Title: „Hase und Igel“
Author: fa sai, Elke
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Feedback: immer erwünscht, aber bitte immer schön freundlich bleiben!
Rating: PG-13
Category: JAG-Story
Summary: Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig, insbesondere weil das persönliche Verhältnis zwischen Harm und Mac die weitere Arbeit zu behindern droht. Werden die Ermittler trotzdem allem Erfolg haben und den Täter stellen, bevor er erneut zuschlägt?
Spoiler: 9. Folge der Virtual Season 10
Disclaimer: JAG und alle Charaktere gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions, CBS und Paramount. Ausnahmen: Richard Quinn, Elizabeth McNeel und Adm. Corin sind eine Gemeinschaftsproduktion der Mitglieder des Forums. Julie Graham und Annabelle Lorenzen gehören Elke und mir ganz allein!!
Unser Dank geht wie immer an unsere Betas. Danke, dass ihr die Stücke nicht vollkommen zerreißt
Was bisher geschah.....
„Sie wollte hören, was ich so mache, und hat uns zum Abendessen eingeladen.“
„Harm, das ist doch kein Problem. Natürlich kannst Du zu Deiner Mutter fahren, wir kommen auch mal einen Tag ohne Dich aus.“ Mac krönte ihre Aussage mit der Sparversion eines Lächelns.
„Ähm, ich sagte, sie hat UNS zum Abendessen eingeladen.“
„Kann es sein, dass er am letzten Tatort anwesend war und alles genau beobachtet hat?“ warf Anna ein.
„Das ist durchaus möglich!“
„Nur warum projiziert er seine Aversion allein auf Harm und nicht auf einen anderen von uns?“ fragte Julie.
„Nun, er sieht Harm als Alpha-Tier in unserer Gruppe. Also als eine Art Anführer...“
„Wir waren die besten Freunde. Wir konnten über alles reden, wir haben uns gegenseitig zugehört, wir waren füreinander da. Was ist nur mit uns passiert? Ich habe Dir vertraut, aber das Vertrauen ist nicht mehr da.“ Sie machte eine ausladende Handbewegung. „Es tut jedes Mal mehr weh. Ich kann das nicht mehr und ich will auch nicht mehr.“ Sie sah Harm direkt ins Gesicht. „Es ist aus, Harm, verstehst Du, endgültig!“
Mac stand auf der Schwelle und sah fürchterlich aus. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und sah insgesamt total erschöpft aus.
Die drei Frauen sprangen von ihren Stühlen auf und fragten fast gleichzeitig: „Was hat die Ärztin gesagt?“
Vorspann...
1045 ZULU (0245 UNIFORM)
“Seattle’s Best Coffee”, Bob Wilson Drive
San Diego, CA
Trish, Mac, Anna und Julie saßen in dem kleinen 24-Stunden-Diner unweit des Militärkrankenhauses.
Mac saß erschöpft vor einem Teller mit Pfannkuchen und einer Tasse Kaffee. Julie und Trish hatten sich ebenfalls für Kaffee entschieden, während Anna versuchte, mittels einer Tasse schwarzem Tee mit fünf Teelöffeln Zucker gegen die Müdigkeit anzukämpfen, die dem Abebben des Adrenalinspiegels auf dem Fuße gefolgt war. Wie die anderen auch, mit mäßigem Erfolg.Aber verzweifelte Situationen erforderten verzweifelte Maßnahmen. Oder? Sneaker machte es richtig, denn er lag unter dem Tisch und schlief friedlich.
„Wir hätten Sie gleich zurück zum Hotel bringen sollen, Mac. Sie müssen doch total erledigt sein,“ sagte Trish und legte Mac in ihrer Besorgnis eine Hand auf den Unterarm.
„Ich bin auch der Meinung, dass Du dringend ins Bett gehörst,“ pflichtete Julie bei und Anna ergänzte in der ihr eigenen direkten Art: „Du siehst grauenvoll aus.“
Mac sah auf ihre im Schoß gefalteten Hände. „Noch einen Moment, dann können wir meinetwegen fahren.“
„Du hast die Ärztin gehört. Du sollst Dich möglichst schonen. Die Krämpfe heute waren ein Schuss vor den Bug.“ Anna machte sich trotz ihres vorherigen Kommentars ernsthafte Sorgen.
„Was soll ich denn machen? Ich kann doch nicht einfach mein Leben anhalten! Jedes Mal, wenn es so aussieht, als würde es zur Abwechslung mal normal laufen, gerät alles außer Kontrolle.“
Trish versuchte Mac zu beruhigen. „Jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen. Das wird schon wieder. Die Ärztin hat doch gesagt, dass kein Grund zu größerer Besorgnis besteht. Sie müssen Ihre Medikamente nehmen und sich etwas mehr schonen. Das ist alles nur eine Frage der Organisation.“
„Eben,“ pflichtete Julie bei. „Wir können die Aufgaben unter uns so verteilen, dass Du nicht ausgerechnet die physisch anstrengenden Sachen erledigen musst. Du brauchst da auch kein schlechtes Gewissen zu haben.“
„Das habe ich aber!“ Mac wandte sich an Trish. „Es tut mir wirklich Leid, dass ich Ihnen den Abend verdorben habe.“
„Oh, jetzt hören Sie aber auf, meine Liebe. Erstens weiß ich schon nicht mehr, wie oft Sie sich mittlerweile entschuldigt haben. Und zweitens gibt es nichts zu entschuldigen. Sie können nichts dafür, dass Sie Krämpfe bekommen haben und was die kleine Auseinandersetzung mit meinem Sohn angeht, so schätze ich, dass das nicht ausschließlich Ihre Schuld gewesen ist. Machen Sie sich also mal keine Gedanken. Schließlich heißt es nicht umsonst: Was sich liebt, das neckt sich.“ Trish tätschelte mit einem mütterlichen Lächeln Mac's Arm, deren Augen sich vor Schreck geweitet hatten. „Ich habe nicht oft die Gelegenheit so hautnah am Leben meines Sohnes teilhaben zu können,“ fügte sie mit einem schelmischen Grinsen hinzu.
Mac brachte vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung lediglich ein schiefes Lächeln zustande. Außerdem war sie nicht darauf aus, mit Trish über ihre „was auch immer“ mit Harm zu sprechen. Zu sehr schmerzte das Erlebte der letzten Stunden. „Warum habe ich das Gefühl, dass die beiden...“ Sie deutete auf Julie und Anna. „...auf Sie abfärben?“
„Hey!“ protestierte Anna. „Was soll das denn schon wieder heißen?“
In diesem Moment klingelte Trish’s Mobiltelefon. Sie sah auf das Display und lächelte.
„Hi, Darling.“
***
„Ja, es ist soweit alles in Ordnung. Aber sie hat uns allen einen gewaltigen Schrecken eingejagt.“
***
„Das werde ich ihr ausrichten.“
***
„Wir sind nicht mehr in der Klinik.“
***
„Nein, wir haben auf den Schrecken noch einen Kaffee getrunken. Du weißt, in dem kleinen Diner schräg gegenüber. - Wie geht es Harm?“
***
„Oh, o.k. Gut zu wissen.“
***
„Wann kannst Du hier sein?“
***
„Gut. Bis später.“
***
„Ja, mach ich.“
***
„Bye.“
Trish verstaute ihr Telefon wieder in ihrer Handtasche. „Das war Frank. Er wünscht Ihnen gute Besserung, Mac.“
„Danken Sie ihm bitte von mir.“
„Das werde ich gerne tun.“ Trish holte tief Luft. „Frank hat Harm gerade bei Eurem B&B abgesetzt und ist jetzt auf dem Weg hierher, um mich einzusammeln. Er hatte den Eindruck, dass Harm sich große Sorgen und vor allem große Vorwürfe macht.“ Sie wartete auf eine Reaktion von Mac, doch die sah nur unangenehm berührt zu Boden. Julie suchte die sich ausbreitende Stille dadurch zu überbrücken, dass sie die Rechnung anforderte.
1200 ZULU (0400 Uniform)
Martha's B&B
Das Damentrio war bereits jenseits jeglicher Erschöpfung, als sie kurz vor dem ersten Morgengrauen Martha's kleine Pension betraten, die ihnen mit einem besorgten Gesichtsausdruck im Morgenmantel entgegenkam.
„Mac, Liebes! Wie geht es Ihnen? Ich war ja so besorgt, als Julie mir am Telefon gesagt hat, was passiert ist!“
Mac versuchte ein tapferes kleines Lächeln, aber scheiterte kläglich. „Es geht schon wieder, Martha. Danke. Ich bin nur unglaublich müde.“
„Das kann ich mir vorstellen. Sie armes Ding. Ich bringe Ihnen gleich noch eine Tasse Kamillentee nach oben.“ Mit diesen Worten entschwand sie in Richtung Küche.
Julie hakte sich bei Mac ein, um ihr die Treppen hinauf zu helfen. Anna und Sneaker folgten den beiden. Oben angekommen sagte Mac zu Julie: „Ich hole nur noch schnell ein paar Sachen aus dem Zimmer und komme dann rüber. Es ist wirklich nett, dass ich heute bei Dir im Zimmer übernachten kann.“
„Das ist doch gar kein Problem,“ winkte Julie ab. „Mach schnell, Du gehörst dringend in die Heia!“
Mac ging den Gang hinauf zu dem Zimmer, dass sie sich mit Harm teilte.
„Ich gehe noch schnell ein paar Unterlagen aus dem Arbeitszimmer holen, die ich für später brauche,“ sagte Anna leise zu Julie. Die nickte nur und wartete darauf, dass Mac zurückkehrte.
Anna schlüpfte aus ihren Schuhen und betrat barfuss mit Sneaker auf den Fersen das dunkle Arbeitszimmer und tastete nach dem Lichtschalter. Das Licht ging an und sie durchquerte das Zimmer bis zu dem großen Tisch, auf dem sich ihre Unterlagen befanden, als sie bemerkte, dass irgendetwas in dem Zimmer Sneakers Aufmerksamkeit erregt hatte. Sie drehte sich um, um zu sehen, was das wohl war, wobei ihr Blick zunächst auf einen schlafenden Harm auf der Couch fiel und dann weiter zu dem Bett wanderte, das sie an eine Wand des Zimmers geschoben hatten und welches jetzt als Ablagefläche für zahlreiche große Aktenkisten diente. Er war wohl zu müde gewesen, die Kisten abzuräumen und hatte die einfache Variante gewählt.
Selbst im Schlaf war ihm der Stress des vergangenen Abends anzusehen. Außerdem konnte das Sofa für einen Mann seiner Größe nicht bequem sein.
Anna entschied, dass es das Beste war, ihn schlafen zu lassen, zumal sie sich ohnehin nicht in der Lage sah, nach diesem Alptraum von einem Tag noch einen kohärenten Gedanken zu fassen, und ging auf Zehenspitzen zum Schreibtisch, griff die Unterlagen, die sie brauchte, und schlich geräuschlos zurück zur Tür.
„Anna?“ >O.k., wohl doch nicht so geräuschlos.< Sie erstarrte mit der Hand am Türknauf und zog eine Grimasse. Sie schluckte den Fluch, der ihr auf der Zunge lag, herunter und drehte sich um.
„Ja, Harm?“
„Wie geht es ihr?“ Harm hatte sich auf dem Sofa aufgesetzt und ihm standen die Besorgnis und das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben.
Anna brachte trotz ihrer Müdigkeit ein mildes Lächeln zustande. „Es geht ihr soweit ganz gut. Was ich dem medizinischen Fachchinesisch der Ärzte entnehmen konnte, hat der ganze Stress zu Krämpfen geführt und auch wenn sie das entschieden leugnet, so scheint Mac ihre Medikamente nicht ganz so regelmäßig eingenommen zu haben, wie es notwendig gewesen wäre. Dazu noch die Erschöpfung von dem wahrlich beeindruckenden Cross-Sprint, den sie da hingelegt hat. Naja, das war wohl alles etwas zu viel.“ Sie schüttelte den Kopf. „Die Ärzte haben sie jedenfalls dazu verdonnert, sich zu schonen, woraufhin sie dem Krankenhauspersonal die Ohren vollgejammert hat. Du kennst sie ja.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Sie ist so stur wie sie zäh ist.“
„Ja, das ist sie.“ Harm, dem die Schuldgefühle anzusehen waren, pausierte und Anna sah das als Gelegenheit, den schnellen Rückzug anzutreten. Doch als sie Harm eine Gute Nacht wünschen und sich zum Gehen wenden wollte, sagte Harm: „Hat sie noch etwas gesagt?“
>Oh, nein. Komm' schon, es ist mitten in der Nacht und ich höre mein Bett rufen.< Anna riss sich zusammen und lehnte gegen den Türrahmen, während Sneaker sich neben sie gesetzt hatte und sich nun hingebungsvoll hinter einem seiner Ohren kratzte. Sie sah Harm mit einer Mischung aus Verständnis und Frustration an. „Ihr habt Euch heute beide nicht gerade mit Ruhm bekleckert.“ Sie schüttelte beinahe amüsiert den Kopf, bevor sie Harm wieder mit ihrem Blick fixierte. „Sie ist verletzt. Genau wie Du auch. Ich glaube, Ihr solltet beide Euer Gemüt kühlen und Euch gründlich aussprechen, wenn der ganze Wahnsinn hier vorbei ist.“ Sie machte eine ausholende Handbewegung. „Bis dahin solltet Ihr Euch auf den Fall konzentrieren.“ >Bevor Eure Streitereien noch jemanden das Leben kosten<, ergänzte sie im Stillen.
Harm nickte stumm und rieb sich mit zwei Fingern über den Nasenrücken, bevor er erneut aufsah und sagte: „Hat Mac erzählt, dass Alicia angerufen hat?“
„Sie hat es erwähnt,“ bestätigte Anna wage.
„Ich habe bisher alle ihre Anrufe ignoriert,“ fuhr er fort. „Aber sie hat nicht locker gelassen. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie die Nummer von Martha herausgefunden hat."
>Das sieht ihr mal wieder ähnlich. Wie ein Bluthund.< Anna runzelte die Stirn und verkniff sich im nächsten Moment ein Grinsen, ob des Bildes, welches sich vor ihrem inneren Auge formte.
„Nun, ich gebe zu, dass Julie und ich uns auch schon so unsere Gedanken gemacht haben, was da zwischen Dir und Alicia...“
„Da war überhaupt nichts!“ unterbrach Harm sie vehement.
Anna hob beide Hände in einer beschwichtigenden Geste. „Holla, immer langsam. Ich wollte nichts unterstellen.“ Sie holte tief Luft. „Aber Du musst zugeben, dass Du dadurch, dass Du Mac wegen Alicia versetzt hast, nicht gerade dazu beiträgst, dass sich die Waagschale zu Deinen Gunsten neigt.“ Ihr Gesichtsausdruck spiegelte ihre Missbilligung wieder. „Es hat sie unheimlich hart getroffen, dass Du sie in dieser Situation und dann auch noch auf diese Art und Weise im Stich gelassen hast. Ich weiß nicht, ob Dir das schon mal jemand gesagt hat, aber für einen Kampfpiloten hast Du ein verdammt lausiges Timing. Mal abgesehen davon, dass es für so was wohl grundsätzlich kein gutes Timing gibt...“
Anna bemerkte, dass sie sich in Rage geredet hatte und Sneaker sah sein Frauchen an, als fragte er sich, was sie wohl so aufregte. Anna ließ einen Stoßseufzer entweichen: „Ich weiß, dass dieses ganze Desaster nicht allein Deine Schuld ist, o.k.? Aber ich habe das dumme Gefühl, dass uns dieser Fall um die Ohren fliegt, wenn wir nicht aufpassen. Und wenn ich da an die Sache mit der Zeitung denke, dann mache ich mir Sorgen um Dich. Ich möchte nämlich nicht wissen, was Mac macht, wenn Dir etwas passiert.“
„Du hast wahrscheinlich Recht.“ Harm sah sich nicht in der Lage zu widersprechen.
Anna grinste nur und sagte: „Natürlich habe ich Recht.“ Sie drehte sich zur Tür, und drehte den Knauf, bevor sie sich ein letztes Mal zu Harm umdrehte: „Gute Nacht, Harm. Ach und übrigens: Christian hat Dich am Fenster stehen sehen. Was Du auch immer meinst gesehen zu haben... Ihr beide spielt nicht in der gleichen Mannschaft.“
Bevor Harm registriert hatte, was sie gesagt hatte, war sie auch schon verschwunden und er starrte verwirrt auf die nun geschlossene Tür.
Anna stand im Flur und atmete tief durch. Sie sah zu Sneaker hinunter und sagte: „So, jetzt haben wir uns den Schlaf aber wirklich redlich verdient.“
„Na, ich schätze, Du hast selbst bemerkt, dass Harm ins Arbeitszimmer gezogen ist, so dass Mac jetzt doch in ihrem eigenen Zimmer bleiben kann.“
Anna drehte sich um und sah Julie mit einem Augenrollen an. „Das kannste laut sagen. Leider habe ich es zu spät bemerkt.“ Die beiden Frauen setzten sich in Richtung des anderen Endes des Flurs in Bewegung.
„Was hat er gesagt?“
„Die Kurzfassung ist: Es tut ihm leid und er macht sich Sorgen. Ich habe ihm gesagt, dass Mac es wohl überleben wird, dass es nicht allein seine Schuld ist und dass wir uns jetzt alle auf unsere Ermittlungen konzentrieren sollten.“ Julie schüttelte nur den Kopf und seufzte, als sie sich den Abend erneut ins Gedächtnis rief. Die beiden waren nun vor ihren Zimmern, die sich gegenüber lagen, angekommen.
„Oh Mann, ich bin so müde,“ stöhnte Julie und konnte kaum ein Gähnen unterdrücken.
„Wem sagst Du das,“ seufzte Anna. „Manchmal glaube ich ja, wir haben unseren Beruf verfehlt. Vielleicht sollten wir ein Schild an unsere Bürotür hängen, auf dem steht 'Graham & Lorenzen – Rat und Tat in allen Lebenslagen'.“
Die beiden starrten sich für einen Moment an, bevor sie in beinahe hysterisches Gelächter ausbrachen, so dass ihnen die Tränen über das Gesicht liefen.
Als sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatten, wandten sie sich ihren Zimmern zu und verabschiedeten sich bis zum Morgen.
„Gute Nacht.“
„Gute Nacht.“
1700 ZULU (0900 UNIFORM)
Martha's B&B
Die Morgensonne, die durch das Fenster fiel, erfüllte den Frühstücksraum mit gleißendem Licht. Anna saß in Jeans und einem rosa Polo-Shirt an dem großen runden Holztisch. Martha war stellte das Tablett, das sie gerade herein getragen hatte ab und platzierte eine große Teekanne sowie Toast und Pfannkuchen auf dem Tisch. Sie warf einen kurzen Blick in Richtung Fenster und zog die Stirn in Falten. „Es wird wohl ein größerer Sturm aufziehen,“ sagte sie an Anna gewandt. „Das wird bestimmt Überschwemmungen geben, nach dieser langen Trockenheit.“Anna zog die Nase kraus. „Meinst Du wirklich? Im Radio haben sie vorhin gesagt, dass es vorerst trocken bleiben soll.“ Christian wählte diesen Moment, um in Khakis und einem blauen Hemd gut gelaunt und federnden Schrittes das Zimmer zu betreten.
„Guten Morgen, die Damen, wie ich höre, habe ich gestern eine Menge verpasst.“ Mit diesen Worten ließ er sich in einem der freien Stühle am Tisch nieder und goss sich eine Tasse Kaffee ein, während er fragend in die Runde sah.
Anna runzelte die Stirn. Die Nacht war eindeutig zu kurz gewesen und so fürchterlich gut gelaunte Menschen am frühen Morgen, wenn sie zu allem Übel so gar nicht ausgeschlafen war, schafften es immer, Mordgelüste in ihr zu wecken. „So kann man es zusammenfassen,“ brummte sie und nippte an ihrem Tee.
Christian zog fragend eine Augenbraue hoch, doch Anna zog es vor, ihn fürs Erste zu ignorieren.
„Ich werde mich mal um meine Bestellungen kümmern, damit wir kommende Woche nicht hungern müssen. Wenn Ihr etwas braucht, dann wisst Ihr ja, wo Ihr mich findet,“ entschuldigte sich Martha im Aufstehen, strich ihre Schürze glatt und verließ den Raum.
Christian entschloss sich, wenigstens für den Moment, das Thema zu wechseln. „Wo ist eigentlich Sneaker?“
Anna hatte gerade angefangen, sich widerwillig eine Scheibe Toast mit Honig zu beträufeln – sie hasste Frühstück. „Eric hat ihn vor einer Viertelstunde abgeholt, um mit ihm eine Runde zu drehen.“
„Scheint ein netter Junge zu sein. Ich habe ihn gestern vor dem Haus getroffen, als er Martha mit den Gemüsekisten geholfen hat.“ Christian stapelte ein halbes Dutzend Pfannkuchen auf seinen Teller, die er jeweils mit Butter bestrich und hingebungsvoll mit einer dickflüssigen Sintflut aus Sirup begoss.
Anna rümpfte bei diesem Anblick die Nase, während sie an ihrem Toast knabberte.
Als Christian mit der Kalorienanzahl auf seinem Teller zufrieden war, zerteilte er einen der Pfannkuchen, vergewisserte sich, dass dieser bis zur Beinahe-Auflösung mit Sirup getränkt war und schob sich den Bissen in den Mund. „Hmm, lecker.“
„Nicht wirklich.“ Anna beäugte Christians Teller, als befürchtete sie, dass die Pfannkuchen aufspringen und sie anfallen würden.
>Igitt!<
„Willst Du mal probieren?“ fragte Christian und hielt ihr die Gabel mit einem triefenden Bissen entgegen.
Anna zog die Nase kraus. „Danke, ich passe, sonst falle ich noch ins diabetische Koma.“
Doch Christian zuckte nur mit den Schultern und fragte gut gelaunt zwischen zwei Bissen: „Also, was ist gestern Abend passiert, Annalein?“
1745 ZULU (0945 Uniform)
Rancho Bernardo News Journal
13247 Poway Road, Poway CA
Das Verlagsgebäude des “News Journal” war ein modernes dreistöckiges Gebäude mit weißem Anstrich. Es war nicht sehr groß, aber im Vergleich zu den anderen umliegenden Gewerbegebäuden überragte es diese und war schon von Weitem zu erkennen. Auch ansonsten stach es ob seiner Architektur gegenüber den anderen Gebäuden hervor, die in der üblichen Plattenbauweise gefertigt waren. Die Fensterfronten des Hauses waren etwas zurückgesetzt und von einem Außenflur umgeben. Aufgrund der verspiegelten Fenster konnte man von außen nicht in das Gebäude sehen. Die Sonne spiegelte sich in den Fenstern, wenn sie es denn schaffte, sich gegen die aufziehenden Wolken durchzusetzen. Abgesehen von der Tristesse eines Gewerbekomplexes befand sich hinter dem Verlagsgebäude ein riesiger Park, der das Gelände etwas freundlicher gestaltete.
Der Weg zum Eingang des Verlagsgebäudes war zu beiden Seiten von Rasenflächen umgeben, auf denen kleinere Büsche und Bäume wuchsen. Ein junger Mann war gerade dabei, die Bäume an der kleinen Straße, die den Weg zum Gebäude vom Parkplatz trennte, von Unkraut zu befreien, als Harm den Wagen auf den Parkplatz lenkte.
Die Fahrt zur Zeitung verlief ruhig, Harm und Julie sprachen kaum ein Wort. Die wenigen Stunden Schlaf, die Julie erhaschen konnte, schienen ausreichend gewesen zu sein. Kein Funken Müdigkeit war bei ihr zu erkennen. Innerlich zählte sie jedoch bereits die Stunden, in denen sie der Hammer erwischen und sie erschöpft ins Bett fallen würde, um alles andere um sich herum zu vergessen. Sie hoffte, dass sie in der nächsten Zeit nicht noch mal so eine Nacht durchmachen müsste. >Aber bei den beiden kann man sich da nie sicher sein.< Bei dem Gedanken musste Julie aufseufzen und schaute in Richtung des Mannes, der neben ihr saß.
Harm war ebenfalls in Gedanken versunken und kämpfte mit den Nachwirkungen der Nacht. Er konzentrierte sich aufs Fahren, aber sein Kampf mit sich war ihm auf die Stirn geschrieben. Außerdem versuchte er mehrfach seine Sitzposition in eine bequemere zu ändern. Als er den Wagen nun abstellte, wollte er auch augenblicklich aus den Wagen steigen und vorausgehen, als er sich an den Rücken fasste. Harm verzog sein Gesicht schmerzverzerrt, ließ die Luft geräuschvoll aus seinen Lungen entweichen und wartete darauf, dass der Schmerz nachließ.
„Was ist?“ fragte Julie, die ebenfalls aus dem Fahrzeug ausgestiegen war.
„Die Couch im Arbeitszimmer war nicht sehr bequem und auch um etliche Zentimeter zu klein,“ sagte er und setzte sich seine Mütze auf, die er sich tief ins Gesicht zog.
„Ich könnte Dir jetzt sagen, dass das Deine Schuld ist, aber das weißt Du auch so schon,“ entgegnete Julie unberührt und nahm ihre Tasche von der Rückbank des Fahrzeuges.
„Ich weiß Deine Anteilnahme wirklich zu schätzen,“ gab er sarkastisch zurück und begab sich in Richtung der kleinen Straße. Sein Schritt war zunächst vorsichtig, aber nach ein paar Metern hatte er die Unsicherheit verloren, die er aufgrund seiner Schmerzen verspürt hatte.
Julie folgte ihm schulterzuckend, da sie eigentlich mit einer heftigeren Gegenwehr von Harm gerechnet hatte, und hatte ihn kurze Zeit später eingeholt. Als er sie nun neben sich gehen sah, wandte Harm sich zu ihr und fragte: „Wie geht es Mac?“ Seine Stimme war leise, hatte aber eine Festigkeit angenommen, die er selber nicht verspürte. Obwohl ihm Anna heute Nacht oder besser gesagt heute Morgen versichert hatte, dass es Mac den Umständen entsprechend gut ginge, hoffte er, dass Julie noch Gelegenheit gehabt hatte, bei Mac vorbeizuschauen.
Den Gedanken daran, Mac heute Morgen selber aufzusuchen, hatte er wieder verworfen. Er stand bereits im Gang und hatte die Klinke in der Hand, aber dann kamen ihm die Worte von Anna wieder in den Sinn und er ging zurück in das Arbeitszimmer, jedoch nicht, bevor er noch einmal bedrückt zur Tür zurückblickte.
“Sie schlief noch, als wir losgefahren sind,“ holte ihn Julie aus seinen Gedanken. „Das ist nach dem gestrigen Abend auch kein Wunder. Aber mach Dir keine Sorgen, die Ärzte haben gesagt, dass sie bald wieder auf dem Damm ist. Sie soll sich heute ausruhen, damit sie wieder einigermaßen zu Kräften kommt,“ versicherte ihm Julie, wobei sie ihm beruhigend ihre Hand auf den Arm legte, da sie seinen besorgten Gesichtsausdruck bemerkte.
Ein kleines dankbares Lächeln zeigte sich auf Harms Gesicht. „Danke,“ erwiderte er so leise, dass es Julie kaum verstehen konnte.
Als sie beide nun gemeinsam die Eingangstür erreichten, öffnete Harm Julie die Tür und sie traten nacheinander den Eingangsbereich.







