Schließlich kam er nach einiger Zeit aus dem Bad, sich die Krawatte bindend, und schenkte Mac sein Flyboylächeln. „Schon fertig, Ma´am. Du weißt doch, wir Squids brauchen morgens immer etwas Anlaufzeit. Ohne die funktioniert das nicht bei der Navy.“ Mac stemmte beide Hände in ihre Hüften, sehr darauf bedacht keine neuen Rückenschmerzen bei sich auszulösen, und grinste:“Siehst Du, dieses Problem haben wir nicht. Trotzdem sollten wir uns jetzt beeilen.“ „Bin schon dabei.“ Harm hielt Mac ihren warmen Wintermantel hin, damit sie ohne größere Verrenkung hinein kam.
Als er aber einen Schal um ihren Hals herum wickelte, protestierte sie. „Nichts da, Du musst es mollig warm haben, sonst liegst Du gleich wieder flach.“ Harm lies sich nicht von seinem Vorhaben abbringen, durch nichts und niemanden. Schließlich gab sich Mac geschlagen und lies es über sich ergehen um allerdings als erstes durch die Tür zu schlüpfen und nach unten zu gehen. Anhand der Wetterlage war die Fahrzeugwahl der beiden von vorneherein ausgemacht, Harms SUV kam da ja nur in Frage.
Die Autofahrt verlief in Schweigen, bis sie auf den Parkplatz bei J.A.G. einbogen. Vorsichtig stieg Mac aus dem Wagen und bewegte sich vorwärts, sie wollte nicht riskieren zu fallen. Aber auch Harm hatte seine Schwierigkeiten, er hatte sich die größten Schneehaufen ausgesucht und lief da drin, bis er auf einmal bis zu seinen Knien darin einsank. Mac begann schallend zu lachen. „He, das ist unfair. Sich über das Mißgeschick der anderen kaputt zu lachen!“ „Entschuldige, Harm. Aber das sieht einfach nur zu komisch aus. Warte, ich helf Dir.“ Noch immer kichernd ging Mac auf ihn zu, griff nach seinem Arm und stützte Harm, so dass er aus dem Schneehaufen herausklettern konnte.
Er sah an sich herunter und fing auch an mit Lachen. Notdürftig klopfte sich Harm den Schnee von der Hose und stapfte mit Mac an seiner Seite ins HQ hinein in Richtung der Fahrstühle um ins Bullpen hoch zu fahren. Keiner von beiden sagte während der kurzen Fahrt kein Wort, sondern starrten stumm die Wand an. Jeder hatte das gleiche Problem, sie wussten nicht wie sie anfangen sollten, darüber zu reden. Zudem waren sie hier definitiv am falschen Ort, um solch ein Gespräch zu führen.
Kaum hatten sie das Großraumbüro betreten, kam ihnen auch schon eine wildfuchtelnde Harriet entgegen. „Colonel, geht es Ihnen wieder besser?“ „Ja, danke Harriet.“ „Commander, was ist denn mit Ihnen passiert? Sie sehen ja aus als ob sie eine Schneewanderung hinter sich haben!“ Harriets mütterlicher Blick musterte Harm von oben bis unten und blieb an seiner patschnassen Hose hängen. „Sie werden sich erkälten, Sir.“ Harm schenkte ihr sein Flyboylächeln als er antwortete:“Keine Sorge, Harriet. Ich habe noch eine Ersatzhose im Büro. Ich zieh mich gleich um.“
„Das wird auch das einzig sinnvolle sein, nicht dass Sie wirklich noch krank werden.“ >Gott, Mac! Denk blos nicht an Harm in Shorts! Himmel, es ist auf einmal so warm hier! Blos nicht dran denken.< Nervös blickte Mac sich um, darauf bedacht dass ihr niemand ihre Gedanken ansehen konnte, die wieder zu dem gemeinsam mit Harm verbrachten Morgen zurück gekehrt waren. Aber sie hatte die Rechnung ohne Harriet gemacht. Die hatte natürlich sofort bemerkt, wie zappelig Mac neben Harm stand und wie Harm plötzlich bemüht war, den Abstand zwischen sich und Mac unauffällig zu vergrößern indem er einen halben Schritt zur Seite trat.
Er konnte regelrecht spüren, was in Mac gerade vorging, ging es ihm selbst doch genau so. >Was ist denn da los? Da ist doch irgendetwas passiert!<, machte sich Harriet so ihre eigenen Gedanken. Harm und Mac wurde es immer unwohler in ihrer jeweiligen Haut, und sie suchten bereits fieberhaft nach einer Ausrede, um jetzt so schnell wie möglich aus Harriets Reichweite zu kommen, sie kannten sie ja schließlich lange genug um zu wissen, dass sie sehr hartnäckig sein konnte wenn sie wollte, als Petty Officer Coates auf sie zugestürmt kam.
„Colonel MacKenzie! Der Admiral hat gemeint, falls Sie da sind sollen Sie sich kurz bei ihm melden. Wie geht's Ihnen?“ „Danke, Jennifer. Besser. Bin schon fast wieder wie neu.“ Mac war dankbar, dass sie der Petty Officer aus ihren Gedanken gerissen hatte. „Oh, der Admiral. Er ist heut irgendwie seltsam. Aber fragen Sie mich nicht warum. Er redet nicht, das einzige was er gesagt hat, war ein brummiges Guten Morgen. Dann ist er in seinem Büro verschwunden und hat nichts mehr gesagt.“
„Naja, ich werd mich dann besser gleich melden. Nicht dass noch irgendetwas schief geht.“ „Tu das.“ Harm nickte ihr kurz zu als sich Mac auch schon auf den Weg machte. Aber auch Harm versuchte nun, so schnell wie möglich in sein Büro und aus der nassen Hose heraus zu kommen. Harriet und Jennifer sahen den beiden gespannt hinterher, bevor sie einen wissenden Blick austauschten. >Denken Sie das selbe wie ich, Ma´am?“ Harriet musste grinsen. „Ich denke schon. Aber keine Sorge, ich krieg das raus.“ Beide nickten sich zu und gingen dann wieder zurück an ihre Arbeit.
Mac unterdessen stand vor der Tür zum Büro des Admirals und klopfte an. „Herein!“, ertönte die brummige Stimme von A.J. Chegwidden. >Na das kann ja heiter werden! Welche Laus ist denn dem Admiral über die Leber gelaufen?<, schoss es Mac durch den Kopf bevor sie die Tür öffnete und in das Büro ihres Vorgesetzten trat. Vorschriftsmäßig nahm sie Haltung von seinem Schreibitsch an, aber zu ihrer Verwunderung saß er nicht wie sonst dahinter sondern stand mit dem Rücken zu ihr vor einem der Fenster und starrte hinaus.
„Sir, Lt. Colonel MacKenzie meldet sich wieder zum Dienst.“, machte sie ihre Meldung. „Sie wollten mich sprechen, Admiral?“ Aber es kam erstmal keine Reaktion. Nur langsam drehte sich A.J. um Mac fiel auf, wie schlecht er aussah. >Was ist denn mit dem Admiral los? Ist er krank?<, machte sie sich so ihre Gedanken. A.J. stellte fest, dass Mac die Tür hinter sich geschlossen hatte als er um den Schreibtisch herum kam und sich in den Besuchersessel neben Mac fallen lies. „Setzen Sie sich, Mac.“, bot er ihr den zweiten Sessel an. Mac kam das alles mehr als spanisch vor, was hier vor sich ging.
„Sir, bei allem nötigen Respekt, aber Sie sehen schlecht aus. Geht es Ihnen nicht gut?“ Macs braune Augen ruhten auf der Gestalt ihres Vorgesetzten, der sie ansah. >Hoffentlich hab ich mich jetzt nicht in die Nesseln gesetzt mit meiner Frage. Nicht dass er mich jetzt umbringt.< A.J. schüttelte mit dem Kopf. „Nein, alles in Ordnung. Ich habe nur schlecht geschlafen.“, gab er ausweichend zur Antwort. >Das ich, wenn überhaupt nur 30 Minuten geschlafen habe, braucht sie ja nicht zu wissen!< Mac lächelte. >Okay, lassen wir es dabei. Solange das alles ist.<
Gespannt saß sie ihrem kommandierenden Offizier gegenüber und wartete darauf, was er nun zu sagen hatte. Nach einer langen Pause des Schweigens rang sich der Admiral schließlich dazu durch, anzufangen:“Mac, ich wollte nur wissen wie es Ihnen geht. Und Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie jederzeit zu Hause bleiben können, wenn die Beschwerden stärker werden. Wenn ich nämlich richtig in der Annahme gehe, dann sind sie hier obwohl sie noch schmerzen haben.“ Die braunen Augen des Admirals lagen in einem väterlichen Blick auf Mac, welche etwas in dem großen Ledersessel zusammengesunken war und nun in ihren Schoss starrte.
Sie musste erstmal schlucken. „Danke, Sir. Aber es geht momentan. Ich soll mich nur nicht zu hastig bewegen und nichts schweres heben, hat mir mein Arzt gesagt.“ A.J. nahm dies nickend zur Kenntnis. „Das lässt sich einrichten. Wie gesagt, wenn es nicht geht, kommen Sie einfach zu mir und sagen Bescheid. Nicht dass sie hier wieder zusammenbrechen.“ „Aye, Sir.“, gab Mac kleinlaut von sich. Ihr war es ja selber noch immer peinlich, dass sie A.J. Chegwidden vor Schmerzen wimmernd in ihrem Büro gefunden hatte. „Gut. Dann gehen Sie jetzt an ihre Arbeit, viel ist es ja ohnehin nicht mehr, und dann sehen Sie zu dass Sie pünktlich hier raus kommen.“
„Aye Aye, Sir.“ Mac stand auf, nahm kurz Haltung an und verlies auf ein weiteres Nicken ihres Vorgesetzten hin dessen Büro, um in Ihres zu gehen und sich über den Aktenstapel auf ihrem Schreibtisch her zu machen. Sie saß keine halbe Stunde über ihren Akten, als George Clooney herein kam. „Darf ich Dich kurz stören, Sarah?“, fragte er sie mit seinem unnachahmlichen Charme in der Stimme. Mac sah auf. „Sicher.“ Sie musste lächeln. George schloss, die Tür, kam näher setzte sich auf einen der Stühle welche vor ihrem Schreibtisch standen. „Wie geht's Dir, Sarah? Ich hoffe doch schon wieder besser?“
Mac sah auf. „Danke, es geht schon wieder. Das schlimmste ist vorbei.“ Sie lehnte sich in ihrem Bürosessel zurück. „Schön zu hören.“ „Und Dir? Hat Dich der Admiral schon in die Mangel genommen?“ Der Schauspieler verzog sein Gesicht zu einem gequälten grinsen. „Oh ja, ich war fix und alle.“ Mac musste lachen. Konnte sie sich das doch lebhaft vorstellen. Sie selber hatte ja auch schon mit dem Admiral Lauftraining absolviert gehabt. „Aber Du scheinst es unbeschadet überstanden zu haben.“ „Das hoffe ich doch.“ Eine kleine Pause entstand zwischen den beiden, in der George sie mit einem Blick betrachtete, der Mac ein angenehmes prickeln auf der Haut bescherte.
„Sarah, weshalb ich eigentlich hier bin...“ Der Hollywoodschauspieler lächelte etwas unsicher während Mac gespannt darauf wartete, was er ihr zu sagen hatte. „Ja? Nur raus mit der Sprache.“ Er räusperte sich. „...ich wollte Dich fragen, ob Du, wenn Du über die Feiertage nichts vor hast, mich an den Comer See begleiten würdest.“ Nun war es raus. Unruhig rutschte George Clooney von einer Pobacke auf die andere, während er auf eine Antwort wartete.
Mac saß in ihrem Stuhl und hatte ihre Augen weit aufgerissen. >Er will mich mit an den Comer See nehmen? Naja, ich meine, grundsätzlich habe ich ja nichts dagegen, aber ob der Admiral da einverstanden ist, wenn ich jetzt auch noch Urlaub beantrage? Dann ist Harm neben Bud und Sturgis ja der einzige Senioranwalt hier< George hielt es nach wenigen Augenblicken nicht mehr aus, wie Mac so da saß und grübelte. „Sarah, ich dachte nur, Du könntest vielleicht mal etwas Urlaub vertragen um Dich zu erholen. Dann geht's Dir bestimmt auch wieder besser, also gesundheitlich meine ich.“ >Du redest dich hier um Kopf und Kragen, George!< „Ach vergiss es, Sarah. Das war eine blöde Idee von mir. Du hast sicher besseres zu tun!“
George wollte bereits wieder aufstehen und zur Tür gehen, als ihn Mac zurück hielt. „George, warte.“ Sie war nun ebenfalls aufgestanden und stand direkt vor dem Schauspieler. Ihre rehbraunen Augen blickten direkt in die seinen. „Sehr gerne würde ich mit Dir an den Comer See fahren. Aber ich weiß nicht, ob ich Urlaub bekomme. Ich muss das zuerst mit dem Admiral abklären.“ „Ich verstehe.“ Auf dem Gesicht des Schauspielers zeigte sich bereits wieder ein Anflug von einem Lächeln. „Es soll Dich auch zu nichts verpflichten. Ich möchte einfach nur, dass Du ein paar schöne Tage hast.“
Mac nickte. „Okay. Dann werde ich den Admiral gleich fragen gehen. Ab wann solls denn los gehen?“ Das Lächeln auf dem Gesicht des Schauspielers wuchs noch etwas mehr in die Breite und spiegelte sich nun auch in seinen Augen wieder. „Ich hab gedacht, am 25. morgens und am 31. zurück. Ich muss mich ja am 02.01. zur Grundausbildung melden.“ „Gut. Ich frag sofort.“ Damit war Mac zur Tür draussen und eilte flotten Schrittes zum Büro des Admirals. In diesem Moment dachte sie mit keinem Auge an Harm und das zwischen ihnen vorgefallene.
Da die Tür offen stand, klopfte sie an den Türrahmen und nach einem noch immer brummigen:“Herein!“ betrat sie ein zweites Mal an diesem Morgen das Büro ihres Vorgesetzten. „Sir, ich wollte sie fragen ob es möglich wäre, dass ich vom 25. bis zum 01. Urlaub haben könnte.“ A.J. Chegwidden sah von seinen Akten auf und nahm mit einer Hand seine Lesebrille ab. „Urlaub?“ „Ja, Sir. Ich habe vor zu verreisen.“ >Dieser Clooney hat sie bestimmt eingeladen, so wie er es mir angekündigt hatte! Ob das das Richtige ist? Ich weiß es nicht.< „Von mir aus können Sie Urlaub haben, aber klären Sie das mit Rabb und Turner vorher, ob die Ihre Vertretung übernehmen würden, Colonel. Wegtreten!“
Mac war gar nicht wohl in ihrer Haut, bei dem Ton den der Admiral auf einmal angeschlagen hatte. >Er hat doch nichts dagegen, oder?< Sie versuchte in seinem Gesicht zu lesen, aber er hatte sein typisches Pokerface aufgesetzt, aus dem sie noch nie schlau geworden war. >Himmel, Harm! Wieso ausgerechnet er? < Auf einmal schoss ihr durch den Kopf, was er wohl von ihr denken musste wenn sie jetzt mit dieser Bitte kam. „Aye Aye, Sir!“ Mac drehte sich auf dem Absatz um und verlies das Büro ihres kommandierenden Offiziers. >Himmel, du schläfst mit ihm und sollst ihm jetzt erklären, dass du mit George Clooney nach Italien in dessen Haus fährst!<
In Mac krampfte sich bei dem Gedanken an das bevorstehende Gespräch mit Harm alles zusammen. Sie hatte keine Ahnung, wie sie es ihm beibringen sollte. So gedankenverloren bemerkte sie nicht die Person, die gerade aus der Tür vor ihr geschossen kam. Mit voller Wucht knallte sie gegen den Mann, der erschrocken seine Augen aufriss und Mac aus reinem Reflex heraus mit beiden Armen umarmte, an seine Brust drückte und sie festhielt. Es war Harm. Seine blauen Augen spiegelten sofort die ganze Besorgnis wieder, die ihn in diesem Moment durchflutete.
„Hast Du Dir weh getan? Alles in Ordnung, Mac?“ >Hoffentlich kriegt sie jetzt nicht wieder Rückenschmerzen! Einmal der Verursacher zu sein, reicht mir völlig!< Aber Mac antwortete nicht. Sie hatte ihren Kopf tief in Harms blaue Uniformjacke vergraben und sog seinen so typischen Duft nach Salzwasser ein. Ihre Augen waren geschlossen. Denken konnte sie in diesem Moment gar nichts. „He, Mac? Alles in Ordnung? Geht's Dir gut?“ Harm hatte damit begonnen, seine Hände über ihren Rücken kreisen zu lassen. Er machte sich ernsthaft Sorgen um sie. Sie war ja noch nicht wieder ganz fit.
„Mac?“ Seine Angst war nun auch in seiner Stimme angekommen und schnürte ihm die Kehle teilweise zu. Mac reagierte erst jetzt. Sie hatte sich einen Moment lang so geborgen in seinen Armen gefühlt, dass ihr ganzer Körper darauf mit kribbeln reagiert hatte. Einem völlig anderen Kribbeln als das, was sie vor wenigen Minuten verspürt hatte als sie der Reise mit George Clooney zugestimmt hatte. Sie wollte sich nicht aus Harms schützender Umarmung lösen, aber sie musste es. >Ausgerechnet hier! Das musste ja passieren.< Sie zog sich etwas von ihm zurück und vermied es, ihm direkt in die Augen zu blicken.
„Mac? Was ist mit Dir?“ „Nichts. Alles in Ordnung. Das ging gerade nochmal gut.“ Hörbar lies Harm seinen angehaltenen Atem entweichen. „Dann bin ich ja beruhigt. Ich dacht schon ich hätte Dir erneut weh getan.“, flüsterte er ihr zu. Es musste ja nicht unbedingt das ganze Büro mitbekommen, was mit Mac war. „Nein, zum Glück nicht.“ Mac holte tief luft. „Kann ich mal kurz mit Dir reden, Harm? Unter vier Augen?“ Verwundert blickten sie zwei ozeanblaue Augen an. „Sicher. Komm mit.“ Aufgeregt folgte Mac ihm in sein Büro und schloss die Tür.
Einen kurzen Moment stand sie einfach nur vor seinem Schreibtisch herum und versuchte, ihre Nervosität in den Griff zu bekommen. >Himmel nochmal, jetzt stell dich nicht so an, Marine! Du willst ihn doch nur darum bitten, dass er für dich Vertretung macht!< Harm kam das ganze spanisch vor, so kannte er Mac nicht. „Also was ist? Raus mit der Sprache, Mac. Geht's Dir nicht gut?“ >Warum zappelt sie denn hier so herum?<, fragte er sich während er sich in seinen Bürostuhl fallen lies und gespannt darauf wartete, dass sie etwas sagen würde.
>Einfach tief luftholen und erzählen, Sarah! Er ist doch dein bester Freund!<, fuhr es Mac noch durch den Kopf ehe sie endlich begann:“Harm, ich...........wollte Dich fragen ob Du für mich die Notvertretung über die Feiertage übernehmen könntest.“ Sie machte eine kleine Pause, fuhr aber noch ehe Harm etwas darauf erwidern konnte bereits fort:“George hat mich nämlich in sein Haus am Comer See eingeladen. Ein paar Tage Urlaub könnte ich nämlich dringend gebrauchen, da hab ich ja gesagt.“ Harm saß da wie versteinert. >Das kann doch jetzt nicht wahr sein, oder? Mac fährt an den Comer See?<
Sein Herz krampfte sich urplötzlich zusammen und er musste sehr mit sich kämpfen, damit er seine Fassung behielt. Aus irgendeinem Grund störte ihn die Tatsache dass sie mit diesem Schauspieler nach Italien fuhr. Die Reise an sich gönnte er ihr von Herzen, aber dass Clooney sie begleitete, passte ihm ganz und gar nicht. So saß er nur da und schwieg, was Mac zusehends nervöser machte. „Harm? Das geht doch in Ordnung, oder? Ich meine, wenn es Dir zuviel ist, die Vertretung vom Admiral und mich auch noch vertreten, dann kann ich immernoch absagen.“
Commander Rabb aber saß nur da und starrte auf die Tischplatte seines Schreibtisches. Macs Worte nahm er nur ganz entfernt wahr. Zu weit weg waren seine Gedanken. >Ihr hättet nicht miteinander schlafen sollen. Das war ein Fehler. Was fällt dir eigentlich ein, Rabb? Sie kann wegfahren mit wem sie will. Ob es dir nun passt oder nicht!< Schließlich reagierte er doch. „Nein, ich meine ja, ich meine klar kann ich Deine Vertretung mit übernehmen. Ist ja nicht soviel los.“ Harms Stimme war leise geworden, er bemühte sich redlich um einen festen, neutralen Ton, aber er scheiterte daran kläglich.
Deutlich konnte Mac den Ärger hören, den er versuchte zu verstecken. Aber sie ging nicht darauf ein. „Danke.“, war das Einzige was sie über die Lippen brachte. In dem kleinen Büro herrschte nun eisiges Schweigen. Keiner von beiden wusste, was er nun zum anderen sagen sollte. Mac entschied sich nach einer Weile, den Rückzug anzutreten. Sie musste ja noch ihr offizielles Urlaubsgesuch schreiben und beim Admiral abgeben. „Ich geh dann mal. Sehen wir uns heut Abend?“ Harm hob den Kopf. „Sicher.“, war die einsilbige Antwort von ihm.
„Gut.“ Mac drehte sich um und verlies das Büro. Als sie draussen war, lies Harm den Kopf hängen und atmete hörbar aus bevor er mit der Faust auf den Tisch schlug. Es passte ihm ganz und gar nicht, dass Mac mit diesem Schauspieler weg fahren wollte. Die Gefühle, welche in seinem inneren tobten, konnte er überhaupt nicht zuordnen. Als er einen Moment seine Augen schloss, erschienen sofort die Bilder von ihrem gemeinsamen Morgen. Aber das sorgte für nur noch mehr Chaos in seinem Herzen. Er wusste überhaupt nicht mehr, was er noch denken geschweige denn fühlen sollte. Just in diesem Moment erlöste ihn das penetrante Klingeln seines Telefons von seinen Gedanken. Etwas unwirsch meldete er sich, nur um von einem Staatsanwalt belästigt zu werden, der offensichtlich keine Ahnung von der Militärgerichtsbarkeit hatte.
Mac unterdessen war mittlerweile auf dem Weg zum Admiral, ihr Urlaubsgesuch abgeben. >Ist er jetzt sauer auf mich? Irgendetwas scheint ihm nicht gepasst zu haben. Hoffentlich denkt er jetzt nicht, dass ich ihn ausgenutzt haben könnte. Himmel noch mal, wieso waren wir so blöd und haben miteinander geschlafen? Warum haben wir uns nicht zurückhalten können? Wir schaffen es zwar, miteinander zu schlafen aber darüber geredet haben wir bis heute nicht.< „Warum nur ist das so kompliziert?“
„Was ist kompliziert, Colonel?“ Admiral A.J. Chegwidden saß hinter seinem Schreibtisch und blickte Mac über den Rand seiner Lesebrille hinweg mit aufmerksamen Augen an. Mac war mit einem Schlag hellwach. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass sie bereits mitten im Büro ihres Vorgesetzten stand, so tief war sie in Gedanken versunken gewesen. Heiß und kalt lief es ihr nun den Rücken hinunter während sie fieberhaft nach einer Ausrede suchte. >Was ist denn mit Mac los? Ich wette, das hat bestimmt etwas mit Harm zu tun.< „Nun, Colonel. Wenn Sie nun schon ohne anzuklopfen einfach hier herein platzen und dabei auch noch Selbstgespräche führen, möchte ich wenigstens wissen was Sie zu mir führt.“
Die Stimme des Admirals hatte nun ganz seinen typischen Tonfall angenommen, während er die Brille abnahm, sie auf den Schreibtisch legte, seine Arme vor der Brust verschränkte und sich in seinem Sessel zurück lehnte. Mac schluckte heftig. Sie nahm Haltung an und rang sich schließlich dazu durch, ihm zu antworten:“Mein Urlaubsgesuch, Sir. Commander Rabb wird meine Vertretung übernehmen, allzuviel steht ja sowieso nicht an.“ Sie reichte dem Admiral das Papierstück über den Tisch und wartete auf eine Reaktion, während sie ihre Arme wieder am Rücken zusammenführte.
A.J. überflog kurz den Antrag und legte ihn dann zur Seite. „Wenn Sie das so besprochen haben, Colonel, dann geht das in Ordnung. Ihr Urlaub ist genehmigt. Erholen Sie sich gut, wegtreten!“ Der Admiral widmete sich bereits wieder seinen Akten, als Mac vorschriftsmäßig erwiderte:“Aye Aye, Sir!“, kurz Haltung annahm und dann schnellstmöglich das Büro verlies. „Und schließen Sie das Schott, Colonel!“, brummte ihr A.J. noch ärgerlich hinterher. Er konnte das noch immer nicht fassen. >Jetzt fährt sie doch tatsächlich mit diesem Schauspieler in die Ferien! Und dabei hatte ich den Eindruck, dass sie und Rabb sich ein bedeutendes Stück näher gekommen sind in den letzten Tagen. So intensiv wie er sich um sie gekümmert hat, und die ganzen Umarmungen und Blicke die sie sich zugeworfen haben als ich sie besucht hatte! Verstehe einer diese beiden Dummköpfe!<
Aber noch ehe er weiter darüber nachdenken konnte, wie blöd sich zwei Menschen anstellen konnten, klingelte bereits sein Telefon. Ein kurzer Blick auf das Display verriet ihm, dass es der Marineminister war. >Das auch noch! Der hat mir gerade noch gefehlt!< Seufzend legte der Admiral seinen Füller zur Seite und nahm ab. „Mr. Secretary, was kann ich für Sie tun?“, meldete er sich bevor er auch schon völlig in das Gespräch hinein gezogen wurde.
Mac hatte gerade noch die schwere Bürotür des Admirals zu fassen bekommen und sie zugezogen, als ihr auch schon George Clooney entgegen kam. „Und? Hat es geklappt mit dem Urlaub?“ „Sicher. Ich fahre also mit Dir nach Italien.“ „Schön. Es wird Dir gut tun. Eine Woche Entspannung für Dich und Deinen Rücken.“ George lächelte Mac an, was diese erwiederte. „Bestimmt.“ Eine kleine Pause entstand zwischen den beiden. „Tja, ich muss jetzt aber wirklich noch etwas weiterarbeiten, wenn ich mit Dir in den Urlaub fahren will. Ich kann ja Harm nicht einen Saustall hinterlassen. Er muss ja auch noch den Admiral vertreten.“
„Dann werde ich Dich mal nicht länger aufhalten. Ich soll mich ja auch wieder meinen Kopiertätigkeiten widmem.“ Dabei verdrehte der Schauspieler seine Augen. Seit die drei Hollywoodmenschen hier für Bürotätigkeiten eingesetzt wurden, waren sie vollauf ausgelastet. Harriet sorgte schon dafür, dass es ihnen nicht langweilig wurde. Mac nickte dem Schauspieler noch kurz zu, um sich dann auch auf den Weg in ihr Büro zu machen. Kaum war sie alleine im Raum und hatte die Tür geschlossen, kehrten die Gedanken an Harms Gesicht zurück, als sie ihm das vorhin gesagt hatte.
>Wenn ich es nicht besser wissen würde, würde ich sagen er ist eifersüchtig. Was, wenn er sich mehr erhofft hat von dieser einen Nacht? Himmel, Sarah! Warum hast Du nicht den Mut aufgebracht, mit ihm zu reden?< Frustriert lies Mac einen tiefen Seufzer los. Sie schüttelte sich, in der Hoffnung diese Gedanken los zu werden, und machte sich dann über die Akten auf ihrem Tisch her. Aber sie wurde diese Gedanken nicht los. Immer wenn sie eine kleine Pause machte, kehrten sie augenblicklich zurück.
Kurz vor Feierabend klopfte es an Harms Bürotür, welche er den ganzen Tag geschlossen gehabt hatte. Er wollte seine Ruhe haben, nachdem Mac heute morgen bei ihm gewesen war. „Herein!“, brummte er hervor, wenig begeistert über die Störung. Ein roter Haarschopf erschien in der Tür, zusammen mit einem breiten Lächeln welches beinahe von einer Wange zur anderen ging. „Hi! Ich wollt nur fragen, wie es Ihnen geht.“ Harm sah auf und schenkte seiner Besucherin sein Flyboygrinsen. „Kommen Sie rein, Julia. Wieso wollen Sie das denn wissen?“
Die Schauspielerin trat ein, schloss die Tür und setzte sich in einen von Harms Besucherstühlen. „Nun, Sie haben sich den Tag über rar gemacht, Harm. Aber wie ich sehe, ist Ihnen nichts passiert.“ Commander Rabb schüttelte mit dem Kopf. „Nein, mir ist nichts passiert. Ich habe gearbeitet. Ich muss ja Lt. Colonel MacKenzie und den Admiral über die Feiertage vertreten, und da möchte ich einen reinen Tisch haben bevor es soweit ist. Sonst werde ich nicht fertig werden, obwohl gerade sehr wenig los ist.“Julia Roberts nickte verständnisvoll, ehe sie sich an ihren Haarknoten fasste und die Nadeln darin wieder feststeckte.
Harm beobachtete das belustigt. „Verfluchtes Ding! Das will einfach nicht halten.“, presste sie schließlich mit drei Haarnadeln zwischen ihren Lippen hervor. „Warten Sie, ich helfe Ihnen.“ Harm konnte nicht mehr länger zusehen. Er stand auf, kam um seinen Schreibtisch herum und begann damit, Julias Knoten vollends aufzulösen. Mit seinen Fingern fuhr er ihr durch die Haare um diese wenigstens etwas zu ordnen, bevor er sie wieder eindrehte und am Hinterkopf zu einer Schnecke rollte. „Jetzt bräuchte ich die Haarnadeln.“ „Hier.“ Julia reichte sie ihm, und Harm steckte eine nach der anderen in das Gebilde hinein.
Prüfend stand er noch einen kurzen Moment hinter ihr und betrachtete sein Werk. „So, fertig. Das müsste heute vollends halten.“ Er nahm seine Hände von Julias Haaren herunter, wobei er aus Versehen die Haut in ihrem Nacken mit seinen Fingerspitzen streifte. Der Schauspielerin lief ein eiskalter Schauer die Wirbelsäule hinab und sie bekam augenblicklich eine Gänsehaut. Harm war ebenfalls elektrisiert. Diese Berührung hatte etwas in ihm ausgelöst, was er nicht deuten konnte. Es war zwar nicht das seltsame Kribbeln dass er immer bei Mac verspürte, aber irgendetwas anderes lies ihn ebenfalls erschauern. >Reiss dich gefälligst zusammen, Harm! Was auch immer hier vorgeht, du bist hier noch im Büro! Also lass das!<, schimpfte er sich selbst ehe er endgültig einen Schritt zurück trat und sich wieder auf seinen Stuhl setzte.
„Danke.“ „Gern geschehen.“ Beide lächelten sich einen Moment an, bevor Julia aufstand und meinte:“Tja, ich werd dann mal. Ich muss noch etwas fertig schreiben was mir Lt. Sims-Roberts gegeben hat.“ >Und rausfinden, mit wem Mac in den Urlaub fährt. Ich denke mal dass es George sein wird. Na warte, alter Schlingel!< Harm nickte und sah ihr hinterher, wie sie sein Büro verlies. Dann fiel sein Blick auf seine Armbanduhr und er erschrak. >Nur noch 30 Minuten bis zum Feierabend! Ich muss den ganzen Krempel hier noch fertig bekommen bevor ich Mac nach Hause bringe.< Hastig klappte er den Aktendeckel der Akte vor ihm auf dem Tisch auf und begann darin zu lesen und sich Randnotizen aus dem Gesetzbuch zu machen.
21.30 Uhr Zulu-Zeit
J.A.G. HQ
Falls Church, Virginia
Mac hatte den restlichen Nachmittag intensiv damit verbracht, ihren Schreibtisch aufzuräumen und soviele Fälle wie möglich abzuschließen, als sie nun an Harms Tür klopfte, welche geschlossen war. Er hatte sich nach ihrem Gespräch nicht mehr blicken lassen und sich regelrecht in seinem Büro eingeigelt gehabt. Sie war nun doch nervös, als sie darauf wartete dass er sie herein bat, was er schließlich auch tat. „Na, fertig zum gehen?“ Man konnte Mac die Unsicherheit in ihrer Stimme regelrecht anhören.
Harm sah auf. „Ja. Nur noch zusammenpacken dann kanns los gehen.“ Mac spürte ganz deutlich, dass er sauer war, auch wenn er es zu verstecken versuchte. „Harm, was ist los?“ Ruckartig drehte sich der angesprochene herum. „Nichts ist los, Mac. Was soll denn sein?“ Sie versuchte, ihm direkt in die Augen zu sehen, aber Harm drehte sich wieder von ihr weg und packte weiter seine Sachen in seine Aktentasche hinein.
„Harm, bitte. Bist Du sauer weil alle Urlaub haben nur Du nicht?“ Mac hatte ihn dabei am Arm gepackt und zu sich gedreht. „Nein. Mattie kommt ja. Da macht es mir nichts aus.“ Noch während er das sagte, widmete er sich wieder seiner Aktentasche. >Oh verdammt, das hatte ich ja völlig vergessen. Er hätte bestimmt gerne mehr Zeit mit ihr verbracht, aber das geht nicht wenn er für mich und den Admiral Vertretung machen muss.< „Hörzu, Harm. Tut mir leid. Daran hab ich nicht gedacht gehabt.“ Mac bekam ein schlechtes Gewissen. „Ich geh und sag George ab. Nach Italien fahren kann ich immer noch. Aber Du siehst Mattie eh viel zu selten, also mach früher Feierabend und unternimm was schönes mit ihr.“
Ruckartig fuhr Harm herum. „Nein, Mac. Du brauchst Deinen Urlaub dringender wie ich, bei Deiner angeschlagenen Gesundheit. Fahr nach Italien und genies die paar Tage. Du wirst sehen. Wenn Du wiederkommst ist es um einiges besser geworden mit Deinem Rücken.“ Die beiden sahen sich einen Moment lang tief in die Augen. „Und Dir macht es wirklich nichts aus? Ich meine, ich weiß ja wieviel Dir Mattie bedeutet.“ „Nein. Mattie und ich können ja die Abende miteinander verbringen. Den Tag über wird sie warscheinlich sowieso ihre Freunde besuchen.“
Harm hatte Mühe, dass seine Stimme nicht all zu traurig klang. „Na gut. Wenn Du meinst, dann sage ich nicht ab.“ Ein Flyboygrinsen war die einzige Antwort die Mac erhielt. Harm schlüpfte in seinen Mantel, knöpfte ihn zu und griff nach seiner Mütze und seiner Tasche. „Gehen wir, Mac. Ab nach Hause.“ Galant hielt er ihr die Tür auf und folgte ihr dann zum Fahrstuhl. Kaum waren sie aus dem Gebäude getreten, tanzten ihnen die Schneeflocken entgegen. Einen Moment lang blieb Harm stehen und blickte in den dunklen Himmel hinauf. Ein völlig irrationaler Gedanke schoss durch seinen Kopf. >Hier haben wir vor sechs Jahren gestanden und den Babydeal abgemacht. Und jetzt wirft sie sich diesem Hallodri an den Hals!<
Harms Herz krampfte sich zusammen und er kickte wütend eine Ladung Schnee vor sich her. >Du bist eifersüchtig, Harm! Auf diesen Typen, der deine beste Freundin erst seit ein paar Tagen kennt. Empfindest du vielleicht doch mehr für Mac, als nur Freundschaft?< Er schüttelte mit dem Kopf. >Nein. Das kann nicht sein. Dafür hat sie dich zu oft zurück gestossen. Das würde nicht funktionieren.< Harm wischte diesen Gedanken, der wie aus dem Nirgendwo plötzlich aufgetaucht war, rasch wieder zur Seite. „Harm? Alles in Ordnung?“ Mac stand besorgt neben Harms Geländewagen und schaute ihn an. Nur langsam senkte er seinen Kopf etwas. „Ja, sicher. Ich habe nur nachgedacht.“
Commander Rabb straffte seine Schultern, wechselte seine Aktentasche von der rechten in die linke Hand und ging auf Mac zu. Er öffnete den Wagen und beobachtete Mac sorgfältig, wie sie sich vorsichtig in den Sitz fallen lies. „Ich bring Dich jetzt nach Hause, dann essen wir was und dann pack ich Dich ins Bett bevor ich mich auch auf den Weg mache.“ Macs Augen wurden mit einem Schlag riesengroß und blickten ihn mit einer Mischung aus Angst und Überraschung an. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Harm heute Nacht bei sich schlafen würde. Es dauerte auch einige Minuten, bis sie das verdaut hatte. >Sei nicht albern, Sarah. Natürlich wird er bei sich zu Hause schlafen. Er kann ja nicht immer bei dir sein! Ihr seit ja nicht zusammen.<
„Das klingt gut. Der Kühlschrank müsste ja noch voll sein. Kannst Dich also voll austoben, Sailor.“ „Das muss ich auch. Du sollst ja schließlich wenigstens eine vernünftige Mahlzeit am Tag haben, Marine.“ Ein mehr oder wengier nett gemeintes Lächeln war Macs Antwort, bevor sie es vorzog wieder schweigend aus dem Fenster auf das vorbeiziehende Washington zu starren. Auch Harm schwieg wieder, während er seinen Wagen um die Schneehaufen herum lenkte, welche überall auf den Strassen lagen.
23.31 Uhr Zulu-Zeit
Macs Wohnung
Georgetown, Washington D.C.
Die weitere Fahrt war in eisernem Schweigen verlaufen, und nun saßen sie hier an Macs Tisch und aßen die Spaghetti, welche Harm gezaubert hatte. Schließlich legte Harm sein Besteck zur Seite und lehnte sich zurück. „Ich bin pappsatt!“, bekannte er wobei er Mac ansah. „Ich auch. Ich glaub ich werd mich jetzt noch kurz vor den Fernseher hauen und dann ins Bett gehen.“ „Mach das. Ich werd heut auch nicht alt werden. Wenn Du nichts dagegen hast, mach ich noch den Abwasch und gehe dann, damit Du deine Ruhe hast.“
„Nein. Wenn es Dich nicht stört dass ich es mir solange auf der Couch gemütlich mache?“ „Es ist Deine Wohnung, Mac!“ Ein Flyboygrinsen folgte Harms Worten bevor er das Geschirr zusammenstapelte und in die Küche trug. Aber kaum war er außerhalb ihrer Sichtweite, stellte er das Geschirr auf der Ablage neben der Spüle ab, stützte sich mit beiden Händen auf den Rand der Arbeitsplatze und lies sich hängen. >Warum tut sie das? Warum fährt sie mit diesem Schauspieler weg? Und warum verdammt nochmal ist es mir nicht recht?< Einen Moment lang atmete Harm tief durch, dann straffte er sich wieder und rief sich zur Ordnung.
>So geht das nicht. Du musst hier raus, einen klaren Kopf bekommen.< Mit rascher Geschwindigkeit machte er sich ans spülen, abtrocknen und räumte sogar noch die Küche auf. Keine halbe Stunde später kam er ins Wohnzimmer zurück wo er erstaunt stehen blieb. Mac lag auf ihrer Couch, den Kopf auf einem Kissen gebettet und die Beine auf der gegenüberliegenden Armlehne liegend. Um sich herum hatte sie eine Decke drapiert. Harm musste lächeln. Dieses Bild berührte ihn. Ob trotz oder gerade wegen dem Gefühlschaos dass er momentan empfand, konnte er nicht sagen.
>Oh Mac. Du würdest besser schlafen wenn du in deinem Bett liegen würdest.<, musste Harm denken. Er ging so leise er konnte zur Couch und stand etwas unschlüssig herum. >Das kann ich doch nicht machen. Sie wird mich zu Kleinholz verarbeiten wenn ich das tue, aber ich muss es tun. Sonst kann sie morgen vor lauter Schmerzen nicht laufen. Das verzeiht ihr ihr Rücken nicht, eine Nacht auf der Couch.< Mit einem leise n Stöhnen beugte er sich zu Mac hinunter, schlug die Decke zurück und schob seine Arme unter ihren Rücken und ihre Kniekehlen, um sie so hochzuheben. „Hmm. Lass mich schlafen.“, murmelte Mac an seiner Schulter als sie spürte wie sie den Kontakt zur Couch verlor.
„Keine Sorge, ich lass Dich schlafen, Mac. Ich bring Dich nur ins Bett.“ Harm hatte sehr leise gesprochen, schließlich wollte er sie nicht unbedingt wecken. Behutsam trug er sie ins Schlafzimmer hinüber und legte sie vorsichtig ins Bett. Völlig verschlafen schlug Mac ihre Augen auf und blickte ihn müde an. „Was machst Du da?“ Harm sah auf. „Ich zieh Dir die Socken aus, Mac. Das wird zu warm wenn Du mit den Socken schläfst.“, und noch ehe sie weiter protestieren konnte, hatte ihr Harm die beiden Socken von den Füßen gezogen. „Die Jogginghose und das T-Shirt darfst Du selber ausziehen......das heißt, wenn das geht.“
Mac fiel auf, wie Harms Augen nervös hin und her gingen und irgendetwas an der Wand zu suchen schienen während seine Uniform völlig schief saß. Sie selber hatte sich, während er die Spaghetti gekocht hatte, umgezogen gehabt. „Danke, aber das krieg ich hin. Dem Rücken geht's soweit wieder gut.“ Beide schwiegen einen Moment lang verlegen und kämpften dagegen an, rot zu werden. „Dann wünsch ich Dir eine gute Nacht, Mac. Ich geh dann jetzt.“ „Schlaf gut, Harm. Bis morgen.“ >Soll ich ihr jetzt einen Gute-Nacht-Kuss geben oder nicht? Will sie das überhaupt noch? Ich lass es besser.< Damit stand er auf, drückte ihr zum Abschied nocheinmal kurz die Schulter und verlies das Zimmer. Im Flur griff er nach seiner Tasche, die er schon am Morgen gepackt gehabt hatte, zog seinen Mantel an, schnappte seine Mütze und seine Aktentasche und verlies leise Macs Wohnung. Vor der Tür atmete er Harm einmal tief durch und machte sich dann über die Treppe auf den Weg zu seinem Wagen.
Mac lag in ihrem Bett und sah ihm hinterher. >Er hat gezögert, bevor er sich gegen den Gute-Nacht-Kuss entschieden hat. Ich hab den Eindruck, er ist eifersüchtig. Dabei hätte es mir nichts ausgemacht. Ob er immernoch sauer auf mich ist, weil ich mit George an den Comer See fahre? Irgendwie macht ihm das schwer zu schaffen. Wenn er doch nur sagen würde, warum es ihm nicht passt! Ich bin doch kein Hellseher und Gedankenlesen kann ich schon dreimal nicht!“ Mac seufzte entnervt auf, entledigte sich ihrer Jogginghose und ihres BH´s und kuschelte sich zurück unter die Decke um beinahe sofort einzuschlafen.
23.36 Uhr Zulu-Zeit
Brad Pitts Suite
Hotel Regents
Washington D.C.
Die drei Schauspieler waren völlig fertig ins Hotel zurück gekommen und hatten sich geduscht, bevor sie sich in Brads Suite zum Essen eingefunden hatten. Auf das Restaurant hatte keiner der drei große Lust gehabt, und so saßen sie nun um den runden Tisch herum und liesen es sich schmecken. „Sag mal, George. Stimmt die Gerüchteküche, dass Du mit Mac in Deine Villa an den Comer See fährst?“ Julia Roberts beobachtete ihren Kollegen dabei mit ihrem forschendsten Blick, erntete aber nur ein Lächeln.
Darauf schaltete sich nun auch Brad Pitt in die Runde ein. „Wie, sag blos Du hast Sie wirklich gefragt ob sie mit Dir fährt? Also das fass ich jetzt echt nicht!“ Er legte seine Gabel zur Seite und grinste von einem Ohr zum anderen. „Doch, fass es ruhig, Brad. Ich hab sie eingeladen, und sie hat zugesagt. Und bevor Du noch was sagst, nein, ich musste sie nicht überreden!“ George fuchtelte dabei mit seiner Gabel in der Luft herum, dass sich Julia zum eingreifen genötigt sah. „Leg das Ding weg, bevor Du noch jemand damit erstichst!“ Sie griff dabei über den Tisch und versuchte, die Gabel an sich zu bringen.
Aber der Schauspieler zog sie weg. „Das hättst Du wohl gern, Julia! Mir mein Esswerkzeug wegzunehmen, Ts!“ „Na warte.“ Die rothaarige Schauspielerin stand auf und stürzte sich auf George. Dieser wechselte blitzschnell die Gabel in die rechte Hand und streckte den kompletten Arm von sich während er mit dem linken Arm Julia auf Distanz hielt. Diese lehnte bereits halb über ihm und versuchte nun durch kitzeln, an die Gabel zu kommen. „Wart, gib die Gabel her!“ Brad hatte sich vorgebeugt und nahm nun seinerseits von George die Gabel entgegen, während Julia weiter versuchte nach ihr zu greifen.
„Gibs auf, das schaffst Du nicht! Die Gabel kriegst Du nicht.“, George grinste dabei von einem Ohr zum anderen. „Oh doch! Heee, was soll das, was machst Du?“, kreischte Julia belustigt hervor, als sie George, den Überraschungsmoment ausnutzend, beim Aufstehen über seine Schulter warf und durch das Hotelzimmer trug. Da er sie gleichzeitig mittels seines Zeigefingers in die Rippen piekste, begann sie laut zu kichern und zu lachen. „George, bitte. Lass mich runter! Brad, hilf mir doch!“ „Nee, was man sich eingefangen hat, muss man auch auslöffeln!“ „Du bist gemein! Ihr beide seid gemein! Was habt ihr vor? Oh nein, nicht ins Badezimmer! Nein, George, bitte, George!“ Julia ahnte plötzlich, was die beiden Männer mit ihr vor hatten und begann nun auch noch mit den Beinen zu strampeln.
„Oh doch.“ Und ohne weitere Verzögerung betrat George mit seiner Fracht die geräumige Duschkabine, stellte Julia unter wilden Protesten ihrerseits darunter und drehte das Wasser auf. Zuerst kreischte sie los, aber dann bekam sie einen Lachkrampf. Ihr ansteckendes lachen konnte man in der ganzen Suite hören. „Ich denke mal dass wird Dich abkühlen!“, prustete auch Brad los, der es sich nichtmehr verkneifen konnte still zu halten. Zu komisch war der Anblick wie sie da so stand. Die roten Haare hingen ihr klatschnass und völlig wirr ins Gesicht, der Jogginganzug war ebenfalls komplett durchweicht und sie schüttelte sich immernoch vor lachen.
„He, Du siehst aus wie ein gebadeter Frosch, Miss Roberts! Ich wusste nicht, dass eine Grundreinigung von Dir so nötig war!“, jappste George schließlich hervor, da er sich genau wie Brad vor lachen bog. „Na wartet, ihr beiden, das gibt Rache! Und die wird fürchterlich sein! Zieht euch schon mal warm an!“ Julia lachte immernoch, bis sie sich schließlich soweit gefangen hatte, dass sie das Wasser abstellen konnte und aus der Dusche stieg. „He, Du machst hier eine Pfütze in mein Badezimmer! Geh zurück unter die Dusche!“ Brad versuchte dabei, ein strenges Gesicht zu machen, was ihm aber völlig mißlang, zu sehr amüsierte er sich über ihren Anblick.
„Na und? War ja nicht meine Idee, dass ihr mich unter die Dusche stellt. Das habt ihr davon.“ „Schon gut. Hier hast Du Handtücher und den Bademantel bring ich Dir. Nicht dass Du krank wirst.“, winkte Brad ab, ehe er sich, noch immer kichernd, daran machte ihr alles rauszusuchen bevor er mit George das Badezimmer verliesen. „Das können wir ruhig öfters machen, das Gesicht war köstlich.“ „Oh ja. Aber ich glaube kaum, dass sie das mit sich machen lässt. Sie wird sich schon noch rächen, irgendwann, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt.“ Die beiden Männer setzten sich wieder an den Tisch und aßen zu Ende.
Nach einer Weile kam dann auch Julia im weißen Hotelbademantel und mit einem Handtuchturban auf dem Kopf wieder aus dem Bad heraus und setzte sich zu ihnen. Jetzt lasst ihr mich aber essen, oder? Ich hab nämlich jetzt einen Bärenhunger. Schwimmengehen macht mich immer so hungrig!“ Brad zog seine Augenbrauen nach oben und musterte sie skeptisch. „Und Du willst einen Marine spielen der auf einem Flugzeugträger stationiert ist? Die armen! Wenn wir dann dort drehen, dann müssen die ja ein Beiboot mit Lebensmitteln nebenher fahren lassen, damit das dann auch für alle reicht!“
„Es heißt Versorgungsschiff, Brad! Nicht Beiboot. Die würden Dich glaub ich umbringen, wenn Du in der Nähe von einem Navyoffizier ihr Schiff als Beiboot bezeichnen würdest.“ „Du musst immer alles besser wissen, oder George?“ Der grauhaarige Schauspieler grinste. „Nein, aber ich hatte nur heute Nachmittag eine Lehrstunde in Schiffskunde, wenn man das so bezeichnen kann. Der Admiral war so freundlich, mir die vielen verschiedenen Schiffstypen die es in der Navy gibt, zu erklären.“ „Und, konntest Du dir auch alle schön brav merken?“ „Oh ja, Miss Neunmalklug. Das hoffe ich zumindest. Er hat mir ein Buch mitgegeben, das ich mir heute Abend noch zu Gemüte führen werde.“
„So so, Du willst also lesen. Und ich hab gedacht, Du hast was anderes vor. Zum Beispiel von Deiner Reisebegleitung zu träumen.“ Brad konnte es nicht lassen. Er musste seinen Freund einfach damit aufziehen. „Wer weiß, vielleicht tu ich das ja auch. Aber wenn ich es tun sollte, dann im rein platonischen Sinne.“ Julia, welche die ganze Zeit dem Geplänkel der beiden Herren zugehört und nebenher ihr Abendessen verdrückt gehabt hatte, mischte sich schließlich auch ein:“Also, ich geh mich jetzt umziehen. Ach und George, das mit dem rein platonisch nimmt Dir eh keiner ab. Bist ja nicht umsonst Hollywoods größter Frauenschwarm!“
Sie stand auf und huschte im Bademantel aus der Suite hinaus, noch ehe einer der beiden Herren etwas sagen konnte. Verdutzt blickten die sich an und lachten dann los. „Was die wieder denkt!“ „Naja, wenn Du vom anderen Ufer wärst würd ich sagen, sie hat Angst dass Du es auf den Commander anlegst.“ George Clooney entglitten bei diesen Worten sämtliche Gesichtszüge. „Das ist jetzt nicht Dein Ernst, Brad. Oder? Ich und schwul? Ich bitte Dich! Dafür hatte ich zu viele Frauen.“ Brad lachte lauthals los. Das Gesicht seines Freundes war einfach nur zu köstlich, als dass er sich hätte zurück halten können.
„Das ist zum schiessen, wie Du aussiehst. So völlig von der Rolle. Ich weiß ja, dass Du nicht zu der Sorte Mann gehörst. Dafür haben wir beide wirklich zuviel auf dem Buckel.“ Er gab ihm einen Klaps auf die Schulter und machte sich, noch immer lachend, auf den Weg zur Couch wo er sich darauf fallen lies und weiter lachte. Das konnte er einfach nicht verdrängen. Immer wenn er sich versuchte zu beruhigen, sah er Georges entsetztes Gesicht vor sich und lachte erneut los. „He, das ist nicht lustig. Stell Dir mal vor, es wäre so. Was meinst Du würde der Frauenwelt dadurch entgehen?“
„Das weiß ich nicht. Ich kenn Dich diesbezüglich ja nicht.“ „Wieso? Wenn Du was wärst, George?“ Julia war zurück gekommen, in einem frischen Jogginganzug, und setzte sich neben den sich vor Muskelkater den Bauch haltenden und noch immer kichernden und prustenden Brad Pitt auf die Couch. „George......George.....Georges Gesicht........als ich ihm gerade sagte, dass.............dass.....dass wenn er vom anderen Ufer wäre, der Frauenwelt was entgehen würde................das ist zu komisch.........ich kann nicht mehr!“ Brad standen mittlerweile die Lachtränen in den Augen, so sehr riss es ihn mit.
Julia schüttelte nur mit dem Kopf. „Ihr seid schon zwei Chaoten.“ Sie zog die Beine an und machte es sich im Schneidersitz gemütlich. „Aber mal was anderes. Was haltet ihr davon, wenn wir uns ein kleines Häuschen oder eine Wohnung suchen und dort einziehen.“
Brad sah auf. Er hatte sich soweit beruhigt, dass er nun sprechen konnte. „Was willst Du denn mit einem Haus oder einer Wohnung?“ „Das würd mich jetzt auch interessieren.“ „Naja, ich dachte mir, wir werden ja den Großteil dieses Jahres hier in Washington mit den Dreharbeiten verbringen. So wie ich Steven einschätze, wird er auch diesmal wieder alles pingelig genau nehmen, das heißt, die Dreharbeiten werden sich hinziehen. Und ich habe keine Lust, das ganze Jahr über in diesem Hotel zu leben. Es ist zwar luxuriös und alles, sie kümmern sich wirklich rührend um uns, aber ich möchte doch Abends nach Hause kommen und einfach nur die Füße hochlegen können.“
Brad und George nickten. „Eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus hätte schon Vorteile. Vor allem könnten wir unbekannt bleiben. Zumindest eine Weile. Hier im Hotel ist die Gefahr doch zu groß. Es wimmelt ja nur geradezu von Presse in dieser Stadt. Das ist nur eine Frage der Zeit, bis die uns entdecken. Auch wenn ich glaube dass die Tarnung sehr gut ist. Seid doch mal ehrlich, wer würde uns schon in der Navy vermuten?“ „Keiner, Brad. Keiner von diesen Geiern würde uns da drin vermuten. Trotzdem.“ „Jules hat recht. Wir sollten das in Angriff nehmen, bevor wir in die Grundausbildung gehen.“
„Okay. Gleich morgen machen wir uns auf die Suche. Die werden doch sicher einen Makler kennen bei J.A.G., oder?“ „George, guck doch einfach mal in die Zeitung! Da steht sowas auch drin.“ Damit griff sie nach der Washington Post und schlug damit nach ihrem Kollegen. „He! Ich bin doch nicht Dein Sandsack!“, beschwerte der sich umgehend und lautstark. „Nein, aber wer nicht hören will muss fühlen.“ Julia lies sich wieder zurück auf die Couch sinken. „Kindsköpfe! Aber ich bin dabei. Ich denke, eigene vier Wände sind auf jedenfall bequemer als ständig dieses Hotel.“, kommentierte Brad das Tun seiner beiden Kollegen.
„Dann wäre das ja abgemacht.“ George gähnte herzhaft. „Ich glaube ich geh dann mal in Richtung meines Bettes. Morgen früh wird wieder hart werden.“ „Jogging mit dem Admiral?“ Brad grinste hinter seinem Rotweinglas hervor, das er sich mittlerweile eingeschenkt hatte. „Ja, Jogging mit dem Admiral. Da die letzten beiden Tage ja dem Schneesturm zum Opfer gefallen waren, werden wir das nachholen.“ „Na dann, viel Vergnügen. Ich werd jetzt auch gehen.“ „Damit Du von Commander Rabb träumen kannst?“ Julia fuhr herum. „Brad! Du bist abscheulich, weißt Du das? Man könnte fast meinen, Du bist neidisch.“
Unschuldig sah er sie an. „Ich und neidisch? Auf was? Nur zur Information, ich geniese mein Singledasein. Man muss auf niemand Rücksicht nehmen, kann tun und lassen was man will, muss sich nicht rechtfertigen, ist schlicht und einfach frei.“ George war aufgestanden und legte ihm seine Hand auf die Schulter. „Nicht, Brad. Quäl Dich nicht so.“ >Mist, die Sache mit der Scheidung geht ihm immer noch nahe. So verbittert wie er gerade geklungen hat.< „Schon okay. Ich geh dann besser auch ins Bett, wenn ihr euch alle vom Acker macht.“
„Also gut. Dann gute Nacht.“ „Schlaf gut, Julia. Bis morgen, George.“ „Ja, bis morgen.“ Die beiden Schauspieler verliesen die geräumige Suite um leise über den dicken Teppich des Flures in ihre Zimmer zu schleichen. Brad blieb zurück. Er seufzte einmal tief auf, schüttelte den Kopf, räumte dann die Teller zusammen und machte sich dann Bettfertig. >Bin mal gespannt, was die nächsten Tage so bringen werden.<, war sein letzter Gedanke, bevor ihn die Müdigkeit übermannte.
06.45 Uhr Zulu-Zeit
Harms Appartement
Nördlich der Union Station
Washington D.C.
Seit Commander Rabb kurz nachdem er zu Hause angekommen war sich ins Bett begeben hatte, wälzte er sich unruhig von einer Seite auf die andere. Er konnte einfach nicht einschlafen. Immer wieder kam ihm die Sache mit Mac und ihrem bevorstehenden Urlaub am Comer See in den Sinn. Er war ganz und gar nicht einverstanden damit, aber das würde er ihr niemals sagen. >Wenn ich ehrlich bin, hat es mich richtig hart getroffen, als sie mir das gesagt hat. Verdammt nochmal, ich bin doch nicht mit ihr verheiratet und schon gar nicht zusammen! Als ich mir eingebildet habe, dass ich sie liebe hat sie mich zurück gewiesen und sich statt dessen diesem Webb an den Hals geworfen.<
Frustriert stöhnte Harm auf. >Und jetzt? Liebe ich sie? Warum hab ich sonst mit ihr geschlafen? Nur aus reiner Not? Nein, sowas hab ich früher getan. Ich bin doch keine zwanzig mehr. Und warum hat sie es dann getan? Empfindet sie mehr als Freundschaft für mich? Aber warum nochmal hat sie dann zu diesem Urlaub ja gesagt? Nur weil ich mal wieder die Zähne nicht auseinander bekommen habe um darüber zu reden? Aber sie hat ja auch nichts gesagt.< Harm griff nach seinem zweiten Kopfkissen und zerknüllte es auf seinem Bauch.
„Wieso muss das alles nur so kompliziert sein?“ Mittlerweile lag er auf dem Rücken und starrte an die Decke. Beinahe verzweifelt schloss er die Augen um einen neuen Versuch zu machen, einzuschlafen. Im Traum aber kamen wieder die Bilder von Mac und ihm. Ohne dass er sich dessen bewusst war, drehte er sich auf die Seite und schmiegte sich an das zweite Kopfkissen als ob er sich an einen anderen Körper schmiegen würde.
17.32 Uhr Zulu-Zeit
J.A.G. HQ
Falls Church, Virginia
Obwohl heute Heilig Abend war, herrschte im J.A.G.-HQ eine hektische Betriebsamkeit. Alle wuselten durcheinander, führten noch irgendwelche Telefonate und beeilten sich, um mit der Arbeit fertig zu werden bevor sie zum Gottesdienst gingen und somit die Feiertage einläuten konnten. Auch die drei Schauspieler waren vollauf in den Arbeitsablauf eingebunden worden. Julia Roberts mit Sekretariatsarbeiten, Brad Pitt mit Kurierdiensten und George Clooney mit dem Studium der Kommandostruktur bei Admiral Chegwidden persönlich.
Harm und Mac sprachen schon seit zwei Tagen nur das nötigste miteinander, was nun der restlichen Belegschaft mehr als spanisch vorkam. Schienen sie sich doch wieder besser zu verstehen. Der Umgang der beiden Offiziere miteinander war zwar freundlich und höflich, aber nicht so vertraut wie sonst. Sie machten auf alle den Eindruck, als ob sie sich mit Absicht aus dem Weg gingen. Das Gute daran war nur, dass die meisten zu beschäftigt mit ihrer Arbeit waren, als dass sie hätten sich großartig darum kümmern können.
So saß Harm also in seinem Büro und erledigte die letzten Akten, während Mac sich mit Sturgis um einen Vergleich in letzter Minute bemühte als ein rotgelockter, weiblicher Midshipman das Bullpen betrat. Zielstrebig ging sie auf das Büro von Commander Rabb zu, wurde jedoch aufgehalten. „Ah, Midshipman Grace, wie geht's Ihnen?“ Sofort nahm Mattie Haltung an. „Danke, sehr gut, Admiral.“ Ein brummiges Lächeln des Seals war die Antwort. „Das freut mich. Aber jetzt will ich Sie nicht länger aufhalten, Sie wollen sicher zu Commander Rabb. Er ist in seinem Büro.“ „Danke, Sir.“




