Die Trommeln von unten spielen von Butze

#1 von Petra , 07.05.2007 21:19

Titel: Die Trommeln von unten spielen
Autor: wadokai a.k.a butze
Email: wadokai@web.de
Datum: ist nicht mehr so genau ermittelbar. Ich sag mal zwischen 2004 und 2005
Rating: freigegeben ohne Altersbeschränkung.
Kategorie: General/Romance
Paring: Harm/Mac (alles andere fände ich irgendwie ekelig)
Episoden: Alles bis einschließlich Hail and Farewell2
Inhalt: Nach ihrer Operation wartet Mac auf einen Agenten und bekommt ein Geständnis von einem Anwalt.
Bemerkungen: Die Story habe ich geschrieben als ich noch nicht genau wusste wie es in Staffel 10 weitergehen sollte. Ich habe sie so gut wie es geht umgeschrieben. Allerdings müsstet ihr (die Leser), euch für den Segen der FF drei Dinge vorstellen:
1. Mac wurde erst nach der Folge Hail and Farewell operiert
2. Mac und Harm hatten vor kurzem einen Streit über die Motive des Irakkrieges
3. Harm kann über seine Gefühle reden


Die Trommeln von Unten spielen


Ich kann aber ich will nicht.
Ich will aber ich kann nicht.
Ich kann und will aber ich soll nicht.

Langsam trat Mac aus dem Krankenhaus und sah sich hoffnungsvoll um. Sie wusste nicht genau warum sie das tat und hatte jetzt auch nicht den Nerv darüber nachzudenken. Irgendwie hoffte sie dass er doch gekommen war, weil das bedeuten würde dass sie ihm wirklich das bedeutet hatte was er immer versichert hatte.

Auch wenn er keinen Grund hatte zu kommen, trotzdem suchte sie nach einem Mann in einem Anzug. Sie kannte ihn, er trug immer Anzüge. Vor dem Krankenhaus herrschte um diese Zeit reges Treiben von Besuchern, Krankenhelfern, Patienten, Pflegern und anderen Leuten. Mac ließ die Schultern sinken als sie realisierte das er nicht da war und auch nicht kommen würde. Mit einem leisen Seufzer ließ sie sich auf den Treppen zum Eingang sinken und versuchte ihre Gedanken und Gefühle zu analysieren.

Das war genau das was sie am meisten ärgerte und beunruhigte. Das sie nie richtig wusste was mit ihr los war. Sie fühlte sich alleine. Kein Wunder, recht überlegt war sie das auch. Jetzt jedenfalls, sie hatte ihm ja klar gemacht dass es vorbei war. Also, warum hatte sie dann immer noch gedacht er würde heute kommen? Mac wusste nicht ob sie traurig oder enttäuscht war. Wahrscheinlich beides ...und noch viel mehr, überlegte sie und zuckte zusammen als sie jemand an der Schulter berührte.

Schnell drehte sie den Kopf und kniff die Augen zusammen da sie dabei gerade in die hell scheinende Sonne sah. Sie hob die rechte Hand um ihre Augen zu schützen und sackte resignierend zusammen als sie erkannte das nicht die erhoffte Person bei ihr stand. Aber was konnte sie sich denn noch erhoffen, nach all dem was sie gesagt und getan hatte. Die Person die jetzt neben dem Colonel in die Knie ging schien ihre niedergeschlagene Stimmung zu erkennen.

“Hey, darf ich mich zu dir setzten?“ fragte er sanft und setzte sich erst als sie nickte. Mac war sich noch nicht sicher ob sie sich über seine Anwesenheit wundern, freuen oder ärgern sollte. Als wolle er verhindern dass sie weiter darüber nachsinnte sprach er weiter. Sie hätte Fragen über den Arztbesucht oder ihren Gesundheitszustand erwartet, jeder fragte sie so etwas. Nicht das sie das nicht zu schätzen wusste.
Es zeigte das es immer noch Leute gab die sich für sie interessierten. Es nervte sie einfach nur das jeder nur das fragte und sich dann mit einer Antwort zufrieden gab anstatt weiter zu gehen.

“Du siehst nicht so aus als wäre dir Gesellschaft angenehm?“ fragte der große Mann neben ihr und ignorierte die zwei Ärzte die an ihnen vorbeihuschten und ihn dabei mit ihren Schuhe streiften. Er konnte sich jetzt nicht mit solchen belanglosen und völlig unwichtigen Dingen beschäftigen, nicht wenn Mac so traurig und verloren aussah.

“Ich hatte gehofft das jemand anderes kommen würde.“ antwortete sie ehrlich. Unter anderen Umständen hätte sie vielleicht, nicht vielleicht, bestimmt versucht eine ausweichende Erklärung zu finden. Aber die Operation, auch wenn sie nur kurz und lokal gewesen war, hatte sie zu sehr angestrengt als das sie noch die Kraft aufbringen konnte sich Ausreden einfallen zu lassen. Der Mann neben ihr nickte nur ruhig als Antwort. Er schien sie nicht drängen zu wollen, sondern nur zeigen das er zuhörte.

“Ich...möchte jetzt nicht darüber reden.“ sagte sie unnötiger weise. Er hatte so etwas schon geahnt. Schließlich kannten sie sich schon lang genug.
“Brauchst du nicht. Ich wollte sowieso über etwas anderes mit dir sprechen. Vorausgesetzt du möchtest dich unterhalten.“

Unterhalten? Ja, Mac wäre froh sich mit jemandem zu unterhalten. Aber nicht über all das was ihr auf dem Herzen lag. Dazu hatte sie sich darüber einfach noch zu wenige Gedanken gemacht, hatte zu wenig Ordnung darin gebracht. Allerdings wäre es schön wieder ungezwungen mit jemandem über ein anderes Thema zu sprechen.
“Über was willst du dich mit mir unterhalten, Harm?“

Mac hatte keine Ahnung wo er das Buch herhatte, welches er plötzlich hinter seinem Rücken herzauberte, viel mehr interessierte sie der Titel. Er hielt es mit Absicht so dass sie ihn nicht sehen konnte. Sie konnte nur einen Blick auf den Buchrücken werfen. Auf dem dunkelgrünen Einband war in Gold ein verschnörkeltes Zeichen gedruckt wovon sie wusste das sie es kannte. Ihr Kopf war nur so voll gepackt das sie das Zeichen einfach nicht erkannte.
“Allah ist groß.“ half ihr Harm auf die Sprünge und gab ihr das Buch in die Hand. Verwundert musterte Mac ihren Partner.
“Der Koran?“ fragte sie. Wieder nickte er.
“Hast du ihn gelesen?“
“Jepp.“ sagte er und hob seine Zeigefinger als er zitierte. „Es gibt keinen anderen Gott außer Allah, und Mohammed ist ein Prophet, aus der...“
“... Schahada, dem islamischen Glaubensbekenntnis.“ vollendete sie seinen Satz und musste sich eingestehen dass sie durchaus beeindruckt war.

Natürlich hatte sie schon gemerkt das sich Harm Dinge die er las sehr gut merken konnte, aber sie konnte sich immer noch keine Grund denken warum er den Koran lesen sollte. Mac hatte immer gedacht er sei evangelisch.
“Warum hast du ihn gelesen?“ klang sie verwundert.
“Naja, weist du. Wir hatten doch letzte Woche diesen Streit über Glaubenskriege, den Dschihad, den Einsatz unserer Truppen und welche Motive nun richtig oder falsch sind. Ich habe deine Reaktion und deine Argumente nicht verstanden. Es hat mich geärgert dass ich deinen Gedanken nicht folgen konnte. Also hab ich nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, das mir vielleicht das Wissen gefehlt hat um dich zu verstehen.“

“Und jetzt verstehst du mich besser?“
“Ja, “ er lächelte kurz als er ergänzte „Nicht in allem, aber in dieser Sache schon.“
“Und ich verstehe nicht nur deinen Ärger sonder auch die ganze Situation.“
“Was für eine Situation?“ Mac war wirklich froh nicht über ihre Krankheit sprechen zu müssen. Dieses Thema schien nicht weniger kompliziert zu sein, war ihr aber persönlich lieber und außerdem schien es etwas zu sein das Harm beschäftigte.
“Na dieser Krieg zwischen Amerika und Irak oder dem Christentum gegen Islam, um den sich seit dem 11. September alles dreht. Ich nahm an, du als Marine würdest dem Islam negativ gegenüberstehen, habe dabei aber ganz vergessen das deine Großmutter Muslime war…und es tut mir leid dass ich so ignorant war. Wir kennen uns so lange, ich hätte daran denken sollen.“ Gestand er reumütig.

“Ist schon gut. Hast du eigentlich gemerkt dass wir als Team, selbst diese Mischung darstellen? Deine Familie die schon seit hunderten von Jahren hier lebt und ich mit meinem Hintergrund. Die Regierungen könnten sich aber nicht wirklich ein Beispiel an uns nehmen, so wie wir uns manchmal in den Haaren liegen.“ meinte Mac und merkte wie sie sich immer mehr in diesem Gespräch verlor und nicht mehr an ihre Sorgen die sie noch vor ein paar Minuten geplagt hatten dachte. Im Moment interessierte sie nur das was Harm zu sagen hatte. Es war fast wie früher.

“Na, ich weis nicht. Wir streiten uns auch und manchmal hätte ich große Lust dir in den Hintern zu treten, aber wir vertragen uns danach wieder. Manchmal sehen wir sogar unsere Fehler ein.“ Erklärte Harm und lächelte bei dem letzten Satz verschmitzt.
“Es ist schon hilfreich wenn man manchmal über seinen eigenen Schatten springt und auf einander zu geht.“ warf sie ein.
“Weist du, ich glaube es hängt alles von der Kommunikation ab. Alle Missverständnisse und der ganze Ärger wäre uns und auch der Regierung erspart geblieben wenn sie mit einander geredet hätten, anstatt mit geschlossenen Augen durch die Welt zu stapfen und an jedem Hindernis wild um sich zu schlagen.“

Plötzlich fragte sie sich, ob er ihr mit seinem Kommentar über Kommunikation vielleicht einen kleinen Schubs geben wollte. Irgendwo hatte er schon Recht und es fiel ihr einfach seinen Gedankengängen zu folgen. Wenn die Menschen generell mehr miteinander reden würden dann gäbe es viel weniger Probleme und Ärger. Vielleicht auch weniger Kriege? Mac war nicht in der Position diese Frage zu beantworten, aber wie war es mit ihr? Sie machte es ja nicht besser, anstatt über das zu reden was sie beschäftigte und somit falsche Vermutungen schon im Vornherein zu verhindern, schlitterte sie immer wieder um das Problem herum und sorgte so dafür das sie niemand verstand. Dabei wäre es ihr wichtig dass ihre Freunde verstanden warum sie sich so verhielt. Sie wollte diese Menschen nicht verlieren, spürte aber instinktiv dass sie gerade dabei war alle zu vertreiben.

Harms klare Stimme brachte sie aus ihren Gedanken, ohne ihr die Chance zu geben fertig zu grübeln. So fasste sie die Entscheidung um die sie sich schon seit Wochen drückte, innerhalb von Sekunden.
“Harm?“ unterbrach sie ihn vorsichtig.
“Ja?“
Mac atmete tief durch und fixierte ihren Blick auf ihre Hände, die auf ihren Oberschenkel ruhten.
“Ich weis das du gerne mit mir über etwas anderes reden willst.“ Als ahnte sie dass er etwas erwidern wollte hob sie die Hand um ihm zu signalisieren dass er ihr zuhören sollte. Was er auch tat, er unterbrach sie nicht einmal bis sie geendet hatte.

“Ich weis du willst über alles nach Paraguay reden...und ich will es auch. Aber ich bin einfach noch nicht soweit. Ich weis nicht wirklich warum, ich kann dir nur sagen dass ich noch nicht selbst genügend darüber nachgedacht habe. Ich will mir meinen Gefühlen einfach ganz sicher sein bevor wir darüber reden. Verstehst du das?“
Harm schenkte ihr eine abgeflachte aber dennoch liebevolle Version seines Fliegerheldenlächelns und drückte kurz ihre Hand.

“Ich hatte gehofft das jemand anders kommen würde.“ wiederholte sie plötzlich nach ein paar Minuten des Schweigens.
Dass ging aber schnell, dachte sich Harm machte aber keinen Mucks um sie nicht aus der Bahn zu bringen. Es war sicher gut für Mac ihre Probleme Stück für Stück abzubauen und je früher sie damit anfing, desto früher würde sie auch die Antworten auf all die Fragen in ihrem Kopf bekommen.

“In dieser Sache bin ich mir schon lange sicher.“ sagte sie als ob sie Harms Verwunderung gespürt hätte.
“Clay hatte versprochen mich heute hier abzuholen.“

Überraschung zeigte sich in dem Gesicht ihres langjährigen Freundes. Mac wusste das sie damit einen wunden Punkt traf, aber ihre Beziehung mit Clayton war etwas worüber sie schon lange genug gegrübelt hatte und bei der sie Stellung beziehen konnte.

“Besser gesagt, ich habe ihm das Versprechen abgenommen. Vor ein paar Monaten. Er hat von den Rückenschmerzen gewusst und danach gefragt. Ich wusste damals selbst noch nicht was los war und wollte nicht mit ihm darüber reden. Für eine kurze Zeit war es so, als könnte ich damit alles aus meinem Blickfeld blocken.“ stellte sie fest und blickte jetzt verloren in die Leere.

„Bis ich dich zum Arzt geschickt habe.“ Warf Harm ein und war verwundert dass es ihr ein Lächeln entlockte.

„Ja, das hast du. Ich hab ihn angerufen als der Termin für die Operation stand. Wie immer erreichte ich nur seinen AB und ließ ihm ausrichten, er solle mich hier abholen. Ich wollte ihm erzählen was mit mir los ist. Nach allem was passiert ist, dachte ich, ich wäre es ihm schuldig. Aber er ist nicht hier.“ Stellte sie nochmals traurig fest.

“Du hast dich von ihm getrennt. Und ihm eine saftige Ohrfeige verpasst.“ warf Harm mit einem Schulterzucken vorsichtig ein.
Es war ihm nicht recht dass sie so ein Pflichtbewusstsein gegenüber Clayton Webb hatte. Aber sie hatte einen Schlussstrich unter die Beziehung gesetzt und Harm wollte ihr glauben. Dem Agenten zu erklären was ihr fehlte, war ein weiteres Kapitel das sie schließen musste um das vergangene Jahr zu verarbeiten.

“Ja das hab ich. Aber ich dachte es würde ihn trotzdem interessieren was mit mir los ist. Schließlich habe ich ihm ja versprochen dass er es heute erfährt. Auch wenn wir nicht mehr zusammen sind und unsere Trennung nicht einfach für ihn war...ich dachte wirklich ich bedeute ihm soviel das er trotzdem wissen will was ich habe. Ich dachte er liebt mich, oder hat es zumindest...“
“Ich bin mir sicher das er das hat.“ sagte er schnell weil er verhindern wollte das sich ungeliebt vorkam.

“Und warum ist er dann nicht hier? Gut, ich habe ihm gesagt dass ich ihn nicht mehr sehen will...aber er hätte es zumindest versuchen können.“
“Hättest du ihm alles gesagt?“
“Nein! Aber wenn er mich wirklich geliebt hätte, wenn ihm das was wir hatten wirklich etwas bedeutet hätte, dann wäre er gekommen. Doch wie du siehst...“ sie machte eine ausladende Handbewegung und umschreib so den ganzen Platz vor ihnen.
„... es ist ihm egal.“ schloss sie trotzig ab und konnte nicht verhindern das Traurigkeit mitschwang.

Langsam drehte sie ihren Kopf so dass sie Harm ansehen konnte und musste sich zusammen reisen nicht laut zu lachen. Er saß da und sah sie an. Sie wusste dass er etwas sagen wollte, doch er schien nicht zu wissen was. Dabei machte er einen so angestrengten Blick, der sie an Chegwidden erinnerte wenn er mit dem SecNav telefonierte.
“Es ist nicht schlimm wenn du nichts sagst.“ meinte sie schließlich und überraschte ihr Gegenüber mit einem breiten Lächeln. Dieser atmete erleichtert aus.
“Oh...gut. Mir fällt nämlich keine passende Antwort ein. Wenn ich etwas wüsste mit dem ich Webb entlasten könnte...würde ich es vermutlich sagen. Aber eigentlich hast du Recht, er hätte kommen sollen.“

“Was soll’s...es war so wie so aus. Ist bestimmt auch besser so. Außerdem...bist du ja da.“ sie zeigte ihm ein aufmunterndes Lächeln und erstaunte ihren Freund wieder ein mal. Normalerweise hätte er sie aufmuntern sollen und nicht anders herum. Belustigt schmunzelte er zurück, wurde aber schlagartig wieder ernst als sich ihm eine Frage aufdrängte.
“Mac, darf ich dich was dazu fragen?“
Sie konnte sich denken was als Nächstes kam und nichts sprach dagegen seine Frage zu beantworten. Wenn sie ehrlich war, dann wartete er schon lange genug darauf.
„Klar.“
“Warst du eben so wütend weil du Webb liebst oder weil du das Gefühl hast das du ihm egal bist?“ fragte er zögerlich.
“Ich habe ihn nicht geliebt, Harm.“ antwortete sie und sorgte dafür dass ein große Stein, von den Schultern ihres Gegenübers fiel.

“ Aber...“ er kam nicht weiter.
“Aber warum ich mit ihm eine Beziehung geführt habe? Ich denke dafür gab es mehrere Gründe, aber Liebe war keiner. Das weis ich jetzt. Es war wohl so wie Mic es gesagt hat. Ich will nicht alleine sein. Ich denke ich habe viele Beziehungen nicht aus Liebe sondern aus Angst vor dem Alleinsein geführt. Das hat etwas mit meiner Kindheit zu tun, aber hier stoßen wir in den Teil den ich noch abarbeiten muss...Es sind viele Dinge gewesen warum ich mich zu Webb hingezogen gefühlt habe. Zum Teil weil er in Paraguay alles miterlebt hat, zum anderen dachte ich, ich würde ihm etwas schulden weil er mich vor Sadik geschützt hat. Dann war ich natürlich auch sauer auf dich und zu einem kleinen Teil wollte ich dir damit eins auswichen. Damals schien es mir angebracht aber heute... es ist so wie du vorhin gesagt hast. Kommunikation. Ich hätte besser mit dir reden sollen als mich auf ein Abenteuer mit Clayton Webb dem CIA-Mann einzulassen.“ schloss sie.

“Woher weist du eigentlich das ich heute einen Termin hatte?“ wollte sie wissen als das Schweigen unangenehm wurde.
“Harriet hat sich verplappert.“ Sie sah ihn verunsichert an so als glaube sie er erwarte einen Bericht über diesen Termin.
“Hey, du musst mir nicht sagen wie es gelaufen ist...ich will nur wissen, geht’s dir gut? Ich meine, ist dir schwindlig oder hast du Schmerzen?“ fragte er hastig und fiel wieder seinem kleinen Helfersyndrom zum Opfer.
“Ich schätze den Umständen entsprechend geht’s mir gut, ich habe Schmerzen dort wo sie operiert haben, aber das ist normal weil die Narkotika langsam ihre Wirkung verlieren.“ antwortete sie ehrlich.

“Harm, warum bist du eigentlich hier her gekommen?“
“Ich wollte wissen wie es dir geht.“
“Dazu hättest du doch auch anrufen können.“
“Das wäre nicht dasselbe gewesen.“
“Harm, nur weil du bei der Verabschiedung des Admirals gesagt hast das du immer für mich da sein wirst bedeutet das nicht das du dein Leben links liegen lässt nur um nach mir zu sehen. Das will ich auch gar nicht. Ich will nicht das du hier mit mir auf dieser Treppe sitzt, bloß weil du mir das versprochen hast.“

“Mac, es geht mir doch gar nicht um dieses Versprechen. Es ist doch so, das du mir, ob du es nun willst oder nicht, sehr viel bedeutest. Mit all den Jahren die wir uns jetzt schon kennen, bist du ein Teil meines Lebens geworden und auch wenn du nicht die Rolle einnimmst, die ich mir wünschen würde, so bist du doch immer präsent. Das habe ich dir die letzte Zeit nicht richtig gezeigt, wenn ich es mir recht überlege habe ich dich nie richtig spüren lassen wie wichtig du mir bist und das war blöd. Sowohl mir selbst aber vor allem dir gegenüber. Ich weis auch dass ich mich, in nicht nur einer Situation falsch dir gegenüber verhalten habe, ich war nicht immer da wenn du mich gebraucht hättest...Ich weis nicht ob ich je wieder gut machen kann was passiert ist. Aber ich will es versuchen, und mein Versprechen und die Tatsache dass ich jetzt hier sitze, damit will ich dir eigentlich nur zeigen dass ich da bin.“

Mac hatte ihm aufmerksam zugehört, seinen ernsten Gesichtsausdruck gesehen und den ehrlichen Ton erkannt. Trotzdem war es schwer zu verstehen warum er sich alle die Jahre bedeckt gehalten hatte und auf einmal zu so einem Seelenstriptease fähig war. Eines Tages musste sie Mattie Grace doch einmal fragen was sie mit diesem Sailor angestellt hatte.
“Harm, was empfindest du für mich?“
“Du weist was ich fühle.“
“Ich will es aber von dir HÖREN!“
„Mac...“
“Nein, nicht Mac. Sag es und sieh mir dabei in die Augen.“ dabei sah sie ihn eindringlich an.

Ihr Blick war fast unerträglich und er musste sich kurz abwenden um sich zu sammeln. Warum eigentlich nicht? Er wusste dass er sie liebte, und er meinte es ernst. Was also hinderte ihn daran es einfach zu sagen? Vor einem Jahr hatte er alles aufgegeben, war ihr in ein fremdes Land hinterher gereist nur um sie zu finden, sie in den Arm zu nehmen und ihr seine Liebe zu gestehen. Was war jetzt anders? Gar nichts. Was er damals in Paraguay tun wollte konnte er auch genauso gut hier und jetzt nachholen...Na dann, auf die Plätze, fertig, LOS!

Mac spürte wie sie langsam aber sicher verzweifelte. Noch vor einer Minute hatte er so viel von sich Preis gegeben und jetzt hatte er sich abgewandt und brachte es einfach nicht fertig diese elenden drei Worte zu sagen. So schwer konnte das doch nicht sein...außer...Harm war noch nie ein besonders guter Lügner gewesen, er konnte gut schauspielern und bluffen, aber sie anlügen, das hatte er noch nie geschafft. Vielleicht war das der Grund. Vielleicht konnte er ihr nicht sagen dass er sie liebte weil es schlicht und ergreifend einfach nicht so war.
Sie war noch so mit diesem Gedanken beschäftigt das sie erst hellhörig wurde als er sie bei ihrem richtigen Namen nannte.

“Sarah?“ als er sich sicher war ihre volle Aufmerksamkeit zu haben fuhr er fort, durch ihren hoffnungsvollen Blick plötzlich 100% sicher.
“Ich bin in dich verliebt.“ Flüsterte er und es schlich sich eine Röte auf seine Wangen, die ihn unheimlich niedlich aussehen ließen.
Okay, das waren fünf Worte, aber er wollte eben ganz sicher sein. Hätte er einfach nur gesagt: ich liebe dich, das wäre zu ungenau gewesen. Lieben und verlieb sein waren zwei ganz unterschiedliche Dinge. Man liebte seine Eltern, gute Freunde oder seinen Hund Hasso. Verliebt war man allerdings nur bei ganz besonderen Menschen.

Mac hing hingegen keinen solchen Gedanken nach, dazu war sie einfach viel zu überrascht. Sie hatte es sich schon einige Male vorgestellt wie es wohl wäre wenn er das sagen würde, aber es aus seinem eigenen Mund zu hören war doch etwas anderes.

“Seit wann?“ das war eine blöde Frage, aber ihr fiel keine bessere ein. Harm schien es nichts auszumachen.
“Ich denke ungefähr seit Russland.“ ihr Erstaunen wurde noch größer.
“Seit Russland? Aber warum hast du nie?“
Er wusste was sie wissen wollte und suchte einen Moment nach einer guten Antwort. Ein lächeln huschte ihm über das Gesicht als er eine gefunden hatte.

“Weist du was das Besondere am chinesischen Schattentheater ist?“
Mac sah ihn an als wäre ihm ein drittes Auge gewachsen also fuhr er fort ohne auf eine Antwort zu warten.
“Es gibt drei Charaktere, der eine heißt: Ich kann aber ich will nicht. Der zweite heißt: Ich will aber ich kann nicht und der dritte nennt sich: Ich kann und ich will aber ich darf nicht. Und diese Figuren werden von drei Trommeln verkörpert, allerdings nicht so wie wir es kennen, die Trommeln werden nämlich von unten gespielt.“
“Von UNTEN?“ fragte Mac verblüfft und wusste nicht ganz was das mit ihrer Frage zu tun hatte.

“Ja, sie schlagen nicht oben auf das Fell wie bei uns im Westen, sondern am Boden der Trommeln hängen lange Eisenstangen auf denen mit Stöcken gespielt wird. So nutzten sie eine viel größere Resonanz und indem sie zuerst auf die Stange schlagen und dann mit den Händen über die Stangen fahren erzeugen sie viel mehr Töne als bei unserer Variante möglich wären. Und nur mit diesen Tönen interpretieren sie dann die Charaktere. Die Chinesen glauben dass ihr Schattentheater somit alles Denken und Handeln der Menschen einfängt und widerspiegelt.

Was ich damit sagen will ist, in all den Jahren in denen wir uns jetzt schon kennen war ich einer dieser Charaktere. Von Tag Eins bis zu dieser Nacht in Sydney war ich Fall Nummer eins. Ich konnte, aber wollte nicht. Zu dieser Zeit wäre es so einfach für uns gewesen eine Beziehung einzugehen, aber es gab auch so viele Dinge die es verhindert haben. Dass die meisten von mir ausgingen muss ich ja nicht erst erwähnen. Da gab es Annie, die Suche nach meinem Vater, dann kam Jordan und die Rückkehr zur Fliegerei. Ich denke ich war einfach so beschäftigt dass es gar nicht zu mir hindurch gedrungen ist was ich damals schon für dich empfand.“

Er machte eine kleine Pause um das sinken zu lassen was er gerade gesagt hatte. Mac beobachtete ihn aufmerksam.
“Dann kam Sydney und die Sache auf der Fähre. Seit ich nein zu dir gesagt habe und du dann scheinbar ein neues Leben mit Brumby begonnen hattest, war ich Nummer 2. Plötzlich wurde mir klar das ich sehr wohl mehr als Freundschaft mit dir wollte, alles andere wie J.A.G. oder die Angst um unsere Freundschaft waren mir egal. Aber du hattest Brumbys Ring und du schienst so glücklich. Ich habe mich wirklich für dich gefreut, das kannst du mir glauben. Deshalb habe ich auch nie etwas unternommen oder gesagt, ich wollte dir das nicht kaputt machen. Ich wollte nur dass du glücklich bist, egal ob mit oder ohne mich. Nach meinem Absturz und Brumys Rückkehr sah ich endlich eine Chance für uns.

Aber dann stand Renee plötzlich vor meiner Tür und alles wurde so schrecklich kompliziert. Ich hab mich ihr gegenüber verpflichtet gefühlt und es hat mir ihm wahrsten Sinne das Herz gebrochen dich an dem Abend wegschicken zu müssen. Ich habe dich gesehen, vom Fenster aus. Als du so allein und traurig im Regen standest, alles was ich da tun wollte war dich in die Arme nehmen und sagen: Baby, ich liebe dich. Aber es ging einfach nicht.

Nach der Beerdigung warst du weg und jeder von uns war so verletzt und verwirrt das es einfach keine Basis gab um über uns zu reden. Nach dem du wieder da warst mussten wir erst mal unsere Freundschaft wieder aufbauen, dieses vertraute Verhältnis war nicht mehr da. Nach Buds Rückkehr zu JAG hatten wir dann einen dieser Fast-Momente, doch dann kam Singer und kurz darauf Paraguay und die Sache mit Webb.

Wir waren beide wieder wütend, verletzt und unglaublich stur. Du kamst nicht damit zu Recht was in dieser Scheune passiert ist und ich kam nicht mit dem zu Recht was danach passierte und anstatt miteinander darüber zu reden haben wir uns Dinge an den Kopf geschmissen...das hätten wir nie tun dürfen. Das Schlimme wenn man sich so gut kennt wie wir ist, das man nicht nur weis wie man den anderen aufbauen kann, man weis auch ganz genau was man tun muss um ihm so viel Schmerzen wie möglich zuzufügen. Ich war bereit dir alles zu gestehen, aber ich wusste nicht wie ich zu dir durchdringen konnte. Immer wenn ich Zeit mir dir verbringen wollte, hast du abgeblockt.

Dann war ich Charakter 3. Ich konnte und wollte, aber sollte nicht. Du hast mir nicht erlaubt dir auf irgendeine Weise nahe zu kommen. Ich war ehrlich bereit dich für immer in Ruhe zu lassen. Das schien mir für uns beide das Beste. Doch dann hat sich Webb selbst ins Aus katapultiert und…plötzlich war alles anders. Auf was ich eigentlich hinaus will ist, dass ich jetzt hier bin und glaube dass es zwischen Uns genug Gefühl gibt um alle Probleme zusammen zu bewältigen. Das heißt…wenn du mich willst.“ Endete er und sah ihr hoffungsvoll und erleichtert in die Augen.

“Warum sollte es auf ein Mal so einfach sein? Nach all den Jahren...“ rief sie ihn plötzlich.
„Weil ich nach all den Jahren endlich erkannt habe, wie sehr ich dich liebe und brauche.“
Mac seufzte leise und schien mit sich selbst zu ringen.
“Mac, ich weis wie schwer es dir fällt Männern zu vertrauen, aber glaub mir. Ich möchte dass du glücklich bist, dass wir zusammen glücklich sind. Deshalb werde ich versuchen all das zu sein was du brauchst und willst. Dabei werde ich jeden deiner Wünsche respektieren, falls du also sagst dass du mich nicht willst, dann ist das in Ordnung. Ich werde dich nicht drängen oder verletzten, deshalb liegt es an dir ob du uns eine Chance gibst oder nicht.“

Mac blickte einen Moment in die Leere und die Tatsache das er überhaupt keine Ahnung hatte was die dachte machte ihn nervös. Schließlich erlöste sie ihn.
“Wenn du an Clays Stelle wärst, wärst du heute gekommen?“
Das war zwar nicht das was er erwartet hatte und sein Gehirn brauchte einen kurzen Moment um sich darauf einzustellen aber seinen Antwort kam wie aus der Pistole geschossen.

“Ja. Es wäre eine Chance gewesen mit dir Frieden zu schließen.“
“Dann haben wir etwas auf das wir aufbauen können.“ erwiderte sie lächelnd.
“Heißt das du gibt’s uns die Chance?“ fragte er verunsichert und wirkte wie ein kleines Kind das nicht wusste ob es den Weihnachtsmann wirklich gab oder nicht.
“Ja, genau das heißt es.“
“Wirklich?!“
“Wirklich, Wirklich!!!“

Nun war es an ihm so glücklich zu lächeln wie schon seit Jahren nicht mehr bevor er sie fest in seine Arme schloss, sie mit sich hochzog um sie dann einmal um die eigene Achse zu wirbeln.
Zu sagen Mac wäre überrascht wäre untertreiben gewesen, zu sagen Harm hätte sie noch mehr erstaunen können als er es mit seinen Worten nicht schon hatte, wäre unglaubwürdig gewesen.

Doch er schaffte es. Sie hätte sich nie vorstellen können dass Harm seine Gefühle mal so offen zeigte, auch wenn er nur für alle im Umkreis von 10 Metern sichtbar machte dass er sich freute. Tja, jetzt kenne ich ihn schon so lange und lerne trotzdem immer wieder was neues, dachte sie fröhlich und fing an sich in seinen Armen zu entspannen.

“Du hast keine Ahnung was für ein Monsterstein mir gerade vom Herzen gefallen ist.“ sagte Harm nach einer Weile.
“Und ich fühle mich wie ein Marathonläufer der nach hunderten von Meilen endlich am Ziel ist.“
“Manchmal muss man eben den längeren und schwereren Weg gehen.“ gab Harm zurück.
“Oder mit anderen Worten, man muss die Trommeln von untern spielen, das ist zwar umständlicher, bringt aber die schöneren Töne.“

Harm blinzelt verwundert. Das gibt’s doch nicht, ich brauche Jahre um zu dieser Weisheit zu gelangen und sie schafft das in gerade mal 30 Minuten. Diese Marines...
„Hast du etwas dagegen wenn ich dich jetzt küsse?“ wollte Harm wissen und lächelte dabei so kokett, das Mac nicht anders konnte als sein Gesicht mit ihren beiden Händen zu umschließen seinen Kopf zu sich runter zu ziehen, um ihm diese Frage zu beantworten.


ENDE


Auf die Idee kam ich nach einem Schulbesuch beim Haus der Sinne. Das ist ein großes Anwesen, das von Blinden geführt wird. Dort soll man alle Sinne, außer das Sehen, erforschen können.

Dort gibt es auch die Trommeln eines chinesischen Schattentheaters und als der unser Führer die Geschichte darüber erzählte, dachte ich mir sofort das man daraus eine FF machen kann. Leider hab ich kein Bild von solchen Trommeln gefunden.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
Chefchen/Administrator
Beiträge: 9.040
Registriert am: 16.04.2007


   

Friend or Foe/Mr. Brumby goes to Hollywood von B

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor