaunes getrennt. Beide hielten ob der aufkommenden Spannung die Luft an.

“Ich wusste gar nicht dass Marines auch an Golfschlägern ausgebildet werden.“ Er räusperte sich da sein Stimme etwas rau klang.
“Spring rüber und ich zeige dir was wir mit Golfschlägern alles tun können.“ Gab sie zurück und war so nahe dass Harm ihren warmen Atem an seiner Haut spüren konnte.
Als Mac sah dass er zögerte, lehnte sie sich leicht lasziv gegen einen nahen Baum.
“Was ist, hast du Schiss?“

Ihr letzter Kommentar schien seine Motoren angeschmissen zu haben. Schnell hintereinander landeten sowohl Schläger als auch der schwarze Rucksack neben ihr und wenig später schwang sich Harm so sportlich wie er bewerkstelligen konnte über den Zaun.


„Das war ziemlich elegant für einen alten Mann.“ Bemerkte Mac nachdem Harm auf seinen Füßen gelandet war.
Als Antwort rümpfte er gehässig die Nase und warf ihr den eben aufgehobenen Rucksack entgegen. Mac fing ihn ohne mit der Wimper zu zucken auf.
“Komm erst mal in mein Alter und dann sehen wir ob du genau so graziös über einen Zaun springen kannst.“ Entgegnete Harm gespielt böse.

„Harm, selbst wenn ich in deinem Alter bin und nicht über Zäune springen kann, wirst du trotzdem älter sein als ich.“ Konterte Mac und behielt die Oberhand in ihrem kleinen Spiel aus Necken und leichtem Flirten.
„Man ist immer so alt wie man sich fühlt.“ Widersprach er und schulterte die Tasche mit den Golfschlägern.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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