Jenseits aller Zweifel von Caitlin

#1 von Petra , 07.05.2007 21:27

Jenseits aller Zweifel

von Caitlin


Erschöpft ließ streifte sich Cmdr. Harmon Rabb die Jacke von den Schultern, schmiss diese achtlos über einen Stuhl und ließ sich dann stöhnend auf die Couch fallen. Eigentlich hatte er schon vor Stunden zuhause sein wollen, aber Admiral Chegwidden hatte ihm da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht.
Der Bericht den er eigentlich erst nächste Woche abgeben musste, wollte der Admiral bereits morgen früh um 800 auf seinem Schreibtisch liegen haben. Das bedeutete kein Feierabend für ihn, stattdessen lästige Schreibarbeiten.

Sogar seine Partnerin Col. Sarah MacKenzie war vor ihm aus dem Büro gegangen. Er konnte sich nicht erinnern, ob dies überhaupt schon einmal geschehen war. Ein Lächeln erschien in seinem Gesicht, als er an Mac´s verwunderten Gesichtsausdruck dachte.

"Hey Sailor, Du so spät noch hier?" hatte sie ihn grinsend gefragt und sich dann am Türrahmen angelehnt. Er hatte ihre Frage nur mit einem spöttischen Lächeln quittiert und dann auf die Hensons-Akte gezeigt.
"Gibt es im Hensons Fall ein Problem? Ich habe gedacht es wäre bereits alles geklärt?" erstaunt war sie näher getreten
"Ja, es ist auch eigentlich alles geklärt, ich muss nur noch meinen Bericht fertig schreiben und das, " er lehnte sich resignierend in seinem Stuhl zurück, " wollte ich eigentlich erst am Wochenende in Ruhe machen."

Mac schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, das ihm eine Spur zu schadenfroh war. "Der Admiral will den Bericht früher?" Sie hatte es als Frage formuliert, aber es war mehr eine Feststellung.
" Japp, morgen früh um 800."
"Na dann wünsch ich dir noch viel Spaß Sailor!" meinte sie ernst und schenkte ihm diesmal ein Lächeln das einen Momentlang so aussah, als habe sie mitleid mit ihm. Aber wenn er jetzt noch einmal drüber nachdachte, war er sich sicher, sich getäuscht zu haben. Mac war zur Zeit die letzte Person die mit ihm Mitleid hatte. Er war schon verwunderlich genug, dass sie noch in sein Büro gekommen war. Seit Wochen schon lag eine unerträgliche Spannung zwischen ihnen. Es schien beinahe so als könne man diese Spannung greifen. Harm hatte sich schon viele Stunden den Kopf darüber zerbrochen, wie es so weit kommen konnte.

Seit Wochen war keiner von beiden in der Lage sich freundschaftlich mit dem anderen auseinander zu setzen und die ständigen Streiterein zermürbten nicht nur ihn sondern auch die Kollegen. Und das schrecklichste dabei war, es wurde von Tag zu Tag schlimmer.
Vielleicht sollte er den ersten Schritt tun und versuchen sich mit Mac auszusprechen. Vielleicht! Irgendjemand muss es doch, sagte er laut zu sich selbst und erhob sich schwermütig von der Couch. Wenn nicht ich, dann wird es keiner tun. Er kannte Mac schon seit acht Jahren und er wußte genau wie Stur sie sein konnte. Harm seufzte laut und griff im nächsten Moment zum Telefon. Doch bevor er wählen konnte klingelte das Telefon in seiner Hand.

"Rabb!" am anderen Ende der Leitung erklang die Stimme des Admirals und sofern Harm meinte, klang diese nicht erfreut. `Was habe ich nun schon wieder falsch gemacht ging Harm als erstes durch den Kopf, aber ihm wollte nichts einfallen, was er sich zu Lasten hätte kommen lassen.
"Rabb, ich will sie und den Col. in einer Stunden im Hauptquartier sehen."
"Worum geht´s?"
"Das werde ich ihnen beiden dann mitteilen. Sorgen sie nur dafür das sie beide pünktlich hier sind..."
"Aye, aye Sir" gab Harm mit fester Stimme von sich und wollte auflegen, als ihn der Admiral noch zurückhielt.
"Ach und Cmdr, packen sie ein paar Sachen zusammen und holen sie den Col ab. Ich kann sie nicht erreichen. Bis dann." Das tuten in der Leitung sagte ihm das der Admiral aufgelegt hatte.

Harm legte das Telefon zurück auf die Anrichte und machte sich auf den Weg in sein Schlafzimmer. Während er ein paar Sachen zusammenpackte, grübelte er über den Grund des späten Treffens nach und was ihm noch seltsamer erschien, war die Tatsache das Mac nicht erreichbar war.

Innerhalb von wenigen Minuten hatte er seine Sachen gepackt, seine Uniformjacke wieder angezogen und war auf den Weg zu seinem Auto. Warum ausgerechnet heute, wo er sich nichts sehnlicher wünschte als in seinem Bett zu liegen?

Er stieg in seinen Wagen und fuhr in Richtung Georgetown, zu Macs Apartment. Nebenbei versuchte er immer wieder Mac anzurufen, aber sie ging weder zu hause noch an ihr Handy ran. Wo steckst du Mac? fragte er sich immer und immer wieder.
Als er ihr Haus erreichte sah er bereits ihre SUV vor dem Haus stehen und auch in ihrem Apartment brannte ein deutlich Licht! So langsam begann Harm sich Sorgen zu machen, ihr war doch nichts passiert, oder?

Mit großen Schritte nach Harm die Treppe zu Macs Apartment und blieb wie angewurzelt vor der offenen Tür stehen. Okay, jetzt mache ich mir Sorgen, sagte er leise. Vorsichtig schob er die Tür ein Stück weiter auf, aber er konnte sie nicht sehen also trat er leise ein. In der Wohnung herrschte totenstille und Harm lief ein Schauer über den Rücken. Er entschied sich nach ihr zu Rufen, bekam aber keine Antwort. Hier stimmt doch etwas nicht. Wo war Jingo und zum Teufels wo steckte Mac. Er rief wieder ihrem Namen, diesmal lauter: "Maaac!" Aber wieder keine Antwort.

Harm betrat die Wohnung, Im Wohnzimmer war definiert keiner und auch in der restlichen Wohnung konnte er weder Mac noch Jingo finden.
Panik erfasste ihn und zum ersten Mal seit langer Zeit verspürte er wieder Angst. Sein Herz begann zu rasen und er fuhr sich verzweifelt mit den Händen durchs Haar. Was sollte er jetzt tun?
Ja, der Admiral. Schnell versuchte er sein Handy aus der Jackentasche zu nestelt. Aber er musste erschreckt feststellen das seine Hände zitterten. Bleib ruhig, alter Junge, ermahnte er sich selbst und schaffte es endlich das Handy aus der Tasche zu ziehen.

Gerade als er die Nummer des Admirals wählen wollte ertönte hinter ihm ein lautes Bellen. JINGO! Wenn Jingo wieder da war, dann vielleicht auch... Hastig drehte sich Harm zur Tür und dort stand eine völlig unversehrte, zwar verwunderte aber dennoch unversehrte Mac in der Tür. Es war ein Impuls von ihm zu ihr zu laufen und sie in seine Arme zu reißen. Die Erleichterung die er verspürte sie unverletzt zu sehen war überwältigend. So war es schon immer gewesen.

"Mac, gott sei dank!" flüsterte er leise und atmete erleichtert aus. "Du hast mich vielleicht, ..." er kam nicht weiter. Mac löste sich aus seiner Umarmung und schob ihn ein kleines Stück zurück. Aus großen braunen Augen sah sie ihn an und fragte schließlich ungehalten:
"Harm, was zum Henker tust du hier und wie bist du hier herein gekommen?" Sie stand nun mit beiden Händen in die Hüften gestemmt vor ihm und wartete auf seine Antwort.

Erst langsam realisierte Harm, dass es nie eine Gefahr gegeben hatte, Macs Verhalten machte ihm dies überdeutlich. Er hatte schlicht und einfach überreagiert und dabei völlig vergessen, dass Mac durchaus in der Lage war auf sich selbst aufzupassen.
"Harm, ich warte auf eine Antwort!" Sie lief in großen energischen Schritten um ihn herum. Harm musste sich umdrehen, damit er sie ansehen konnte.

Ich muss für einen Moment in Panik geraten sein. Ich habe auf der ganzen Fahrt versucht Dich zu erreichen und dann, " er unterbrach sich kurz um auf die noch immer offene Tür zu deuten " und dann komme ich hier an dein Auto steht vor der Tür, es brennt Licht in deiner Wohnung und die Tür stand offen. Was glaubst du wohl was ich da durchleben musste?" Harm eiste sich langsam los und schloß die Tür. Mac stand noch immer vor der Couch und sah ihn zweifelnd an. Wahrscheinlich prüfte sie die Wahrscheinlichkeit, dass die Tür wirklich offen stand. "Okay, das erklärt wie du hier herein gekommen bist, sowohl ich mir nicht vorstellen kann warum meine Tür offen gestanden haben soll. Aber ich weiß noch immer nicht WARUM du hier bist? Es ist 22:34, also was willst du?" Harm kam für einen Moment nicht darum herum sie wie immer dafür zu bewundern die richtige Zeit zu kennen ohne auf eine Uhr gesehen zu haben. Doch nur für einen Moment, dann besann er sich wieder und legte eine ernste Miene auf.

Mac", er strafte sie mit einen möglichst finsteren Blick ehe er fort fuhr, " du musst selbst zu geben das es schon ein bisschen beängstigend ist eine offene Tür vorzufinden und niemanden in der Wohnung. Dir hätte doch sonst was passiert sein können!"
"Harm, was hätte mir passieren sollen?" auch sie setzte eine ernste Miene auf und strafte ihn mit einem noch finstereren Blick. " Ich bin ein Marine!"
"Okay, ich weiß das, aber ich habe mir halt trotzdem Sorgen gemacht, schließlich bist DU..."
"Cdmr. das ist lächerlich und nun sag mir warum du hier bist! Sofort!" sie klang wirklich böse.
"Okay, Okay. Der Admiral will uns um 2300 im Hauptquartier sehen, das ist in..." er machte sich nicht die Mühe auf die Uhr zu sehen, sondern wartete auf die genaue Zeitansage seiner Kollegin.
"In 25 Minuten und 48 Sekunden!"
"Genau, also können wir? Ich nehme an deine Tasche befindet sich gepackt in deinem Auto?"

Auch hier zweifelte er nicht an seiner Partnerin, er wußte genau das es so war und deswegen machte er sich gleich auf den Weg zur Tür.
"wird es länger dauern?"
"Ich weiß es nicht! Wieso?" fragte er.
"Na wegen Jingo!"
"Ach ja", Harm überlegte einen Moment, "nimm ihm mit, der Admiral wird sich halt um ihn kümmern müssen. Wenn er uns schon so plötzlich sehen will."
Mac zögerte, aber sie hatte keine Wahl. Also machten sich die drei in der nächsten Minute auf den Weg in Hauptquartier.

Harm lenkte seinen Wagen mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz des JAG-Hauptquartiers. "Das war eine Rekordzeit!" vermeldete er stolz und sprang aus dem Wagen.
"Ja, und ich bin in Rekordzeit um mindestens drei Jahre gealtert", resignierte Mac, "für meinen Geschmack waren da zwei oder drei Rote Ampeln definitiv zu viel für mich."
"Ach komm Mac, es ist doch nichts passiert außer das wir mal pünktlich erscheinen." Noch im selben Moment bekam er für seinen Kommentar einen schmerzhaften Rippenstoß.
"Zu deiner Info Sailor: Ich bin verdammt noch mal immer pünktlich. Der einzige der ständig zu spät kommt bist doch du."
Entschuldigend warf Harm die Hände in die Luft und grinste seine Partnerin schief an. "Okay Ninjagirl, ich korrigiere mich. Endlich bin ICH mal pünktlich! Zufrieden?" Mac nickte nur und im nächsten Moment betraten die Beiden und Jingo das Bullpen.

Admiral Chegwidden erwartete sie bereits ungeduldig.
"Na endlich, warum..." der Admiral stockte als ihn Jingo freudig ansprang. "Sie haben ihren Hund mitgebracht Col.?"
"Ja Sir, sie haben uns ziemlich kurzfristig hierher beordert und da wußte ich nicht wohin mit Jingo." erklärte Mac händeringend.
"Ja und was soll der Hund dann hier?"
"Ehm Sir, der Cdmr. dachte das vielleicht sie..." Der Admiral warf Harm einen prüfenden Blick zu und Harm starrte mit aufgerissenen Augen zu Mac. Diese setzte ein breites Grinsen auf und zog die Schultern hoch.

"Nun der Cdmr, ..."
"Sir, ich dachte nur" unterbrach Harm Mac schnell, es war wohl besser, wenn er dem Admiral den Vorschlag selber unterbreitete. "Ich dachte sie könnten sich vielleicht um Jingo kümmern so lange Mac keine Zeit hat."
Als Antwort zog der Admiral die Augenbraunen hoch.
"Cdmr. verstehe ich sie richtig? Ich soll für diesen Hund den Babysitter spielen?"
"Ja Sir!" So langsam fühlte sich Harm unwohl. Wären die Roberts vielleicht ein bessere Lösung gewesen? Ja vielleicht. "Oh Sir, wenn es ihnen nicht passt, vielleicht können Bud und Harriet auf Jingo aufpassen? Es war nur, nun ja wir hatte ja nicht viel Zeit!"
"Schon gut schon gut Cdmr. Ich werde wohl oder übel auf diesen Hund hier aufpassen müssen, zumindest bis zum Montag dann werde ich mit den Roberts darüber sprechen." lenkte der Admiral endlich ein und Harm stieß ungewollt einen Seufzer der Erleichterung aus.

Zum Glück war der Admiral bereits in Richtung seines Büros gegangen und Harm hoffte inständig er habe seinen Seufzer nicht mehr vernommen. Doch Mac hatte ihn gehört und schien sich köstlich zu amüsieren. Überhaupt schien sie viel Spaß daran zu haben. Aus den Augenwinkeln hatte er genau gesehen wie Mac hinter dem Admiral stand und sich die ganze Zeit ein Lachen verkneifen musste.
"Hauptsache du hast deinen Spaß Mac!" flüsterte er und folgte dann dem Admiral in sein Büro. Auch Mac machte sich auf den Weg und diesmal verkniff sie sich das Lachen nicht.

"Col. warum diese Schadenfreude?" fragte der Admiral
"Schließlich ist es ihr verdammter Hund, oder nicht?" Mac fühlte sich ertappt und entschuldigte sich sofort beim Admiral.
"Gut, wenn sie beiden dann endlich bereit sind mir zuzuhören, können wir ja anfangen! Oder gibt es noch etwas?"
Beide schüttelten den Kopf. "Fein, dann setzen sie sich."
Nachdem beide sich gesetzt hatten, reichte der Admiral beiden eine Akte.

"Sie beiden werden noch heute nach San Diego aufbrechen und sich dort um diesen Fall kümmern. Es geht um Major Sarah Donnelly. Sie ist seit gestern Mittag als vermisst gemeldet." Chegwidden machte eine kleine Pause und Harm nutzte diese um gleich nachzuhaken. "Ist sie desertiert, Sir?"
"Cdmr. genau das gilt es für sie herauszufinden."
"Ja, aber warum dann diese Eile?" fragt nun Mac.
"Col., weil Major Donnelly die Tochter vom General Donnelly ist. Das sollte als Grund ausreichen."
"Von General Donnelly, Sir? Ich denke allerdings das dies als Grund reicht. Ist der General nicht sehr angesehen im Pentagon?" es war keine Frage, sondern eine Feststellung die Harm tätigte.
"Ja, Cdmr. deswegen wurden auch ausdrücklich meine beiden besten Anwälte geordert sich dieses Falles anzunehmen." Chegwidden erhob sich von seinem Sessel und umrundete mit großen Schritten seinen Schreibtisch.

"Das wunderliche an der Sache ist, dass der Major noch vor zwei Tagen mit ihrem Vater telefoniert hatte und zu diesem Zeitpunkt schien alles noch in Ordnung. Außerdem, " der Admiral verschränkte seine Arme vor der Brust, " als ich den Major vor etwa einem Jahr persönlich traf, er schien sie mir sehr stolz darauf ein Marine zu sein und in die Fußstapfen ihres Vater zu treten."
"Vielleicht ist im letzten Jahr etwas gesehen das ihre Meinung darüber geändert hat?" meinte Mac.
"Komm schon Mac, was gibt es auf der Welt was Dich davon abhalten könnte ein stolzer Marine zu sein?" Fragte Harm sie und Macs Antwort war erwartender Weise: "Nichts!" Jedoch lenkte sie sofort ein, dass nicht jeder wie sie sei.

"Du hast Recht, Du bist mit niemanden zu vergleichen..." dachte Harm sich, doch Mac verwundertes Gesicht und das des Admirals zeigten ihm, dass er seinen Gedanken laut ausgesprochen hatte. Doch beide verzichteten zu seinem Glück auf einen Kommentar. Stattdessen fuhr der Admiral mit seinen Vortrag fort.
"Also sie beiden werden jeder erdenklichen Spur nachgehen und mich über die kleinste Kleinigkeit auf dem laufenden halten. Ist das klar?"
"Aye, Aye Sir" riefen beide aus einem Munde.
"Gut, dann machen sie sich auf den Weg zum Flughafen. Ihr Flug geht in 2 Stunden."
"Aye, Aye Sir!" rief Mac
"Aye, Aye Sir!" Harm.

Beide waren dabei das Büro ihres COs zu verlassen als dieser noch einmal nach dem Col. rief.
"Ja Sir?"
"Zwei Dinge noch. Erstens was muss ich noch bezüglich meines Gastes wissen und zweitens: Verhindern sie unter allen Umständen das der Cmdr. irgendwelchen Blödsinn verbockt- Und das ist ein Befehl."
Mac lächelte nachsichtig, klärte den Admiral über Jingo auf und versprach heilig ein Auge auf den Cmdr. zu werfen.
"Col. ein Auge wird nicht reichen, behalten sie ihn die ganze Zeit fest im Blick."
"Das tue ich sowieso schon", platzte es Mac heraus.
Der Admiral bedachte Macs Kommentar nicht und befahl seinen beiden Offizieren wegzutreten.

Die Fahrt zum Flughafen legten sie schweigend zurück. Nun saßen sie in der Abflughalle des Flughafens und warteten darauf das ihr Flug aufgerufen wurde. Mac beobachtete ihren Partner verstohlen aus dem Augenblick. Die letzten Wochen hatten anscheinend nicht nur an ihren Nerven gezerrt, sondern auch an seinen. Derartig angespannt hatte sie ihn schon lange nicht mehr gesehen. Er schien sogar ein paar Pfund abgenommen zu haben und auf seiner Stirn bildeten sich tiefe Falten. "Es ist nicht meine Schuld", dachte sie aber die fühlte sich trotzdem nicht gut.

Nichts wünschte sie sich sehnlicher als wieder wie früher mit Harm zusammen sein zukönnen. Wie zwei Freunde die einander respektieren. Mac schloss die Augen und sie sah einen Harm der sie liebevoll tröstete. Das war lange her, zu lange! Ohne es zu wollen stieß sie einen Seufzer aus. "Alles klar?" fragte Harm sie sofort. Das hörte sich tatsächlich besorgt an, schoß es ihr durch den Kopf. Sie öffnete die Augen wieder und sah zu ihm herüber. Diesen Blick hatte sie vermisst. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Ja, so hatte er sie früher immer angeschaut, wenn es sich um sie gesorgt hatte. Vielleicht würde diese Reise ihnen helfen sich wieder zusammen zuraufen und endlich wieder Freunde zu werden. Vielleicht konnte sie dann auch wieder schlafen ohne sich stundenlang im Bett herumzuwälzen.

"Hey?" riss Harm sie aus ihren Gedanken und sie blickte verlegen zur Seite. "Ich bin nur müde", meinte sie leise und hoffte er habe ihre wahren Gedanken nicht erraten.
"Das bin ich auch." Um seinen Worten mehr Aussagekraft zugeben gähnte er herzlich. Dann verfielen beide wieder in Schweigen. Mac schloß ihre Augen wieder und schon nach wenigen Sekunden war sie eingeschlafen. Sie träumte von Harm. Er und sie saßen zusammen an einem Tisch. Im Hintergrund wurde leise Musik gespielt und einige Paare tanzten zusammen auf der Tanzfläche. Sie sah wie sich Harms Lippen bewegten, aber sie konnte ihn nicht hören. Doch ihr Herz raste und in ihrem Inneren machte sich ein schönes Gefühl breit. Nun sprach auch sie zu ihm, ihre Lippen bewegten sich. Was reden wir da? Mac spürte ihre eigene Aufregung, als sie sah das Harm sich zu ihr herüberbeugte. Ihre Gesichter waren nun nur noch Zentimeter von einander entfernt. Im Traum schloß sie die Augen und dann hörte sie ihn leise sagen: "Mac, Du bist..."

Jemand rüttelte an ihren Schultern. Wieder erklang Harms Stimme: "Maaac..." Benommen öffnete sie die Augen und sah direkt in Harms Gesicht. "Mac, Du bist eingeschlafen!" Sagte er leise, "Unser Flug wurde gerade aufgerufen." Es dauerte noch einige Momente bis Mac realisierte das sie sich nicht in der Bar befand, sondern immer noch auf den Flughafen. Harm hatte sie geweckt und nicht... Ja, was hatte er nicht getan, fragte sie sich. War das im Traum eine Liebeserklärung gewesen? Warum sonst hätte sich ihr Herzschlag sonst verdoppeln sollen?
"Mac, nun komm schon", drängelte Harm und sie kehrte zurück in die Realität. Eine Liebeserklärung, das war doch lächerlich. Natürlich mochte er sie, vielleicht auch mehr als irgendetwas anders, aber er liebte sie nicht. Zu oft hatte er die Chance es ihr zu sagen. Zu oft. Enttäuscht erhob sich Mac von ihrem Platz und griff nach ihrer Tasche.
Harm bedachte sie mit einem besorgten Blick, sagte aber nichts.

Erst als sie im Flugzeug Platz genommen hatten fragte er sie: "Hey Mac, ist wirklich alles in Ordnung? Du hast mich vorhin in der Halle so merkwürdig angesehen?"
Sie hätte ihm gerne von ihrem Traum erzählt, aber der kleine Waffenstillstand zwischen ihnen bedeutete ihr zuviel, daher sagte sie nur, das es ihr wirklich gut geht. Was hätte sie ihm auch schon anderes sagen sollen? ´Hey Harm ich bin okay, abgesehen davon das ich seit Wochen keine Nacht mehr durchgeschlafen habe, weil wir beide keine Freunde mehr sind?` Nein, das hätte sie ihm nicht gestehen können.
"Falls doch etwas ist..." er schenkte ihr sein berühmtes Fliegerlächeln.
"Ja, ich weiß..."

Mac und Harm machten es sich so bequem wie möglich und es dauerte nicht lange bis sie beiden eingeschlafen waren. Fast drei Stunden später wurde Harm, da er am Gang saß, von einer Stewardess geweckt. "Sir, würden sie bitte ihre Frau wecken, die Lehnen aufrichten und sich anschnallen?" Harm war noch zu benommen von dem kurzen Schlaf, das er nur leicht nickte. Er wollte sich strecken, aber etwas, nein jemand behinderte ihn dabei. Mac hatte sich im Schlaf an ihn gekuschelt. Ihr Kopf lag auf seiner Schulter und sie schlief wie ein Baby. Es fiel ihm schwer sie zu wecken, aber auch der Kaptiän kündigte nun über Lautsprecher ihre Ankunft in San Diego an und ihm blieb nichts anderes übrig. Vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken strich er ihr die Haare aus dem Gesicht. "Mac." Sie begann sich müde in seinem Arme zu räkeln und Harm verspürte plötzlich den Drang sie fest an sich zu drücken. Sie war so unglaublich weich und warm und sie duftete nach... Harm kam nicht mehr dazu heraus zu finden wonach sie duftete. Mac schreckte im nächsten Moment hoch und rammte dabei seinen Kinn. Vor Schmerzen stieß Harm einen Schrei aus und Mac blickte verwirrt zu ihrem Partner herüber.

Harm rieb sich seinen schmerzenden Kiefer. " Verdammt das hat weh getan Mac, mußt du so ... ", er wollte "so einen Dickkopf haben" sagen, aber als er in Macs verschlafenes Gesicht sah, mit den verwuschelten Haaren und dem verhangenen Blick, konnte er nur noch daran denken wie süß sie gerade aussah.
"Muss ich was...", brach Mac als Erste das Schweigen zwischen ihnen, jedoch starrte Harm sie einfach weiter an. "Hey Erde an Rabb!" rief sie laut und diesmal schien Harm sie auch gehört zu haben, denn er schüttelte den Kopf und fragte: "Wie bitte?"
"Muss ich was...", wiederholte sie ihre Frage. Immer noch ein wenig verwirrt antwortete Harm nur: "Hab ich vergessen!" Allerdings gab sich Mac damit nicht zufrieden. Während sie ihren Sicherheitsgurt anlegte, hakte sie weiter nach: " Komm schon, was wolltest du eben sagen?"
"Ich habe es vergessen Mac. Du verpasst mir ja auch nicht jeden Tag eine Kopfnuss", versuchte er sich herauszureden.

Mit frechem Grinsen meinte sie nur: "Leider!"
Harm blickte sie fassungslos an. Hatte sie gerade wirklich leider gesagt. Natürlich hatte sie, ihre Augen verrieten sie nur zu deutlich.
Er wollte etwas erwidern, aber sein Kopf war plötzlich wie leer gefegt. Nicht weil er sauer war, sondern weil er erkannte das Mac scherzte. Mit ihm! Wie lange war das her? Gab es vielleicht wirklich doch noch einen Funken Hoffnung? Würden sie wieder Freunde werden? Ja, er war sich sicher das sie es wieder werden würde. Ihre Freundschaft hatte eine Chance. Es war nur eine Frage der Zeit und er würde bestimmt nichts übereilen, dafür war sie ihm zu wichtig. Er würde es langsam angehen und nicht mehr fordern als sie bereit war zu geben.

Um kurz nach Mitternacht Ortszeit landete die Maschine auf dem Flughafen in San Diego. Beide hofften erst morgen mit ihren Ermittlungen anfangen zu müssen, doch ihre Hoffnung wurde durch ihr Begrüßungskomitee zunichte gemacht. Am Ausgang wurden sie von General Donnelly höchst persönlich empfangen.
"General Donnelly, Cmdr. Rabb und Col. MacKenzie melden sich zur Stelle."
"Col., Cmdr. wie schön das es ihnen gelungen ist so kurzfristig her zukommen." begrüßte der General die beiden. "Am besten wir machen uns gleich auf den Weg, damit sie beide noch ein paar Stunden schlafen können. Morgen früh um 800 habe ich ein Briefing einberufen." Die Erleichterung darüber, dass sie doch erst schlafen konnte war groß. Auf der Fahrt erklärte ihnen der General das sie beiden in einem Haus auf den Stützpunkt untergebracht werden. Mit zwei Schlafzimmer und zwei Badezimmern, wie der General hervor hob. Aber das war Mac und Harm im Grunde egal, Hauptsache die beiden hatten ein Bett und ein paar Stunden zu schlafen.

"General gibt es schon eine Spur von ihrer Tochter?" fragte Harm als sie gerade auf den Stützpunkt fuhren. Der General schüttelte nur seinen Kopf und konzentrierte sich aufs Fahren. Am Tor hielt der General an und ein Gunnery Srgt. trat an den Wagen. "General Donnelly, wir haben gerade die Nachricht erhalten das vor wenigen Minuten eine Email eingetroffen ist. Sie sollen sofort zu Col. Sandfort kommen. Er sagte es sei sehr wichtig. Der General befahl dem Gunny wieder wegzutreten und wand sich dann an Harm und Mac.

"Mir scheint als würde es noch ein wenig länger dauern bis sie schlafen können." Dann fuhr der General weiter und hielt nach wenigen Minuten vor einem flachen Gebäude. Er stieg aus und wartete bis Mac und Harm ebenfalls ausgestiegen waren. Bevor sie die Tür erreichten wurde diese von innen aufgerissen und ein junger Colonel erschien. "General, die Entführer haben sie gerade gemeldet", er wedelte mit einem Stück Papier herum. Donnelly riss ihm das Stück Papier aus der Hand und begann zu lesen. "Wissen wir von wo es gesendet wurde?"

Der Col. blickte den General kopfschüttelnd an. "Das einzige das wir wissen ist die Email der Entführer, aber wir haben die Informatiker bereits angefordert und sie müssten ihr in den nächsten Minuten aufschlagen."
"Gut Noah! Darf ich dir dann Cmdr. Rabb und Col. MacKenzie vorstellen? Sie sind vom JAG-Hauptquartier aus Washington und werden die Ermittlungen führen."
"Guten Abend Col. Cmdr. mein Name ist Col. Noah Sandfort falls sie irgendetwas brauchen sollten, dann melden sie sich sofort bei mir."
Harm betrachtete den Colonel: "Das werden wir", dann wand er sich an den General, "Sir was schreiben die Entführer?"

Statt ihm zu antworten reichte er ihm das Papier. Viel hatte die Entführer nicht geschrieben. "Wir haben ihre Tochter. Es geht ihr gut, solange sie sich an unsere Anweisungen halten. Morgen früh werden wir unsere Forderungen stellen." las Harm laut vor damit auch Mac den Inhalt der Email kannte. Trotzdem las Mac die Email noch einmal selber. "Ich frage mich warum die Entführer sich so spät melden." dachte Mac laut nach. "Wann wurde ihre Tochter das letzte Mal gesehen, General?"

"Zum Mittag essen in der Kantine, das war etwa gegen 1200", meinte der General, "Normalerweise machte sich immer erst um 1300 ihre Mittagspause, zusammen mit Col. Sandfort." Der Col. fuhr fort die beiden JAG Anwälte zu informieren. "Sie hatte mich am Morgen angerufen um mir mitzuteilen, dass sie um 1300 keine Zeit habe und sie deswegen schon früher Mittag machen wollte. Ich habe ihr gesagt das ich es nicht vorher schaffen."
"Was hat der Major noch gesagt? Hat sie ihnen gesagt warum sie nicht konnte?" hakte Mac nach.
Der Col. schüttelte den Kopf. "Nein, sie sagte es sei nicht schlimm, sie würde einfach alleine essen gehen und dann Abends nach ihrem Dienstschluss in der Offiziersmesse auf mich warten würde. Das war alles."

"Aber da war sie nicht!" stellte Harm folgerichtig fest und der Colonel nickte. "Nein Cmdr.!"
"Wer war es der den Major als letztes gesehen hat?" fragte er weiter und diesmal antwortete der General. "Das war Gunnery Srgt. Hunter, er hat mit ihr zu Mittag gegessen. Sie können ihn morgen früh befragen, er wird ebenfalls um 800 beim Briefing sein."
"Noah, bitte bring den Cmdr. und den Col. zum Haus 12, sie werden es für die Zeit ihrer Ermittlungen bewohnen."
"Cmdr., Col. wir sehen uns morgen früh um 800. Gute Nacht!" Harm und Mac salutierten
"Aye, Aye Sir" riefen sie beide und der General machte auf dem Absatz kehrt, verschwand im Inneren und ließ die drei alleine zurück.

"Col. Sandfort mir scheint als kennen sie den General schon lange?" fragte Harm als sie zum Auto zurückgingen.
"Wie kommen sie darauf?"
"Er nennt sie Noah, deswegen!" Der Col schien einen Moment zu überlegen. "Normalerweise tut er das nicht, aber die Sache mit seiner Tochter beschäftigt ihn sehr."
"Also kennen sie sich schon länger?"
"Das kann man wohl so sagen. Sarah, ich meine Major Donnelly und ich sind zusammen groß geworden. Unsere beiden Väter waren beim Militär und wir lebten mit unseren Familie hier am Stützpunkt."
Mac betrachtete den Col. während der kurzen Fahrt über den Rückspiegel. Wenn er den Majot schon so lange kannte, erklärte es seinen Zustand. Er schien wie der General seit gestern nicht mehr geschlafen zu haben.
"So da sind wir." erklärte der Col und hielt vor Haus Nr. 12 "Soll ich ihnen noch mit dem Gepäck helfen?"

Harm und Mac lehnte dankten ab und Mac meinte noch: "Col. ich denke es ist wichtiger das auch sie ein paar Stunden schlafen. Sie sind uns sonst keine Hilfe."
"Ich werde es versuchen, aber solange Sarah nicht wieder zurück ist kann ich eh nicht richtig schlafen. Trotzdem, Gute Nacht. Bis morgen." Dann ging er und rief ehe er einstieg das dass Frühstück ab 0500 in der Kantine eingenommen werden konnte, weil morgen ein Übung geplant war."

Harm sah auf seine Uhr und seufzte. um 5 Uhr frühstücken? Das war in weniger als 3 Stunden. Er musste entscheiden was er wollte. Länger schlafen und bis zum Mittag hungern, oder frühstücken und dafür weniger schlafen.
"Sailor, Marsch Marsch. Uns besteht eine kurze Nacht bevor." meinte Mac in diesem Moment und musste sich wohl oder übel für die zweite Variante entscheiden, sonst hatte er keine Zeit mehr vor dem Briefing mit Mac über den Fall zu sprechen.
"Okay, Ninjagirl!"


Morgens wurde Mac von ihrem Wecker unsanft aus dem Schlaf gerissen. Zuerst wußte sie nicht mehr wo sie war, irriert blickte sie sich in dem fremden Zimmer um. Obwohl sie todmüde gewesen war, hatte sie nicht einschlafen können. Vielleicht hatte sie eine oder auch zwei Stunden geschlafen. Sie spürte jeden Knochen in ihrem Körper und statt ausgeruht zu sein, fühlte sich sich noch erschöpfter. Als der Wecker ein Zweitees Mal klingelte quälte sie sich langsam aus dem Bett und lief schlaftrunkend zum Bad das direkt neben ihrem Zimmer lag. Nach einer kalten Dusche und einen deftigen Frühstück würde es ihre schon besser gehen.

Am Ende des Korridors hörte sie Harm unter der Dusche singen und das mit unverschämt guter Laune, wie Mac feststellte. Als Mac eine halbe Stunde später die Treppen herunter ging wartete Harm bereits auf sie. "Mac, wo bleibst du solange? Ich habe eine Bärenhunger", rief er ungeduldig und riss die Haustür auf.
"Harm hör auf mich zu drängeln. Ich habe schlecht geschlafen und wenn du schon ein halbes Schwein frühstücken kannst, dann weiß ich nicht wie für mich genug Essen in der Kantine sein kann", und um ihre Worte zu unterstreichen knurrte in diesem Moment ihr Magen.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Jenseits aller Zweifel von Caitlin

#2 von Petra , 07.05.2007 21:27

Harm begann zu lachen. "Oh je, der hört sich allerdings sehr hungrig an. Lass und lieber schnell frühstücken, sonst ist nachher wirklich nicht genug für diesen hungrigen Marine da." Immer noch lachend ging er raus und wartete darauf das Mac die Haustür hinter ihm schloss.
Nach einen ausgiebigen Frühstück gingen Mac und Harm zurück zum Haus. Sie hatten noch mehr als eine Stunde Zeit bis sie sich mit dem General trafen. Harm nutzte die Zeit mit Mac ihre Vorgehensweise zu besprechen. Es machte kein gutes Bild wenn sie sich vor dem General in die Köpfe bekamen. Allerdings war Harms Sorgen dieser seits völlig unbegründet. Schnell und ohne Problem einigten sie sich darüber wo sie anfangen würde und wer was erledigte. Harm spürte wie seine Anspannung, die immer dagewesen ist, wenn Mac und er zusammen sind, langsam wich. Er konnte frei sprechen ohne Angst zu haben das jedes Wort auf die Goldwaage legt wird. So machte es wieder Spaß mit ihr zusammenzuarbeiten.

Nur dieser Fall macht keinen Spaß mehr dachte Harm zwei Tage später. Ihre Untersuchungen hatten immer noch keine Spur ergeben und die Entführer hatten sich auch noch nicht wieder gemeldet. Das war alles sehr kurios. Wenn der Major entführt wurde, dann sollte man doch meinen das die Entführer sich melden und ihre Forderungen stellen würden. Aber bis auf die eine Mail gab es keine weitere Kontaktaufnahme.
Irgendetwas stimmte hier nicht.
Als er Mac danach fragte wie sie die Entführung beurteilte, war sie er selben Meinung wie er. Irgendetwas stimmte hier nicht. "Weißt du was mich besonders stutzig macht?" fragte Mac Harm und dieser schüttelte den Kopf. "Der Admiral!"
"Warum der Admiral?"

Mac begann im Zimmer auf und ab zulaufen. "Findest du nicht das er sich merkwürdig verhält? Seit zwei Tagen sind wir nun schon hier und haben nicht die geringste Spur, was hat er heute Morgen am Telefon gesagt..." Harm sprang von der Couch auf als habe ihn der blitz getroffen. "Er sagte, wir sollen weiter suchen und mehr nicht." Er blieb direkt vor ihr stehen.
"Genau, er hat nicht rumgeschrieen oder geflucht. Er war dabei ruhig und völlig gelassen, genauso..."
"als wenn er genau wüßte das wir nichts finden können", vollendete Harm ihren Satz.
"Mac, aber warum? Ich meine, warum sind wir dann hier?" überlegte er laut und sah Mac fragend an.
"Ich habe keine Ahnung! Aber wir werden es herausfinden. Komm mit!" Sie schnappt sich im vorbeigehen ihre Jacke und machte sich auf den Weg nach draußen.
"Mac wo willst du denn hin? Es ist nach elf, da wirst du niemanden mehr finden der uns Antworten darauf geben kann."

An Tür blieb Mac stehen. "Doch, ich denke Col. Sandfort wird uns etwas verraten können, aber frag mich nicht warum. Sagen wir es ist weibliche Intuition."

Nach kurzem Suchen hatten die beiden das Quartier vom Col. gefunden und anscheinend genau zur richtigen Zeit. Der Col. war gerade dabei ein paar Taschen in seinem Auto zu verstauen, als sie eintrafen. "Col. wo soll die Reise denn hingehen?" fragte Harm und der Col. sprang erschrocken zurück. "Cmdr. Rabb, Col. MacKenzie was tun sie hier?"
"Ich habe zuerst gefragt und will als erstes eine Antwort!" Der Col. wippte nur von einem Bein aufs andere. "Es ist, ..." er stockte und starrte in die Dunkelheit. "Verdammt!"

Jetzt mischte sich auch Mac mit ein. "Col. beantworten sie bitte die Frage des Cmdr." Harm hatte sich in seiner ganzen Größe vorm, nur wenige Zentimeter kleineren Col aufgebaut. Dieser schüttelte jedoch nur den Kopf. "Ma´am, Sir ich würde die Frage gerne beantworten, aber ich habe meine Befehle!" Unerwartet machte Harm einen Satz nach Vorne und sah drohend zum Col. Gerade als Harm ihn am Kragen fassen wollte, kam der General um die Ecke. Sofort standen alle drei stramm und salutierten. Der General befahl ihnen sich zu rühren und schaute zu Col Sandfort. "Noah, wir können es ihnen sagen." meinte er und blickte zurück zu Harm und Mac, die nun ein wenig dumm aus der Wäsche blickten. Keiner von beiden verstand mehr was hier vor sich ging.

Da der Col genauso verdutzt war, sprach der General klärte der General die beide selber auf. "A.J., ich meine natürlich Admiral Chegwidden dachte es wäre eine gute Idee sie für ein paar Tage miteinander zu verbringen."
Fassungslose Gesichte starrte Donnelly an. "Wir haben diese kleine Entführung nur inszeniert, damit sie beide durch gemeinsame Ermittlungen wieder lernen zusammen zuarbeiten. Leider", er stoppte und blickte auf Noah, "leider ist uns die Sache ein wenig aus dem Ruder gelaufen."
Harm und Mac starrten ihn immer noch sprachlos an, nur Noah hatte sich wieder gefasst. "Was heíßt hier aus dem Ruder?"

"Sarah ist nicht mehr in der Hütte." erklärte der General leise und wartete auf Noahs Reaktion. Dieser wirkte plötzlich sehr aufregt und ungehalten. "General, heute morgen war sie noch da. Ich habe selber mit ihr gesprochen." Eine tiefe Falte bildete sich auf der Stirn des Colonels und sein Blick zeigte deutlich seine Sorge. Er sah zu Harm und Mac die immer noch nichts gesagt hatten. "Cmdr. Col. es tut mir wirklich leid, das wir ihnen das alles vor gespielt haben."
"Hoffe sehr das es ihnen leid tut", meinte Harm grimmig, "der ganze Aufwand nur damit Mac und ich wieder miteinander klar kommen, scheint mir ein wenig übertrieben." Der finstere Blick von Harm schüchterte den Col. etwas ein. Hilfesuchend wand er sich an den General.

"So groß wie der Aufwand scheint ist es nicht gewesen, Cmdr.. Es ist eine Übung für die Bodentruppen. Sie sind seit zwei Tagen im Wald und durchforsten ihn nach Sarah. Diese Taugenichte hätten sie schon längst finden müssen", den letzten Teil schrie.
"General", meinte nun Mac und blickte zwischen ihm und dem Col. hin und her, "Sie können die Verantwortlichen immer noch zur Rede stellen, aber jetzt sollten wir uns vielleicht darum kümmern ihre Tochter wieder zu finden. am besten sie zeigen uns erst einmal diese Hütte in der ihre Tochter die letzten drei Tage gewesen ist." Durch ihre Sachlichkeit versuchte Mac die Gemüter zu beruhigen. Allerdings versprach sie sich selbst nicht viel davon, sie erkannte die Wut in Donnellys Augen und in den Augen des Col, trotzdem lenkte er sofort ein: "Sie haben Recht und glauben sie mir ich werde die Verantwortlichen zur Rede stellen."

Ohne ein weiteres Wort stiegen alle vier in den Wagen des Colonels und rasten los. Der Weg zur Hütte war nur bis zur Hälfte mit dem Auto zu befahren den letzten Kilometer mussten sie durch die Dunkelheit des Waldes laufen. Es gab auch nur zwei Taschenlampen die sich im Auto befanden, aber das hinderte niemanden. Atemlos erreichten sie die Hütte. Es brannte kein Licht aber die Tür stand offen.
"Woher wissen sie das ihre Tochter nicht mehr hier ist, Sir?" fragte Harm den General flüsternd. "Sie hatte ein GPS-Telefon und wir haben feste Zeiten vereinbart wann sie sich meldet." Harm brauchte nicht zu fragen ob sie die letzte Zeit nich eingehalten hatte, denn jetzt standen sie direkt vor der Hütte und vor ihnen lag das zerstörte Telefon.

Mac beugte sich zum Telefon herunter und untersuchte es ohne es dabei zu berühren. Irgendetwas klebte darauf und im Licht der Taschenlampe erkannte sie das es Blut war. Noch bevor sie es den anderen sagen konnte durchbrach ein Schuss die Stille im Wald. Mit weitaufgerissenen Augen starrten die vier angespannt in die Dunkelheit. Wo wurde der Schuss abgefeuert. Der Col. und General zeigte beide gleichzeitig in eine Richtung. "Es kam von dort." Harm schüttelte den Kopf und zeigte in die andere Richtung. "Sir es könnte auch die Richtung sein."

Wieder wurde ein Schuß abgefeuert und diesmal waren sich alle sicher aus welcher Richtung er kam. "Col. wohin fürcht dieser Weg?" fragte Mac aufgeregt und deutete in die Richtungs aus der sie vermuteten das der Schuss kam.
"Zum See. Er liegt etwa zwei Kilometer östlich von der Hütte. Von dort aus kommt man wieder auf die Hauptstrasse.

Schon aus großer Entfernung sahen die vier die Lichter und ein kleines Feuer brennen. Sie schalteten ihre Taschenlampen aus und gingen vorsichtig näher. "General, sie und der Col. werden zurück zum Stützpunkt fahren und Verstärkung holen. Mac und ich bleiben hier und warten auf sie." Der General wollte Harm widersprechen. Harm schüttelte den Kopf. "General, mit Verlaub auch wenn sie der Ranghöhere sind. Sie beide kennen sich hier einfach besser aus. Der Col und ich würden uns vielleicht verlaufen und nicht schnell genug Hilfe holen können, also fahren sie zum Stützpunkt zurück." Die Argumente von Harm waren ausschlaggebender als der Rang des Generals und es blieb keine andere Wahl. "Machen sie keine Dummheiten!" flüsterte der Col und verschwand darauf hin mit dem General in der Dunkelheit. Die zweite Taschenlampe hatte sie bei Mac gelassen. Sie würden den Weg auch im Dunkeln wieder zurück finden.

Ein paar Minuten verstrichen. Harm saß geduckt hinter hohen Büschen, neben ihm saß Mac.
"Lass uns ein bisschen näher ran gehen, Harm!"
"Nein Mac wir warten hier!" Harm wußte das es egal war was er sagte, Mac hatte sich bereits in den Kopf gesetzt näher ran zu gehen, also würde sie es auch tun. Besser war er blieb bei ihr, als wenn er sie alleine gehen läßt.

Gerade als sie nahe genug waren brach plötzlich ein Höllenlärm aus. Alles passierte innerhalb von Sekunden. Von links und rechts stürmten bewaffnete Männer auf sie zu. Mac wurde zu Boden gerissen und prallte schmerzhaft auf. Benommen nahm sie wahr wie auch Harm angegriffen wurde. Mac´s Angreifer stieß ihr sein Knie in den Rücken und presste ihre Arme rücklings zusammen. Ihr blieb die Luft weg und es fühlte sich an, als wenn mindestens eine ihre Schultern ausgekugelt war. Sie stöhnte laut auf und begann sich zu wehren, aber ihr Gegner presste sie nur noch stärker auf den Boden. Mit aller Kraft versuchte sie sich weiter sich loszureißen.

Im Hintergrund hörte Harm schreien. Ihr Gegner war für eine Sekunde abgelenkt und Mac schaffte es mit letzter Kraft sich loszureißen. Taumelnd kam sie wieder auf die Beine und versuchte die Situation zu erfassen. Harm lag, sich heftig wehrend, am Boden und versuchte sich zu lösen. Aber der Mann der ihn unter sich begrub war mindestens zwei Zentner schwerer als er. Für einen Bruchteil der Sekunde sahen Harm und Mac sich in die Augen. "Maaac lauf..." sie erkannte sie Angst die plötzlich in seinen Augen aufglomm. Laufen? Sie war ein Marine und die laufen nicht weg, schoss es ihr noch durch den Kopf, dann wurde alles um sie herum schwarz.

Harm sah den Mann mit dem Messer hinter Mac und hatte sie gewarnt, aber zu spät. Er sah wie sie bewußtlos zu Boden ging und dort regungslos liegen blieb. Mit Urkräften schaffte er sich endlich seinen Gegner von Hals und robbte atemlos zu Mac herüber. Sein Gegner war allerdings schneller und auch der Mann der Mac niedergestochen hatte war plötzlich neben ihn. Gemeinsam zerrten sie ihn von Mac weg. Er wollte sich wehren aber er hatte keine Kraft mehr. "Wenn ihr die Frau noch einmal anfasst seit ihr tote Männer", stieß er wutentbrannt aus. Die beiden Männer lachten höhnisch und im nächsten Moment traf Harm eine Faust mitten ins Gesicht.

Als er die Augen wieder öffnete lag er einem weißen Raum, der durch helle Rollos ein wenig abgedunkelt war. Es roch eindeutig nach Krankenhaus. Es dauerte nicht lange bevor Harm sich an alles erinnerte. MAC! Panik erfasste ihn und sein Herz schlug doppelt so schnell. Wo war Mac? Ging es ihr gut? Er versuchte aufzustehen doch der Tropf an dem er hing, hinderte ihn daran.

"Cmdr. bleiben sie ruhig liegen, es ist alles in Ordnung." sagte plötzliche ein vertraute Stimme. Der Admiral stand mit besorgter Miene vor ihm.
"Admiral, Sir wo ist Mac", war das erste das Harm fragte. Er musste sofort wissen ob es ihr gut geht. Der Admiral beruhigte ihn mit einem leichten Lächeln. "Cmdr. dem Col. geht es den Umständen entsprechend gut. Die Stichwunde ist nicht tief aber sie hat trotzdem eine Menge Blut verloren." Mit strenger Miene fuhr der General fort. "Sie beide können von Glück reden das sie so schnell gefunden worden sind. Ohne den General wäre Mac vielleicht verblutet, man weiß es nicht."

Als Harm hörte das Mac in Ordnung war lehnte er sich erleichtert zurück. Wenn Mac ernsthaft verletzt oder gar getötet worden wäre hätte er sich das niemals verzeihen können. Niemals. Die Erleichterung die Harm verspürte war ihm so deutlich anzusehen, dass der Admiral schmunzeln musste. Auch wenn alles ganz anders gelaufen war, wie er sich das vorgestellt hatte, so hatte er anscheinend sein Ziel trotzdem erreicht. Seine beiden Topanwälte schienen sich wieder zusammengerauft zu haben. Der General hatte ihm schon positiv berichtet und nun erkannte er es auch bei Rabb.

"Sehr gut", rutschte es ihm heraus und Harm sah in verwundert an. "Was ist sehr gut, Sir?"
"Rabb ich habe nur laut gedacht", redete sich Chegwidden raus. "Sie und der Colonel werden noch für zwei Tage hier bleiben und dann direkt nach Washington zurückkehren."
"Aye Aye Sir, der Col und ich werden uns am Mittwoch um Punkt acht zum Dienst melden."
"Cmdr. erstens melden sie sich niemals um punkt acht zum Dienst und ausserdem glaube ich, dass der Colonel sich noch ein zwie Tage schonen sollte. Sie beide werden sich am Montag um acht Uhr zum Dienst melden." Der Admiral machte auf dem Absatz kehrt und verließ das Krankenzimmer von Harm.

Kaum das der Admiral aus der Tür war, mühte Harm sich umständlich aus zum Bett, schnappte sich den Tropf und öffnete die Tür einen Spalt. Im Korridor war nur eine Schwester zu sehen. Langsam ging Harm zu ihr und fragte nach Mac. Die Schwester fuhr erschrocken zusammen. "Sir, sie sollten doch im Bett liegen. Kommen sie ich bringe sie zurück!" Harm ließ sich jedoch nicht zurück bringen. Er bestand darauf Mac zu sehen und die Schwester gab irgendwann entnervt auf. "Aber nur fünf Minuten Cmdr. dann gehen sie wieder in ihr Bett!"

Harm betrat leise Macs Zimmer und setzte sich in den Stuhl neben ihrem Bett. Sie unglaublich blass und an ihrem Hals waren deutlich blaue Flecken zu sehen. Schmerzhaft zogen sich alles in Harm zusammen. Ihr hätte so viel passieren können. So viel! Zärtlich strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Manchmal vergaß er einfach wie schön sie war. Ihre Haut war so weich und ihr Mund. Harm musste schlucken und sich krampft darum bemühen in Mac seine Partnerin zu sehen und nicht eine Frau.

Aber sie war eine Frau und zu dem auch noch eine sehr attraktive und sinnliche Frau, dass konnte er nicht leugnen und er wollte es auch nicht mehr. Vorsichtig nahm er ihre Hand und streichelte mit sanften Bewegungen darüber. Er spürte wie sie sich regte und er sah wieder in ihre Gesicht. "Hey Ninjagirl, wie geht es Dir?" Fragte er sie leise um sie nicht zu erschrecken. Mac öffnete langsam die Augen und verzog ihren Mund zu einem zaghaften Lächeln. Harm blieb fast das Herz stehen, als er sah wie sie vor Schmerz das Gesicht verzog, als sie versuchte ihm zu antworten.
"Psst, Mac!" sagte er zärtlich und legte ihr einen Finger auf die Lippen. "Ruh dich aus Mac, morgen sieht schon alles anders aus."
Mac hatte ihre Augen bereits wieder geschlossen und war wahrscheinlich auch schon wieder eingeschlafen.

Gegen Abend betrat Col. Sandfort sein Zimmer. "Cmdr.?"
Harm winkte den jungen Col. zu sich herüber. "Kommen sie rein, Col."
"Ich möchte nicht stören!"
"Gewiss nicht, den ganzen Tag schrawenzeln Schwestern und Ärzte um mich herum, da ist die Gegenwart eines Marines eine willkommene Abwechselung." Harm deutete dem Colonel an sich zu setzen. "Col. wurde der Major gefunden? Sie sehen immer noch sehr besorgt aus."

Das Gesicht des Col. versteinerte sich und eine tiefe Falte durchfurchte seine Stirn. "Ja, aber es geht ihr leider nicht gut. Man hat sie..." der junge Mann rang sichtlich bemüht um Fassung ehe er mit leiser Stimmer fortfuhr. "... sie wurde böse zugerichtet und liegt zur Zeit noch auf den Intensivstation."
"Das tut mir leid, Col." meinte Harm ehrlich. Er wußte nur zu gut wie es war um einen Menschen zu bangen und er konnte mit ihm fühlen.
"Nein, mir tut es leid" sagte Sanfort und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. "Wissen sie, ich hätte Sarah niemals erlauben sollen diese Übung zu machen. Alleine der Gedanke das sie einige Tage ganz alleine auf sich gestellt in dieser Hütte verbringen wollte, raubte mir bereits den Nerv. Ich habe immer wieder versucht sie davon abzubringen, aber sie sagte jedes mal nur: Ich bin ein Mari..."

"Marine", fiel Harm ihm ins Wort und lachte leise. Das hätte auch von Mac kommen können. Sie hätte sich auch nicht überreden lassen, es nicht zu tun. Mit ein wenig Mitleid in der Stimme meinte Harm dann: "Col. glauben sie mir, wenn ich ihnen sage das Marines nicht gerade umgängliche Zeitgenossen sind und das zählt gerade für die weiblichen Marines." Jetzt musste auch der Colonel lachen.
"Ja sie haben wohl recht, aber meine Sarah... also ich meine der Major ist", Sandfort suchte nach den richtigen Worten.
"besonders hartnäckig und dickköpfig", half Harm und der Colonel nickte nur irritiert.

"Kennen sie den Major", wollte er wissen und Harm schüttelte lachend den Kopf. "Nein ihre Sarah kenne ich nicht, aber ich kenne meine Sarah und die ist genau so. Ein Marine durch und durch eben. Ich habe mich damit abgefunden und gelernt damit zu leben."
Noah Sandfort wirkte immer noch etwas irritiert. "Ist "ihre Sarah" Col. MacKenzie?"
Jetzt war es an Harm irritiert zu sein. Er hatte von seiner Sarah gesprochen, ohne es direkt zu merken. Aber wenn er sich damit auseinander setzte dann war es genauso wie der Colonel es gesagt hatte. Col. MacKenzie war seine Sarah.
Harm könnte es abstreiten, aber damit belog er sich nur selbst. "Ja, Col. MacKenzie ist meine Sarah."

"Haben sie eine Beziehung? Ich weiß es geht mich nichts an und..."
"Schon gut Col. Mac und ich sind nur Freunde mehr nicht!" antwortete Harm.
"Nur Freunde?"
Statt den Colonel zu antworten, stellte Harm die Gegenfrage: "Was ist mit ihnen und dem Major? Haben sie eine Beziehung oder sind sie..."
"nur Freunde!" antwortete nun auch Col. Sandfort, bevor Harm ausgesprochen hatte.

Die beiden Männer sahen sich lange Augenblicke schweigend an und jeder zweifelte am anderen. Harm zweifelte sogar schon an sich selbst. Mac und er waren nicht nur Freunde. Irgendetwas hatte sie doch schon vom ersten Moment an miteinander verbunden. Es war viel mehr als nur Freundschaft was er für Mac empfand. Sehr viel mehr. Aber was fühlte er für seine Partnerin?
Eine Krankenschwester betrat das Zimmer. "Col. Sandfort ich sollte ihnen mitteilen wenn Major Donnelly zu sich kommt."
Der Colonel sprang auf, verließ ohne ein Wort das Zimmer und ließ einen nachdenklichen Harmon Rabb zurück.

Nachdem Harm eine Stunde alleine in seinem Zimmer gesessen hatte, entschied er sich Mac ein weiteres Mal zu besuchen. Als er in ihr Zimmer kam schlief sie. Unruhig bewegte sie sich im Schlaf hin und her. Harm setzte sich auf die Bettkante und streichelte ihr beruhigend übers Haar und tatsächlich wurde sie ruhiger. Nach ein paar Minuten schlief sie wieder tief und fest, trotzdem hörte Harm nicht auf sie zu streicheln. Es beruhigte ihn irgendwie selbst. Er lehnte sich ans Kopfende an und legte Macs Kopf vorsichtig auf seine Brust. Sie murmelte etwas unverständliches, schlief aber weiter. Harm spürte seinen Herzschlag. Das Gefühl sie ganz nah bei ihm zu haben überwältigte ihn. An den Stellen wo ihre Körper sich berührten war es angenehm war. Es war schön sie so zu halten dachte er noch und schlief dann selber ein.

Bilder von Mac erreichten ihm im Traum, doch diesmal fühlte nicht dasselbe. Er hatte Angst und das beklemmende Gefühl in seiner Brust wurde unerträglich. Er hörte wie Mac seinen Namen schrie und dann zu Boden stürzte. In seinem Traum rannte er zu ihr. Die lag auf dem Bauch, eine klaffende Wunde in ihrer Schulter und als er sie vorsichtig umdrehte saß er ihr Blut überströmtes Gesicht. Sein Atem stockte und die Angst drohte ihn zu ersticken. Mac, seine Mac. Aus ihrem Mund rann Blut, ihr Blut. Es war überall. Auf seinen Händen, seinen Sachen, ihren Sachen es war überall. Sein ganzer Körper zitterte.

Er schloss gequält die Augen und flüsterte immer wieder ihren Namen. "Harm??" er hörte ihre Stimme und öffnete seine Augen wieder, aber Mac lag nicht mehr in seinen Armen. Wieder rief sie ihn und langsam erwachte er aus seinem Traum. Verwirrt sah er sich um. Große braune Augen sahen ihn fragend an. Intuitiv legte er seine Arme um sie und presste sie fest an sich. Als Mac schmerzhaft aufstöhnte ließ er sofort wieder locker. Er hatte alles nur geträumt. Mac war zwar verletzt worden, aber sie war nicht tot. Als ihm das bewußt wurde entspannter er sich wieder. "Hey Sailor, schlecht geträumt?"

Harm schüttelte den bösen Traum aus seinen Gedanken und lächelte Mac an. "Mein größter Alptraum hat mich heimgesucht, sagen wir es so."
Sie blickte abwartend zu Harm, aber er hatte nicht vor ihr seinen Traum zu schildern.
"Ich erzähle es Dir eines Tages."
"Na gut, willst du mir dann erzählen was eigentlich genau passiert ist?" wechselte Mac das Thema.
Harm überlegte einen Moment und meinte dann:" Eigentlich kann ich dir nicht viel erzählen. Der Admiral war hier und sagte nur das wir verdammtes Glück gehabt hätten. Wenn der General nicht gewesen wäre, ... " Harm brachte es nicht übers Herz seinen Satz zu vollenden, zu grausam war alleine der Gedanke daran. Mac war da wesentlich unempfindlicher. "wäre ich wahrscheinlich tot?"

"Mac bitte, lass uns ein anderes mal reden. Du musst dich noch ein bisschen ausruhen, einverstanden?"
Auch wenn Mac nicht wirklich einverstanden war, stimmte sie zu und lehnte ihren Kopf wieder an seine Brust.
"Harm?" fragte sie nach einer Weile. Harm rollte die Augen, er hätte wissen müssen das Mac nicht so schnell aufgab.
"Ja?"
"Was ist mit dem Major, wurde sie gefunden?"
"Ja, ich habe vorhin mit dem Col. gesprochen und er sagte mir das sie hier in Krankenhaus auf der Intensivstation liegt."
Mac richtete sich soweit auf das sie Harm in die Augen sehen konnte. "Weißt du wie es ihr geht?"
"Nein Mac!"
"Warum nicht, du hättest dich nach hier erkundigen müssen!"

Harm seufzte. "Mac, ich war mehr damit beschäftigt mir um dir Sorgen zu machen, da habe ich es schlichtweg vergessen danach zu fragen. Ich weiß nur das sie übel zugerichtet worden ist." Mac gab sich fürs erste zufrieden und lehnte sich wieder an. Harm hatte sich also solche Sorgen um sie gemacht das er anscheinend alles andere vergessen hatte. Sie lächelte und kuschelte sich an Harm.


Zwei Tage später

Mac durfte endlich das Krankenhaus verlassen, auch wenn dieser Krankenhausaufenthalt gewiss nicht der schlimmste war. Cmdr. Turner war am Dienstagabend eingetroffen um die Anklageschrift gegen die Entführer auszuarbeiten. Harm half ihm bei seinen Ermittlungen, aber jede freie Minute die er erübrigen konnte, verbrachte er bei Mac im Krankenhaus. Sie saßen zusammen wie in alten Zeiten. Harm hielt sie über den Lauf der Dinge am Stützpunkt auf dem neusten Stand und die Zeit verging jedes Mal wie im Fluge. Mac freute sich bei jeden Besuch von Harm, dass sie es wieder geschafft hatten Freunde zu sein. Zumindest waren sie auf dem Wege dorthin kurz vor dem Ziel. Nur eine Sache bedrückte Mac, denn sie wußte genau das in Harm etwas vorging, was er ihr nicht sagen konnte oder wollte. Manchmal erwischte sie ihn dabei, wie er sie mit verträumten Ausdruck in den Augen beobachtet und jedes Mal wenn Mac fragte wovon Harm träumte, lächelte er nur geheimnisvoll.

Sie hätte zu gerne gewußt was Harm durch den Kopf ging, aber sie würde wohl noch etwas Geduld aufbringen müssen. Harm schwieg darüber wie ein Grab. Mac dachte zwischendurch sogar daran, dass Harm vielleicht eine neue Freundin hatte, aber sie verdrängte den Gedanken sofort wieder. Denn wenn es wirklich so war, wollte sie es lieber doch nicht wissen. Natürlich wünschte sie ihrem Partner alles Glück, aber mit denen er bisher liiert war, hatte sie nie wirklich viel anfangen können. Es mag daran gelegen haben das alle ihr unterstellten mit Harm mehr als nur befreundet sein zu müssen. Aber so war es nie gewesen. Sie waren nur Freunde und das war mehr als Mac in den letzten Wochen für möglich gehalten hatte.

Direkt nach ihrer Entlassung machten sich Harm und Mac noch auf den Weg zur Intensivstation. Sie wollten dem Major einen Besuch abstatten bevor sie zurück nach Washington zurück flogen. Allerdings kam die beiden nicht bis zum Major. Eine Schwester teilte ihnen bestimmt aber höflich mit, dass nur Familienangehörige zu ihr dürften. Jedoch könnten sie im Beobachtungszimmer einen Blick auf den Major werfen, erlaubte die Schwester und schenkte Harm ein strahlendes Lächeln. Mac rollte draufhin nur mit den Augen. Ihr Partner hatte auf Frauen immer die gleiche Wirkung. Harm sah wie Mac mit den Augen rollte und grinste insgeheim.

War sie etwa eifersüchtig? Er beschloss der Sache auf den Grund zu gehen und flirtet hemmungslos mit der jungen Schwester. Und tatsächlich, Macs Augen verdunkelten sich wie sie es immer taten wenn sie wütend war. Außerdem zuckten ihre Mundwinkel. Ein eindeutiges Zeichen und Harm brach innerlich in Jubel aus. ´Man ist nicht einfach so eifersüchtig`, sagte er sich und hatte Mühe sein Grinsen zu verkneifen. Bevor er es auf die Palme treiben konnte, schob er Mac langsam vor sich in den Beobachtungsraum. Diese wehrte sich natürlich sofort dagegen und warf abwehrend die Hände in die Luft. "Ich bin in der Lage alleine zu gehen, Cmdr. Rabb!"

"Was ist los Mac, warum plötzlich diese schlechte Laune?" Harm bohrte bewußt in der klaffenden Wunde, er wollte sehen wie sie reagierte wenn er sie dabei direkt ansah. Aber Mac tat ihm den Gefallen nicht. Binnen von Bruchteilen zauberte sie ein Lächeln auf ihr Gesicht das ihm ganz anders werden ließ.
"Ich schlechte Laune? Aber warum, du bist doch bei mir", flötete sie honigsüß. Ein klimpernder Augenaufschlag und es war endgültig um Harm gesehen. Mac flirtete mit ihm und sie tat es auf eine äußerst angenehme Art und Weise. Harm griff sich dramatisch ans Herz und sagte mit seinem charmantesten Lächeln: "Col MacKenzie, war das etwa ein Kompliment oder spielen sie mit meinen empfindlichen Gefühlen?"

Mac kam langsam mit schwingenden Hüften näher und Harm konnte das vergnügte Glitzern in ihren Augen erkennen. Ohne das er es verhindern konnte blieb sein Herz stehen. Sie stand nun so dicht vor ihm, dass er ihren Duft in der Nase hatte. Er musste den Kopf neigen damit er ihr weiter in die Augen sehen konnte. Zumindest es versuchen, aber sein Blick wanderte direkt zu ihrem Mund. Sie hatte so weiche Lippen, er konnte sich plötzlich genau daran erinnern wie es gewesen war sie zu küssen. Es war schon Jahre her, aber er glaubte sogar ihre Lippen wieder auf seinen spüren zu können. Er zwang sich wieder in Macs Augen zu sehen. Ihre großen wunderschönen Augen. Es lag immer noch dieses Glitzern darin. "Cmdr.", hauchte sie und Harm rann ein Schauer über den Rücken, "aber wo denken sie hin? Ich würde mir niemals erlauben mit den tiefen, innigen Gefühlen eines Mannes zu spielen." Harm war sprachlos.

Er konnte sie nur noch ansehen und staunen. Über sie und über sich selbst. Doch Mac hatte noch nicht genug von dem Spiel. Sie fuhr unglaublich langsam über seinen nackten Unterarm. Harm spürte wie sich seine Haare aufstellten und ein weiterer Schauer hin überkam. An einem anderen Ort hätte er für nicht dafür garantieren können, dass er sie nicht in seine Arme riss und leidenschaftlich küsste. Wenn er es sich genau überlegte, konnte er auch in diesem Krankenhaus nicht mehr dafür garantieren. Er wollte sie küssen. Er wollte sie in seinen Armen spüren und ihre Lippen auf seinen. Er wollte es wie nichts anders in seinem Leben.

Aber er durfte es nicht. Er wollte nicht gleich alles wieder kaputt machen, aber er wollte diesen Moment noch ein wenig auskosten. Das Gefühl mit Mac zu flirten war zu berauschend. Es ließ ihn schwebend.
"Cmdr. ich habe ihnen doch nicht etwa die Sprach verschlagen?" Mac lächelte nun spitzbübisch.
"Col.", seine Stimme war nicht mehr als ein heiseres Raunen und er musste sich räuspern bevor er weitersprechen konnte, "Col. was erwarten sie? Jeden Mann würde es die Sprache verschlagen, wenn eine Frau wie sie vor ihm steht!" Mac konnte nicht mehr und brach in schallendes Gelächter aus. "Harm", stieß sie mühsam zwischen ihren Lachkrämpfen hervor, "eine Sekunde mehr und ich hätte Dir den unglücklich verliebten Cmdr. tatsächlich abgenommen. Ich hatte keine Ahnung wie gut du schauspielern kannst." Erst verstand Harm gar nichts mehr. Natürlich wußte er das sie gespielt hatte. Er hatte es an dem Glitzern in ihren Augen erkannt, aber trotzdem hatte es sich für einen Moment so angefühlt als flirtete sie tatsächlich mit ihm. Und er für seinen Teil? Nein, er hatte sich diese Gefühle, die Gänsehaut und den Wunsch sie zu küssen nicht eingebildet, es war alles so real gewesen genauso real wie Mac vor ihm stand.

Mac konnte sich gar nicht wieder beruhigen. Dicken Lachtränen rannen über ihr hochrotes Gesicht. Sie durfte auf keinen Fall erfahren was gerade wirklich in ihm vorging. Noch nicht und vielleicht auch nie. Er machte ein möglichst ernstes Gesicht und versuchte die Enttäuschung zu verbergen. "Mac, du solltest wissen das ich gut schauspielern kann - ich bin Anwalt! Außerdem hätte ich Dir das auch fast abgenommen. Fast!"
"Du hättest dein Gesicht sehen sollen Harm. Ich dachte du küsst mich jeden Moment." Damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Er hätte sie auch geküsst. Schnell wand er sein Gesicht ab. "Mac, übertreib nicht ich wußte das du spielst. Ich hätte mir nie erlaubt DIch zu küssen. Ich wollte nur das du es glaubst", er sah wieder zu ihr, "und das hat ja geklappt."

"Ohja, das hat es! Aber genug jetzt", wechselte sie das Thema und drehte sich um. Sie stand vor der Scheibe und blickte in das Zimmer des Majors. Schlagartig war sie wieder ernst und betrachtete das geschundene Gesicht der jungen Frau. Ein Augen war geschwollen und in grün und blau Tönen verfärbt. Ihre Lippen waren aufgeplatzt und an beiden Händen trug sie Bandagen. Der Col. sah gebeugt neben dem Bett des Majors und hielt ihre Hand.
"Die Schwester sagte mir das er die ganze Nacht bei ihr war." meinte Harm leise und stellte sich direkt hinter Mac.
Mac drehte sich leicht und sah zu Harm. "Er scheint sie zu mögen, ich würde auch die ganze Nacht an deinem Bett warten. Und du?"
"Ich würde keine Sekunde von deiner Seite weichen!"

Die Tür des Beobachtungsraum öffnete sich. Harm dreht sich um und vorhin stand der General. "Achtung!" rief Harm laut und auch Mac dreht sich zur Tür. Beide Offziere salutieren. "Rühren sie sich." befahl der General knapp und ging zur Scheibe die in das Zimmer des Majors blicken ließ. "Ich habe dem Col. bereits letzte Nacht befohlen nach Hause zu fahren, aber er hat sich geweigert und sich meinem Befehl widersetzt." sagte der General müde ohne den Blick von seiner Tochter und den Col. zu nehmen. "Können sie sich das vorstellen? Er hat mir direkt in die Augen gesehen und gesagt, dass er sie keinen Moment alleine lassen würde, bis sie aufgewacht sei. Vor zwei Tage ist sie aufgewacht und er läßt sie trotzdem nicht alleine, verraten sie mir was ich tun soll?"

Harm und Mac sahen sich fragend an. Es war nun wirklich nicht alltäglich das ein General sie um einen Rat bittet. Harm schlug vor das er es einmal versuchen könne, aber das lehnte der General ab. "Es hat keinen Sinn, Cmdr. Noah liebt meine Tochter, er wird sie nicht alleine lassen. Sehen sie mich nicht so verwundert an!"


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Jenseits aller Zweifel von Caitlin

#3 von Petra , 07.05.2007 21:28

"Sir es ist nur..." versuchte Mac sich zu erklären, aber der General ließ sie nicht aussprechen.
"Col. ich weiß wie es ist. Eine Beziehung unter einem Kommando kann nicht geduldet werden, aber das muss ich auch nicht. Die beiden dort im Zimmer sind sich ihrer Gefühle nicht bewußt und blind für die Gefühle des anderen. Sie können wunderbar zusammenarbeiten, sich streiten und wieder versöhnen, aber sie schaffen es nicht grundehrlich zu einander zu sein."
"Woher wissen sie dann, dass er sie liebt?" fragte Harm.

"Ich kenne diesen Mann seit er ein kleiner Junge war. Er war immer wie ein großer Bruder für Sarah gewesen, aber ich sehe ihm an das er nicht mehr nur diese Figur für sie sein will. Er liebt sie und sie liebt ihn. Sie hat es schon immer getan und ich weiß nicht, was wäre wenn sie nicht beim Militär wären. Die Vorschriften sind klar und die beiden sind damit groß geworden, vielleicht wären sie sonst schon verheiratet. Ich weiß nicht ob sie mich verstehen, aber das ist hier nicht wichtig."
Der General lachte kurz bitter auf und fuhr fort. "Ich muss mich nicht umdrehen um zu wissen das sie mich anstarren." Harm und Mac fühlten sich ertappt, denn sie starrten den General tatsächlich erstaunt an.
"Sir, ..."

"Nein, sie brauchen nichts zu sagen. Dieses Gespräch wird in diesen vier Wänden bleiben, darauf verlasse ich mich. Gefühlsdusseligkeit passt nicht zu einem Marine General. Es macht ihn weich und verwundbar, das bin ich nicht. Nicht als General. Aber als Vater bin ich es."
"Was werden sie nun tun, General", wollte Harm wissen.
"Beten Cmdr. Ich werde beten für meine Tochter und hoffe das sie wieder gesund wird."
"Sie wird wieder gesund, sie ist ein Marine und die geben nicht auf." Harm sah zu Mac. Sie sah traurig aus und er hätte sie gerne in den Arm genommen und getröstet. Vielleicht dachte sie über das gleiche nach wie er. Wer von ihnen beiden konnte sagen, was wäre wenn sie nicht beim Militär wären? Es spielte keine Rolle, schoss es Harm durch den Kopf, denn sie waren beim Militär und das Schicksal hatte es so gewollt.

Der General holte ihn aus seinen Gedanken. "Colonel MacKenzie, Commander Rabb. ich will mich bei ihnen entschuldigen."
"Wofür", fragten beide aus einem Mund.
"Für alles!" Der General ging zur Tür und drehte sich, bevor er raus ging, noch einmal um. "Ich wünschen ihnen eine gute Heimreise."
Wieder salutierten die beiden und der General verließ den Raum. Mac wand sich zu Harm und er tat es ihr gleich.
"Frag mich nicht Mac?" Antwortete er ihr, bevor sie ihn überhaupt gefragt hatte was sich gerade hier abgespielt hatte. Warum hatte der General ihnen das alles erzählt?
"Dann frage ich Dich nicht!" sagte sie und lächelte leicht. "Lass uns nach Hause fahren"
"Ja, lass uns nach Hause fahren." Harm bot Mac seinen Arm und die beiden verließ nachdenklich das Krankenhaus.

Während des Fluges schlief Mac die ganze Zeit und Harm beneidete sie. Für ihn war einfach nicht an Schlaf zu denken. In seinem Kopf schwirrten immer noch die Gedanken an die kurze Zeit in dem Beobachtungszimmer. Mac hatte ihm den Kopf verdreht. Er schaffte es einfach nicht sie aus seinen Gedanken zu verdrängen. Es wäre ihm vielleicht geglückt wenn nicht der General dieses merkwürdige Gespräch mit ihnen geführt hätte. Immer wieder fragte er sich was der General ihnen da eigentlich mitteilen wollte. Zog er Parallelen zwischen seiner Tochter und dem Colonel zu ihm und Mac? Es konnte nicht sein. Major Donnelly liebte den Colonel, aber Mac liebte ihn nicht, oder? Es mag sein das sie ihn gern hatte, aber ist nicht das selbe wie lieben. Vielleicht erkannte der General mehr als Harm.

Nein, das war unmöglich. Er kannte Mac so viele Jahre und er bildete sich ein das er sie gut kannte.
Harm betrachtete Mac im Schlaf. Seit sie vor fast einer Woche nach San Siego aufgebrochen waren schien er sie ständig im Schlaf zu betrachten und er mochte es mit jedem Male mehr. Sie sprach im Schlaf, aber Harm konnte nicht verstehen was sie sagte. Meist waren es unzusammenhängende Worte die sie murmelte. Manchmal, wenn sie sich bewegte, verzog sie das Gesicht. Vermutlich schmerzte sie die Schulter mehr als sie zugeben würde.
Kurz vor der Landung erwachte Mac. Verschlafen sah sie einfach niedlich aus, dachte Harm und lächelte. Es war wieder dieses geheimnisvolle Lächeln. "Sailor, da ist es schon wieder", meinte Mac schläfrig und Harm zog fragend seine Augenbraunen hoch.

"Was ist schon wieder da?"
"Na diese Lächeln, seit Tagen siehst du mich so komisch an und lächelst dabei, ich will endlich wissen warum."
"Okay Marine, aber nur unter einer Vorraussetzung."
"Welche?"
"Du kommst mit zu mir und wir bestellen uns eine Pizza!" Harm konnte die Gelegenheit die sich im bot einfach nicht links liegen lassen. Die ganze Zeit hatte er nach einem Grund gesucht den Abend mit Mac zusammen zu verbringen. Jetzt hatte er einen Grund. Mac überlegte kurz und ihr Magen antwortete im selben Moment für sie. Beide lachten. "Über alles andere wäre ich maßlos enttäuscht gewesen, mein hungriger Marine."
"Ich denke ich bin überstimmt worden."

Es war ein schöner Abend und Harm wollte nicht das er endete. Irgendwie mußte er es schaffen mit Mac über seine Gefühle zu reden. Aber wie sollte er das tun, wenn er sich selber nicht darüber im Klaren war? Er hatte keine Ahnung was er ihr sagen sollte. Da saß "seine Sarah" neben ihm auf der Couch, in eine Decke gehüllt und einer Tasse Kaffee in den Händen, und er hatte keine Ahnung was er ihr sagen sollte. Das Schicksal geht oft seltsame Wege. Wenn sie den Anfang machen würde, aber warum sollte sie das? Sie hatte nicht die geringste Ahnung von dem was sich wünschte.
Den ganzen Abend redeten sie über Gott und die Welt, doch Harm fand nicht den richtigen Augenblick sie auf das eigentliche Thema zu bringen und dann als sie ihm endlich eine Chance gab?

Harm schlug beiden Hände über dem Gesicht zusammen, als die Erinnerungen wieder hochkamen. Mac war seit Stunden weg und er lag wach in seinem Bett und grübelte. Er war ein Feigling, der größte den er kannte. Wieviele Chancen wollte er noch verschwenden?
Sie hatte ihn gefragt, warum er nun immer so geheimnisvoll lächelte, aber er war nicht in der Lage ihr die Wahrheit zusagen. Eine fadenscheinige Ausrede musste hin halten, weil er Angst vor ihrer Reaktion hatte. Mac hatte gelacht, als er ihr sagte das er sich einfach freute das ihr nichts schlimmeres passiert war. Auch wenn Mac nicht überzeugt war, sie hatte sich damit zufrieden gegeben und Harm sich am liebsten selbst in den Hintern getreten. Irgendwann lief Harm in einen traumlosen Schlaf.

Zur selben Zeit wälzte sich auch Mac unruhig in ihrem Bett hin und her. Sie hatte Harms Wohnung um kurz nach Mitternacht verlassen und war dann mit dem Taxi nach Hause gefahren. Harm hatte sie nach Hause fahren wollen, doch Mac wollte mit dem Taxi fahren und nach langer Diskussion hatte er sie fahren lassen. Nun lag sie seit Stunden im Bett und dachte an Ham. Er ist nicht ehrlich zu ihr, irgendetwas verschwieg er ihr und sie hatte keine Ahnung warum. Seit sie aus dem Krankenhaus gekommen waren hatte er alles getan um ihr nicht in die Augen sehen zu müssen. Wenn er es getan hatte, dann nur ganz kurz. Mac verstand das ganze einfach nicht. Sie waren sich wieder nähergekommen und das wußte sie genau. Doch jetzt stand etwas anders zwischen ihnen. Sie stritten nicht mehr und die Feindseligkeit zwischen ihnen war verschwunden und trotzdem war da etwas. Sie redeten miteinander aber nicht ihre Worte sagten nichts aus. Es war zum verrückt werden. Dieser Mann wird ihr eines Tages noch den letzten Nerv rauben und was viel schlimmer war unzählige Stunden wertvollen Schlafes. Am Montag würde im Büro eine Gelegenheit suchen um mit Harm darüber zu reden, es hatte so keinen Sinn und bis dahin sollte er endlich aus ihren Gedanken verschwinden.

Als Mac am Montag morgen den Bullpen betrat wurde sie gleich von Harriet Sims freudig begrüßt. "Col. schön das sie wieder da sind. Wir haben uns alle große Sorgen um sie gemacht."
"Danke Harriet, aber um mich brauchen sie sich keine Sorgen machen, das wissen sie doch." Harriet lächelte verlegen. "Ja, das hat uns der Cmdr. heute morgen auch schon gesagt."
"Der Cmdr.? Doch nicht Cmdr. Rabb?" Mac konnte kaum glauben das Lt. Sims Harm damit meinte. Nach ihrer inneren Uhr war es gerade einmal 7:23 Uhr und das war nun absolut nicht die Zeit für Harm. Entweder ihre innere Uhr hatte gänzlich versagt, oder...
"Ja, ja Colonel" Harriet nickte heftig mit ihrem Kopf und lachte über Macs erschrockenes Gesicht. "Genauso haben wir heute morgen auch geschaut als er rein kam. Sie können es mir glauben."
Mac machte sich verstört auf den Weg zur Teeküche. Sie brauchte erst einmal einen Kaffee auf den Schock.

In der Tür prallte sie auch noch mit Harm zusammen.
"Hoppsala", rief er überrascht. "Guten Morgen Mac! Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen, alles in Ordnung?" Die Sorgen die er sich machte waren genauso plötzlich geschwunden wie sie aufgetaucht waren als Mac antwortete: "Ja dich!"
"Mich?" Er sah an sich herunter und suchte nach irgendetwas erschreckenden, aber konnte nichts finden. Auf seiner weißen Uniform war kein Fleck und auch kein Kopf abgerissen. Mit einem breiten Grinsen blickte er wieder zu Mac, jetzt verstand er sie. "Ach, du meinst einen Geist weil ich vor Dir hier war?"

Mac nickte nur und kippte ihren Kaffee in eine Tasse. "Was ist passiert?"
"Mac, warum soll etwas passiert sein?"
"Harm ich sage dir 7:27 Uhr, reicht das?"
"Wofür?" langsam begann Harm das Wortgefecht mit seiner Partnerin zu geniessen. Offensichtlich war sie heute morgen mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden.
"Um dir zu sagen das es noch viel zu früh für dich ist!" Mac kontrollierte sich nur schwer. Am liebsten hätte sie geschrieen.
"Ach komm schon Mac... ich verspreche es wird nicht wieder vorkommen." Lachend verschwand er aus der Küche und ließ Mac alleine zurück.
´Das fängt ja gut an´, dachte sie sich und ging in ihr Büro.

Mac sah Harm nur noch einmal an diesem Montag und zwar bei Montagsmeeting. Die ganze Zeit hatte er sie von der gegenüberliegenden Seite beobachtet, aber er hatte nichts mehr gesagt. Nach dem Meeting war Mac so sehr mit ihren Fällen beschäftigt das sie ausnahmsweise keine Zeit hatte an Harm zu denken. Erst musste sie die Berichte für den Admiral fertigstellen und dann noch mit zwei Mandanten sprechen. Ihre einzige Verhandlung an diesem Morgen war kurz vorm Lunch beendet und Mac versuchte Harm in seinem Büro zu erreichen. Sie hatte sich fest vorgenommen mit ihm zu sprechen und sie würde es nicht auf morgen verschieben. Doch an sein Telefon ging nur Harriet.

"Harriet, Mac hier können sie mir sagen wo der Cmdr. steckt? Ich wollte mit ihm etwas essen!" erklärte sie ihr.
"Oh Ma'am, der Cmdr. ist vor einer Stunde aufgebrochen."
"Wohin?"
"Auf die Seahawk, Ma'am. Ein Deckoffizier wird verdächtigt etwas unterschlagen zu haben, aber mehr weiß ich auch nicht."
"Hat der Cmdr. gesagt wie lange er auf der Seahawk sein wird?"
"Nein Ma'am, es tut mir leid. Aber ich glaube er hat ihnen eine Nachricht auf den Schreibtisch gelegt, soll ich nachsehen?"
"Nein danke, Harriet ich komme gleich zurück ins Büro, dann lese ich sie selber."
"Okay Ma'am!" Mac legte auf und ging zu ihrem Auto. So wie es aussah, mußte sie ihr Gespräch wohl doch noch auf morgen verschieben, vielleicht sogar auf nächste Woche.

Laut Harms Nachricht sollte er bis Mittwoch wieder zurück sein, aber am Freitag war er immer noch auf der Seahawk. Mac fand sich damit ab. Ihr Schicksal wollte einfach nicht das sie so schnell mit Harm redete.
Freitag Abend saß Mac noch mit einem Stapel Papiere auf ihrem Bett. An Schlaf brauchte sie nicht denken. Vor ein Uhr war sie die Woche nie zum schlafen gekomme und irgendwann hatte sie es aufgegeben sich zum Schlafen zu zwingen. Sie hatte angefangen ihre Berichte nachts in ihren Laptop zu tippen, um nicht ständig an Harm denken zu müssen. Morgens stand sie bereits um fünf Uhr auf und joggte eine Runde im Park um nicht an Harm denken zu müssen. Aber egal was sie machte, sie dachte ständig an ihn. Legte sich immer wieder die Worte zurecht die sie ihm sagen wollte, wenn er wieder da war.
Das Klingeln des Telefons holte sie aus ihren Gedanken. Schon nach dem zweiten Klingeln ging sie ran. "MacKenzie?" Wer konnte so spät noch etwas von ihr wollen?

"Hi Mac,..." Es war Harm und sie konnte nicht verhindern das ihr Herz einen kleinen Sprung machte.
"Hi Harm!"
"Was machst du?"
"Ich arbeite."
"So spät noch? Müsste ein fleißiger Marine wie du nicht schon lange schlafen?" Mac hörte sein leises Lachen und erwiderte: "Nicht, wenn fleißige Navy-Anwälte wie du auch noch arbeiten?" Es tat unheimlich gut seine Stimme zu hören, dachte Mac schimpfte sich aber selbst im nächsten Atemzug als verrückt. Seine Stimme, es war nichts besonders seine Stimme zu hören, auch nicht wenn er eine Woche oder einen Monat im Aussendienst war. Sie versuchte es sich einzureden, aber der Erfolg blieb aus. Sie freute sich trotzdem darüber das er sie angerufen hatte.

"Mac?"
"Oh entschuldigung, ich war abgelenkt was hast du gesagt?"
"Ich habe Dich gefragt wie es dir geht!" wiederholte Harm sich
Einen Augenblick dachte Mac darüber nach was sie ihm sagen sollte. "Ich denke es geht mir gut und wie geht es Dir? Bist du schon zurück von der Seahawk?"
"Ja ich bin vor einer Stunde zuhause angekommen."
"Hattest du Erfolg bei deiner Ermittlung?"
"Nein, Morgen abend werde ich zurück auf die Seahawk fliegen und weiter machen. Ich musste hier nur ein paar wichtige Dinge erledigen."
"Was für wichtige Dinge?" Er hatte sie neugierig gemacht. Was konnte so wichtig sein, das er tausende von Meilen flog nur um am nächsten Abend wieder zurückzufliegen. Sehr merkwürdig.
"Du wirst es erfahren wenn du mir die Tür öffnest."
"Die Tür? Von was für einer Tür sprichst du Harm?" Sie hörte wie er laut seuftze. "Deine Tür Mac, du bist doch sonst nicht so begriffsstutzig."
"Meine..." Er stand vor ihrer Tür? Mit einen Satz war sie vom Bett gesprungen und unterwegs zur Tür.

Harm konnte hören wie sie die Tür entriegelte und zweifelte plötzlich. War ws wirklich eine gute Idee gewesen Mac mitten in der Nacht aufzusuchen? Er hatte lange mit sich gerungen und die erneuten Zweifel machten es ihm nicht leichter. Seit er gestern mit dem Admiral gesprochen hatte, machte er sich Sorgen. Der Admiral hatte zwar nur beifällig erwähnt das Mac sich in der letzten Woche äußerst merkwürdig benahm, jedoch hatte Harm das nicht auf sich berufen lassen. Er hatte nach gehakt und sein CO berichtete ihm von seiner Sorge um Mac. "Sie arbeitet wie eine Besessene, ist morgens die erste und abends die letzte. Sie sieht müde und verspannt aus, ist ständig gereizt und Cmdr. sie isst nichts", hatte er wortwörtlich gesagt. Zuerst hatte Harm das alles als normal abgestempelt, aber als der Admiral dann auch noch sagte das sie nichts essen würde, machte er sich Sorgen. Mac war der hungrigste Mensch den Harm kannte. Er konnte einfach nicht warten bis er wieder zurück war von der Seahawk. Jetzt stand er vor ihrer Tür und wartete darauf das sie ihn rein ließ.

Dann einen Augenblick später stand sie vor ihm, nur in einen Morgenmantel gehüllt und mit nackten Füssen. Lange Zeit standen sie sich gegenüber und keiner sagte ein Wort. Harm spürte einen eisernen Griff um sein Herz. War er tatsächlich nur eine Woche nicht da gewesen? Sie sah aus als habe sie seit Tagen nicht mehr geschlafen und trotzdem war sie schöner als jede Frau die erkannte. Sie stand vor ihm und er konnte nichts anders tun als sie anzusehen. So viele Dinge wollte er ihr sagen, er hatte es tausende Male in seinen Gedanken getan. Doch jetzt fiel ihm nichts mehr ein. Wie machte diese Frau das? Warum war er nur bei ihr nicht fähig ihr seine Gefühle zu sagen. Bei jeder anderen Frau hatte er es geschafft, nicht aber bei Mac.
"Willst du da draussen Wurzeln schlagen, oder bist du tausende von Meilen geflogen um mich vom Korridor aus anzustarren?" Sie versuchte locker zuklingen, aber Harm erkannte sofort wie angespannt sie wirklich war.

"Nein natürlich nicht. Ich bin hier weil ich mir Sorgen gemacht habe Mac und wie ich sehe nicht zu unrecht."
Mac schloss die Tür hinter Harm und folgte ihm in den Wohnbereich. "Willst du mich auf den Arm nehmen? Du fliegst nicht Stunden durch die Weltgeschichte nur weil du dir Sorgen um mich machst."
"Und wenn doch?" fragte er sie herausfordernd.
"Wenn doch bist du verrückt Harmon Rabb jr."
"Dann BIN ich verrückt!" Mac sah ihn mit großen Augen an und Harm lachte. "Sieh mich nicht so an Mac! Bei MIR ist alles in Ordnung."
"Bei MIR ist auch alles in Ordnung!"
"Das glaube ich dir nicht! Selbst dem Admiral ist bereits aufgefallen."
"Was ist ihm aufgefallen? Verdammt noch einmal, hör auf in Rätseln zu sprechen und sag mir endlich was du willst!"

DICH, schoss es ihm durch den Kopf aber aus seinem Mund kam etwas ganz anders. "Ich will wissen wie es dir geht."
"Es geht mir gut Harm", rief sie gereizt und stemmt ihre Hände in die Hüften. Kämpferisch blickte sie ihn entgegen. "Ich kann nicht glauben das du deswegen hier bist. Das ist doch lächerlich!"
"Warum ist das lächerlich, wenn ich mir Sorgen um dich machen? Verdammt Mac ich bin dein Freund und es kümmert mich nun mal wie es dir geht!" mühsam beherrschte Harm sich. Wieso war diese Frau so unglaublich eigensinnig? Es war doch nicht so schwer einem Freund einzugestehen, dass es einem nicht gut ging.
"Ich kann auf mich alleine aufpassen Harmon Rabb jr."
"Daran Zweifel ich auch nicht, aber auf sich aufpassen bedeutet doch nicht sich seinen Freunden nicht anvertrauen zu müssen?"
"Bist du hierher gekommen um mir Vorschriften zu machen?"

Nun war es um Harms Kontrolle geschehen. "Gott verdammt noch mal", schrie er, "ich bin hierher gekommen um mich davon zu überzeugen, das sich der Admiral irrt. Aber ich sehe er hat es nicht. Sieh Dich an Mac. Sieh dich an und sag mir was du siehst?"
"Ich kann dir sagen was ich sehe: Ich seh mich!"
"Nein, du kannst nur noch einen Schatten deiner selbst sehen, mehr nicht." Harm schloss die Augen und atmete tief durch. Was war nur in ihn gefahren. Er war zu hier gekommen um seine Sorgen zu besänftigen, um ihr zu sagen warum ihm das so wichtig war. Und nun? Sie standen sich gegenüber und schreiten sich an. Das konnte doch nicht wahr sein. Als er die Augen wieder öffnete stand Mac an der offenen Tür. Ihr Augen funkelten wütend.

"Mac, bitte...", flehte er sie an, doch sie blieb eisern.
"Wenn du mit mir streiten willst, dann heb dir das für ein andermal auf. Ich bin unsere ständigen Streitereien satt. Ich bin es satt das du mir sagst was ich zu tun habe und selber bist du keinen Deut besser", sagte sie resigniert, "Ich, Harm, bin nicht derjenige der sich seinen Freunden nicht anvertrauen kann, sondern DU. In San Diego habe ich es deutlich gespürt. Du vertraust mir nicht genug, dann kann ich Dir auch nicht vertrauen und jetzt geh bitte."

"Ich werde gehen Mac, aber bitte glaube mir wenn ich dir sage das ich Dir vertraue, ich habe es immer getan und werde es immer tun. Eines Tages wirst du es verstehen. Es hat nichts mit Vertrauen zu tun, es ist Angst. Nur dumme Angst." Er wußte das Mac heute nicht bereit war ihm weiter zuzuhören, und er wünschte ihr traurig eine gute Nacht. Draussen lehnte er sich gegen die Tür die sich hinter ihm verschlossen hatte und hoffte sie würden sich nicht für immer verschlossen haben.

Mac starrte lange Minuten auf die geschlossene Tür. Sie hatte sich ihr Gespräch anders vorgestellt. Ja, sie hatte ihm die Dinge gesagt, die sie ihm sagen wollte, aber sie hatte es ihm nicht so sagen wollen. Harm hatte Recht gehabt, sie war nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Mac ließ sich auf die Couch fallen und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen. Wenn alles nicht so unendlich kompliziert sein musste, dachte sie und Tränen suchten sich ihren Weg über ihre Wangen. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Dieser Mann war ihr Schicksal und das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr. Sie konnte nicht mit ihm aber auch auf keinen Fall OHNE ihn. „Was soll ich tun?“ Fragte sie sich selbst und immer mehr Tränen liefen über ihre Wangen. Sie musste sich die Frage stellen, was sie wollte und egal wie sie es drehte und wendete – es war immer die gleiche Antwort. Sie wollte Harm. „Harm!“ Mit einen Satz war sie aufgesprungen und rannte zur Tür. Er konnte noch nicht weit sein. Sie lief zur Straße sah aber nur noch die Rücklichter seines Wagens. „Verdammt, …“ schrie sie verzweifelt und rannte zurück in ihre Wohnung.

Hastig zog sie sich eine Jeans und ein T-Shirt über, schnappte sich ihren Autoschlüssel und rannte zu ihrem Wagen. Schneller als erlaubt fuhr sie Richtung Union Station. Als sie in die kleine Gasse zu seiner Wohnung einbog, erkannte sie bereits dass sein Wagen nicht vor der Tür stand. Sie schlug die Hände aufs Lenkrad und fluchte. Wo zum Henker war er ihn gefahren? Womöglich hatte er nur einen anderen Weg genommen und er würde jede Minute ihr ankommen.

Als nach er nach zehn Minuten immer noch nicht da war überlegte sie sich verzweifelt wo sie ihn suchten sollte. Er hatte gesagt er würde erst morgen Abend wieder zurück auf die Seahawk fliegen. Irgendwo musste er sein und vor allen irgendwann musste er nach Hause kommen. Sie wartete weitere 30 Minuten unruhig in ihrem Auto, dann beschloss sie zu handeln. Sie nahm ihr Handy und wählte Harms Nummer. Nach dem ersten Klingeln meldete sich eine monotone Frauenstimme und teilte ihr mit das der gewünschte Gesprächspartner zurzeit nicht erreichbar war. Nicht erreichbar? „Verdammt, …“

Mac klapperte in Gedanken alle Möglichkeiten wo er sein könnte ab. Im Grunde konnte er überall sein. McMurphy! Mac setzte ihren Wagen zurück und fuhr zu der Bar, in der sie schon öfters gewesen waren. Mit klopfendem Herz suchten sie auf dem Parkplatz nach seinem Wagen, aber auch hier stand er nicht. Mac entschied sich trotzdem in der Bar nach Harm zu sehen, es konnte auch sein das er seinen Wagen irgendwo an der Straße geparkt hatte und sie ihn nicht gesehen hatte.

Im Innenraum der Bar war es dunkel und verqualmt. Viele Männer und Frauen jeder Altersklasse saßen und standen herum. Aber Mac suchte nur den einen und bei seiner Größe müsste sie ihn eigentlich schnell ausfindig machen können. Sie zwängte sich an der Theke vorbei um auch in die letzte Ecke sehen zu können. Und dann sah sie ihn. Er saß an einem Tisch, um ihn herum tänzelten ein halbes Dutzend Frauen und eine saß auf seinem Schoß und küsste ihn. SIE KÜSSTE IHN! Mac traute ihren Augen nicht. Er konnte höchstens eine halbe Stunde hier sein… Mit zusammengepressten Lippen starrte sie ihn an. Das blonde Gift auf seinem Schoß ließ endlich von ihm ab und fiepte juchzend. Mac sah wie die Frau sich wieder zu ihm herunter beugte. Anscheinend flüsterte sie ihm etwas Komisches ins Ohr, denn Harm brach gleich darauf in schallendes Gelächter aus.

Vor 56 Minuten hatte er doch noch verzweifelt und flehend vor ihr gestanden und jetzt ließ er sich von fremden Frauen trösten. Mac kochte vor Wut. Gerade als sie sich zum gehen umdrehte, wurde sie von Harm entdeckt. So schnell wie möglich versuchte sie sich durch das Gedränge in der Bar nach draußen zu gelangen. „Maac,…“ hörte sie hinter sich Harm rufen, aber sie drehte sich nicht um. Zielstrebig ging sie durch die Tür nach draußen und dann weiter zu ihrem Wagen. Dort gelang es Harm auch erst sie einzuholen. Er legte ihr eine Hand auf ihren Arm und brachte sie so dazu innezuhalten. „Mac?“ Sie schüttelte seine Hand ab und stieg ohne ihn eines Blickes zu würdigen in ihren Wagen. Er sollte nicht sehen dass sie geweint hatte und dass sich neue Tränen in ihren Augen sammelten. Harm sah ihr verdattert hinterher. Heute war nicht sein Tag.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Jenseits aller Zweifel von Caitlin

#4 von Petra , 07.05.2007 21:29

Egal was es anpackte er schien selber keinen Einfluss darauf zu haben, alles entwickelte genau anders als er es eigentlich geplant hatte. Erst dieser dumme Streit mit Mac. Dann wollte er sich im McMurphy betrinken. Nach dem zweiten oder dritten Bier waren die Frauen in die Bar getreten. Sie grölten und kreischten die ganze Zeit. Harm beobachtete wie sie sich ein paar Männer aussuchten und die Blonde musste diese Männer dann küssen. Desto näher diese laut kreischende Gruppe kam, desto weiter weg wünschte sich Harm. Er wollte nur seinen Kummer mit ein paar Bier zuviel herunterspülen um dann Stunden später sturzbetrunken in sein Bett fallen zu können.

Die Frauen hatten ihn natürlich nicht ausgespart. Die Blonde hatte sich auf seinen Schoß gesetzt und ihm einen langen Kuss auf die Lippen gedrückt. Er hatte sich nicht gewehrt aber er hatte diesen Kuss auch nicht erwidert. „Schade dass ich Dich nicht schon früher kennen gelernt habe, sonst würde ich übermorgen dich heiraten…“ hatte sie ihm ins Ohr geflüstert. Er hatte gelacht, aber als er Mac entdeckte gefror ihm sein Lachen. Niemals würde er den Schmerz in ihren Augen vergessen. Sie hatte die falschen Schlüsse gezogen warum sonst war sie vor ihm geflohen, wo sie ihn doch anscheinend gesucht hatte. Er musste das heute noch wieder richtig stellen.

Mit dem Taxi fuhr er zu Macs Wohnung, das zweite Mal an diesem Tag. Er rannte die Stufen zu ihrer Wohnung herauf und klopfte laut an die Tür. Sie war zu hause, er hatte ihren Wagen vor der Tür stehen sehen. Wild hämmerte er gegen die Tür. „Mac, bitte mach die Tür auf.“
„Nein, …“ kam es von der anderen Seite der Tür.
„Mac, bitte!“
„Nein!“
„Ich werde nicht gehen, nicht bevor wir das geklärt haben, Mac Du hast die Wahl, entweder wir klären das drinnen oder hier draußen wo uns jeder hören kann“, schrie Harm und hörte zu seinem Glück wie sich der Schlüssel im Schloss drehte. Als sich die Tür jedoch nicht öffnete, drehte er selber den Türknauf und betrat Macs Wohnung.

Sie stand mit dem Rücken zu ihm am Fenster und starrte auf die Straße. „Was willst du?“
„Wissen warum du mich gesucht hast!“
„Ich habe dich nicht gesucht!“
„Warum bist du dann im McMurphys gewesen?“
„Es hatte nichts mit dir zu tun“, log Mac. Aber Harm wollte sich damit nicht zufrieden geben. Er zwang sie sich umzudrehen und ihn anzusehen. Mac konnte riechen dass er Bier getrunken hatte. Es müssen ein paar Gläser gewesen sein, denn seine Augen schimmerten glasig.

Harm sah ihre geröteten Augen und schluckte. Wie ein scheues Reh versuchte sie seinem Blick auszuweichen, aber er legte eine Hand unter ihr Kinn und zwang sie ihn anzusehen. „Warum hast du geweint? Hat das etwa auch nichts mit mir zu tun?“ Mac funkelte ihn immer noch böse zu. “Ich habe nicht geweint!“ leugnete sie, obwohl sie wusste das die Spuren deutlich zu sehen waren.
„Komm mir jetzt nicht mit der Marines-weinen-nicht-Masche! Du kannst nicht leugnen das du geweint hast!“
„Dann habe ich halt geweint“ die Tränen brannte schon wieder in ihren Augen und sie hatte alle Mühe sie zurückzuhalten.
„Und warum Mac?“ seine Stimme klang gequält, so gequält wie sie sich fühlte. Sie konnte ihm nicht in die flehenden Augen schauen, den sie wusste dass sie schwach werden würde. Sie sehnte sich danach in seinem Armen zu liegen und von ihm zu hören wie kindisch sie sich benahm, weil sie an seinen Gefühlen zweifelte. Sie brauchte Trost und diesen Trost konnte nur Harm ihr geben.

„Weil ich am Ende meiner Kräfte bin Harm.“
„Willst du mir sagen wieso das so ist?“ Er fragte sie vorsichtig und er würde sie nicht zu einer Antwort zwingen.
„Ich, …“ ein Schluchzen löste sich in ihr und sie hatte keine Kraft mehr die Tränen noch länger zurück zu halten.
Harm zog sie in seine Arme und streichelte beruhigend über ihren Rücken. „Sch…“ Ihr Körper zittert und mit jedem Schluchzer bebten ihre Schultern. „Ich wo.. wo..llte ni.. cht…“ schluchzte sie, „ich wo.. llte mi…mi..ch ni..cht mit dir… dir streiten.“ Harm konnte sie kaum verstehen, aber er ließ sie weiter reden. „Des.. deswegen bin … ich zu Dir gefahren…aber…du bist nicht da.. gewesen.“
„Woher wußtes du es ich im McMurphys bin?“
„Ger…aten!“ schniefte sie.
„Und warum bist du wieder weg gelaufen?“ Mac schwieg. „Wegen dieser Frau?“

Mac schwieg immer noch, aber sie nickte schwach. „Ich weiß nicht was du gedacht hast, aber erstens hat sie mich geküsst und nicht ich sie, zum anderen hat sie vor mir mindestens ein Dutzend andere Männer auf die gleiche Weise geküsst! Es war nur ein dummes Spiel von betrunkenen Frauen.“ Mac löste sich von ihm, legte ihren Kopf in den Nacken und sah zu ihm herauf. „Aber es scheint dir gefallen zu haben, ich habe gesehen dass du dich köstlich zu amüsierend schienst.“

Harm wischte ihr in einer zärtlichen Geste die Tränen vom Gesicht. „Ich habe mich nicht amüsiert! Und wenn du nicht gleich weggelaufen wärst, dann hättest du es auch gesehen.“
„Aber du hast gelacht.“
„Ich habe nur gelacht weil sie glaubte, wenn sie mich früher kennen gelernt hätte, würde sie mich heiraten und nicht den Mann den sie nun heiraten wird.“
„Was war daran so komisch?“
„Ich weiß es nicht, aber ich glaube ich war mir sicher dass auch wenn sie mich früher kennen gelernt hätte, ICH sie trotzdem nicht geheiratet hätte."
„Warum? Sie ist nicht die Richtige!“ meinte Harm ohne zu zögern und Macs Augen weiteten sich verwundert. „Wie kannst du nach so kurzer Zeit wissen, dass sie nicht die Richtige ist?“
„Es kann nur eine Richtige geben, ich weiß wie sie ist und diese Frau hatte keine Ähnlichkeit mit ihr.“
„Wie ist die Richtige?“ wollte Mac wissen und in Gedanken ging sie seine Exfreundinnen durch. Welche von ihnen war für ihn die Richtige und warum war er trotzdem nicht mehr mit ihr zusammen? Oder war es gar nicht eine von seinen Freundinnen?

Harm sah Mac an. Er hätte ihr einfach sagen können, dass die Richtige vor ihm stand. Es war so leicht, er musste nur sagen: „Die Richtige ist wie Du, weil du die Richtige bist!“ mehr hätte er nicht sagen müssen. Zweimal setzte er an, aber die Worte kamen einfach nicht aus seinem Mund.
„Harm? Wie ist die Richtige?“ fragte Mac. Sein Zögern verletzte sie. Als Harm auch darauf nicht antwortete sagte Mac mit trauriger Stimme: „Genau das ist der Grund warum wir immer wieder in einem Streit enden Harm. Du sagst du vertraust mir, aber du kannst mir nicht alle deine Gedanken anvertrauen. Warum nicht? Wovor hast du Angst?“

Harm blickte sie Leid erfüllt an und seufzte. Sein Herz verkrampfte. Er hatte Angst vor ihrer Reaktion. Was war wenn sie mit seinen Gefühlen für sie nicht umgehen konnte? Er war sich sicher dass sie ihn mochte, ihn und seine Freundschaft, aber bedeutete das auch gleich dass sie seine Liebe wollte?
„Ich habe Angst davor Deine Freundschaft zu verlieren!“
„Weißt du warum ich weggelaufen bin?“
Harm schüttelte den Kopf.
„Du hast mich enttäuscht, deswegen. Als du vorhin hier in meiner Wohnung gestanden hast habe ich gedacht dir liegt etwas an mir… Aber als ich Dich dann mit dieser Frau sah, dachte ich das es nicht so ist…“
„Nein Mac, NEIN!“ unterbrach Harm sie protestierten aber Mac fuhr ungeirrt fort.
„Ich war enttäuscht von dir, davon wie wenig dir unsere Freundschaft bedeutete zu und wie wenig Dir unser Streit zu schaffen machte.“
„So ist es nicht Mac…“
„Ja ich weiß das es so nicht ist, aber ich weiß leider auch nicht wie es WIRKLICH ist!“
Harm sah sie ernst an. „Unsere Freundschaft bedeutet mir so viel mehr als du dir vorstellen kannst und dieser Streit… Mac ich war in der Bar um mich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken. Wie sehr glaubst du macht mir dieser Streit zu schaffen?“ Mac sah das Leid in seinen Augen und seufzte.
„Warum können wir dann nicht ehrlich zu einander sein?“
„Ich weiß es nicht Mac“, antwortete er aufrichtig, „vielleicht können wir das eines Tages. Wir sollten es nur nicht erzwingen…“

Die beiden standen sich endlose Minuten gegenüber. Jedem ging so viel durch den Kopf, aber keiner sagte etwas. Ihre Freundschaft sollte nicht unter ihren Gefühlen leiden. Harm wollte sich ein Leben ohne Mac nicht vorstellen. Ihre Freundschaft stand auf dünnem Eis und er würde sie nicht riskieren, lieber verzichtete er auf sein eigenes Glück als Mac gänzlich aus seinem Leben zu streichen.
„Freunde?“ fragte Harm und lächelte sie warm an. Mac erwiderte sein Lächeln: „Ja, Freunde!“ Sie umarmten sich. Mac kuschelte sich an seine Brust und schloss die Augen. ‚Eines Tages wirst du erkennen das ich die Richtige für Dich bin’, dachte Mac. Die Zeit war noch nicht reif ihn mit ihren Gefühlen zu konfrontieren.
„Was hältst du davon schlafen zu gehen?“ fragte Harm sie eine Zeit später.
„Viel…“, murmelte Mac schläfrig und gähnte, „Du kannst auf der Couch schlafen, wenn du willst.“

Eine halbe Stunde später versuchte Harm es sich so bequem wie möglich zu machen. Aber die kurze Couch von Mac ließ ihm nicht viel Spielraum für seine langen Beine. Nachdem er zum ein dutzend Male seine Position geändert hatte gab er es auf eine bequeme Stellung zu finden. Er war gerade eingeschlafen als er etwas Feuchtes auf seinem Gesicht spürte. Er öffnete die Augen und blickte direkt Jingos feuchte Zunge. Er rieb sich die Augen, aber Macs Hund blieb direkt vor ihm sitzen. Kein Traum. Angeekelt brachte Harm sich in eine aufrechte Position und starrte zu Jingo. Jingo legte seinen Kopf schief und hielt seinem Blick stand. „Warum hast du mich geweckt?“ fragte er den Hund und dieser begann leise zu winseln. Harm wischte sich übers Gesicht um die letzten feuchten Spuren von Jingo zu beseitigen. Dann tätschelte er über Jingos Kopf. „Was ist los alter Junge?“ wieder begann Jingo zu winseln, aber diesmal hörte Harm nicht nur den Hund winseln, sondern auch Mac im Zimmer nebenan. „Deswegen hast du mich geweckt?“ fragte Harm erstaunt und Jingo bellte einmal kurz. „Willst du das ich nach deinem Frauchen sehen?“ Wieder bellte Jingo einmal kurz und Harm kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Entweder dieser Hund verstand ihn oder er bildete es sich ein.

Leise betrat er Macs Schlafzimmer und ging zum Bett. Mac wälzte sich von links nach rechts und war schweißgebadet. Harm setzte sich auf die Bettkante und flüsterte ihren Namen. Er rüttelte sanft an ihren Schultern, aber sie wurde nur noch unruhig. „Wach auf Mac!“ er rüttelte sie etwas fester und Mac schlug ihn ihm ihrem Arm. „Psst, Mac ich bin’s Harm. Wach auf!“
Egal was Harm tat, sie wachte einfach nicht auf. Aber sie wurde ruhiger wenn ihren Namen flüsterte und ihr feuchtes Haar aus der Stirn strich, also legte er sich neben sie ins Bett. Er zog ihren Körper an seinen und legte sich ihren Kopf auf die Brust. In San Diego hatte er sie auch so gehalten, aber das war in einem Krankenhaus gewesen und nicht in ihrem Schlafzimmer. Er hoffte inständig Mac würde ihn nicht aus ihrem Bett prügeln bevor er ihr erklären konnte warum er in ihrem Bett lag.

„Harm.“
„Psst, ich bin hier Mac. Alles ist gut.“ Er wusste nicht ob die wirklich wach war. Ihre Stimme klang weit entfernt und sie rief seinen Namen noch ein paar Mal ohne auf seine eigenen Worte zu reagieren.
„Sie“, „mir“, „weh“ Waren die einzigen Worte die Harm verstehen konnte. Sie bewegte sich immer noch unruhig hin und her. Harm presste sie fest an seinen Körper und Mac konnte sich nun nur noch schwer bewegen.
„Niemand wird dir weh tun Mac!“ flüsterte er ein paar Mal und nach wenigen Minuten wurde Mac endlich ruhiger. Harm schloss müde seine Augen und drückte ihr zärtlich einen Kuss auf die Stirn. „Meine Sarah“, flüsterte er leise und schlief im nächsten Moment ein.

Harm wurde am morgen durch das Klingeln des Telefons geweckt. Ohne die Augen zu öffnen griff er neben sich zum Telefon und meldete sich wie gewohnt. "Rabb."
"Cmdr?" fragte am anderen Ende der Leitung ein hörbar verwirrter Admiral Chegwidden. "Merkwürdig, ich war mir sicher die Kurzwahltaste mit der Nummer des Colonels gewählt zu haben. Ich muss mich getäuscht haben. Vergessen sie das ich sie angerufen habe und sehen sie zu das sie aus den Federn kommen. Es ist helligter Tag draussen." Ohne das Harm eine Chance hatte etwas zu erwidern hatte der Admiral wieder aufgelegt. Harm war noch zu schläfrig, um sich darum Gedanken zu machen. Er legte ebenfalls den Hörer wieder auf. Als er gerade wieder eingeschlafen war, klingelte das Telefon erneut. Er seufzte und nahm dann zum Zweiten Mal den Hörer in die Hand. "Rabb!"

"Verdammt Cmdr. das ist nun aber wirklich sehr merkwürdig. Ich bin mir sicher diesmal die Nummer des Colonels gewählt zu haben. Wieso gehen sie ans Telefon, wenn ich den Colonel anrufe? Dieses Telefon muss defekt sein, oder ich zu..." begann der Admiral und im gleichen Moment spürte Harm wie sich neben ihm etwas bewegte. "Harm wer ist denn da am Telefon?"
Harm riss die Augen auf und erkannte als erstes das es gar nicht sein Schlafzimmer war in dem er sich befand. Wenn der Admiral das erfährt dachte er noch, aber da hörte er schon den Admiral brüllen. "Rabb, war das gerade der Colonel?"
"Äh Sir, es ist..." stotterte Harm plötzlich hellwach.
"Wenn das der Colonel war dann erklären sie mir einmal warum sie um halb sieben Uhr morgens bei... Wissen sie was? Geben sie mir den Colonel und zwar sofort!" Harm erkannte das es keinen Zweck hatte zu leugnen. Die Stimme seines COs duldete keine Widerrede.

Harm reichte Mac den Hörer und formte lautlos die Worte "Admiral Chegwidden". Mac verzog das Gesicht zu einer Grimasse und verdrehte die Augen. Das Mirkofon mit einer Hand abgedeckt fragte sie: "Was soll ich ihm sagen Harm?"
"Colonel?!!" ertönte wieder die Stimme das Admirals aus dem Telefon. Harm zog beide Schultern hoch. "Keine Ahnung Mac!"
"Tolle Hilfe bist du...!"

Wieder schrie der Admiral und Mac konnte ihn nicht länger warten lassen. "MacKenzie."
"Colonel, können sie mir erklären was zum Teufel ein völlig verschlafener Cmdr. in ihrer Wohnung macht und dazu auch noch an ihr Telefon geht als sei es sein?"
"Sir es ist..." der Admiral gab ihr nicht die Chance etwas zu erklären.
"Colonel, so hat der Cmdr. es eben auch versucht. Ich gebe ihnen eine Stunde Zeit, dann will ich sie beide in meinem Haus sehen."
"Aye Aye Sir!" sagte Mac und gab Harm den Hörer zurück.
Vorwurfsvoll sah sie ihn an. "Harm warum gehst du an mein Telefon?"
"Ich dachte wohl einen kleinen Moment in bin in meinem Bett. Und verrate du mir doch mal warum dich der Admiral um..."
"6:36 Uhr" meinte Mac ohne eine Miene zu verziehen.
"anruft?"

Mac schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. "Ich habe völlig vergessen das ich mich mit dem Admiral zu joggen verabredet habe. Das war vor genau 38 Minuten und 24 Sekunden." Sie sprach mit einem vorwurfsvollem Ton und ihr Blick zeigte Harm zu deutlich das sie ihm die Schuld daran gab.
"Mac, es ist nicht meine Schuld das du verschläfst!!" verteidigte er sich.
Mac, die inzwischen aufgestanden war, baute sich vor ihm auf. "Nicht? Aber du warst doch derjenige der mich die halbe Nacht um den Schlaf gebracht hat!"
Nun bequemte sich Harm auch aus dem Bett. "Wollen wir so früh schon wieder streiten, oder wollen wir unseren Waffenstillstand von gestern aufrecht halten, Ninjagirl?" Mit hochgezogenen Augenbraunen fixierte er sie. Sein Blick war ernst und Mac blickte zu Boden. Dabei streifte ihr Blick seine nackte Brust und endete bei seinen nackten Füssen. Sie hob ihren Blick sofort wieder ein kleines Stück. Harm trug nur noch seine Boxershorts und mehr nicht. Schlagartig färbte sich ihr Gesicht rot vor Verlegenheit.

Harm beobachtete fasziniert wie sich ihre Gesichtsfarbe veränderte. Es war selten diesen Marine vor Verlegenheit erröten zu sehen und er musste sagen das es sie nur noch süßer machte. Er sollte sie öfters dazu bringen, dachte er mit einem schelmischen Grinsen und kassierte dafür sofort einen festen Hieb in die Seite.
"Cmdr. Harmon Rabb jr. kannst du mich vielleicht erst einmal aufklären bevor ich es dem Admiral erklären darf?"
"Was?" Er wusste wirklich nicht was sie meinte. Sie rollte mit den Augen und zeigte mit dem Finger auf ihn. "Das!"
Sie immer noch nicht verstehend blickte er sie fragend an.
"Na Dich, Harm. Erklär mir mal was du IN Boxershorts in MEINEM Bett zu suchen hattest?" Mit einer Hand strich Mac sich eine Strähne aus der Stirn. "Gott sei Dank sind Bildtelefon noch nicht Standard. Ich will mir gar nicht ausmalen wie der Admiral dann reagiert hätte."

Jetzt verstand Harm was sie meinte. Er grinste wieder, aber diesmal war er selbst verlegen. "Ähm, ja eigentlich ist Jingo ja Schuld!"
"Jingo? Welche Schuld sollte mein Hund daran tragen? Er wird dir kaum gesagt haben du sollst dich in mein Bett legen."
Während sie sprach suchte sie ihre Sachen zusammen an der Badezimmertür blieb sie noch einmal stehen und fragte: Oder?" Harm brauchte ihr nicht zu antworten. Die Antwort stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
"Komm schon Harm, denk dir etwas besseres aus."
"Es ist aber wahr Mac. Egal wie unglaubwürdig ich klingen mag, aber Jingo hat mich heute Nacht geweckt. Ich glaube es hat ihm auch noch Spaß gemacht mit seiner feuchten Zungen über mein Gesicht zulecken."
"Ich glaube dir kein einziges Wort. Warum sollte Jingo das getan haben?" rief sie durch die geschlossene Badezimmertür.
"Vielleicht weil du einen Alptraum hattest?" Die Badezimmertür öffnete sich wieder und Mac schaute durch den Spalt.

"Mac, als ich in dein Schlafzimmer ging, hast du dich von einer Seite auf die andere geworfen und irgendetwas vor dich hin genuschelt. Deswegen lag ich in deinem Bett. Ich habe versucht Dich zu wecken und als ich damit keinen Erfolg hatte, habe ich einfach nur versucht dich zu beruhigen. Dabei bin ich wohl selber eingeschlafen."
Die Badezimmertür schloss sich wieder. "Okay, Sailor ICH werde dir diese Geschichte glauben, aber lass dir einen Rat geben: Überleg dir schon mal wie du DAS dem Admiral erklären willst!"
"Dem Admiral?"
"Ja, wir müssen in 50 Minuten bei ihm sein." rief Mac lachend. Dann hörte Harm wie die Dusch angestellt wurde.


60 Minuten später parkte Mac ihren Wagen vor dem Haus des Admirals. "Wir sind zu spät und Du bist schon wieder Schuld", meinte sie zu Harm und stieg aus. Kurz vor der Haustür holte Harm sie ein. "Entschuldige bitte das ich auch noch Duschen wollte!" flüsterte er ihr leise zu.
"Aber du hättest dich mehr beeilen können."
"Ich habe unter der Dusche meine Erklärung für den Admiral ausgearbeitet", sagte er lachend.
"Das ist sehr gut Cdmr. dann lassen sie mal hören!" Das Lachen wich aus Harms Gesicht, als er die Stimme seines COs hinter sich vernahm. Er blieb einen Moment wie versteinert stehen. Mac sah ihn mit ernstem Gesichtausdruck an, aber er erkannte das vergnügte Funkeln in ihren Augen. Sie genoss es förmlich wie Harm, mit dem Admiral im Rücken unschlüssig vor ihr stand und nicht wußte was er nun antworten sollte. Ja, er sah es ihr deutlich an. Er stieß einen kaum merklichen Seufzer aus und drehte sich zu Admiral Chegwidden um.

"Guten Morgen Sir!" Der Gesichtsausdruck des Admirals war völlig emotionslos. Mit wachsamen Augen musterte er ihn von oben bis unten. "Guten Morgen Cmdr. Guten Morgen Col.!"
"Guten Morgen Admiral!" Begrüßte auch Mac ihn.

Admiral Chegwidden hatte die Arme vor der Brust verschränkt und betrachtete seine beiden Topanwälte. Ihre schuldbewussten Blicke konnten nichts gutes bedeuten und er dachte bereits an den SecNav. Unmöglich konnte er noch einmal darum bitten, dass zwei, unter seinem Kommando dienende, Offiziere heiraten durften. Er zog eine Augenbraue hoch und seufzte innerlich. 'Ganz ruhig', ermahnte er sich selbst in Gedanken, aber er hatte wenig Hoffnung. Er brauchte nur in ihre Augen sehen. Nur sehen wie die beiden sich jetzt ansahen und er wußte das er Wohl oder Übel dem SecNav einen Besuch abstatten musste. Ein Blinder hätte die Gefühle, die zwischen ihnen waren, erkannt auch, wenn sie sich erfolgreich bemühten sie nicht offensichtlich zu zeigen.

Dem Admiral stellte sich nur noch eine Frage. Wie um alles in der Welt war das passiert? Vor zwei Wochen hatten sie noch bei jeder Gelegenheit gestritten waren unausstehlich und jetzt verbrachte Harm bereits seine Nächte bei Mac. Dabei hätte er doch auf der Seahawk sein müssen. Mindestens eine halbe Woche noch, so hatte der Cmdr. es ihm selber noch gesagt am Telefon. Es konnte nicht in San Diego geschehen sein. Nein, er hatte mit General Donnelly gesprochen und er hätte es ihm gesagt da war er sich sicher. Also konnte es nur in der letzten Woche geschehen sein, aber da war der Cmdr. im Pazific. Konnte es sein das sie schon seit längerem eine Beziehung führten und ihre Streitereien nur ein Ablenkungsmanöver waren? Auch den Gedanken schloss er aus. Sie konnten ihm unmöglich so lange etwas vorgespielt haben und wenn ja dann Gnade ihnen Gott.

Er bemerkte wie die beiden unter seinen musternden Blicken nervös wurden.
"Cmdr. ich höre... Warum sie ihre Nächte beim Colonel verbringen?"
"Nun Admiral eigentlich war es nur eine Nacht..." meinte Harm grinsend . Der Admiral atmete geräuschvoll ein und Harm blickte unsicher zu Mac.
"Sir es war wirklich nur eine Nacht!" sagte Mac nickend.
"Cmdr. Col. treiben sie es nicht zu weit. Noch bin ich bereit mir ihre Geschichte anzuhören, aber wenn sie so weiter machen dann lasse ich sie beide nach Alaska versetzen. Ist das klar?" seine Stimme war bedrohlich leise und beide wußten das heute morgen nicht mit ihm zu spaßen war.
"Glasklar, Sir!" riefen beide aus einem Mund und senkten den Blick zu Boden.
"Ihre letzte Chance Cmdr...."
"Sir, es war eigentlich..." begann Harm nun so wie am Telefon auch schon und brachte den Admiral dazu mit den Augen zurollen.
"Vielleicht sollten wir ganz vorne beginnen", schlug Chegwidden vor, "Warum sind sie nicht auf der Seahawk?"

Harm warf einen Blick auf Mac. Hatte der Colonel ihm gerade ein Zeichen gegeben? Chegwidden blickte ebenfalls zu Mac, sein Blick war warnend und Mac zuckte mit den Schultern. Also wußte sie offensichtlich auch nicht warum der Cmdr. nicht mehr auf der Seahawk war, oder doch? Er sah wieder in Harms Gesicht.
"Nach unserem Telefonate Sir, habe ich mir auch Sorgen um Mac gemacht. Ich konnte einfach nicht warten bis ich wieder zurück bin, um zu erfahren was mit ihr ist."
"Deswegen nehmen sie einen stundenlangen Flug in Kauf?" fragte er Admiral ihn zweifelnd.
"Ja."
"Finden sie das nicht reichlich übertrieben Rabb?"
Harm schüttelte nur den Kopf und Chegwidden wand sich an Mac. "Colonel, erscheint es ihnen nicht ein bisschen übertrieben?"

Mac zögerte und Harm wußte das sie an ihren Streit von gestern abend dachte. Er hatte ihre Worte noch im Ohr: "Willst du mich auf den Arm nehmen? Du fliegst nicht Stunden durch die Weltgeschichte nur weil du dir Sorgen um mich machst." Natürlich fand auch sie die ganze Sache übertrieben. Er war ja auch nicht nur zu ihr geflogen weil er sich Sorgen um sie gemacht hatte. Nicht nur deswegen, sondern weil er das Bedürfniss hatte sie wiederzusehen. Auf dem Flug hatte er sich sogar ausgemalt wie es wäre sie in seine Arme zu schließen und sie zu küssen, aber das konnte er gestern nicht zugeben und er konnte es jetzt auch nicht tun.
Mac überlegte sich immer noch eine Antwort und Harm wartete gespannt darauf.

"Nun", begann sie zögerlich und sah Harm unsicher an, "eigentlich schon Admiral."
"Was heißt eigentlich?"
"Das habe ich dem Cmdr. gestern bereits gesagt. Ich bin in der Lage auf mich selbst aufzupassen, es war völlig unnötig extra herzukommen, um zu sehen wie es mir geht."
"Und Cmdr. was sagen sie dazu?"
"Ja, es mag sein das es übertrieben war", lenkte er ein, "aber ich habe mir nun einmal Sorgen gemacht."
"Gut lassen wir das", meinte der Admiral. Es hatte keinen Sinn das weiter zu diskutieren es würde einfach zu nichts führen. " Sie haben sich also Sorgen gemacht und sind zum Colonel. Aber warum haben sie auch die Nacht mit ihr verbracht?"
"Ich habe nicht die Nacht MIT ihr verbracht, sondern NEBEN ihr!" korrigierte Harm den Admiral ein zweites Mal an diesem Morgen und bemerkte erst als es zuspät war WAS er gerade gesagt hatte. 'NEBEN ihr, super Junge, aus der Schlinge ziehst du deinen Kopf nicht mehr!' ging es ihm durch den Kopf.

Die Gesichtsfarbe des Admiral färbte sich in bedrohliches Rot. "NEBEN IHR?" brüllte er.
Harm seufzte, schöner Bockmist und Mac steht nur da und lacht sich innerlich halb schlapp. Aber auch Mac verging das Lachen im nächsten Augenblick. "Was glauben sie ist so komisch daran, Colonel MacKenzie? Es gehören doch wohl immer ZWEI dazu!" Seine Stimme überschlug sich fast.
"Haben sie beide eigentlich eine Ahnung wie kalt es in Alaska ist? Falls nicht dann machen sie sich darüber schon mal ihre Gedanken!"

Harm fand als erster seine Stimme wieder. "Sir, auch wenn ich ein Ticket nach Alaska riskieren... Ja ich habe im Bett des Colonels geschlafen, aber NEBEN IHR wie schon gesagt und ich habe es auch nur getan weil Jingo..." noch während er sprach entschied er sich nicht die Version mit Jingo zu erzählen, denn dann war ihm ein Flug in die Kälte gewiss. "Ich habe es getan weil der Colonel einen Alptraum hatte und ich sie wieder beruhigen musste." Harm hatte so schnell und gesprochen, dass der Admiral einen Moment brauchte.
"Sie haben also nur beim Colonel übernachtete weil sie Alpträume hatte?" er sah zwischen beiden hin und her.
"Ja."
"Aus keinem anderen Grund?"
"Natürlich nicht Sir!" erwidert Harm sofort und auch Mac bestätigte das.

A.J. betrachtete seine beiden Offiziere abschätzend. Aus irgendeinem Grund glaubte er ihnen nicht. Die ganze Geschichte war zu verstrickt. Fürs Erste wollte er es darauf beruhen lassen, aber er würde die beiden eine Zeit lang im Auge behalten. Wenn sie tatsächlich eine Beziehung hinter seinem Rücken führten, würde er es heraus bekommen.

Harm und Mac standen immer noch vor ihrem Co. Langsam aber sicher fühlten sie sich immer unwohler in ihrer Haut. Der Admiral hatte ihnen gerade deutlich zu verstehen gegeben das er eine Beziehung zwischen ihnen nicht dulden würde. Sollten sich damit all ihre Träume in Luft aufgelöst haben. Harm wagte einen kurzen Blick zu Mac. Waren seine Gefühle für Mac stark genug? Stark genug um gegen den Willen seines Vorgesetzten zu handeln? Durfte er Mac überhaupt noch seine Gefühle offenbaren? Er setze sie damit unter Druck und sich selber auch. Sollte der Fall seiner kühnsten Träume eintreffen und Mac auch nur halb so viel für ihn empfinden, wie er für sie, wer sollte dann auf seine Karriere verzichten? War er überhaupt bereit seine Karriere zu opfern um mit Mac zusammen sein zu können? Fragen über Fragen rauschten durch seinen Kopf und er fand nur auf eine einzige eine Antwort.

Er würde sein Leben für Mac geben, was war dazu schon seine Karriere. Vielleicht konnte er ohne die Navy glücklich werden, aber er konnte es gewiss nicht ohne Mac. Es war ihm egal was es kosten würde, er wollte nur Mac.

„Haben sie mich verstanden Commander?“ Die Frage des Admirals holte ihn aus seinen Gedanken zurück.
„Entschuldigen sie Sir, was haben sie gesagt? Ich war mit meinen Gedanken woanders!“
„Das brauchen sie mir nicht zu sagen, dass habe ich auch so schon bemerkt und ich will auch lieber nicht wissen WO sie mit ihren Gedanken waren.“ entgegnete der Admiral gereizt. Wo Cmdr. Rabb in Gedanken war, war nicht schwer zu erraten und es bestätigte ihn nur mehr seine Befürchtung. Anscheinend musste er sich damit abfinden, oder auf einen seiner beiden besten Anwälte verzichten.

"Ich sagte das ich für sie hoffe das es die Wahrheit is und dass, sollten sie warum auch immer noch einmal beim Colonel nächtigen, dann Cmdr. rate ich ihnen einfach nicht an Telefon zu gehen." Die Stimmung des Admiral hatte sich leicht verbessert, aber er war innerlich noch immer angespannt, das konnte Harm spüren. Er konnte sich trotzdem ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. "Beim nächste Mal werde ich ihren Rat befolgen!"
Eigentlich wollte der Admiral noch etwas erwidern, aber Mac kam ihm zuvor: "Harm", meinte sie eindringlich, "Wozu es natürlich nicht kommen wird!" Blitze schossen aus ihren Augen und warnten ihn weiterhin mit dem Admiral zu scherzen. Harm verstand sie sofort und schob noch ein: "Selbstverständlich nicht!" hinter her.

"Gut, wenn dann alles geklärt ist..." sagte Chegwidden, wartete kurz ob einer der beiden widersprechen wollte. Aber beiden schwiegen und damit war der Fall, zumindest was diesen Morgen anging, erledigt. "... haben sie schon gefrühstückt?"
"Nein Sir, dafür blieb keine Zeit mehr!" antwortete Harm "Mac muss schon halb verhungert sein."
Zu Harm Überraschung schüttelte Mac den Kopf: " Nein eigentlich bin ich nicht hungrig." Für ihre Aussage erntete sie zwei geschockte Blicke. Chegwidden und Harm starrten sie fassungslos an. "Mac wieso hast du keinen Hunger? Ist alles okay?" fragte Harm besorgt.
"Das frage ich mich allerdings auch. Alles okay mit ihnen Mac?"
"Es ist alles okay, ich bin einfach nur nicht hungrig!"
"Es ist mir egal was sie machen, aber ich habe Hunger und werde nun frühstücken. Es ist kein Problem für mich noch zwei Gedecke aufzulegen..."
Eine Stunde später saßen die drei am Esstisch des Admirals. Sie sprachen über Harms Fall auf der Seahawk.

"Ich komme einfach nicht voran Admiral. Die Unterschlagung ist nicht das eigentliche Problem."
"Wie meinen Sie das?"
"Mir scheint als würde Midshipman Gomez gepresst, deswegen glaube ich kam es erst zu dieser Unterschlagung, aber ich finde einfach keine Beweise dafür.“ Sie diskutieren über Möglichkeiten die Harm hatte um etwas herauszufinden, jedoch ohne Ergebnis.
„Ich kann nicht überall sein Sir, das ist das Problem.“
„Dann nehmen sie den Colonel mit.“ A.J. Chegwidden traute seinen eigenen Worten nicht, wie sollte er die beiden im Auge behalten, wenn sie beiden auf einem Flugzeugträger im Pazifik waren? Anderseits lagen auf seinem Schreibtisch von einige Fälle die er dem Cmdr. übergeben wollte, je schneller er wieder da war, desto besser.
„Colonel, sie werden am Montag ihre Fälle Bud übergeben und dann auf die Seahawk fliegen.“
„Sir, aber ich denke der Cmdr. wird auch alleine den Fall lösen können.“ äußerte sich Mac.
„Natürlich kann er das, aber mit ihnen wird er es schneller tun. Also es bleibt dabei!“

Und es blieb dabei. Am Montagmorgen übergab Mac ihre Fälle an Lt. Roberts und flog zur Seahawk. Die Postmaschine landete um Punkt 1200 auf dem Deck der Seahawk und da Harm bereits am Vortag zurückgekehrt war, erwartete er sie bereits auf dem Deck.
„Hi Mac“, schrie Harm so laut er konnte um die Geräuschkulisse zu übertönen.
„Hi Harm!“ leicht geduckt gingen beide vom Flugzeug weg.
„Du sollst dich als erstes auf der Brücke melden, ich werde dich begleiten!“

Mac antwortete erst als sie ihm Inneren waren. „Ich werde den Weg auch alleine finden.“
„Das weiß ich, aber ich soll mich auch beim CAG melden, also muss ich dich eh begleiten.“
Während sie durch die Korridore liefen fragte Harm wie ihr Flug gewesen war.
„Gut, es gab nur einmal ein wenig Turbulenzen sonst alles okay.“
„Wie war deiner gestern?“
„Ruhig und entspannend!“ erklärte er. Mac blieb stehen und sah sich zu ihrem Partner um. „Du siehst aber nicht entspannt aus.“
„Mein Wochenende war mit wenig Schlaf verbunden“, Harm machte ein Schritt auf Mac zu, um zwei Deckoffiziere vorbei zu lassen. Er stand nun nur noch wenige Zentimeter vor Mac. „Ich bin unglaublich müde!“
„Das bin ich auch Harm!“ Sie sahen sich lange Moment schweigend an.
„Mac ich bin es leid und ich kann so nicht mehr weitermachen“, begann Harm als Erster das Schweigen zu brechen. „Können wir reden? Später?“

Mac sah ihn mit großen, braunen Augen an. In seinen Augen hatte sie etwas gesehen, das ihr Herz höher schlagen ließ. Sie wusste selbst nicht warum das so war, sie hatte nicht einmal einen Ahnung was sie glaubte gesehen zu haben und trotzdem schlug ihr Herz schneller.
„Natürlich können wir reden, aber warum nicht jetzt?“
„Weil, … es ist“, druckste Harm herum, „ich dürfte es nicht …“
„Da sind sie ja Cmdr. Rabb hatte ich sie nicht auf die Brücke beordert?“ Captain Bruce Gordon kam gerade die Treppe herunter und schaute interessiert zwischen Harm und Mac hin und her. Als Harm bemerkte wie nahe er vor Mac stand, machte er einen Schritt zurück und grüßte den Captain ordnungsgemäß. Mac tat es ihm gleich. „Col. Sarah MacKenzie, Sir!“
„Stehen sie bequem.“
Der Captain hieß Mac auf seinem Schiff willkommen und wand sich dann am Harm. „Cmdr. Rabb vor einer halbe Stunde wurden diese Dokumente bei mir abgegeben. Sie wurde in der Offiziersmesse von Lt. Delcam gefunden. Der Captain reichte ihnen einen großen braunen Umschlag. Schnell ging Harm den Inhalt durch.

„Was für Briefe sind das?“
„Lesen Sie die Briefe und sie werden es erfahren, Cmdr und jetzt entschuldigen sie mich. Ich muss noch etwas erledigen.“ So schnell der Captain aufgetaucht war er auch wieder verschwunden.
Nachdem sie Mac Sachen in ihr Quartier gebracht hatten, machten sich die beiden auf den Weg zur Offiziersmesse.
"Kaffee?" fragte Harm nachdem er seine Unterlagen und den Umschlag auf einem Tisch gelegt hatte.
„Gerne.“ Harm goss sich und Mac eine Tasse ein und ging zurück zum Tisch. „Hier, Kaffee süß und hell!“
„Danke!“ sagte Mac ohne den Blick vom Brief zu nehmen den sie gerade in ihren Händen hielt.
„Harm, dass musst du lesen. Es sieht wohl aus als sei ich völlig umsonst hierher gekommen.“
„Das glaube ich nicht!“ erwiderte Harm. Sein Tonfall war merkwürdig und Mac schaute nun doch von dem Brief hoch. „Wieso? Hier in diesem Brief steht alles wo du nach gesucht hast.“
„Mag sein, aber du bist trotzdem nicht umsonst hierher gekommen. Es ist schön wenn ich, ...“

Harm kam wieder nicht dazu auszusprechen, denn Lt. Delcam betrat die Offiziersmesse. „Cmdr. Rabb?“
„Lieutenant?“
„Lt. Delcam Sir, der Cag sagte mir ich solle sie aufsuchen, um noch eventuelle Fragen zu beantworten.“
„Eigentlich“, meinte Harm und blickte vom Lieutenant. zu Mac, „war ich noch nicht soweit. Ich wollte vorher noch etwas anders erledigen, aber wenn sie schon mal da sind... Das ist meine Partnerin Col. MacKenzie... Setzen sie sich!“
„Guten Tag Ma'am!“
„Lieutenant.“

Der Lt setze sich auf den Stuhl gegenüber von Mac und legte seine Mütze neben sich auf den Tisch. Harm setzte sich neben Mac. „Geben sie mir einen Moment Lieutenant, ich will nur kurz den Brief überfliegen.“
Eine Minute später legte Harm den Brief wieder an die Seite und sah zu Mac. „Der Sachverhalt scheint so gut wie aufgeklärt zu sein.“ Mac nickte zustimmend. An dem Lieutenant gewand fragte Harm: Lieutenant, wann haben sie diesen Umschlag gefunden?“
„Das war vor einer dreiviertel Stunde. Ich hatte gerade meinen Dienst beendet und wollte noch ein paar Berichte schreiben. Als ich hier herein kam lag der Umschlag auf dem Tisch dort drüben.“ Er zeigte auf den Tisch der direkt an der Tür stand. „Ich habe mich gewundert und gedacht jemand hätte ihn ihr vergessen.“

„Haben sie ihn geöffnet Lieutenant?“ fragte nun Mac.
„Ja Ma'am! Ich wollte aber nur nachsehen was es ist.“
„Dann kennen sie den Inhalt der Briefe?“
„Nein Sir, ich kenne nur den einen Brief und als ich erkannte was dort stand habe ich mich direkt auf den Weg zum Cag gemacht.“
„Okay ich denke fürs Erste ist das genug, aber tun sie mir bitte einen Gefallen und lassen sie uns Midshipman Gomez hierher bringen.“
„Aye Aye Sir!“ Der Lieutenant erhob sich, grüßte die beiden Ranghöheren Offiziere und verließ dann die Messe.

Nachdem der Lt. Delcam die Luke hinter sich geschlossen hatte nahm Harm die Briefe in die Hand. "Findest du es nicht merkwürdig das diese Briefe gerade jetzt aufgetaucht sind?"
"Besser sie sind jetzt aufgetaucht statt gar nicht. Jetzt kann er sich nicht mehr rausreden, die Beweise sind eindeutig."
"Wenn die Briefe echt sind!"
Mac neigte ihren Kopf leicht. "Zweifelst du daran?"

Immer noch die Briefe in der Hand stand Harm auf und begann auf und ab zulaufen. "Ich bin mir nicht sicher. Fast zwei Wochen versuche ich alles um den Midshipman zu überführen und plötzlich liegen hier Briefe rum, mit denen ich ihn überführen kann. Es scheint mir alles zu leicht zu gehen. Und es bleibt immer noch die Frage, wer die Briefe hier hinterlegt hat." Er legte die Briefe zurück auf den Tisch und stütze sich dann mit beiden Händen links und rechts davon auf der Tischplatte ab. "Von alleine sind sie nicht hierher gekommen. Alle tragen einen Stempel verschiedener Häfen. Das heißt er muss sie auf seinen Landgängen nach Hause geschickt haben und nicht mit der Militärpost. Es heißt aber auch, dass diese Briefe in Idaho zugestellt wurden und das sie wie auch immer wieder aufs Schiff gebracht wurden."

"Ja, aber derjenige der diese Briefe hier hinterlegt hat, musste von diesen Briefen gewusst haben."
"Vielleicht kann uns Midshipman Gomez darauf eine Antwort geben." Wie aufs Stichwort klopte es im nächsten Moment an die Luke. Harm erteilte die Erlaubnis einzutreten und die Luke öffnete sich.
"Sir, ich habe hier Midshipman Gomez", meldete ein Petty Officer, " Ich werde so lange draussen auf dem Korridor warten." Der Petty Officer trat zur Seite ließ Gomez eintreten.
"Danke Petty Officer!" sagte Harm und an Gomez gewand: "Setzen sie sich Midshipman." Der Mann tat wie ihm geheissen und setzte sich.
"Midshipman Gomez kennen sie diese Briefe?" fragte Mac direkt heraus und beobachtete gespannt auf seine Reaktion. Seine Augen weiteten sich vor Schreck und er hatte Mühe wieder einen unbeeindruckten Gesichtsausdruck aufzusetzen. "Nein Ma'am, sollte ich?"
Harm nahm einen Brief. "Ich helfe ihnen auf die Sprünge Midshipman." meinte er und begann laut vorzulesen.

"Hallo Patty,

es tut mir leid das ich dir nicht schon letzte Woche geantwortet habe, aber hier ist die Hölle los. Zum Tag, an dem ich nicht mehr ein noch aus weiß, ist nicht mehr lang hin. Ich habe Dir doch am Telefon von diesem Kerl erzählt. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Mit jedem Tag wird es schlimmer und langsam gehen mir die Möglichkeiten aus. Er weiß einfach alles, auch das mit Dir und mittlerweile fordert er Dinge, die ich ihm nicht geben kann. Diese Woche schaffe ich es vielleicht noch. Ich muss nur ein paar Zahlen drehen und hier und da etwas weg lassen, aber ich kann das nicht mehr lange machen. Der Cag hat mich bereits auf dem Kieker und bald wird er es herausbekommen.
Ich wünschte ich wäre niemals zur Navy gegangen. Das habe ich nun davon. Jetzt muss ich noch 6 Monate Dienst schieben hier auf diesen verdammten Flugzeugträger. 6 Monate ohne Dich, ich weiß nicht ob ich es länger ertragen kann.

In Liebe
Dein Ronaldo"


Obwohl Harm gelesen hatte, entging ihm keine einzige Reaktion seines Gegenübers. Erst war er erstaunt und mit jedem weiteren Wort, dass Harm vorgelesen hatte, war er blasser geworden. "Midshipman Gomez, wollen sie immer noch leugnen das sie diese Briefe geschrieben haben?"
Eingeschüchtert von Harms düsterem Blick schüttelte Gomez nur den Kopf.
"Gut, dann haben wir das schon einmal geregelt. Nun verraten sie uns doch auch wer dieser Kerl ist, was er von ihnen will und warum er sie deswegen erpressen kann!"
Der teilnahmslose Ausdruck aus seinem Gesicht verschwand spurlos und kleine Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn.

"Midshipman, der Cmdr. hat ihnen Fragen gestellt, bitte beantworten sie die Fragen!" forderte Mac ihn auf, nachdem er weiter geschwiegen hatte. Nervös wanderte Gomez blickt zwischen Mac und Harm hin und her.
"Ich... ich ka..kann es ... ihn..ihnen nicht ..ver..verraten!" stotterte er.
"Können oder wollen sie es uns nicht verraten, Midshipman Gomez?" fragte Harm ihn mit lauter Stimme und schücherte ihn damit nur noch mehr ein. Mac gab Harm stumm zu verstehen, es langsamer angehen zu lassen und übernahm dann selbst die Befragung.
"Midshipman, geben sie die Unterschlag von Navygeldern zu?"
"Muss ich das?"
"´Nein, aber wir wenn sie es tun, dann könnten wir ihnen vielleicht noch helfen und mildernde Umstände geltend machen." bewußt sprach Mac so einfühlsam wie möglich, denn er würde nur weiter schweigen, wenn sie noch mehr Druck auf ihn ausüben würde.
"Wäre das möglich?" wand sich Gomez an Harm.
"Das wäre es, allerdings müssten sie ab sofort mit uns kooperieren."

Gomez saß schweigend vor ihnen. "Midshipman Gomez werden sie mit uns kooperieren?" fragte Harm nach ein paar Minuten.
"Wenn ich ihnen erzähle wer mich erpresst, aber ist das gleichzeitig ein Eingeständnis das ich das Geld unterschlagen habe. Sehe ich das richtig?"
"Ja, aber", klärte Harm ihn auf, "wir können mildernde Umstände geltend machen, das haben wir ihnen gerade schon gesagt!"
"Was wird mich erwarten, wenn ich die Unterschlagung zugeben würde?"

Harm klärte ihn über das mögliche Strafmaß und wartete dann auf eine Entscheidung des Midshipmans. Dieser bat nach kurzer Zeit Harm darum eine Nacht drüber nachzudenken. Auch wenn Harm die Sache schnell hinter sich bringen wollte, erlaubte er es ihm.
Nachdem Midshipman Gomez vom Petty Officer wieder in die Brick gebracht wurde saßen Harm und Mac noch eine Weile zusammen. Sie diskutieren über die neu gesammelten Fakten und versuchten selbst auf des Rätsels Lösung zu kommen. Kurz vor 1900 wurde es hektisch in der Offiziersmesse. Eine Gruppe von Piloten betrat den kleinen Raum. Aus ihren Erzählungen entnahm Harm das sie gerade von einem Einsatz zurückgekehrt waren. Unauffällig lauschte er ihren Gesprächen.

"Hey Jimbo, das eben war Spitzenklasse."
"Ja Jimbo diese 9G-Kurve macht dir so schnell keiner nach"
Die Piloten begann zu johlen und irgendeiner von ihnen meinte: "Du bist der Beste!"
"Ich frage mich wie du das machst" fragte nun er erste wieder.
"Kombo, was meinst du wie ich das mache?" fragte jetzt wohl dieser Jimbo
"Na du hast die letzten Tage so wenig geschlafen, aber trotzdem bist du topfit und fliegst mal eben mir nichts dir nichts eine 9G-Kurve, du schießt vier Flugzeuge ab und hättest sogar fast noch den Captain gekriegt!"

"Was ist schon so besonderes daran Chester? Ich brauche nicht viel Schlaf ich bin auch ohne gut!"
Die Piloten begann wieder zu johlen und zu gröhlen. "Hört Euch den an", rief einer von ihnen, "vielleicht sollte Jimbo einen neuen Namen verliehen bekommen... Wie wäre es mit 'Slepless best" Die Offiziersmesse hüllt sich in ein lautes fröhliches Gelächter.
Nach einer guten halben Stunde waren die Piloten wieder verschwunden und Harm war mit Mac alleine.

Mac hatte ihren Partner in der Zeit in der die Piloten hier ihren Kaffee getrunken hatte, genau beobachtet. Zuerst glaubte sie die alte, wohlgekannte Sehnsucht in seinen Augen zu erkennen. Die Sehnsucht wieder zu so einer Gruppe zu gehören, aber schon nach ein paar Sekunden verwarf sie den Gedanken wieder. Er schien lediglich der Unterhaltung zu folgen. Erst mit wenig Interesse, aber dann leuchtete in seinen Augen etwas auf, das sie selbst aufhorchen ließ. Er musste etwas gehört haben, das sein Interesse geweckt hatte und es konnte nur mit diesem Fall zu tun haben.

Jetzt, nachdem die Männer wieder verschwunden waren, legte sie ihre Sachen an die Seite und blickte zu Harm. "Was ist es?" fragte sie ihn und erntete dafür sein schönstes Flyboylächeln. "Du kannst die Zeit nennen ohne auf eine Uhr zu blicken, du hast Visionen, mit denen Du dir nahestehende Menschen retten kannst, dass beides habe ich akzeptiert aber Mac wenn du nun auch die Gedanken anderer lesen kannst..."
Mac erwiderte sein Lächeln. "Was wäre dann?" Das Lächeln in Harms Gesicht wurde immer breiter als er sagte: "Dann, Mac würdest du mir unheimlich werden."
"Wenn das so ist Harm, keine Angst ich kann die Gedanken anderer nicht lesen - ABER manchmal weiß ich genau was DU denkst!" meinte sie lachend.

Harm zog eine Augenbraue hoch und blickte sie plötzlich sehr ernst an. "Kannst du mir dann sagen was ich gerade denke?" seine Stimme war nur noch ein Flüstern.
"Ich sagte manchmal Harm, nicht immer!"
"Dann bin ich beruhigt, denn es war etwas das ich nicht denken dürfte..."
Mac hob ihre Hand und zeigte Harm die Handfläche: "Rotes Licht Commander!"
"Rotes Licht? Mac wenn du meine Gedanken gelesen hättest, dann ... ", Harm beendete den Satz nicht.
"Was dann?" Sie stand auf und lief um den Tisch herum.

Harm lehnte sich in seinem Stuhl zurück, verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und grinste übers ganze Gesicht.
"Du wirst mir keine Antwort geben oder?" Als Antwort schenkte Harm ihr nur einen breiteres Grinsen als sowieso schon in seinem Gesicht war. Dann wurde sein Gesicht wieder ernst. "Ich werde Dir eine Antwort geben, aber nicht jetzt."
"Wann?"
"Wenn die Zeit dafür gekommen ist. Jetzt ist es wichtiger das wir diesen Fall lösen."
"Okay, aber ich werde dich daran erinnern."
"Du wirst mich nicht daran erinnern müssen, ich denke Tag für Tag daran." den letzten Teil hatte Harm so leise gesprochen das Mac ihn nicht verstehen konnte.
"Was hast du gesagt?"
"Das du mich nicht daran erinnern musst."
"Nein, nein ich meine was hast du danach gesagt?"
"Es ist nicht wichtig."

"Na gut, dann verrate mir jetzt endlich, was die Männer eben gesagt haben, das dich hat aufhorchen lassen!"
"Jemand sagte das dieser Jimbo auch ohne Schlaf noch gut ist, aber Mac´ich spreche aus Erfahrung und weiß das es nicht so sein kann. Wenn du im Cockpit sitz musst du hundertprozentig fit sein."
"Glaubst du etwa das könnte etwas mit unserem Fall zu tun haben?"

"Es ist nur so ein Gefühl."
"Was für ein Gefühl? Wo siehst du den Zusammenhang?"
"Wir haben keine Ahnung wofür Gomez das Geld brauchte. Was wäre wenn Gomez das Geld brauchte um dafür Drogen zu kaufen?"
"Für diesen Jimbo?"
"Ja!"
Mac lehnte sich an den Tisch und blickte zu Harm herunter. "Du glaubst also das Gomez diesem Jimbo Drogen besorgt hat und um diese Drogen kaufen zu können hat er das Geld unterschlagen?"
"So ist es, es war einfach für Gomez. Er ist auf der Krankenstation, so hatte er keine Probleme Päckchen mit Medikamente an Bord zu schmuggeln und..." nun erhob auch Harm sich von seinem Stuhl.

"Und?"
"... er konnte Jimbos Testergebnisse verfälschen. Er muss es getan haben, ansonsten hätte man diesen Jimbo bereits aus dem Verkehr gezogen."
"Vielleicht finden wir auf der Krankenstation irgendwelche Hinweise oder sogar Beweise, die uns helfen Gomez zum Reden zu bringen."

Natürlich fanden sie keine Beweise, trotzdem statteten sie Midshipman Gomez einen Besuch ab. Als sie die Brick betraten lag Gomez auf der Pritsche und schlief. Harm Stieß ihn durch die Gitterstäbe an. Sofort schreckte Gomez hoch. Als er erkannte wer ihn geweckt hatte stand er stramm. "Rühren Midshipman." befahl Harm. "Sie werden uns jetzt ein paar Fragen beantworten."
"Sir, aber ich dachte", begann Gomez verwirrt, "sie hätten mir bis morgen Zeit gegeben?"
"Wir haben unsere Meinung geändert!" stellt Mac sachlich fest. Sie blickte sich in der Brick um und suchte eine Sitzgelegenheit.

"Warum Ma'am?"
"Midshipman Gomez, warum haben sie das Geld unterschlagen?" fragte Mac. "Brauchten sie es um damit Drogen zu kaufen?"
Der Ausdruck auf Gomez Gesicht sagte mehr als tausend Worte, sie brauchten seine Antwort nicht zu hören.
"Für wenn haben sie die Drogen gekauft?"
"Lt. Cmdr. Jimmy Hanson!" die Stimme des Midshipman zitterte und er machte den Eindruck jeden Moment zusammenzubrechen.

Harm setzte die Befragung fort: "Sie sind kein Dealer, oder Midshipman Gomez?" Das Kopfschütteln von Gomez bestätigte Harm. "Warum haben sie ihm dann die Drogen gegeben? Womit hat er sie erpresst?"
"Er ... es war... ich meine angefangen hat es vor einem halben Jahr", begann Gomez zu erzählen, "wir waren in unserem Heimathafen eingelaufen und hatte zwei Tage Landgang. Ich nutzte die Zeit um..." er zögerte und Harm half ihm aus.
"Sie besuchten ihre Freundin, die Frau der sie die Briefe geschrieben haben?!"
"Nun also ehrlich gesagt, Patty ist..." wieder stockte er. Sämtliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen.
"Sir, ich hatte niemals die Absicht in der Navy zu dienen, aber mein Vater... es ist eine Familientradition und ich durfte sie nicht brechen. Ich hätte... ich hätte niemals hier sein dürfen."
Verwundert schaute Harm zu Mac und nach einem kurzen Blickkontakt wieder zurück zu Gomez.

"Cmdr., Patty ist..." mühsam schaffte Gomez es seine Stimme zu kontrollieren. Sie war nur noch ein heiseres Flüstern als er sagte: "Der volle Name lautet Patrick Simon MacCullogh." Gomez Schultern begannen zu beben und er legte sein Gesicht in seine Hände.
Harm und Mac brauchten einen Moment um zu verstehen was ihnen Gomez gesagt hatte.
"Midshipman Gomez wollen sie uns damit sagen das sie homosexuell sind?" fragte Mac, nachdem sie ihre Sprache wieder gefunden hatte.

"Ja Ma'am. Patty.. ich meine Patrick und ich sind schon seit der Highschool zusammen, aber das durfte niemand erfahren. Verstehen sie, mein Vater ist sehr konservativ und er hätte mich wahrscheinlich verstoßen oder gar getötet wenn er das erfahren hätte." Immer noch barg Gomez sein Gesicht in seinen Händen. "Es war schwer für mich, aber ich musste der Tradition folgen und das zu einem hohen Preis."
"Wußte Lt. Cmdr. Hanson das sie homosexuell sind?"
"Ja, auf diesem Landgang vor einem halben Jahr, hat er Patrick und mich gesehen." Er hob seinen Kopf und blickte Harm in die Augen. "Sir, wir küßten uns!"
"Wieviel Zeit verging bevor Lt. Cmdr. Hanson ihnen mitteilte das er sie gesehen hatte?"
"Zwei Tage, gleich nachdem ich meinen Dienst wieder angetreten war. Er hatte vorher schon versucht Aufpuschmittel von mir zu bekommen und danach war es mit ein leichtes mich dazu zu bringen ihm etwas zu geben."

Gegen ihren Willen bekam Mac Mitleid mit Gomez. Durch eine Familientradition in die Navy getrieben und das obwohl er homosexuell war.
"Wußte noch jemand davon?"
"Nein Ma'am, Lt. Cmdr. Hanson suchte mich stets auf der Krankenstation auf. Was werden sie nun gegen mich unternehmen?"
"Nun", meinte Harm und begann in dem kleinen Vorraum auf und ab zu laufen, "wir müssen sie unweigerlich anklagen. Sie haben das Geld unterschlagen, auch wenn sie es taten um sich zu schützen. Wir werden dies natürlich vor Gericht für sie verwenden, aber das letzte Wort haben die Geschworenen."

Gomez Körper sackte in sich zusammen. "Dann wird jeder erfahren das ich schwul bin - auch mein Vater." stellte er fast weinerlich fest.
"Ja und sie werden aus der Navy entlassen werden." fügte Harm hinzu, jedoch war das der geringste Teil der Gomez Sorgen machte.

Noch eine halbe Stunde verbrachten Harm und Mac in der Brick, dann machten sie sich auf den Weg zu ihren Quartieren. Beide waren müde und entschieden den Papierkram am nächsten Tag zu erledigen. Harm begleitete Mac bis zur Tür und wünschte ihr eine gute Nacht. Enttäuscht darüber das Harm nichts weiter zusagen gedachte, wünschte auch sie ihm eine gute Nacht. Gerade als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte klopfte er daran. "Mac, heute Nachmittag, als du sagtest du wärst umsonst hierher gekommen..."
"Was ist damit?"
"...es mag vielleicht für den Fall stimmen, aber nicht für mich. Für mich ist es schön das du hier bist. Es tut mir gut!"

"Tatsächlich?" erstaunt über das was er sagte öffnete Mac die Tür so weit das er eintreten konnte. "Wieso geht es dir gut wenn ich bei dir bin? In der letzten Zeit hatte ich eher das gegenteilige Gefühl!" Mac setzte sich aufs Bett. Da auf dem einzigen Stuhl in der Kabine Sachen lagen, setzte sich Harm neben sie. Erst saßen sie nur schweigen nebeneinander und keiner wagte es etwas zu sagen. Harm starrte auf seine Hände und Mac tat es ihm gleich.
"Ach Mac, ich weiß das es in der letzten Zeit nicht gut zwischen uns lief, aber das heißt nicht das ich dich nicht gerne in meiner Nähe habe. Verstehst Du? Wir sind Freunde...", er zögerte aber dann hob er sein Gesicht und legte eine Hand unter ihren Kinn, "Du bist etwas besonders Mac, und auch wenn ich es dir nie richtig zeigen kann, ich verbringe meine Zeit gerne mit dir." Er nahm ihr Hand in seine und strich ihr zärtlich darüber.

Mac war verlegen, aber die schaffte es nicht ihm ihre Hand zu entziehen. Ihr Blick wanderte langsam hoch und als sie seine Augen erreichte war es als würde die Zeit plötzlich stillstehen. Die Versuchung ihm mit der Hand übers Gesicht zu streicheln war so groß das es Mac den Atem nahm.
"Wenn du gerne mit mir zusammen bist, warum streiten wir dann jedes mal?" ihre Stimme war traurig.
Harm drückte ihre Hand. "Ich habe mir diese Frage schon hundert mal gestellt, aber nie eine Antwort gefunden. Glaub mir, ich hasse es mit dir zu streiten. Es tut mir weh."

"Mir tut es auch weh." gestand Mac unter Tränen. Verlegen senkte sie den Blick, aber Harm ließ nicht zu das sie sich wieder vor ihm verschloss.
Zärtlich wischte er ihr die Tränen aus dem Gesicht. "Ich verspreche Dir Mac das ich alles versuchen werden um jemals wieder mit dir streiten zu müssen. Das ist alles was ich tun kann. Deine Rolle in meinem Leben ist zu groß..."
"Wie groß?" fragt Mac. Ihre Stimme war nur noch ein Hauch.
"So groß..." flüsterte Harm und beugte sich langsam zu ihr herüber.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Jenseits aller Zweifel von Caitlin

#5 von Petra , 07.05.2007 21:30

Mac schloss die Augen. Sie spürten seinen Atem auf ihrem Gesicht und dann seine Lippen auf ihren. Sein Kuss war nicht mehr als eine leichte Berührung, aber das Prickeln auf ihren Lippen war wie ein Feuerwerk. Ihr Herz raste und die Gefühle in ihr nahmen ihr die Luft zum Atmen. Ihre Hände glitten von alleine in seinen Nacken und ihr Mund forderte mehr. Und mehr war auch das was Harm wollte. Er zog sie in seine Arme. Sein Kuss wurde intensiver. Berauscht verloren sich beide in diesem Kuss. All die aufgestauten Gefühlen entluden sich. Engumschlungen saßen sie auf Macs Koje, fern aller Realität. In diesem Moment zählten nur noch sie beide, niemand und nichts anderes. Vergessen waren Ängste und Vorschriften.

Eine halbe Ewigkeit verging ehe sie sich von ein ander lösten und eine weiter, die sie einander schweigend in die Augen sahen. Harm kam alles vor wie ein Traum. Ein Traum den er seit so langer Zeit träumte. Ein Traum der sich endlich erfüllt hatte. Seine Hände hatten ihr Gesicht umschlossen. Er wollte nicht das sie plötzlich vor seinen Augen verschwand. Er musste sich überzeugen das sie wirklich da war.

"Mac" flüsterte er so leise das sie ihn kaum verstehen konnte, "wir hätten das nicht tun dürfen..."
Mac wollte etwas erwidern, aber Harm legte ihr einen Finger auf die Lippen und brachte sie so zum Schweigen. "...aber ich bereue es auch nicht. Dieser Kuss..."
Diesmal schaffte Mac es etwas zu erwidern. Sie wollte nicht das Harm es aus sprach, also tat sie es selbst. So war der Schmerz darüber vielleicht geringer. "Es wird nicht noch einmal geschehen!" Ihre Worte klangen selbst in ihren Ohren zu schroff, aber sie konnte in seinem Gesicht keine Reaktion erkennen. Warum widersprach er ihr nicht, bereute er diesen Kuss vielleicht doch und war nun froh das Mac eine Wiederholung ausschloss.

Doch Mac schloss genau die falschen Rückschlüsse, denn für Harm stand eines fest: Er würde sie wieder küssen und nicht nur einmal, sondern unzählige Male. Nicht Heute, aber bald. Sein Herz sagte es ihm mit jedem Schlag. In seinem Inneren tobte ein Sturm der Gefühle. Sie war die Frau, die einzige Frau die dies schaffte und er hatte gespürt das es in ihr genauso aussah. Seine Zeit würde kommen und sie würde erkennen das sie und er für einander bestimmt waren. Er hatte keinen Zweifel daran und dieses Wissen ließ ihn innerlich in Freudentänze ausbrechen.

Mit einem Lächeln auf den Lippen stand er auf. "Gute Nacht Marine", flüsterte er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und verließ ihre Kabine. Draußen lehnte er sich an die Tür. Einen Moment stand er nur so da, mit geschlossenen Augen und einen Lächeln auf den Lippen das jeden Erkennen ließ das dieser Mann über beide Ohren verliebt war.

Mac schlief in dieser Nacht besonders schlecht. Tausende von Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Sie bereuten diesen Kuss nicht, aber ihre Reaktion darauf. Seufzend drehte sie sich auf den Rücken und starrte in die Dunkelheit. In ihr machte sich das Gefühl breit etwas verpasst zu haben. Vor ein paar Stunden, als sie noch mit Harm zusammen auf ihrem Bett gesessen hatte, wäre der perfekte Moment gewesen um mit ihm über ihre Gefühle zu sprechen. Aber sie hatte aus Angst vor einer Enttäuschung einfach den leichteren Weg gewählt. Was hätte er ihr schon sagen können? -Mac, ich fühle mich geehrt, aber du musst doch selbst verstehen das es nicht funktionieren kann. Mac drehte sich zurück auf den Bauch und barg ihr Gesicht in ihrem Kissen.

Sie wußte ja selbst das es nicht funktionieren würde, aber das hinderte ihr Herz nicht daran es sich zu wünschen. Am liebsten hätte Mac einmal lautaufgeschrieen um ihrem Frust heraus zu schreien. Warum war alles immer so verflucht kompliziert mit diesem Mann. Er hatte doch selbst gesagt, nein er hatte ihr gezeigt wie groß ihre Rolle in seinem Leben war, aber warum konnte er die Worte nicht einfach aussprechen?
"Weil du es auch nicht kannst", schimpfte sie sich selbst und drehte sich auf die Seite. Irgendwann fiel sie in einen kurzen Schlaf. Sie träumte von Harm, aber es hatte alles keinen Sinn. Er küsste sie und ließ sie dann alleine zurück. Er gestand ihr seine Liebe und küsste im nächsten Moment eine ihr unbekannte Frau. Immer wieder dasselbe und immer machte alles keinen Sinn. Alles war so konfus das, als sie am Morgen vom Wecker aus dem Schlaf gerissen wurde, sie sich nur noch elender fühlte.

Zermürbt erledigte sie ihre Morgentoilette und machte sich dann direkten Weges zum Frühstück, mit der Hoffnung das sie sich danach besser fühlte. Als sie den Frühstücksraum betrat fiel ihr Blick sofort auf Harm. Er saß bereits an einem Tisch, vor sich eine Schüssel Müsli und ein Stapel von Papieren. Mac holte sich ihr Frühstück und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch.
"Oh", meinte Harm mit vollen Mund und dann als er den Bissen heruntergeschluckt hatte, "einen wunderschönen guten Morgen Ninjagirl!"

Mac sah ihn völlig entgeistert an. "Was bitteschön ist an diesen Morgen wunderschön?" Jetzt war es an Harm entgeistert zu guckten. "Na einfach alles."
"Hm", war das einzige das Mac dazu äußerte. Lustlos stocherte sie in ihrem Frühstück. Wie konnte Harm nur so unverschämt gut drauf sein? Sie konnte seine gute kaum ertragen und es wurde noch schlimmer. Harm nahm seine Tasse Kaffee und lehnte sich mit einem breiten Grinsen zurück. "Was ist los Mac, hast du schlecht geschlafen?"
"Du offensichtlich nicht", antwortete sie ausweichend.
"Nein, ich habe wie ein Baby geschlafen und hatte einen Traum aus dem ich nicht wieder aufwachen wollte." Auf seinem Gesicht war ein Ausdruck den Mac nicht richtig deuten konnte. Es war irgendetwas anders, er saß entspannt auf seinem Stuhl und grinste vor sich hin. Seit einer Ewigkeit hatte sie ihn nicht mehr so entspannt gesehen. Sie beneidete ihn.

Nachdem sie eine Weile schweigend zusammengesessen hatten meinte Harm:
"Ich habe heute morgen mit Admiral Chegwidden gesprochen, ..."
"Heute Morgen? Aber es ist jetzt gerade einmal 7:34 - wann hast du mit ihm gesprochen?" unterbrach Mac ihn.
"Gegen sechs, warum?" Mac schüttelte den Kopf und sagte: "Nur um heraus zu bekommen wann du heute morgen aufgestanden bist!"
Harm legte die rechte Hand aufs Herz. "So früh das ich die Gelegenheit hatte einen wunderschönen Sonnenaufgang an Deck zu beobachten."
"Irgendetwas ist anders mit Dir Harm!"
"Nein nicht irgendetwas. Ich weiß genau was anders ist!" erklärte Harm lächelnd.
"Und was ist das?"

Die einzige Antwort die sie bekam war ein Lächeln. Harm stand auf räumte seine Sachen zusammen. Kurz bevor er den Raum verließ, drehte er sich noch einmal um. "Bevor ich es vergesse: Wir werden nach San Diego fliegen, sobald wir hier alles erledigt haben."
"San Diego?"
"Jepp. Ich werde den CAG aufsuchen und alles klären, also wir könnten die Postmaschine um 1500 heute Nachmittag nehmen." Ohne weitere Worte verschwand Harm.

Gut gelaunt machte Harm sich auf den Weg zum Briefingroom. Der CAG hatte ihm gestern abend noch gesagt das die Flugstaffel an diesem Morgen einen Einsatz flog und das dass Briefing um 0800 stattfand. Er hatte gestern abend noch versucht mit Lt. Cmdr. Delcam zu sprechen, allerdings war dieser nicht aufzufinden. Im Briefingroom waren schon einige versammelt. Die Piloten saßen auf ihren Stühlen und witzelten herum. Harm betrat den Raum und sofort ertönte eine laute Stimme: "Achtung!" Mit einen ausladenen Handbewegung deutete Harm den Piloten an sich zu rühren und wieder auf die Plätze zu setzten, jedoch betrat im selben Moment der Captain den Raum. Wieder ertönte ein lautes "Achtung!"

Der Captain ging zwischen den Stuhl rein nach vorne und blieb neben Harm stehen. Mit gedämpfte Stimme fragte er: "Cmdr. Rabb ich hoffe sie wollen mich nicht um einen Flug bitte?"
"Nun Sir ich wäre nicht abgeneigt, aber zu ihrer Beruhigung - das ist nicht der Grund warum ich hier bin."
"Was ist dann der Grund?"
"Sir, cih würde gerne ein Minute mit Lt. Cmdr. Delcam sprechen."
"In welcher Angelegenheit?"
"Bei allem Respekt, das würde ich ihnen gerne hinterher erzählen."
"Nun gut, ich habe nicht viel Zeit also sprechen sie mit ihm, aber beeilen sie sich." meinte der Admiral zu Harm, dann drehte er sich um und rief: "Lt. Cmdr. Delcam, bitte begleiten sie den Cmdr. vor die Tür." Ein kleiner schmächtiger Mann erhob sich. "Aye Aye sir."

Es war ein kurzes Gespräch, denn Harm Frage hatte sich sofort beantwortet als er den Lt. Cmdr. genau betrachtete. Er schwitzte und seine Augen schienen fiebrig. Im Anbetracht der Tatsache das Delcam gestern abend noch topfit gewesen war, konnte er nur unter einer plötzlichen Grippeattacke leiden oder unter Entzugserscheinungen. Harm tippte auf letzteres da Gomez bereits ein paar Tage in der Brick festsaß. Wahrscheinlich hatte Delcam keine Aufpuschmittel mehr und litt jetzt darunter. Abschätzend musterte Delcam Harm. "Commander, was kann ich für sie tun?"
"Die Frage ist was ich für SIE tun kann. Sie scheinen nicht ganz auf der Höhe zu sein, geht es ihnen nicht gut?"

Abwehrend hob Delcam die Hände. "Natürlich geht es mir gut, wie kommen sie darauf das es nicht so ist? Ich muss fit sein denn in einer Stunde sitze ich in meinem Flugzeug."
"Nein das denke ich nicht Lt. Cmdr Delcam. Sehen sie sich mal ihre Hände an. Sie zittern, und ich wage es zu bezweifeln das sie damit eine F18 fliegen können."
"Ach das dass ist nichts."
"Sie lügen und das wissen sie genauso gut wie ich es weiß." Harm packte Delcam am Ellenbogen. "folgen sie mir bitte Lt. Cmdr."
"Wohin?"
"Wir werden nun gemeinsam zum CAG gehen!"
"Ich wüßte nicht warum wir das tun sollten?" Delcam versuchte sich loszureißen, aber Harm erkannte sein Vorhaben frühzeitig und verstärkte seinen Griff.
"Es hat keinen Sinn weglaufen zu wollen, also kommen sie..."

Mit etwas Mühe schaffte Harm es Delcam wieder zurück in den Briefingroom zu schaffen. Der CAG hob seinen Kopf und blickte über die versammelte Mannschaft hinweg zu Harm und Delcam. "Captain, haben sie eine Minute für mich?"
"Um Lt. Cmdr. Delcam Sir!" Sofort machte sich der Captain auf den Weg zu Harm.
"Und um was genau?"
"Sir, ich sage es ihnen nicht gerne, aber sie können Lt. Cmdr. Delcam für heute und bis auf weiteres aus ihrem Flugplan streichen." sagte Harm ruhig. Delcam dagegen war alles andere als ruhig. Erneut versuchte er sich loszureißen. "Sie spinnen doch! Warum sollte ich nicht mehr fliegen?" schrie er aufgebracht.

"Das ist ganz einfach - Piloten die unter Drogeneinfluss stehen dürfen in unserem Land nicht fliegen."
Der Captain und auch Delcam starrten ihn mit weitaufgerissenen Augen an. Als erstes fand der Captain seine Sprache wieder. "Unter Drogen Commander? Das sind schwere Vorwürfe das wissen sie, ..."
"Ja Sir", bestätigte Harm ihm, "aber ich habe einen Verdacht und bin mir ziemlich sicher das es so ist."
Jetzt meldete sich auch Delcam wieder zu Wort: "Captain da hören sie es, er hat nur einen Verdacht!"
"Nun Lt. Cmdr. Delcam mein Verdacht wird sich nach ein paar Untersuchungen bestätigen, oder zweifeln sie daran?"
"Die Flugstaffel wurde erst vor zwei Wochen getestet, Commander", warf der Captain ein, "da waren alle Ergebnisse in Ordnung."
"Nun vor zwei Wochen war auch noch Midshipman Gomez auf der Krankenstation - nicht wahr Lt. Cmdr?"

Schlagartig verlor Delcams Gesicht all seine Farbe.
"Was wollen sie damit sagen", fragte der CAG.
"Wir haben gestern abend mit Midshipman Gomez gesprochen und er hat alles gestanden. Dabei ist herausgekommen, das er das Geld nur unterschlagen hat um für Lt. Cmdr. Delcam Aufpuschmittel kaufen zu können. Der Midshipman wurde erpresst."
"Erpresst?"
"Ja Sir von Lt. Cmdr."
"Ich will sie in einer Stunde in meinem Quartier sehen Commander Rabb. Das ist ein Befehl und jetzt schaffen sie mir diesen Mann aus den Augen."
"Aye Aye Sir!"

Zwei Stunden später stand Harm mit Mac auf dem Deck und wartete darauf die Postmaschine zu besteigen. Im Schlepptau hatten sie Lt. Cmdr. Delcam sowie Midshipman Gomez. In zwei Wochen sollte die Gerichtsverhandlung beginnen, bis dahin sollte Gomez in Norfolk unter Arrest und Delcam in Bethesda unter ärztlicher Aufsicht gestellt werden. Harm und Macs Aufgabe war es die Beiden in Washington abzuliefern und dann direkt im Anschluss den nächsten Flieger nach San Diego zunehmen.

Der Flug mit den beiden Gefangenen war mehr als anstrengend. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen. Es ging sogar soweit das Harm und Mac die beiden davor bewahren mussten handgreiflich zu werden. Am Ende saß Mac mit Gomez in der einen Ecke der Maschine und Harm mit Delcam am entgegengesetzten Ende. Heilfroh als die Maschine endlich in Dulles landete, verließen beide so schnell wie möglich die Maschine. Auf dem Rollfeld wartete bereits die MP um die Beiden Gefangenen in Empfang zu nehmen.
"Sir, Ma'am - Gunnery Srgt. Holoman, wir werden die Beiden ab jetzt übernehmen." verkündete der stattliche Mann.
"Sehr gut Gunnery", erwiderte Harm und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Viel Spaß mit den Beiden!"
"Den werden wir schon haben. Ich soll ihnen noch von Admiral Chegwidden ausrichten das ihr Flug nach San Diego in zwei Stunden geht."
"Danke, wenn das dann alles war dürfen sie wegtreten."
"Aye, Aye Sir!"

Keine 30 Sekunden später raste der Jeep der MP vom Rollfeld. Harm und Mac warteten noch bis das Fahrzeug aus ihrem Blickfeld verschwunden war. "Ok Sailor, was machen wir jetzt noch mit den zwei Stunden?" Fragte Mac und griff gleichzeitig nach ihrer Tasche. Auch Harm schnappte sich seine Tasche. "Was hältst du davon wenn wir hier irgendwo etwas essen? Ich lad dich ein!"
"Essen klingt nach einer guten Idee - aber ich will etwas richtiges und kein Grünzeug."
"Okay, wie wäre es mit Italienisch?"

Im Flughafen war eine kleine Pizzeria die hoffnungslos überfüllt war. Aber zu ihrem Glück räumte gerade eine Familie mit drei Kinder einen Tisch. Nachdem Harm ganz gentlemanlike Mac den Stuhl zurecht gerückt und sich dann selber hingesetzt hatte, studierten beide schweigsam die Karte. Mac entschied sich für eine große Pizza und Harm begnügte sich mit einem Salat. Der Kellner nahm ihre Bestellung auf und brachte ihnen ihre Getränke.

Immer noch in Schweigen verfallen warteten sie auf ihr Essen. Durch das Fenster hatten beiden einen Blick auf das Rollfeld. Mac starrte die ganze Zeit nach draußen und trat so als würde sie die Maschinen beobachten. In Wirklichkeit aber, beobachtete sie Harm. Aus den Augenwinkeln sah sie wie auch er nach draußen sah, nur mit dem Unterschied das er sich tatsächlich für die Flugzeuge interessierte. Je länger sie ihn betrachtete desto mehr fragte sie sich warum er unablässig lächelte. Heute schien ihm wirklich nichts die Laune verdrehen zu können. Selbst die Streitereinen im Flugzeug zwischen Delcam und Gomez hatten das nicht geschafft. Lächelnd hatte er jedes Mal die beiden gebeten Ruhe zu geben. Es war doch zum verrückt werden. Was zum Henker machte ihn nur so zufrieden? Konnte es etwas mit ihrem Kuss zutun haben? War er etwas glücklich darüber das sie ihm gesagte hatte, es würde nie wieder gesehen? War es ihm tatsächlich so abwegig sie zu küssen?

Mac wand ihren Blick nun direkt auf Harm. Als Harm bemerkte das Mac ihn anstarrte riss er seinen Blick vom Rollfeld los und erwiderte ihren Blick.
"Was gibt es?" fragte er nachdem sie sich minutenlang angestarrt hatten. Mac schüttelte den Kopf. "Nichts, bis auf..."
"Bis auf was?" Er lehnte sich genüsslich in seinem Stuhl zurück verschränkte die Arme hinterm Kopf und wartete auf eine Antwort von Mac.
"Ich frage mich nur was für einen Grund du hast so zufrieden zu sein."

Für Mac Geschmack überlegte Harm einen Augenblick zu lange, ehe er grinsend antwortete das der Grund dafür das Licht war. Völlig verdutzt zuckte sie mit den Schultern: "Welches Licht, Harm?"
"Das Licht, das mir aufgegangen ist als ich..." 'Dich geküsst habe' wollte er noch hinzufügen, aber er entschied sich kurzfristig es nicht zu tun.
"Als du was Harm? Ich finde zu sprichst in letzter Zeit so oft in Rätseln und außerdem finde ich deine gute Laune gespenstig.
"Findest du?" Fragte er lachend. "Also ich finde meine gute Laune ausgesprochen wohltuend und weißt du auch warum?" Seine Gute Laune war ansteckend und sie musste sich zusammenreißen um nicht auch in Harms endlos Grinsen einzusteigen.

Krampfhaft versuchte Mac eine desinteressierte Grimasse zuziehen. Sie wollte Harm wieder auf den Boden der Tatsachen holen, aber er ließ sich nicht beirren, nein eher das Gegenteil. Ihre Grimasse veranlasste ihn nur laut los zu lachen. Das wiederum machte Mac ärgerlich. "Harm, kann es sein das ich an deiner guten Laune mitwirke? ich habe das Gefühl das du dich auf meine Kosten amüsiert."
Immer noch lachend schüttelte er den Kopf. "Nein, nein, das tue ich auf keinen Fall. Aber unschuldig bist du an meiner Laune ganz gewiss auch nicht!"
"Darf ich dann auch erfahren was ich dazu beitrage?"
"Du bist hier bei mir!" erklärte Harm knapp. Mit verwundertem Blick betrachtete Mac ihren Partner. "Deswegen hast du so gute Laune? Ich wundere mich nur, weil - nur für den Fall das du es noch nicht bemerkt hast, Harm - ich bin sehr oft bei dir!"

"Das ist auch gut so!" sagte Harm und im gleichen Moment kam der Kellner mit ihren Essen. Mac verstand die Welt nicht mehr und sie hatte auch keine Lust mehr sich darüber noch den Kopf zu zerbrechen. Für Heute hatte sie genug von Harms guter Laune und von seinen rätselhaften Andeutungen. Sie wollte nur noch in Ruhe ihre Pizza essen und schlafen sobald sie im Flieger nach San Diego saß. Was auch immer im Kopf dieses Mannes vor sich ging, es überstieg einfach ihre Vorstellungskraft.


Der Flieger nach San Diego war bis auf den letzten Platz gefüllt und zu allem Übel saßen in den Reihen vor und hinter Harm und Mac Familien mit kleinen Kindern. Die beiden ältesten Kinder beider Familien waren etwa in einem Alter und turnten die ganze Zeit herum. Das Baby der einen Familie schrie ohne Pause und das jüngste Mitglied der anderen Familie musste sich alle fünf Minuten übergeben.

Es war der absolute Horror und für Mac war nicht eine Sekunde an Schlaf zu denken. Am Rande des Wahnsinns dreht sie sich zu Harm um, und blickte direkt in das schlafende Gesicht ihres Partners. Nein nicht nur in das schlafende, als wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre. Auf seinen Lächeln war immer noch dieses Gott verdammte Grinsen. Mit letzter Kraft unterdrückte sie einen Urschrei und versuchte sich mit geballten Fäusten wieder zu beruhigen. Wie zum Teufel hatte er es geschafft bei diesem Lärm einzuschlafen und das auch noch mit diesen nicht mehr enden wollenden Grinsen? So langsam aber sicher spürte Mac wie die Verzweifelung in ihr hochstieg. Tränen schwammen in ihren Augen.

Sie war müde. Sie wollte schlafen, nicht anders als schlafen. Minutenlang starrte sie den schlafenden Mann neben ihr an. Seine Augenlider flackerten, aber er schlief seelenruhig weiter. Ganz vorsichtig strich sie ihm über die Wange. Allerdings nicht vorsichtig genug. Er zuckte leicht zusammen, öffnete aber seine Augen immer noch nicht, stattdessen griff er nach ihrer Hand und hielt sie fest. Ihre zaghaften Versuche ihm ihre hand wieder zu entziehen hatten keinen Erfolg. Sein Griff war zu fest auch wenn er nicht schmerzte. Es war eher so als habe sie nicht die Kraft ihm ihr Hand zu entziehen. Sie wollte diese Berührung. Es war als würde seine Ruhe auf sie über springen und tatsächlich merkte sie, wie ihr nach ein paar Minuten die Augen zufielen. Es war lange her das sie sorglos ihre Augen geschlossen hatte um in nächsten Moment einzuschlafen. Mit Harm war das anscheinend kein Problem. Er musste einfach nur in ihrer Nähe sein und so wie jetzt ihre Hand halten. Nicht einmal das Getobe um sie herum drang in ihr Bewußtsein.

Mac schlief den restlichen Flug wie ein Baby und wenn Harm sie nicht vor der Ladung geweckt hätte, hätte sie selbst dann noch weiter geschlafen. Müde rieb sie sich den Schlaf aus den Augen und blickte zu Harm. "Hey!" Harm sah sie mit einem warmen Lächeln an. "Hey Schlafmütze!" meinte er und strich ihr eine zerzauste Haarsträhne aus der Stirn. Seine zärtliche Geste und der Blick, mit dem er sie bedachte, jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Es war so schön seine Nähe zu spüren und es wäre noch schöner wenn er sie jeden Tag so zärtlich wecken würde. Ihr Herz klopfte wie wahnsinnig in ihrer Brust.

"Du bist ja noch gar nicht richtig wach." stellte Harm belustigt fest.
"Ich habe ja auch höchstens eine Stunde geschlafen, vielleicht eineinhalb - nicht jeder kann so einen gesunden Schlaf haben wie du Sailor!" murmelte Mac schläfrig.
Harm begann breit zu grinsen. "Höre ich da etwa Neid heraus?" Unter normalen Umständen hätte Mac ihm eine bissige Antwort darauf gegeben, aber dieses einmal blickte sie ihm nur stumm in die Augen. Er grinste sie zwar an und er wollte sie gewiss auf die Schippe nehmen, aber in seinen Augen lag mal wieder dieser Ausdruck. Wenn sie es nicht besser wüßte, würde sie glauben Harm himmelte sie an. Aber das war unmöglich. Er hatte sie noch nie angehimmelt. Sie musste sich irren oder vollkommen den Verstand verloren haben. Ihr Wunschdenken beeinflusste ihre Wahrnehmung.

Seufzend lehnte sie sich in ihrem Sitz zurück. Harm ließ sie keinen Augenblick aus den Augen. Er wollte keine ihrer Reaktionen verpassen, zu unsicher war er sich noch ihrer Gefühle. Er konnte sich noch so sicher sein das sie etwas für ihn empfand, aber er musste wissen was es war. Auf keinen Fall wollte er das Risiko eingehen ihr seine Gefühle zu gestehen und dann von ihr zu hören, das sie sich geschmeichelt fühlte aber nur Freundschaft für ihn empfand.

Am Flughafen wurden die beiden bereits erwartet. Colonel Sandfort. Beide begannen zu lächeln als sie erkannten, wer sie abholte. Nach einen schnellen offiziellen Begrüßung gab der Colonel beiden die Hand. "Ich freue mich sie ein weiteres Mal in San Diego begrüßen zu dürfen. Ich hoffe sie hatten einen angenehmen Flug und nicht zuviel Umstände!"
Harm schüttelte grinsend den Kopf und meinte ironisch: "Nein, nein Colonel - abgesehen davon das wir seit heute Nachmittag nonstop unterwegs sind."

"Ich höre schon, sie sind natürlich erschöpft und müde. Aber ich versichere ihnen, das für heute abend", er warf schnell einen Blick auf seine Armbanduhr, "äh ich meine heute Nacht, nichts mehr anliegt. Sie werden erst morgen früh um 1200 beim General erwartet."
"Colonel," meinte nun Mac, "soll das heißen wir haben den ganzen Morgen zu unseren eigenen Verfügung?"
"Jepp Ma'am, dass soll es heißen. Aber falls sie nichts besseres zu tun haben, ich würde sie gerne morgen früh zum Frühstück einladen."

Harm und Mac sahen erst sich und dann den Colonel mit großen Augen an. "Womit haben wir das verdient?" fragte Harm.
"Eigentlich kommt die Einladung nicht nur von mir, sondern auch von Sarah- ich meine Major Donnelly." Mit strahlendem Lächeln packte Noah Sandfort Harm und Macs Taschen in den Kofferraum.
"Heißt das es geht dem Major wieder besser?"
"Jepp Sir, sie ist heute morgen aus dem Krankenhaus entlassen worden und es geht ihr bedeutend besser."
"Colonel wir freuen uns das zu hören", sagte Mac im Namen beider und Harm nickte zustimmend. "Ja, es ist wirklich eine Freude das zu hören."

Alle drei bestiegen den Wagen und als der Colonel losfuhr fragte Harm: "Was haben eigentlich die Ermittlungen unseres Kollegen ergeben?"
"Das, wenn die gestatten, würde ich ihnen gerne morgen früh alles erzählen. Sie müssen wirklich müde sein und ich bin es ehrlich gesagt auch. Das heißt natürlich, wenn sie unsere Einladung annehmen."
Harm blickte kurz zu Mac und fragte sie stumm.
"Wir nehmen sie an, Colonel. Sehr gerne sogar, sagen sie uns nur wann und wo wir uns treffen!"
"Wir werden sie abholen, sagen wir 0900?"
"Perfekt!" erwiderten Harm und Mac gleichzeitig.

Am nächsten Morgen warteten Harm und Mac um kurz vor neun darauf das sie abgeholt wurden. Pünktlich um neun Uhr kam der Colonel und Harm und Mac stiegen zu ihm in den Wagen. "Auf die Sekunde pünktlich, " meinte Harm fröhlich zum Colonel und erntete dafür einen Knuff von Mac. "Wir Marines sind immer pünktlich!"
Lachende sagte Harm: "Wie konnte ich das nur vergessen, Ninjagirl!" und wand sich dann noch einmal an den Colonel. "Sagten sie nicht das der Major auch beim Frühstück dabei sein würde?"
"Ja Cmdr. und das ist sie auch, aber sie wartet auf uns in ihrem Haus."

Harm genoss das Frühstück in allen Zügen. Es gab alles was das Herz begehrte und der Colonel sowie der Major waren von der Sorte Mensch, mit denen Harm gerne seine Zeit verbrachte. Sie unterhielten sich in erster Linie über den Fall und über die Ergebnisse die Sturgis bei seinen Ermittlungen erzielt hatte.

Es hatte sich herausgestellt das ein weiblicher Lance Corporal die falsche Entführung genutzt hatte um den Major tatsächlich zu entführen. Gemeinsam mit ein paar männlichen hatte sie alles geplant um dem Colonel einen Auszuwischen. Anscheinend hegte sie für den Colonel mehr als nur kameradschaftliche Gefühle und war eifersüchtig auf den Major. Sie hatte tatsächlich geplant Sarah Donnelly umzubringen, um so an Sandfort heran zu kommen. Es war eine verworrene Geschichte, aber Sturgis hatte es geschafft alle Fakten aufzudecken. Mittlerweile waren der weibliche Lance Corporal und auch ihre Mittäter inhaftiert worden und warteten nur darauf das in zwei Tagen die Gerichtsverhandlung begann.
Harm hörte im Gespräch heraus das Sturgis die Anklage vertreten würde und er mit Mac als Zeugen berufen werden sollten, aber Genaueres sollten sie erst im Gespräch mit dem General erfahren.

Nachdem sie alles über den Fall besprochen hatten wurden ihre Gesprächsthemen privaterer Natur. Der Colonel und der Major erzählten viel aus ihrer Kindheit. Es wurden viele kleine Anekdoten herausgekramt. Fröhliches Gelächter erfüllte das Wohnzimmer des Major. Das ein oder andere Mal musste Harm sich sogar eine Lachträne aus den Augen wischen.

Harm fiel auf das der Colonel wesentlich entspannter war, als bei ihrem letzten Zusammentreffen, aber er erkannte auch das der Colonel nicht vollends zufrieden zu sein schien. Er sah die vielen versteckten Blicke die Noah Sandfort dem Major zu warf und er sah die unerfüllte Liebe in seinen Augen, genauso wie es bei Harm war. Wahrscheinlich hatte er mehr mit diesem Marine gemeinsam als er für möglich halten würde. Sie beide liebten eine Frau namens Sarah, gott sei dank nicht dieselbe Frau, und beide musste mit ihrer eigenen Angst davor ihre Gefühle zu offenbaren, leben.

Harm blickte zwischen den beiden Sarahs hin und her. Äußerlich ähnelten sie sich nicht wirklich, aber von ihrer Art her waren sie wie Schwestern. Die lachten beide an den gleichen Stellen und mehr als einmal begannen sie gleichzeitig zu sprechen. Wenn das wieder einmal der Fall gewesen war, sahen die Frauen sich an und begannen wiederum gleichzeitig zu lachen. Es war faszinierend die beiden zu beobachten. Als wenn sie sich schon Jahre kennen würden. Es war als wenn sie alle schon seit Jahren miteinander befreundet waren, dabei war es heute das erste Mal das sie alle zusammen waren.

Harm hätte das Frühstück am liebsten gar nicht beendet. Es war schön Mac so entspannt und gutgelaunt zu sehen. Es war überhaupt schön mit ihr hier zu sein. Doch so gerne er länger geblieben wäre, in einer halben Stunde sollten sie sich schon mit dem General treffen.
Das Bedauern, darüber die fröhliche Runde bereits wieder aufheben zu müssen, verspürten alle und bevor sie sich wieder auf den Weg machten, versprachen sie sich gegenseitig wieder einmal zusammen zukommen.

Als Harm und Mac um Punkt zwölf das Büro des Generals betraten wunderten sie sich ein bisschen. Admiral Chegwidden und auch Sturgis Turner saßen bereits vor dem Schreibtisch von General Donnelly. Die Beide Anwälte grüßten die ranghöheren Offiziere und nahmen dann selbst auf den beiden freien Plätzen Platz.

Nachdem alle anwesend waren, begann Sturgis ihnen seine Ergebnisse mitzuteilen. Zwar kannten Harm und Mac bereits die meisten, aber sie hörten trotzdem aufmerksam zu. Wie Harm am Morgen schon richtig vermutet hatte, sollte Sturgis die Anklage vertreten und sie beiden wurden als Zeugen geladen. Sturgis wollte das seine beiden Kollegen die Männer vom See identifizierten und vor Gericht schilderten wie gewalttätig sie waren. Im Grunde ging es vor Gericht nicht mehr um die Frage ob schuldig oder nicht schuldig. Die Fakten gegen den weiblichen Lance Corporal waren mehr als eindeutig, zumal sie bereits die Entführung und den Grund dafür gestanden hatte. Vor Gericht musste nur noch das Strafmaß verhandelt werden, denn ein Freispruch würde es auf keinen Fall geben, da waren sich alle Anwesenden sicher.

Während des gesamten Gespräches fragte sich Harm warum der Admiral auch in San Diego war. Bisher hatte er nicht viel gesagt, stattdessen hatte er die meiste Zeit damit verbracht ihn und Mac zu beobachten. Harm wurde unter dem Blick seines Vorgesetzten zunehmend unsicherer. Konnte es sein das er irgendetwas ahnte, oder war er hier um sie im Auge zu behalten? Er hatte so etwas bei ihrem letzten Treffen angedeutet. Was sollte er machen, wenn der Admiral ihm tatsächlich Steine in den Weg legte um zu verhindern, dass er und Mac ein Paar werden? Könnte er diese Steine überwinden? Harm schüttelte kaum merklich den Kopf, er wollte darüber heute nicht nachdenken.

Gegen ein Uhr war die Besprechung zuende. Sturgis machte sich sofort wieder auf den Weg nach Washington. Er hatte dort noch einige Dinge zu erledigen bevor er hier mit den Prozeß beginne konnte. Außerdem war zur Zeit kein Acting JAG in Washington und Sturgis sollte diesen Posten übernehmen solange der Admiral in San Diego war. Da der nächste Flug nach Washington bereits in einer halben Stunde ging, machte Sturgis sich sofort auf den Weg. Er verabschiedete sich schnell von allen und verschwand im nächsten Augenblick aus dem Büro des Generals.

Der Admiral erhob sich ebenfalls von seinem Stuhl und stellte sich ans Fenster.
"Commander", begann er, während er sich zu ihnen umdrehte, zu sprechen, "wie ist es nach unserem letzen Gespräch auf der Seahawk gelaufen?"
"Alles ist prima gelaufen, abgesehen vom Flug mit den beiden von der Seahawk nach Washington."

Der Admiral zog eine Braue hoch. "Gab es Probleme während des Fluges?"
"Nun nicht direkt Probleme", mischte sich nun auch Mac ein, "die Beiden gerieten nur immer wieder aneinander und wir waren gezogen sie in verschiedene Ecken zu verfrachten. "
"Mit ständigen Streitereien kennen sie beide sich ja bestens aus..." meinte der Admiral zynisch. Seine Stimme klang genervt, aber Harm konnte für einen winzigen Moment etwas in den Augen des Admirals sehen, dass einem unterdrückten Grinsen ähnelte. Nach so vielen Jahren unter dem Kommando von Admiral Chegwidden hatte Harm gelernt das der Admiral zwar meistens einen harten und zynischen Ton anschlug, aber oft meinte er es gar nicht so. Menschen die ihn wirklich gut kannten, konnten das dann daran erkennen, dass seine Mundwinkel leicht zuckten und in seinen Augen etwas aufblitzte.

Harm konnte nur in diesem Zusammenhang nicht erkennen was den Admiral so belustigte, zumal er ihre Streitereien angesprochen hatte. einkurzer Blick zu Mac sagte ihm das sie sich die gleichen Gedanken machte. Kaum merklich hob Mac die Augenbraue und erklärte Harm so das sie auch nicht wußte warum der Admiral so belustigt war. Harm gab ihr zu verstehen das er wie sie im Dunklen tappte und wand sich dann zurück zum Admiral. Dem war natürlich nicht die stumme Unterhaltung seiner Anwälte entgangen. Für ihn war es eine faszinierende Angelegenheit die beiden immer wieder in ihren stummen Gesprächen zu beobachten. Wie konnten zwei Menschen sich ohne Worte so gut verstehen und mit Worten von einen Streit in den nächsten laufen? Die Beiden würden wohl noch eine ganze Weile ein Rätsel für ihn bleiben.

"Nun, wie dem auch sei, ..." erklärte der Admiral, "Ich habe noch etwas mit dem General zu besprechen. Sie können die zwei Tage bis zur Verhandlung als Urlaub ansehen. Das wars, sie dürfen wegtreten."
"Aye, Aye!" erklang es im Chor.

Draußen sahen Harm und Mac sich an. "So Ninjagirl was machen wir nun mit zwei freien Tagen?" fragte Harm schmunzelnd.
"Ich weiß nicht was DU damit machst, aber ich werde als erstes zurück zu Haus gehen und dann werde ich mir ein Taxi in die Stadt besorgen." erwiderte Mac. Harms Schmunzeln wurde zu einem Grinsen. "Was wirst du als erstes tun - shoppen oder essen gehen?" An Macs Gesichtsausdruck erkannte er sofort das er mit seiner Vermutung richtig lag. Sie lächelte ihn strahlend an und meinte dann: "Shoppen, denn ich bin noch satt vom Frühstück!"

Harm tat als sei er schockiert und starrte Mac mit großen Augen an. "Hast du gerade gesagt du bist noch satt vom Frühstück? Schnell gib mir einen roten Stift und einen Kalender - das muss ich mir vermerken! Ein satter Marine. Wer durfte das vor mir schon einmal erleben?" schäkerte er. Lachend boxte Mac ihm in die Seite. "Das will ich nicht gehört haben, aber weil ich es doch gehört habe, wirst du mich zur Strafe auf meiner Shoppingtour begleiten." Harm griff sich theatralisch an die Brust. "Einspruch, Frau Anwalt verlangt eine zu hohe Strafe."
"Abgewiesen Herr Anwalt!" erklärte Mac feixend. "die Strafe ist angemessen." Kaum ausgesprochen schnappte sie sich seine Hand und zog ihn hinter sich her.

Admiral Chegwidden verließ jüst in diesem Moment das Büro des Generals und wurde so verblüfft Augenzeuge wie seine beiden Offiziere händchenhaltend aus dem Gebäude verschwanden. Augenreibend versuchte der Admiral das Bild in seinem Kopf wieder gerade zu rücken, aber als er die Augen wieder öffnete sah er die beiden immer noch Hand in Hand. Er machte auf der Stelle wiederkehrt und betrat erneut das Büro das er gerade erst verlassen hatte. Es schien als sei das eben Besprochene doch akuter als er es wahr haben wollte, wenn seine beiden Spitzenanwälte bereits Händchenhaltend durch die Weltgeschichte liefen.

Fast vier Stunden später hatte Harm den Überblick über die Geschäfte in denen er mit Mac war, verloren. Er wußte nur noch das es mindestens ein duzend Schuhgeschäfte und mindestes genauso viele Boutiquen gewesen sein mussten. Seine Füße fühlten sich an wie nach einem 20 Meilen Marsch an. Aber egal wie anstrengend ein Einkaufsbummel mit Mac auch sein mochte und egal wie lange dieser Marathon auch noch gehen würde, er bereute es nicht doch mit gekommen zu sein.

Die fröhliche Stimmung die sich bereits beim Frühstück mit dem Major und dem Colonel eingestellt hatte, war geblieben. Sie hatten jede Menge Spaß und sie stritten sich nicht ein einziges Mal. Geduldig ließ Harm jedes Anprobierszenario übergehen, teilte Mac ehrlich seine Meinung mit und freute sich mit Mac wenn sie etwas passendes gefunden hatte. Was nicht gerade wenig war, wenn Harm einmal die Tüten zählte die er in den Händen trug. Vier Paar Schuhe, zwei oder drei Hosen, genauso viele Röcke, drei oder vier Oberteile und ein Kleid bei dessen Anblick Harm jetzt noch schwach wurde, war die Ausbeute von vier Stunden Shopping.

"Hey Ninjagirl", fragte Harm nachdem sie einen weiteren Laden verlassen hatte und eine neue Tüte in seine Hand gewandert war, "was würdest du davon halten, wenn du einem schwerschuftenden Navy Offizier ein Eis spendierst?"
"Keine schlechte Idee, aber warum schwerschuftend?"
Harm rollte ungläubig die Augen und riss dann beide Arme hoch. "Vielleicht weil ich hier diesen ganzen Tüten schleppen muss?"

"Oh, ich dachte nicht das es dir zu schwer ist, dabei hatte ich gedacht du könntest mich auch ein Stück tragen, aber wenn du dafür zu schwach bist..." meinte Mac mit ernstem Gesichtsausdruck.
"Zu schwach?" fragte er herausfordernd. " Das lasse ich mir aber nicht zweimal sagen." Er machte ein Schritt auf sie zu, packte so gut es ging mit einer Hand unter ihr Knie und stütze mit der anderen ihren Rücken. Mac spürte wie sie den Boden unter den Füßen verlor und begann kreischend zu lachen. "Harm lass mich sofort herunter." Sie strampelte mit den Beinen und machte es Harm so schwerer sie festzuhalten. "Vorsichtig Marine..." warnte Harm sie lachend und sofort schlang Mac einen Harm um seinen Hals, um nicht wie ein nasser Sack auf den Boden zufallen. Ihr Gesicht kam seinem dabei so nahe, dass es aus der Entfernung so aussah als würden die beiden sich küssen.

Und genau das war auch das, was der Admiral zu sehen glaubte. Seine beiden Offiziere wie sie sich in aller Öffentlichkeit küssten. Das schlug dem Fass doch den Boden aus. Auch wenn er sich bis jetzt nicht wirklich sicher gewesen war, das die beiden eine Beziehung führten dann war er sich nun um so mehr sicher dass es so war. Die Fakten sprachen eindeutig gegen die Beiden. Erst war da die Sache mit dem Übernachten, wobei sie sich aus der Sache noch gut herausgeredet hatten. Aber dann vorhin Händchenhalten aus dem Gebäude zuspazieren und jetzt hier in aller Öffentlichkeit herumzuknutschen, aus der Sache würden sie sich nicht mehr herausreden können.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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RE: Jenseits aller Zweifel von Caitlin

#6 von Petra , 07.05.2007 21:30

Das ganze war die größer Unverschämtheit, die er je erlebt hatte. War seine Aussage, dass er keine weitere Beziehung unter seinem Kommando tolerierte nicht klar genug? Oder wollten die beiden es nicht verstehen? Er war sich bewußt das er es nicht verhindern konnte das die beiden ein Paar werden würden, aber er hatte einfach nicht damit gerechnet das es so schnell gehen - besser gesagt - das
sie bereits ein Paar waren.

Harm und Mac merkten nicht das sie von ihrem CO beobachtet wurden. Mit einer kreischenden Mac auf dem Arm dreht sich Harm einmal um die eigene Achse und setzte sie dann wieder vorsichtig auf den Boden. "Nenn mich noch einmal schwach Marine, und ich..."
"Und was?" Sie kam einen Schritt näher und ihr Gesicht war wieder nur wenige Zentimeter von seinem Entfernt. Er konnte das Glitzern in ihren Augen sehen. Sein Mund wurde trocken und das einzige was ihm noch in den Sinn kam war: "Und ich könnte vielleicht wirklich schwach werden!" Er würde bei dieser Frau nicht schwach werden? Mac zog die falschen Schlüsse. Sie legte ihm einen Arm um die Hüften und seinen Arm über ihre Schulter. "Darauf wollen wir es ja nicht ankommen lassen, ich werde dich schnell mit einem Eis zur Stärkung versorgen." Und so schleifte sie ihn, unter dem wachsamen Blick des Admirals, in die nächste Eisdiele.

Am gleichen Abend sehr viel später, saßen Mac und Harm auf der kleinen Terrasse die zu dem Häuschen in dem sie bereits bei ihrem ersten Besucht gewohnt hatte, gehörte. Draußen war die Dunkelheit bereits angebrochen und die beiden genossen einen gemütlich Ausklang eines schönen Tages. Beide starrten verträumt in den sternenklaren Nachthimmel. Eine Sternschuppe erhellte plötzlich die Nacht. "Hast du die Schnuppe gesehen?" fragte Mac ihn leise.
"Ja und ich weiß schon was ich mir wünsche!" antwortete er. Mac schloss die Augen, sie wußte ebenfalls was sie sich wünschten wollte und so kam es das beide zur gleichen Zeit an den gleichen Wunsch dachten.
"Was hast du Dir gewünscht", wollte Harm wissen, aber Mac wollte es ihm nicht sagen. "Es bringt Unglück die Wünsche zu verraten."
"Oh, dann werde ich dir natürlich nicht sagen was ich mir gewünscht habe!" flüsterte Harm. Dann lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und schloss ebenfalls die Augen.
"Hättest du es mir verraten?"
"Vielleicht", sagte er dachte aber: 'Nicht gesagt, sondern gezeigt...'

Harm und Mac verbrachten noch eine gute Stunde damit auf der Terrasse zu sitzen und in die Dunkelheit zu starren. Das Schweigen das zwischen ihnen herrschte war kein bisschen angespannt und so genossen es beide einfach nur zusammen zu sitzen. Nachdem Mac zum wiederholten Male gähnen musste meinte Harm: "Marine, ich glaube es ist Zeit das wir beide mal die Qualität der Matratzen zu testen, was glaubst du...?"

Er hatte damit eigentlich nur sagen wollen, das es Zeit fürs Bett ist, aber Macs Gesichtsausdruck sagte ihm das sie in irgendwie falsch verstanden haben musste. Puderrot begann sie herum zu stottern. "Ha..ab ich ... wa...as hast... hast du ge... gesagt?"
Harm konnte nicht anders, er musste einfach laut loslachen. "Was ist los Mac? Ich habe nur gesagt das es Zeit ist um schlafen zu gehen!"
Macs Gesichtsfarbe färbte sich noch eine Nuance dunkeler und Harm musste zugeben das sie in diesem Moment sehr verführerisch aussah. Unter anderen Umständen hätte er ihr in so einer Situation nicht widerstehen können.

"Oh, schlafen gehen, ja natürlich!" Sie sprang vom Stuhl auf und verschwand schleunigst im Haus. Harm starrte ihr mit einem schiefen Grinsen hinterher. Zu gerne hätte er gewußt was Mac glaubte gehört zu haben, aber das würde er wohl nie. Nachdem der ihre Tassen abgeräumt und in der Küche abgewaschen hatte, machte er sich auch auf den Weg in sein Schlafzimmer. Er war tatsächlich müde. Diese Shoppingtour mit Mac war anstrengender als ein ganzer Tag vor Gericht, wobei ein Tag vor Gericht bestimmt nicht so schön war. In Gedanken lief er den Flur zu seinem Schlafzimmer herunter und stieß schon nach ein paar Schritten mit Mac zusammen. Sie war gerade aus dem Badezimmer gekommen und Harm hatte sie nicht gehört. "Uff, ... Mac!" stieß er hervor, "tut mir leid ich habe dich nicht gesehen." Aber dafür sah er sie nun um so deutlicher. Sein Mund wurde trocken. Mac stand in einen roten Neglige vor ihm. Nur mit größter Mühe schaffte er es seinen Blick von ihr loszureißen. Er zwang sich in ihre Augen zu schauen und nicht auf die, im Überfluss zur Schaugestellte nackte Haut, zu starren.

"Ich hätte auch besser aufpassen können", sagte Mac leise und blickte verschämt zu Boden. Harm seufzte innerlich. Wie konnte sie ihm das antun? Sie musste doch wissen welche Wirkung dieser Blick auf einen Mann hatte. Und sie musste wissen wie sehr sich die Wirkung steigerte wenn die Frau halbnackt war. Sein Herz begann schneller zu schlagen. Er konnte ihr Parfum riechen und glaubte jeden Moment vor ihr zusammen zu brechen, so weich füllten sich seine Knie an.
Wenn sie sich so anfühlte wie sie roch, dann würde diese Frau seinen Tod bedeuten. Sein altes Herz würde es nicht überstehen. Es schlug jetzt schon schneller als er sollte. Er hörte sein Blut in seinen Ohren rauschen. Mit aller Kraft versuchte er sich wieder zu beruhigen und gerade als er glaubte wieder ein bisschen klarer geworden zu sein, hob Mac ihren Kopf und blickte ihn aus ihren großen braunen Rehaugen an.

Plötzlich war es als habe er keine Macht mehr über seinen Körper. Seine zitternden Hände legten sich wie von Geisterhand um Macs errötetes Gesicht und zogen es zu ihm heran. "Mac, "wisperte er heiser.

Im nächsten Moment begann er sie zu küssen. Er zog Mac noch näher an sich heran und seine Hände wanderten über ihren Rücken, ihre Arme, ihre Hüften. Er wollte sie überall berühren, überall diese weiche Haut spüren. Sein Kuss hatte Mac überrumpelt und er wollte ihn gerade beenden, als Mac ihre Hände in seinem Haar vergrub und ihn so daran hinderte sich zurückzuziehen. Er hatte wirklich aufhören wollen, aber Macs Erwiderung auf seinen Kuss zu spüren gab ihm den Rest. Dieser Kuss war mit dem Kuss auf der Seahawk nicht zu vergleichen. Es war als hänge das Leben der Beiden von diesem Kuss ab. Immer enger schmiegen sie sich aneinander. Alles um sie herum war vergessen und das einzige Geräusch das Harm noch war nehmen konnte, war Macs sehnsüchtiges Seufzen und das schlagen seines Herzens.

Er spürte wie Macs Hände an seinem Hemd nestelten und kurz darauf über seine Brust glitten. Seine Haut schien zu brennen überall dort wo Mac in berührte. Stöhnend spürte er wie ihm ein Schauer über den Rücken lief. Er wusste das es besser war aufzuhören, aber sein Herz hörte nicht auf seinen Verstand, stattdessen drängte er Mac rückwärts in ihr Zimmer. Die kurze Entfernung zu ihrem Bett war schnell überwunden. Vorsichtig ließ Harm sich und Mac, ohne sich von ihr zu lösen, auf die weiche Matratze fallen. Auf keinen Fall wollte er das sie aufhörte ihn zu küssen oder das sie aufhörte ihn mit ihren Händen zu streicheln.

Genauso wenig wollte er selber damit aufhören. Ganz im Gegenteil, er wollte mehr von ihr. Er wollte sie überall berühren. Seine Hände schoben die Träger ihres Negligés von den Schultern. Und während er mit der einen Hand begann kleine Kreise über ihre Schulter zu ziehen löste er sich aus ihrem Kuss und hauchte ihre viele kleine Küsse auf den Hals. Mac wand sich leise stöhnend unter seinen Küssen und Berührungen. Ihre Hände glitten in seinen Nacken und weiter über seinen Rücken. Sein Hemd fiel von seinen Schultern.

Harm öffnete seine Augen und sah in Macs gerötetes Gesicht. Sie hatte ihre Augen geschlossen und ihr Mund war leicht geöffnet. Er sah wie sich ihr Brustkorb hob und senkte. Ihre Haaren waren zerzaust und für Harm war sie niemals schöner gewesen, als in diesem Augenblick. Zärtlich streichelte er mit seinen Fingern ihre Wangen, fuhr ihr zarte Linie ihres Mundes nach. "Wie schön du bist Mac...", flüsterte er. Macs Augenlider flackerten und sie öffnete ihre Augen. Was Harm in ihrem Blick sah, war zu schön um wahr zu sein. Es überwältige ihn. In ihren Augen loderte ein herrliches Feuer, das gleiche das ihn innerlich verbrannte.
Er küsste sie leidenschaftlich und Mac erwiderte seinen Kuss hungrig. Es war zu spät um aufzuhören, selbst wenn er es gewollt hätte, oder Mac. Egal was der Morgen bringen würde er wollte diese Nacht.

Viele Stunden später lagen beide erschöpft aber glücklich aneinander gekuschelt im Bett. Der Morgen begann sich bereits mit den ersten Sonnenstrahlen anzukündigen, aber die beiden waren zu müde um einen Blick an den Sonnenaufgang zu verschwenden. Macs Kopf lag auf Harms Brust und ihr warmer Atem kitzelte ihn. Sie musste eingeschlafen sein, denn ihr Atem war flach und regelmäßig. Harm war noch viel zu berauscht um an Schlaf zu denken. Zärtlich streichelte er Mac übers Haar. Dann plötzlich huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Sein Wunsch hatte sich erfüllt. Selig schloss er die Augen und fiel kurz darauf doch in einen süßen Traum.

Als er die Augen wieder öffnete, lag er alleine in Macs Bett. Noch ein wenig verschlafen tastete er neben sich, aber Mac war tatsächlich nicht mehr im Bett. Etwas enttäuscht schwang er sich aus den Federn und trottete ins Badezimmer. Vielleicht stand Mac gerade unter der Dusche und er konnte sich ihr anschließen? Aber im Badezimmer fand er sie auch nicht. Er entschloss sich alleine zu duschen und dann unten nach Mac zu sehen. Zehn Minuten später Harm in der kleinen Küchen. Auf dem Tisch stand eine Schale mit Müsli und eine Tasse stand neben der Kaffeemaschine. Harm seufzte. Wo steckte Mac?

Er nahm die Tasse und schenkte sich etwas Kaffee ein. Mit der Tasse in der Hand lehnte er sich an die Anrichte und sah sich in der Küche um. Vielleicht nicht sein Geschmack, stellte er fest, aber war bedeutete das schon, wenn er hier mit Mac war.

Am Kühlschrank entdeckte Harm einen kleinen weißen Zettel, auf dem mit großen schwarzen Buchstaben "HARM" geschrieben stand. Mit einem mulmigen Gefühl ging er zum Kühlschrank und nahm den Zettel ab. Sie war einfach abgehauen, schoss es ihm durch den Kopf bevor er einen Blick auf den Zettel geworfen hatte. Seine Hände zitterten als er den Zettel in seiner Hand umdrehte. Aber er konnte sich nicht überwinden ihn zu lesen. Eine halbe Ewigkeit hielt er den Zettel in seine Händen, dann endlich schimpfte er sich selber einen Feigling und begann laut zu lesen.

"Hey Sailor,
du hast so friedlich geschlafen, da wollten wir dich nicht wecken.
Wenn du Lust hast kannst du nachkommen, wir sind am See.
Mac!"

Er musste es zweimal lesen um sich ganz sicher zu sein, dass Mac nicht irgendetwas von: Es tut mir leid ich musste weg, oder etwas in die Richtung geschrieben hatte. Aber sie hatte nichts dergleichen geschrieben. Sie war am See und nicht auf den Weg nach Washington. Unendlich erleichtert musste Harm über sich selbst lachen. War er schon einmal so verliebt gewesen, dass ihn ein winzigkleiner Zettel drohte in das tiefste schwarze Loch zu ziehen das sich finden ließe? Er schüttelte bestimmt den Kopf. Nein, die Liebe die er für Mac empfand war mit nichts zu vergleichen. Er hatte vorher noch nie wirklich geliebt. Nicht so bedingungslos.

Mit einem Grinsen das über beide Ohren ging verließ Harm das Haus. Schnell hatte er auf dem Stützpunkt einen Lieutenant gefunden der ihn zum See fahren wollte.
Lt. Karsain steuerte den Jeep mit beachtlicher Geschwindigkeit durch die Kurven. Harm krallte sich an seinem Sitz fest. "Lieutenant, ich habe sie gebeten mich zu See zu fahren und nicht gleich ins Himmelreich."
"Keine Angst Commander" meinte der Lieutenant, "in meiner Freizeit fahre ich Ralley. Ich bringe sie überall heile hin." Wenn der Lt. Karsain versucht hatte Harm zu beruhigen, dann war ihm das ganz und gar nicht geglückt.
"Lieutenant, bitte kommen sie niemals auf die Idee Tomcats zu fliegen. Ihr Kamikaze-Stil würde jeden Kommandanten einen Herzinfarkt bescheren."
Karsein begann breit zu grinsen. "Commander dafür ist es schon zu spät."
"Zu spät?" fragte Harm irritiert und beängstig zugleich.
"Jepp, Sir. Ich habe mich bereits in die Kurse eingeschrieben und die ersten Tests hinter mir. Nächsten Monat werde ich auf die USS Seahawk versetzt und dann bin ich meinem Traum einen Schritt näher."

Mit offenen Mund starrte Harm seinen Fahrer an. "Das ist nicht ihr Ernst Lieutenant?"
"Mein voller Ernst Sir!" erklärte Karsain und brachte den Jepp unsanft zum Stehen. Wenn Harm sich nicht so gut festgehalten hätte, dann wäre er wahrscheinlich im See gelandet der nun vor ihnen lag.
Mit weichen Knien stieg Harm aus. "An ihrer Landung müssen sie noch arbeiten Karsain!"
"Ich weiß Sir, das hat mein Fluglehrer auch immer gesagt."
Harm schüttelte seinen Kopf. "Ich werde bestimmt noch von ihnen hören. Vielen Dank fürs fahren und alles Gute Lieutenant Karsain."
"Danke Commander." rief Karsain und preschte schon davon.

Harm blickte dem Lieutenant kopfschüttelnd hinterher. Dieses Gesicht hatte er gewiss nicht zum letzten Mal gesehen, aber darüber würde er sich dann seine Gedanken machen. Jetzt wollte er viel dringender ein anderes Gesicht sehen. Trotz der noch weichen Knie durch die rasante Fahrt, ging Harm pfeifend den kleinen Patt zum See.

Es waren erstaunlich viele Menschen am See, fand er. Eine Gruppe Kinder lief kreischend über den Rasen, während ihre Mütter auf einer Decke zusammen saßen. Immer noch pfeifend umrundete er die Mütter. Dabei entging ihm nicht die Blicke mit denen er von ihnen gemustert wurde. "Ladies,..." begrüßte er sie mit einem charmanten Lächeln. Sogleich ging ein einheitliches Kichern durch die Gruppe und die ein oder andere wurde sogar ein wenig rot.

Harm setzte seinen Weg fort, ohne sich noch einmal umzudrehen. Vor einiger Zeit hätte er durchaus noch einen zweiten blick gewagt, aber heute interessierte ihn keine andere Frau ausser Mac. Seine Mac. Das Lächeln auf seinem Gesicht verstärkte sich. Endlich hatte sich sein Wunsch erfüllt. Zweifellos, denn warum sollte Mac die letzte, wunderschöne, Nacht zugelassen haben, wenn sie nicht dasselbe für ihn empfand, wie er für sie. Es musste so sein. Er konnte es kaum abwarten sie wieder zu küssen. Am liebsten würde er sie gleich hier und jetzt, ... Harm unterbrach seine eigenen Gedanken. Dies war ein öffentlicher Platz und wenn er sich nicht bis auf die Knochen blamieren wollte, dann sollte er seine Gedanken besser zügeln. Auch wenn es ihm schwer fiel nicht an Macs nackten Körper zu denken wie er sich unter... "Reiß dich zusammen alter Junge!" ermahnte er sich selbst lauthals.
"Zusammenreißen, Commander Rabb?" ertönte daraufhin fragend die Stimme von Colonel Sandfort hinter ihm. Erschrocken dreht sich Harm um. "Colonel, Verzeihung..." bracht er stockend hervor, "Ich habe mit mir selbst gesprochen."
"Kein Problem, ich habe einmal gehört das Selbstgespräche gut für die Psyche sein sollen." erwiderte Noah Sandfort grinsend. "Menschen die Selbstgespräche führen, können Konflikte besser lösen!"

Harm grinste. "Glauben sie mir Colonel, wenn ich jetzt weiter mit mir selbst sprechen würde, dann käme ich in einen Konflikt den ich nicht so schnell lösen könnte." 'und erst recht in eine sehr peinliche Situation.' fügte er in Gedanken hinzu. Es musste ja nicht jeder SEHEN, wohin ihn seine Gedanken gerade führten. Noah blickte ihn verständnislos an und Harm winkte ab. "Vergessen sie was ich gesagt habe. Heute morgen bin ich irgendwie noch nicht ganz zurechnungsfähig."

"Wie kommt es?" fragte Noah mit einem Grinsen als wüßte er genau worum es geht. Mit dem gleichen unverschämten Grinsen antwortete Harm: "Wahrscheinlich liegt es daran, das ich heute morgen bereits mit einem Lächeln auf meinem Gesicht wachgeworden bin."
"Hm, Colonel MacKenzie hat nicht zufällig etwas damit zu tun?"
"Mac?" Harm blieb mit weitaufgerissenen Augen stehen. "Wie kommen sie auf die Idee das der Colonel etwas damit zutun hätte?"
Kopfschüttelnd meinte Noah: "Nun war nur so ein Gedanken, weil der Colonel heute morgen wie verwandelt scheint."
"In welchem Sinne?"
"Es ist wie bei ihnen Commander." Nun war es an Harm verständnislos zu schauen. "Was ist wie bei mir?"
"Sie lächelt genauso wie sie!"
"Sie lächelt? Aber das ist doch nichts ungewöhnliches!"
"Nein das stimmt, aber die Art und Weise WIE sie lächelt..." Noah gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter. "Bis eben habe ich mich die ganze Zeit gefragt warum der Colonel so gut gelaunt ist. Aber sofort als ich sie gesehen habe, wußte ich die Antwort!"

"Und wie lautet die Antwort?"
"Wir reden später weiter Commander Rabb." gab Noah ausweichend mit einem Blick über Harms Schulter zurück. Harm zog verwundert die Augenbrauen hoch. Gerade als er fragen wollte warum, erklang die Stimme seines CO hinter ihm. "Commander Rabb, schön das sie es doch noch geschafft haben aus dem Bett zu kommen." Schwungvoll drehte sich Harm um. "Guten Morgen Sir!"
"Wohl eher Guten Tag Commander!" erwiderte Chegwidden nach einem Blick auf seine Uhr trocken. "Ich wollte ihr Gespräch nicht unterbrechen, tun sie als wäre ich gar nicht da und reden sie weiter."

Nervös blickt Harm zu Colonel Sandfort. Dieser beruhigte ihn als er sofort erklärte, dass sie ihr Gespräch bereits beendet hätten und gerade zu Colonel MacKenzie und Major Donnelly gehen wollten.
"So und was ist mit der Antwort, die sie dem Commander noch schuldig sind?"
"Das hat sich erledigt. Ich denke der Commander kennt die Antwort selber."
"Kennen sie die Antwort, Rabb?"
Kurz zögerte Harm. Natürlich kannte er die Antwort! Harm nickte schwach. "Ja, ich denke ich kenne die Antwort, Sir!"
"Dann bin ich mal gespannt..."

Harm wurde immer nervöser. Hatte der Admiral vielleicht mehr von ihrem Gespräch mitbekommen, als gut war?
"Commander, teilen sie mir doch bitte auch mit, warum der Colonel heute morgen so ausgesprochen gute Laune hat." forderte Chegwidden ihn auf. Bemüht sich nichts anmerken zu lassen, seufzte Harm innerlich. Also hatte der Admiral doch mehr mitbekommen als ihm lieb war.
"Vielleicht, ..."
"Ja, Commander?" drängte Chegwidden weiter. Mit verschränkten Armen wartete er auf eine Antwort. Fieberhaft suchte Harm nach einer plausiblen Erklärung. "Der Colonel und ich haben uns gestern ausgesprochen und alle Differenzen niedergelegt, vielleicht hat der Colonel deswegen so gute Laune."
"So ausgesprochen also..."
"Ja Sir!"

Ein Blinder hätte erkennen können, das der Admiral ihm nicht wirklich glaubte. Aber trotzdem beließ es sein CO dabei, schließlich wußte er genau was zwischen seinen beiden Anwälten vor sich ging Er hatte es gestern nicht nur einmal zu sehen bekommen. Deswegen war er auch auf das Angebot von Major Donnelly, mit ihnen am See zu picknicken, eingegangen. Es war die perfekte Gelegenheit Harm und Mac im Auge zu behalten.
Anscheinend spürte Noah die leichte Spannung zwischen Harm und seinem Vorgesetzten. "Was halten sie davon wenn wir nun gemeinsam zu Major Donnelly und Colonel MacKenzie gehen? Wir könnten gleich den Grill anschmeißen?"
Harm war ihm, für die kleine Ablenkung sehr dankbar. "Das klingt sehr gut Colonel."
Der Admiral nickte zustimmend, hörte aber nicht auf Harm skeptisch zu mustern.

Ein wenig beunruhigt ging Harm hinter Sandfort und Chegwidden her. Seine gute Laune war zwar nicht wie weggeblasen, aber er hatte einiges davon einbüßen müssen.

Mac und Sarah Donnelly saßen zusammen auf einer Decke und unterhielten sich angeregt. Gerade als die drei Männer die beiden erreichten, brachen sie in schallendes Gelächter aus. Harm liebte den Klang von Macs Lachen. Unweigerlich musste er mit in das Lachen einstimmen, beherrschte sich aber sofort als er spürte wie ihn der Admiral streng musterte. Harm wußte nicht warum, aber er hatte das Gefühl das der Admiral irgendetwas ahnte.
Damals als er und Mac durch den Anruf von ihm geweckt worden waren, und sie gleich bei ihm zu hause antreten durften, hatte er sie bereits so merkwürdig betrachtet. Aber heute lag etwas in seinem Blick das Harm Sorgen machte. Sollte er Admiral etwas von letzter Nacht erfahren oder aber davon Wind bekommen, dass Harm durchaus nicht die Absicht hatte es bei der einen Nacht zu lassen, dann konnte Harm sich schon einmal eine gute Winterausrüstung für Alaska zulegen.

Innerlich aufstöhnend begrüßte Harm die beiden Frauen formell. Er wagte es dabei nicht, Mac länger als nötig anzusehen. Die Wahrscheinlichkeit das er sich dann nicht mehr von ihrem liebreizenden Gesicht losreißen konnte, war zu groß. Er spürte immer noch die Blicke seines CO auf sich und so kam es auch das er sich schweren Herzens so weit weg wie möglich von ihr setzte.

Zu fünft verbrachten sie die nächsten Stunden. Der Admiral ließ während der ganzen Zeit Harm udn Mac nicht aus den Augen. Deswegen war Harm auch sehr froh darüber, dass Noah Sandfort ihn bat beim Grillen behilflich zu sein. Die ständigen Blicke von Chegwidden machten ihn nervös. Auf keinen Fall wollte er sich verraten. Erst musste er mit Mac sprechen. Er musste wissen wie sie zur letzten Nacht stand und viel wichtiger was sie sich in Zukunft vorstellte. Wenn er es doch nur schon wüßte. Diese Ungewissheit brachte ihn noch um den Verstand.

So unauffällig wie möglich warf er einen Blick zu Mac herüber. Sie saß immer noch auf der Decke und unterhielt sich mit dem Major. Der Admiral lauschte ihren Worten aufmerksam und Harm riskierte einen längeren Blick. Sie war das vollkommenste Geschöpf auf Erden in seinen Augen. Sie war nicht nur schön, nein sie war intelligent und humorvoll. Diese und viele andere ihrer Charakterzüge machten sie vollkommen, nicht nur ihre Schönheit. Ohne Zweifel konnte sie genauso gut aussehen wie ein weiblicher Sumoringer er, Harm, würde sie nicht weniger lieben können. Egal wie ihr Äußeres war, er liebte diese Frau aus tiefsten Herzen.

"Sind schon klasse Frauen nicht wahr?" Die Frage des Colonels holte ihn aus seinen Gedanken zurück. Erschrocken drehte er sich schnell wieder zum Grill. Hoffentlich hatte der Admiral nicht gemerkt wie Harm Mac angestarrt hatte. Vorsichtig blickte er sich noch einmal um, und blickte direkt in die Augen von Chegwidden. Sofort wand Harm sich wieder ab. Er hatte es gesehen, schoss es ihm durch den Kopf. Sein Herz raste wie das eines Jungen der bei einem Streich erwischt wurde und nun auf seine Bestrafung wartete.
Viel zu hastig begann er die Burger auf dem Grill zu wenden. Er musste sich mit irgendetwas beschäftigen.
Amüsiert beobachtete Colonel Sandfort Harm dabei. "Commander, geben sie den Burgern die Chance braun zu werden."

"Wie?"
"Lassen wir das, geben sie mir die Grillzange es ist wohl besser wenn ich das wieder übernehme." lachend nahm Noah Harm die Grillzange aus der Hand. "Wollen sie darüber reden, Commander?"
"Worüber reden?"
Wortlos deutete Noah auf Mac. "Es ist doch offensichtlich das sie wegen ihr nicht klar denken können, oder täusche ich mich etwa?"
In Gedanken begann Harm schon einmal die Sachen für Alaska zu packen. Wenn der Colonel, ein Mann den er vor ein paar Wochen das erste Mal getroffen und seitdem nicht oft gesehen hatte, bereits erkennen konnte was Mac in ihm auslöste - wie sollte er es dann dem Admiral verschweigen? "Colonel, haben sie eigentlich eine Ahnung wie kalt Alaska um diese Jahreszeit ist?" fragte Harm leise. Noah verstand nur noch Bahnhof. "Alaska? Das muss ich jetzt nicht verstehen oder ?"
"Nein, lassen sie uns lieber die Burger rüber bringen. Ich will die Sonne noch ein bisschen genießen."

Harm nahm die Burger vom Grill und ging mit dem Teller wieder zu den anderen. Dabei entging ihm nicht der Blick des Admirals. Am liebsten hätte Harm sich auf den Mond geschossen.
"Commander sie sind so ruhig stimmt etwas nicht?" meinte Major Donnelly nach dem Essen. Er und der Major hatten gerade den Korb mit dem schmutzigen Geschirr zum Auto gebracht, während die anderen langsam ihr "Lager" aufräumten.
"Es ist alles in Ordnung Major. Ich mache mir nur so meine Gedanken." gab Harm zurück.
"Gedanken wozu, Sir?"
"Zu allem!" sagte er leise. Er blieb stehen und starrte auf die glitzernde Oberfläche des Sees. Der Major stellte sich neben ihn.

"Ihre Gedanken kreisen nicht zufällig auch um Colonel MacKenzie, Sir? Verstehen sie mich nicht falsch und ich habe auch nicht die Absicht ihnen zu nahe zu treten..." unsicher legte sie ihren Kopf in den Nacken um Harm besser ansehen zu können. Erst als Harm ihr versicherte das sie freisprechen sollte, fuhr sie fort. "Für mich hatte es heute einfach die Ansicht, das sie nur Augen für den Colonel haben, deswegen dachte ich sie könnten sie um sie Gedanken machen." Es überraschte Harm nicht mehr, dass anscheinend sogar der Major bescheid wußte. Wahrscheinlich wußte es jeder. Daher sah Harm auch keinen Grund die Sache abzustreiten. Es entsprach schließlich nur der Wahrheit. Er hatte nur Augen für Mac gehabt und er hatte einfach nicht aufhören können sie anzusehen.

"Sie haben recht Major!"
"Aber wo liegt ihr Problem Commander?"
Harm zuckte mit den Schultern und seufzte.
"Darf ich ihnen eine persönliche Frage stellen Sir?"
"Sie dürfen, allerdings nur wenn sie mich dann Harm nennen!" Major Donnelly lächelte. "Gerne Sir, aber dann müssen sie es im Gegenzug auch tun." Harm konnte einfach nicht anders. "Ich soll sie Harm nennen?" Zum ersten Mal seit Stunden huschte wieder ein Anflug eines Lächeln über sein Gesicht.
"Natürlich nicht..." stotterte der Major durcheinander. "Sie wissen genau was ich damit meinte!"
"Entschuldigen Sie, Sarah..." gab er mit einem Grinsen zurück.
"Entschuldigung angenommen, Harm!" erklärte Sarah Donnelly großzügig.

Harm lächelte immer noch. Ein bisschen erinnerte sie ihn an Mac, vielleicht lag es daran das beide Marines waren. "Also, Sarah wie lautete ihre persönliche Frage an mich?"
Kurz glaubte Harm einen Hauch von Verlegenheit in ihrem Gesicht zu erkennen. "Wieviel bedeutete ihnen der Colonel?
"Anders gefragt - was bedeutet ihnen IHR Colonel!"
"Das spielt hier gerade keine Rolle, aber wenn sie es wissen wollen - ich liebe ihn!" Sie war selbst ein wenig erschrocken über das was sie gerade gesagt hatte. Niemals zuvor hatte sie das vor einem anderen Menschen, geschweige denn vor sich selbst zugegeben.
"Sehen sie und genauso ist es bei mir. Es spielt keine Rolle, aber ich liebe SIE!" Es war auch für Harm das erste Mal das er die Worte aussprach. Und er musste feststellen das es gut tat. "Ich liebe SIE!" wiederholte er.
Beide sahen sich einen Moment schweigend in die Augen. Und dann urplötzlich brachen beide in schallendes Gelächter aus.

"Es tut gut das zu sagen Harm!" brachte Sarah Donnelly atemlos hervor. "Sie sind der erste dem ich das überhaupt gesagt habe!"
"Ja, es tut gut! Aber es täte besser, wenn ich es ihr endlich sagen könnte." meinte Harm und sein Gesicht wurde wieder ernst. "Ich bin mir nicht sicher, ob sie ebenso für mich empfindet und wenn es tatsächlich - Gott stehe mir bei - so ist, dann weiß ich immer noch nicht wie es weiter geht. Bei ihnen ist das leichter, sie können sie der Liebe von Noah sicher sein, aber ich..."
"Wieso glauben sie das Noah mich liebt?" Sarah Donnelly blickte ihn aus große Augen an.
"Weil er es mir gesagt hat!" erklärte Harm lächelnd.
"Aber warum hat er es mir nie gesagt?" Sie warf einen Blick zu den anderen und blickte dann wieder zu Harm. Dieser schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. "Sarah, vielleicht weil er sich ebenso unsicher war wie ich. Er ist ein Mann und wir Männer sind schließlich nicht gerade bekannt dafür unsere Gefühle an den großen Pranger zu stellen."

"Er liebt mich tatsächlich?" Sie war immer noch fassungslos, aber Harm konnte in ihren Augen die Erleichterung sehen.
"Ja!"
"Und nun?"
"Das ist die große Frage! Und nun?"
"Ich werde meinen Dienst quittieren müssen, Noah liebt das Corps viel zu sehr..." sie sprach ihre Gedanken laut aus.
"Aber sie liebe das Corps genauso..." wand Harm ein.
"Ja, aber ich liebe ihn mehr und wenn mich wirklich liebt, dann verzichte ich auf ein Leben bei den Marines um ein neues Leben an seiner Seite zu führen." Harm hatte keinen Zweifel das es nicht so war. Er konnte die Überzeugung in ihrer Stimme hören. sie blickte ihn fragend an. "Glauben sie das es falsch von mir wäre? Würden sie genauso handeln?" Plötzlich schien sie sich nicht mehr so sicher. Harm schüttelte den Kopf. "Hören sie auf ihr Herz Sarah, es wird ihnen schon das richtige sagen und ja... " er schwenkte seinen Blick von ihr zu Mac. "ich würde ganz genauso handeln. Alleine schon weil mir Alaska einfach zu kalt ist."
"Was hat Alaska damit zu tun?"
"Der Admiral hat mir und Mac bereits mitgeteilt, das er eine weitere Beziehung zwischen zwei seiner Offizieren nicht dulden wird und deswegen mit einer Strafversetzung nach Alaska gedroht."
"Oh!"
"Ja, oh!" stimmte Harm ihr zu. "Aber harren wir der Dinge die kommen..."

"Welche Dinge sollen kommen?" unbemerkt waren der Admiral, Mac und Noah zu ihnen herüber gekommen und standen nun direkt neben ihnen. Mac sah ihn fragend an. "Schöne Dinge..." kam es unüberlegt über seine Lippen.
"Tatsächlich Commander? Was für schöne Dinge?" fragte nun der Admiral neugierig. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und wartete auf eine Antwort. Eine Antwort die Harm ihm nicht geben konnte. Mit hochgezogener Augenbraue musterte Chegwidden Harm. "Ich vermute sie sprechen von warmen Norwegerpullovern und Thermohosen" Die Anspielung war mehr als deutlich und Harm musste sichtbar schlucken.

Verzweifelte blickte er zu Mac. Warum half sie ihm nicht? Sonst legte sie doch auch ständig ein gutes Wort für ihn beim Admiral ein. Aber Mac schwieg dieses einmal. Es war als würde sie durch ihn durchblicken.
Plötzlich huschte ein Lächeln über Harms Gesicht. "Natürlich", sagte er laut, "das hier ist alles nur ein blöder Traum. Eine Sekunde noch und..."
"Eine Sekunde noch, COMMANDER RABB und sie würden sich wünschen es WÄRE ein Traum." schrie der Admiral aufgebracht. Harm ging automatisch ins Achtung. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet. Daher konnte er auch nicht sehen, wie Mac zu schmunzeln begann.

Der Admiral trat nun ganz dicht an Harm heran. "Commander Rabb, leider ereignen sich gerade wichtigere Dinge und ich habe keine Zeit mich mit ihrem sonderbaren Verhalten auseinander zusetzten. Aber sie das werde ich noch. Ich erwarte sie Montag morgen um 0800 in meinem Büro!"
"Aye, Aye Sir!" erwiderte Harm. Der Admiral nickte zufrieden. "Wenn das geklärt ist.. ich wünsch ihnen noch einen schönen Abend." Auf dem Absatz kehrt machen, ließ der Admiral zwei verdatterte und zwei schmunzelnde Offiziere zurück.

Sobald die Schritte des Admirals verklungen waren, stieß Harm die angehaltene Luft aus. "Eigentlich ist es doch Buds Part immer wieder ins Fettnäpfchen zu treten, aber ich habe die Befürchtung das ich ihn was das angeht noch einholen werden."
"Zumindest bist du nahe dran, Harm!" meinte Mac lachend. Harm zog eine Grimasse. "Sehr witzig Mac!"
"Ach komm schon, der Admiral hat sich bis jetzt immer noch beruhigt. Also denk nicht mehr dran." Sie knuffte ihn spielerisch in die Seite. "Der Colonel und ich haben uns überlegt, den Abend im "Letters" ausklingen zu lassen."
"Im Letters?" fragte Harm. Eigentlich war ihm gar nicht nach feiern zu Mute.
"Das Letters ist ein kleines gemütliches Tanzcafé. Sie spielen gute Musik..." mischte sich nun Sarah Donnelly ein, "Ach kommen sie schon, es wird bestimmt witzig!"

Harm ließ sich überreden und eine Stunde später saß er mit Mac zusammen an einem Tisch. Sie starrten beide schweigend zu Sarah Donnelly und Noah Sandfort, die sich im Takt der Musik über die Tanzfläche bewegten. Harm hört Mac seufzen und wand seinen Blick ab.
"Alles in Ordnung?" Ohne ihren Blick von dem Paar auf der Tanzfläche abzuwenden nickte sie.
"Was siehst du Mac?" fragte Harm um das Schweigen zwischen ihnen beiden zu brechen.
Mac beugte sich ein bisschen zu ihm rüber. "Ich sehe zwei Marines, einen weiblichen und ein männlichen die beide miteinander tanzen!" antwortete sie leise. "Was siehst du?"
Harm überlegte eine halbe Ewigkeit bis er schließlich sagte: "Ich sehe einen Mann und eine Frau die genauso sind wie wir beide..." Mac sah ihm fragend in die Augen. "Warum sollten die beiden so seinen wie wir?" Harm lenkte seinen Blick von dem Paar auf Mac. Einen langen Moment blickte er ihr schweigend in die Augen, dann wanderte sein Blick wieder zu den beiden auf der Tanzfläche. Die Musik war ruhiger geworden, und sie wiegten sich nur noch langsam hin und her. Mac wiederholte ihre Frage: "Warum sind die beiden wie wir?"

"Weil sie genauso unfähig sind!" Harm merkte das Mac protestieren wollte. Aber noch bevor sie ansetzten konnte, hob er seine Hand. "Du hast recht und ich korrigiere mich. Ich sehe einen Mann der genauso ist wie ich. Genauso unfähig seine Gedanken auszusprechen."
"Und woher weißt du das er unfähig ist? Woher willst du wissen was er denkt?" fragte Mac ihn. "Was glaubst du kann er nicht sagen?"
"Er kann nicht sagen das er Angst hat!"
"Angst?"
"Angst wovor Harm? Er ist ein Marine, ich glaube kaum das dieser Mann Angst hat!"
"Oh doch Mac", sagte Harm. Seine Stimme war fast nur noch ein Flüstern. "Er hat Angst zu seinen Gefühlen zu stehen. Tief in seinem Inneren hat er nur einen Wunsch und seine Angst hindert ihn daran sich diesen Wunsch zu erfüllen. Dabei wünscht er es sich doch so sehr."
Für einen kleinen Augenblick schloss Harm seine Augen. Er musste sich selbst Mut machen. Als er sie wieder öffnete sah er direkt in Macs Augen.

"Harm, wenn es sein sehnlichster Wunsch ist, wie du glaubst..."
"Ich weiß es" unterbrach sie.
"Wenn du weißt das es sein sehnlichster Wunsch ist, warum erfüllt er sich diesen Wunsch nicht? Es liegt doch anscheinend in seiner Hand."
"Ich weiß es nicht!" beantwortete Harm ihre Frage ehrlich. Es war ihm auch egal. Jetzt in diesem Moment ging es sowieso nicht mehr um den Colonel oder den Major.
"Wenn er sich seinen Wunsch nicht erfüllt was wird er dann tun?"
Harm seufzte leise. "Ich weiß nicht was der Mann dort drüber tun wird, aber ich..." Er schluckte. "Aber ich würde mir meinen Wunsch erfüllen."

Ihre Gesichter waren nur noch Zentimeter von einander entfernt. "Ich werde mir meinen Wunsch erfüllen!"
"Welchen Wunsch?" fragte Mac atemlos.
"Ich werde die Frau..." er stockte. Keiner von beiden wagte es zu Atmen. "Ich werde die Frau, die mir mehr wert ist als alles andere küssen. Bis sie..." Er sprach nicht weiter. Seine Lippen berührten ihre hauchzart. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. "Sarah" flüsterte er und dann küsste er sie. Es war ein leichter, unsicherer Kuss aber ihn diesem Kuss lag all seine Liebe.
"Oh Sarah!" stieß er immer wieder hervor. Sein Herz drohte zu zerspringen, so schnell schlug es in seiner Brust. "Sarah, meine Sarah. Ich weiß nicht... ich weiß nicht wann es angefangen hat" Immer wieder küsste er sie. "Plötzlich war es da, dieses Gefühl..." Seine Hände zerzausten ihr Haar, indem sie immer hindurch fuhren. "Dieses Gefühl."
"Welches Gefühl, Harm?" Ihre Stimme war belegt.

"Dich zu lieben!" Endlich hatte er es gesagt! Er hielt inne. Betrachtete lange Moment ihr Gesicht, um ihre Reaktion darauf wahrzunehmen. Aber sie blickte ihn nur schweigend an. Nichts konnte er erkennen. "Oh Sarah, ich weiß wirklich nicht wann es angefangen hat, aber glaube mir ich weiß das meine Liebe mit jedem Tag stärker wird. Mit jedem Tag!" Seine Hände umfingen ihr Gesicht. Er zitterte. Er hatte Angst. Was war wenn sie jetzt die Worte sagte, die er zu hören nicht verkraften würde?
"Du liebst mich?" Er hielt ihrem fragendem Blick stand.
"Ja, ich liebe Dich Sarah MacKenzie. Ich will mit dir zusammen sein, mit dir leben. Ich will Kinder mit Dir.... Ich will..." Wieder schluckte er. Zärtlich blickte er in ihre geliebten Augen. "ich wünsche mir nichts mehr als dich zu meiner Frau zu machen!" Mac schwieg. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. "Bitte Sarah sag irgendetwas!" Die Angst in ihm wurde stärker. "Es tut mir leid!"

"Was tut Dir leid?"
"Das ich dich gefragt habe meine Frau zu werden!" antwortete er. Der Kloß in seinem Hals verzerrte seine Stimme.
"Mir tut es auch leid." sagte sie leise. Für Harm brach eine Welt zusammen, er wollte aufstehen und weglaufen. Aber Mac legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Es tut mir leid, das du mich nicht schon viel früher gefragt hast..." sagte sie mit einem Lächeln, das Harm niemals wieder vergessen würde. "Du hättest mich das gestern fragen können..." Sie strich sanft über seinen Kinn. "Du hättest es mich zu jeder Zeit fragen können. Meine Antwort wäre immer dieselbe gewesen."

"Welche?" Harm spürte wie ihm Tränen über die Wangen liefen. Aber er schämte sich dessen nicht. Es war ihm egal was die anderen von ihm dachten, nur Mac zählte.
"Ich hätte und ich werde mit..." Sie unterbrach sich um ihm zärtlich zu küssen. "JA, antworten, wie könnte ich dir auch eine andere Antwort geben." Harm konnte nicht mehr sprechen. Seine Kehle war wie zu geschnürt. Er traute seinen Ohren nicht.
"Harmon Rabb jr. ich will Dich heiraten, weil du der einzige Mann bist den ich liebe. DU bist der einzige den ich lieben kann und will."

Nun liefen Harm noch mehr Tränen übers Gesicht. Er spürte ihren salzigen Geschmack auf seinen Lippen.
Er war Außerstande etwas zu sagen, außer: "Ich liebe Dich!"
"Und ich liebe Dich!"
Sie küssten sich leidenschaftlich und keiner wollte das dieser Kuss jemals endete. Es war beiden egal was es für Konsequenzen mit sich zog. Darüber würden sie sich später Gedanken machen. Jetzt zählte nur, das sie beide zusammen waren.

Über die Konsequenzen werden wir uns wohl alle erst in Part II auseinandersetzen...


ENDE


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
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