Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#1 von Evi , 21.01.2014 11:24

AN Januar 2014: Das Wichtigste vorweg: Das ist keine neue FF von mir!!! Die kommt noch ... und damit ist nicht das „Norfolk-Häppchen“ gemeint!

Zum Adventskalender 2012 gab es diese FF in einzelnen (Türchen-)Häppchen; das hier ist jetzt die Zusammenfassung aller Teile zu einer FF (bei mir sind es gut 470 WORD-Seiten... ).

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AUTOR: Evi

RATING: PG (hin und wieder gibt es allerdings ein paar Kraftausdrücke bzw. „intimere“ Gedanken )

DISCLAIMER: Alle JAG-Charaktere sowie die Serie „JAG“ selbst gehören Donald P. Bellisario, CBS und PARAMOUNT.


Summary: Ein „Adventskalender“ der etwas anderen Art...

Original-AN (von 2012): Das ist das Ergebnis des „Türchen-Streits“ von Anfang Januar 2012 (nachzulesen ganz am Anfang des Neujahrsstübchens 2012). Es wird aber NICHT jeden Tag was zu lesen geben; der Rest der „Kalender-Füllerei“ ist/war Petras Job... Lasst euch einfach überraschen, was sich hinter den Türchen verbirgt...

Ich bin kein Jurist, darum ist alles, was den vorkommenden Fall betrifft, rechtlich nicht geprüft, vermutlich nicht korrekt und somit ohne Gewähr... so wahr mir Gott helfe. Wobei ich die Hilfe von Harm vorziehe...

„Ende der FF“ (oder so etwas in der Art) wird erst ganz am Schluss der kompletten Geschichte stehen. Die Tage sind in sich abgeschlossen (Post-Ende = Tag-Ende), auch wenn das jeweilige (Tages-)Ende vielleicht ein wenig abrupt kommen sollte.

Das Ganze fällt stellenweise vielleicht ein bisschen kitschig aus, aber... hey, es ist Weihnachten!

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Montag, 01. Dezember
07:22 Uhr Ortszeit
Harms Appartement, Washington, DC


Grinsend legte Harm das flache, aber relativ große Geschenkpäckchen in seinen Aktenkoffer. <Mal sehen, was sie dazu sagt.> Schließlich liebte Sarah MacKenzie Schokolade – in allen Variationen.

Beschwingten Schrittes verließ er das Haus und fuhr los. Gut 35 Minuten später bog er auf den Parkplatz des JAG-Hauptquartiers in Falls Church und parkte seinen Lexus neben Macs roter Corvette. <Da ist sie also schon mal.> Sein Puls beschleunigte sich.

Im Bullpen angekommen warf er als erstes einen Blick in ihr Büro. Es war leer, aber das Licht war an, und ihr Schiffchen lag an seinem gewohnten Platz. Verstohlen sah er sich um und betrat dann den Raum. Rasch holte er das Päckchen aus seinem Koffer, legte es mitten auf ihren Schreibtisch und begab sich dann in sein eigenes Büro.

Dort startete er seinen Computer und nutzte die übliche Wartezeit, um sich einen Becher Kaffee zu holen. In der Küche traf er auf Bud und Harriet.

„Morgen, Lieutenants.“ grüßte er und schlenderte zur Kaffeemaschine. „Wie war Ihr Wochenende?“

„Guten Morgen, Sir.“ kam die synchrone Antwort der beiden. Dann redete Bud weiter. „Danke, gut, Commander. Wir haben das Haus dekoriert.“

Harm nickte. Das Haus der Roberts war in der Weihnachtszeit eine wahre Augenweide und konnte es fast mit jedem Christmas-Shop aufnehmen. „Was machen die Kinder?“

„AJ konnte es heute Morgen kaum erwarten, sein Türchen am Adventskalender zu öffnen.“ lachte Harriet.

Neugierig sah Harm die blonde Frau an. „Türchen?“

„Sie kennen doch einen Adventskalender, Sir?“

„Ja.“

„AJ hat einen, der mit Schokolade gefüllt ist.“

„Oh.“ machte Harm. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln umspielte seine Lippen. Er goss sich Kaffee in seinen Becher und schnupperte an dem dunklen Gebräu. Missbilligend zog er die Nase kraus. „Ist der etwa von Mac?“

„Nein, Commander, der ist von mir.“ ertönte es schroff hinter ihm.

Erschrocken fuhr der Ex-Pilot herum und stand Auge in Auge mit seinem CO. „Äh... guten Morgen, Admiral.“ brachte er geistesgegenwärtig hervor, als er stramm stand – mit dem Kaffeebecher vor der Brust.

„Stehen Sie bequem, alle drei.“ Chegwidden winkte lässig in die Runde. „Stimmt was nicht mit meinem Kaffee, Mr. Rabb?“ Unschuldig schaute er von einem zum anderen.

<Mr. Rabb... oh, oh, das klingt gar nicht gut.> Harm jedoch wollte sich seine gute Laune nicht vom Admiral verderben lassen. „Uhm... alles okay... Sir.“ Er schaute auf das dunkle Getränk und holte tief Luft. „Es ist nur...“ Er hob den Kopf und sah den Ex-SEAL an. „Ich bin anscheinend den guten, alten Navy-Kaffee nicht mehr gewöhnt.“ Ein zaghaftes Grinsen folgte seinen Worten.

Die Roberts sahen sich verstohlen an und kniffen die Lippen zusammen. Schließlich war der Kaffee, den Colonel MacKenzie normalerweise kochte, keinen Deut besser als der des Admirals.

Chegwidden musterte seine Untergebenen genau. „Vielleicht sollte ich häufiger Kaffee kochen, Leute. Die Marines übernehmen mir hier zu sehr das Kaffee-Kommando. Höchste Zeit, dass die Navy wieder ans Ruder kommt.“ Beschwingten Schrittes und mit einem breiten Grinsen im Gesicht verließ er dann die Küche.

Ein Prusten weckte Harm aus seiner Starre. Neugierig sah er Bud an, der sich kaum noch beherrschen konnte. „Bud, was ist?“

„Ahm... sorry, Sir... aber...“ Schließlich kicherte er hemmungslos. „Hi, hi, hi... das... Sir, Sie hätten sein... uuuh... sein Gesicht sehen sollen... ha, ha, ha... Ka... Ka... Kaffee-Kommando... hi, hi, hi.“

„BUD J. ROBERTS! Benimm dich!“ zischte Harriet und knuffte ihren Mann in die Seite. „Wir haben zu tun, Mister.“ Damit schob sie ihn zur Tür hinaus.

„Kaffee-Kommando...“ Harm seufzte leise. „Und das am frühen Montagmorgen... oh Mann...“ Kopfschüttelnd ging auch er zurück in sein Büro.

Obwohl er bezüglich Macs Reaktion auf sein Geschenk vor Neugier fast platzte, machte er sich an die Arbeit mit einem seiner aktuellen Fälle. Dieser raubte ihm schon seit einigen Tagen den letzten Nerv. Irgendwie kam er nicht richtig voran damit.

Der heutige Vormittag sollte keine Ausnahme sein. Schon bald schweiften seine Gedanken ab. Zuerst zu Sarah MacKenzie und ihrer möglichen Reaktion... und dann zum vergangenen Wochenende, das er aufgrund „widriger Umstände“ weitestgehend im Bett verbracht hatte.


~~~ RÜCKBLENDE ~~~

Freitag, 28. November, 23:20 Ortszeit
McMurphy’s Pub, Washington DC

„Rabb, wir müssen uns etwas einfallen lassen.“

Harm nippte an seinem inzwischen fünften Bier. Er spürte bereits die Auswirkungen der ersten vier, aber sein alter Freund Keeter war in Washington, da war „Boys-Abend“ angesagt. Nun saßen sie gemeinsam im Stamm-Pub der JAG-Crew und unterhielten sich über alte Zeiten.

Er starrte seinen Freund an. „Wofür?“

„Du machst keinerlei Fortschritte mit Mac.“ Der blonde Pilot grinste breit. „Also müssen wir einen Plan entwerfen. Du liebst sie doch noch, oder?“

Harm war diese Fragen leid. „Jaaack!“

„Hey, du liebst sie... sie liebt dich... worauf wartet ihr?“

„Mac liebt mich NICHT.“ brummte er.

„Aber DU liebst sie.“ beharrte Jack Keeter fest.

Harm sah seinen alten Kameraden nur vielsagend an. Jack war der Einzige, dem er jemals von seinen Gefühlen für seine Kollegin erzählt hatte – außer seinem Dad natürlich. Es war ein ähnlicher Abend wie heute gewesen; Bier und später dann Whisky waren in Strömen geflossen.

„Guck mich nicht so an; ich kann nichts dafür, dass du dir damals die Hucke vollgesoffen und mir die Ohren zugequasselt hast.“

„JACK!“ Harm wollte keinesfalls an diesen Abend erinnert werden. Jack hatte ihn am nächsten Tag darüber aufklären müssen, was er alles preisgegeben hatte.

„Hey, schon gut.“ Keeter legte den Kopf schief. „Aber du liebst sie noch?“

Ein mürrisches „Hmpf!“ antwortete ihm.

„Siehst du. Und da DU nicht zu Potte kommst, muss der gute, alte Jack dir bzw. euch auf die Sprünge helfen.“

„Keeeter...“

Jack überging den Protest einfach. „Lass uns eine Wette abschließen, Harm.“ Er reichte dem Ex-Piloten die Hand.

Dieser runzelte die Stirn. „Wie bitte?“

„Bis Weihnachten bist du mit Mac zusammen.“ Ein sehr breites Flyboy-Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des blonden Mannes aus.

Mit einem Zug leerte Harm sein Glas. „Du spinnst!“

„Du hast vier Wochen Zeit, Buddy. Am 25. Dezember bist du mit ihr zusammen. Ein Heiratsantrag ist nicht notwendig.“

Harm schüttelte den Kopf. „Niemals!“ Sein Blickfeld drehte sich leicht. Mit zusammengezogenen Brauen sah er Jack an. „Ist dir das Bier zu Kopf gestiegen, Mann?“

„Nope.“ Jack hatte immerhin zwei Bier weniger getrunken als Harm. „Los, komm schon. Schlag ein.“ Er hielt ihm immer noch eine Hand hin, während er mit der anderen nach einem weiteren Bier für beide winkte.

„Nein!“

„Warum nicht?“

„Ich mach mich doch nicht zum Affen, Jack.“ Er griff nach dem neuen Glas und nahm einen großen Schluck. „Aaah, tut das gut...“

Jack grinste in sich hinein. Sein Freund war längst nicht mehr nüchtern, was schon zu Academy-Zeiten immer wieder eine gute Gelegenheit für eine verrückte Wette gewesen war. „Was ist denn dabei? Ist doch nur eine Wette.“

„Nur eine Wette... ja klar.“

„Jupp. Ich wette, dass du es bis spätestens 25. Dezember geschafft hast, Mac deine Liebe zu gestehen UND mit ihr zusammen bist.“

„Und ich soll dagegen wetten?“ Harm sah seinen Freund misstrauisch an.

Jack nickte lachend. „Das dürfte doch kein Problem für dich sein. Schließlich betonst du doch immer, dass ihr nur gute Freunde seid.“

„Sind wir ja auch. Was muss der Verlierer machen?“

„Da lasse ich mir noch was einfallen.“

„So wie damals?“ Nun grinste Harm breit.

Jack wurde rot. „Na ja... so ungefähr...“ Schließlich war ER derjenige gewesen, der seinerzeit in der Uniform eines weiblichen Midshipmans zum Morgenappell hatte antreten müssen. Der ganze Jahrgang hatte über ihn gelacht, als er in Rock, Bluse und Mütze in der ersten Reihe gestanden hatte. Ihr Ausbilder war hingegen nicht so humorvoll gewesen und hatte ihm vier Wochen verschärften Wochenend-Dienst aufgebrummt.

„Das mit der Uniform kannst du inzwischen vergessen.“ Harms Blick glitt über die stämmige Figur seines Freundes.

„Mir fällt schon was ein, was für alle Beteiligten von Vorteil ist.“ Jack legte erneut den Kopf schief. „Also, was ist?“

„Nope.“

„Spielverderber.“

„Nah, nur Realist, Jack. Mit so was macht man keine Wetten.“

„Feigling.“ lächelte Jack süffisant. Schließlich wusste er, wo sein Freund am ehesten zu treffen war: Bei seiner Ehre.

DAS war ein Wort, das Harmon Rabb Jr., stolzer Commander der US-Navy, nicht auf sich sitzen lassen konnte. „Jaaack...“ knurrte er. Zudem kratzte dieses Wort im Zusammenhang mit einem weiblichen Wesen gehörig an seinem Selbstverständnis als Mann.

„Ich geb erst dann auf, wenn du einschlägst.“ Keeter kannte seinen alten Kumpel gut genug, um zu wissen, wie weit er gehen konnte.

„Wie stellst du dir das überhaupt vor? Soll ich morgen zu ihr fahren und ihr einen Antrag machen?“ schnaubte Harm. „Dann komme ich im Leichensack aus ihrem Appartement.“

„Blödsinn!“ lachte Jack. „Wie gesagt, ein Antrag ist NICHT vonnöten. Entfalte deinen Rabb-Charme. Flirten wirst du doch noch können.“

„Mac flirtet nicht mit mir.“

<Wer’s glaubt...> „Dann leg dich halt besonders ins Zeug. Es geht schließlich um die Frau, die du liebst. Nicht um Spaß für eine Nacht.“

„Jack, sie ist immun gegen meinen Charme.“

„Hast du es versucht?“

„Na ja... hin und wieder...“ Der Ex-Pilot zuckte mit den Schultern. „Ein bisschen zumindest...“

„Gütiger Himmel!“ Keeter verdrehte die Augen. „Du brauchst Frauen nur anzugucken, und sie liegen dir zu Füßen. Ich weiß, WIE charmant du sein kannst, wenn du willst und ein Ziel vor Augen hast. Jetzt heißt dein Ziel „Sarah MacKenzie“. Geht das nicht in deinen Dickschädel?“ Er leerte sein Glas in einem Zug und winkte nach der Bedienung, bei der er dann zwei doppelte Whiskys bestellte.

„Jack, es reicht langsam.“

„Bei so viel Rabb’scher Verbohrtheit brauche ich jetzt was Stärkeres.“

„Ich meinte nicht den Alkohol. Und das weißt du ganz genau.“ Kaum stand das Glas vor ihm, kippte er allerdings den Inhalt in einem Zug hinunter.

Keeter beäugte ihn über den Rand seines Glases. „Schlag ein, und ich lasse dich in Ruhe.“

Es musste an seinem deutlich erhöhten Blutalkoholspiegel liegen oder an Keeters nervender Beharrlichkeit – vermutlich aber an beidem –, dass der dunkelhaarige Mann schließlich laut seufzte und seinem Freund wortlos die Hand reichte.

Lachend ergriff Jack diese und schüttelte sie heftig. „Ich kenne dich zu gut, mein Junge.“

„Ja, ja, schon gut.“ Harm winkte ab. Er war froh, dass Jack nun Ruhe gab. Über die Konsequenzen war er sich allerdings noch nicht im Klaren.

„War doch gar nicht so schwer, oder?“

„Ha, ha.“

„Nun zu den Bedingungen: Ich habe gewonnen, wenn du mir am 25. Dezember wahrheitsgemäß berichten kannst, du bist richtig mit Mac zusammen. Sollte das nicht der Fall sein – du also weiterhin Single sein –, hast du gewonnen. Den Wetteinsatz überleg ich mir noch.“

„Betrachte dich schon jetzt als Verlierer.“

„So schnell geb ich nicht auf.“

„Jack, sie ist anders als normale Frauen, das kannst du mir glauben.“

Keeter grinste breit. „Das ist ja gerade einer der Gründe, warum sie dich verzaubert hat.“

„JACK!“ rief Harm lauter als gewollt, worauf sich etliche Köpfe zu ihnen drehten.

„Hey, du brauchst es nicht aller Welt kundtun – jedenfalls noch nicht.“ Er gab seinem Freund einen Klaps auf die Schulter.

Dieser legte den Kopf in beide Hände. „Gott, steh mir bei.“

„Du brauchst nicht den lieben Gott, ein anständiger Whisky tut’s auch.“ Grinsend orderte Jack noch zwei Gläser.

Der Ex-Pilot blickte ihn an. „Ich muss wohl schon sehr besoffen sein, wenn ich mich auf so eine Wette einlasse, also...“

„Eben das muss anständig begossen werden.“ Jack hob sein Glas. „Nach Männer-Art.“

Auch Harm hob sein Glas. „DIESEN Abend werde ich noch bereuen.“ Er kippte den Inhalt in einem Zug hinunter.

„Morgen bestimmt, Buddy. Aber den Rest deines Lebens wirst du mir dankbar sein.“

„Vielleicht... WENN ich diesen Schwachsinn überlebe...“

„Du hast noch genügend Zeit, dir eine geeignete und vor allem für dich ungefährliche Strategie auszudenken.“

Harm winkte erneut nach der Kellnerin. „Noch zwei davon.“ Er deutete auf sein Glas.

„Haaarm...“

„Nope, Kumpel.“ Er sah Jack an. „Du selbst hast eben gesagt, das muss nach Männer-Art begossen werden. Und solange ich noch ein Mann bin...“

Der blonde Mann lachte laut. „Hey, sie wird dich bestimmt nicht ka...“

„JACK!“ unterbrach Harm ihn erbost.

„Langsam, Buddy, langsam.“ Keeter blickte sich verstohlen um. Einige Leute sahen nun sehr interessiert zu ihnen.

Harm warf den anderen Gästen ein entwaffnendes Grinsen zu, was zum wiederholten Male wirkte.

Jack schüttelte den Kopf. „Meinst du nicht, du hast genug?“ Er deutete auf die leeren Gläser.

„Nope.“ Der dunkelhaarige Mann grinste seinen Freund an, nun schon reichlich beduselt. „Wer weiß, wann ich das nächste Mal so viel trinken kann, wie ich will?“

Der blonde Mann lachte. „An deinem Junggesellen-Abend.“

„Jetzt verheiratest du mich auch schon.“ Harm schnaubte mürrisch. „Ich hab noch nicht mal ne Frau, und du... du denkst bereits an eine Hochzeit.“

„Die wird schon noch kommen. Eine Frau hast du auch. Und dann...“

„Ich habe keine Frau!“ protestierte Harm.

Jack lachte nur. „NOCH nicht. Aber...“

„Komm mir nicht wieder mit Mac.“

„Alles nur eine Frage der Zeit, Harm. Denk dran, am 25. Dezember will ich eine positive Antwort hören. Und wenn ihr euch dann endlich getraut habt, wird es Zeit für die Babys...“

Harm sah seinen Freund mit großen Augen an. „Babys?“

„Jupp, Babys. Kleine Krachmacher und Hosenscheißer.“ Jack lachte erneut. „Aber unheimlich süß.“

„Was weißt du als Nicht-Vater schon von Babys? Mac und ich... wir haben immerhin unsere Patenkinder.“

„Na, dann seid ihr ja vorbereitet.“

„Weich mir nicht aus, Freund.“ Harm bestellte noch zwei Gläser. „Woher weißt du...“

„Meine Schwester Gina. Sie versorgt mich regelmäßig mit allen Infos über ihre Brut. Und als Babysitter tauge ich auch ganz leidlich.“

„Gina...“ Harm kippte sein Glas hinunter und betrachtete es mit einem verträumten Ausdruck im Gesicht. „Ist sie immer noch so hübsch?“

Keeter wurde misstrauisch. „Was soll das heißen, Rabb?“

„Nichts.“ Harm grinste nun ziemlich dämlich.

„Hattest du etwa mal was mit ihr?“

„Nope.“ Er sah Jack treuherzig an und legte die Hand auf die Brust. „Ehrenwort.“ Wie zum Schwur hob er zusätzlich drei Finger. „Aber ich fand sie immer ziemlich niedlich...“

„Harm, sie ist 7 Jahre jünger als wir.“

„Deshalb war sie ja auch so süß.“

„Jetzt ist sie nicht mehr süß, Kumpel.“

„Warum?“ Vor Harms geistigem Auge tauchte eine verhärmt aussehende dicke Frau auf.

Keeter lachte ob Harms entsetzter Miene. „Sie ist eine erwachsene Frau mit Familie. Steht ihr übrigens mehr als gut und macht sie von Jahr zu Jahr hübscher.“ Deutlich hörte man den Stolz des älteren Bruders heraus.

„Grüß sie mal von mir.“

„Mach ich. Aber nun sollten wir wirklich Schluss für heute machen.“

„Warum? Ich für meinen Teil bin gerade auf den Geschmack gekommen.“ Harm winkte nach der Bedienung. „Joanna, bringen Sie uns doch bitte die ganze Flasche.“

„Commander, ich weiß nicht...“

„Joanna...“ Harm blickte ihr tief in die Augen. „Ich bin weder in Uniform noch ist es mitten in der Woche. Also ist es „Harm“, und ich kann trinken, soviel ich will.“ Ein breites Flyboy-Grinsen folgte.

„Wie Sie meinen, HARM.“ Sie verschwand Richtung Tresen und kam kurze Zeit später mit der angebrochenen Flasche Whisky zurück. „Bitte sehr.“

Harm strahlte. „Danke.“ Er schenkte sich ein Glas ein. „Du auch?“

„Nah, später vielleicht.“ Jack schüttelte den Kopf.

Der dunkelhaarige Mann leerte das Glas in einem Zug und schenkte sich nach. „Hast keinen Mumm mehr, was?“

„Rabb, du bist besoffen.“

„Na und?“ Erneut grinste Harm. „Den Brummschädel werd ich überleben, die Wette jedoch... da bin ich mir nicht so sicher.“

Keeter rollte mit den Augen. „Auch die wirst du überleben.“

„Vielleicht sollte ich Mac gleich fragen?“ Er starrte ins Leere.

„HEUTE ABEND noch?“

„Jupp.“ nickte Harm und leerte das Glas. „Solange ich noch genügend Mut hab.“

„DAS allerdings wäre wirklich Selbstmord, Buddy.“ Jack griff nach der fast leeren Flasche und schenkte sich ein. „Volltrunken und mit einer Fahne so groß wie Virginia bei einer Ex-Alkoholikerin auftauchen... seeehr rücksichtsvoll.“

„Ich muss sie ja nicht gleisch küschen.“ Harms Aussprache wurde undeutlich.

„Bist du so blöd oder tust du nur so?“

„Jaaack...“ Er glotzte seinen blonden Freund an.

Der schnaubte verächtlich. „Willst du bei ihr klingeln, ihr zwischen Tür und Angel sagen „Hey, Mac, ich liebe dich.“ und dann wieder verschwinden?“

„Warum nicht?“ Harm zuckte mit den Schultern.

„Du bist wirklich nicht mehr bei Trost.“ Jack schnappte sich die Flasche, als Harm sich erneut einschenken wollte. „Schluss jetzt.“

„Hey, da ist noch mindeschtensch ein Glasch drin!“

„Mag ja sein, aber DU hast genug.“

Harm schüttelte den Kopf. „Nope.“ Es gelang ihm, Keeter die Flasche wegzunehmen und sich ein Glas einzuschenken, das er sogleich hinunterkippte. „Wunderbar!“ Inzwischen fühlte er sich leicht und sorgenfrei und unangreifbar. Und bereit, dem Marine Sarah MacKenzie entgegenzutreten.

Er rutschte vom Stuhl. „Komm, l... lass uns gehen, Dschäck...“ Als er sich umdrehen wollte, schwankte er leicht.

„Langsam, Buddy, langsam.“ Jack hielt ihn fest. „Joanna, rufen Sie uns bitte ein Taxi?“ Er lächelte die Kellnerin an.

Diese schmunzelte und griff nach dem Telefon. „Geht klar, Jack.“

„Dschäck... kommschu mit schu Mac?“

„Wir gehen nirgendwohin. Nur zu dir nach Hause. Du bist sturzbesoffen, Harm.“

„Nah... mir geht esch wunderbar. Isch will schu Mac... dann schage isch ihr...“ Harm machte eine kleine Pause. „Ja, wasch... wasch schage isch ihr eigentlisch?“ Er sah seinem Freund tief in die Augen. „Isch liebe disch...“

Wider Willen musste Jack Keeter lachen. „Das sollst du IHR sagen, nicht mir.“

„Wasch?“

„Du sollst Mac sagen, dass du sie liebst.“

„Dasch tu isch doch.“

„ICH weiß, dass du sie liebst. SIE weiß es nicht. NOCH nicht.“

„Dann lasch unsch zu ihr fahren. Isch schag esch ihr, und dann bringscht du misch heim.“ Ein ziemlich breites und selbstzufriedenes (und äußerst dämliches) Grinsen folgte Harms Worten.

„Oh Mann...“ seufzte Keeter. So betrunken hatte er Harm seit Jahren nicht mehr erlebt. Daher war er froh, als die Tür aufging und ein Mann „Wer hier will ein Taxi?“ rief. Er hob den Arm. „Hier!“

„Nischscho laut, Dschäck...“

Jack warf ein paar Dollar-Noten auf den Tisch, bevor er seinen Fliegerkameraden packte und ihm half, zur Tür zu gehen. „Unser Taxi ist da.“

„Takschi?“

„Ja, Taxi. Das bringt uns nach Hause, da kannst du deinen Rausch ausschlafen.“

„Ssslafen... sssööön...“

Es dauerte ein paar Minuten, bis beide Männer im Wagen saßen.

„Wehe, Ihr Freund kotzt mir das Taxi voll!“ blaffte der Fahrer.

„Keine Sorge. Zur Not setzen Sie es mit auf die Rechnung.“ Er nannte dem Chauffeur Harms Adresse.

Gut 20 Minuten später hielten sie vor Harms Appartementhaus.

Jack bat den Fahrer, auf ihn zu warten, auch wenn es länger dauern würde. Dann zog er seinen Freund aus dem Taxi. „Gott, Rabb, bist du schwer geworden.“

„Isch fühl misch aber... hicks... gansch leischt...“ Harm stützte sich auf Keeter, der ihn mehr oder weniger zur Haustür schleifte.

„Das glaub ich dir sogar.“ Auch wenn Jack selbst nicht mehr nüchtern war, ganz so viel wie sein Flieger-Freund hatte er nun doch nicht getrunken. „Gib mir den Schlüssel.“

Als Antwort bekam er erst mal ein Rülpsen. „In mei... meiner Ta... Tasche...“

Der blonde Mann durchsuchte die Taschen von Harms Lederjacke, jedoch ohne Erfolg. Ohne sich weiter um den großen Ex-Piloten zu kümmern, tastete er dessen Jeans ab und grinste triumphierend, als er den Schlüssel in einer Hosentasche fühlte. Er schob seine Hand hinein.

„Hey! Lasch dasch.“ lallte Harm. „Isch geh... ahm... geh dir auch nischt in... in die Hooosche.“

„Du bist doch gar nicht mehr in der Lage, deinen Schlüssel zu finden.“

„Hab doch geschagt... inner Tasche...“

„Aber nicht, in welcher.“ Jack griff erneut beherzt zu und öffnete dann die Haustür. „Bei Mac würdest du garantiert nicht so ein Theater machen.“ Er schob Harm zum Aufzug, der glücklicherweise da war.

„Mhm... Mmmaaac... schaaa...“ Der Ex-Pilot lehnte sich im Aufzug gegen die Wand. „Dasch wär schetzt wasch... Scharah Mac... MacKenschie in meiner Hooosche... wow...“

„Sie ist aber nicht hier. Außerdem seid ihr doch nur Freunde.“ Keeter schüttelte den Kopf. „Au!“ bereute er sofort.

„Ha, ha... hicks...“ Der Rülpser war dieses Mal wesentlich lauter und klang eigentümlich.

Jack beeilte sich, seinen Freund in dessen Appartement zu bringen. „Rabb, kotz ja nicht den Flur voll.“

„Isch musch nischt...“ Harm begann zu würgen.

Ohne viel Federlesen schob Keeter ihn weiter ins Bad. Wie sich zeigte, keine Minute zu früh.

„Dschäääck... mir... oooh Gott... isch mir schlescht...“ stöhnte Harm, als sein Magen leer war.

„Ich ahne es...“ Der blonde Pilot säuberte seinen Freund und schob ihn dann ins Schlafzimmer, wo er ihn bis auf Boxerbriefs und T-Shirt auszog. „Kommst du allein zurecht?“

„Schaaa...“ Mit glasigen Augen blickte Harm Keeter an.

„Sicher? Ich kann auch hier bleiben...“

„Naaah... esch... esch geht schon...“ Er rülpste erneut.

Skeptisch betrachtete Jack das Häufchen Elend. „Ich ruf dich morgen an.“

„’Kay.“ Harm war schon fast eingeschlafen.

Nach einem letzten Blick auf seinen Freund verließ Jack Keeter das Appartement.

~~~ GEGENWART ~~~


„Gott, warum hab ich mich nur DARAUF eingelassen?“ stöhnte er frustriert und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Nicht dass er „seinen“ Marine nicht liebte, da hatte Jack vollkommen Recht. Nur hatte er bisher nicht den Mut gehabt, es ihr zu sagen.

Und nun hatte Jack ihn bei seiner Ehre gepackt. Vielleicht hatte aber auch nur ein „kleiner“ Schubs in die richtige Richtung gefehlt, um ihn aktiv werden zu lassen und sich ernsthaft um Sarah MacKenzie zu bemühen, wie sich ein Mann nun mal um die Frau bemühen sollte, die er liebt.

Ein Klopfen an der Tür holte ihn in die Gegenwart zurück. „Herein.“ rief er, ohne jedoch sofort den Kopf zu heben.

„Guten Morgen, Seemann.“ begrüßte ihn das „Objekt seiner Begierde“.

„Mac!“ Er grinste breit. „Guten Morgen auch noch.“

Sie schlenderte in sein Büro und setzte sich. „Darf ich?“

„Du sitzt ja schon.“ lachte er. „Aber fühl dich ganz wie zu Hause.“

„Danke übrigens für das Päckchen.“ Sie lächelte sanft.

„Päckchen?“ echote er und versuchte, möglichst unschuldig zu gucken. Ihr Lächeln verzauberte ihn wie immer.

Kurz flackerte Unsicherheit in ihren Augen auf, aber sie kannte Harm gut genug und deutete sein kaum wahrnehmbares Schmunzeln richtig. <Na warte...> „Ja, irgendein netter Kollege hat mir heute Morgen ein Päckchen auf den Schreibtisch gelegt.“

„Was war drin?“

Ihre Augen leuchteten auf. „Ein Adventskalender... gefüllt mit Schoookooolaaade.“ Sie ließ das Wort genüsslich auf der Zunge zergehen.

„War ein Name dabei?“

„Nope.“

Mit nunmehr großen Augen sah er sie an. „Hast du etwa einen heimlichen Verehrer, von dem ich nichts weiß?“ Harm schaffte es sogar, seine Stimme mit einer Prise Eifersucht zu „würzen“. 100% sicher war er sich schließlich nicht, ob sie nicht doch noch einen anderen Verehrer hatte.

<Es wirkt...> Sie musste sich auf die Zunge beißen, um nicht laut loszulachen. <Harm würde es freiwillig NIE zugeben, aber anscheinend ist er eifersüchtig.>

„Ich weiß nicht... vielleicht einer von den neuen Anwälten oben.“ erwiderte sie in einem Tonfall, als wäre das Ganze eine äußerst unbedeutende Sache. Sie wollte die gelöste Stimmung nicht durch eine törichte Bemerkung darüber ruinieren, dass es ihn im Grunde nichts anging, ob sie einen Verehrer hatte oder nicht.

Er liebte dieses Spiel von Necken und Genecktwerden. „Bist du nicht neugierig? ICH wäre es.“

„Ich werde vorsichtig meine Fühler ausstrecken.“ Sie grinste verschmitzt. „Ist das okay für dich?“

„Vollkommen okay.“ Ein breites Flyboy-Grinsen traf sie. „Ich hoffe, du wirst diesem Kollegen dann auch angemessen „danke“ sagen.“

„Das werde ich, je nachdem, wer es ist.“

„Ich bin überzeugt, der Kollege wird sich freuen.“ Erneut konnte er die Andeutung eines Schmunzelns nicht verhindern. „Kann ich sonst noch was für dich tun?“

„Liegt viel an bei dir?“

„Warum?“

„Hast du nachher Lust auf Lunch?“

Harms Augen leuchteten auf. „Lässt denn dein Terminplan das zu?“

„Hätte ich sonst gefragt?“ grinste sie keck.

Als Anwälte waren beide Meister im Frage-Stellen. Und das Spiel „Frage mit Gegenfrage beantworten“ beherrschten sie nahezu perfekt.

Er dachte kurz nach. „12 Uhr?“

„Chinesisch?“

„Bestens.“ lachte er. „Ich hol dich ab.“

„Vom Nachbarbüro? Das auf dem Weg nach draußen sogar einen Umweg für dich bedeutet?“ Sie fing an zu kichern. „Haaarm...“

„Hey, ich bin ein Offizier und Gentleman.“ Er legte eine Hand aufs Herz. „Mir wurde beigebracht, eine Dame zu einer Verabredung abzuholen.“

„Harm, wir gehen doch nur zum Lunch. Abgesehen davon...“

„... bist du ein Marine, ich weiß.“ unterbrach er sie lachend. „Ein WEIBLICHER Marine, falls dir das entfallen sein sollte. Aber wenn du darauf bestehst, nehme ich das mit der „Dame“ wieder zurück.“ Sein breites Flyboy-Grinsen konnte man fast um seinen Kopf wickeln.

Sie lachte laut. „Kindskopf!“

„Maaac...“ Mit einem treuherzigen Dackelblick sah er sie an.

„Ich komme dich abholen, Seemann.“ Sie erhob sich. „12 Uhr und keine Sekunde später.“

Er deutete einen Salut an. „Aye, Ma’am.“

„Du bist doch ein Kindskopf.“ kicherte sie und verließ mit einem letzten Winken sein Büro.

Der Ex-Pilot sah ihr für etliche Sekunden verträumt hinterher, bevor er sich wieder seinen Akten widmete. Er fühlte sich beschwingt wie selten. <Sie geht mit mir essen!> Dass SIE ihn gefragt hatte, war ihm ebenso entfallen wie die Tatsache, dass das nicht ihr erstes gemeinsames Mittagessen war. Er fühlte sich wie ein Teenager, der seinen heimlichen Schwarm nach einer Verabredung gefragt und eine Zusage bekommen hatte.

Plötzlich kam er auch mit diesem widerspenstigen Fall voran. In den nächsten beiden Stunden konnte er eine Menge an Arbeit daran aufholen, die zuvor liegen geblieben war.

Ehe Harm sich versah, was es kurz vor 12. Rasch räumte er die Akten beiseite und stand auf. Gerade als er nach seiner Mütze griff, betrat Mac sein Büro.

„Wow, Mr. Unpünktlich ist schon bereit zum Abmarsch?“

Er drehte sich um. „Ich kann durchaus pünktlich sein, Marine.“ Lachend schob er sie aus seinem Büro, neugierig verfolgt von zwei blauen Augenpaaren. Bud und Harriet grinsten sich dann nur vielsagend an. Keiner von den beiden Senior-Anwälten bekam das jedoch mit.

Auf dem Weg zum Fahrstuhl drehte sich Mac um. „Du wirst unberechenbar, Flyboy.“

„Wie bitte???“ Gespielt entsetzt sah er sie an.

Sie grinste frech. „Wenn man jetzt damit rechnen muss, dass du gelegentlich pünktlich bist, obwohl du doch für dein ewiges Zuspätkommen bekannt bist wie ein bunter Hund...“

„Wuff.“ machte er leise und schob sie sanft, aber beharrlich Richtung Lift. Er hatte keine Lust, jetzt mit ihr lang und breit über seine Unpünktlichkeit oder Pünktlichkeit zu diskutieren.

Stattdessen drückte er den Aufzug-Knopf. „Wer fährt?“

„Ich.“ kam es wie aus der Pistole geschossen.

Das bescherte ihr ein lautes Lachen kombiniert mit einer hochgezogenen Braue.

„Harm, es ist ungewöhnlich warm draußen, da möchte ich noch einmal oben ohne fahren.“ Sie betrat den Aufzug.

Er folgte ihr. „Oben ohne... so, so...“ Mit einem anzüglichen Lächeln um die Mundwinkel ließ er seinen Blick langsam von oben nach unten über ihren Körper schweifen; zudem hatte er seine Stimme um gut eine Oktave gesenkt.

Mac starrte ihn an. „Ähm... na ja...“ Sie musste schlucken. Der Mann neben ihr – ihr liebster Kollege und bester Freund – schien plötzlich mit ihr zu flirten. Sie hatte ihn schon so erlebt – anderen Frauen gegenüber. Seinen Charme kannte sie; es war ihr oft schwer gefallen, ihm zu widerstehen. Aber nun schien SIE das Ziel seiner Bemühungen zu sein, etwas völlig Neues für sie.

Harm sah ihr die Verwirrung an. Er sagte nichts, sein Grinsen wurde jedoch noch breiter.

Schließlich standen beide vor Macs Corvette. Sie entriegelte den Wagen und stieg ein. Harm ließ sich in den Beifahrersitz fallen und schob ihn nach hinten, um seine langen Beine zu verstauen.

Sie beobachtete ihn amüsiert. „Wie du da mit deiner Corvette zurechtkommst, ist mir immer wieder ein Rätsel.“

„Gewohnheit, Mac, nichts als Gewohnheit.“ Er schnallte sich an. „Leinen los, Marine.“

Lachend startete sie den Motor und fuhr vom Parkplatz.

Prompt brauste ihnen der Fahrtwind um die Ohren. Mit einem schnellen Griff konnte Harm sein Cover gerade noch daran hindern, davonzufliegen.

Mac grinste und sah ihn von der Seite her an. „Herrlich, nicht?“

„Du findest es herrlich, wenn mir die Mütze wegfliegt?“ Er erwiderte ihr Grinsen. „Wo ist eigentlich dein Schiffchen? Schon weggeflogen?“

„Nein, das ist da hinten.“ kicherte sie und deutete mit dem Daumen auf den Rücksitz. „Ich weiß halt, wie man richtig Cabrio fährt.“

„Allzeit bereit. Du bist eben ein Marine.“

Eine rote Ampel stoppte sie. „Fast.“

„Wie bitte? Bist du „fast ein Marine“ oder nur „fast allzeit bereit“?“

„Fast allzeit bereit.“ Sie fuhr wieder los. „Ein Marine bin ich durch und durch.“

Er musterte sie von oben bis unten. <Und eine Frau.> dachte er.

Mac fühlte seinen Blick über ihren Körper gleiten. „Das auch.“ erwiderte sie leise.

„Hab ich das jetzt laut gesagt?“ Mit großen Augen sah er sie an. <Shit!>

„Hast du, Seemann.“ Sie warf ihm erneut einen Blick zu.

„Uh... ich wollte eigentlich nicht... na ja...“ Er druckste herum wie ein Pennäler.

Seine Verlegenheit zauberte ein Schmunzeln auf ihr Gesicht. „Ich kann dir versichern, heute Morgen unter der Dusche war ich noch eine Frau.“

„Kein Marine?“

„Nope.“ lachte sie. „Definitiv weiblich.“

Erneut schweiften seine Augen über sie. „Das sieht in der Tat eher nach Frau aus.“

„Harm...“ Sie fühlte sich plötzlich unwohl.

„Stört es den Marine Sarah MacKenzie, wenn ich die Frau in ihm sehe?“

„In „ihm“ ist gut.“ Sie musste lachen. „Stören tut es mich nicht, aber es ist ungewohnt, wenn du mich so anguckst.“

„Gucke ich denn anders als sonst?“ Er war sich keiner Schuld bewusst.

„Aha.“

„Und wie?“

Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. „Anders halt, Flyboy.“

„Maaac!“

„Dein Blick ist irgendwie... na ja... taxierend.“

„Taxierend?“

Sie seufzte. „Nenn es meinetwegen begutachtend... abwägend... beurteilend... abschätzend... so was in der Art jedenfalls.“

„Sorry, das war nicht meine Absicht.“ Immerhin sah er zerknirscht aus.

„Harm, ich bin solche Blicke durchaus gewohnt, nur nicht von dir.“

„Oh.“

Wenige Minuten später erreichten sie das Restaurant, worüber der Ex-Pilot ganz froh war. Schließlich hatte er sich auf dünnes Eis gewagt mit seiner Bemerkung. Er hatte schließlich immer eine Frau in ihr gesehen – eine sehr attraktive Frau.

Mac schaltete den Motor aus. „So, da wären wir.“

„Dann mal los, ich hab langsam Hunger.“ grinste er und stieg aus dem Wagen.

„Das mit dem Hunger ist aber mein Part, Harm.“ Sie stieg ebenfalls aus und lachte. „Willst du mir jetzt mein Privileg des ewig hungrigen Marines streitbar machen?“

„Nope.“ grinste er zurück. „Aber von irgendetwas muss auch ich leben. Und da ich am Wochenende nicht viel gegessen habe, fordert mein Körper jetzt seinen Tribut.“

„Warum hast du denn so wenig gegessen?“

Verlegen sah er sie an. „Erzähle ich dir drin... beim Essen.“

„Okay.“

Beide betraten das Lokal und wurden an einen Tisch geführt. Schnell waren Getränke und ihre Menüs bestellt, nun warteten sie darauf.

„Also, wo warst du Sonntag?“ Mac sah ihn neugierig an. „Ich hab versucht, dich anzurufen, aber niemand ging dran. Noch nicht mal dein Anrufbeantworter.“

Einen Moment lang blickte er sie an. Eine sanfte Röte kroch über seine Wangen. „Ich... ahm... ich war zu Hause... im Bett...“

„Warst du krank?“

„Na ja... wie man’s nimmt...“ Er zuckte mit den Schultern. „Freitag war Jack in der Stadt... und da wurde es halt spät...“

„Aaah...“ Ein wissendes Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Boys-Abend mit viel Alkohol... schon verstanden.“

Harm brachte nur ein lahmes „Maaac“ hervor, schließlich hatte sie Recht.

„War es sehr schlimm?“

Er nickte verlegen. „Mhm.“

Am Samstag gegen Mittag hatte er das erste Mal das Bett verlassen. Nachdem er eine Flasche Wasser intus hatte sowie einige Aspirin – die er hasste, die ihm aber helfen sollten, seine hämmernden Kopfschmerzen loszuwerden –, hatte er ein dickes Kissen auf sein Telefon gelegt und war wieder ins Bett gekrochen. Abgesehen von einigen „Ausflügen“ ins Bad bzw. zum Kühlschrank hatte er bis Sonntagmittag weitergeschlafen.

Nach einer ausgiebigen Dusche am Sonntagnachmittag und einem leichten Imbiss hatte er sich endlich wieder wie ein Mensch gefühlt.

„Oh.“ machte sie und sah ihn mitfühlend an. Mit Alkohol und seinen Nachwirkungen kannte sie sich schließlich bestens aus, auch wenn das schon lange hinter ihr lag.

„Wolltest du denn etwas Bestimmtes?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich hatte nur gedacht, wir könnten mal wieder zusammen joggen gehen.“

Nun war er es, der nur ein „Oh.“ hervorbrachte. Dann jedoch hellte sich seine Miene auf. „Das können wir doch am kommenden Samstag machen, verbunden mit einem gemeinsamen Frühstück. Oder hast du da schon was vor?“ <Sag ja, Sarah, bitte...> flehte er stumm – und kam sich plötzlich fürchterlich kitschig vor.

„Eigentlich wollte ich Samstag shoppen gehen; ich brauche eine neue Winterjacke.“

Sein Grinsen wurde breiter. „Ich kann ja mitkommen.“

„Hast du denn nichts vor?“

„Ich wollte vor dem Winter noch einmal mit „Sarah“ fliegen, aber das kann ich auch am Sonntag noch.“

„Oookay.“ Mac nickte langsam. „Aber ich warne dich: Ich bin nicht leicht zufrieden zu stellen.“

„Ich auch nicht, Sarah.“ erwiderte er leise.

Erneut starrte sie ihn an. Irgendetwas war definitiv anders mit ihm. <Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, er flirtet mit mir.> dachte sie. Ein flirtender Harm mit IHR als Ziel verunsicherte sie, da half auch alles Marine-Training nichts.

Macs „Rettung“ kam in Gestalt des Kellners, der ihnen ihre Menüs brachte. Erleichtert widmete sie sich ihrer süß-sauren Ente.

Harm spürte dennoch die Veränderung in ihr. Er beschloss jedoch wie vorhin im HQ nicht weiter darauf einzugehen. „Ich weiß schon, warum ich immer wieder hier lande.“ meinte er nach einigen Bissen.

„Weil dasch Eschen gut und günschtig ischt und schnell kommt.“ stellte sie kauend fest.

„Allerdings.“ lachte er. „Aber man spricht nicht mit vollem Mund.“

Sie schluckte. „Na und?“

„Hat man dir keine Manieren beigebracht, Marine?“

„Mboch.“ Erneut kaute sie auf einem Bissen herum.

Er lachte. „Ich höre es.“

Als Antwort streckte sie ihm nur die Zunge heraus und grinste breit.

Sein Lachen wurde lauter. „Ich sehe schon, an deinen Manieren müssen wir noch feilen.“

„Wir?“

„Jawohl, wir.“ nickte er. „Du als der Marine ohne Manieren...“ Er deutete mit dem Zeigefinger zuerst auf sie und dann auf sich. „... und ich als der Offizier und Gentleman.“

„Mit Manieren?“

Ein überhebliches Grinsen antwortete ihr. „Jupp.“

„Arroganter Hund.“ lachte sie.

Seine Augen funkelten vergnügt. „Wuff!“ machte er wie vorhin schon im HQ.

Macs Kinnlade klappte runter. Lange hatte sie ihn nicht mehr so gelöst erlebt. Er schien... wie sollte sie es ausdrücken... ja... verspielt und albern wie seit Wochen nicht mehr.

„Ah... Mac... hab ich gekleckert, oder warum starrst du mich so an?“ Er checkte seine Uniform.

„Nein, nein, du hast nicht gekleckert.“ beeilte sie sich, ihm zu versichern.

Der Ausdruck in seinen blauen Augen wurde mehr als konfus. „Was ist es dann?“

„Ich weiß nicht.“ Sie lächelte verlegen. „Du bist plötzlich so anders, Harm.“

„Anders?“

„Na ja, nicht wirklich anders, aber... ach, ich weiß nicht...“ Sie schnaubte frustriert. Warum nur fehlten ihr in seiner Gegenwart so oft die richtigen Worte?

„Sarah?“

„Es ist nur so lange her, dass wir sorglos und frei miteinander scherzen konnten... dass du guter Laune und so lustig warst wie jetzt...“ So, nun hatte sie es doch über die Lippen gebracht.

„Stört dich das?“

Sie legte eine Hand auf seine und rieb sanft über die raue Haut. „Nein, im Gegenteil: Ich mag diesen lustigen Harm. Ich wundere mich bloß, warum du so bist.“

Sein Blick blieb an ihrer Hand hängen. Eine angenehme Wärme kroch von dort seinen Arm hoch und weiter in seinen Körper. Ohne nachzudenken begann er, ihre Finger zu streicheln.

„Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in deiner Gegenwart wohl fühle, Sarah MacKenzie.“ flüsterte er, ohne sie anzusehen.

Falls sie gehofft hatte, durch seine Antwort Klarheit in ihre Gedanken bringen zu können, war sie gewaltig auf dem Holzweg gewesen. Seine Antwort verwirrte sie nur noch mehr. „Ähm...“ machte sie und sah ihn mit großen Augen an.

Harm hob den Kopf. Wie ein Magnet zogen ihre schokoladenbraunen Augen seinen Blick an. Er sah ihre Verunsicherung, aber er sah auch noch etwas anderes: Die Frau hinter dem toughen Marine. Eine Frau mit tiefen Gefühlen. Sein Blick blieb an ihren Lippen hängen. Volle, verlockende Lippen... Er hätte sie auf der Stelle küssen können.

Die Lippen bewegten sich, jedoch hörte er kein Wort von dem, was sie sagte.

„Harm?“

Er schüttelte den Kopf, als wolle er eine penetrante Fliege verscheuchen. „Hm?“

„Hast du mir überhaupt zugehört?“

„Sorry, Mac...“ Ein verlegenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Was hast du gesagt?“

Sie verdrehte die Augen. „Ich hab nur gesagt, dass ich deine Gegenwart auch genieße; vor allem, wenn du so gut gelaunt und locker und fröhlich bist wie jetzt.“

„Ich war manchmal wirklich garstig zu dir.“ Er blickte wieder auf ihre Hand.

„So wie ich zu dir.“

„Begraben wir das Kriegsbeil?“

„Begraben?“ kicherte sie. „Wir haben es doch noch gar nicht ausgegraben.“

„Maaac...“

„Okay, okay. Ich versuche, nicht immer alles so kompliziert zu sehen.“

„Gute Idee.“

„Aber nur, wenn du nicht alles vereinfachst.“

„Tu ich doch gar nicht.“

„Harm, fängst du schon wieder an?“

„Wieso?“

„Für dich ist es oft damit getan zu sagen *Ich mache das nicht.* oder *Ich will jetzt nicht darüber reden.*... so was in der Art jedenfalls. Basta. Punkt. Ende der Diskussion.“ Sie seufzte leise. „Das hat schon oft für Missverständnisse zwischen uns gesorgt. Viel zu oft für meinen Geschmack.“

Der Ex-Pilot dachte eine Weile nach. Abwesend strich sein Daumen dabei über ihre Knöchel. „Hast ja Recht, Mac.“ Er hob den Kopf. „Ist es okay für dich, wenn ich versuche, mich zu bessern?“

„Das ist zumindest schon mal ein Anfang.“ lächelte sie. „Wenn es um einen deiner Fälle geht, bist du doch so sorgfältig und wählst nicht immer den einfachsten Weg.“

Er sah sie an. „Du bist aber kein Fall, Sarah.“

„Noch ein Grund, nicht alles als ganz so einfach anzusehen.“

„Okay.“

Sie zog ihre Hand wieder zu sich. „Eines ist jetzt aber ganz einfach, Seemann: Wir müssen zurück.“

„Aaah... bist du wieder romantisch.“ Harm verzog das Gesicht. Dann legte er den Kopf schief und grinste spitzbübisch. „Sollen wir den Nachmittag blaumachen?“

Ein Hustenanfall antwortete ihm. „W... ähem... wie bitte?“

„Ich hab plötzlich Lust, mich mit dir und einem Kaffee in den Park zu setzen, bei dem schönen Wetter.“

„Du spinnst!“

„Mag sein, aber das ist zumindest das, wozu ich momentan mehr Lust hab.“ Er grinste. „Du nicht?“

„Haaarm...“

„Hättest du Lust oder nicht?“ Herausfordernd sah er sie an.

„Du bist unmöglich.“ Wider Willen musste sie kichern. „Dein Plan klingt ziemlich verlockend, Seemann. Aber was würde Chegwidden sagen, wenn wir nicht mehr im Büro aufkreuzen?“

„Er würde uns vermutlich zuerst kielholen lassen und dann teeren und federn. Als nächstes bekämen wir derart die Leviten gelesen, dass wir nicht mehr wüssten, wo oben und unten ist. Vielleicht würde er uns noch den Mund mit Gallseife auswaschen, bevor er uns schließlich auf die Aleuten versetzen würde – wenn wir Glück haben, sogar gemeinsam.“

„Pfui!“

„Pfui wozu? Zum gemeinsamen Einsatz auf den Aleuten?“

„Nein.“ lachte sie. „Pfui zur Gallseife.“

Er grinste. „Gegen einen gemeinsamen Einsatz auf den Aleuten hättest du also nichts?“

„Es gibt weitaus schlimmere Zeitgenossen als dich, Harm.“

„Wir könnten eine Menge Spaß haben: Lange Skitouren... Wildbeobachtungen... Wandertouren im Sommer...“

„Im Sommer fressen uns die Mücken auf, und im Winter frieren wir uns den Arsch ab.“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein danke.“

<Ich würde dich schon warm halten, Sarah.> „Gegen die Kälte gibt es Kaminfeuer oder warme Decken oder...“ Er stoppte gerade noch rechtzeitig, bevor ihm „zwischenmenschliche Aktivitäten“ rausrutschte.

„Oder?“

„Äh... das... na ja...“ Er wurde rot und kratzte sich verlegen am Kopf. „Warme Socken z. B...“

Sie kicherte. „Das war jetzt aber nicht das, was du ursprünglich sagen wolltest.“

„Wieso?“ Er versuchte, möglichst unschuldig dreinzuschauen.

„Ich kenne dich, Harmon Rabb Jr.“

„Aber warme Socken helfen bei Kälte.“

„Den Füßen, ja. Aber was ist mit dem Rest des Körpers?“

„Der... hm... der bekommt die... ähm... die warmen Decken... jawohl.“

„Und was passiert unter diesen warmen Decken?“ Sie biss sich auf die Zunge, um nicht laut loszulachen.

Sein Gesicht konnte inzwischen jeder Tomate Konkurrenz machen. „Wie bitte?“

„Gegen große Kälte soll Bewegung helfen.“

„Aha.“ machte er, als wäre das eine völlig neue Erkenntnis für ihn.

„Wenn man allerdings kurz vor dem Erfrieren ist, ist das Teilen von Körperwärme die beste Methode.“

„Das Teilen von Körperwärme...“ echote er.

Ein spitzbübisches Grinsen umspielte ihre Mundwinkel. „Natürlich ohne Kleidung, sonst bringt das nichts.“

„Na... nackt?“

„Jupp, nackt.“ kicherte sie und amüsierte sich über seine Gesichtsfarbe. Hätte sie nicht den Grund dafür gewusst, hätte sie durchaus auf die Idee kommen können, er hätte ein akutes gesundheitliches Problem.

„Du... und... ähm... ich? Nackt?“ Sein Blut fuhr regelrecht Achterbahn in seinem Körper. Momentan ging es rasant wieder abwärts.

„Nur wenn wir beide auf die Aleuten versetzt werden UND einer von uns kurz vor dem Erfrieren ist.“

Harm holte tief Luft. „Beides keine angenehmen Vorstellungen.“ <Außer der, dich nackt zu sehen... oder zu spüren...> Sein Blut war längst „unten“ angekommen. Er war froh über das lange Jackett der Winteruniform – und die Tischplatte.

„Und damit das nicht passiert, sollten wir jetzt schleunigst ins HQ zurückkehren.“ Sie erhob sich und machte sich auf den Weg zur Tür.

„Mac... warte!“ rief er leise und folgte ihr langsam.



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#2 von Evi , 22.01.2014 12:55

Sie war bereits an ihrer Corvette angekommen und stieg gerade ein. „Voran, Commander.“

„Hast du es so eilig?“ Er legte sein Cover auf den Rücksitz. „Oder willst du nur nicht versetzt werden?“

„Haaarm...“ Sie warf ihm einen Seitenblick zu und fuhr mit quietschenden Reifen los. „Ein paar Minuten können wir zu spät kommen, aber nicht blaumachen.“

„Ich weiß.“ seufzte er. „Aber die Idee war doch nicht schlecht, oder?“

Gutmütig lächelnd tätschelte sie sein Knie. „Träum weiter, Flyboy.“

„Wovon?“

„Vom Blaumachen und Kaffee mit mir trinken.“

Geschockt sah er sie an. „Du willst keinen Kaffee mehr mit mir trinken?“

„Doch, natürlich.“ Sie lachte laut über seine entsetzte Miene. „Ich will nur nicht dabei blaumachen.“

„Puh!“ machte er erleichtert.

Immer noch lachend schüttelte sie den Kopf.

Nach ungefähr 15 Minuten erreichten sie wieder das JAG-HQ. Harm stieg aus und streckte sich. Dann setzte er seine Mütze auf. „Okay, auf zum zweiten Teil des Tages.“

„Leider.“ seufzte sie.

„Du wolltest ja nicht blaumachen.“ lachte er.

Sie warf ihm einen giftigen Blick zu. „Da gab es ein paar Argumente, die dagegen sprachen, Mister.“

„Ich weiß.“ Er grinste breit. „Teeren und Federn... Kielholen... Gallseife. Und nicht zu vergessen: Die Aleuten... mit Mücken oder einem abgefrorenen Hintern.“

„Blödmann!“ kicherte sie und eilte ins Gebäude.

Harm rannte ihr hinterher. „Hey, warte!“ Sie war jedoch schon außer Sichtweite.

„Gute Laune, Commander?“ Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich Chegwidden vor ihm auf.

Der Ex-Pilot kam schlitternd zum Stehen und salutierte. „Ja, Sir.“

„Darf ich fragen, warum?“ Der Admiral deutete ihm, sich zu rühren, was aber irgendwie Harms Aufmerksamkeit entging.

„Ja, Sir.“

Chegwidden verdrehte die Augen. „Warum also haben Sie so gute Laune?“

Harm beäugte seinen Vorgesetzten vorsichtig. „Schönes Wetter, Admiral.“

„Stehen Sie doch endlich bequem, Rabb.“ schnaubte der Admiral und legte amüsiert den Kopf schief.

Harm relaxte ein wenig, blieb aber auf der Hut.

„Schönes Wetter... so, so. Sonst nichts?“

„Gutes Essen, Sir.“ Nun grinste Harm vorsichtig.

„Gute Laune wegen des schönen Wetters oder weil das Essen gut war?“

„Ähm... na ja... beides.“ Harm räusperte sich. „Außerdem hatte ich nette Gesellschaft... beim Lunch, meine ich.“

„Nette Gesellschaft... beim Lunch.“

„Ja, Sir. Der Colonel und ich, wir... hm... wir waren gemeinsam zu Tisch.“

„Aha.“ Der Ex-SEAL musterte ihn aufmerksam. „Gibt es da etwas, was ich wissen sollte, Commander?“

Mit großen Augen sah Harm ihn an. „N... nein, Admiral.“

„Na gut.“ seufzte der alte Haudegen. „Dann bringen Sie mich jetzt im Fall Major Stopper auf den neuesten Stand.“

Es war der Fall, an dem er heute Vormittag so gut vorangekommen war. „Ja, Sir.“

Chegwidden machte sich auf den Weg in sein Büro. Harm folgte ihm auf den Fersen, wobei er seine Mütze rasch auf Harriets Schreibtisch warf. „Lieutenant...“

Sie nickte nur. „Aye, Sir.“

Im Büro des Admirals setzte sich dieser hinter seinen Schreibtisch und deutete auf einen der Stühle vor ihm. „Setzen Sie sich, Commander.“

Der dunkelhaarige Offizier tat wie geheißen und klärte seinen CO über den Stand der Dinge in diesem speziellen Fall auf. Sie diskutierten noch eine Weile, bevor Chegwidden sich schließlich zurücklehnte.

„Gute Arbeit, Harm.“

„Danke, Sir.“

„Wann, glauben Sie, kommt der Fall vor Gericht?“

„Die Anhörung ist für morgen Vormittag angesetzt, dann wird sich entscheiden, ob es eine richtige Verhandlung geben wird.“

Der Ex-SEAL nickte gedankenvoll. „Was in unserem Interesse ist.“

„Ja, Sir.“

„Falls es vor Gericht geht – und davon gehe ich nach Lage der Beweise aus –, übernehmen Sie die Anklage, Commander. Sie sind am besten mit den Fakten vertraut.“

Harm war zwar nicht wirklich froh darüber, aber Chegwidden hatte Recht. „Verstanden, Admiral.“

„Gut, das wäre dann alles.“

„Aye, Sir.“ Der Ex-Pilot erhob sich und verließ das Büro.

Auf dem Weg zu seinem eigenen lief ihm Mac über den Weg. „Na, mal wieder eine Standpauke bekommen?“ grinste sie neckisch.

„Maaac! Ich werde doch nicht nur zum Admiral gerufen, wenn ich was ausgefressen habe.“ schnaubte er. „Er wollte ein Update meines Falles, das war alles.“

„Beruhige dich wieder, Harm.“ Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. „Ich wüsste auch gar nicht, was du angestellt haben könntest, dass eine Standpauke nötig wäre.“

„Sehr witzig, MacKenzie.“ knurrte er. „Warum nur denkt hier jeder immer nur das Schlechteste von mir?“

Mac sah sich verstohlen um und schob ihn rasch in ihr Büro, wo sie die Tür hinter beiden schloss. „Tun wir doch gar nicht.“

„Hat irgendwer schlechte Laune...“ ergänzte er in Gedanken. „... heißt es prompt: *War das Rabb?* oder *Was zum Teufel haben Sie jetzt wieder gesagt/getan, Commander?*. Immer bin ich an allem schuld.“ Seine gute Laune war schlagartig dahin, als er sich in einen Stuhl fallen ließ.

„Harm, es tut mir leid. Ich... ah... ich wollte dir wirklich nichts unterstellen... es ist nur...“ Nervös ging sie im Büro hin und her.

„Okay... schon gut.“ Lange sah er sie an, ohne etwas zu sagen. Ihre Augen sagten ihm, dass sie es ernst meinte mit ihrer Entschuldigung.

Sie holte tief Luft. „Vielleicht haben wir uns alle zu sehr daran gewöhnt, dass du meist derjenige bist, welcher...“ Oft genug hatte er wie ein Puffer zwischen einem wütenden Admiral und den Anwälten gewirkt.

„Mac, es ist okay.“ Ganz besänftigt war er noch nicht, aber er konnte ihr auch nicht länger böse sein. Nicht wenn sie ihn mit diesem zerknirschten Bambiblick ansah wie jetzt. „Wirklich.“ Er grinste und hoffte, sie damit beruhigt zu haben.

Sie allerdings sah, dass das Lächeln seine Augen nicht erreichte. „Na gut.“ meinte sie zögernd. „Kann ich das irgendwie wieder gutmachen?“

„Was denn?“

„Harm, ich habe eben eine dumme Bemerkung gemacht und möchte...“



Nervös spielte sie mit ihren Fingern. „Wir... hm... wir waren beim Lunch in so guter Stimmung...“ Sie holte tief Luft. Es fiel ihr keineswegs leicht, so mit ihm zu reden. „Ich will nicht, dass... dass...“

„Setz dich, Sarah.“ Harm deutete auf den Stuhl neben sich.

Überrascht sah sie ihn an. Nur er konnte ihren Taufnamen auf diese sanfte, fast schon zärtliche Art und Weise aussprechen. In ihrem Hals bildete sich ein Kloß, als sie neben ihm Platz nahm.

„Es ist wirklich wieder alles okay.“ Er ergriff ihre Hand und drückte sie sanft. „In gewisser Weise hast du sogar Recht: Ich bin ein Puffer zwischen euch und Chegwidden.“ Nun erreichte das Lächeln auch wieder seine Augen.

„Trotzdem musste ich ja nicht automatisch annehmen, du hättest eine Standpauke bekommen.“

„Das war eindeutig ein Fehler, Sarah MacKenzie.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Aber du hast dich entschuldigt, und damit...“

Mac hob eine Hand und unterbrach ihn. „Harm, du hast zwar gesagt, es wäre wieder alles okay, aber das stimmte nicht so ganz...“

„Wie bitte?“

„Ich kenne dich inzwischen ganz gut, Seemann.“ grinste sie behutsam. „Deine Augen haben dich verraten... sie haben bei deinen Worten nicht gelächelt.“

„Oh.“ Damit hatte er nun nicht gerechnet.

„Ich glaube aber, dass dein Ego groß genug ist, um Standpauken unseres COs und dumme Bemerkungen von mir auszuhalten.“

Prompt breitete sich ein arrogantes Flyboy-Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Mit den Standpauken hast du sicherlich Recht, aber deine dummen Bemerkungen...“

„Haaarm...“

„Die vorhin war wirklich dumm, aber ich habe schon schlimmere Dinge von dir gehört, Mac.“ meinte er leise, plötzlich ernst geworden.

Sie senkte den Kopf. „Ich weiß. Und auch das tut mir inzwischen leid.“

„Guuut.“ machte er gedehnt und erhob sich. „Ist dann alles wieder in Ordnung?“

Sie sah ihn an. „Ja.“

„Gut, ich muss nämlich noch was tun.“ lachte er.

„Nicht nur du.“ Sie stimmte in sein Lachen ein. „Ist wieder alles okay zwischen uns?“

Er sah sie ein paar Sekunden an, ohne etwa zu sagen. „Jupp.“ antwortete er jedoch nur.

Sie stand ebenfalls auf. „Unser Lunch hat mir gefallen, Harm.“

„Mir auch.“ grinste er. „Das lag bestimmt am schönen Wetter.“

„Nicht nur.“ entgegnete Mac leise und senkte den Kopf.

Harm trat zu ihr, legte einen Finger unter ihr Kinn und hob ihren Kopf. „Es lag hauptsächlich an der netten Begleitung, hm?“ grinste er überheblich.

„Ich hasse es, dein eh schon zu großes Ego zu streicheln, aber ausnahmsweise hast du Recht.“

Ein tiefes Lachen entwich seiner Brust. „Du kannst auch gerne andere Sachen streicheln, Marine.“

„WIE BITTE?“ Ihre Augen wurden immer größer.

„Ich hab zu tun.“ erwiderte er lachend, stupste ihre Nasenspitze und war schneller aus ihrem Büro verschwunden als sie denken konnte.

„HARM!“ rief sie ihm lauter hinterher als gewollt.

Der Ex-Pilot winkte nur lässig über die Schulter und verschwand in seinem Büro, wo er die Tür schloss und sich mit einem sehr breiten Flyboy-Grinsen an seinen Schreibtisch setzte.

„Alles in Ordnung, Ma’am?“ Wenige Sekunden später erschien Harriets Kopf in Macs Türrahmen.

„Was?“ Mac sah die blonde Frau verwirrt an. „Oh... ja... natürlich, Lieutenant.“

„Oookay.“ machte Harriet gedehnt, nicht wirklich überzeugt.

Harriet war eine große Romantikerin. Als die beiden Offiziere vorhin in äußerst gelöster Stimmung zum Lunch gegangen waren, war die Hoffnung in ihr erneut größer geworden. Der Umgang der beiden miteinander war in den letzten Wochen wesentlich besser geworden; sie scherzten häufig miteinander, gingen gemeinsam zum Lunch, verbrachten ihre Freizeit miteinander – wovon aufgrund ihrer Flachsereien am nächsten Tag dann das halbe Bullpen Kenntnis bekam.

All das waren Dinge, die Bud und sie in der Anfangszeit ihrer Beziehung auch gemacht hatten. In ihren Augen bestand also noch Hoffnung für ein Happy End.

„Verzeihung, Ma’am, ich wollte nicht...“

Beruhigend lächelte Mac die jüngere Frau an. „Es ist wirklich alles okay, Harriet. Der Commander hat nur eine blöde Bemerkung fallen lassen.“ Sie hätte der rangniedrigeren Frau nichts erklären müssen, aber Harriet war auch so etwas wie eine Freundin.

„Ach so...“ Harriet grinste. „Sie haben sich also nicht gestritten?“

„Nein.“

„Gott sei Dank.“

„Was meinen Sie damit, Lieutenant?“ Mac fand es nun doch angebracht, sie sanft in ihre Schranken zu verweisen.

Harriet wurde rot. „Entschuldigung, Ma’am... ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten, aber... aber wenn... hm... wenn Sie beide sich streiten, dann...“ Sie fand es plötzlich für besser, den Mund zu halten.

„Dann?“

„Darf ich offen sein?“

Mac grinste. „Harriet, das sind Sie doch bereits.“

„Wir alle leiden, wenn Sie sich streiten.“ platzte es aus der blonden Frau.

„Sie alle?“

„Ja, Ma’am.“

Mac runzelte die Stirn. „Ich kann Ihnen nicht ganz folgen.“

„Die Atmosphäre hier... das Arbeitsklima... die Luft... das wird dann... ähm... zum Schneiden dick, wenn Sie verstehen, was ich meine, Colonel.“

„Ich verstehe.“ Mac nickte. Ihr war nie bewusst gewesen, dass Harms und ihr Verhalten so viel Einfluss in der Dienststelle hatte. „Danke, Lieutenant.“ Sie grinste. „Auch für Ihre offenen Worte.“

Harriet sah sie verzagt an. „Sie nehmen mir das nicht übel, Ma’am?“

„Nein, Harriet. Wirklich nicht.“

„Puh.“ machte diese. „Ich... ahm... ich geh dann mal wieder.“ Sie eilte aus der Tür. Immer wenn sie sich selbst schalt, vergaß Harriet, dass sie schon lange nicht mehr „Beaumont-Sims“ hieß.

Mac schloss ihre Bürotür, setzte sich an den Schreibtisch und lehnte sich zurück. Sie wagte nicht daran zu denken, was Chegwidden von dem Ganzen hielt. Er war ein guter CO, der beste, den sie bisher gehabt hatte – von John Farrow vielleicht abgesehen.

Sie griff zum Telefon.

Harm saß derweil in seinem Büro und ließ die letzten Minuten mit Mac Revue passieren. Macs Bemerkung mit der Standpauke war in der Tat verletzend gewesen, aber er hatte sich schneller davon erholt als er gezeigt hatte. Ihr zerknirschter Blick war da nicht ganz unschuldig dran gewesen. Den großen Bambi-Augen hatte er noch nie ernsthaft widerstehen können.

Er lachte leise. Der Gedanke an „überall streicheln“ hatte prompt physische Folgen. Der Ex-Pilot rutschte unruhig auf seinem Stuhl herum.

In diesem Augenblick klingelte sein Telefon. Abwesend griff er nach dem Hörer. „Commander Rabb.“

Kurz und knapp ertönte Macs Stimme. „Wir müssen reden, Seemann. Ich komme zu dir.“ Schon hatte sie wieder aufgelegt.

„Mac?“ Verwirrt starrte Harm den tutenden Hörer an.

Ihm blieb keine Zeit, sich einen Reim auf ihre Worte zu machen, denn kurze Zeit später – um genau zu sein, 21 Sekunden später – klopfte es an seiner Tür.

„Herein.“

Mit dem Ende der zweiten Silbe schloss Mac bereits die Tür von innen und verstellte das Rollo, so dass niemand in Harms Büro sehen konnte.

„Mac, was soll das?“ Argwöhnisch beobachtete er ihr Tun.

Sie ließ sich auf einen der Sessel fallen und kam sofort auf den Punkt. „Wusstest du, dass unsere Streitereien den Bürofrieden hier stören?“

„Wie bitte?“

„Wenn wir beide uns streiten, hängt anscheinend der komplette Bürosegen schief.“

„Wer sagt das?“

„Harriet.“

„Harriet?“

„Jupp, unsere gute Seele Harriet. Sie argwöhnte, wir hätten mal wieder das Kriegsbeil ausgegraben.“

„Wie kommt sie denn darauf?“

„Sie hat deinen Abgang vorhin mitbekommen.“

Er nickte. „Und?“

„Entweder war’s die Lautstärke oder der Tonfall, auf jeden Fall ist Lieutenant Sims äußerst besorgt.“ Mac konnte der Situation inzwischen sogar was Amüsantes abgewinnen.

„Besorgt?“

„Besorgt um den Bürofrieden.“

„Sind wir SO schlimm?“

„Offenbar.“

„Ich will mich aber nicht mehr mit dir streiten.“ erwiderte er fast schon trotzig.

Sie lachte leise. „Ich mich mit dir auch nicht.“

„Was machen wir also?“

„Uns nicht mehr streiten.“ Ihr Lachen wurde lauter.

„Meinst du, wir kriegen das hin?“ grinste Harm.

„Ein Anfang ist ja schon gemacht.“

„Hä?“

Sie nickte. „Wir waren in den letzten Wochen doch sehr nett zueinander. Und unser Lunch heute... so gut habe ich mich lange nicht unterhalten.“

„Dann müssen wir in Zukunft häufiger gemeinsam lunchen.“ grinste er breit. „Ist gut für den Bürofrieden und gut für dich, weil du dann happy bist.“

Ein strahlendes Lächeln antwortete ihm. „Ist das denn auch gut für dich?“ schmunzelte sie.

„Natürlich.“ kam es wie aus der Pistole geschossen. „Ich bin nämlich gerne mit dir zusammen, Marine.“ Er beugte sich vor. „Dann bin ICH happy. So einfach ist das.“

„Ahm... oookay...“ machte sie gedehnt. Flirty-Harm war wieder da.

Er legte den Kopf schief und sah sie mit seinem Dackelblick an. „Du hast doch nichts gegen meine Gegenwart, oder?“

„Gott bewahre, nein.“ lachte sie. „Wenn du lieb und nett zu mir bist, bin ich gerne mit dir zusammen.“ Es war schon einige Zeit her, dass sie das letzte Mal so richtig geflirtet hatte. „Aber wenn du garstig bist und schnippisch...“

„Dann magst du mich nicht mehr?“ Nun sah er aus wie ein kleiner Junge, der gerade von seiner Mommy ausgeschimpft worden war.

„Mögen tu ich dich bestimmt noch, aber ich weiß nicht, ob ich dann noch gerne mit dir zusammen sein möchte.“ Sie grinste. „Du magst mich doch auch nicht, wenn ich eklig zu dir bin.“

„Vorhin warst du ganz schön eklig zu mir, Mac, aber ich mag dich trotzdem noch.“

„Ich hab mich doch entschuldigt.“

„Und ich habe die Entschuldigung angenommen.“

„Haben wir uns jetzt wieder lieb?“ Sie legte den Kopf schief und klimperte mit den Wimpern.

Harm wurde es plötzlich warm, sehr warm. „Ähm... ja... na.. natürlich...“

„Sollen wir dann morgen wieder gemeinsam lunchen?“ kicherte sie, amüsiert über seine roten Ohren. „Zugunsten des Bürofriedens natürlich.“

„Liebend gern.“ lachte er und checkte seinen Kalender. „Oooh...“ machte er dann bedauernd und sah sie an. „Da hab ich leider einen wichtigen Termin, den kann ich nicht verschieben.“

„Schade.“ Sie zog einen Schmollmund. „Wie wär’s mit übermorgen?“

Erneut sah er seine Termine durch. „Da hab ich nichts vor.“

„Gut, dann notier das bitte sofort: Lunch mit Mac. 12 Uhr.“ Sie deutete auf den Kalender.

Er trug den Termin ein. „Aye, Ma’am.“

„Liegt heute noch viel an bei dir?“

„Wäsche waschen.“ seufzte er. „Das hat am Wochenende nicht geklappt.“

„Keeter und der Boys-Abend, ich weiß.“

„Maaac...“

„Na gut, dann werde ich halt meinem Date zusagen...“ meinte sie. Es klang, als würde sie mal eben Brötchen holen gehen. Allerdings beobachtete sie ihn genau.

„Wie bitte?“ Eifersucht durchzuckte ihn. „Dein DATE?“

frohlockte sie innerlich, ließ sich aber nichts anmerken. „Ja, mein Date.“ kicherte sie. „Ich werde es mir mit einem Film und köstlichem Kakao auf dem Sofa bequem machen...“ Sie erhob sich und grinste verschmitzt. „... während du heute Abend deine sexy Höschen wäschst.“

„MAAAC!“

„Bye, Seemann.“ Sie warf ihm eine Kusshand zu und verschwand aus seinem Büro.

Ihm wurde klar, dass sie ihn mal wieder geneckt hatte.

#+#+#

Mittwoch, 03. Dezember
07:52 Ortszeit
JAG-Hauptquartier, Falls Church, VA


Den Aktenkoffer in der einen und eine Tüte mit zwei Muffins in der anderen Hand betrat Harm das Bullpen. Nachdem er den Koffer in sein Büro gebracht hatte, steuerte er die Küche an, wo er als erstes einen „ordentlichen“ Navy-Kaffee aufsetzte – mit zwei Löffeln Kaffeepulver extra.

Noch während er wartete, erschien Mac in der Tür.

„Hoppla.“ lachte sie, als sie den dunkelhaarigen Mann entdeckte.

Harm grinste. „Guten Morgen erstmal.“

„Ähm... guten Morgen, Flyboy.“ lächelte sie zurück. „Was machst du hier?“

„Kaffee kochen.“

„Kaffee kochen...“ echote sie.

„Jupp.“

„Konntest du nicht schlafen, oder ist dein Wecker kaputt?“

Er lachte. „Weder noch.“

„Und was machst du so früh hier?“

„Sagte ich doch schon: Kaffee kochen.“

„Haaarm...“

„Okay.“ Er hielt die Tüte mit den Muffins hoch. „Ich dachte, wir genießen das hier vor dem Meeting mit dem Admiral. Dazu gehört auch Kaffee.“

„Hast du mir etwa schon wieder einen Muffin mitgebracht?“

Er nickte. „Mhm.“

„Wieder Schoko?“ Sie begann zu strahlen.

„Aha.“

„Gestern... heute... was ist los mit dir?“

„Nichts. Ich wollte dir nur...“

„... eine Freude machen, ich weiß.“ fiel sie ein und lachte. „Du verwöhnst mich, Seemann.“

„Hast du was dagegen?“

„Nope. Aber pass auf, nicht dass ich mich zu sehr daran gewöhne.“ Ihre Augen funkelten amüsiert.

Er trat direkt neben sie. „Damit hätte ich auch kein Problem, Sarah MacKenzie.“ raunte er ihr ins Ohr.

„Ähm...“ machte sie irritiert und schnupperte diskret in Richtung seines Halses. Er roch so verdammt gut. Und flirtete schon wieder mit ihr.

Harm seinerseits inhalierte tief den Duft, der Mac umgab.

„Guten Morgen, Colonel, Commander.“ Buds Stimme holte beide wieder in die Wirklichkeit zurück.

„Morgen, Bud.“ antworteten sie unisono, nachdem sie hastig voneinander abgerückt waren.

Der junge Lieutenant war vollkommen auf seine Morgen-Dosis Kaffee fixiert und bekam gar nicht mit, dass seine beiden Mentoren vielleicht „ein wenig“ näher beieinander gestanden hatten als üblich. Auch dass sie bei seinen Worten eilig einen guten Meter Abstand zwischen sich gebracht hatten, entging ihm völlig.

„Wie geht’s den Kindern?“ Harm fasste sich als erstes wieder.

„Gut, Sir.“ Bud hatte sich seinen Becher eingeschenkt und wandte sich zum Bullpen. „Bis gleich, Ma’am, Sir.“

Verwundert starrten beide dem jungen Mann hinterher. „Was war denn das?“ fragte Mac verblüfft.

„Ich schätze, das war Koffein-Entzug der schlimmsten Form.“ lachte Harm. „Komm, gehen wir in mein Büro, Kaffee und Muffins genießen.“

„Sagtest du gerade „Muffins“?“

„Jupp.“ Er hielt die Tüte hoch. „Schoko für dich, Blaubeer-Cranberry für mich.“

„Mhmmm...“ Sie nahm ihren Becher und ging voraus.

In Harms Büro genossen sie dann den Kaffee, ihre Muffins und die Gegenwart des anderen.

Schließlich holte Mac tief Luft. „Wir müssen los, das Meeting ruft.“

„Egal was kommt, ein Highlight haben wir immerhin schon gehabt.“ grinste er und deutete auf die leere Muffin-Tüte.

„Hoffentlich bleibt das nicht das einzige Angenehme heute.“

„Und wenn schon, vielleicht finde ich dann ja noch was, um dich aufzumuntern.“

Verwundert starrte sie ihn an. „Harm?“

„Ja?“ Unschuldig grinsend sah er sie an.

„Was... uhm...“ Sie schüttelte den Kopf. „Ach... nichts...“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren verließ sie sein Büro und begab sich in den Besprechungsraum.

Harm schmunzelte und folgte ihr. Im Konferenzraum setzte er sich dann wie üblich neben sie und schaute in die Runde, als wäre nichts gewesen.

„Morgen, Leute.“ brummte der Ex-SEAL, als er den Raum betrat.

Stühlerücken, Fußgetrappel und ein mehrstimmiges „Guten Morgen, Sir!“ antwortete ihm, gefolgt von erneutem Stühlerücken und Fußgetrappel.

„Schon gut, schon gut, setzen Sie sich.“ winkte er ab und ließ sich von seinen Anwälten den Stand ihrer Fälle erläutern. Dann begann er, die neuen Fälle zu verteilen, was einige Zeit dauerte.

Schließlich blickte Chegwidden in die Runde. Die Junior-Offiziere hatten ihre neuen Fälle erhalten, jetzt kam das „Sahnestückchen“ an die Reihe: Ein Vergewaltigungsfall auf der Marine-Basis in Norfolk. Sein Blick blieb an Harm hängen.

„Das wäre alles, Leute.“ Der Ex-SEAL klappte seine Akten zu, blieb aber sitzen.

Die meisten erhoben sich, nur Mac sah verwirrt zum Admiral und dann zu Harm. Intuitiv waren beide sitzen geblieben.

Der zog ebenso irritiert die Stirn kraus. schien er sie zu fragen.

„telegrafierte“ sie.

Ihre wortlose Kommunikation funktionierte wie immer hervorragend.

„Colonel, Commander, für Sie habe ich auch etwas.“ Er schob jedem einen Aktendeckel zu. „Es ist eine ziemlich delikate Angelegenheit, die direkt vom Büro des SecNav kommt und absolute Priorität hat.“ Er sah sie bedeutungsvoll an. „Sie wissen, was das heißt?“

„Ja, Sir.“ nickten beide synchron. Es würden lange Bürozeiten auf sie zukommen, verbunden mit unter Umständen „peinlichen“ Befragungen der Beteiligten, die vermutlich von „höherem öffentlichen Interesse“ waren. Sonst hätte es keine Intervention des SecNav gegeben.

„Lesen Sie.“

Beide schlugen ihre Mappen auf und begannen zu lesen.

Nach knapp zwei Minuten pfiff Harm laut. „Wow.“

„Captain Krennick ist das Opfer, Sir?“ Mac blickte auf. „War sie nicht mal hier bei JAG?“

Ein süffisantes Lächeln umspielte Chegwiddens Mundwinkel. „Fragen Sie den Commander.“

„Sir...“ Harm setzte zu einer Erwiderung an, aber der Ausdruck im Gesicht des älteren Mannes belehrte ihn eines Besseren. Er seufzte laut.

„Bis kurz vor deine Versetzung ins HQ war Allison Krennick hier stationiert, Mac. Unter dem Admiral und seinem Vorgänger, Admiral Brovo.“ Er schielte zu seinem CO, aber der ließ keine Regung erkennen. „Damals war sie noch Commander. Eine knallharte Anwältin. Sehr ehrgeizig.“

„Ah, okay, danke.“ Sie widmete sich wieder ihren Unterlagen.

„Admiral, wissen Sie...“

Der Ex-SEAL unterbrach ihn. „Lesen Sie weiter, Harm.“

„Sir?“ Erstaunt blickte Harm seinen Vorgesetzten an.

„Weiterlesen, Commander.“

„Ja, Sir.“

Mac hatte mit einem Ohr dem „Schlagabtausch“ zugehört, derweil aber weiter gelesen. „Harm, kennst du einen Commander Rick Costner?“

„Wie bitte?“ Harm sah sie mit großen Augen an.

Sie deutete auf ihre Mappe. „Hier steht: Piloten-Ausbildung abgeschlossen 1986. War das nicht dein Jahrgang?“

„VERDAMMT!“ platzte es aus dem großen Mann heraus. Rasch überflog er seine Mappe. „SHIT!“

Nun riss sie ob seiner derben Ausdrucksweise die Augen auf. „Harm?“

Der ignorierte sie jedoch und sah seinen CO an. „Sie wussten davon, Admiral.“ Es war eine simple Feststellung. „Warum?“

„Commander...“ Chegwidden seufzte. Das würde schwerer werden als gedacht. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten Sie von dem Fall allerhöchstens Kenntnis bekommen.“ Er beugte sich vor. „Aber wie ich schon sagte, der Fall kommt direkt von Sheffields Büro. Anscheinend hat Captain Krennick ziemlich viel Wirbel verursacht. So viel, dass es bis nach ganz oben drang.“

„Sir, mit so etwas ist auch nicht zu spaßen.“ warf Mac ein. „Egal wie hochrangig Täter und/oder Opfer sind.“

„Natürlich nicht, Colonel.“ Er sah sie direkt an. „Daher übernehmen auch Sie die Anklage.“ Chegwidden wusste, was für ein „harter Knochen“ Mac in solchen Fällen war.

„Sir!“ Sogleich erhob Harm laut Protest, da er den – richtigen – Schluss gezogen hatte, ER sollte seinen alten Kameraden verteidigen. Rick war seinerzeit einer seiner besten Freunde gewesen. Sie waren immer noch gute Kumpel, auch wenn sie sich viel zu selten sahen. So ein Prozess würde ihre Freundschaft vermutlich empfindlich treffen, wenn nicht gar zerstören. Selbst wenn er Ricks Verteidiger wäre... das alles sah nach einer Schlammschlacht aus – mit sehr viel schmutziger Wäsche. Er wusste, wozu Allison Krennick fähig war, auch wenn sie dieses Mal nicht als Anwältin, sondern als Opfer/Zeugin vor Gericht erscheinen würde. „Mit allem nötigen Respekt, Admiral, das... das geht nicht!“

„Das geht sehr wohl, Commander.“ blaffte der Ex-SEAL zurück. „Noch bin ich hier der Chef. Und als dieser sage ich: SIE verteidigen. Keine Widerrede.“

„Aber, Sir... ich...“

„Vorsicht, Rabb!“ Chegwiddens Ton wurde leise, aber schneidend. „Ich sagte doch, KEINE WIDERREDE! Ich weiß, dass Sie Commander Costner kennen.“ Die dunklen Augen funkelten erbost. „Wenn es nach mir ginge, würde ich Ihnen den Fall sofort wieder entziehen.“

„Ja, Sir.“ Harm sah ein, dass er zu weit gegangen war, und senkte den Kopf. „Verstanden, Sir.“

„Leider ist Sheffield anderer Meinung.“ Chegwidden schnaubte verächtlich. „Er hat Ihnen eine Ausnahmegenehmigung erteilt, Commander. Trotz Ihrer Bekanntschaft mit dem Beschuldigten.“

„Ist denn das legal, Sir?“ meldete sich Mac zu Wort, auch um Harm aus der Schusslinie zu bringen. „Ich meine, das klingt doch sehr nach... nun ja... nach Mauschelei.“

„Ich weiß, Mac.“ Der Ton des Ex-SEALs wurde wieder sanfter. „Aber es gibt Präzedenzfälle. Außerdem sind Sie beide meine besten Leute.“ Er sah Harm an, der zwar immer noch aufmüpfig dreinschaute, sich aber in sein Schicksal zu fügen schien.

Mac wagte einen letzten Einwand. „Aber einer von uns WIRD gewinnen.“

„Haben Sie damit ein Problem, Colonel?“

„Nein, natürlich nicht.“ Sie schielte zu Harm. An seinen angespannten Kiefermuskeln konnte sie erkennen, wie sehr es in ihm arbeitete. „Sir, wenn ich gewinne, heißt es, Harm hätte seinen Freund nicht energisch genug bzw. nicht nach allen Regeln der Kunst verteidigt. Gewinnt er, wird sofort „War ja klar!“ gerufen.“

„Sheffield weiß das auch, Mac. Ihm geht es in erster Linie darum, dass äußerst erfahrene Anwälte den Prozess führen. Egal, wer gewinnt.“ Der Admiral lehnte sich zurück. „Sie beide sind nun mal das Beste, was ich zu bieten habe.“

Mac schmunzelte. „Danke, Sir.“

„Was... ah... was wird die Presse sagen, Sir?“ Harm hob den Kopf. „Die werden doch laut „Schiebung!“ rufen, wenn ich Rick verteidige.“

„Wir müssen eben versuchen, den Ball so flach wie möglich zu halten, Commander.“

„Da kennen Sie Krennick aber schlecht.“ murmelte der Ex-Pilot.

Chegwidden kniff die Augen zusammen. „Wie bitte?“

„Verzeihung, Sir.“ Der Ex-Pilot sah seinen CO nicht an. „Aber Sie wissen doch, wie Allison ist. Wenn sie etwas zu ihrem Vorteil nutzen kann, dann macht sie das auch.“ Nun hob er doch den Kopf. „Ohne Rücksicht auf Verluste.“

Mac sah ihn erstaunt an. Natürlich hatte sie davon gehört, dass der damalige Commander Krennick hinter dem damaligen Lieutenant Harmon Rabb her gewesen war. Sie war sich immer sicher gewesen, dass da nichts dran gewesen war. Bis jetzt.

Der Admiral sah Harm nachdenklich, aber auch neugierig an. „Warum eigentlich haben SIE nie etwas gegen sie vorgebracht?“

„Wie bitte?“

„Commander, als ich hier anfing, waren Sie ein junger aufstrebender Lieutenant. Und Krennick eine gute, aber auch äußerst ehrgeizige Anwältin. Meinen Sie, ich habe nicht mitbekommen, wie sie hinter Ihnen her war?“

„Oh... ähm... na ja...“ Harm wurde rot. „Ich war ein kleiner Lieutenant, sie Commander. Den Tatbestand der sexuellen Belästigung hätte ich ihr nur schwer nachweisen können, Sir. Dazu war – oder ist – sie viel zu gerissen. Außerdem ist es nie so weit gekommen, dass ich etwas hätte sagen MÜSSEN.“

„Eine Frau hätte schon viel früher den Mund aufgemacht, Harm.“ Mac sah ihn herausfordernd an.

„Du warst doch noch gar nicht hier.“

Sie schmunzelte kaum merklich. „Ich habe aber so einiges gehört.“

„Oh.“ machte er und schluckte. „Ihre Attacken waren eher... hm... verbaler Art, Mac.“ Die Erinnerung an ihre Reaktion, als sie Maria Elena unter seiner Dusche entdeckte, amüsierte ihn selbst heute noch. „Unsittlich berührt hat sie mich jedenfalls nie. Allerdings hatte sie in der Hinsicht ein ziemlich lockeres Mundwerk.“

„Selbst das hätte eine Frau nicht lange geduldet.“

„Ich hab halt gedacht, ich werde auch so mit ihr fertig.“ Seinen CO hatte er unterdessen vollkommen vergessen.

Chegwidden schmunzelte trotz des ernsten Themas über den Schlagabtausch der beiden. „Was sich durch Krennicks Versetzung ja erübrigt hat, Commander.“

„Ja, Sir.“

„Commander Costner ist nach Washington gebracht worden und sitzt im Navy Yard in Untersuchungshaft. Harm, ich schlage vor, Sie nehmen ASAP Kontakt mit ihm auf.“

„Verstanden, Sir.“

„Colonel, Sie wissen, was Sie zu tun haben.“

„Natürlich, Admiral.“

Harm meldete sich noch einmal zu Wort. „Ah... Admiral...“ Er deutete auf seinen Aktendeckel. „Ich vermisse den Bericht der medizinischen Untersuchung.“

„Ist der nicht dabei?“

„Nein, Sir.“

Mac überflog ihre eigene Akte. „Sir, bei mir fehlt er auch.“

„Ohne diesen Bericht können wir das Ganze vergessen, Admiral.“

„Ich weiß, Commander.“ Chegwidden seufzte. „Mal sehen, was ich tun kann.“

„Danke, Sir.“ kam es synchron von beiden Offizieren.

„Gut, Leute, an die Arbeit. Wegtreten.“

Beide erhoben sich. „Aye, aye, Sir.“ Dann verließen sie den Konferenzraum.

dachte Chegwidden. Ohne diesen Bericht stünde Aussage gegen Aussage. Und er traute Allison Krennick nicht ganz über den Weg. „Allison, was ist da los?“ murmelte er und erhob sich, um in sein Büro zurückzukehren.

Währenddessen waren Harm und Mac bereits im Bullpen angekommen.

„Bud, besorgen Sie mir einen Wagen, ich muss raus zum Navy-Yard.“ Harm klopfte dem jüngeren Mann auf die Schulter. „Und dann suchen Sie mir alles raus, was es über Captain Allison Krennick gibt.“

„Aye, Sir.“ Bud griff zum Telefon, stoppte aber. „Äh... sagten Sie „Captain Krennick“, Sir?“

„Ja.“

„DIE Allison Krennick, die mal hier stationiert war?“

„Genau die meine ich, Lieutenant.“

„Oh.“

Mac meldete sich zu Wort. „Machen Sie mir doch bitte eine Kopie davon, Bud.“

„Mac...“

„Harm, ich benötige diese Informationen ebenso wie du. Sie sind allgemein zugänglich, also nichts, was einer von uns verheimlichen könnte oder müsste.“

„Okay, okay.“ Harm sah sie an. „Du bekommst das Zeug.“ Er sah Bud an. „Sie haben den Colonel gehört, Lieutenant.“

„Aye, Ma’am, Sir.“ Er wählte die Nummer des Fuhrparks.

Mac wandte sich an den Ex-Piloten. „Erzählst du mir was über Captain Krennick?“

„Maaac...“ machte er gedehnt. „Da gibt es nicht viel zu erzählen.“

„Dann sag mir doch das, was du weißt.“ Sie zog ihn mit in ihr Büro und schloss die Tür. „Es muss ja nicht jeder mitkriegen, worum es geht.“

Er nahm in einem ihrer Besucherstühle Platz. „Die werden das noch früh genug erfahren.“

„Wer ist denn überhaupt noch hier aus der damaligen Zeit?“

„Nicht viele.“ Er seufzte. „Der Admiral und ich, dann zwei oder drei Petty Officers von oben...“

„Und Bud.“

„Nein, Bud war damals noch auf der Seahawk. Er hat Krennick erst im Verlauf der Ermittlungen zu Dianes Tod kennen gelernt.“

„Bud kannte Diane?“

„Yep.“ nickte er. „Sie dienten zusammen auf der Seahawk. Bud war es auch, der ihre... ahm... ihre Leiche fand.“

„Oh.“ Mitfühlend sah sie ihn an.

„Krennick wäre bereit gewesen, mich zu opfern, wenn es ihrer Karriere gedient hätte.“

„Dich zu opfern?“

„Mhm.“ Er nickte erneut. „Ich geriet sogar ins Visier dieses mysteriösen NCIS-Agenten namens Turkey.“

Nun konnte sie sich ein Kichern nicht verkneifen. „Turkey?“

„Jupp, Turkey. Mit Betonung auf der ersten Silbe.“ Sein Lachen klang reichlich gequält.

„Und warum hat der dich ins Visier genommen?“

Harm seufzte. „Weil er dachte, ich hätte Diane ermordet.“

„DU??? Ich dachte, es wäre dieser Holbarth gewesen?“

„Der war’s ja auch.“ Er sah sie nachdenklich an. Vor seinem inneren Auge tauchten wie einem schlechten Film die damaligen Szenen in Norfolk auf: Das nebelige Dock... Mac in weißer Navy-Uniform... der entsetzte Blick von Commander Holbarth, als er sie sah und dachte, Diane vor sich zu haben... sein schrecklicher Schrei, als das Schiff ihn zerquetschte... und zu guter Letzt: Der Kuss. Wobei der natürlich keinesfalls einem schlechten Film entsprungen war – im Gegenteil.

In der Tat hatte er zuerst „Diane“ geküsst. Doch sehr schnell hatte er festgestellt, dass der Kuss vollkommen anders war als alles, was er mit Diane erlebt hatte. Er hatte damals schon Gefühle für Sarah MacKenzie entwickelt gehabt, die weit über das hinausgingen, was unter Kollegen üblich war. Nur war er sich dessen nicht richtig bewusst gewesen. Bis eben zu diesem Kuss in Norfolk.

Mac sah in seinen Augen, wie die unterschiedlichsten Emotionen in ihm empor wirbelten und wieder im Gedächtnis versanken.

„Ich weiß, du hast sie sehr geliebt, Harm.“ meinte sie sanft.

Er nickte. Ja, er hatte Diane Shonke geliebt. Aber noch mehr liebte er die Frau, die vor ihm saß und ihn mit ihren schokoladenbraunen Augen mitfühlend ansah. „Ja, ich hab sie geliebt.“ meinte er dann leise. „Ich weiß nicht, ob aus uns etwas Dauerhaftes geworden wäre, aber so ein Ende hatte sie nicht verdient.“

„So ein Ende hat niemand verdient.“

„Ich weiß.“ Harm sah sie an. „Sie war so unbeschwert, so fröhlich.“

Mac erkannte in seinen Augen den immer noch vorhandenen Schmerz. „Sie wird immer ein Teil deines Lebens sein, Harm.“

„Du wirst auch immer Teil meines Lebens sein, Sarah MacKenzie.“ flüsterte er.

Sie musste schlucken. „Ahm... ich... uh...“ stammelte sie verlegen.

„Sag jetzt nichts, Marine.“ Ein zaghaftes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Alle hier werden Teil meines Lebens sein. Bud und Harriet, der Admiral, Tiner und der Gunny... sogar Singer...“ Das Grinsen wurde breiter. Wenn es nach ihm ginge, würde sie für den Rest seines Lebens eine sehr bedeutende Rolle spielen.

„Okay.“ Sie holte tief Luft. „Aber nun sollten wir uns wieder dem Fall zuwenden. Was kannst du mir über Krennick erzählen?“

Harm fand den abrupten Themenwechsel zwar alles andere als angenehm, wusste aber, dass sie Recht hatte. In den nächsten Minuten erzählte er ihr dann alles, woran er sich an die Zusammenarbeit mit dem damaligen Commander Krennick erinnerte.

„Mehr nicht?“

„Nope, das war im Großen und Ganzen alles.“

Mac grinste süffisant. „Wie war das denn mit ihrer „Jagd“ auf dich?“

„Du weißt davon???“

„Sagen wir mal so...“ Ihr Grinsen wurde breiter. „Die Flure hier im HQ munkeln und raunen einem schon mal etwas zu...“

„Guter Gott!“

„Wie war das denn jetzt mit Krennick und dir?“

„Mac, ich stehe doch nicht vor Gericht.“

„Nein.“ lachte sie. „Aber du bist quasi ein Charakterzeuge für Krennick.“

„Willst du mich etwa in den Zeugenstand rufen?“

„Nein, ich...“ Plötzlich durchzuckte sie ein Gedanke. „Ah... Harm, ich glaube, es ist... na ja... vielleicht doch besser, wenn wir hier abbrechen.“

„Warum?“ Misstrauisch sah er sie an. „Denkst du wirklich daran?“

„Ich weiß es noch nicht.“ meinte sie ernst. „Eines kann ich dir dennoch verraten: Ihr Verhalten dir gegenüber KÖNNTE eine Rolle spielen.“

Er kniff die Augen zusammen und taxierte sie. „Oookay...“ meinte er gedehnt und erhob sich. „Klappt das mit unserem Lunch nachher?“

„Oh, das hätte ich fast vergessen. Sorry, Harm.“ Sie lächelte entschuldigend. „Wäre es schlimm, das zu verschieben? Ich werde mich in den Fall einarbeiten müssen.“

„Na gut.“

„Vielleicht morgen?“

Er zuckte mit den Schultern und öffnete ihre Bürotür. „Mal sehen.“

„Harm?“ rief sie leise, als er schon fast im Bullpen war.

Er drehte sich um. „Ja?“

„Bist du jetzt sauer?“

„Nein, ich bin nicht sauer.“ Der Ex-Pilot schenkte ihr ein beruhigendes Lächeln. „Ich hätte es nur schön gefunden, wenn du Zeit gehabt hättest. Mit dir macht die Mittagspause viel mehr Spaß.“

Sie lachte. „Die Aussicht auf Lunch mit dir ist auch wesentlich angenehmer als dieser Fall hier, das kannst du mir glauben. Aber du weißt doch, wie das ist.“

„Ich muss nachher ja selbst raus zum Navy-Yard, Rick befragen. Wir holen das nach, okay?“

„Versprochen?“

„Versprochen.“ Er grinste breit.

Ein strahlendes Lächeln antwortete ihm. „Okay.“

Mit einem letzten nachdenklichen Blick begab er sich dann in sein Büro und schloss die Tür. „Verdammt, Rick! Was ist da passiert?“ Er konnte sich nicht vorstellen, dass sein alter Freund so etwas getan haben konnte. Sie alle – von Sturgis vielleicht abgesehen – waren keine Kinder von Traurigkeit gewesen. In den frühen 80ern waren die Zeiten nun mal so unbeschwert gewesen – und sie jung und voller Tatendrang.

Ein Klopfen an der Tür ließ ihn aufblicken. „Ja?“

„Ihr Wagen ist für 13 Uhr reserviert, Sir.“ Buds Kopf erschien im Türrahmen. „Sie wollten doch Infos über Captain Krennick.“

„Kommen Sie rein, Bud.“ Er deutete auf einen Stuhl. „Was haben Sie rausgefunden?“

Der jüngere Mann schloss die Tür hinter sich und setzte sich. „Nachdem sie von hier wegversetzt wurde, hat sie die Leitung des JAG-Büros auf Guam übernommen. Seit einem halben Jahr ist sie wieder in den Staaten, in Norfolk.“

„Guam ist nicht unbedingt ein großer Schritt nach vorn.“

„Nein, Sir.“ Bud blätterte in seinen Unterlagen. „Alles in allem scheint sie dort aber gute Arbeit geleistet zu haben.“

Harm war keineswegs beeindruckt. „Das tun wir doch alle.“

„Allerdings gibt es eine merkwürdige Sache, bei der ihr Name erwähnt wird.“

Der Ex-Pilot lehnte sich vor. „Ja?“

„Auf Guam gab es einen Verdachtsfall der sexuellen Belästigung.“

„Verdachtsfall?“

„Ja, ein Lieutenant Marcy Vasquez.“

Harms Augenbrauen schossen in die Höhe. „Eine Frau???“

„Ja, Sir.“ Bud blickte ihn an. „Lieutenant Vasquez hat eine sexuelle Belästigung von Seiten Captain Krennicks gemeldet, diese Meldung aber später wieder zurückgezogen.“

„Steht da auch, warum?“

„Nein.“

„Und was soll Krennick verbrochen haben?“

Bud suchte die entsprechende Stelle und fing an zu kichern.

„Bud!“

„Sorry, Sir.“ Der jüngere Mann grinste immer noch. „Sie soll Vasquez unter der Dusche einen – ich zitiere – *einen geilen Körper* bescheinigt haben. Ihre genauen Worte waren wohl: *Kindchen, mit diesem geilen Körper und seinen Kurven machen Sie jeden Mann heiß. Und auch manche Frau. Passen Sie nur ja auf sich auf.*

„DAS soll Krennick gesagt haben?“ Selbst Harm hatte Schwierigkeiten, ernst zu bleiben. dachte er schmunzelnd.

„Anscheinend.“

„Aber was macht Krennick mit einem kleinen Lieutenant gemeinsam unter der Dusche? Als Kommandant hat sie doch ein eigenes Quartier mit Bad.“

„Das steht hier leider nicht, Sir.“

„Finden Sie den Aufenthaltsort von Lieutenant Vasquez heraus, Bud. Ich schätze, ich muss sie deswegen befragen.“

„Aye, Sir. Sonst noch was?“

„Nein, Bud. Außer...“ Harm grinste breit. „Verraten Sie nichts dem Colonel. Das soll sie mal schön selbst herausfinden.“

„Ja, Sir.“ Ein wenig erstaunt sah er den höherrangigen Offizier an. In den letzten Tagen waren die beiden so nett und humorvoll miteinander umgegangen wie seit Monaten nicht mehr. Und nun wieder diese Arroganz?

Harm erhob sich. „Ich werde jetzt zum Navy-Yard rausfahren und Commander Costner befragen. Vielleicht kann Rick schon etwas Licht in die Sache bringen.“

„Sie kennen ihn?“

„Jupp. Wir waren zusammen in Pensacola. Und Rick ist nicht der Typ für so etwas.“

„Ah... Sir... was genau wird Commander Costner denn vorgeworfen?“

„Vergewaltigung.“

„Von Commander Krennick???“

„Allerdings.“ Der Ex-Pilot schloss seinen Aktenkoffer.

„Autsch.“ entfuhr es Bud. „Verzeihung, Sir, ich...“

Harm unterbrach ihn leise lachend. „Bud, meine Reaktion fiel noch ein bisschen drastischer aus – in Gegenwart des Admirals.“

„Autsch.“ machte der junge Mann erneut.

„Sie sagen es.“ Harm griff nach seiner Mütze. „Ich muss los.“

Bud erhob sich nun auch. „Commander, was mache ich denn jetzt mit Colonel MacKenzie?“

„Wieso?“

„Na ja, sie wollte doch auch alle Informationen über Commander Krennick haben.“

Harm grinste unschuldig. „Können Sie es nicht so deichseln, dass sie diesen speziellen Hinweis nicht bekommt?“

„Doch, Sir, aber...“

„Dann machen Sie das doch.“ fiel Harm ihm breit grinsend ins Wort.

Bud seufzte resigniert. „Aye, Sir.“ Er ahnte Schlimmes für den allgemeinen Bürofrieden, sollte der Colonel das herausfinden.

„Sie haben damit doch kein Problem, oder, Bud?“ Er klopfte dem Lieutenant ermutigend auf die Schulter.

„Nicht wirklich, Commander.“

„Höre ich da etwa ein „aber“?“

Bud wurde rot. „Was ist, wenn sie es herausfindet?“

„Das sollte sie auch.“

„Nein, Sir... ich meine... wenn sie entdeckt, dass ich... nun ja... dass ich ihr nicht wie... ähm... wie befohlen ALLE Informationen gegeben habe.“

„Dann haben Sie es eben später herausgefunden.“ grinste Harm. „Oder Sie schieben es gleich auf mich. Ich komm schon mit ihr klar.“

„Sicher, Sir?“

Harms Selbstbewusstsein war momentan unerschütterlich. „Yep.“



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Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#3 von Evi , 22.01.2014 12:58

„Wenn Sie meinen...“ Bud hatte gehörige Zweifel, aber Harm war ein vorgesetzter Offizier, dessen Worte man besser nicht in Frage stellte.

Beide Männer verließen Harms Büro. Unterwegs lief ihnen prompt Mac über den Weg.

„Schon neue Erkenntnisse, Bud?“

„Ähm... ja, Ma’am.“ Er warf einen Blick zu Harm, der jedoch nur Augen für Mac zu haben schien. „Ich mache Ihnen gleich die Kopien.“

„Gut, Bud.“ Sie wandte sich an Harm. „Du fährst jetzt raus zum Yard?“

Dieser grinste breit. „Yep.“

„Viel Glück.“

„Danke, Frau Anwältin.“ Er wandte sich zum Aufzug, winkte aber noch einmal über die Schulter.

Bud wandte sich an Mac. „Ich mache Ihnen gleich die Kopien, Colonel.“

„Sehr gut, Lieutenant.“ Sie verschwand in ihrem Büro.

„Puh.“ machte der junge Mann. „Wenn das mal gut geht...“

#

Navy-Yard Washington, DC

Harm saß in einem der Verhörräume und wartete, dass man seinen Freund Rick hereinbringen würde.

Schließlich ging die Tür auf, und Commander Costner wurde hereingeführt – in Handschellen, ein für Harm unnötiger Umstand.

„Sergeant, nehmen Sie ihm bitte die Handschellen ab.“

„Commander, Sie wissen doch...“

Harm unterbrach die Wache. „Sergeant...“

„Ja, Sir, auf Ihre Verantwortung.“ Der Marine nahm Rick die Handschellen ab und stellte sich an die Wand neben der Tür.

„Muss das sein, Marine?“

„Vorschrift, Sir.“ kam die stoische Antwort.

Der Ex-Pilot seufzte. Leider hatte der Mann Recht. Bei Verdacht auf Kapitalverbrechen – und Vergewaltigung gehörte dazu – hatte der Angeklagte entweder gefesselt zu bleiben oder eine Wache im Raum zu sein. [AN: Ich hab keine Ahnung, ob das wirklich so ist, aber es klingt so schön dramatisch... ].

„Commander.“ Harm grüßte seinen Freund absichtlich förmlich.

Dieser nickte. „Sir.“

„Rick, was ist da passiert?“

„Nichts.“

„Nichts?“

„Nein, nichts, Harm.“ Rick schüttelte den Kopf. „Rien... nada... nothing...“

„Schon gut.“ Harm lachte leise. Dann wurde er wieder ernst. „Man hat mir deine Verteidigung übertragen, per Sondererlaubnis durch den SecNav.“

„Wow.“

„Eigentlich dürfte ich das nämlich nicht, weil wir uns kennen. Eins solltest du wissen, was immer auch passieren mag: Das hier, das ist mein Job.“

„Ich weiß.“

„Es könnte unangenehm werden.“

„Inwiefern?“

„Wenn Mac dich ins Kreuzverhör nehmen sollte, soll...“

Costner sah seinen alten Freund mit großen Augen an. „Mac?“

„Lieutenant Colonel Sarah MacKenzie, die Anklägerin.“ lachte Harm. „Ein waschechter Marine. Und gerade in Vergewaltigungsfällen knallhart.“

„Du kennst sie?“

„Jupp.“ Mehr wollte Harm nicht verraten.

Rick seufzte. „Auch das noch, ein Holzkopf...“

„Na, na, na.“

„Wie sieht sie aus?“

„Gut.“

Rick kniff die Augen zusammen. Irgendetwas im Ton seines Freundes ließ ihn aufhorchen. „Nur „gut“, oder steckt da mehr dahinter?“

<Nicht du auch noch.> „Ich weise dich besser noch auf eine Tatsache hin, damit du keine böse Überraschung erlebst: Sie könnte ein Zwilling von Diane sein.“

„Diane? Unsere Diane Shonke?“

„Aha.“ nickte Harm.

„Gut zu wissen.“ Rick grinste. „Dann ist klar, warum sie dir gefällt.“

Harm fragte sich, wie er das so schnell hatte herausfinden können. „Rick, ich bin hier, um DICH zu befragen, nicht umgedreht.“

Rick grinste breit. „Lenk nicht ab, Harm.“ Flyboy war Flyboy; Grinsen war Grinsen. Und Flyboy-Grinsen war Flyboy-Grinsen.

„Mac ist vollkommen anders als Diane.“

Costners Grinsen wurde noch breiter. „So, so.“

„Rick...“

„Schon gut, Kumpel. Du kannst mir später alles erzählen.“

„Also...“ Harm holte tief Luft. „... wenn Mac dich ins Kreuzverhör nehmen sollte, Rick, dann denk bitte daran, dass wir beide Freunde sind.“

„Auch wenn wir uns viel zu selten sehen, daran habe ich keine Zweifel.“

„Wenn du später immer noch so denkst, können wir ja weitermachen.“

„Warum sollte ich meine Meinung ändern?“

„Na ja, ich musste Renée mal als Zeugin befragen. Sie hat mir das noch wochenlang übel genommen.“

„Warst du so schlimm?“

„Anscheinend.“ Harm grinste verlegen. „Aber lass uns jetzt bitte weitermachen.“

„Okay.“

„Rick, Captain Krennick beschuldigt dich der Vergewaltigung. Das ist eine ernstzunehmende Angelegenheit.“

„Ich weiß. Aber ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.“

„Wie kommt sie dann darauf?“

„Ich weiß es nicht, Harm. Krennick ist eine attraktive Frau. Aber auch sehr... nun ja, wie soll ich sagen...“

„... sehr direkt und manchmal ganz schön fordernd.“ ergänzte Harm.

„Du kennst sie?“

„Leider.“ entfuhr es dem dunkelhaarigen Mann. „Und sie hat offenbar eine Schwäche für gut aussehende Männer.“ Rick Costner war nicht ganz so groß wie Harm, aber mit seinen blonden Haaren und den himmelblauen Augen nicht minder gut anzuschauen.

„Allerdings.“ Rick konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Es ist egal, ob du Single bist oder nicht, wenn sie dich auf dem Kieker hat, wird es kompliziert. Schließlich ist sie eine Vorgesetzte.“

Harm seufzte leise. Rick beschrieb genau das, was ihm vor Jahren auch passiert war. „Hat sie sich an dich rangemacht?“

„Kann man so sagen.“

„Erzähl mir alles, an das du dich erinnerst.“

„Es fing schon kurz nach ihrer Versetzung nach Norfolk an. Zuerst wunderte ich mich nur, dass ich so oft im JAG-Büro erscheinen sollte.“

Harm machte sich Notizen. „Wie hat sie dich überhaupt kennen gelernt?“

„Einer meiner Leute hatte auf dem Stützpunkt einen Unfall gebaut. Ich war Beifahrer. Sie wollte meine Zeugenaussage.“

„Das war alles?“

Rick nickte. „Das war alles.“

„Okay. Wie ging es weiter?“

„Wie gesagt, ich sollte immer mal wieder zu ihr ins Büro kommen.“

„Hat sie Gründe genannt?“

„Nicht wirklich.“

Harm sah seinen Freund ernst an. „Rick...“

„Sorry, aber ich hatte das Gefühl, ihre Gründe wären vorgeschoben.“

„Kommt mir bekannt vor.“ murmelte Harm. „Kannst du dich an einige erinnern?“

„Am Anfang ging es um diesen einen Fall. Da wollte sie immer neue Details wissen, obwohl ich ihr bereits alles dazu gesagt hatte. Später dann...“ Er machte eine Pause. „Warte... ja, richtig. Ein paar Wochen später tauchte sie bei mir im Büro auf.“

„Was wollte sie?“

„Mich fragen, ob ich am Abend schon was vorhatte.“

„Wie bitte?“

„Ja, sie wollte offenbar mit mir ausgehen.“

„Mit dir ausgehen...“

„So klang es für mich.“

„Hast du es gemacht?“

„Na ja...“ Rick wurde rot. „... wenn eine attraktive Frau dich fragt, ob du mit ihr ausgehen möchtest, sagst du da „nein“?“

„Bei Krennick hätte ich „nein“ gesagt.“

„Du vielleicht, aber ich hab’s nicht getan.“

Harm riss die Augen auf. „Du hast ihr Angebot angenommen???“

„Warum nicht? Ich kannte sie ja kaum.“

„Es hat dich nicht gestört, dass sie höherrangig war?“

Rick sah seinen Freund an. „Harm, wie oft waren wir damals in Pensacola mit unseren Vorgesetzten unterwegs?“

„Okay, schon gut.“ seufzte Harm. „Wo habt ihr euch getroffen?“

„Im Offiziersclub.“

„Wann war das?“

„Vor ungefähr drei Monaten.“

„Was ist an dem Abend passiert?“

„Nichts. Wir haben uns unterhalten, ein Bier getrunken und sind dann unserer Wege gegangen – getrennt.“

„Worüber habt ihr euch unterhalten?“

„Ich glaube, wir haben über unsere Militärlaufbahnen geredet, wo wir schon stationiert waren und so.“

„Hat sie erwähnt, dass sie mal hier in Washington war?“

„Nein.“

„Seltsam, immerhin war sie ja ein paar Jahre hier im JAG-HQ.“

„Ich wusste wirklich nicht, dass sie mal hier war. Ansonsten hätte ich dich bestimmt schon nach ihr gefragt.“

„Aber hoffentlich wohl nicht, um meine Meinung über sie zu hören.“

„Doch.“ Rick grinste verlegen.

„Hattest du etwa vor, mit ihr...?“ Harm kniff die Augen zusammen und taxierte seinen Freund. „Du weißt schon...“

„Guter Gott, nein!“ Costner hob abwehrend die Hände. „Sie ist nicht mein Typ.“

Im Augenwinkel sah Harm, dass die Wache nervös zu ihnen guckte. Er machte eine beruhigende Handbewegung, um dem Marine zu signalisieren, dass alles in Ordnung war. „Vorsicht, Rick. Marines werden schnell nervös.“

„Sorry.“

„Warum bist du dann mit ihr ausgegangen?“

„Ich fühlte mich geschmeichelt.“ Rick lehnte sich im Stuhl zurück und grinste seinen Freund spöttisch an. „Du weißt doch, wie goldene Flügel auf das andere Geschlecht wirken. Das genieße ich immer noch...“

„Du und dein Ego.“ lachte Harm.

„Als ob deins oder das von Jack viel kleiner gewesen wäre.“

„Im Frauenaufreißen warst du aber einsame Spitze.“ Rick Costner hatte seinerzeit JEDE Gelegenheit genutzt, die sich ihm geboten hatte.

„Was ist mit dir? Bist du inzwischen vergeben?“

Harm war keineswegs erbaut über die Wendung, die das Gespräch plötzlich genommen hatte. „Rick, ich bin hier, um mit dir deine Verteidigung zu besprechen.“

„Du weichst mir aus, Harm, also ist da was.“ Rick lachte. „Ich kenne dich. Bist du noch mit Renée zusammen?“

„Nein, bin ich nicht.“

„Gibt es denn jemand anderen in deinem Leben? Wir haben verdammt lange nichts mehr voneinander gehört.“

„Rick, das verschieben wir auf später, wenn dieser Zirkus vorbei ist.“

„Na gut.“ seufzte der blonde Mann. „Ich nehme dich beim Wort.“

„Okay, okay.“ Harm nickte resigniert. „Aber jetzt wird hier weitergemacht.“ Sein Ton wurde ernst und professionell.

Rick zwinkerte. „Ja, Sir.“

„Kannst du dich sonst noch an etwas erinnern, über das ihr damals gesprochen habt?“

„Gott, das weiß ich doch nicht mehr.“ schnaubte Rick verächtlich, kritisch beäugt von der Wache an der Wand. „Ich kann mir doch nicht jedes Wort merken, das ich irgendwann mal zu irgendwem gesagt habe.“

„Fällt dir wirklich nichts mehr zu dem Abend ein?“

„Nein.“ Der blonde Mann schüttelte den Kopf. „Doch... halt... warte mal.“ Er setzte sich aufrecht hin. „Ich fand es etwas merkwürdig, dass sie mich über mein Privatleben ausgequetscht hat. Ob ich verheiratet wäre oder eine Beziehung habe... so was in der Art. Ich meine, man fragt jemanden vielleicht einmal und belässt es dann dabei. Aber sie... sie wollte alles ganz genau wissen.“ Er grinste. „So ähnlich wie du jetzt.“

„Rick, ich MUSS dich das alles fragen.“

„Weiß ich doch. Und ich versuche ja auch, mich zu erinnern.“

„Was immer dir einfällt, es könnte wichtig sein.“

„Okay.“

„Hat es dich gestört, dass sie so viel wissen wollte?“

„Wie gesagt, ich fand es recht eigenartig, dass es nur um meinen Beziehungsstatus zu gehen schien.“

„Ihr habt also nur ein Bier miteinander getrunken, und das war’s dann?“

„Für den Abend, ja.“

Harms rechte Braue sauste in die Höhe. „Gab es etwa noch mehr solcher Abende?“

„Ja.“ Als Rick sah, wie Harm den Mund aufmachte, hob er eine Hand. „Keine voreiligen Schlüsse, Kumpel. Ich kann nichts dafür, wenn sich ein vorgesetzter Offizier einfach zu mir an den Tisch setzt.“

„Wann war das, und was genau hat sie gemacht?“

„Ich treffe mich zweimal im Monat mit meinen Leuten auf ein Bier. Meiner Ansicht und Erfahrung nach hält das die Truppe zusammen.“

Harm nickte. Er hatte Ähnliches auch schon von anderen Vorgesetzten gehört. „Weiter.“

„Manchmal bleibe ich noch was im Club, nachdem sich die Runde aufgelöst hat. Und drei oder vier Mal tauchte dann Krennick auf.“ Er lachte leise. „Ich hatte den Eindruck, dass sie genau auf diesen Zeitpunkt gewartet hatte.“

„Was hat sie gemacht?“

„Ein Bier oder einen Wein bestellt und Small Talk betrieben.“

„Was Persönliches?“

„Nicht besonders.“ Rick zuckte mit den Schultern. „Beim letzten Mal wurde sie allerdings sehr vertraulich.“

„Wann war das?“

„Vorletzten Freitag.“

„Also an dem Tag, an dem sie vergewaltigt wurde.“

„Angeblich vergewaltigt wurde, Harm. Jedenfalls nicht von mir.“

„Ich glaube dir ja, Rick. Aber erzähl mir, was passiert ist.“

„Wie gesagt, ich hatte mit meinen Jungs was getrunken. Als alle weg waren, tauchte wie aus dem Nichts Krennick auf und setzte sich an meinen Tisch – unaufgefordert und ohne zu fragen.“

„Weiter.“ Harms Notizblock füllte sich.

„Sie legte gelegentlich die Hand auf meinen Arm... bezeichnete mich als gutaussehenden Mann... meinte, ich müsste doch einsam sein so ohne Partnerin...“

„War dir das unangenehm?“

Costner grinste. „Ein bisschen schon. Ich suche mir lieber selbst aus, wen ich anmache.“

„Sie hat dich angemacht?“

„Wie würdest du denn das bezeichnen, was ich gerade beschrieben hab?“

„Hast Recht, das klingt sehr nach Anmache.“ Harm nickte abwägend mit dem Kopf. „Hast du ihr „rotes Licht“ gegeben?“

„Harm, ich...“

„Oder warst du schon zu betrunken?“ Der dunkelhaarige Mann kannte seinen Kumpel.

Rick kratzte sich verlegen am Kopf. „Na ja, ganz nüchtern war ich nicht mehr. Du weißt doch, wie ein Männerabend enden kann.“

„Oh ja.“ seufzte Harm leise. Nur zu deutlich erinnerte er sich an sein letztes „Besäufnis“ mit Keeter.

Sein Gegenüber musterte ihn amüsiert. „Dein letzter scheint noch nicht so lange her zu sein.“

„Hm-hm.“ schüttelte Harm den Kopf. „Was geschah dann?“

„Du weißt, ihre Stimme klingt von Natur aus schon tief und rauchig. Hast du eine Ahnung, wie unanständig sie sein kann?“

„Nicht wirklich.“

„Wenn eine Frau dir ins Ohr haucht, dass sie deine Einsamkeit – ob die tatsächlich vorhanden ist, steht auf einem anderen Blatt – mildern kann, indem sie das perfekte Heilmittel kennt?“

„Wie bitte? DAS hat sie gesagt?“

„So ungefähr.“ Rick nickte. „Auch wenn ich zu viel getrunken hatte, ich erinnere mich genau an ihre Worte mit der Einsamkeit. Sie sagte – und ich zitiere: *Alles, was ich dazu benötige, ist ein breites Bett, Commander.*

„Die hat sich ja richtig an dich rangeschmissen.“ schnaubte Harm verächtlich.

„Sag ich doch.“ grinste Rick. „Mehr als das war wirklich nicht. Wäre es eine andere Frau gewesen, dann könnte ich vermutlich nicht so vehement bestreiten, dass da was gewesen sein soll. Aber Krennick... nein...“

„Gibt es irgendwelche Zeugen, die euch zusammen gesehen haben? Oder vielleicht sogar etwas von ihrem Verhalten mitbekommen haben?“

„Der Club war gut gefüllt, aber du weißt, wie viele Leute in Norfolk arbeiten.“

„Versuch dich an bekannte Gesichter zu erinnern.“

„Mir würden bestimmt welche einfallen. Kann ich da noch drüber nachdenken?“

Harm sah auf die Uhr. „Klar doch. Ich würde sowieso sagen, dass wir für heute Schluss machen.“

„Wie geht es weiter?“

„Ich werde weiter recherchieren, Rick. Vermutlich muss ich auch noch nach Norfolk deswegen. Vor allem, wenn dir noch mögliche Zeugen einfallen sollten. Danach wird es wohl direkt zur Verhandlung kommen. Vergewaltigung ist ein schwerwiegendes Verbrechen, da gibt es normalerweise keine Anhörung vorher.“

„Wie stehen meine Chancen?“

„Kommt darauf an, was Mac an Zeugenaussagen, Indizien etc. aufbieten kann. Ich für meinen Teil glaube dir, dass du unschuldig bist.“

Costner nickte. „Danke, Kumpel.“

„Eine Frage habe ich aber noch.“ Er sah seinen Freund ernst an. „Hattest du Sex mit ihr?“

„NEIN!“ protestierte dieser laut.

Prompt löste sich der Marine von der Wand und trat einen Schritt vor. „Alles in Ordnung, Commander?“

„Ja, Sergeant.“ Harm erhob sich und packte seine Sachen in den Aktenkoffer. „Wir sind hier vorerst auch fertig.“

„Ja, Sir.“ Der Mann trat zum Tisch und deutete Costner, aufzustehen. Dann legte er ihm wieder Handschellen an.

„Rick, ich melde mich, sobald ich Näheres weiß.“

„Okay.“ Der blonde Commander ließ sich willig abführend. „Ich zähle auf dich, Harm.“

Dieser seufzte. „Ich weiß.“

Nachdem Costner aus dem Raum geführt worden war, verließ auch der dunkelhaarige Ex-Pilot das Verhörzimmer und fuhr wieder zurück zum HQ.

Erschöpft ließ er sich dann in seinem Büro in den Stuhl sinken. „Puh.“

Sekunden später klopfte es.

„Ja?“

Bud betrat sein Büro. „Gibt’s was Neues, Commander?“

„Wie man’s nimmt, Bud.“ Er deutete dem jüngeren Mann, die Tür zu schließen. Dann erzählte er in groben Zügen, wie die Befragung abgelaufen war.

„Das klingt nicht nach „schuldig“, Sir.“

„Nein, wahrlich nicht. Wenn ich nur jemanden finden könnte, der Ricks Aussagen bestätigt. Optimal wäre natürlich jemand, dem Ähnliches widerfahren ist.“

„Sie meinen, das hat Methode, Sir?“

Harm lachte. „Das hat definitiv Methode, Lieutenant. Sie hat es bei mir versucht, sie hat es bei Rick versucht. Warum also nicht noch bei jemand anderem?“

„Immerhin gibt es da noch die Aussage von Lt. Vasquez.“

„Die ja keine echte Aussage war. Aber vielleicht können wir sie doch noch zu einem Statement überreden, vorausgesetzt, wir finden sie.“ Er sah den jüngeren Mann an. „Schon irgendwelche Fortschritte?“

Bud grinste breit. „Immerhin weiß ich, wo sie jetzt stationiert ist.“

„Gute Arbeit.“ nickte Harm. „Und wo?“

Nun lächelte Bud verlegen. „Auf der USS Dallas.“

„Einem U-Boot???“

„Aha.“

„Und wo ist die Dallas im Moment?“

„Irgendwo in der Beringstraße. So genau konnte oder wollte mir das keiner sagen.“

„Auch noch ein Geheimauftrag. Das wird ja immer besser.“ Harm verdrehte die Augen. „Ob der Admiral da was ausrichten kann? Ich brauche diese Aussage.“

„Vielleicht bekommen Sie ja eine VK über eine sichere Leitung.“

Harm grinste breit. „Moderne Technik ist doch was Feines, nicht wahr?“

„Allerdings.“ Bud strahlte. „Wenn Sie wollen, kann ich...“

„Langsam, Bud, langsam.“ lachte der Ex-Pilot. „Erstmal muss ich deswegen mit dem Admiral sprechen. So eine Schaltung wird nicht einfach zu bekommen sein.“

„Der Admiral ist leider schon weg; Termin im Pentagon.“

„Na klasse. Heute ist nicht zufällig Montag?“

Bud lachte leise. „Nein, Sir.“

„Kommt er vielleicht noch mal rein?“

„Ich weiß es nicht, Commander.“

„Mist!“

„Ja, Sir.“

Harm musste lachen. Bud war ein geniales Kerlchen, aber manchmal auch ein bisschen „linkisch“. „Bud, hören Sie sich mal um, ob Sie etwas über Gerüchte finden, Krennick hätte sich an andere Offiziere herangemacht.“

„Sie setzen auf Gerüchte?“ Bud riss die Augen auf.

„In diesem Fall ja. Es wird ja wohl kaum in der Navy-Times stehen.“

„Nein, Commander.“ Der jüngere Mann erhob sich. „Wie steht’s mit Colonel MacKenzie?“

„Wie bitte?“ Harms Kopf ruckte hoch.

Bud unterdrückte mühsam ein Grinsen. „Was mache ich, wenn sie mich wieder nach Informationen fragt?“

„Sie haben ihr doch bereits welche gegeben, oder?“

„Ja.“

„Na also, mehr gibt’s nicht.“ Harm grinste breit. „Ab jetzt ist alles, was wir herausfinden, Sache der Verteidigung. Das wird ihr nicht schmecken, aber dagegen angehen kann sie auch nicht.“

„Okay, Sir.“ Bud verließ das Büro.

Harm holte seinen Notizblock hervor und war in der folgenden Zeit damit beschäftigt, Ordnung in die Aufzeichnungen zu bringen. Akkurat tippte er seine Notizen in den Computer und las alles noch einmal durch. Hin und wieder korrigierte er etwas.

„Irgendetwas stimmt da nicht.“ murmelte er vor sich hin.

„Wo stimmt was nicht?“

Sein Kopf fuhr hoch.

In der Tür stand Mac und grinste ihn an.

„Oh... hi...“

Sie schlenderte in sein Büro. „Also, wo stimmt was nicht?“

„Mac, du weißt genau, dass...“

„Es kann sich doch nur um den Krennick-Fall handeln, schließlich hat der oberste Priorität.“

„Okay, das kann ich verraten: Ja, es handelt sich um diesen Fall.“ Er grinste breit.

„Und dabei stimmt was nicht...“

Sein Grinsen wurde breiter. „Kein Kommentar.“

„Haaarm...“ Mac klimperte mit den Wimpern. „Kein klitzekleiner Hinweis?“

Er lehnte sich zurück. „Maaac...“

„Du bist doch mein bester Freund.“ Sie legte den Kopf schief und sah ihn treuherzig an.

Ihre großen Bambi-Augen forderten ihn heraus. „Momentan bin ich aber auch dein Gegner.“

„Mein Gegner...“ echote sie und machte einen Schmollmund.

Er schnaubte amüsiert. „Mac, du weißt doch, wie ich das meine.“

„Aha.“ Das Grinsen auf ihrem Gesicht wurde immer breiter. Hatte sie ihn doch mal wieder erwischt. „Der Versuch war’s wert, Seemann.“ lachte sie schließlich.

Zwinkernd fiel er in ihr Lachen ein. „Frechdachs.“

Erneut hatte sie das Gefühl, er würde mit ihr flirten. Wann hatte er sie schon mal „Frechdachs“ genannt?

„Du scheinst nicht wirklich weiterzukommen mit dem Fall, Seemann.“

„Du denn?“

„Verrat ich nicht.“ kicherte sie. In Wirklichkeit hatte auch sie den Eindruck, dass an dem Fall irgendetwas nicht stimmte.

Er sah sie abwägend an. „Wie wär’s mit Dinner heute Abend?“ platzte es aus ihm. „Ich koche uns was.“

„Fragst du mich etwa nach einem Date?“ Die Bambi-Augen wurden noch größer.

Seine Ohrläppchen waren plötzlich knallrot. „Äh... hm...“ Er räusperte sich verlegen und holte tief Luft. „Nicht wirklich... aber ich... na ja... ich würde mich freuen, wenn du mir beim Essen Gesellschaft leisten würdest.“

„Also ein Arbeitsessen?“

„Nope.“ Er hatte sich wieder gefangen.

„Was denn dann?“

„Nenn es meinetwegen eine Mischung aus Dinner und Date, gewürzt mit einer Messerspitze Arbeitsessen.“

Sie lachte. „Aushorchen willst du mich aber nicht, oder?“

„Maaac!“

„Wann soll ich bei dir sein?“

Er war überrascht, dass sie so schnell zugestimmt hatte. „Sagen wir gegen 18:30 Uhr?“

„Okay, ich bin dann da.“ Mac erhob sich. „Aber mach bitte keine vegetarische Lasagne.“

„Nein.“ lachte er. „Ich dachte an Spaghetti mit Lachs.“

„In Zitronensauce?“ Ihr lief das Wasser im Mund zusammen.

„Wenn du möchtest.“

Sie nickte enthusiastisch. „Aha.“

„Dann bekommst du Spaghetti mit Lachs in Zitronensauce.“ Er grinste breit. „Aber erwarte nicht, dass ich schon fertig bin.“

„Soll ich doch später kommen?“

„Nein!“ antwortete er hastig. „Ich meine... ich fände es schön, wenn du früh kommen würdest.“

„Warum?“

„Weil ich... hm... ich genieße einfach deine... na ja... deine Gegenwart.“

Mac wollte es nicht so einfach zugeben, aber sie sah ihm gerne beim Kochen zu. „Störe ich dich denn nicht?“

„Nope.“ Vehement schüttelte er den Kopf und grinste. „Du darfst auch den Tisch decken.“

„Du lädst mich zum Essen ein, und ich muss schuften?“ Ihre Augen funkelten amüsiert.

„Ich schufte doch auch.“

Sie lachte. „Red keinen Quatsch, in Wirklichkeit kochst du doch gerne für mich.“

Nun röteten sich seine Wangen. Da er nicht wusste, was er sagen sollte, nickte er einfach nur.

„Bis nachher dann.“ Mit einem Winken über die Schulter verließ sie sein Büro.

<Hab ich sie gerade wirklich zu einem Nicht-Date-Dinner eingeladen?> Sekundenlang starrte er auf die geschlossene Tür. <Hast du, Rabb.> Er war immer noch erstaunt, dass sie so schnell zugesagt hatte.

Harm sah auf die Uhr. In einer halben Stunde konnte er Feierabend machen. Die verbleibende Zeit nutzte er, um seine Gesprächsnotizen zu überarbeiten. Zufrieden speicherte er sie ab und fuhr den PC hinunter. Dann erhob er sich und packte seinen Aktenkoffer. Mit einem Griff nach seinem Cover verließ er das Büro.

Auf dem Weg zum Aufzug begegnete ihm Mac.

„Bis nachher, Seemann.“ zwinkerte sie. „Denk dran: Ich hab großen Hunger...“

Er lachte. „Es wird genug da sein, Marine.“

„Dann ist es ja gut.“ Sie winkte über die Schulter.

Der Ex-Pilot sah ihr hinterher.

„Verbrüderung mit dem Feind, Commander?“ ertönte da Chegwiddens Stimme hinter ihm.

Harm fuhr herum. „Admiral!“

„Ja, Commander, ich bin es leibhaftig.“

„Ich dachte, Sie sind im Pentagon?“

„Da war ich auch. Und jetzt bin ich wieder hier.“ Der Ex-SEAL verschränkte die Arme vor der Brust. „Würden Sie mir freundlicherweise meine Frage beantworten, Commander?“

„Nein, Sir, natürlich nicht.“

„Wie bitte? Sie wollen meine Frage nicht beantworten?“

„Doch, Admiral.“ Harm wurde rot. „Aber... ich meinte nur, ich... äh... verbrüdere mich nicht mit Mac...“

„Aha.“ Der alte Haudegen beobachtete Macs Abgang, schielte aber zusätzlich auf den dunkelhaarigen Mann neben ihm. „Sie scheint gut gelaunt zu sein.“

„Ja, Sir.“

Nun sah der Admiral ihn direkt an. „Haben Sie etwas damit zu tun?“

„Na ja... ich weiß nicht...“ Harms Wangen röteten sich leicht. „Ich hab sie nur zum Essen eingeladen.“ Eigentlich hatte er das seinem CO nicht unter die Nase binden wollen, aber es war ihm einfach rausgerutscht.

„Ist das so etwas wie ein Date, Harm?“

„Nein!“ erwiderte der Ex-Pilot ein bisschen zu laut. „Sorry, Sir, ich wollte nicht...“ Er holte tief Luft. <Shit!> „Wir essen hin und wieder gemeinsam, wenn wir an einem Fall arbeiten.“

„Dagegen ist nichts zu sagen. Nur stehen Sie sich in diesem speziellen Fall als Gegner gegenüber. Das haben Sie doch nicht vergessen, oder?“

„Nein, Sir. Aber ich weiß durchaus Berufliches und Privates zu trennen.“

„Dann ist das also ein privates Treffen?“ Chegwidden schmunzelte kaum merklich.

Harm nickte. „Aha.“

„Aber es ist kein Date?“

„Nein.“

„Falls Sie jedoch auf die Idee kommen sollten, den Colonel zu daten, sagen Sie mir bitte vorher Bescheid – rechtzeitig, wenn ich bitten darf.“

Harm sah seinen Vorgesetzten vorsichtig an und schluckte. „Na... natürlich, Sir.“

„Gut, gut, Commander. Weitermachen.“ Mit schnellen Schritten durchquerte Chegwidden das Bullpen und verschwand in seinem Büro.

Harms Antwort kam automatisch. „Ja, Sir.“ Sekundenlang starrte er vor sich hin, bis ihn das Klingeln eines Telefons in der Nähe wieder in die Wirklichkeit zurückholte. Rasch verließ er das Gebäude und verschwand in seinem Lexus.

„Puh.“ machte er erleichtert, als er den Motor startete. <Den Colonel daten... wie kommt er darauf?> Er schüttelte den Kopf. Dass er im Grunde bereits begonnen hatte, sie zu daten, kam ihm gar nicht in den Sinn.

Eine knappe Stunde später schloss er die Tür zu seinem Appartement auf. Er hatte jetzt alles eingekauft, was er für die Spaghetti und ein gelungenes Dinner brauchte. Außerdem hatte er noch eine Überraschung für Mac parat.

Rasch verstaute er all das im Kühlschrank, was kalt bleiben musste, und zog sich um. Wäre er zu einem „richtigen“ Date verabredet gewesen, hätte er noch mal geduscht und sich rasiert. Aber das hier... das war doch „nur“ ein freundschaftliches Dinner mit Mac, seiner besten Freundin.

„Wem machst du hier eigentlich was vor, Rabb?“ fragte er sein Spiegelbild, als er mit dem Kamm durch die vom Umziehen verstrubbelten Haare fuhr. Natürlich bekam er keine Antwort.

Beschwingt machte er sich auf den Weg in die Küche und begann, den Fisch und die anderen Zutaten vorzubereiten. Gerade als er die Zitronen für die Sauce auspresste, klopfte es an seiner Tür.

„Es ist offen.“ rief er.

Eine strahlende Mac trat durch die Tür. „Hi, Flyboy.“

„Hey.“ Er sah auf die Uhr. „Ist es schon so spät?“

„Nein, ich... ich dachte, ich komme ein bisschen früher...“ Unsicher sah sie ihn an. „Oder störe ich dich?“ Ihr Blick schweifte über den Küchentresen, der mit vorbereiteten Zutaten auf der einen Seite und jeder Menge Abfall auf der anderen Seite übersät war.

„Nein, nein.“ Ein breites Flyboy-Grinsen traf sie. „Ich freu mich, dass du da bist. Kann ich dir was anbieten? Kaffee, Wasser, Tee?“

Sie hatte auf einem der Barhocker Platz genommen. „Wasser ist völlig okay.“

Er holte ihr eine Flasche aus dem Kühlschrank. „Ich bin noch nicht ganz fertig. Mach es dir doch bequem.“

„Danke, ich seh dir lieber zu, wie du aus diesem toten Tier was Schmackhaftes machst.“ Lachend deutete sie auf den Lachs. „Und ich bin neugierig, wie du diese Gaumenfreude zubereitest.“

Er holte einen Topf hervor. „Willst du das etwa nachkochen?“

„Nein, da lasse ich lieber den Profi ran. Trotzdem finde ich es spannend.“

„Dann pass mal gut auf.“ grinste er.

Zuerst bereitete er die Soße zu, da diese am längsten brauchen würde. Dann kamen der Fisch und zuletzt die Spaghetti dran. Während alles vor sich hin köchelte, begann Harm schon mal, den Tresen zu säubern.

Bald schon erfüllte ein köstliches Aroma das Appartement.

„Mhmmm...“ Mac schnupperte laut. „Wie das duftet...“ Sie konnte nicht verhindern, dass auch ihr Magen begeistert war. Laut machte er auf seine Leere aufmerksam.

„Ups.“ kicherte sie verlegen.

„Fünf Minuten noch, dann ist es soweit.“

„Warum sagst du nichts, ich wollte doch den Tisch decken.“

„Aaah, jetzt willst du auf einmal.“ lachte Harm. „Vorhin hörte sich das aber ganz anders an.“

„Vorhin vielleicht, aber jeder darf seine Meinung ändern.“ Sie rutschte vom Stuhl und holte das Geschirr aus dem Schrank.

„Natürlich.“ Harm goss die Nudeln ab. „Nur unsere Klienten oder Zeugen sollten das nicht unbedingt tun.“

Sie lachte. „Ich bin weder dein Klient noch dein Zeuge, Harm.“

„Aber ich demnächst vielleicht deiner. Willst du mich wirklich wegen Krennick befragen?“

„Weiß ich noch nicht. Aber heute Abend will ich KEIN Wort über die Arbeit hören.“

Er salutierte lässig. „Aye, Ma’am.“ Dann stellte er die dampfenden Schüsseln auf den Tisch und setzte sich. „Essen fassen, Marine.“

„Lecker aussehen und riechen tut es schon mal, Smutje.“

„Smutje?“

„Das ist der Koch auf einem Schiff, Mister.“ Sie häufte sich ihren Teller voll.

„Mac, ich weiß, was ein Smutje ist.“

„Warum fragst du dann?“

Er lachte. „Ich habe NICHT gefragt, was ein Smutje ist.“

„Nischt?“ Kauend sah sie ihn an.

Immer noch lachend schüttelte er den Kopf. „Ich hab mich nur darüber amüsiert, dass du mich „Smutje“ nennst.“

„Oh.“

„Unter einem „Smutje“ stelle ich mir keinen Mann vor, der 1,94 groß ist.“

Sie grinste verschmitzt. „Du würdest dir in der Kombüse nur blaue Flecken und Beulen holen.“

„Das würdest du doch nicht wirklich wollen, Mac.“

„Nope.“ lachte sie. „Auscherdem... wenn du auf einem Schiff wärscht, könnte isch nischt deine Kochkünschte genieschen.“ nuschelte sie.

Arrogant grinsend hielt er eine Hand hinter sein Ohr. „Wie bitte?“

Sie schluckte und streckte ihm die Zunge raus. „Ich käme nicht in den Genuss all dieser guten Dinge.“

„Ich bin auch froh, dass ich nicht auf einem Schiff bin.“ erwiderte er leise.

<Hä?> Sie musterte ihn neugierig. „Hast du keine Sehnsucht nach dem Geruch von Kerosin? Nach dem Donnern des Katapultes? Nach...“

„Nein.“ unterbrach er sie.

„Nein?“ Erstaunt riss sie die Augen auf. „Alles okay mit dir?“

„Natürlich. Warum fragst du?“

„Harm, die Aktivitäten und die Hektik eines Flugzeugträgers bedeuten dir doch alles.“

„Nicht mehr.“ Ernst sah er sie an. Das, was ihm inzwischen am meisten bedeutete, saß vor ihm und guckte ihn gerade an, als hätte er plötzlich zwei Köpfe und/oder rosa-grüne Punkte im Gesicht.

Kopfschüttelnd stand sie auf und legte eine Hand auf seine Stirn, als wolle sie prüfen, ob er Fieber hätte.

„Mac?“ blinzelte er irritiert.

„Fieber hast du schon mal nicht.“ Sie setzte sich wieder und aß weiter. „Aber normal bist du auch nicht.“

„Wie bitte?“

„Harm, du bist Pilot durch und durch. Einer der Besten. Durch deine Adern fließt vermutlich ein nicht geringer Anteil Kerosin. Ich habe immer das Leuchten in deinen Augen gesehen, wenn wir wegen eines Falles auf einen Träger mussten. Und jetzt ist das plötzlich nicht mehr wichtig für dich?“

<DU bist wichtig für mich.> dachte er, hütete sich aber, das laut auszusprechen. „Die Fliegerei wird immer ein Teil meines Lebens bleiben, Mac. Aber ich werde älter; ich finde es an der Zeit, meine Prioritäten anders zu setzen. Außerdem hast du vorhin selbst gesagt, dass jeder seine Meinung ändern darf.“

„Hab ich, ja.“ nickte sie. „Aber da ging es um etwas vollkommen Banales.“

„Ich habe diesbezüglich schon vor einiger Zeit meine Meinung geändert.“

„Wann und in welche Richtung?“

„Richtung JAG z. B.“

Sie lächelte wieder. „Als Anwalt bist du mindestens so gut wie als Pilot.“

„Danke.“ Ein arrogantes Flieger-Grinsen traf sie.

„Und wann genau hast du deine Meinung geändert?“

Es war vor ca. vier Monaten gewesen, als er auf der Seahawk seine Testflüge absolviert hatte. Eines Morgens war er aufgewacht und hatte verwundert festgestellt, dass ihn die Geräusche des Schiffes störten, ja fast schon nervten. Das Getöse des Katapultes hatte seinen Schlaf unterbrochen; den Geruch nach verbranntem Gummi und Treibstoff fand er zum ersten Mal in seiner langen Navy-Laufbahn nicht mehr aufregend.

„Auf der Seahawk.“

„Bei deinen letzten Testflügen?“

Er nickte langsam. „Mhm.“

„Willst du etwa deinen Flugstatus aufkündigen?“ Mac hatte allmählich das Gefühl, sie wäre in eine Parallelwelt katapultiert worden. Das klang überhaupt nicht nach dem Harmon Rabb Jr., den sie kannte.

„Nein, ganz so schlimm ist es nicht.“ grinste er. „Aber die Fliegerei bedeutet mir nicht mehr alles.“

„Oh.“

Er wusste nicht, ob er ihr sagen konnte bzw. sollte, dass er sich jetzt auf andere Dinge konzentrieren wollte. Wichtigere Dinge wie z. B. SIE.

„Ich will mich lieber auf meine Karriere bei JAG konzentrieren.“ Es war immerhin die halbe Wahrheit – und vor allem unverfänglich.

Sie musste lachen. „Willst wohl Punkte sammeln auf dem Weg zum obersten JAG.“

„Gott bewahre!“ schnaubte er. „Du weißt, wie ich den administrativen Teil hasse, der damit einhergeht.“

„Du würdest aber ein guter JAG werden.“

„Danke, Miss MacKenzie.“ Er sah sie an. „Du aber auch.“

„Wir können uns den Job ja teilen.“ kicherte sie.

Er lachte. „Du vormittags, ich nachmittags? Oder willst du nur an bestimmten Tagen arbeiten?“

Mac grinste verschmitzt. „Wie wäre es, du übernimmst den Teil mit den hohen Tieren, und ich...“

Ein lautes „PAH!“ unterbrach sie. „DAS kannst du dir abschminken.“

„Okay, ich seh schon, hier kommen wir nicht weiter.“ Sie lachte immer noch. „Da ist es doch gut, dass die Stelle nur von EINEM Amtsinhaber besetzt wird.“

„Bis wir soweit sind, Mac, hat sich das vielleicht auch schon geändert.“

„Jetzt haben wir doch über die Arbeit geredet.“

„Nicht wirklich.“

„Okay, wir haben über DEINE neuen Karriere-Prioritäten geredet. Was DU machen willst.“

„Gibt es einen Grund dafür, dass du die Betonung dermaßen auf mich legst?“ grinste er.

„Nööö.“ kicherte sie. „Aber ich bin ganz zufrieden mit meiner Karriere und gedenke nicht, da groß was dran zu ändern.“

„Keine Lust auf ein eigenes Kommando?“

<Ein eigenes Kommando...> dachte sie. Das würde heißen, JAG zu verlassen. Das würde auch den Abschied von Harm bedeuten, vielleicht sogar für immer. Ein schwer zu ertragender Gedanke, vor allem jetzt, wo sie sich näher schienen als je zuvor.

„Ich weiß nicht. Ich hab mich jetzt so an Washington gewöhnt. Hier sind alle meine Freunde...“ <... und vor allem du.>

„Darauf nehmen Navy oder Marine Corps keine Rücksicht.“

Sie seufzte leise. „Leider.“

„Du kannst dich doch als Richterin hier bewerben. Damals warst du wirklich gut... wenn auch ein bisschen sehr streng mit mir.“ Sein Grinsen wurde breiter.

„Ich weiß halt, wie man dich nehmen muss, Seemann.“



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#4 von Evi , 22.01.2014 13:08

„Wie man mich NEHMEN muss?“ echote er amüsiert, während seine rechte Braue langsam nach oben wanderte.

Zuerst war sie irritiert, da sie im ersten Moment nicht wusste, worauf er hinauswollte. Doch dann „fiel der Groschen“, und sie gab ihm einen Klaps auf den Unterarm. „Du weißt genau, wie ich das meine.“

„Nach jahrelanger Zusammenarbeit solltest du schon wissen, wie ich zu nehmen bin.“ grinste er süffisant und ließ seinen Blick über ihren Körper gleiten.

Sie registrierte durchaus die Doppeldeutigkeit seiner Worte und schenkte ihm freches Grinsen. „Wie einen selbstgefälligen Flyboy.“

„MAC!“ Er legte eine Hand aufs Herz. „Jetzt beleidigst du mich aber.“

„Du wirst es überleben, Seemann.“ lachte sie. „Auch wenn es dein Ego puschen wird: Die Spaghetti waren vorzüglich.“

Er war im ersten Moment irritiert ob ihres Themenwechsels, doch dann grinste er breit. „Ich hab noch eine Überraschung für dich, Marine.“ Er erhob sich und räumte die Teller zusammen.

„Soll ich dir helfen?“

„Nope, du bleibst sitzen.“

„’Kay.“

Er stellte das Geschirr in die Spüle und machte sich am Kühlschrank zu schaffen.

„Ist es das, was ich vermute, was es ist?“ rief sie, sein Rumoren übertönend.

Er lachte. „Wenn ich „ja“ sage, ist es keine Überraschung mehr, und wenn ich „nein“ sage, flunkere ich.“

„Was natürlich gar nicht geht.“ kicherte sie. „Hast du schon mal das Wörtchen „vielleicht“ gehört?“

„Vielleicht.“ Er schlug die Tür zu und ging zurück zum Tisch. Dann stellte er eine Schale Eis auf ihr Set. „Vielleicht schmeckt dir das hier auch so gut wie das Hauptgericht.“

„Oooh.“ strahlte sie und schob sich einen Löffel voll in den Mund. „Wasch ischt mit dir? Willscht du kein Eisch?“

„Doch.“ lachte er und holte seine eigene Portion. Während er sein Eis aß, beobachtete er amüsiert, wie sie das ihre genoss.

Genüsslich leckte Mac den Löffel ab, als sie fertig war. „Mhmmm... köschtlisch.“

„Habe ich dich satt bekommen, Marine?“ grinste er breit.

Sie nickte und lehnte sich im Stuhl zurück. „Aha.“

„Ich räum das schnell weg.“ Er stand auf und brachte den Rest des Geschirrs weg.

„Soll ich dir helfen?“

„Nope, du bist doch eingeladen.“

„Harm...“ Sie erhob sich ebenfalls. „Wenn wir das jetzt spülen, hast du nachher oder morgen keine Arbeit damit.“

„Ich dachte eigentlich, dass wir vielleicht noch ein bisschen Musik hören... oder uns unterhalten... so etwas in der Art...“

Mac ging zu seiner Stereoanlage und suchte nach passender Musik. „Das können wir doch nebenbei machen.“

„Spülen ist aber so unromantisch.“ Er lachte.

Sie war neben ihn getreten und knuffte ihn spielerisch in die Seite. „War das jetzt etwa ein romantisches Dinner?“

„Nicht wirklich.“

„Ein romantisches Dinner wäre ja auch ein Date.“

Sanft lächelnd sah er auf sie hinab. „Hättest du denn etwas gegen ein Date mit mir?“

„Ähm... ne... nein...“ <Da ist er wieder, der flirtende Harm.> Unsicher sah sie ihn an. <Fragt er mich jetzt etwa nach einem Date?> „Würdest du... hm...“ Sie räusperte sich verlegen. „Würdest du mich denn zu einem... ah... Date einladen wollen?“

„Vielleicht.“ Er grinste. „Falls der Marine Sarah MacKenzie überhaupt bereit wäre, sich von einem armen Seemann wie mir daten zu lassen...“

<Ich hab mich wohl verhört...> „Du würdest mich wirklich zu einem Date einladen?“

„Aha.“ Er nickte ernst und wunderte sich über sich selbst. Das Verlangen nach einem Date mit ihr schlummerte schon seit Jahren tief in ihm. Es musste an der gelösten Stimmung zwischen ihnen liegen, dass er plötzlich verhältnismäßig offen darüber reden, wenn nicht sogar scherzen konnte.

„Oh.“ machte sie und wusste nicht, was sie sagen sollte. In ihrem Gehirn allerdings blinkte es an allen Ecken, Kanten und Hirnwindungen *JA! JA! JA!*.

„Wenn du aber... hm... nicht willst, dann...“ Er holte tief Luft. „Ich wäre dir nicht böse, Mac.“ Er würde darüber hinwegkommen... irgendwie.

Nun lächelte SIE sanft. „Ich habe nicht „nein“ gesagt.“

„Nach „ja“ klang das aber auch nicht gerade.“

Sie kicherte. „Du hast mich ja überhaupt nicht gefragt.“

„Mac, ich habe...“

„Du hast mich gefragt, ob ich etwas gegen ein Date mit dir hätte bzw. ob sich der Marine Sarah MacKenzie von dir daten lassen würde. Dazu habe ich...“

„... auch nicht „ja“ gesagt.“ Harm grinste schief. „Du hast nur „Oh.“ gesagt.“

„Okay, Herr Anwalt. Dann gebe ich dir jetzt eine richtige Antwort.“ Sie kicherte erneut. „Ja... bzw. nein.“

„Was denn jetzt? Ja oder nein?“

„Ups, sorry.“ Sie sah ihn entschuldigend an und lachte. „Ja, der Marine würde sich von dir daten lassen, und nein, ich hätte nichts dagegen.“

„Das heißt, ich kann dich nach einem Date fragen?“ Seine Augen leuchteten auf.

„Jupp.“

„Ich werde es mir merken.“ grinste er und ließ Wasser in die Spüle laufen. „Wer trocknet ab?“

„Äh...“ Mac war im ersten Moment ziemlich irritiert, hatte sie doch schon mit einer konkreten Einladung gerechnet. „Ich.“

Harm sah ihr die Verwirrung an, sagte jedoch nichts weiter, sondern begann zu spülen. „Gut.“ Rasch füllte sich das Abtropfbrett mit sauberem Geschirr.

Es dauerte keine 15 Minuten, bis alles sauber und trocken war. Der Ex-Pilot räumte die Sachen weg. „Setz dich schon mal, ich mache uns noch einen Kaffee.“

„Oookay.“ machte sie gedehnt und schlenderte zum Sofa, wo sie sich fallen ließ.

Kurze Zeit später stand der Kaffee auf dem Tisch. Harm schenkte beide Becher ein, gab einen davon Mac und setzte sich neben sie. „Bitte.“

„Danke.“ Sie trank einen Schluck. „Mhm.“ Dann grinste sie ihn über den Rand des Gefäßes an. „Danke auch für das vorzügliche Essen.“

Er nippte an seinem Kaffee. „Es war mir wie immer ein Vergnügen, Mac.“

Die nächsten Minuten genossen sie den Kaffee und die leise Musik. Sie saßen so dicht nebeneinander auf der Couch, dass sich ihre Oberarme berührten. Es schien sie jedoch nicht zu stören, im Gegenteil: Keiner wollte zugeben, wie angenehm das war.

„Harm, willst du wirklich Sonntag noch mal fliegen?“

„Jupp.“ nickte er. „Nur ein Stündchen oder so. Aber „Sarah“ braucht noch mal ein bisschen Auslauf.“

„Ich bin doch kein Hund.“ schnaubte sie amüsiert.

„Dich meinte ich ja auch nicht.“ Er grinste sie an. „Du kriegst deinen Auslauf am Samstag, wenn wir shoppen gehen.“

„Das kann aber ganz schön dauern. Du musst nicht mitkommen, Seemann.“

„Wenn ich aber möchte?“

Ungläubig schüttelte Mac den Kopf. „Ein Mann geht freiwillig shoppen.“

„Schlimmer als mit Renée kann es ja nicht sein.“

Mac fand es zwar nicht sehr geschickt von ihm, die Sprache auf eine Ex zu bringen. „Warum nicht?“

„Mac, du weißt doch, wie Renée war: Style und Fashion waren wichtige Säulen ihres Lebens.“

„Das Madonna-Kleid, was sie damals für Harriet organisiert hat, war doch klasse.“

„An Harriet, ja. Aber deins hat mir besser gefallen.“ gestand er leise, sah sie dabei jedoch nicht an.

„Oh.“ machte sie. Harm verblüffte sie immer wieder. Sie schluckte. „Ich will mir eine neue Winterjacke holen.“

„Das sagtest du schon mal.“ Er hob den Kopf. „Sonst noch was?

„Ich weiß nicht. Vielleicht finde ich noch was Schönes.“ grinste sie. „Auch wenn ich ein Marine bin, shoppen tu ich ebenso gerne wie jede Frau.“

„Dann ist es abgemacht: Wir gehen Samstag shoppen.“

Sie lachte. „Vier Hände können außerdem mehr tragen als zwei.“

„Mac!“ Harm bekam Zweifel, ob das mit dem Shoppen wirklich eine so gute Idee war. Aber er hatte zugesagt, kneifen ging jetzt nicht mehr.

„Keine Sorge, ich werde dich schon nicht überfordern.“ kicherte sie.

„Das habe ich auch gar nicht behauptet.“

„Am Samstagabend, wenn wir fertig sind, können wir diese Diskussion gerne noch mal auffrischen.“

„Sehr witzig.“

„Ich bin oft witzig, Seemann.“

Ein klassisches Flyboy-Grinsen traf sie. „Ich weiß.“

„Ich muss langsam los, Harm.“

Er sah auf die Uhr. „Schon?“

„Jupp. Bis ich zu Hause bin, wird es fast halb elf sein. Und damit Zeit fürs Heiabettchen.“ Sie erhob sich. „Aber ich habe den Abend genossen. Genauso wie dein vorzügliches Mahl.“

„Wir können das ja am Samstag wiederholen. Auf dem Rückweg zu dir kaufen wir dann noch was ein.“

„Ich halte es für besser, wir klären das am Samstag. Shoppen kann ganz schön anstrengend sein. Ich bezweifle, dass du dann noch kochen willst.“

Er grinste „Ich bin auch mit Take-out zufrieden.“

„Lass es erstmal Samstag sein.“ Sie ging zur Tür und öffnete sie. „Wir sehen uns morgen im Büro.“

„Aber da werde ich nicht so viel Spaß haben wie heute.“

„Du wirst es überleben, Harm.“ lachte sie. „Bye.“

„Bye, Sarah. Fahr vorsichtig.“

Sie drehte sich noch einmal um. „Harm, ich bin ein Marine!“

„Ich weiß das.“ lachte er. „Die da draußen aber nicht.“

„Dann werden „die da draußen“ eben eine Überraschung erleben.“ Sie bestieg den alten Aufzug und winkte noch einmal. „Bye.“

Harm starrte noch sekundenlang auf die Aufzugtüren. „Bye.“ murmelte er schließlich ins Leere, kehrte zurück in seine Wohnung und verriegelte die Tür.

Rasch räumte er die Kaffeebecher weg und spülte sie kurz durch. Dann machte er den CD-Player aus und löschte die Lichter in Wohnzimmer und Küche. Leise pfeifend stieg er die Stufen zu seinem Schlafzimmer hoch und weiter ins Bad, wo er die letzten Vorkehrungen fürs Zubettgehen traf.

Wenige Minuten später lag er dann im Bett und ließ den vergangenen Abend mit „seinem“ Marine Revue passieren. Schließlich fielen ihm die Augen zu, und er glitt in einen tiefen Schlaf.

#+#+#

Freitag, 05. Dezember
20:52 Ortszeit
Harms Appartement, Washington DC


Leise Jazz-Musik ertönte in Harms Appartement. Der Ex-Pilot lag ausgestreckt auf seiner Couch und las in einem Magazin, als das Telefon klingelte. Missmutig starrte er den Störenfried an und überlegte, den Apparat einfach klingeln zu lassen. Er hatte keinen Bereitschaftsdienst, also sah er sich auch nicht gezwungen, das Gespräch anzunehmen. <Soll das doch der AB übernehmen...>

„Hey Buddy, ich bin’s, der gute, alte Jack.“ dröhnte Keeters tiefe Stimme durch den Raum. „Der gute, alte Jack möchte wissen, wie es seinem Lieblingskumpel geht.“

<Lieblingskumpel?> Harm runzelte die Stirn. <Hat er was getrunken?>

„Sorry, dass ich mich nicht früher melden konnte...“

<Kein Problem...>

„... aber ich wollte nur mal nachfragen, ob du wieder okay bist.“ Ein leises Lachen ertönte. „Du weißt schon... nach letztem Freitag...“

<Jetzt wieder, Junge.> Harm beschloss, das Gespräch anzunehmen, bevor er noch länger Gedankengespräche führte. Er angelte das Telefon vom Tisch.

„Hi Jack.“

„Hey, du bist ja doch da. Störe ich etwa?“

Harm verdrehte die Augen. „Nein, du störst nicht.“

„Bist du alleine?“

„Natürlich bin ich alleine.“ entfuhr ihm automatisch, bevor er nachdenken konnte. „Wo bist du?“ Er hörte seltsame Geräusche im Hintergrund.

Jack lachte laut. „Vor deiner Tür.“

„Hier oben?“ Harm sprang vom Sofa und eilte zur Tür.

„Nein, noch stehe ich unten auf der Straße.“

„Dann komm doch hoch.“

„Gerne.“ lachte Jack. „Was hast du zu trinken da, Kumpel?“

„Eine halbe Flasche Bourbon. Und Bier.“

„Soll ich noch was besorgen?“

Harm erinnerte sich an den letzten Freitag und das folgende Wochenende. „Lieber nicht.“

„Okay, dann bis gleich.“ Die Verbindung wurde unterbrochen.

Harm öffnete die Wohnungstür und räumte dann rasch noch ein paar herumliegende Sachen weg. Als er sich wieder zur Tür drehte, stand sein alter Freund breit grinsend vor ihm. „Hey Buddy.“

„Hi Jack.“ grinste Harm zurück und umarmte den blonden Mann. „Was treibt dich in die Stadt?“

„Ich wurde überraschend und sehr kurzfristig nach Andrews versetzt. Darum wusste ich letzte Woche auch noch nichts davon. Wie es aussieht, werde ich für längere Zeit in Washington bleiben. Jetzt suche ich erstmal eine Wohnung.“ Jack grinste breit. „Und dann werden wir uns demnächst wohl häufiger sehen können.“

Hocherfreut gab Harm ihm einen Klaps auf die Schulter. „Wow.“ Er verdankte Jack viel, wenn nicht sogar alles. Sie hatten von den ersten Akademie-Tagen an Freud und Leid – und später auch Maria Elena – miteinander geteilt.

„Willst du dich bei mir einquartieren?“ grinste er.

„Nope.“ Jack grinste zurück. „Hier störe ich doch nur...“ Er wackelte vielsagend mit den Augenbrauen.

„Jack, du störst nie.“

Ein dröhnendes Lachen antwortete dem dunkelhaarigen Mann. „Ich bin sicher, wenn Mac...“

„KEETER!“

„Beruhige dich. Ich bin im Hotel untergebracht, wird alles bezahlt. Aber danke für das Angebot.“

„Okay, dann setz dich.“ Harm deutete auf einen Sessel und ging zum Kühlschrank. „Bier?“

„Yeah.“ nickte Keeter und machte es sich bequem. „Hast du vielleicht auch noch eine kleine Köstlichkeit von Frank da?“

Harm grinste breit. „Klar doch.“ Er stellte zwei Flaschen Bier auf den Tisch und holte die Zigarrenkiste aus dem Schrank. „Hier.“

Der blonde Mann nahm sich eine und zündete sie an. „Aaah... guuut...“ Durch den ersten Rauchkringel hindurch blickte er Harm an. „Keine Mac in Erwartung?“

„Nope.“

„Warum nicht?“

„Erstens hat sie heute etwas vor. Und zweitens kann ich nicht immer wie eine Klette an ihr hängen.“

„Unsere Wette gilt aber, Harm.“

„Ich weiß.“ <Leider...> Auch er zündete sich eine Zigarre an.

„Machst du wenigstens Fortschritte bei ihr?“

Harm überlegte kurz. „Ich würde sagen, ja.“

„Du WÜRDEST sagen?“

„Jupp.“

„Warum nur „ich würde“? Warum nicht ein eindeutiges „ja“?“

„Ganz einfach: Ich weiß nicht, was Mac davon hält.“

„Hast du ihr etwa von der Wette erzählt? Haaarm...“

„Ich bin doch nicht lebensmüde.“ Der Ex-Pilot lachte. „Nein, ich habe ihr nichts davon erzählt.“

„Okay. Und was ist jetzt mit ihr?“

„Na ja...“

„Bist du nett zu ihr? Bringst du ihr kleine Geschenke mit? Hast du sie auf ein Date eingeladen?“ Die Worte sprudelten nur so aus dem blonden Mann heraus.

„Woah, langsam, Kumpel. Hol erst mal wieder Luft.“ Harms Lachen wurde lauter. „Zu deinen Fragen: Erstens bin ich meistens nett zu ihr. Zweitens: Ja, ich bringe ihr Kleinigkeiten mit. Sachen, die sie mag.“

„So macht man das ja auch, Harm. Was bringst du ihr denn so mit?“

„Neugierig bist du überhaupt nicht, Jack.“

„Nope. Also?“

„Ihren Lieblingskaffee... oder einen Schoko-Muffin... oder beides.“ Harm lachte. „Sarah MacKenzie ist nämlich Schokoholic.“

„Das ist zumindest ungefährlicher als Alkoholiker zu sein.“

„Jack, sie...“

„Ich weiß, dass sie seit Jahren trocken ist. Sie hat’s mir selbst erzählt.“

„In der Wüste?“

„Jupp.“ Keeter lachte leise. „Kaffee, Muffins... Harm, das ist alles zu profan. Leg dich mal ordentlich ins Zeug. Nimm Blumen... oder eine Einladung zu irgendeiner Veranstaltung wie Kino oder ein Konzert.“

„Jack, sie beäugt mich ja jetzt schon kritisch. Wenn ich auf einmal mit Blumen oder so was ankomme, hält sie mich für völlig durchgeknallt. Ganz abgesehen von den Kollegen... oder dem Admiral.“

„Die Kollegen interessieren mich nicht, dein Admiral auch nicht. Es geht einzig und allein um Mac.“

<Allerdings.> dachte Harm. „Ich weiß.“ seufzte er.

„Gibst du etwa auf?“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Du klingst so resigniert.“

„Jack, in Sachen „Flirten“ ist Mac eine harte Nuss. So einfach wie du denkst ist das nicht.“

„Warum? Als Mann wirst du ihr nicht ganz unsympathisch sein, sonst würde sie anders reagieren. Sie ist doch eine normale Frau. Oder ist sie lesbisch?“

„JACK!“ Empört Harm riss die Augen auf.

Keeter hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut, schon gut.“

„Immerhin war sie schon mal verheiratet. Mit einem MANN. Und später dann mal verlobt. Auch mit einem Mann.“ Selbst jetzt stieß Harm die Erinnerung daran noch sauer auf.

„Das muss nichts heißen, Buddy. Viele Männer und Frauen heiraten heterosexuell, obwohl sie es nicht sind.“

„Die Zeiten dürften aber allmählich vorbei sein.“

„Sind sie aber nicht. Denk nur mal an die Schwierigkeiten, die Angehörige des Militärs haben.“

Harm nickte. „Hab selbst schon derartige Fälle gehabt.“

„Okay, kommen wir wieder zum Thema. Mac ist also nicht lesbisch. Auch nicht bi?“

Mit leicht geröteten Wangen schüttelte Harm den Kopf. „Nicht dass ich wüsste.“ <Mac doch nicht...>

„Sie kennt sich also aus mit uns Männern... weiß, wie wir vorgehen, wenn wir eine Frau erobern wollen.“

Harm grinste ob Keeters Wortwahl. „Ich denke schon.“

„Steht sie auf Machos?“

„Wer steht denn heutzutage überhaupt noch auf Machos?“

„Harm, du würdest dich wundern, wie viele Frauen von Sprüchen à la „Ich bin der King!“ oder „Baby, ich will dich!“ beeindruckt sind. Bei manchen schaltet da der Verstand ab.“

Der Ex-Pilot war sich sicher, dass Sarah MacKenzie durchaus das Potential hatte, seinen Verstand völlig außer Kraft zu setzen – bei entsprechender Gelegenheit. „Was macht dich denn da zu einem Experten, Jack? Du bist Flyboy mit Gold Wings, kein Macho.“

„In jedem Mann steckt ein bisschen Macho. Und in Flyboys noch ein Quäntchen mehr.“ Keeters Fliegergrinsen stand dem seines Freundes kaum nach.

Harm schnaubte empört. „In mir nicht!“

„Sagt ausgerechnet der, der die klassische Verkörperung des Alpha-Männchens ist.“ Jack lachte herzhaft und laut.

„JACK!“

„Spaß beiseite, Buddy. Ich bin hier, um dir zu helfen.“

„Ich weiß durchaus, wie man mit Frauen umgeht.“

„Wie oft soll ich das denn noch sagen? Es geht hier um Mac.“ Jack verdrehte die Augen. „Du selbst betonst doch immer wieder, sie wäre nicht wie andere Frauen.“

„Ist sie ja auch.“ Harm sah seinen Freund an. „Sie ist ein Marine.“

„Marines... das dritte Geschlecht.“ Ein dröhnendes Lachen flutete durch Harms Appartement. „Dafür gebührt dir der Nobelpreis in Biologie... oder vielleicht auch der in Medizin.“

„Ha, ha!“

„Spaß beiseite, jetzt geht’s ran an die Buletten.“

Harm paffte einen dicken Kringel in die Luft und grinste unschuldig. „Ich mag kein Fleisch.“

„Herr Gott noch mal, Harm!“

„Lass den lieben Gott aus dem Spiel, der kennt sich mit Frauen erst recht nicht aus.“

Jack Keeter seufzte. „Bald geb ich auf...“

„Na, na, na. Wirfst du etwa so schnell das Handtuch?“

„Hey, ich bin ausgebildeter Kampfpilot, genau wie du. Hast du jemals aufgegeben?“

„Eher selten.“ Harm grinste überheblich. „Nur wenn ich musste.“

„Daran darfst du jetzt noch nicht mal denken, Kumpel.“

„Okay, was schlägst du vor?“

„Also, wie ich schon sagte: Die Masche mit Kaffee und/oder Muffins ist schon mal nicht schlecht, aber viel zu wenig. Ich würde jetzt die größeren Geschütze auffahren.“

Harm lachte. „Mac ist der bessere Schütze von uns beiden, da bringt das nicht viel.“

„Harmon Rabb Junior!“

„Ahaaa?“ Genüsslich formten Harms Lippen einen weiteren dicken Kringel. Womit er nicht gerechnet hatte, war die Kopfnuss, die ihn prompt traf. „HEY!“

„Hör mir doch mal bis zum Ende zu und gib nicht immer sofort deinen Senf dazu.“

Harm salutierte äußerst lässig. „Aye, Sir, ich höre.“

„Du könntest sie z. B. ins Kino einladen. Es sollte allerdings weder ein Kitschfilm noch ein Horrorfilm sein. Oder einer, der nur dir gefällt.“

„Weiter.“ Harm war gespannt, was Keeter noch so einfiel.

„Mag sie Konzerte?“

„Weiß ich nicht.“

„Ich denke, du kennst sie so gut?“

„Na ja... das Thema kam nie zur Sprache.“

„Du brauchst sie ja nicht gleich in die Oper zu schleppen. Aber vielleicht kommen demnächst Springsteen oder Bryan Adams oder so nach DC.“

„Erstens gehen die im Winter nicht auf Tour. Und zweitens...“ Der Ex-Pilot schnaubte verächtlich. „Hast du eine Ahnung, wie teuer Karten dafür sind?“

„Wenn du eine Frau wirklich liebst, darf dir nichts zu teuer sein.“ Jack sah seinen Freund bedeutungsvoll an. „Außerdem ist es doch nicht schlimm, wenn das Konzert erst im Frühjahr oder Sommer stattfindet. Das würde sie längerfristig an dich binden.“

„Ich dachte, das müsste ich schon bis Weihnachten erledigen.“ grinste Harm breit. „Aber gut, was schlägst du noch vor?“

„Wenn sie so auf ihrer Corps-Zugehörigkeit besteht, wie du sagst, könntest du sie ja auch zu einem Wettschießen einladen.“

Jetzt lachte Harm laut. „Das wird sie haushoch gewinnen. Ich hab doch eben schon...“

„Wer sagt denn, dass das mit Pistolen sein soll?“ unterbrach ihn der blonde Mann schmunzelnd. „Versucht es doch mal mit Pfeil und Bogen. Oder mit Speeren...“ Ein breites Fliegergrinsen folgte seinen Worten.

„Keeter, du spinnst!“

„Warum? Das kann ziemlich lustig sein.“

„Klingt, als hättest du das schon mal gemacht.“

„Ich nicht, aber meine Schwester.“

„Gina?“

„Aha. Haben sich die Mädels aus ihrer Clique einfallen lassen zur 15-Jahres-Abschlussfeier ihrer Highschool. Sie war hellauf begeistert.“

Harm dachte nach. „Bogenschießen klingt gar nicht mal so schlecht. Aber gibt’s das auch in überdachten Schießständen? Wir haben Winter, falls dir das entgangen sein sollte. Und das Wetter soll schlechter werden.“

„Google doch mal. Und lad sie direkt für morgen ein.“

„Geht nicht.“

„Geht nicht?“

Harm schüttelte den Kopf. „Ah-ah.“ Rasch blies er einen Rauchring in die Luft. Eine zarte Röte überzog seine Wangen, die Jack nicht unbedingt zu sehen brauchte.

Zu spät, Keeters Neugier war geweckt. „Harm?“

Der Ex-Pilot beäugte seinen Freund durch den Rauch. „Hm?“

„Was habt ihr vor?“

„Wir treffen uns zum Joggen. Machen wir häufiger am Wochenende.“

Dem blonden Mann entging nicht, dass das Rot von Harms Wangen intensiver wurde. „Das ist doch nicht alles.“

„Danach gehen wir noch shoppen.“

Jack riss die Augen auf. „DU gehst mit Mac shoppen???“

„Jupp.“ antwortete Harm in einem Ton, der möglichst gleichgültig klingen sollte... als wäre „Shoppen mit Mac“ das Normalste auf der Welt.

„Du bist ein Mann.“ platzte es aus Keeter.

Harm lachte. „Ja und? Auch ein Mann muss ab und zu mal shoppen.“

„Anscheinend warst du noch nie mit einer Frau shoppen, sonst würdest du...“

„Ich war mal mit Renée shoppen.“ unterbrach Harm grinsend. „Das stählt.“

Jack hatte Harms letzte Dauerfreundin einmal erlebt. Und das hatte ihm gereicht. „Guter Gott.“

„Na, na, na.“

„Wer mochte dieses blonde Gift denn schon?“

„Na ja...“ Harm neigte den Kopf. „Hin und wieder war sie ganz amüsant.“

Keeter lachte laut. „Ich kann mir auch denken, wo... oder wann... oder wie...“

„Prost, Buddy.“ Harm hob seine Bierflasche und prostete seinem Freund zustimmend zu. „Ich hab schon Spaß mit ihr gehabt.“

„Aber mehr war es auch nicht. Nur Spaß.“

„Jupp.“

Eine Weile pafften sie mehr oder weniger gelungene Kringel in die Luft.

„Du gehst also mit Mac shoppen. Soll sie dich bei etwas beraten?“

„Nah, sie ist diejenige, die sich was kaufen möchte.“

„Was denn?“ Jack schielte seinen Freund an. „Heiße Dessous?“

„Gott bewahre!“ <Ich hoffe nicht...> Er schüttelte den Kopf. „Nein, sie hat von einer Winterjacke geredet.“

„Warum soll sie sich keine Dessous kaufen?“

„Jaaack...“

„Ich meine mich zu erinnern, dass du mal ein Faible für scharfe BHs, Strapse oder Spitzenhöschen hattest.“

Harms Gesicht leuchtete in gesundem Pink. „Hab ich auch immer noch. Aber...“

„Hast du Schiss, dass sie dich fragen könnte, wie ihr das eine oder andere Teil steht?“

Das Pink wurde zu Rot. „JACK!“ Gleichwohl hatte der blonde Mann den Nagel auf den Kopf getroffen.

„Stell sie dir doch einfach im Bikini vor, dann klappt das schon.“

„Optimist.“ schnaubte Harm.

„Warum?“

„Ich hab Mac schon im Bikini gesehen... zweimal sogar.“

„Und?“ Jack richtete sich interessiert auf. Schönen Frauen gegenüber war er nicht abgeneigt. Sarah MacKenzie gehörte definitiv in diese Kategorie – auch wenn sie für ihn tabu war. Gucken sollte ein Mann aber schon dürfen.

Vor Harms innerem Auge schlenderte Mac gerade in diesem grünen Bikini, den sie damals in Miami angehabt hatte, auf ihn zu – einen ziemlich frivolen Ausdruck im Gesicht. Mit einer Hand zog sie an der Kordel des Oberteils. Er hörte Jacks Frage daher nur mit einem Ohr. Unbewusst schnalzte er mit der Zunge. „Geil.“ platzte es aus ihm heraus. Dann kam er wieder zu sich. „Äh... ich meine... sie sieht...“

„... verdammt sexy aus, Buddy.“ lachte Jack laut. „Dein Gesicht spricht Bände.“

Besagtes Gesicht war nun knallrot. „KEETER!“

„Ich kann dich gut verstehen, Harm. Mac ist eine sehr attraktive Frau. Ich kenne sie zwar nur in Beduinenklamotten, Uniform oder diesem schwarzen Monstrum, das die Frauen da drüben überall tragen, aber...“

„Jaaack...“ kam es warnend von Harm. Gereizt sah er seinen Freund an.

„Harm, ich will nichts von ihr, Ehrenwort.“ Jack sah ihn ernst an. „Unter anderen Umständen vielleicht, aber...“

„Ach, wenn ich kein Interesse an ihr hätte, dann würdest du also...“ Er ließ den Satz unvollendet.

„Warum nicht?“

„Du bist mir ja ein toller Freund.“

„Harmon Rabb Jr., ich habe gesagt „unter anderen Umständen“.“ Jack verlor langsam die Geduld. „Seit dem Iran sehe ich mich eher als ihren großen Bruder.“

„Auch große Brüder können...“

„Rabb, du bist ja wohl vollkommen bescheuert.“ Keeter sprang auf und ging ein paar Schritte.

Mit großen Augen sah Harm seinen Freund an. „Hey... sorry... aber...“

Jack setzte sich wieder und grinste wissend. „Du bist eifersüchtig.“

„Bin ich nicht.“ Allerdings glaubte der dunkelhaarige Mann selbst nicht daran, er wollte es nur nicht laut zugeben.

„Ich erinnere mich an deine Tiraden, als sie mit diesem Australier verlobt war. Sei mal ganz ehrlich zu dir selbst: Du hast ihn gehasst.“

Harm dachte kurz nach und nickte dann. „Mhm.“

„Und du hast dich gehasst...“

„Mhm.“ kam die leise Antwort.

„Du warst eifersüchtig...“

Dieses Mal war Harm kaum zu verstehen. „Ja.“

„Guuut.“ machte Jack gedehnt und trank einen Schluck.

„Was bitte ist daran gut?“

„Es zeigt deine Gefühle für sie. Nur warst du zu blind oder zu blöd, dir das einzugestehen.“

„Ich wollte sie nicht verlieren, Jack. Das weißt du doch.“

„Ha! Der erfahrene Kampfpilot und mit allen Wassern gewaschene Anwalt Harmon Rabb Jr. ist zu feige, einer Frau seine Gefühle zu gestehen.“

„Jack!“

„Was wäre denn schlimmstenfalls passiert, wenn du ihr gesagt hättest, dass du sie liebst?“

„Sie hätte „nein“ sagen können.“

„Davon geht die Welt auch nicht unter, Buddy.“

<Meine schon...> „Ich weiß, aber...“

„Aber?“

„Jack, wie hätte ich denn dann noch mit ihr zusammenarbeiten können?“ Er sah seinen Freund an. „Ständig die Frau vor Augen, die...“

„... die man liebt und die „nein“ zu einem gesagt hat?“

„Mhm.“ nickte Harm. Sie hatten das alles schon häufiger durchgekaut, aber Jack fand immer wieder Ansätze, die ihn – Harm – nachdenklich stimmten. Er wusste, er war ein Feigling. Und diese Erkenntnis kratzte gewaltig an seinem Ego.

„Erinnerst du dich, was du mir damals von Australien erzählt hast?“ Keeter musterte ihn eingehend.

Harm runzelte die Stirn. „Ich hab dir viel von Australien erzählt.“

„Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?“

„Der Ring.“ Harm hob den Kopf. Mit Keeter konnte er über alles reden – wenn er sich einmal dazu durchgerungen hatte oder betrunken war. Heute war Ersteres der Fall. „Der Ring an ihrem Finger.“ Er hatte sich seinerzeit gefühlt, als ob ihm ein Dolch tief ins Herz gestoßen und dann „genüsslich“ langsam herumgedreht worden wäre.

„Was noch?“

„Der Kuss...“ Als er den unzufriedenen Ausdruck in Keeters Gesicht sah, zog er eine Braue hoch. „Worauf willst du hinaus?“

„Auf das, was auf der Fähre passiert ist.“

„Da ist nichts passiert, das weißt du doch.“

„Eben.“

„Hab ich schon wieder zu viel getrunken, oder warum kann ich dir grad nicht folgen?“

„Du hast ja noch nicht mal eine Flasche gelehrt, Harm.“ lachte Jack und wurde dann wieder ernst. „Da hast DU „nein“ gesagt.“

„Ich habe „noch nicht“ gesagt, das ist etwas anderes als „nein“.“ Der Ex-Pilot schnaubte frustriert. Er konnte schon nicht mehr zählen, wie oft er sich die Frage gestellt hatte, was wohl passiert wäre, wenn er „ja“ gesagt hätte.

„Aus dem, was du mir davon erzählt hast, schließe ich, dass Mac schon damals Interesse an dir hatte.“

„Warum hat sie dann Brumbys Ring angenommen?“

„Da musst du sie fragen, Harm.“ Keeter zuckte mit der Schulter. „Aber immerhin war er mutiger als du.“

„Danke, Kumpel, das baut auf.“ Harms Augen funkelten entrüstet.

Der blonde Pilot blies langsam einen Kringel in die Luft. „Hättest du mit ihr geschlafen, wenn die Umstände anders gewesen wären?“

„Das ist eine von den vielen Fragen, die ich mir seitdem unzählige Male gestellt hab.“

„Hast du je eine Antwort gefunden?“

„Ja, je nachdem, in welcher Stimmung ich mich gerade befand...“ Harm lächelte schief.

„Oh.“ machte Keeter. Und nachdem er Harm intensiv gemustert und dessen leichtes Schmunzeln gesehen hatte, entwich ihm ein sehr gedehntes „OOOH“.

Ein paar Minuten herrschte Schweigen, in denen jeder Mann seinen eigenen Gedanken nachhing.

„Wie war sie?“ wollte Jack dann plötzlich wissen.

Harm fuhr aus seinen Gedanken hoch. „Wer?“

„Mac.“ Jack grinste ein klassisch-süffisantes Flyboy-Grinsen. „In deiner Phantasie... wie war sie?“



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#5 von Evi , 24.01.2014 09:59

„Rattenscharf.“ platzte es aus Harm. Erneut wurde er rot.

„Aaahhh...“ Keeter lachte. „Männerphantasien... fast so gut wie richtiger Sex.“

„Jaaack...“ Harms Protest war äußerst lahm.

„Mac kann verdammt anregend auf die Phantasie eines Mannes wirken.“

Harm seufzte schwer. „Wem sagst du das...“

„Dir.“ Der blonde Mann lachte lauter. „Wenn du jetzt noch den Mund aufkriegst, kann das alles Wirklichkeit werden.“

„Hey, ich hüpfe nicht gleich mit ihr in die Kiste!“

„Vielleicht will sie ja zuerst hüpfen?“ grinste Keeter.

„Mac doch nicht!“

„Sie ist ein Marine, Harm. Die sind doch Spezialisten im Erstürmen unbekannten Terrains.“

Harms rechte Braue hob sich fragend. „Bin ich unbekanntes Terrain?“

„Unter dem Aspekt „Sex“ schon.“ grinste Keeter. „Frauen können in der Hinsicht recht tollkühn und fordernd sein.“

„Was soll das heißen, Jack?“ Misstrauisch sah Harm seinen Freund an. „Hast du etwa doch...“

„Harm, ich habe es dir schon tausendmal gesagt: NEIN! Ich habe nicht und ich werde auch nicht! Sie ist dein Mädchen – und damit tabu.“

„Was war dann mit Maria Elena?“ grinste Harm süffisant.

Keeter lachte. „Die hast DU mir ausgespannt.“

„Schuldig im Sinne keiner Anklage.“ Harms Grinsen wurde breiter. „Aber du hast sie doch später auch noch getroffen.“

„So wie du, Buddy.“

Harm riss die Augen auf. „Du weißt davon?“

„Oh, ich weiß vieles...“ Jack schmunzelte geheimnisvoll.

Harms Wangen röteten sich. „Guter Gott!“

„Erzähl mir nicht, sie hat mich nie erwähnt.“

„Doch, aber sie hat nie gesagt, wer von uns beiden besser war.“

„Stimmt.“ Keeter nahm einen Schluck von seinem Bier. „Hast du vielleicht einen Bourbon für mich? Das hier... das passt irgendwie nicht richtig zu Männergesprächen.“

Der dunkelhaarige Ex-Pilot stand auf und holte die Flasche mitsamt zwei Gläsern. „Hier, bedien dich. Aber erwarte nicht, dass ich mit dir mithalte. Der letzte Freitag hat mir gereicht.“

„Heute der Abend ist von gepflegter Konversation, kein Boys-Abend wie letzte Woche.“ Jack lachte laut und schenkte sich ein. „Mhmmm...“ Er schnupperte am Glas und nahm dann einen Schluck. „Guuut...“

„Maria war schon eine klasse Frau.“ sinnierte Harm durch den Rauch seiner Zigarre hindurch.

„Oooh ja.“ Sein blonder Freund starrte ins Nichts. „Temperamentvoll...“

„Sexy...“ ergänzte der Ex-Pilot.

„Für jeden Spaß zu haben...“

„Einfach große Klasse.“

„Hast du mal Juanita kennen gelernt?“

Harm sah Jack fragend an. „Juanita?“

„Aha.“ Keeter hatte erneut diesen verträumten Ausdruck im Gesicht. „Eine Freundin und Kollegin von ihr... Rasseweib...“

„Wie bitte?“ Harm setzte sich auf. „Hast du etwa...?“

„Aha.“

„Mit beiden?“

„Aha.“

„Gleichzeitig?“

„Jupp.“

„Wow!“ Mit so etwas konnte Harm nicht dienen.

„Hast du das noch nie gemacht?“

„Nope.“ Neugierig sah er Jack an. „Wie ist das denn?“

Der blonde Flieger grinste. „Ungewohnt, aber verdammt gut.“

„Oookay...“

„Solltest du vielleicht auch mal...“ Keeter vollendete den Satz nicht, sondern schlug sich mit der Hand an die Stirn. „Ich Idiot!“

„Hä?“

„Das kommt bei dir ja jetzt nicht mehr in Frage.“ Ein süffisantes Flyboy-Grinsen folgte Jacks Worten. „Für dich gibt es nur noch Sarah MacKenzie.“

„JACK!“ Harm schnaubte erbost. „Ich habe doch schon mal gesagt, dass ich NICHT die Absicht habe, gleich am ersten Abend mit ihr zu schlafen, sollten wir jemals... du weißt schon...“

Das Grinsen wurde herablassender. „Ich bin sicher, ihr WERDET...“

„Wir werden WAS?“

„Zusammenkommen.“ lachte Keeter. „Das mit dem Sex könnt ihr immer noch erledigen.“

„Sex „erledigt“ man nicht, Mister.“

„Stimmt.“ Jack lachte dröhnend. „Man hat ihn.“

Harm seufzte leise. „Oder man hat ihn nicht.“

„Du lebst im Zölibat?“

„So was ähnliches, ja.“

„Warum?“

Ein tiefer Stoßseufzer antwortete dem blonden Piloten. „Es hat sich halt nichts ergeben.“

„Wie lange geht das schon so?“

„Seit Renée weg ist.“

„Guter Gott, Harm!“ Jack konnte es kaum glauben. „Noch nicht mal Spaß am Wochenende?“ Harm hatte früher nie Schwierigkeiten gehabt, eine Frau zu erobern.

„Nope.“ Harm schüttelte den Kopf. „Irgendwann hatte ich dazu auch keine Lust mehr.“ Dann sah er seinen Freund an. „Was ist eigentlich mit dir?“

„Na ja, hin und wieder genieße ich schon die Vorteile von Gold Wings. Aber...“ Er ließ den Blick in die Ferne schweifen.

„Aber?“

„Ich hab es langsam satt, der einsame Wolf zu sein.“

Harm hob sein Glas. „Willkommen im Club.“

„Du hast doch eine Frau vor Augen, Buddy.“ Beinahe wäre er statt „Frau“ „Ziel“ gesagt.

„Vor Augen vielleicht, aber...“

„Tröste dich, ins Bett bekommst du sie auch noch.“

„JACK!!!“

„Hey, du liebst sie doch, oder?“

„Aha.“

„Du willst mit ihr zusammen sein.“

„Ja.“

Jack musterte ihn genau. „Wie ich dich kenne, soll das auch für immer sein.“

„Ja.“ Zum ersten Mal hatte Harm laut ausgesprochen, dass er bereit war, sich langfristig zu binden.

„Willst du den Rest des gemeinsamen Lebens mit deiner Traumfrau im Zölibat verbringen?“

„Natürlich nicht!“

„Dann ist es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass ihr zusammen im Bett landet.“ lachte Keeter.

„Hmpf.“ Harm sah seinen Freund giftig an, wusste aber, dass Jack Recht hatte.

„Kommen wir wieder zur Sache, Harm. Du gehst also morgen mit ihr shoppen.“

„Jupp.“

„Mach dich unentbehrlich... damit sie dich wieder mitnimmt.“

„Erst mal abwarten, wie das morgen wird.“

„Mac ist doch nicht Renée.“ lachte Jack. „Ganz so schlimm wird es also schon mal nicht werden.“

„Wer weiß? Vielleicht ist Mac beim Shoppen ja komplett anders als wir beide denken.“

„Glaub ich nicht. Und wenn schon, das Opfer solltest du bringen können. Habt ihr sonst noch was geplant für morgen?“

„Nein.“

„Dann führ sie doch abends aus... oder lad sie für Sonntag zum Brunch ein.“

„Sonntag wollte ich noch ein letztes Mal fliegen vor der Winterpause. Das weiß sie aber.“

„Nimm sie mit.“

„Ich habe sie einmal mitgenommen. Wie das endete, weißt du.“

„Das muss doch nicht jedes Mal im Desaster enden.“

Harm lachte. „Bis jetzt endete JEDER Flug mit ihr im Desaster.“

„Dann wird es Zeit, dass damit Schluss ist, findest du nicht?“

„Jack, ich will es nicht übertreiben... oder aufdringlich wirken. Ich hab mich ja schon selbst zum Shoppen eingeladen, da kann ich sie schlecht auch am Sonntag noch vereinnahmen.“

„Na gut, wie du meinst. Aber so gewinnst du keinen Blumentopf.“

Der Ex-Pilot lachte herzhaft und grinste breit. „Ich will keinen Blumentopf, ich will Sarah MacKenzie.“

„Aaah... tut das gut...“ Ein großer Rauchkringel verließ Keeters Lippen.

„Frank hat mir dieses Mal andere geschickt. Die, die ich sonst immer bekomme, finde ich besser.“

„Ich rede nicht von den Zigarren, Harm.“

„Sondern?“

„Ich rede davon, wie gut es tut, es laut und deutlich aus deinem Mund zu hören.“

„Was zu hören?“

Der blonde Mann schmunzelte. „Bist ein bisschen schwer von Begriff heute Abend, hm?“

„Jaaack!“

„Du hast gesagt: *Ich will Sarah MacKenzie.*.“

Harm sah seinen Freund an. „Du weißt doch, dass ich sie will... schon lange will.“

„Ja, ja.“ nickte Jack geduldig.

Dann glitt ein arrogantes Grinsen über das Gesicht des Ex-Piloten. „Außerdem... die Alternative ist keineswegs verlockend...“

„Lebenslanges Zölibat?“

Harm wurde zwar rot, ging aber nicht darauf ein. „Das auch, aber ich kann mit dem Blumentopf nichts anfangen...“

„RABB!“ blaffte Keeter und warf ein Kissen nach ihm. „Bei so einer Aussage wäre lebenslanges Zölibat gerade gut genug für dich.“

Harm war verblüfft über die plötzliche Ruppigkeit seines Freundes. „JACK!“

„Allein schon die Vorstellung, einen Blumentopf als Alternative zu Sarah MacKenzie überhaupt in Erwägung zu ziehen!“ Der blonde Mann schnaubte empört.

„Hey... ist ja gut... sorry.“ Harm war immer noch völlig perplex. „Das mit dem Blumentopf kam aber von dir.“

„Na und?“ Keeter starrte ihn an. „Falls dein Interesse an ihr plötzlich nachgelassen oder sich sogar unverständlicherweise verflüchtigt haben sollte, sag mir bitte Bescheid.“

„Warum?“

„Dann lade ICH sie nämlich ein.“ Es war nur die halbe Wahrheit. Jack Keeter wollte seinen Freund absichtlich provozieren.

Eine Welle der Eifersucht schoss durch Harm. Er glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen; konnte aber gleichzeitig nicht fassen, dass er seinem ältesten Freund gegenüber derartige Gefühle hegte.

„Jaaack...“ knurrte er drohend.

<Aaah... guuut...> Keeter schmunzelte. „Kann ich sie jetzt einladen oder nicht? Sie würde sich bestimmt...“

Harms Antwort war lauter als gewollt. „NEIN!“

„Oookay.“ Jack lehnte sich im Sessel zurück, blies einen dicken Kringel in die Luft und grinste zufrieden.

Der Ex-Pilot sah das und starrte seinen Freund misstrauisch an. „Verarschen kann ich mich selber, Jack.“

„Harm, du bist sehr empfindlich geworden, was Mac bzw. dein Verhältnis zu ihr angeht.“ stellte der blonde Mann nüchtern fest.

„Bin ich nicht.“ Harm glitt übergangslos in eine Trotzphase. „Außerdem habe ich kein Verhältnis mit ihr. Und ich will auch keins.“

„Ich weiß, was du willst.“

„Ach ja?“

„Du willst sie für den Rest deines Lebens an deiner Seite haben.“

Harms brodelndem Temperament ging urplötzlich die Luft aus. „Aha.“ seufzte er schwer.

Jack leerte sein Glas. „Ich bin überzeugt, dass es ein Happy End geben wird – für euch beide.“

„Optimist.“

„Und du sei mal nicht so pessimistisch, Mister.“

Es dauerte ein paar Minuten, bis Harm dann etwas sagte. „Ach Keeter...“

Jack musterte seinen Freund. „Dich hat’s ganz schön erwischt, mein Junge.“ meinte er leise.

„Als ob du das nicht wüsstest...“

„Wahrscheinlich war mir das sogar wesentlich früher klar als dir selbst.“

„Kann schon sein.“

„Hey, jetzt lass mal nicht den Kopf hängen. Geh morgen mit ihr shoppen... nimm sie Sonntag mit zum Fliegen... zeig ihr die Schönheiten eines Fluges im Spätherbst.“

„Jack, meine Stearman ist ein offenes Flugzeug. Mac wird sich den Arsch abfrieren.“

Ein leises Lachen entwich dem blonden Mann. „Ich dachte, sie ist ein Marine. Da muss sie das ab können. Außerdem sitzt sie doch zur Hälfte in der Maschine... ihr Popo bleibt also warm.“

„Jack!“

„Den Rest kannst du ja auch noch wärmen...“

„KEETER!!!“

„Ich weiß, wie ich heiße, Kumpel.“ Nun lachte Jack herzhaft und laut. „Ich geb dir nur ein paar Tipps.“

„Tipps... ha, dass ich nicht lache. Du schmeißt mich ja quasi schon ins Bett mit ihr.“

„Als ob du was dagegen hättest...“

Harm wurde rot. „Ich habe nichts dagegen, Jack. Es ist nur...“

„Ich kann mir denken, was du sagen willst: Sie ist dir zu schade für ein kurzes Abenteuer.“

„Aha.“ nickte Harm. „Ich frage sie morgen, ob sie Sonntag mitkommt.“

„Gut.“ Jack sah auf die Uhr und erhob sich. „Langsam muss ich auch mal los.“

„So spät ist es doch noch nicht.“

„Das stimmt, aber du hast morgen einen anstrengenden Tag vor dir. Joggen, Shoppen...“

Harm lachte. „Okay, okay.“

„Verlass dich aber drauf, dass wir uns jetzt häufiger sehen. Und auch mal einen trinken gehen. Ganz so exzessiv wie letzten Freitag muss es ja nicht sein. Auch wenn es...“

„... gelegentlich mal gut tut, einen über den Durst zu trinken.“ ergänzte der Ex-Pilot grinsend den Satz seines Freundes.

„Sich richtig wie ein Mann fühlen können...“

„Über Gott und die Welt lästern...“

„Und dabei herrlich politisch unkorrekt sein dürfen.“ Keeter leerte sein Glas.

„Auf keinen Rücksicht nehmen müssen...“

„Harm, bei dir dürfte das demnächst wohl ein bisschen anders aussehen.“

„Mac wird das verstehen.“

Keeter konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Noch war sein Freund noch nicht mal mit seiner Traumfrau zusammen, redete aber, als wäre er schon mit ihr verheiratet. „Sicher?“

Das Rabb’sche Fliegergrinsen wurde breiter. „Sehr sicher. Mac ist keine Klette.“

„Aber du hängst an ihr wie eine Klette.“

„Im übertragenen Sinn vielleicht... ja.“ Harm sah seinen Freund verlegen an. „Ich... ich brauche sie...“ fügte er leise hinzu.

„Ich weiß, Harm.“ Jack Keeter wusste um die tief verborgenen (Verlust-)Ängste seines Kameraden. Und er wusste, dass er der Einzige war, dem gegenüber Harm jemals Schwächen gezeigt hatte. Vielleicht würde sich das ändern, wenn Sarah MacKenzie dauerhaft an Harm Seite sein würde. Aber manche Dinge ließen sich nun mal besser unter Männern besprechen.

„Danke, Jack.“ Harm holte tief Luft. Er hatte sich wieder gefangen.

„Wir sind Freunde, Harm.“ erwiderte der blonde Mann nur und erhob sich. „Ich verlasse dich jetzt.“

„Schade.“ Auch Harm stand auf und folgte seinem Freund zur Tür. „Ich bin froh, dass du jetzt hier in DC bist, Jack.“

„Ich auch, Buddy.“ Er packte Harms Hand und zog ihn in eine kräftige Umarmung. „Wahre Freundschaft gibt es doch nur unter Männern...“

#+#+#

Samstag, 06. Dezember
07:38 Ortszeit
Harms Appartement, Washington DC


Harm hatte sich angezogen und wollte gerade nach seinen Schlüsseln greifen, als es klopfte. Stirnrunzelnd öffnete er die Tür.

Draußen stand „sein“ Marine mit einer Sporttasche in der Hand und grinste breit.

„Mac! Was... äh... was machst du hier? Wir wollten uns doch im Park treffen.“

„Guten Morgen erstmal.“ lachte sie und betrat die Wohnung. „Plan geändert, Flyboy.“

„Das sehe ich auch. Aber was ist das?“ Er deutete auf ihre Tasche, die sie soeben abstellte.

„Meine Klamotten.“

„Deine Klamotten...“ echote er.

„Aha.“ nickte sie. „Von dir aus ist es viel näher in die City. Ich hab mir gedacht, wir laufen jetzt eine Runde, fahren wieder zu dir zurück und duschen hier. Dann geht es zu einem guten Frühstück mit anschließendem Shoppen in die Stadt.“ Sie hatte die Idee von der Sekunde an brillant gefunden, in der sie sie gehabt hatte.

Harm musste schlucken. <Duschen? Sie hier bei mir? Guter Gott...> Der Gedanke an eine nackte Mac in seiner Dusche jagte prompt seinen Puls in die Höhe. „Ähem...“ räusperte er sich verlegen.

Mac entging seine Verlegenheit. „Ich fand die Idee gut.“ Sie grinste immer noch. „Duschen müssen wir sowieso. Du bist auch noch nicht rasiert.“

„Das wollte ich mit der Dusche verbinden.“

„Na, siehst du. Du musst mir noch nicht mal ein Handtuch leihen. Alles da drin.“ Sie deutete auf die Tasche.

„Oookay...“ machte er gedehnt. <Ich schaff das schon.> sprach er sich selbst Mut zu.

Mac hatte bereits die Klinke in der Hand. Seine Verlegenheit war ihr immer noch nicht aufgefallen. „Dann können wir ja los.“ meinte sie munter und verschwand im Flur.

„Aha.“ machte Harm und verschloss die Wohnung.

„Fährst du?“ fragte Mac auf dem Weg nach unten.

„Keine Lust auf „oben ohne“?“ grinste er, auf die Fahrt am vergangenen Mittwoch anspielend.

Sie schüttelte den Kopf. „Das Wetter ist schlechter geworden. Ich hoffe nur, dass es heute noch trocken bleibt. Shoppen im Regen macht keinen Spaß.“

„Ich würde auch im Regen mit dir shoppen gehen; schließlich habe ich dir das versprochen.“ Er entriegelte seinen Lexus.

„Trotzdem ziehe ich Shoppen im Trockenen vor.“ lachte sie, als sie einstieg.

Er fuhr los. „Joggen tu ich auch lieber bei trockenem Wetter. Wasser von oben genieße ich am liebsten in der Dusche.“

„Nicht nur du, Seemann.“

Es dauerte nicht lang, und sie erreichten „ihren“ Jogging-Park.

„Fünf Meilen?“ fragte Mac während ihrer Aufwärmübungen.

„Yep, das reicht, wenn wir noch shoppen gehen wollen.“

Sie lachte. „Keine Ausdauer mehr, Seemann?“

„Doch.“ Gespielt pikiert sah er sie an. „Wir können auch 10 Meilen laufen.“

„Warum treffen wir uns nicht in der Mitte und nehmen die 7-Meilen-Route?“

„Okay.“

Langsam trabten sie los, um dann ihn ihr normales Jogging-Tempo zu verfallen.

„Willst du wirklich morgen noch mal fliegen?“ fragte Mac nach einer Weile.

„Jupp.“ Er nickte. „Das war’s dann aber auch für dieses Jahr.“

„Okay.“ meinte sie. „Pass aber auf dich auf, Harm. Das Wetter soll zum Nachmittag hin richtig schlecht werden.“ Ein flaues Gefühl beschlich sie.

„Ich bin auch schon in schlechtem Wetter mit „Sarah“ geflogen.“ Er sah sie an. „Machst du dir etwa Sorgen um mich?“

Sie wurde rot. „Ein bisschen schon.“ gab sie leise zu.

„Dann rufe ich dich an, wenn ich zurück bin. Kannst du damit leben?“

Ihre Stimmung hellte sich wieder auf. „Jupp.“

Auf dem Rest ihrer Route sprachen sie wenig. Zum Schluss gingen sie noch die restlichen 500 Meter in normalem Schritttempo, um sich abzukühlen.

„Das war genau das, was ich jetzt brauchte.“ lachte Harm, als sie seinen Lexus erreichten.

„ICH brauche jetzt eine Dusche und ein ordentliches Frühstück.“ kicherte sie.

„Sollst du haben.“ Er entriegelte den Wagen. „Ganz zu schweigen von einem ausgedehnten Shopping-Trip.“

Sie nickte lachend und stieg ein. „Das auch.“

„Dann wollen wir mal los.“ Harm startete den Motor und fuhr los.

Es dauerte nicht lang, und sie erreichten Harms Wohnung.

„Geh du zuerst duschen.“ meinte er, als er die Tür hinter sich schloss.

Sie griff nach ihrer Tasche. „Bis gleich.“

„’Kay.“ murmelte er und holte sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. Ächzend warf er sich auf seine Couch, schlüpfte aus den Schuhen und trank die halbe Flasche leer. „Puh.“ Rasch zog er sein Sweatshirt aus und legte die Füße auf den Couchtisch.

Den Kopf auf der Rückenlehne liegend drifteten seine Gedanken ab, während er dem Rauschen des Wassers lauschte. Er dachte an die Frau in seiner Dusche – mit allen physischen Konsequenzen. <Verdammt!> Kurz schielte er in seinen Schoß. <DAS war ja klar.> Ein gequältes Grinsen überzog sein Gesicht. <Reg dich lieber wieder ab, Rabb. SO braucht sie dich nicht zu sehen.>

Er konzentrierte sich so auf sich selbst und sein „physisches Problem“, dass er nicht mitbekam, wie das Rauschen des Wassers aufhörte.

„Dusche ist frei.“

„Wie?“ Irritiert hob er den Kopf.

Mac stand grinsend vor dem Sofa. „Ich sagte, die Dusche ist frei.“

„Oh... danke.“ grinste er und erhob sich. Ein fruchtiges Aroma umgab Mac. <Mhmmm, riecht sie gut.> Er inhalierte tief.

Mac erging es ähnlich, als er an ihr vorbeiging. Er roch verschwitzt – und nach Mann. Angenehm nach Mann... ZU angenehm für ihren Geschmack. Ohne es richtig wahrzunehmen, griff sie nach seinem Sweatshirt und bohrte ihre Nase hinein. Der Geruch brachte Gefühle hoch in ihr, die sie lange nicht gehabt hatte, und ihr Puls beschleunigte sich. <Guter Gott!>

#

Im Bad bekam Harm nichts davon mit. Er hatte sein T-Shirt und die Jogginghose ausgezogen und stand nun vor dem Waschbecken, wo er sich genüsslich rasierte. Als er fertig war, zog er auch noch seinen Slip aus und stellte das Wasser an. Sekunden später stand er unter dem warmen Wasser und ließ es über seine Muskeln laufen. <Aaah... tut das gut.> Ohne hinzusehen griff er nach seinem Duschgel und seifte sich ein.

Als es kurz darauf intensiv nach Mandarine zu duften begann, öffnete er die Augen und studierte die Flasche. Es war Macs. Anscheinend hatte sie es eben vergessen. <Na toll.> Trotzdem musste er grinsen. <Immerhin ist es keins mit Vanille- oder Jasmin-Aroma.> Er fuhr fort, sich zu säubern. <Jetzt riechen wir wenigstens gleich...>

Die nächste Überraschung erlebte er, als er sich abgetrocknet hatte: Er hatte vergessen, frische Unterwäsche mit ins Bad zu nehmen. Normalerweise war das kein Problem, aber jetzt... Nebenan saß schließlich Mac.

Er schlang ein Handtuch um seine Hüften und stapfte zu seinem Wäscheschrank.

„Harm, bist du fertig?“ Macs Stimme kam näher. „Ich hab mein Duschgel vergessen.“

Er hatte einen Slip gefunden und sich gerade aufs Bett gesetzt. Das Handtuch lag neben seinen Füßen. „Ah... Moment.“

„Bist du etwa noch nicht angezogen?“

Harm hörte das Vergnügen in ihrer Stimme. „Ähm... noch nicht ganz...“ Rasch schlüpfte er in die Unterhose. Immerhin lag seine Jeans in Griffweite. Eilig zog er sie an. „Okay, du kannst kommen.“ rief er und holte ein T-Shirt aus dem Schrank.

„Ups.“ Schneller als gedacht stand Mac auf der obersten Stufe und „erwischte“ ihn, als er sich das Shirt über den Kopf zog. Seine Jeans war hochgezogen, aber noch offen. So erhaschte sie noch einen Blick auf seinen Slip. <Slip? Keine Boxershorts?> „Sorry, ich wollte nicht...“

Harm stopfte das Shirt in die Hose. „Ist doch nix passiert.“ lachte er.

„Ähm... ja...“ Sie wollte an ihm vorbei zum Bad. Dabei traf ein sehr vertrautes Aroma ihre Nase. „Harm?“ Demonstrativ schnupperte sie in seine Richtung.

„Ja?“ Er zog gerade den Reißverschluss hoch.

„Hast du mein Duschgel benutzt?“

„Aus Versehen, ja.“ lächelte er verlegen. „Ist es sehr schlimm?“

„Aaalso...“ Sie lachte. „Erstens ist mein Duschgel NICHT schlimm. Und zweitens riechst du jetzt schön fruchtig.“

Amüsiert zog er eine Braue hoch. „Fruchtig?“

„Aha, fruchtig.“ nickte sie. <Zum Anbeißen lecker.>

„Ich weiß nicht, ob ICH das so toll finde.“

Sie lachte. „Sei froh, dass ich nicht das mit Jasmin und Vanille mitgenommen habe.“

„Bäh.“ Der Ex-Pilot zog die Nase kraus. „Ich meine, zu dir passt das, aber...“

„... es passt nicht zu einem Mann.“ ergänzte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Er schüttelte den Kopf. „Hm-hm.“

„Du hast ja noch dein Aftershave, um dich wieder richtig männlich zu fühlen.“ kicherte sie und tätschelte im Vorübergehen seine Brust. Leise lachend stieg sie dann die Stufen zum Bad hinab.

„Sehr witzig, Marine.“ Er suchte sich einen Pullover und zog ihn über. Immer noch barfuß ging er zurück ins Bad.

„Äh... musst du noch mal...“ Mac deutete auf die Toilette und sah ihn unsicher an.

„Nein.“ lachte er. „Kämmen und Aftershave sind angesagt.“

„Ah, okay.“ Sie ging zur Dusche, holte ihr Duschgel und verschwand dann wieder. „Vergiss die Socken nicht.“ lachte sie über die Schulter.

„Maaac!“ Harm schüttelte den Kopf und machte sich fertig. Nachdem er Socken und Schuhe angezogen hatte, richtete er sein Bett und gesellte sich zu ihr. „Am besten hängst du dein feuchtes Handtuch irgendwo hin, solange wir unterwegs sind.“

„Gute Idee.“ Sie holte es wieder aus ihrer Tasche und hing es über die Stange am Küchentresen. Als sie dabei an ihm vorbeikam, schnupperte sie demonstrativ laut. „Aaah...“

„Was ist?“

„Du riechst wieder richtig nach Mann.“ lachte sie.

„Und das gefällt dir besser?“

„Zumindest ist es vertrauter.“

„Das ist ja auch das Aftershave, das du mir immer schenkst.“ grinste er. Er hatte diese Duftnote sofort gemocht – und das nicht nur, weil es von IHR kam. Es roch frisch, männlich... ein bisschen wie die See. Seither benutzte er kein anderes mehr, auch wenn er noch welche besaß. Wie z. B. ein sündhaft teures, das ihm Renée einmal geschenkt hatte, das er bislang aber „geflissentlich“ ignoriert hatte.

„Benutzt du gar kein anderes?“

„Nope. Ich hab zwar noch welche, aber dieser Duft gefällt mir nun mal am besten.“

„Oh.“ Mac war überrascht – und auch ein wenig stolz.

Harm hatte derweil seine Jacke übergezogen. „Lass uns fahren, ich hab Hunger.“

„Wo frühstücken wir?“

„Such dir was aus.“

„IHOP?“

„Lust auf Pancakes?“

„Aha.“ nickte sie enthusiastisch.

„Dann ist es IHOP.“ Er öffnete die Tür. „Da in der Nähe kann man auch ganz gut parken.“

„Noch ein Grund, dorthin zu gehen.“ lachte sie.

Es dauerte keine 10 Minuten, bis sie ihr Ziel erreicht hatten. Sie fanden sogar recht schnell einen freien Parkplatz.

Als sie ausstiegen, blickte Mac sich um. „Von hier ist es nicht weit bis zur Mall. Da könnten wir den Wagen doch hier stehen lassen.“

„Gute Idee.“ nickte Harm.

Gemeinsam machten sie sich dann auf den Weg zur IHOP-Filiale. Nachdem sie an einen Tisch geführt worden waren, studierten sie die umfangreiche Speisekarte.

„Es sollte definitiv verboten werden, so viele leckere Sachen auf einmal anzubieten. Hast du schon was gefunden?“

Harm lachte. „Ich konnte meine Auswahl zumindest schon mal etwas eingrenzen, aber sicher bin ich mir noch nicht.“

„Du Glücklicher.“ seufzte sie. „Da bist du immerhin schon weiter als ich.“

„Tipp doch einfach blind mit dem Finger auf die Karte, wenn du dich nicht entscheiden kannst.“

„Und wenn ich was erwische, was ich gar nicht mag?“

Er zuckte mit einer Schulter. „Dann tippst du eben noch mal.“

„Auf deine Verantwortung, Seemann.“ grinste sie und schloss die Augen. Ihr ausgestreckter Zeigefinger kreiste über der Karte und sauste plötzlich hinab.

„Na, was ist es?“

Sie beugte sich vor und schielte ihn dann an. „Kaffee.“ kicherte sie.

„Pancakes mit Kaffee-Sirup?“

„Nein, Kaffee zum Trinken. Ich bin in der Spalte für Heißgetränke gelandet.“

Wie aufs Stichwort erschien die Bedienung. „Haben Sie schon gewählt?“ Wie so oft widmete sie Harm ihre ganze Aufmerksamkeit – sehr zu Macs Verdruss.

„Nein, noch nicht. Aber wir hätten gerne schon mal Kaffee.“ grinste er.

„Kommt sofort, Sir.“ Ohne einen Blick auf Mac zu werfen, verschwand die junge Frau wieder.

Mac sah ihn gespielt giftig an. „Eroberung die 472.“

„Wie bitte?“

„Du hast gerade mal wieder eine Eroberung gemacht, Seemann.“

„Maaac...“ protestierte er lahm.

„Stimmt doch. Sie hatte nur Augen für dich.“

Ein leises Schmunzeln umspielte seine Mundwinkel. „Bist du etwa eifersüchtig?“

„Ich? Eifersüchtig? Pah!“ schnaubte sie. Was sie nicht wusste, war, dass ihre Augen sie verrieten.

Harm grinste innerlich, sagte jedoch nichts. „Mit der Anzahl der Eroberungen übertreibst du aber gewaltig, Mac.“

„Okay, dann lass es meinetwegen die 288. sein.“

„Weiter runterhandeln kann ich dich nicht?“

„Nope.“

„Trotzdem übertreibst du maßlos.“

„Harm, wann und wo immer du auftauchst, drehen sich die Frauen nach dir um und fangen an zu tuscheln.“

<Sie ist tatsächlich eifersüchtig.> Der Mann in ihm fühlte sich geschmeichelt. „Stehe ich so unter Beobachtung?“

„Ähm... na ja...“ Sie spürte selbst, wie sie rot wurde. „Das... hm... das ist meist nicht zu übersehen.“

„Such dir lieber was aus, bevor „Eroberung Nr. 288“ wieder kommt und dich nervt.“

„Ha, ha.“ machte sie, schloss die Augen wieder und tippte erneut blind auf die Karte.

Der Ex-Pilot sah ihr amüsiert dabei zu. Er hatte mit einem letzten Blick sein Menü gewählt. „Fündig geworden?“

„Jupp.“

„Gerade zur rechten Zeit; der Kaffee kommt.“

„Und Nr. 288...“ kicherte sie.

„Ihr Kaffee.“ Die Bedienung stellte Becher und Kanne auf den Tisch. „Haben Sie jetzt etwas gewählt?“ Erwartungsvoll schaute sie Harm an.

Der sah Macs angedeutetes Grinsen und zwinkerte.

„Für mich bitte die Pancakes mit Zimt.“ Erwartungsvoll grinste sie die Bedienung an.

Ein wenig überrascht sah diese Mac an, hatte sie doch zuerst mit einer Antwort von Harm gerechnet. „Okay, Ma’am. Und Sie, Sir?“

„Mich können Sie mit den Cheesecake Pancakes glücklich machen.“

Die Frau schmunzelte. „Wäre das dann alles, oder wünschen Sie noch etwas?“

„Danke, das ist alles.“ meldete sich Mac zu Wort.

Ohne ein weiteres Wort verschwand die Bedienung wieder.

„Die hat mich wie Luft behandelt.“ schnaubte Mac verärgert.

„Ganz so schlimm war es ja nun nicht.“ lächelte Harm sanft. „Aber wenn du willst, können wir ihr nachher beim Bezahlen einen Streich spielen.“ Sein Lächeln ging in ein süffisantes Grinsen über.

„Und wie?“ Sie hatte angebissen.

Das Grinsen wurde breiter. „Vertrau mir einfach und spiel mit, egal was passiert oder was ich sage. Okay?“

Misstrauisch sah sie ihn an. „Oookay.“

Wenig später kamen ihre Pancakes.

„Mhm, riecht das lecker.“ Mac inhalierte tief. „Lass es dir schmecken, Seemann.“

Harm hatte bereits mit dem Essen begonnen und nickte kauend.

Es dauerte nicht lange, bis die Teller geleert waren.

„Willst du noch etwas?“

Mac winkte ab. „Danke, ich bin satt. Mit allzu vollem Bauch shoppt es sich auch nicht so gut.“

„Dann können wir ja zahlen und aufbrechen.“ Er winkte nach der Kellnerin. „Denk dran: Einfach nur mitspielen.“

„Okay.“ nickte sie und war gespannt, was er im Schilde führte.

Die Bedienung kam und lächelte Harm an. „Hat es Ihnen geschmeckt?“

„Danke, sehr gut.“

„Möchten Sie noch etwas?“

„Ja, wir möchten zahlen.“ grinste er.

„Gerne, Sir. Bin gleich wieder da.“

Mac beugte sich über den Tisch. „Kriegt sie Trinkgeld?“

„Ein bisschen.“ erwiderte er genauso leise.

Zwei Minuten später stand die Frau wieder vor ihnen und legte die Rechnung vor Harm auf den Tisch. „Das macht dann 28,46 Dollar.“

Mit einem – allerdings nur für Mac erkennbaren – süffisanten Grinsen schob er den Zettel zu Mac. „Fürs Bezahlen ist heute meine Frau zuständig.“ Dann lehnte er sich lässig im Stuhl zurück und amüsierte sich über das Gesicht der Kellnerin, die plötzlich aussah, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.

Dank seiner Vorwarnung brauchte Mac keine zwei Sekunden, um sich zu fangen. <Meine Frau? DAS also führte er im Schilde.> Ohne ein Wort zu verlieren holte sie ihre Geldbörse aus ihrer Tasche und fischte drei Zehn-Dollar-Noten heraus. Mit einem zuckersüßen Lächeln legte sie diese dann auf den Tisch. „Stimmt so.“

Wie erwartet war die Antwort der Bedienung ein knappes „Danke“, bevor sie das Geschirr zusammenräumte und ohne ein weiteres Wort Richtung Küche verschwand.

Die beiden Offiziere grinsten sich an und verließen das Restaurant. Draußen schlugen sie dann den Weg zur Mall ein.

Nach ein paar Metern blieb Harm stehen. „Hast du ihr Gesicht gesehen?“ Seine Augen funkelten vergnügt.

„Aha.“

„Ich frage mich, was sie mehr geärgert hat: Das geringe Trinkgeld oder dass ich „verheiratet“ bin.“ Er machte Anführungszeichen in der Luft.

„Vermutlich beides.“ lachte Mac. „Gut, dass du mich vorgewarnt hast, Flyboy.“

„Warum?“

„Du hast mich schließlich als „deine Frau“ bezeichnet. Ohne Vorwarnung hätte ich dagesessen wie ein Fisch auf dem Trockenen.“

Er lachte und zuckte mit der Schulter. „Ich fand, das war die einzige Möglichkeit, sie in ihre Schranken zu verweisen. Ich bin dir damit doch nicht wirklich zu nahe getreten, oder?“ Ein spöttisches Grinsen folgte seinen Worten.

„Bist du nicht.“ versicherte sie lachend und musterte ihn eingehend. „Ich vermute mal, es hat dir gefallen, mich als „deine Frau“ zu bezeichnen.“ kicherte sie.

„Na ja...“ Nur scheinbar verlegen kratzte er sich am Kopf. „Sollten wir nicht...?“

„Wir sollten.“ lachte sie. „Dann komm mal mit, „mein Göttergatte“, wir gehen jetzt shoppen.“ Immer noch lachend packte sie seinen Arm und marschierte los.

<Göttergatte... jaaa, das gefällt mir.> dachte er.

10 Minuten später hatten sie die Mall erreicht.

„Hast du ein bestimmtes Geschäft, wo du deine Jacken holst?“

„Es gibt zwei Läden, in denen ich immer nachschaue. Wenn ich da nichts finden sollte, gucke ich morgen in Georgetown mal.“

„Schwebt dir außer Jackenkauf noch was vor?“

Sie grinste. „Mal sehen, vielleicht schaue ich noch bei Victoria’s Secret vorbei.“

„Victoria’s Secret? Soll das heißen, du willst dir noch Dessous kaufen?“ Darauf war er mental nun gar nicht eingestellt.

„Mal sehen, wenn sie ein absolut verlockendes Angebt haben, dem ich nicht widerstehen kann, dann ja. Aber die haben auch Tops und Bademoden. Ganz zu schweigen von Körperpflegeprodukten. Meine Bodylotion z. B. hole ich immer da.“

„Ich wusste gar nicht, dass die so viel im Angebot haben.“

„Dabei gehörst du eigentlich zur Zielgruppe.“ kicherte sie.

„Wie bitte?“

„Magst du keine sexy Dessous?“ Sie blieb stehen und legte den Kopf schief.

Harm wurde rot. „Doch... schon...“

„Siehst du.“

„Willst du dir etwa... äh... Dessous kaufen?“

„Ich hab doch eben schon gesagt, nur wenn sie ein verlockendes Angebot haben.“ Sie sah ihn an und amüsierte sich über die deutlich sichtbare Erleichterung in seinem Gesicht.

„Oookay.“ machte er. „Es ist dein Shopping-Trip. Da kannst du dir kaufen, was immer du willst.“ <Ich schaff das schon.>

„Das werde ich auch, Seemann. Und wir fangen gleich damit an.“ Sie deutete auf einen Laden drei Häuser weiter. „Da ist das erste Jackengeschäft.“ Zielstrebig betrat sie dann den Laden.

„Kann ich Ihnen helfen, Ma’am?“ Wie aus dem Nichts tauchte einen Verkäuferin vor ihnen auf.

„Ich wollte mich zuerst einmal umsehen, danke.“

„Kein Problem. Falls Sie Hilfe brauchen, rufen Sie mich einfach.“

Mac nickte. „Danke, das mache ich.“ Sie begann, einen Ständer mit Jacken durchzusehen.

Harm lehnte sich gegen eine Säule und beobachtete sie. Ungewollt fiel ihm ein Shoppen mit Renée ein. Sie hatte ihn bei gefühlt jedem zweiten Kleidungsstück nach seiner Meinung gefragt – und das nicht nur in einem Laden, sondern in allen Geschäften, in die sie ihn geschleift hatte.

Mac hingegen schien genau zu wissen, was sie haben wollte. Zielstrebig sah sie sich ein Teil an und hängte es wieder weg, wenn es ihr nicht zusagte.

„Suchst du nach einem bestimmten Schnitt oder auch nach einer passenden Farbe?“

„Was?“ Irritiert sah sie ihn an, fing sich aber schnell wieder. „Eigentlich Schnitt UND Farbe.“

„Schick oder praktisch?“

Sie grinste. „Das eine schließt das andere doch nicht aus.“

„Das nicht.“ lachte er. Aber unter „praktisch“ verstehe ich etwas, was dich auch an sehr kalten Tagen warm hält. Die Winter in Washington können sehr kalt sein, das weißt du.“

„Allerdings.“ nickte sie. „Und was ist dann „schick“?“

„Z. B. die zur Zeit angesagte Farbe. Oder der Schnitt.“

„Wenn du das so siehst, tendiere ich eher zu „praktisch“.“

„Aber etwas so richtig nach deinem Geschmack hast du noch nicht gefunden?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ah-ah.“

„Lass dir Zeit.“

„Ist dir nicht langweilig?“

„Mac, wir sind gerade mal fünf Minuten hier. Außerdem ist es interessant, die Leute zu beobachten.“ Hauptsächlich hatte er sein Augenmerk jedoch auf sie gerichtet.

Mac lachte. „Wir sind 12 Minuten und 46 Sekunden hier.“ Amüsiert sah sie sich um. „Und so viele...“

„Kürzer nicht?“ unterbrach er sie.

„Nope.“

„Es kam mir viel kürzer vor.“

„Das kommt von deinem schlechten Navy-Timing.“ kicherte sie.

„Maaac...“

Lachend deutete sie auf einen Sessel. „Setz dich und guck die Leute an, wenn du welche findest.“ Sehr voll war das Geschäft nämlich nicht.

„Aye, Ma’am.“ salutierte er lässig und setzte sich.

Mac suchte noch eine Weile die Ständer durch. Schließlich hatte sie eine Jacke gefunden, die ihr gefiel – auch wenn diese blau war. An den Ärmeln war sie in einem etwas helleren Blau abgesetzt. Rasch zog sie die Jacke über, trat prüfend vor einen Spiegel und drehte sich hin und her. Sie bewegte die Arme vor und zurück, um die Beweglichkeit zu testen. Alles war perfekt.

Grinsend wandte sie sich an Harm. „Hey Seemann, wie findest du die?“

Er hob den Kopf. „Blau.“ lachte er.

„Haaarm...“

„Schick.“ Sein Grinsen wurde breiter.

Mac verdrehte die Augen. „Ist das alles, was dir dazu einfällt?“

„Nein.“ Er erhob sich. „Auch wenn du ein Marine bist und daher eigentlich ein Faible für grün haben solltest... diese Blautöne stehen dir. Bequem und warm scheint sie ja auch zu sein.“

„Ist sie.“

Den Blick auf die Jacke geheftet trat er vor Mac und zupfte mal am Kragen, mal am Rücken. Schließlich öffnete er sogar den Reißverschluss ein Stück.

„Was... äh... was machst du da, Harm?“ Sein Verhalten irritierte sie, vor allem aber seine Nähe. Sein Gesicht befand sich vielleicht 15 cm vor ihrer Nase.

„Die Kapuze ist abnehmbar, das Futter kannst du herausnehmen.“ Er grinste. „Genehmigt.“

„Das sind deine Kriterien?“

„Es sind deine.“ lachte er. „Du wolltest eine praktische Jacke. Wenn das Futter herausnehmbar ist, kannst du sie auch anziehen, wenn es draußen nicht so kalt ist... wie z. B. im Frühjahr.“

„Ich glaube, ich nehme dich ab jetzt immer mit zum Shoppen. Du weißt wenigstens, worauf es ankommt.“

Er verbeugte sich galant. „Stets gern zu Diensten, Ma’am.“ Langsam richtete er sich wieder auf. „In Sachen „praktisch einkaufen“ scheinen wir uns ziemlich ähnlich zu sein.“

„Hä?“

„Hätte ich mir eine Jacke kaufen wollen, hätte ich sie unter den gleichen Kriterien ausgesucht.“

„Aha.“ machte sie. „Du rätst mir also zu dieser Jacke?“

Er nickte. „Sie steht dir, sie passt dir, sie gefällt dir. Praktisch ist sie sowieso. Für mich alles Gründe, sie zu kaufen. Aber wir können auch noch woanders gucken gehen.“

„Nah, ich nehme sie.“ Sie zog die Jacke aus und drückte sie ihm in die Hand. „Halt mal.“

„Du nimmst die jetzt aber nicht, weil ich das gesagt hab.“

Ihre eigene Jacke wieder anziehend winkte sie die Verkäuferin herbei. „Nein, ich nehme sie, weil sie mir gefällt... weil sie praktisch ist... weil sie gut passt... weil sie...“

„Wie kann ich Ihnen helfen, Ma’am?“ wurde sie von der Verkäuferin unterbrochen.

Mac nahm Harm die Jacke ab und gab sie der Frau. „Die hätte ich gerne.“

„Natürlich, Ma’am. Kommen Sie dann bitte mit zur Kasse?“

„Ja.“ Mac folgte ihr, ihren Flieger im Schlepptau.

„Ich weiß noch einen Grund, warum du sie nehmen solltest.“ raunte er ihr unterwegs ins Ohr.

„Und welchen?“

„Sie ist blau.“

„Ja und?“

„Blau ist Navy-Farbe.“ Seine Lippen berührten fast ihr Ohr. „Mein Marine trägt blau, das gefällt mir als Navy-Mann.“



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#6 von Evi , 24.01.2014 10:09

<MEIN Marine?> „Das ist kein Navy-Blau.“

„Aber es ist blau.“ beharrte er.

Sein warmer Atem kitzelte sie. „Ähem...“

„Es steht dir gut... sehr gut sogar.“

Samtweich und irgendwie sexy rollten seine Worte in ihr Ohr. Seine – vermutlich ungewollt – leise und tiefe Stimme ließ ihre Gedanken abschweifen. Sie fragte sich nicht zum ersten Mal, ob er diesen Tonfall auch bei weit „intimeren“ Gelegenheiten anschlug.

Ein Stups an die Schulter holte sie wieder in die Gegenwart zurück. Verwirrt sah sie ihn an. „Was?“

„Bezahlen, Mac.“ raunte er.

„Oh... sorry.“ Betreten sah sie die Verkäuferin an und gab ihr ihre Kreditkarte.

Die Frau lächelte nachsichtig. „Kein Problem, Ma’am.“ <So ein Mann kann eine Frau ja auch durchaus auf andere Gedanken bringen.> schmunzelte sie in sich hinein.

Wenige Minuten später war die Transaktion erledigt, und sie konnten das Geschäft verlassen.

„Warte, ich nehme das.“ Harm griff nach der Tüte und schenkte der Verkäuferin ein letztes Flyboy-Grinsen. „Wiedersehen.“

„Auf Wiedersehen, Ma’am, Sir.“

Beide verließen den Laden.

„Was jetzt?“

„Jetzt möchte ich zu Victoria’s Secret.“ grinste Mac.

„Dessous kaufen?“

„Vielleicht...“ Ihre Augen funkelten vergnügt. Vorhin schon hatte sie seine Beklommenheit darüber bemerkt.

Harm schluckte. Den Gedanken, sie bei etwaigen Dessous-Käufen zu beraten, fand er auf der einen Seite „äußerst interessant“. Schon der bloße Gedanke daran brachte seinen Kreislauf auf Trab.

„Oder hast du was dagegen?“

Er starrte sie an. „Ah... nein, nein...“

„Es ist nicht weit.“ grinste sie und marschierte los.

<DAS ist ja auch nicht das Problem.> dachte er, als er ihr folgte.

Fünf Minuten später hatten sie ihr Ziel erreicht. Ohne Umschweife betrat Mac das Geschäft.

Der Ex-Pilot holte tief Luft und folgte ihr langsam. Er entdeckte sie an einem Tisch mit Slips, in denen sie bereits eifrig suchte. Neugierig trat er neben sie und betrachtete ihr Tun.

Bald lagen ein halbes Dutzend Slips auf einem gesonderten Stapel.

„Kein Blümchenmuster?“ grinste er und deutete auf einen geblümten Slip.

Sie sah ihn an. „Haaarm...“

„Blümchen-Höschen können doch auch sehr sexy sein.“ Er wackelte mit beiden Augenbrauen.

Ihr Blick sagte deutlich, was sie von seiner Aussage hielt. „Stehst du etwa auf Blümchen?“

„Nicht wirklich.“ gab er dann doch zu.

Ohne ihn weiter zu beachten, wühlte sie weiter in der Auslage. „Ich brauche einen Einkaufskorb.“ stellte sie dann fest.

Er sah sich um. „Da hinten sind welche.“

„Gut.“ Sie holte sich einen, warf die Slips hinein und steuerte zielstrebig auf die Ecke mit den Körperpflegeprodukten zu.

Harm hatte sich derweil ein bisschen im Geschäft umgesehen und bewunderte gerade das Poster eines Models in einem ziemlich knappen Bikini. So bekam er nicht mit, wie Mac in einer anderen Ecke des Ladens verschwand. Als er sich ihr wieder zuwenden wollte, war sie weg.

Suchend sah er sich um, fand sie aber nicht. Gerade als er sich fragte, ob sie den Laden vielleicht sogar schon ohne ihn verlassen hatte, kam eine Verkäuferin auf ihn zu.

„Ihre Frau ist bei den Körperpflegeprodukten, Sir.“ lächelte sie und deutete in die entsprechende Richtung. „Kann ich Ihnen irgendwie weiterhelfen?“

„Ah... im Moment nicht, danke. Ich habe nur meine...“ Er stockte. „... ahm... meine Frau gesucht.“ Ein breites Flyboy-Grinsen folgte seinen Worten.

Die Verkäuferin lächelte verständnisvoll. „Verlorengegangene“ Ehemänner waren nichts Neues für sie. „Kein Problem, Sir.“

„Danke, Ma’am.“ Er räusperte sich einmal und machte sich auf den Weg zu Mac. Die ganze Zeit bekam er das sanfte Lächeln nicht aus seinem Gesicht. <Meine Frau...> Schließlich entdeckte er „seine Frau“, die mit geschlossenen Augen an ihrem Handrücken schnupperte, eine Flasche in der anderen Hand. Ein paar Sekunden ließ er das Bild auf sich wirken; Macs weibliche Seite trat schließlich selten genug ans Tageslicht.

Letztendlich trat er doch auf sie zu. „Bist du mir ausgebüchst, Marine?“

Sie öffnete die Augen. „Du hast mich doch gefunden.“

„Ja, aber erst nachdem mir einer der dienstbaren Geister hier gesagt hat, wo „meine Frau“ zu finden ist.“ Er bekam das Grinsen einfach nicht aus seinem Gesicht.

Ihre Augen wurden groß. „Deine FRAU?“

„Aha.“ nickte er. „Damit bist DU gemeint.“ Er tippte ihr an die Schulter.

„Ähm...“

„An was schnuppert „meine Frau“ denn da?“ Er griff nach ihrer Hand und roch am Handrücken.

Seine Frage holte sie wieder in die Wirklichkeit zurück. Sie sah sein breites Grinsen. „Das gefällt dir anscheinend.“

„Der Duft hier?“ Er hauchte einen Kuss auf die duftende Haut – was bei einigen umstehenden Verkäuferinnen ein Schmunzeln hervorrief. „Ja, der ist...“

„Nein, ich meinte das mit... ah... das mit „deiner Frau“.“

Er stand immer noch leicht gebeugt vor ihr und hielt ihre Hand. Spitzbübisch grinste er sie von unten herauf an. „Jupp.“

„Ähem.“ Sie hustete kurz.

„Stört dich das etwa?“

„Nein, nein, ist schon okay.“

Immer noch grinsend drückte er ihr einen zweiten Kuss auf den Handrücken und richtete sich wieder zu voller Größe auf. „Der Duft gefällt mir.“

„Wie?“ Sie blinzelte verwirrt.

„Dieser Duft hier...“ Er griff nach ihrer Hand mit der Flasche und studierte das Etikett. <Aqua Kiss...> „... der gefällt mir. Nimmst du den immer?“

„Nein, der scheint neu zu sein.“ Sie deutete auf eine andersfarbige Flasche im Regal. „Normalerweise hab ich den hier.“

Harm öffnete die Flasche und roch daran. „Stimmt, der ist mir vertraut.“ Lächelnd hob er ihre Hand. „Nimm doch zur Abwechslung mal den hier.“

„Das hatte ich ja auch vor.“

Inzwischen grinste er wie ein Honigkuchenpferd. „Da gibt es auch Duschgel von. Und Körperbutter, was immer das auch sein mag.“

„Körperbutter ist so was ähnliches wie Bodylotion, nur viel cremiger und reichhaltiger.“ lachte sie und legte je eine Flasche Bodylotion und Duschgel in ihren Korb.

„Und was bitte ist Body Mist?“

„Körperspray.“ kicherte sie. „Pflegt auch, ist aber ganz leicht.“

„Sieht aus wie Wasser...“ Er schüttelte die Flasche.

„Das ist sehr angenehm im Sommer, wenn es draußen heiß ist. Einmal sprühen, und du fühlst dich gleich besser.“

„Ich weiß nicht, ob ich mich mit „Aqua Kiss“ besser fühlen würde.“

„Blödmann.“ lachte sie und legte noch eine Flasche Body Mist in ihren Korb.

Harm hatte ihre Hand wieder losgelassen und studierte die anderen Duftnoten. „Mhm.“ machte er plötzlich. „Schön fruchtig.“

„Bist du bei „Pear Glace“ gelandet?“

Er sah auf das Etikett. „Jupp.“

„Das hab ich auch daheim, allerdings nur das Body Mist. Momentan gefallen mir die anderen besser.“

„Die anderen?“

„Ist doch genug Auswahl da.“ Sie deutete auf das Regal. Einen dieser Düfte benutzte sie nur bei bestimmten Anlässen, z. B. wenn sie ein Date hatte. Mangels Gelegenheit dazu in den letzten Monaten – um nicht zu sagen Jahren – nutzte sie den aber hauptsächlich, wenn sie sich einen Sarah-MacKenzie-Verwöhntag gönnte, was ungefähr alle 2-3 Wochen vorkam. Dann war ein heißes Bad angesagt bei entspannender Musik und Kerzenschein. Ihre Haare bekamen eine Extraportion Pflege, und nach der Fußpflege kam neuer Lack auf die Nägel.

Der Ex-Pilot schnupperte derweil an einer anderen Flasche und sah sie dann „ein wenig“ seltsam an.

<Oh, oh, er hat’s gefunden.> grinste sie in sich hinein. „Was ist?“ <Erst mal unschuldig tun, MacKenzie.>

„Hast du den hier auch?“

„Aha.“

„Benutzt du den auch?“

„Ja.“

„Aha.“ machte er. „Den hab ich aber noch nie an dir gerochen.“

„Schnupperst du mir etwa nach?“ kicherte sie.

„Maaac!“ protestierte er prompt, konnte seine roten Ohrläppchen aber nicht verhindern.

Mac hingegen fand ihn gerade ziemlich niedlich. <Niedlich? Ein ausgewachsener Mann von fast 40 Jahren soll niedlich sein?> Aber Harm hatte manchmal etwas richtig Jungenhaftes an sich.

„Du schnüffelst mir also nicht hinterher?“

„Nein!“ erwiderte er energisch. „Es lässt sich aber nicht vermeiden, dass... na ja... dass ich deinen „Duft des Tages“ mitbekomme, wenn du an mir vorbeigehst oder vor mir stehst.“

Sie lachte leise. „Duft des Tages... den Ausdruck hab ich ja noch nie gehört.“

„Mac, wenn ich „Duftwolke“ sage, klingt es, als wärst du in einen Parfumtopf gefallen. Und „Geruch“ hört sich wenig schmeichelhaft an.“

„Gute Argumente, Herr Anwalt.“ grinste sie. „Den „Geruch“ kann ich dir nach dem Joggen bieten.“

„Nope.“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Du riechst selbst dann noch gut.“

Mit großen Augen sah sie ihn an. „Du schnüffelst mir ja doch hinterher.“

„Nein.“ Erneut schüttelte er den Kopf. „Vielleicht achte ich ein bisschen mehr auf dich, aber...“

„Warum?“ unterbrach sie ihn.

<Weil ich dich liebe.> „Du bist meine beste Freundin. Und auf seine Freunde achtet man nun mal intensiver.“ Es war zwar nur die halbe Wahrheit, aber immerhin die Wahrheit.

„Oh.“ machte sie, fing sich aber schnell wieder. „Du joggst doch auch mit Sturgis, der ist ebenfalls dein Freund.“

„Erstens ist Sturgis ein Mann. Wie verschwitzte Männer riechen, weiß ich.“ Er grinste. „Außerdem ist er eher ein Kumpel.“

„Wen würdest du denn als deinen BESTEN Freund bezeichnen?“

Harms Antwort kam schnell – überraschend schnell für sie – und ohne zu zögern. „Jack.“

„Auch wenn ihr euch nur selten seht?“

„Jupp.“ nickte er. „Aber das wird sich in der nächsten Zeit ändern; Jack ist überraschend nach Andrews versetzt worden.“

„Das freut mich für euch.“ Sie lächelte sanft.

Er nickte. „Mhm.“

„Und wenn ihr euch trefft, gehst du ja wohl kaum mit ihm joggen. Ich bezweifle, dass Jack überhaupt irgendeine Art von Sport betreibt.“

Lachend schüttelte Harm den Kopf. „Der stemmt höchstens Biergläser.“

„Jetzt hast du aber schön vom Thema abgelenkt.“

„Abgelenkt?“ Er bedachte sie mit seinem besten Dackelblick. „Wovon?“

„Von der Tatsache, dass du mir hinterher schnüffelst.“

„Ich schnüffle dir NICHT hinterher, Sarah MacKenzie.“

„Aber du weißt offenbar immer, wie ich rieche.“

Er zuckte mit der Schulter und grinste verlegen. „Ich... ähm... ich mag nun mal den Duft, der dich umgibt.“

„Oh.“ Um ihre eigene Verlegenheit zu überbrücken, legte sie noch eine Flasche „Pure Seduction“ in ihren Korb, obwohl ihre Flasche daheim erst halbleer war.

Harm zog fragend eine Braue hoch.

„Meine daheim ist fast leer.“ <Irgendwann jedenfalls.>

Er beugte sich zu ihr hinab. „Du willst also niemand verführen?“

Seine weiche und tiefe Stimme brachte sie fast aus dem Konzept. Aber nur fast. „Wer weiß?“ grinste sie verschmitzt und wanderte weiter – zu den Dessous.

Harm holte tief Luft und folgte ihr langsam. Als er sie erreichte, lehnte er sich gegen eine Säule und beobachtete sie.

Mac wühlte eifrig in den Sonderangeboten. Hin und wieder hielt sie einen BH hoch und betrachtete ihn näher. Fand er ihre Gnade, landete er auf einem besonderen Stapel. Schließlich schien sie fertig zu sein. „Ich probiere die hier mal an.“

„Okay, ich warte dann hier.“

Ein kleines Teufelchen ritt sie. „Keine Lust, mich zu beraten?“

„Maaac!“ Er wurde rot. „Ahm... ich glaube nicht, dass ich... na ja...“

Sie grinste. „Wie die meisten Männer magst du doch schöne Dessous...“

„Mhm.“ nickte er.

„Dann verpasst du jetzt was.“ Lachend verschwand sie in der Umkleidekabine.

Hätten die Dinge anders gestanden zwischen ihr und ihm, wäre er ihr vermutlich ohne Umschweife gefolgt. So aber holte er tief Luft und versuchte, nicht daran zu denken, was sie da gerade anprobierte.

Zur Ablenkung sah er sich im Laden um. Sein Blick fiel auf die einzelnen Kollektionen und deren Namen. Er runzelte die Stirn. <„Sexy Little Things“... „Beach Sexy“... „Very Sexy“...> Er blickte in Macs Einkaufskorb. <„Pure Seduction“... Aqua Kiss“... Hier hat wohl alles einen „schlüpfrigen“ Namen.>

Offenbar lief alles hier auf eins hinaus: Verführung.

„Fertig, Seemann.“ Grinsend warf sie zwei BHs in ihren Korb.

Seine Augen folgten den Kleidungsstücken. „Schwarze Spitze?“

„Aha.“ erwiderte sie fröhlich. „Sieht unter manchen Oberteilen einfach besser aus.“

„Oookay...“ machte er gedehnt.

„Sexy sind sie obendrein.“

Seine Erwiderung war nicht als Frage gemeint, klang aber so. „Sexy?“

„Jupp.“ kicherte sie. „Du magst doch sexy Dessous. Hast du vorhin selbst gesagt.“ Gespannt sah sie ihn an. <Was sagt er nun?>

Harm musterte sie von oben bis unten. Dann glitt ein äußerst süffisantes Grinsen über sein Gesicht. „Sehr sogar.“

„Na siehst...“

Seine leise Stimme unterbrach sie. „Wenn die richtige Frau drin steckt.“ Er beugte sich zu ihr und sah ihr tief in die Augen. „Damit meine ich natürlich eine sexy Frau.“ raunte er.

„Hm...“ Unter seinem intensiven Blick wurde ihr ziemlich warm; ihr Puls beschleunigte sich.

Der Ex-Pilot setzte noch einen drauf. „Du wärest so eine Frau, Sarah MacKenzie.“

„Www... wie bitte?“

„Du bist doch eine attraktive Frau. Ich bin sicher, das steht dir.“ Er deutete auf den Korb. „Und sexy dürftest du darin auch aussehen.“ Harm schaffte es sogar, NICHT rot zu werden.

Offenen Mundes starrte sie ihn an. Das sollte „ihr“ Flyboy sein? Der Mann, für den sie lange Jahre die „beste Freundin“ gewesen war? Den sie im gleichen Zeitraum als ihren „besten Freund“ bezeichnet hatte? Und jetzt warf sich dieser Mann so ins Zeug und flirtete hemmungslos mit ihr.

Harm erkannte ihre Verwirrung und war sehr zufrieden mit sich selbst. „Hab ich was Falsches gesagt?“ fragte er und sah sie mit einem unschuldig wirkenden Dackelblick an.

„Ahm... nein...“ Langsam schüttelte sie den Kopf und sah ihn dann von unten herauf an. „Flirtest du etwa mit mir, Harmon Rabb Jr.?“

„ICH?“ Er riss die Augen auf. „Mit dir flirten?“ Gespielt entsetzt legte er eine Hand aufs Herz. „Maaac, du bist doch immun gegen meinen Charme.“

<Von wegen.> fuhr ihr durch den Kopf. Sein immer noch selbstsicheres Grinsen reizte sie. „Wer sagt das?“

Plötzlich war Harm verunsichert. „Ah... du.“ Er richtete sich wieder auf.

„Wann?“

„Bei unserem ersten Fall... damals in Arizona.“ Er zuckte mit einer Schulter. „Da fandest du mein Lächeln zwar nett, warst aber überhaupt nicht beeindruckt. Und Dress Whites werden deinen Worten nach völlig überbewertet.“

„In Arizona kannte ich dich ja noch nicht. Ein nettes Lächeln kann so falsch sein, Harm. Aber inzwischen weiß ich, wie dein Lächeln gemeint ist. Meistens jedenfalls.“

„Guuut.“ machte er und beugte sich wieder zu ihr. „Und was ist mit Dress Whites?“

„Ähm... na ja... also...“ Längst hatte sie ihre Meinung darüber geändert. In ihren Augen sah er atemberaubend darin aus.

„Also?“

„Du... hm... du machst auf jeden Fall eine gute Figur darin.“

„Mehr nicht?“

„Na ja...“

„Gib es ruhig zu, Marine...“ Seine Stimme wurde leise. „Du findest mich dann so reizend, dass du mich am liebsten sofort vernaschen würdest.“

„HARM!“ Ihre Kinnlade fiel runter.

Er lachte leise und grinste arrogant. „Ich kenn dich auch ein bisschen, Sarah. Deine Augen glitzern so seltsam, wenn du mich in dieser Uniform siehst.“

Sie sagte nichts, sondern sah ihn nur an. <Was nimmt er wohl noch alles wahr an mir? Er kennt meinen „Duft des Tages“, weiß meine Stimmung an meinen Augen abzulesen – größtenteils jedenfalls.> „Und du flirtest doch mit mir, Harm.“

„Ist das denn so schlimm?“ Sein Blick wurde ernst.

„Nein.“ Lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Es ist nur ungewohnt, das ist alles.“

„Als ich es schon mal versucht habe, warst du kein Jota beeindruckt.“

„In Arizona?“

„Aha.“

„War ich auch nicht. Außerdem schien ich dich an jemanden zu erinnern.“

„Ja, an Diane.“ Er nickte. „Ihr Tod war noch nicht lange her. Und dann bekomme ich eine Partnerin, die ihre Zwillingsschwester hätte sein können.“

„Das alles wusste ich damals doch noch nicht.“ Sie strich sanft über seinen Arm. „Als Frau ist man immer ein bisschen vorsichtiger, was Männer betrifft.“

„Du bist doch ein Marine.“ grinste er.

„Selbst als weiblicher Marine ist man vorsichtiger.“

„Okay.“ nickte er. „Bist du eigentlich fertig hier oder brauchst du noch was?“

Sein Themenwechsel kam ziemlich plötzlich. „Aaah... nein, ich habe alles.“ Sie packte ihren Korb und machte sich auf den Weg zur Kasse. Dort wurden die „empfindlichen“ Dessous in extra Papier eingepackt. Zudem bekam sie als Zugabe noch eine Gratisprobe des neuesten Parfums.

Harm streckte die Hand aus. „Gib mir die Tüte.“

Wenige Minuten später verließen sie dann das Geschäft.

„Gehen wir hier irgendwo essen?“ fragte er nach ein paar Metern.

„Ich denke schon, wenn wir noch was bummeln wollen.“

„Dann bringe ich die Tüten schnell zum Auto. Die stören doch nur beim Spazierengehen.“

„Feigling.“ lachte sie.

Er hasste dieses Wort. „Wie bitte?“

„Einer Frau würde es nichts ausmachen, mit zwei oder mehr Tüten spazieren zu gehen. Man merkt, dass du keine Shopping-Erfahrung hast.“

„Mac, ich war zwei- oder dreimal mit Renée shoppen, das hat mir gereicht.“

„Armer Seemann.“ kicherte sie relativ unbeeindruckt. „Wie war’s jetzt mit mir?“

„Angenehmer als ich dachte.“ grinste er. „Du weißt immerhin, was du willst. So was mag ich.“

„Würdest du noch mal mitkommen?“

„Klar, warum nicht?“

„Ich werde dich auch nicht überstrapazieren, Harm. Aber ab und zu mal gemeinsam shoppen... das wäre doch ganz schön. Außerdem weißt du, worauf es ankommt. Und du redest mir nicht nach dem Mund.“

„Das würde ich nie machen, Sarah MacKenzie.“

„Ich weiß.“ Erneut tätschelte sie seinen Arm. „Willst du wirklich die Tüten zum Auto bringen? Das dauert doch so lang.“

Er zuckte mit der Schulter. „Ich muss das nicht unbedingt machen. Wo willst du denn noch hin?“

„Das, was ich brauchte, habe ich. Der Rest fällt unter „bummeln und gucken“.“

Harm lachte. „Okay, dann „bummeln“ wir jetzt weiter und „gucken“, ob es irgendwo noch was Schönes für dich gibt.“

„Was ist mit dir? Brauchst du vielleicht noch was?“

„Willst du mit mir shoppen?“

„Ich shoppe doch bereits mit dir.“ lachte sie.

„Maaac...“

Sie deutete die Straße hinunter. „Da hinten ist „Macy’s“, die haben auch Herrenbekleidung. Vielleicht gibt es da ja was für dich.“

„Meinetwegen.“

Kurze Zeit später betraten sie das große Kaufhaus. „Ich schlage vor, wir gucken zuerst in der Herrenabteilung, ob wir was für dich finden. Dann machen wir einen Abstecher in die Damenabteilung, und dann gehen wir essen. Ist das okay für dich?“

„Ich mache alles mit, Mac.“ versicherte er.

Sie verdrehte die Augen. „Sei nicht so selbstlos, Seemann. Du sollst auch ein bisschen Spaß haben.“

„Zu gütigst, Miss MacKenzie.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich bin mit dir zusammen, das alleine ist schon Spaß für mich.“

Argwöhnisch sah sie ihn an. <Er flirtet doch schon wieder.> „Warum?“

„Warum das Spaß ist?“ Als sie nickte, fuhr er fort: „Weil ich gerne mit dir zusammen bin, ganz einfach.“

„Du sollst mir aber nicht deine knappe Freizeit opfern.“

„Ich OPFERE dir gar nichts.“ Frust breitete sich in ihm aus. „Ist es denn so absonderlich, dass ich meine Freizeit mit DIR verbringen möchte?“

„Nein, natürlich nicht.“ erwiderte sie sanft. „Du bist doch mein bester Freund, Harm.“

<Ich will aber mehr sein als das.> dachte er mit einem gewissen Trotz. „Und du bist meine beste Freundin, Sarah.“

Die Art, wie er ihren Taufnamen aussprach, passte nicht unbedingt zum Begriff „beste Freundin“, aber sie beschloss, das auf sich beruhen zu lassen.

„Deine beste Freundin freut sich, dass es ihrem besten Freund Spaß macht, mit ihr zu shoppen. Und damit mein bester Freund auch was davon hat, schauen wir jetzt mal, ob wir was für ihn finden.“ grinste sie und machte sich auf den Weg zu den Rolltreppen.

Der Ex-Pilot folgte ihr langsam. <Ich hab doch schon was davon: Ich bin mit dir zusammen.>

Schneller als gedacht erreichten sie ihr Ziel.

„So, mal sehen, wo es was gibt.“ Mac sah sich um.

„An was hattest du denn gedacht?“

„An einen Pullover... oder ein schönes Hemd.“ Sie zwinkerte verschmitzt. „Für dein nächstes Date...“

„Maaac!“

„Keine Aussicht auf ein Date?“ Amüsiert gluckste sie vor sich hin und tätschelte seinen Arm. „Armer Seemann.“

Einige Sekunden lang sah er sie an, ohne etwas zu sagen. Dann glitt ein listiges Grinsen über sein Gesicht. „Ich habe nichts dagegen, mir ein schickes neues Hemd für ein Date zu kaufen. Aber nur, wenn DU mit mir ausgehst.“

„Wie bitte?“ Verblüfft starrte sie ihn an.

Er redete bereits weiter. „Du kannst mir gerne beim Aussuchen helfen. Anziehen werde ich es aber nur, wenn du mit mir ausgehst, Sarah MacKenzie.“

„Du... und ich... ein... ähm...“ Sie holte tief Luft. „... ein Date?“

Er nickte. „Aha.“

„Aber... äh...“

„Das ist meine Bedingung.“

„Für ein Hemd?“ <Ich glaub das jetzt nicht...>

„Mac, auf ein Date zieht man keinen Pullover an.“

„Ah... die Pullover sind da hinten.“ Sie deutete in eine bestimmte Richtung.

„Und die Hemden direkt hier vorne.“ lachte er. „Oder hast du etwas gegen ein Date mit mir?“

„Nein.“ Langsam schüttelte sie den Kopf.

Er MUSSTE die Gelegenheit beim Schopf ergreifen. „Nächsten Samstag? Wäre 19 Uhr okay für dich?“

„Ist das eine Einladung?“ Ihre Augen wurden immer größer.

„Jupp.“

„Zu einem Date?“

„Jupp.“

„Mit dir?“

„Natürlich mit mir. Mit wem denn sonst?“ lachte er.

„Warum?“

„Damit ich mein neues Hemd ausführen kann.“ grinste er breit und steuerte auf ein Regal mit Hemden zu.

Sie folgte ihm. „Äh... Harm, ich...“

„Das hier z. B.“ Er hielt ein bordeauxrotes Hemd hoch.

„Schick.“ war alles, was sie hervorbrachte. <Hat er mich jetzt nach einem Date gefragt???>

„Dazu eine schöne Krawatte... mein dunkelgrauer Anzug...“ Er neigte den Kopf. „Ja, das gefällt mir. Und wenn auch du dich dann noch richtig schick machst... dann wird der Abend mit dir zumindest schon mal optisch perfekt.“

<Er HAT mich gefragt! Harmon Rabb Jr. hat mich tatsächlich nach einem Date gefragt!> „Was?“

„Ich hoffe natürlich, dass es auch jenseits der Optik ein perfekter Abend wird.“

Macs Verstand arbeitete definitiv nicht richtig. „Wovon redest du?“

Harm war noch nicht mal enttäuscht, dass sie immer noch nicht zugesagt hatte. Die Aussicht auf ein Date mit ihr wirkte äußerst euphorisch auf ihn. „Ich rede davon, am kommenden Samstag mit dir auszugehen. Zuerst gut essen und dann... mal sehen...“ Er grinste breit und hielt ihr eine Hand hin. „Du brauchst nur „ja“ zu sagen und dich schick zu machen.“

Sie sah die Hoffnung und die Vorfreude in seinen Augen und ahnte, dass ein Ausschlagen seiner Einladung ihr Verhältnis empfindlich stören würde. Vermutlich würde er sich wieder in sein Schneckenhaus zurückziehen. <Es ist fraglich, ob er dann jemals wieder hervorkommt.>

Erwartungsvoll und zunehmend nervöser sah er sie an.

Gerade als er seine Hand zurückziehen wollte, hob sie die ihre und schlug ein. „Abgemacht.“

„Abgemacht?“

„Ja, abgemacht.“ lachte sie.

„Wenn es dir lieber ist, können wir es auch als „dein Date mit meinem Hemd“ deklarieren.“

„Blödmann!“ lachte sie. „Obwohl... die Idee hat was: Ich hätte ein „Date“ mit deinem Hemd.“ Sie neigte den Kopf und zwinkerte ihn an. „Okay, dein neues Hemd darf mich am Samstag ausführen.“

Sein Lächeln wurde immer breiter und schien am Ende so breit zu sein wie der Pazifik. „Du wirst es nicht bereuen, Sarah MacKenzie.“ meinte er leise. <Sie hat „ja“ gesagt!> Er wunderte sich, dass er nach außen hin so ruhig bleiben konnte. Sein Inneres schien nämlich einen Wettbewerb im Purzelbaumschlagen gestartet zu haben.

„Das hoffe ich doch.“ grinste sie.

„Maaac...“ Er legte die Hand aufs Herz und bedachte sie mit einem seiner Dackelblicke.

„Lass mal sehen.“ Sie nahm ihm das Hemd ab und hielt es gegen seine Schulter. „Steht dir. Ist mal was anderes als weiß oder blau. Stimmt die Größe?“

Er sah auf das Etikett. „Nein, ich brauche eine Nummer größer... und extra lange Ärmel.“ Rasch hatte er dann das Passende gefunden. „So, das stimmt jetzt.“

Sie setzte sich in Bewegung. „Auf zu den Krawatten, Mister. Willst du eine mit Muster oder eine einfarbige?“

„Muster wäre nicht schlecht. Uni hab ich genug, allein schon durch den Job.“ Er folgte ihr langsam. Als ein Mann, der inzwischen mehr als die Hälfte seines Lebens auf sich gestellt gewesen war, war er auch in der Wahl seiner Kleidung völlige Unabhängigkeit gewohnt. Er würde spontan entscheiden, ob ihm ihre Auswahl gefiel oder nicht. <Bis jetzt macht sie ihre Sache nicht schlecht.> schmunzelte er.

„So, Seemann, jetzt bist du dran.“ grinste sie. „Ich habe einen Favoriten, aber du bist derjenige, der das Ding trägt. Also suchst du es auch aus.“

„Kein Hinweis?“

„Nope.“ Sie schüttelte den Kopf. „Okay, einen kleinen Tipp gebe ich dir: Es ist keine von diesen da.“ Sie deutete auf einen Ständer mit neonfarbenen Krawatten.

Er fiel in ihr Lachen ein. „Immerhin hast du Gnade mit mir.“ Dann widmete er sich der Suche nach einem Schlips. Nach ein paar Minuten schon hatte er einen gefunden: Der Grundton war schwarz, aber das Muster waren breite, dezente Pinselstriche in Weiß und diversen Rosa- bzw. Rottönen.

„Wie findest du die?“

Mac fing an zu lachen. „Ich sehe, wir ticken ähnlich. Das war auch mein Favorit.“

„Dann nehme ich die.“ Er legte sie auf die Hemdpackung. „Schaut richtig gut aus.“ nickte er und war mehr als zufrieden mit sich. Mac hatte seine Einladung angenommen; er würde etwas anziehen, was auch ihr gefiel... perfekte Voraussetzungen für ein gelungenes Date.

Mac schmunzelte über seine strahlende Miene und seinen Enthusiasmus. <Er sieht richtig happy aus.> Sie deutete in eine Ecke. „Da hinten ist die Kasse.“

„Dann will ich mal schnell Geld loswerden.“ grinste er und machte sich auf den Weg, Hemd und Krawatte in der einen Hand, ihre Tüten in der anderen.

Da viel los war, dauerte es eine Weile, bis er an der Reihe war. Aber schließlich konnte er eine dritte Tüte zu seinen bereits vorhandenen nehmen.

„So, jetzt bist du dran.“

Ihre Augen funkelten amüsiert. „Ich bin dran? Was hat du vor mit mir?“

„Nichts Besonderes. Bis auf unser Date am Samstag. Brauchst du dafür vielleicht noch etwas?“

„Selbst wenn, würde ich das nicht mit dir kaufen.“

„Maaac, du kennst mein Outfit, da ist...“

Sie lachte. „Vielleicht will ich dich ja überraschen?“

„Das ist natürlich ein Argument.“ grinste er.

„Ein sehr gutes sogar.“ kicherte sie. „Aber ich will trotzdem noch mal schauen, ob es hier was für mich gibt.“

Sie machten sich auf den Weg in die Damenabteilung, wo Mac durch die Ständer und Regale schlenderte und mal hier, mal da schaute.

„Schau mal.“ kicherte sie plötzlich und hielt einen Pyjama mit Flugzeugen hoch.

Er lachte. „Mac, du bist ein Marine.“

„Auch bei den Marines gibt es Piloten.“

„Erstens sind das da Zivilflugzeuge...“ Er deutete auf den Schlafanzug. „Und zweitens: Stehst du etwa auf Piloten, Sarah MacKenzie?“

<Nur auf einen ganz bestimmten.> dachte sie, grinste aber breit. „Wer weiß?“

Er beugte sich vor. „Ich bin auch Pilot.“ raunte er ihr ins Ohr.

„Jaaa, schon, aber...“ Sie holte tief Luft. „Das hier sind doch Zivilflugzeuge.“ Frech grinsend wedelte sie mit dem Pyjama.

Harm lachte lauter. „Touché, Marine. Aber ich bin auch schon Zivilflugzeuge geflogen.“

„Deine Stearman zählt nicht.“

„Die meinte ich auch nicht. Erinnerst du dich an Korea?“

„Der entführte Jumbo, ja.“

„Und vor deiner Zeit hatte ich mal einen Learjet unter dem Hintern.“ Er schilderte ihr kurz die Geschichte mit Keeter auf Kuba.

„Krennick war auch dabei?“

„Jupp.“

„Wie war sie?“

„Willst du mich etwa aushorchen?“

„Nein, ich bin nur neugierig.“

„Sie war nicht anders als sonst auch.“

Mac grinste verschmitzt. „Hatte sie ein Auge auf dich geworfen oder alle beide?“

„Maaac!“ Er wurde rot.

„Also beide.“ meinte sie trocken, konnte sich das Lachen aber nicht verkneifen.

Drohend wedelte er mit dem Zeigefinger. „Werd ja nicht frech, Marine.“

„Pffft.“ machte sie und hängte den Schlafanzug wieder weg.

Der Ex-Pilot grinste süffisant. „Keine Lust auf Piloten auf nackter Haut?“

„Das sind keine Piloten, sondern Flugzeuge. Um genau zu sein, Zivilflugzeuge, Mister.“ antwortete sie automatisch, ohne über seine Worte nachzudenken.

Mit blitzenden Augen sah er sie an. „Dann hast du also nichts gegen Piloten auf nackter Haut, sondern nur etwas gegen Flugzeuge?“

„Äh... wie bitte?“

„Ich hab nur gefragt, ob du was gegen Piloten auf nackter Haut hast.“ Amüsiert und sehr zufrieden mit sich beobachtete er, wie sich zuerst ihre Ohrläppchen und dann die Wangen röteten.

<Ich glaub das jetzt nicht.> Sie starrte ihn an. <Er flirtet ja schon wieder. Oder hat er gar nicht aufgehört?> Sie sah, wie seine Augen plötzlich dunkler wurden. <Bezieht er das etwa auf sich? Guter Gott!> Ihr wurde warm. So unauffällig wie möglich holte sie tief Luft. <Na warte...>

„Im Gegensatz zu einem Flugzeug ist der Pilot warm. Es sein denn, er hat kalte Füße.“ erwiderte sie möglichst neutral. „Weicher ist er auch noch, zumindest zum größten Teil.“

Nun war es an ihm, sie mit großen Augen anzusehen.

Mac redete indes weiter. „Ich habe nichts gegen Piloten auf nackter Haut. Das kann ganz amüsant sein.“

„Wo... ähm... woher willst du das wissen? Hast du damit schon Erfahrung gemacht?“

„Noch nicht.“ grinste sie keck. „Aber Piloten dürften sich nicht so sehr von anderen Männern unterscheiden. Jeder Mann hat seine Qualitäten. Der eine ist besser, der andere schlechter.“ Sie schaffte es sogar, nicht rot zu werden.

Ganz im Gegensatz zu Harm, der das alles aus einem auch ihm unerfindlichen Grund auf sich bezog. Natürlich wusste sie nichts über seine „Qualitäten“, aber die meisten Frauen hatten ihn in die gute bis sehr gute Hälfte eingeordnet.

„Aaah... hm...“ krächzte er verlegen.

Wie vorhin er, als er sie „sexy“ fand, setzte nun sie einen drauf. „Vielleicht habe ich ja mal Interesse, die Erfahrung „Pilot auf meiner nackten Haut“ zu machen. Ich sag dir dann, wie es war.“

„Maaac!“

Sie schmunzelte. „Ich verrate nur, ob gut oder schlecht, der Rest bleibt mein Geheimnis.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, marschierte sie los.

Harm war zu verdutzt, um ihr sofort zu folgen. Als seine Koordinationsfähigkeit wieder einsetzte, verschwand sie gerade um eine Ecke. Er folgte ihr und fand sie zwischen Pullover-Regalen, in jeder Hand einen Pullover. Der eine war weinrot, der andere cremeweiß. Beide sahen sehr flauschig aus. Und waren es auch, wie er dann feststellte. „Die sind so weich.“

„Das ist Kaschmir, Harm. Luxus pur.“ Sie zeigte ihm das Preisschild.

Er schluckte. „Oh.“

„Zu einer schwarzen Hose... oder einem schwarzen Rock...“

„... passen beide.“ grinste er. „Der weiße ist neutraler und passt noch zu anderen Farben.“

„Außer weiß vielleicht.“ grinste sie und drückte ihm einen in die Hand. „Ich probier sie beide an.“ Sie verschwand in einer Umkleidekabine.

Harm studierte gerade das Etikett, als sie wieder auftauchte.

„Und?“

„Wow!“ Der Pulli umspielte ihre Figur an genau den richtigen Stellen. Der Ausschnitt war zwar tief, aber Mac hatte ein schönes Dekollete – wie er wieder einmal feststellte. Er musste sich zusammenreißen, um nicht dauernd in ihren Ausschnitt zu starren.

„Anscheinend gefällt er dir.“ meinte sie amüsiert. Seine interessierten Blicke waren ihr keinesfalls entgangen.

„Das auch.“ grinste er. „Aber wichtiger ist, dass er dir passt und auch steht.“

„Wie findest du die Farbe?“

„Harmonisiert gut mit deinen Haaren...“

Sie nahm ihm den anderen Pullover ab. „Mal sehen, wie der ist.“

Es dauerte keine zwei Minuten, und sie stand wieder vor ihm. „Wie ist der?“

„Auch schick.“

„Welche Farbe findest du besser?“

„Mhm.“ machte er. „Schwer zu sagen. Das Weiß bildet einen sanften Kontrast zu deiner Haut und deinen Haaren. Auf der anderen Seite harmoniert das Rot hervorragend mit ihnen. Wenn die nicht so teuer wären, würde ich sagen: Nimm beide.“

„Das wäre nun wirklich zuviel des Guten.“ lachte sie.

„Der weiße ist vielleicht einen Tick eleganter. Mehr kann ich wirklich nicht dazu sagen.“

„Ich nehme den weißen.“

„Gute Wahl.“

Sie lachte. „Das hättest du doch auch gesagt, wenn ich den roten genommen hätte.“

„Jupp.“ grinste er. „Beide wären eine gute Wahl.“

„Bin gleich wieder da.“ lachte sie und verschwand in der Umkleide.

Harm faltete den roten Pulli wieder zusammen und legte ihn zurück ins Regal.

„So, noch einmal Geld loswerden.“

An der Kasse gab ihr dann die Verkäuferin noch ein paar Tipps zur Pflege bzw. wie er zu waschen sei.

„Klingt ja ganz schön kompliziert.“

„Schönheit hat halt ihren Preis.“ grinste sie. „Was machen wir jetzt?“

„Ich krieg langsam Hunger. Du auch?“

„Jetzt, wo du es sagst...“ Sie grinste immer noch. „Gegen eine kleine Stärkung hätte ich nichts einzuwenden.“

Harm lachte. „Wie ich dich kenne, wird die aber gar nicht so klein ausfallen.“

Lachend streckte sie ihm die Zunge raus und ging zur Rolltreppe. „Um die Ecke ist ein kleiner Italiener. Nichts Besonderes, aber für Post-Shopping-Essenfassen reicht es.“

„Post-Shopping-Essenfassen?“ Er lachte laut. „Interessante Wortschöpfung.“

„Jedenfalls kürzer als wenn ich sagen würde: Für einen Imbiss nach einer Shopping-Tour.“

Knapp zehn Minuten später hatten sie das Restaurant erreicht. Sie bestellte ihre Pizzen und die Getränke.

„Was machen wir nach dem Essen?“ Harm sah sie neugierig an.

„Ahm... wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gerne nach Hause fahren. Meine Wohnung schreit nach Staubwedel und Putzeimer. Und die Waschmaschine ist auch hungrig.“

„Bring ihr doch ’ne Pizza mit.“ lachte er, als die Bedienung kam und ihnen ihr Essen hinstellte.

„Blödmann!“ Sie seufzte. „Am Sonntag hab ich dazu keine Lust, und nächste Woche komme ich auch nicht dazu.“

Er grinste. „Unser Date.“

„Aha.“ Sie sah ihn an. „Du bist mir nicht böse?“

„Nein, Sarah, ich finde es nur schade. Allerdings muss ich auch noch was an meiner Wohnung tun. Zeit mit dir zu verbringen ist wesentlich verlockender als Bettbeziehen oder Staubwischen.“

„Dabei möchte ich doch zu gerne mal Mäuschen spielen.“ kicherte sie.

„Wobei?“

„Harmon Rabb Jr. wuselt mit dem Staubtuch durch die Wohnung.“

„Mac...“

„Womöglich noch mit Kopftuch und Schürze... seeehr sexy.“

„Du bist frech, Marine.“ Wider Willen musste er lachen. Er konnte sich nicht satt sehen an ihrem Lächeln, auch wenn es auf seine Kosten war. Sarah MacKenzie hatte in gewisser Weise Narrenfreiheit bei ihm.

„Was dagegen?“

„Nicht wirklich. Nur übertreiben solltest du es nicht.“

„Was würdest du denn dann machen? Wärst du nicht mehr mein bester Freund?“

„Ich glaube nicht, dass es so schlimm kommen könnte.“ meinte er ernst.

„Wir waren aber häufig genug sehr garstig zueinander.“

„Leider.“ nickte er. „Aber ich habe dich immer als meine beste Freundin angesehen.“

„Gezeigt hast du das dann aber nicht.“

„Ich weiß.“

„Bleiben wir beste Freunde, egal, was passiert?“

„Egal, was passiert, Sarah.“ erwiderte er ohne zu zögern und hielt ihr die Hand hin.

Sie ergriff diese. „Beste Freunde, Harm, egal, was passiert. Versprochen.“

„Versprochen.“ Aus einem Impuls heraus küsste er dann ihren Handrücken.

Ein Schauer lief über ihren Rücken. „Lass uns essen, bevor die Pizza ganz kalt wird.“

Er ließ ihre Hand los und begann, seine Pizza zu essen.

„Puh, bin ich satt.“ meinte Mac dann, als sie fertig waren.

Er nickte. „Ich auch. Willst du noch einen Espresso? Ich lad dich ein.“

„Wenn das so ist...“ kicherte sie. „... gerne.“

Harm hatte bereits den Kellner herbei gewunken und bestellte nun zwei Espresso.

„Aaah... guuut.“ meinte sie nach dem ersten Schluck und lehnte sich im Stuhl zurück.

„Der ganze Tag war bisher gut.“

„Trotz des Shoppens? Viele Männer hassen es, wenn sie von ihren Frauen oder Freundinnen zum Tütenschleppen mitgeschleift werden.“

Nachdenklich sah er sie an. „Erstens: Das Shoppen mit dir hat mir Spaß gemacht. Ich habe einen Tag mit meiner besten Freundin verbracht. Zweitens habe ich ein schickes Hemd und eine passende Krawatte erstanden. Und drittens habe ich für nächsten Samstag eine Verabredung zu einem Date mit meiner besten Freundin. Das ist doch schon mal was. Besser konnte der Tag gar nicht enden.“

„Ja.“ lachte sie, wurde dann aber wieder ernst. „Viertens bin ich aber weder deine Ehefrau noch deine Freundin.“

„Das hab ich auch nicht behauptet. Du bist meine BESTE Freundin, Mac.“

„Das meinte ich aber nicht mit „Freundin“.“

Der Ex-Pilot wusste zwar genau, was sie meinte, beschloss aber, sie zu testen. „Nicht? Ich dachte...“

„Falsch gedacht.“ unterbrach sie ihn. „Eine Freundin, wie ich sie meinte, teilt mit dir das Bett.“ Ein rosa Schimmer überzog ihre Wangen.

Ein süffisantes Schmunzeln umspielte seine Mundwinkel. „Das haben wir auch schon getan.“

„Aber... hm... da haben wir aber nicht miteinander... du weißt schon...“ Aus dem zarten Rosa wurde ein kräftiges Pink.

Er lehnte sich im Stuhl zurück. „Nööö, weiß ich nicht.“ Sein Schmunzeln wurde zu einem Grinsen.

Sie kniff die Augen zusammen, unsicher, ob er es ernst meinte oder nicht. <Oookay, Mister.> „Wir hatten aber nie Sex miteinander.“ <Na, was sagst du nun?>



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#7 von Evi , 27.01.2014 14:40

<NOCH nicht, Sarah MacKenzie.> Er beabsichtigte, das in absehbarer Zeit zu ändern. So zuckte er nur mit der Schulter und grinste. „Das könnte man ändern...“

„WIE BITTE?“ Offenen Mundes starrte sie ihn an. „Soll das etwa eine Andeutung sein?“

Harm grinste immer noch. „Vielleicht...“

„Ähem.“ räusperte sie sich und senkte den Kopf. Auch wenn sie hin und wieder sehr kurze Affären gehabt hatte, so war sie nie ein Freund von One Night Stands gewesen. Und sie würde jetzt nicht damit anfangen, selbst wenn der betreffende Mann Harm wäre. In Sydney... ja, da war sie bereit gewesen, es zu riskieren. Selbst wenn es ein einmaliges Ereignis geblieben wäre.

„Harm... ich...“

„Ich weiß, der Putzeimer ruft.“ grinste er und winkte den Kellner herbei.

Sie konnte ihm nicht in die Augen sehen. „Uh... hm... ja...“

Harm zahlte die komplette Rechnung. „Lass uns gehen, Sarah.“ meinte er dann leise.

„Aha.“ Sie erhob sich.

Gemeinsam verließen sie das Lokal und machten sich auf den Weg zurück zu Harms Lexus, den sie nach ca. 15 Minuten erreichten. Nachdem die Tüten verstaut waren, fuhren sie los.

„Alles okay?“ fragte er nach ein paar Minuten leise.

Sie nickte. „Aha.“

„Du bist so still.“

„Ich denke nur nach.“ Schon seit Jahren fragte sie sich, wie eine Nacht mit diesem Mann wohl sein würde.

„Oh.“ Er konnte sich denken, worüber sie nachdachte. „Tut mir leid, wenn ich dir eben zu nahe getreten bin, Mac.“

„Schon okay.“ Sie hob den Kopf und grinste leicht. „Ich hab schon Schlimmeres gehört.“

Er atmete erleichtert aus. „Puh.“

Wenig später erreichten sie Harms Wohnung.

„Gib mir deine Autoschlüssel.“

„Warum?“

„Ich habe deine Tüten getragen, aber hinterherfahren tu ich sie dir nicht.“

„Ups.“ kicherte sie und gab ihm die Schlüssel.

Er stieg aus und lud Macs Tüten in den Kofferraum ihrer Corvette. Mit seiner eigenen Tüte in der Hand öffnete er dann die Beifahrertür. „Bitte sehr, Ma’am.“ grinste er mit einer leichten Verbeugung.

„Danke, Herr Offizier.“ lachte sie, als sie ausstieg.

Er gab ihr die Schlüssel zurück. „Kommst du noch auf einen Kaffee mit hoch?“

„Ich weiß nicht...“ erwiderte sie zögernd. Eigentlich hatte sie direkt nach Hause fahren wollen, sah aber die Hoffnung in seinen Augen.

Harm redete bereits weiter, als er sich zum Haus wandte. „Vergiss nicht, dass du deine Tasche noch bei mir hast.“

„Die du mir bestimmt nicht hinterherfahren willst...“ kicherte sie. „Okay, eine halbe Stunde kann ich abzweigen. Aber dann muss ich mich wirklich auf den Weg machen.“

In seiner Wohnung legte er dann seine Tüte beiseite und machte sich an der Kaffeemaschine zu schaffen. „Mach es dir bequem.“

„Ich packe rasch meine Sachen zusammen. Sonst vergesse ich sie am Ende doch noch.“ lachte sie und verschwand im Bad, um nachzusehen, ob sie dort etwas vergessen hatte. Als sie wieder in den Wohnbereich zurückkehren wollte, stand Harm an seinem Kleiderschrank und hängte die Krawatte weg.

Er hörte sie kommen, holte das dunkelgraue Jackett hervor, das er am kommenden Samstag anzuziehen gedachte, und hielt sein neues Hemd daran. „Hey, Mac, sieht doch schick aus, oder?“

„Aha.“ nickte sie. Er würde verdammt sexy aussehen am Samstag. Plötzlich konnte sie es kaum noch erwarten und fühlte sich wie ein Teenager vor dem ersten Date. Die Ironie ließ sie schmunzeln. Immerhin war es ja auch ein ERSTES Date. „Ich würde es vor Samstag aber noch mal bügeln, Seemann.“ kicherte sie.

„Maaac!“ Er verstaute die Sachen wieder im Schrank und stieg die Stufen hinab. „Sofa oder Küche?“

„Hä?“

Er schenkte beiden Kaffee ein. „Setzen wir uns noch was auf die Couch oder bleiben wir hier?“

„Ach so.“ grinste sie. „Ein paar Minuten hab ich ja noch, also können wir die Couch nehmen.“ Sie ließ sich auf die Couch sinken.

Er trat zu ihr, gab ihr den Becher und setzte sich auf den Sessel neben dem Sofa.

„Ich dachte, wir nehmen die Couch.“ lachte sie.

Mit einem breiten Rabb-Grinsen erhob er sich und nahm neben ihr Platz. „Verzeihung, Ma’am.“

Jeder nippte an seinem Kaffee. Ein paar Minuten herrschte Schweigen.

Dann hob Harm den Kopf und sah sie über den Rand seines Bechers an. „Der Tag mit dir war sehr schön, Sarah MacKenzie.“ meinte er leise.

„Mir hat er auch gut gefallen.“ lächelte sie. „Ich habe ganz neue Seiten an dir entdeckt.“

„Welche denn?“

Sie grinste. „Du kannst ziemlich gut einkaufen.“

„Wenn du Lust hast, können wir das gerne wiederholen.“

„Gut, dann nehme ich dich das nächste Mal wieder mit.“

„Hast du sonst noch was Neues an mir entdeckt?“

Sie sah ihn lange an, ohne ein Wort zu sagen. Schließlich holte sie tief Luft. „Ich weiß jetzt, wie sich eine Frau fühlt, die das Ziel deiner Flirt-Attacken ist.“

„Maaac, ich habe nicht...“

„Haaarm...“ Sie sah ihm tief in die Augen.

Er grinste verlegen. „Na ja... okay... ich gebe zu, ich hab’s versucht.“

„Also, wenn das nur „Versuche“ waren... wie mag es erst sein, wenn du richtig loslegst?“ lachte sie und stellte den Becher auf den Tisch. „Ich muss los.“

Harm wollte nicht, dass sie ging. Allerdings fand er auch keinen triftigen Grund, sie daran zu hindern. „Schade.“

„Wir sehen uns doch Montag wieder und dann die ganze Woche. Sollte dir das noch nicht reichen, denk an nächsten Samstag... das Date.“

Er fing an zu strahlen. „Ich freu mich schon.“

„Vergiss nicht: Ich date dein neues Hemd, nicht dich...“ Ihre Augen funkelten amüsiert.

„Ja, aber da es das Hemd nur mit Inhalt gibt...“ Er grinste breit und tippte sich auf die Brust. „... nämlich mit MIR, freue auch ich mich. Außerdem ist es eher passiver Natur, darum musst du dich mit mir unterhalten... oder was immer mir und meinem Hemd einfällt.“

„Lasst euch was Schönes einfallen; für ein Date – vor allem ein ERSTES Date – bin ich sehr anspruchsvoll.“ Was sie nicht wirklich war, aber das konnte er ja nicht wissen.

Noch hatte Harm keine genaue Vorstellung vom Verlauf des Abends. „Es wird dir gefallen, Sarah MacKenzie.“ Ihm schwebte ein exquisites Dinner vor und anschließend vielleicht eine Tanzveranstaltung.

Sie erhob sich. „Damit ich mich nächste Woche ganz meinem Beauty-Programm widmen kann und mich nicht mit Staublappen, Kehrbesen und Wischeimer abplagen muss, werde ich jetzt fahren.“ Sie griff nach ihrer Tasche und ging zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um. „Viel Spaß morgen. Pass auf dich auf.“

Er war ihr gefolgt. „Ich rufe dich an, wenn ich wieder zurück bin. Damit du weißt, dass alles in Ordnung ist.“ Impulsiv beugte er sich vor und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Bis morgen Abend, Harm.“ Mac öffnete die Tür und trat auf den Flur. „Bye.“

Er lächelte sanft. „Bye, Sarah.“

Ohne sich umzudrehen, steuerte sie auf den Aufzug zu, machte dann jedoch kehrt und kam zu ihm zurück. Bevor er auch nur irgendwie reagieren konnte, hatte sie sein Kinn geküsst und sich wieder zum Fahrstuhl begeben.

Überrascht stand der Ex-Pilot dann noch eine ganze Minute im Flur und sah ihr hinterher – auch als sie schon längst verschwunden war. Mit einem seligen Lächeln im Gesicht ging er dann zurück in seine Wohnung.

Das Lächeln verschwand auch nicht für den Rest des Abends – selbst nicht beim Staubwischen und Putzen.





#+#+#

Montag, 08. Dezember
08:28 Ortszeit
JAG-Hauptquartier, Falls Church


Mit dem obligatorischen „Mac-Kaffee“ in der Hand betrat Harm ihr Büro, nachdem er am Türrahmen geklopft hatte.

„Morgen, Seemann.“ grinste sie und strahlte, als sie den Becher entdeckte. „Verwöhnst du mich mal wieder?“

Er grinste breit und reichte ihr den Kaffee. „Guten Morgen erstmal.“ lachte er und ließ sich in einen ihrer Besucherstühle sinken. „Gestern hatte ich ja keine Gelegenheit dazu.“

„Abgesehen davon, dass es Sonntag war und ich da sowieso keinen Kaffee von dir bekommen hätte.“ Ihr Grinsen wurde breiter.

„Maaac.“

Sie wurde wieder ernst. „Danke, dass du mich gestern Abend noch angerufen hast. Ich habe mich gewundert, dass du bei dem Sauwetter doch noch geflogen bist.“

Als sie am Sonntagmorgen ihre übliche Jogging-Runde absolviert hatte, hatte es plötzlich angefangen, wie aus Kübeln zu schütten und bis zum Abend nicht mehr aufgehört. Einzig die Intensität hatte sich abgeschwächt. Selbst jetzt regnete es noch.

„Ob du es glaubst oder nicht, in Blacksburg hat es nicht geregnet.“

„Dafür bin ich nass bis auf die Knochen geworden. Bei der Kälte nicht wirklich prickelnd.“

Er sah sie besorgt an. „Hast du dich wenigstens wieder gut aufgewärmt?“

„Lässt du ein heißes Bad gelten?“

„Jupp.“ grinste er zufrieden.

„Mhmmm.“ Sie nippte am Kaffee. „Wird das jetzt zur Gewohnheit?“

„Der Kaffee?“

„Aha.“

„Vielleicht.“ Sein Grinsen wurde breiter.

„Seit einer Woche verwöhnst du mich damit. Gibt es einen Grund dafür?“

<Nicht wirklich...> dachte er. „Kann ich meine beste Freundin nicht auch OHNE Grund verwöhnen?“

„Natürlich.“ lächelte sie sanft. „Wehe, du hörst auf damit!“

„Hab ich nicht vor.“ lachte er. „Es sein denn, einer von uns ist nicht in der Stadt.“

„Okay, damit kann ich leben.“ nickte sie. „Ich hoffe, du willst mich nicht wegen des Krennick-Falls bestechen.“

„MAC!“ Theatralisch legte er eine Hand aufs Herz.

„Bist du vorbereitet für nachher?“ Die erste Anhörung im Fall Krennick stand an.

„Jupp. Du auch?“

„Aha.“ Sie trank den letzten Schluck ihres Kaffees und erhob sich. „Wir müssen los.“

Harm verzog das Gesicht und sah auf die Uhr, was bei Macs Zeitgefühl eigentlich unnötig war. „Shit!“ murmelte er.

„Na, na, na.“ lachte sie. „Am frühen Morgen schon solche Ausdrücke?“

„Mit dir schwätzen ist verlockender als das Meeting oder gar die Anhörung.“

Lachend ergriff sie seine Hand und zog ihn vom Stuhl. „Mitkommen, Commander. Du wirst es überstehen.“

Grinsend beugte er sich zu ihr hinab. „Ich hab ja was in Aussicht, was mich für alle Unannehmlichkeiten der kommenden Woche entschuldigen wird.“ raunte er.

Seine tiefe Stimme verwirrte sie ebenso wie das vertraute Aroma seines Aftershaves. Sie inhalierte tief. „Mhmmm... du riechst gut.“

Auch er schnupperte an ihr. „Du auch, Sarah MacKenzie. Ich hoffe, das ist kein „Pure Seduction“.“

„Ist es nicht.“ Ihre Augen funkelten amüsiert, als sie ihn unschuldig ansah. „Wäre das denn schlimm?“

Seine Stimme war immer noch tief und leise. „Ich weiß nicht, ob ich mich beim Meeting oder später in der Anhörung so konzentrieren könnte, wie ich sollte, wenn ich weiß, dass du besonders verführerisch duftest.“

„Ich bin doch keine Blume, Harm. Eine Blume duftet.“

„Eine manchmal recht stachelige Rose bist du, Sarah MacKenzie.“

„Ähem...“ Sie räusperte sich verlegen. „Ich glaube, wir... uh... wir sollten mal...“

„Am Samstag, da kannst du meinetwegen so verführerisch duften wie du willst.“ Er wandte sich zur Tür. „Was ist denn heute dein „Duft des Tages“?“

Sie schob ihn sanft aus ihrem Büro. „Aqua Kiss.“

„Kein Wunder, dass er mir bekannt vorkam.“

Gemeinsam gingen sie zum Konferenzraum, wo bereits alle bis auf Chegwidden und PO Coates versammelt waren.

„Morgen zusammen.“ grüßten sie synchron.

„Morgen, Ma’am, Sir.“ antwortete ihnen ein vielstimmiger Chor.

Bud signalisierte Harm, dass er wichtige Neuigkeiten hatte.

Der Ex-Pilot nickte und sah im Augenwinkel, wie der Admiral den Raum betrat. „Achtung an Deck!“ rief er und sprang auf.

Mit Stühlerücken und Geraschel erhob sich der Rest und stand stramm. „Guten Morgen, Sir!“

„Morgen, Leute.“ Chegwidden nahm seinen Platz am Kopfende ein. „Setzen Sie sich.“

Die nächsten Minuten vergingen mit dem Verteilen einiger neuer Fälle, allgemeiner Information und sonstigen Neuigkeiten, die für die kommende Woche relevant waren.

Schließlich fragte der Ex-SEAL: „MacKenzie, Rabb, Roberts... wie läuft es mit Ihrem Fall?“

„Gut, Sir.“ antworteten alle drei synchron.

Irritiert sah er von einem zum anderen. „Heute ist die erste Anhörung, nicht wahr?“

Diesmal war die Antwort ein dreistimmiges „Ja, Sir.“.

„Tun Sie Ihr Bestes.“ erwiderte er.

„Natürlich, Sir.“ ertönte es im Chor.

„Gut, gut.“ Chegwidden nickte. „Das wäre dann alles.“ Er erhob sich. „Wegtreten.“

Erneutes Stühlerücken und ein vielstimmiges „Aye, aye, Sir!“ erfüllte den Raum.

Aufgeregt winkte Bud Harm zu sich.

„Was gibt es, Lieutenant?“

„Sir, ich habe Neuigkeiten.“ Unsicher schielte er zu Mac. „Für Sie, Commander...“

Der Ex-Pilot drehte sich zu Mac und grinste breit. „Da hörst du es: Jetzt sind wir wieder Gegner. Bis gleich.“

„Freu dich nicht zu früh, Seemann. Ich werde gewinnen.“ lachte sie siegesgewiss.

Er legte den Kopf schief und wedelte mit einer Hand. „Sei dir da mal nicht so sicher...“

„Träum weiter, Seemann.“ Sie tätschelte seinen Arm und verließ den Raum.

Bud hatte das Geplänkel der beiden amüsiert und auch neugierig verfolgt. <Irgendetwas ist da im Busch.> dachte er. Seit einigen Tagen waren sie verdächtig nett zueinander.

„So, Bud, was haben Sie für mich?“

Der junge Mann grinste bis über beide Ohren. „Das hier, Sir.“ Er reichte Harm zwei Blätter.

Dieser überflog beide und pfiff dann leise. „Wow. Gute Arbeit, Bud.“ Anerkennend schlug er Bud auf die Schulter.

„Danke, Sir.“ Bud strahlte. Harm war sein Mentor, der Pate seines ältesten Sohnes, so etwas wie ein Freund – und vor allem sein Held. Das Meiste davon traf zwar auch auf Mac zu, aber zu Harm blickte er auf.

„Es wäre gut, wenn wir das hier...“ Harm wedelte mit einem der Blätter. „... irgendwie offiziell bestätigt bekämen.“

„Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, wäre eine Videokonferenz unter Zeugen. Aber genau das ist das Problem.“

„Warum?“

„Erstens müsste der Admiral zustimmen. Ein U-Boot holt man nicht „mal eben“ an die Wasseroberfläche, Sir.“

„Und zweitens?“

„Zweitens ist die Dallas auf unbekannter Mission. Zumindest war das alles, was ich herausfinden konnte.“

„Ist doch immerhin etwas, Lieutenant.“ Harm grinste. „Dann müssen wir uns also ganz auf unser Können verlassen.“

„Wollte Commander Costner nicht noch eine Liste mit Zeugen liefern?“

„Stimmt, das hätte ich beinahe vergessen.“

„Commander Rabb?“

Harm hob den Kopf und sah PO Coates in der Tür stehen. „Jennifer, was gibt es?“

„Commander Costner ist da. Er wartet in Ihrem Büro.“

„Oh, jetzt schon?“ Harm sah auf die Uhr. „Danke, Petty Officer.“

„Ja, Sir.“ Sie blickte Harm ein paar Sekunden an, bevor sie den Raum wieder verließ.

Harm seufzte stumm. In ihren Augen hatte er ihre Missbilligung darüber gesehen, dass er – ihr Held und Retter – einen Vergewaltiger verteidigte. Derartige Personen standen auch in seiner „Beliebtheitsskala“ ganz unten. Er wandte sich zur Tür. „Okay, Bud, dann mal auf in den Kampf.“

Im Hinausgehen pfiffen beide Männer dann die bekannte Melodie von Verdi. Auf dem Weg zu Harms Büro pfiffen sie immer noch leise vor sich hin, amüsiert beobachtet vom Rest des Personals.

Vor seinem Büro holte Harm tief Luft und betrat den Raum.

Rick Costner saß auf einem der Besucherstühle, flankiert von einem Marine.

„Morgen, Rick.“ Harm setzte sich hinter seinen Schreibtisch, Bud blieb neben ihm stehen.

„Morgen, Harm; guten Morgen, Lieutenant.“

„Guten Morgen, Sir.“

Der dunkelhaarige Ex-Pilot ignorierte den Marine. „Du bist zu früh.“

„Ich weiß auch nicht warum.“ Costner zuckte mit der Schulter. „Aber ich hab was für dich.“ Er griff in die Tasche seiner Jacke – oder wollte es zumindest.

Der Marine zog seine Waffe aus dem Holster, trat vor und packte Ricks Hand.

„Schon gut, Corporal.“ Harm war aufgestanden und hob beschwichtigend die Hand.

„Sind Sie sicher, Commander?“

„Ja.“

Der Marine steckte die Waffe weg, und Harm setzte sich wieder.

„’Tschuldigung.“ Rick lächelte verlegen. „Ich hab dir eine Liste mit Zeugen mitgebracht. In meiner Tasche hier.“ Er deutete mit dem Kopf auf seine Jacke.

„Corporal, das geht in Ordnung.“ Harm nickte dem jungen Marine zu. Dann wandte er sich an Rick. „Zeig her.“

Costner holte einen Zettel aus der Jackentasche und gab ihn Harm. „Hier sind ein paar Namen von Leuten, die an besagtem Freitag auch im Club waren.“

Harm überflog die Liste. „Ein paar? Rick, das sind doch mindestens 20 Leute!“

„23, um genau zu sein.“ grinste Rick breit. „Bekannte Gesichter waren allerdings noch ein paar mehr da.“

Harm lachte. „Ich glaube, das reicht.“ Er besah sich die Liste genauer. Es waren alle Offiziersränge vertreten; sogar zwei Captains waren dabei. „Sind die alle in Norfolk stationiert?“

„Natürlich, sonst würde ich sie doch nicht kennen. Ich habe Kreuzchen an die Namen derer gemacht, die in meiner Nähe saßen.“

Harm seufzte. „Das sieht nach zwei Tagen Norfolk aus. Schließlich kann ich die nicht alle „mal eben“ hierher beordern.“ Er wandte sich an Bud. „Bud, nehmen Sie Kontakt mit den Leuten hier auf und stellen Sie fest, ob sie zu einer Zeugenaussage bereit sind. Sagen Sie denen, sie sollen sich in den nächsten Tagen bereithalten.“

„Verstanden, Sir.“ Bud machte sich auf den Weg.

„So, Rick, nun zu dir.“ Er sah seinen Freund an. „Du weißt, dass Krennick gleich auch da sein wird.“

„Ja, leider.“ Commander Costner schnaubt verächtlich. „Ich kann dieses Weib nicht mehr sehen.“

„Na, na, na.“

„Sorry, Harm, aber...“ Der blonde Mann holte tief Luft. „So eine Anschuldigung ist selbst dann Gift für die Karriere und das Leben eines Mannes, wenn sie unbegründet ist. Ich werde einen Fleck auf meiner Weste behalten, so oder so.“

„Rick, ich werde mein Bestes tun, um dich da rauszupauken.“

„Mehr verlange ich nicht.“ Rick grinste sein eigenes Flyboy-Grinsen. „Aber auch nicht weniger.“

Harm sah seinen Freund ernst an. „Ich kann dir leider nicht garantieren, dass es NICHT zu einer Verhandlung kommt. Das hängt auch ein bisschen von der Laune des Richters ab.“

„Wer ist es?“

„Admiral Morris... hart, aber fair.“ Harm sah auf die Uhr. „Wir müssen los. Corporal...“

Der Marine trat neben Rick Costner und legte ihm wieder die Handschellen an. Als er sich hinabbeugte, um die Fußfesseln anzulegen, unterbrach Harm ihn. „Das wird nicht nötig sein, Marine.“

„Sir, das ist Vorschrift.“

„Ich weiß. Aber ich verbürge mich für Commander Costner.“

Zögernd richtete sich der Mann wieder auf. „Auf Ihre Verantwortung, Commander.“

„Ich weiß. Zur Not kenne ich gute Verteidiger.“ grinste der Ex-Pilot und wandte sich an Rick. „Du benimmst dich gefälligst vorbildlich, Mister.“

„Aye, aye, Sir.“ lachte Rick und erhob sich.

Selbst der Marine musste schmunzeln.

„Das „du“ gibt es im Gerichtssaal auch nicht.“

„Ich weiß.“

Auf den Weg durch das Bullpen wurden sie von etlichen Augenpaaren verfolgt; auch Mac sah dem Zug von ihrem Büro aus zu.

Am Tisch der Verteidigung wurden Costner dann die Handschellen wieder abgenommen. Harm breitete seine Unterlagen aus und wunderte sich, dass Mac noch nicht da war.

Was sich knapp zwei Minuten später änderte. Betont langsam schlenderte sie zu ihrem Tisch und setzte sich. Harm und seinen Mandanten würdigte sie keines Blickes.

Commander Rick Costner starrte die Frau an. „Guter Gott, Harm!“ zischte er. „Das...“

„Schsch.“ unterbrach ihn der Ex-Pilot. Er hatte gesehen, dass sich die Tür zum Richterzimmer geöffnet hatte.

„Erheben Sie sich!“ ertönte auch schon der Ruf des Gerichtsdieners.

Alle standen von ihren Stühlen auf und warteten, bis Admiral Morris sich gesetzt hatte. Dann nahmen sie wieder Platz.

Er betätigte seinen Hammer. „Ich eröffne hiermit die Anhörung nach Artikel 32 gegen Commander Rick Costner. Sind die Parteien bereit?“

Sowohl Harm als auch Mac erhoben sich erneut. „Ja, Euer Ehren.“

„Colonel?“

Während Harm sich wieder setzte, blieb Mac stehen. Auch wenn es (noch) keine Geschworenen gab, ihre Eröffnungsstatements hielt sie grundsätzlich lieber im Stehen. „Hohes Gericht, ich werde heute darlegen...“ Sie erläuterte kurz die Anschuldigungen gegen Costner und dass sie genügend Beweise für seine Schuld hatte.

Als sie fertig war und sich gesetzt hatte, erhob sich Harm. „Euer Ehren, Hohes Gericht...“ Genau wie Mac behauptete er dann, genügend Beweise zu haben – allerdings für die UNSCHULD seines Mandanten. Es dauerte nicht lange, und auch er setzte sich wieder.

„Colonel MacKenzie, Sie können Ihren ersten Zeugen aufrufen.“

„Danke, Euer Ehren.“ Mac erhob sich. „Ich rufe meine erste Zeugin auf: Das Opfer Captain Allison Krennick.“

„Einspruch!“ Harm hob eine Hand. „Das MUTMASSLICHE Opfer, Euer Ehren. Noch ist die Schuld meines Mandanten nicht bewiesen.“

„Stattgegeben.“ Morris schwante Schlimmes, kannte er diese beiden Anwälte doch schon lange und war mit ihren „Kämpfen“ vor Gericht bestens vertraut.

Mac warf Harm einen giftigen Blick zu. „Ich rufe das MUTMASSLICHE Opfer Captain Allison Krennick in den Zeugenstand.“

Während ihrer letzten Worte marschierte Allison Krennick bereits zum Zeugenstand.

Um sie zu vereidigen, erhob sich Harm. „Schwören Sie...“

Während er sprach, sah Krennick ihm die ganze Zeit in die Augen. „Ich schwöre.“ meinte sie dann, als Harm fertig war.

Er ging zurück zu seinem Tisch, während Mac den Captain aufforderte, ihren Namen, Rang und Stationierungsort zu nennen. Dann begann sie auch schon mit der Befragung.

„Captain Krennick, schildern Sie uns bitte, was am Abend des 21. November passiert ist.“

In nüchternen Worten schilderte Krennick, wie sie an besagtem Abend in den Offiziersclub gegangen war, um dort einen Wein zu trinken; wie sie sich zu dem ihr bekannten Commander Rick Costner gesetzt und mit ihm geplaudert hatte.

Die ganze Zeit über beobachtete Harm die blonde Frau genau. <Irgendetwas stimmt hier doch nicht.> dachte er wiederholt. Sein Bauchgefühl bezüglich der Unschuld Costners wurde stärker.

„Warum gerade Commander Costner?“

Allison musterte den blonden Mann kurz, bevor ihr Blick an Harm hängen blieb. „Der Commander ist ein Mann, der interessante und mitunter sehr kurzweilige Geschichten erzählen kann. Ich wollte abschalten vom Stress der Woche.“

Mac nickte. So etwas kannte sie, allerdings half ihr ein heißes Bad. „Wie kam es dann zum näheren Kontakt?“

„Anscheinend hatte der Commander schon ein paar Biere getrunken; ganz nüchtern schien er nicht mehr zu sein. Er wurde plötzlich... na ja... sagen wir mal „zutraulich“...“

„Nicht „zudringlich“?“

„Nein.“

„Was hat er gemacht?“

„Sich näher zu mir gelehnt... auffällig oft gelacht... mich kumpelhaft an der Schulter gestupst... seine Stimme gesenkt.“

„Und dann?“

„Dann meinte er, wir sollten die Unterhaltung doch an einem gemütlicheren Ort fortsetzen, wo nicht so viele Leute versammelt wären. Er schlug dann seine oder meine Unterkunft vor.“

Im Augenwinkel sah Harm, dass Rick ganz leicht den Kopf schüttelte.

„Warum gerade eine Ihrer Unterkünfte?“

Krennick zuckte mit der Schulter. „Sein Verhalten ließ nur den einen Schluss zu: Er wollte Sex.“

„Einspruch!“ blaffte Harm dazwischen. „Die Zeugin kann nicht wissen, was der Beschuldigte wirklich wollte.“

„Euer Ehren, wenn Männer etwas so Bestimmtes wie Sex wollen, ist ihr Verhalten normalerweise recht eindeutig.“ Mac warf Harm einen herausfordernden Blick zu.

Morris nickte. „Einspruch abgewiesen. Fahren Sie fort, Colonel.“

„Danke, Euer Ehren.“ Sie wandte sich wieder an Krennick. „Captain, der Commander wollte also mit Ihnen schlafen?“

Allisons Stimme war immer noch nüchtern, als sie antwortete. „Ja, Colonel, ich hatte den definitiven Eindruck.“

„Wie ging es weiter?“

„Da ich keine Männer mit zu mir nehme, Ma’am, schlug ich seine Unterkunft vor.“

Harm schnaubte innerlich. <Du willst dir dein garantiert makelloses Bettchen nicht beschmutzen...>

„Dem Geschlechtsverkehr waren Sie also nicht abgeneigt?“

Die blonde Frau zuckte erneut mit der Schulter. „Der Commander ist ein attraktiver Mann.“ Ihr Blick glitt wieder zu Harm, der durchaus die Doppeldeutigkeit ihrer Worte registrierte. „Wir dienen nicht unter dem gleichen Kommando... sind beide ungebunden... warum also nicht?“

„Ich stelle hier die Fragen, Ma’am.“

„Verzeihung, Colonel.“ Reumütig sah Krennick auf ihre Hände.

„Sie sind dann beide zu Commander Costners Unterkunft gegangen?“

„Ja.“

„Was passierte dann?“

„Wie es üblicherweise weitergeht, Colonel: Küssen, Streicheln, enger Körperkontakt... so was halt.“

„Haben Sie sich ausgezogen?“

„Wir haben angefangen, ja.“

„Warum nur angefangen?“

„Weil Rick...“ Krennick blickte zu ihm. „Weil Commander Costner anscheinend nicht mehr warten wollte. Er hat mich aufs Bett gedrückt und mich dann... hm... mich vergewaltigt.“

Harm hörte, wie sein Freund scharf die Luft einzog. Er spürte ein Zupfen am Ärmel.

„Das stimmt nicht, Harm, ich habe diese Frau noch nicht mal geküsst.“ flüsterte Rick.

„Ich glaub dir ja, Rick. Aber sie hat das Recht, die Dinge aus ihrer Sicht zu erzählen.“

Mac befragte indes das „mutmaßliche Opfer“ weiter. „Haben Sie sich gewehrt, Captain?“

„Natürlich.“ Allison machte ein Gesicht, das deutlich zeigte, was sie von Macs Frage hielt.

„Wie?“

Der Blick wurde schärfer. „Ich habe versucht, ihn von mir zu stoßen, und laut protestiert.“

„Hat es etwas genützt?“

„Offensichtlich nicht, sonst säßen wir heute nicht hier.“ Ihr Tonfall konnte nun durchaus als „eiskalt“ bezeichnet werden.

„Wie ging es weiter?“

„Nachdem er...“ Krennick deutete mit dem Kinn auf Costner. „Nachdem er fertig war, habe ich seine Wohnung verlassen.“

„Ihre Kleidung haben Sie mitgenommen?“

„Einspruch! Nicht relevant!“

„Ich ziehe die Frage zurück, Euer Ehren.“

Krennick antwortete trotzdem. „Ich habe alles mitgenommen, Ma’am.“

„Captain, wo sind Sie hin, nachdem Sie die Wohnung verlassen hatten?“

„Ich bin in meine Unterkunft zurückgekehrt.“

Mac runzelte die Stirn. „Warum sind Sie nicht ins Lazarett gegangen?“

„Ich weiß nicht... ich habe mich seltsam gefühlt... ausgenutzt... missbraucht. Ich konnte nicht richtig denken.“

<Seltsam, „missbraucht“ benutzt sie erst später...> Harm machte sich eine Notiz.

„Wann sind Sie dann ins Lazarett?“

Ein Hauch von Unsicherheit überflog Allisons Gesicht. „Gar nicht, Ma’am.“

<Das erklärt zumindest das Fehlen des medizinischen Berichts.> dachten sowohl Mac als auch Harm.

„Warum haben Sie das versäumt, Captain? Als Anwältin sollten Sie wissen, wie wichtig die medizinische Beweissicherung eines solchen Verbrechens ist.“

„Ich weiß, Colonel. Aber ich war so... so aufgelöst... erschüttert... verletzt...“

„Gerade weil Sie verletzt waren, wäre es oberste Pflicht gewesen, in die Krankenstation zu gehen.“ Mac konnte nicht verstehen, dass die Frau vor ihr das NICHT getan hatte.

„Meine Verletzungen waren nicht körperlicher Art. Ich war seelisch verletzt.“

„Trotzdem haben Sie wichtige Dinge versäumt.“

Krennick nickte nur.

„Würden Sie Ihre Antwort bitte laut geben?“

„Verzeihung, Ma’am. Ja, ich habe da etwas versäumt.“

Erneut machte sich Harm Notizen.

„Sie haben etwas sehr Wichtiges versäumt, Captain.“ Mac war an ihren Tisch zurückgekehrt und sah auf ihre Notizen. „Sie haben dann erst zwei Tage später Anzeige erstattet. Warum?

„Zuerst, da war ich am Boden zerstört... seelisch zutiefst verletzt... nicht fähig, rational zu denken.“ Allison warf einen Blick auf Costner. „Nach ein paar Tagen kam ich wieder zu mir. Und stellte fest, dass ich vielleicht etwas Seelenfrieden finden würde, wenn ich Commander Costner anzeigen würde.“

„Ma’am, wie geht es Ihnen jetzt?“

„Einspruch!“ rief Harm. „Nicht relevant.“

Mac warf zuerst Harm einen verächtlichen Blick zu, bevor sie sich an Morris wandte. „Euer Ehren, es geht um die psychische Verfassung des Opfers, die durch den Vorfall erheblich gelitten hat.“

Harm verzichtete dieses Mal auf einen Einspruch bezüglich des „mutmaßlichen Opfers“.

„Abgewiesen, Commander.“

Mac trat wieder zum Zeugenstand. „Also, wie geht es Ihnen?“

„Etwas besser. Vor allem, da ich weiß, dass das Monster da...“

Harm war aufgesprungen. „Einspruch!“

„Stattgegeben.“

Krennick holte tief Luft. „Es geht mir etwas besser, weil ich weiß, dass der Commander seine gerechte Strafe bekommen wird. Aber ganz vergessen werde ich diesen Vorfall nie mehr.“

Mac nickte. „Danke, Captain, das wäre momentan alles.“ Sie ging zurück zu ihrem Tisch und setzte sich. „Ihre Zeugin, Commander.“

Harm erhob sich langsam. „Captain, Sie kennen den Beschuldigten?“

„Ja, Commander.“

„Woher?“

„Er war Zeuge in einem Fall, den ich bearbeitet habe.“

„War das Ihr einziger Kontakt zu Commander Costner?“

„Nein.“

„Nein?“ Harm tat überrascht. „Erläutern Sie das bitte.“

„Wir haben uns ein paar Mal im Casino getroffen.“

„Haben Sie SICH getroffen oder haben SIE ihn getroffen?“

„Einspruch! Haarspalterei.“ rief Mac dazwischen.

Harm wandte sich an Morris. „Euer Ehren...“

„Abgewiesen, Colonel.“

„Captain, wie war das jetzt mit Ihren Treffen?“

Krennick bedachte Harm mit einem feindseligen Blick, bevor sie antwortete. „Ich habe mich hin und wieder zu ihm gesetzt und etwas mit ihm getrunken.“

„War Commander Costner damit einverstanden?“

„Einspruch! Captain Krennick kann nicht wissen, was der Commander dachte.“

„Stattgegeben.“ Morris seufzte stumm.

„Ma’am, haben Sie den Commander gefragt, ob Sie sich zu ihm setzen dürfen?“

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Wie ich vorhin schon sagte, hat Rick oft interessante Geschichten zu erzählen.“ Ein leichtes Schmunzeln umspielte ihre Lippen. „Außerdem ist er ein gutaussehender Mann. Er saß alleine am Tisch, da dachte ich, er könne vielleicht Gesellschaft gebrauchen.“

Harm fragte sich, ob sie auf „Männerfang“ gewesen war. „Das beantwortet aber nicht meine Frage, Captain.“

„Ich muss es wohl vergessen haben.“

„Welchen Eindruck machte Commander Costner an besagtem Abend auf Sie?

„Er schien ein wenig angeheitert zu sein.“

„Und trotzdem haben Sie weiter mit ihm getrunken?“

„Rick Costner ist ein erwachsener Mann und sein eigener Herr, Commander. Für seinen Brummschädel bin ich nicht verantwortlich.“

Krennicks letzter Satz rief bei allen Anwesenden ein leichtes Schmunzeln hervor.

„Sie wollten ihn also nicht noch betrunkener machen?“

„Einspruch!“ kam es wie aus der Pistole geschossen von Mac.

„Stattgegeben.“

„Ich ziehe die Frage zurück.“ Harm hatte Krennick einfach nur provozieren wollen – ein nicht gerade kluger Schachzug, aber Allisons Augen flackerten kurz verunsichert.

„Captain, Sie behaupten...“

„Einspruch!“

Harm wartete das „Stattgegeben.“ gar nicht erst ab. „Sie geben zu Protokoll, dass Commander Costner Ihr Treffen im Verlauf des Abends an einen „intimeren Ort“ verlegen wollte.“

„Ja.“

„Was schlossen Sie daraus?“

„Einspruch! Frage wurde schon beantwortet.“

„Stattgegeben. Commander, fischen Sie im Trüben?“

Allison Krennick grinste leicht, als Harm sich an Morris wandte. „Nein, Euer Ehren.“

„Dann stellen Sie jetzt Ihre Frage.“

„Captain, Sie hatten also den Eindruck, Commander Costner wollte Sex mit Ihnen.“

„Sonst wäre ich nicht mitgegangen, Commander.“ Sie grinste.

„Ist das ein „ja“?“

„Ja.“

„Störte es Sie nicht, dass er rangniedriger ist als Sie und Ihnen dadurch eventuell Ärger drohte wegen Verletzung der Fraternisierungsvorschriften?“

„Nein, Commander.“

„Machen Sie so etwas häufiger?“

„Einspruch! Der Captain steht nicht vor Gericht.“

„Euer Ehren, ich möchte das Verhalten des Captains verstehen.“

„Haben Sie einen Grund zu der Frage, Commander Rabb?“

„Euer Ehren, mit Ihrer Erlaubnis komme ich später darauf zurück.“ Harm wollte Krennicks einstiges Verhalten ihm gegenüber nur als letzte Möglichkeit an die Öffentlichkeit bringen.

„Na gut, Commander, fahren Sie fort.“

„Danke, Euer Ehren.“ Er drehte sich zu Allison und sah ihr direkt in die Augen. „Ma’am, beantworten Sie bitte meine Frage: Haben Sie so etwas schon einmal gemacht?“



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#8 von Evi , 27.01.2014 14:50

Allison rutschte nervös auf ihrem Stuhl herum. „Ja, Sir... wenn mir der Mann gefiel...“ Sie holte tief Luft. „Ich bin ungebunden, Commander.“

„Waren Ihre Bemühungen immer von Erfolg gekrönt?“

Mac, Rick und sogar Admiral Morris spürten, dass hier unterschwellig noch ganz andere Dinge zur Sprache kamen.

„Nein, das waren sie nicht.“ Sie reckte provokativ das Kinn.

„Waren Sie wütend darüber?“

„Welche Frau ist das nicht, wenn sie abgewiesen wird?“ Krennicks Blick bohrte sich in seinen. Viel intensiver spürte Harm jedoch Macs Blick in seinem Rücken. Er wusste, genau wie er dachte sie an die Fähre in Sydney.

„Captain...“

„Ja, manchmal war ich wütend.“

„Hatten Sie dann Rachegelüste?“

„Manchmal ja.“

„Haben Sie diesen Gefühlen auch mal nachgegeben?“

„Nein, Sir.“

„Nun gut. Sie sind mit Commander Costner in seine Unterkunft gegangen. Dort kam es dann wohl zuerst zum Austausch von Zärtlichkeiten?“

„Ja.“

„Hat Ihnen das gefallen, Captain?“

„Einspruch!“

Harm drehte sich herum und sah Mac mit hochgezogener Braue an. „Euer Ehren, laut Captain Krennicks Aussage kam es nicht sofort zu der Vergewaltigung. Vorher wird also etwas passiert sein, das keine Gegenwehr des vermeintlichen Opfers hervorgerufen hat. Das möchte ich herausfinden.“ Jetzt erst drehte er sich wieder zum Zeugenstand.

„Einspruch abgewiesen.“

„Ma’am, hat Ihnen gefallen, was zuerst passiert ist?“

„Ja, Commander.“ Allison schmunzelte. „Es begann jedenfalls sehr vielversprechend.“

„Danach habe ich zwar nicht mehr gefragt, aber trotzdem danke für die Information.“

Erneut schmunzelten Mac, Costner und Morris.

„Irgendwann schlug die Stimmung um?“

„Ja.“

„Was geschah dann?“

„Er hat mich vergewaltigt.“

„Wie?“

Allison Krennick glaubte ihren Ohren nicht zu trauen. Wusste dieser Mann nicht, wie eine Vergewaltigung ablief? „Wie bitte?“

„Wie hat er Sie vergewaltigt?“ Harm war keinesfalls erpicht auf Details, musste aber ganz sicher sein.

„Einspruch!“

Harm ergriff das Wort. „Euer Ehren, ich will nur sicher gehen, dass es sich wirklich um eine Vergewaltigung handelt und nicht um harten Sex.“

„Einspruch abgewiesen.“

„Abgewiesen?“ Mac erhob sich. „Euer Ehren!“

Morris nickte. „Colonel, der Einspruch ist abgewiesen.“

„Aber... Sir...“ Mac war noch nicht bereit, klein beizugeben.

„Colonel MacKenzie, es dürfte jedem Erwachsenen hier bekannt sein, dass sexuelle Aktivitäten auch im Normalfall schon mal heftiger vonstatten gehen können.“

„Ja, Euer Ehren.“ Mac setzte sich wieder, erhaschte aber noch den süffisanten Blick von Harm.

Der Richter wandte sich an Krennick. „Captain?“

Mit emotionsloser Stimme – für Harms Geschmack viel zu emotionslos – schilderte sie dann das weitere Geschehen.

„Danke, Captain.“ Harm brachte es fertig, mitfühlend zu klingen – gegen seine Überzeugung. „Sie haben sich gewehrt?“

„Natürlich. Ich habe versucht, ihn von mir zu drücken... oder unter ihm hervorzukommen... ohne Erfolg. Er war einfach zu schwer. Ich habe sogar versucht, seine... hm...“ Ein Schmunzeln glitt über ihr Gesicht. „... seine „empfindlichen Teile“ zu treffen. Auch ohne Erfolg.“

Sämtliche anwesenden Männer verzogen mehr oder weniger sichtbar das Gesicht.

„Was haben Sie dann gemacht?“

„Als er „fertig“ war, habe ich meine Sachen zusammengesucht und bin nach Hause gegangen.“

„Leider nicht ins Lazarett...“ seufzte Harm.

„Einspruch! Wertung des Anwalts. Außerdem wurde die Frage schon beantwortet.“

„Stattgegeben.“

„Vorhin haben wir gehört, dass Sie nach zwei Tagen wieder einigermaßen klar denken konnten.“

„Ja, Commander.“

„Warum sind Sie nicht dann ins Lazarett? Bei einem Gewaltverbrechen dieser Art lassen sich auch ein paar Tage später noch Spuren sichern.“

„Mein Fokus lag mehr darauf, Commander Costner hinter Gittern zu bringen.“

„Ohne irgendeinen Beweis wird das aber schwierig sein, Captain. Das wissen Sie so gut wie ich.“

„Ich weiß, Commander. Ich weiß aber auch, dass dieser Mann da...“ Sie deutete auf Costner. „Dass dieser Mann mich vergewaltigt hat.“

„Haben Sie vielleicht noch die Kleidung von besagtem Tag, genauer gesagt die Unterwäsche?“

Allisons Wangen röteten sich leicht. Dass Harm – ihr einstiges „Objekt der Begierde“ – sie einmal unter DIESEN Umständen nach ihrer Unterwäsche fragen würde, hätte sie sich nie träumen lassen. „Die Strumpfhose war zerrissen, Commander. Die habe ich sofort in den Müll geworfen.“

„Und der Rest?“

„Meinen Slip habe ich ausgezogen und seitdem nicht mehr angefasst.“

„Warum nicht?“

„Ekel, Sir.“

„Dann besteht also die Möglichkeit, dort noch Sperma-Spuren zu finden?“

„Ja, wenn der Commander kein Kondom benutzt hat.“

„Hat er das?“

„Ich habe nichts davon mitbekommen.“

„Ihr Slip ist ein Beweisstück, Ma’am. Das haben Sie nicht sicherstellen lassen?“

„Nein, Commander. Aber es ist ja noch da. Sie können es sich gerne abholen kommen.“ Sie lächelte süffisant.

Mac holte tief Luft. <Dieses Biest!>

Der Ex-Pilot verstand durchaus die unterschwellige Anspielung. Seine Antwort kam im nüchternsten Tonfall, den Mac seit langem von ihm hörte. „Vielleicht mache ich das auch, Captain.“

Die blonde Frau war mehr als erstaunt. „Sagen Sie wann und wo, und ich werde da sein.“

Nun runzelte sogar Admiral Morris die Stirn.

„Euer Ehren, vorerst habe ich keine weiteren Fragen an die Zeugin.“ Harm ging zurück zu seinem Tisch und sah, wie Bud ihm von der Tür des Gerichtssaales aufgeregt zuwinkte.

„Captain, Sie können den Zeugenstand verlassen.“ wandte sich Morris an Krennick. „Aber Sie bleiben unter Eid.“

„Ja, Sir.“ Sie verließ den Zeugenstand – wobei sie Harm mit einem herausfordernden Lächeln bedachte – und setzte sich zwei Reihen hinter Mac. Von dort hatte sie einen guten Blick auf Harm – den Mann, der sie noch immer reizte und der sich ihr bis jetzt immer verweigert hatte.

Dieser bekam davon nichts mit. Mit leiser Stimme brachte Bud ihn gerade auf den neuesten Stand der Dinge – bzw. wollte es, denn Morris’ Stimme ertönte und forderte Mac auf, ihren nächsten Zeugen aufzurufen. Das würde Commander Costner sein.

Harm richtete sich auf. „Euer Ehren, mit Ihrer Erlaubnis möchte ich die Anhörung kurz unterbrechen und mich kurz mit meinem Co-Anwalt beraten.“

„Neue Zeugen, Commander?“

„Das vermutlich auch, Sir.“

Morris sah auf die Uhr. Dann sauste sein Hammer nieder. „Unterbrechung für 10 Minuten.“

Mac nutzte die Gelegenheit und suchte die Toilette auf, während Harm und Bud in den hinteren Teil des Raumes gingen.

„Was haben Sie für mich, Bud?“

Dieser strahlte. „Von den 23 Personen auf der Liste konnte ich 18 erreichen. Sie haben alle eingewilligt, als Zeuge zur Verfügung zu stehen.“

„Wunderbar.“ grinste Harm breit. „Sind das alles Freunde von Rick?“

„Die meisten, ja. Aber einigen ist er nur namentlich und vom Sehen bekannt, nicht persönlich.“

„Noch besser.“ Harm klopfte dem jüngeren Mann auf die Schulter. „Verdammt gute Arbeit, Lieutenant.“

Bud strahlte wie ein Honigkuchenpferd. „Danke, Sir.“

„Am besten wäre es, ich würde heute noch nach Norfolk fahren. Morgen könnte ich dann die Befragung beginnen und am Mittwochabend wieder zurückkommen.“

„Ich kümmere mich um die Unterkunft, Commander.“

„Tun Sie das, Bud. Die größere Schwierigkeit wird sein, Admiral Morris und Mac davon zu überzeugen, die Anhörung zu vertagen.“

Bud grinste. „Sie werden das schon schaffen.“

„Ich hoffe es.“ seufzte der Ex-Pilot. „Es geht weiter.“

„Viel Glück, Sir.“

„Danke.“ Harm ging zurück zu seinem Tisch, wo er Costner mitteilte, was Bud erreicht hatte.

Rick grinste. „Das klingt...“

„Erheben Sie sich!“ unterbrach ihn der Ruf des Gerichtsdieners.

Morris nahm Platz und blickte von Mac zu Harm. „Colonel, Commander, sind Sie bereit?“

„Ja, Euer Ehren.“ antwortete Mac und erhob sich.

Harm erhob sich ebenfalls. „Euer Ehren, wenn ich nach vorne treten dürfte?“

Irritiert sah Mac ihn an.

„Okay, Commander, kommen Sie her.“ seufzte Morris. „Sie auch, Colonel.“

Beide traten an den Richtertisch.

„Commander, was gibt es?“

„Euer Ehren, ich bitte um Vertagung der Anhörung bis Donnerstagmorgen. Ich habe Hinweise auf neue Zeugen erhalten, denen ich nachgehen muss.“

Bevor der dunkelhäutige Richter etwas sagen konnte, redete Mac auch schon los. „Euer Ehren, die Vernehmung von Commander Costner steht an!“

„Ich weiß, Colonel.“ erwiderte Morris. „Ich bin sicher, der Commander hier weiß das auch.“ Er warf Harm einen strengen Blick zu.

„Natürlich, Sir. Aber ich habe eine Liste von 18 potentiellen Zeugen erhalten, die...“

Morris riss die Augen auf. „18?“

„Ja, Sir.“ nickte Harm. „Aber ich werde nicht alle vorladen.“

„Wie viel gedenken Sie denn vorzuladen, Commander?“

„Fünf oder sechs, Euer Ehren. Aber um die zu finden, die am besten geeignet sind, muss ich nach Norfolk und alle befragen.“ Harm grinste behutsam. „Die Alternative wäre, alle nach Washington zu beordern.“

„Guter Gott!“ entfuhr es Morris. Dann fing er sich wieder. „Sie werden die in Frage kommenden Zeugen aber nach neutralen Gesichtspunkten heraussuchen, Commander?“

Harm war gelinde gesagt erschüttert, dass der Richter allem Anschein nach andeutete, er suche seine Zeugen nur nach dem Aspekt aus, ob sie für seinen Mandanten vorteilhaft waren oder nicht. „Natürlich, Sir!“

„Gut.“ Morris nickte. Er hatte auch ohne seine Belehrung gewusst, dass der großgewachsene Offizier vor ihm nicht anders handeln würde. <Aber ein kleiner Test wird doch erlaubt sein.> grinste er in sich hinein. Der Vorfall mit der abgefeuerten Waffe im Gerichtssaal vor einigen Jahren nagte immer noch an ihm, auch wenn Harm längst dafür zur Rechenschaft gezogen worden war. „Colonel, haben Sie irgendwelche Einwände?“

„Nein, Euer Ehren, aber...“

Harm meldete sich erneut zu Wort. „Sir, ich habe Admiral Chegwidden so verstanden, dass dieser Fall so schnell wie möglich vom Tisch soll. Was doch auch im Sinne aller Beteiligten ist.“

„Das stimmt, Commander.“ Morris senkte den Kopf und dachte ein paar Sekunden nach. Dann sah er beide Anwälte an. „In Ordnung, Commander, Sie erhalten Ihren Aufschub.“

„Danke, Euer Ehren.“

Nachdem Harm und Mac an ihre jeweiligen Tische zurückgekehrt waren, verkündigte Morris die Neuigkeit. „Auf Antrag von Commander Rabb und mit Zustimmung von Colonel MacKenzie vertagt sich das Gericht bis Donnerstagmorgen, 09:30 Uhr.“ Der Hammer sauste auf den Holzklotz, und die Anhörung war beendet – vorerst zumindest.

„Bringen Sie Commander Costner bitte in mein Büro, Corporal.“

„Ja, Sir.“

„Rick, wir sehen uns gleich.“

„Gut.“

Harm sah den beiden Männern hinterher und packte seine Sachen zusammen.

„Hast du wirklich 18 Zeugen aufgetrieben, Seemann?“ Mac war an seinen Tisch getreten.

Er grinste breit. „Ursprünglich waren es mal 23.“

„Und was bitte sollen die bezeugen?“

„Die Unschuld meines Mandanten.“

„Na, dann mal viel Glück.“ meinte sie siegessicher.

„Freu dich nicht zu früh, Marine.“ lachte er und schlenderte zur Tür.

Sie folgte ihm. „Ich bin gespannt, was für ein Kaninchen du dieses Mal aus dem Hut zauberst.“ Sie grinste schelmisch. „Ich werde es genüsslich zerlegen und verspeisen.“

„Heißt das, du magst Kaninchen?“ lachte er.

„Mhmmm, die sind sooo lecker.“

„Wenn ich da wäre, würde ich dir ja eins machen. Aber leider...“

„... musst du nach Norfolk.“ Inzwischen standen sie in ihrer Bürotür.

„Aber ich komme wieder.“ Harm beugte sich zu ihr. „Und dann steht unser Date an, Sarah. Mein Hemd und ich freuen uns schon sehr darauf, mit einer sexy Frau auszugehen.“

<Sexy?> „Äh... hm...“ Sie wurde rot. „Haaarm...“

„Das KANN keiner gehört haben, Mac.“ Seine tiefe Stimme war immer noch kaum mehr als ein Flüstern – und ihrem nach Empfinden nach verdammt sexy.

„Trotzdem... ich... uhm...“

„Du wirst jetzt zweieinhalb Tage auf mich verzichten müssen.“ lachte er und richtete sich wieder auf. „Wir sehen uns am Donnerstag wieder. Bye.“

„Bye, Seemann. Und viel Glück.“ Sie sah ihm tief in die Augen.

Der Ex-Pilot starrte genauso intensiv zurück. Er wusste, dass ihr warmer Blick ihn die ganze Zeit begleiten würde. „Wiedersehen.“ Wären die Umstände anders gewesen, hätte er ihr jetzt einen Kuss auf die Wange gegeben. „Ich muss los.“ wisperte er, konnte sich aber nicht von ihren Augen lösen.

„Ich weiß.“ erwiderte sie genauso leise.

Für fast zwei Minuten starrten sie einander in die Augen, ohne sich zu rühren.

„Ähem...“ Ein leises Räuspern holte beide dann wieder in die Gegenwart zurück.

Bud stand mit einem verlegenen Grinsen im Gesicht vor ihnen. „Commander, für Norfolk ist alles vorbereitet. Ich wusste nicht, ob Sie einen Dienstwagen benötigen. Für alle Fälle hab ich mal einen reserviert. Hier sind die Schlüssel.“

„Danke, Bud.“ Harm nahm die Schlüssel entgegen. „Und jetzt holen Sie erstmal Luft.“

„Ja, Sir.“

„Mac, wir sehen uns Donnerstag.“

„Gute Reise, Harm.“

„Danke.“ Er sah ihr nach, wie sie sich an ihren Schreibtisch setzte, und winkte noch einmal. Dann wandte er sich an den wartenden Bud. „Kommen Sie mit, Lieutenant.“

Sie gingen in Harms Büro, wo Rick Costner unter Bewachung wartete. Harm setzte sich.

„So, Rick, von den 23 Personen auf deiner Liste sind 18 verfügbar bzw. zu einer Aussage bereit. Ich fahre gleich nach Norfolk und werde diese 18 befragen.“

„Du willst die doch nicht alle vor Gericht aussagen lassen?“

„Nein, ich picke mir eine Handvoll heraus.“

„Ich hab mich schon gewundert, dass ich nicht dran war mit meiner Aussage.“

„Das ist auch sehr ungewöhnlich. Aber Richter Morris war einverstanden. Zumal der Fall schnell vom Tisch soll.“

Rick seufzte. „Politik.“

„Du sagst es.“ Harm deutete auf Bud. „Lieutenant Roberts bleibt hier. Er genießt mein vollstes Vertrauen. Falls etwas sein sollte, kannst du dich an ihn wenden.“

Bud strahlte erneut wie ein Honigkuchenpferd. „Danke, Sir.“ Er wollte Harms Büro verlassen, kehrte nach wenigen Metern aber noch einmal um und drückte dem Ex-Piloten einen Zettel in die Hand. „Ihre Unterkunft, Sir.“

Harm nickte dankend und wartete, bis Bud sein Büro verlassen hatte. „Rick, falls dir noch etwas Wichtiges einfallen sollte, melde es Bud. Jede Kleinigkeit kann wichtig sein.“

„Ich versuche es, Harm.“ Der blonde Pilot seufzte. „Trotzdem schon mal danke für alles.“

„Erstens ist es mein Job, meine Mandanten bestmöglich zu verteidigen. Zweitens bist du mein Freund, dem ich so ein Verbrechen einfach nicht zutraue. Und drittens habe ich eine bestimmte Vermutung, was passiert ist. Aber darüber kann ich mich noch nicht auslassen. Vielleicht weiß ich Mittwochabend mehr. Ich hoffe es zumindest.“

„Ich vertraue dir, Harm. Alles, was ich sicher weiß, ist, dass ich nie etwas mit dieser Frau hatte.“

Harm schmunzelte. „Außer hin und wieder ein gemeinsames Essen oder einen Drink.“

„So etwas führt aber normalerweise nicht sofort zu Sex.“

Harm dachte an die unzähligen Abendessen mit Mac. „Nein, natürlich nicht.“

„Ich gebe zu, Krennicks Interesse an mir hat mir anfänglich geschmeichelt. Aber als mir klar wurde, dass sie „mehr“ wollte, habe ich abgeblockt, so gut es ging.“

„Das glaube ich dir, Rick. Aber irgendetwas ist passiert. Und ich finde heraus, was das ist.“ Er schaltete seinen Computer aus und winkte den Marine herbei. „Ich muss los. Wir sehen uns am Donnerstag wieder.“

Beide Männer verließen den Raum. Auch Harm machte sich bereit.

„Viel Glück, Seemann.“

Er hob den Kopf und sah eine lächelnde Mac am Türrahmen lehnen.

„Danke.“ Er trat neben sie und griff nach seiner Mütze. „Das war jetzt das dritte Mal, dass du mir Glück wünscht. Dabei fliege ich doch gar nicht.“

Sie löste sich vom Rahmen. „Ich begleite dich noch.“

„Wie komme ich zu der Ehre?“

„Mir ist grad danach.“ grinste sie. In Wirklichkeit wollte sie so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen.

„Dir ist grad danach.“ Er drückte auf den Aufzugknopf.

„Jupp.“

„Höre ich da etwa ein Bedauern darüber, dass ich zwei Tage nicht da sein werde?“

<Ja.> In den letzten Tagen hatten sie fast wie die Kletten aneinander geklebt. „Vielleicht.“

Mit einem „WUUUSCH!“ öffnete sich der Fahrstuhl. Harm betrat die Kabine und drehte sich zu ihr um. Verwundert zog er beide Augenbrauen in die Höhe, als sie ihm folgte.

„Ich hab doch gesagt, ich begeleite dich noch.“ grinste sie und drückte den Abwärts-Knopf.

„Immerhin hätte ich dann Abwechslung, wenn der Lift plötzlich stehen bleiben würde.“ Seine Augen funkelten amüsiert.

Mac grinste zurück. „Es kann aber unter Umständen ganz schön lange dauern, bis der wieder flott gemacht wird.“

„Kein Problem.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ich bin sicher, wir würden schon was finden, um uns die Zeit zu vertreiben.“

Sie sah ihn an. Seine Augen waren einen Tick dunkler geworden, seine Stimme deutlich tiefer. „Flirtest du schon wieder mit mir, Flyboy?“

„Vielleicht.“ lachte er leise. „Soweit ich weiß, bist du aber doch immun gegen meinen Charme.“

„Ich könnte meine Meinung doch geändert haben.“

„Und mir nicht davon gesagt haben?“

Mac lachte. „Hätte ich in dein Büro spazieren sollen mit den Worten: *Harm, ab sofort kannst du mit mir flirten.*?“

Der Ex-Pilot grinste breit. „Warum nicht?“

Keiner von beiden hatte mitbekommen, dass der Aufzug im Erdgeschoss angekommen war und sich die Tür geöffnet hatte.

„Was bitte geht hier vor?“

Beim Klang von Chegwiddens mürrischer Stimme sprangen beide in „Habt-Acht-Stellung“, als hätten sie Spazierstöcke verschluckt.

„Nichts, Sir.“ antworteten sie unisono.

Der Ex-SEAL verschränkte die Arme vor der Brust und legte den Kopf schief. „Nichts?“

„Nein, Sir.“ kam es erneut synchron.

„Rabb, haben Sie etwa vor, mit dem Colonel zu flirten?“

„Ah... na ja, Admiral... ich...“ Harms Hirn beging eine „außerordentliche Subordination“, indem es dachte: <Natürlich, Mister. Auf Teufel komm raus.>

Zu Harms Glück wartete der alte Haudegen die Antwort erst gar nicht ab. „Colonel, wollen Sie sich etwa von diesem Mann beflirten lassen?“

Bevor sie eine Antwort geben konnte, schloss sich die Aufzugtür wieder.

„Guter Gott.“ zischte Harm.

Die beiden Offiziere sahen sich an und fingen an zu grinsen.

Just in diesem Augenblick öffnete sich die Tür wieder und gab den Blick frei auf einen äußerst grimmig dreinschauenden Admiral. „Was bitte sollen diese Spielchen?“

„Spielchen?“ Harm war so verblüfft, dass er jede Etikette vergaß.

„Ahm, der Aufzug ist von alleine wieder zugegangen, Admiral.“ kam Mac dem Ex-Piloten zu Hilfe

„Dann kommen Sie beide mal schleunigst raus aus dem Ding.“

Beide traten aus der Kabine.

„Jetzt erklären Sie mir mal, was es mit diesem Geflirte auf sich hat?“

Sowohl Harm wie auch Mac fanden es äußerst seltsam und unangenehm, das alles in der Öffentlichkeit zu diskutieren bzw. darüber ausgefragt zu werden.

„Es war eine theoretische Diskussion, Sir.“ erklärte Harm schließlich.

„So, so.“ Chegwidden reckte sein Kinn und sah den jüngeren Mann herausfordernd an. „Sie wollen also nicht mit dem Colonel flirten?“ <Na, mein Junge, was sagst du jetzt?>

Der Ex-Pilot schielte kurz zu Mac und bewunderte ihre stoische Haltung. „Das kann ich nicht versprechen, Admiral.“

„Commander, ich habe Ihnen schon einmal gesagt, dass Sie mir für den Fall der Fälle gefälligst VORHER Bescheid sagen sollen.“ Äußerlich gab Chegwidden den gestrengen Vorgesetzten, innerlich amüsierte er sich jedoch köstlich. „Belassen Sie es also bei der Theorie, oder lassen Sie sich von Coates einen Termin geben.“

„Ja, Sir.“ <Termin? Du spinnst doch...>

„Sie sind auf dem Weg nach Norfolk?“

Harm wunderte sich, woher sein CO das schon wieder wusste, nickte aber nur. „Ja, Sir.“

„Colonel, wollen Sie den Commander begleiten?“

Mac war äußerlich immer noch die Ruhe selbst. „Zum Auto, ja; nach Norfolk, nein.“

„Aha.“ Der Ex-SEAL musterte seine beiden Star-Anwälte. Mustergültig standen sie vor ihm und verzogen keine Miene. Im Hintergrund des Flures entdeckte er ein paar Petty Officers, die anscheinend neugierig herumlungerten.

„Matrosen, haben Sie nichts zu tun?“ blaffte er plötzlich los.

Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen lief die Menge auseinander – sehr zur Freude des Admirals.

Er fokussierte sich wieder auf seine beiden Offiziere, die immer noch keine Miene verzogen hatten. Spontan beschloss er, schon mal seine Fühler auszustrecken und für den Fall vorzusorgen, wenn die beiden endlich den Kampf gegeneinander aufgeben und sich zusammenraufen würden. Anscheinend war dieser Tag nicht mehr allzu weit entfernt.

„Gut, gut.“ Er bedachte beide mit einem letzten strengen Blick. „Weitermachen.“

Beide richteten sich noch mehr auf. „Aye, aye, Sir.“

„Mit was auch immer...“ ergänzte Chegwidden und sah Harm ein letztes Mal bedeutungsvoll an, bevor er im gerade mal wieder offenen Aufzug verschwand.

„Ja, Sir.“

Nach drei Sekunden kam wieder Leben in Harm. „Geordneter Rückzug.“ zischte er.

Als wäre nichts passiert, gingen sie an einigen neugierig dreinschauenden Seeleuten und Marines vorbei aus dem Gebäude und zum Parkplatz, wo sie vor Harms Dienstwagen stoppten und sich ansahen.

„Was... hm... was...“ Macs amüsiertes Glucksen wurde immer lauter. „... was... war... das?“

Die Mundwinkel des Ex-Piloten näherten sich seinen Ohren. „Eine Standpauke?“

„Aha.“ brachte sie gerade noch hervor, bevor sie laut losprustete.

Harm stimmte in ihr Lachen ein. „Oh Mann...“

Es dauerte ein paar Minuten, bis sie sich wieder beruhigt hatten.

„Hat er... hm...“ Sie konnte ein letztes Kichern nicht unterdrücken. „Hat Chegwidden wirklich zu dir gesagt, du sollst ihm Bescheid sagen, wenn du mich daten willst?“

Er nickte grinsend. „Hat er.“

„Wann denn?“

„Letzte Woche, als wir den Krennick-Fall bekommen haben. Offenbar hatte er mitbekommen, dass ich dich zum Essen zu mir eingeladen hatte.“ Er erläuterte ihr den „Vorfall“.

„Ups.“ kicherte sie.

„Eigentlich müsste ich ja jetzt zu ihm.“

„Warum?“

„Unser Date am kommenden Sonntag melden...“

„Das kannst du doch auch noch, wenn du von Norfolk zurück bist. Wenn du das jetzt machst, sieht das ein bisschen seltsam aus.“

Er grinste breit. „Ich hab auch nicht die Absicht.“

„Willst du ihm das gar nicht erzählen?“

„Es ist doch gar kein richtiges Date, Mac. Du begleitest schließlich mein neues Hemd. Aber das verlangt mein Hemd, nicht ich.“

Sie schnaubte erheitert. „Also musst du ihn nur dann um Erlaubnis fragen, sollten wir beide...“ Sie deutete zuerst auf ihn und dann auf sich. „... mal ein Date planen... ohne dein Hemd.“

„Ich muss ihn nicht um Erlaubnis fragen, ich soll ihm nur Bescheid sagen.“ Ein süffisantes Grinsen umspielte seine Mundwinkel. „Möchtest du, dass ich zu UNSEREM Date oben ohne komme? Nur mit Jackett?“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Du hast was von „Date planen OHNE Hemd“ gesagt.“

Sie gab ihm einen Klaps gegen die Schulter. „Harm!“

Sein Grinsen wurde noch breiter. „Wir daten am Samstag erst mal mit Hemd. Richtig schick. Alles Weitere sehen wir dann mal.“

„Alles Weitere?“ Argwöhnisch sah sie ihn an.

„Jupp.“ lachte er rau. „Vielleicht ergibt sich ja irgendwann einmal ein weitaus persönlicheres Date... zu zweit... ohne Hemd.“

Bei seinen leisen Worten gingen ihre Gedanken in eine ähnliche Richtung. <Grundgütiger! Verstehe ich ihn richtig?> Ihre Augen weiteten sich erstaunt.

Harm deutete ihr Verhalten durchaus richtig. Sehr zufrieden mit sich selbst – ohne das jedoch zu zeigen – senkte er seine Stimme noch mehr. „Nur du und ich... ein gemütlicher Ort... gutes Essen... leise Musik... vielleicht noch ein paar Kerzen dazu... Wie gefällt dir das?“

Allein schon durch seine Wortwahl und die tiefe, leise Stimme, die samtweich in ihr Ohr rollte, fühlte Mac sich schon halb verführt. Sie spürte, wie sich ihr Puls beschleunigte. <Reiß dich zusammen, Marine.> sagte ihr Verstand. Ihr Herz und der Rest des Körpers waren jedoch vollkommen anderer Meinung.



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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#9 von Evi , 29.01.2014 15:40

Er sah, wie ihre Augen dunkler wurden und sich die Wangen leicht röteten. Auch er musste sich zusammenreißen, da sein Körper reagierte. Erneut war er froh über die Winteruniform.

„Ahm...“ Mehr brachte sie nicht hervor.

Er beugte sich zu ihr. „Die Idee gefällt dir wohl.“

„Aha.“ krächzte sie.

„Zuerst aber daten wir am Samstag... MIT Hemd.“ Er richtete sich wieder auf. „Ich muss los, Mac.“

Sie blinzelte verwirrt. „Was?“

„Norfolk ruft.“ lächelte er sanft.

„Oh... ähm... ja, klar.“ Sie holte tief Luft. „Viel Glück.“

„Danke.“ Er öffnete den Wagen und stieg ein. „Wir sehen uns.“

„Aha.“ nickte sie und winkte ein letztes Mal.

Als er an ihr vorbeifuhr, grinste er breit und warf ihr eine Kusshand zu. Im Rückspiegel sah er, wie ihr Unterkiefer herunterklappte. Sein zufriedenes Grinsen legte er erst gut vier Stunden später ab, als er durch das Tor von Norfolk fuhr.


#+#+#

Donnerstag, 11. Dezember
07:54 Ortszeit
JAG-Hauptquartier, Falls Church


Mac betrat Harms Büro und grinste, als sie zwei Becker Kaffee und eine Papiertüte auf seinem Schreibtisch stehen sah. Ihr Blick wanderte durch den Raum und blieb dann an seinem breiten Rücken hängen, der hinter bzw. unter dem Schreibtisch zu sehen war.

„Verwöhnst du mich immer noch, Harm?“

„Ja, Schatz.“ kam gedämpft seine Antwort.

Sie riss amüsiert die Augen auf. „Schatz?“

Ein dumpfer Laut ertönte, gefolgt von einem lauten „Au!“. Im Aufrichten war der Ex-Pilot gegen die Tischplatte gestoßen.

„Alles okay?“ Sie umrundete den Schreibtisch.

„Na ja...“ Er saß nun aufrecht auf dem Stuhl und rieb sich den Hinterkopf. Verlegen grinste er sie an. „Erschreck mich doch nicht so, Marine.“

„Sorry.“ lächelte sie sanft. „Aber du hast mich „Schatz“ genannt. Ist wirklich alles okay mit dir?“

„Warum?“ Mit großen Augen sah er sie an.

<Er sieht aus wie die Unschuld in Person.> dachte sie amüsiert. „Als du mich das letzte Mal „Schatz“ genannt hast, warst du mit dem Stuhl des Admirals umgekippt.“

Er winkte ab. „Es ist alles in Ordnung, wirklich.“

„Und der „Schatz“?“

„War ein Versehen, sorry.“

Argwöhnisch, aber mit einem herausfordernden Funkeln in den Augen sah sie ihn an. „Ich bin also nicht dein „Schatz“?“

„Maaac...“ Erneut rieb er seinen Hinterkopf.

Sie trat neben seinen Stuhl. „Lass mich mal sehen...“ Ohne eine Antwort abzuwarten, glitten ihre Finger durch sein dichtes Haar.

Harm neigte den Kopf. Er empfand es als äußerst angenehm, wie ihre Finger über seinen Kopf glitten, selbst als sie die Stelle erwischte, wo er sich gestoßen hatte. <Kein Wunder, dass man sagt, Streicheleinheiten tun gut.> Wenige Zentimeter vor seiner Nase befand sich Macs Bauch. Die Uniform roch frisch gereinigt; überhaupt duftete das Wesen vor ihm gut – und auch ein bisschen verführerisch.

Genüsslich schloss er die Augen, nur um sie vier Sekunden später wieder aufzureißen, als er ein Pusten hörte. „Mac?“

„Schsch.“ machte sie und blies noch einmal. „Jetzt wird es nicht ganz so schlimm, Harm. Aber ich fürchte, eine kleine Beule wirst du bekommen.“ Sie trat einen Schritt zurück.

Er hob den Kopf und grinste. „Es ist schon viel besser, danke.“

„Ich glaube, jetzt ist der Kaffee kalt geworden.“ sagte sie mit einem gewissen Bedauern in der Stimme.

Harm grinste breiter. „Das sind neue Thermobecher. Angeblich bleibt der Kaffee darin doppelt so lang heiß.“

„Ja dann...“ Sie nahm sich einen Becher und setzte sich in einen seiner Besucherstühle. „Ist da auch einer für mich drin?“ Sie deutete auf die Tüte.

„Klar.“ Er fischte ihren Schoko-Muffin heraus und gab ihn ihr. „Hier, bitte.“

„Mhm... danke.“ Macs Augen leuchteten auf.

Ohne Eile verzehrten sie dann die Muffins und den Kaffee.

„Hattest du Erfolg in Norfolk?“

„Oooh jaaa.“ erwiderte er gedehnt und lachte. „Du wirst es nachher schon sehen.“

„Glaubst du immer noch, dass du gewinnst?“

„Ich WEISS, dass ich gewinne.“

„Träum weiter, Seemann.“ lachte sie.

„Gerne.“ grinste er. <Von dir doch immer...> „Aber ich habe fünf Zeugen mitgebracht, die mir sehr interessante Dinge erzählt haben.“

„Und wo sind die jetzt?“

Er sah auf die Uhr. „Sollten inzwischen vom Navy-Yard losgefahren sein.“

„So, so.“ Zum ersten Mal war sie verunsichert. Er schien gleich fünf Kaninchen im Hut zu haben. Aber es konnte genauso gut sein, dass er bluffte.

„Da staunst du, gell?“

„Ein bisschen.“ gab sie zu.

„Du wirst noch mehr staunen, Mac.“ lächelte er süffisant.

Sie erhob sich. „Wir werden sehen.“

„Wo willst du hin?“

„Wir müssen los, Chegwidden wartet nicht gerne. Und dann werden wir sehen, wie das im Gerichtssaal wird.“ Trotz seiner Selbstsicherheit verließ sie mit einem siegesgewissen Grinsen sein Büro.

Harm folgte ihr schmunzelnd. <Sie wird ihr blaues Wunder erleben.>

Das allmorgendliche Meeting dauerte nicht lange. Als die Anwälte den Besprechungsraum verlassen wollten, erhob der Admiral erneut das Wort.

„Colonel, Commander, Lieutenant Roberts, bleiben Sie noch.“

„Ja, Sir.“

Schließlich waren sie allein.

„Commander, gleich geht die Anhörung zum Krennick-Fall weiter. Waren Sie erfolgreich in Norfolk?“

Harm nickte. „Fünf Zeugen sind unterwegs vom Navy-Yard hierher.“

„Fünf?“ Der Ex-SEAL riss die Augen auf.

Der Ex-Pilot grinste. „Ich habe mir die besten rausgepickt, Sir.“

„Gut, gut. Vielleicht kommen wir heute schon zu einem Ergebnis.“

„Das wäre zu hoffen.“

Chegwidden nickte. „Das wäre dann auch alles. Wegtreten.“

„Aye, aye, Sir.“ Alle verließen den Raum, der Ex-SEAL als Letzter.

„Bud, Sie kommen mit mir.“ wandte sich Harm an den jüngeren Mann. „Bis gleich, Mac.“

Sie blieb vor ihrem Büro stehen und sah den beiden Männern hinterher, wie sie in Harms Büro verschwanden. „Bis gleich.“

In seinem Büro deutete Harm auf die Tür. „Schließen Sie die Tür.“

Bud tat wie geheißen und setzte sich vor Harms Schreibtisch. „Wie war Norfolk, Sir?“

„Das erzähle ich Ihnen jetzt, Bud.“ Harm bekam das triumphierende Grinsen einfach nicht aus seinem Gesicht. „In Anbetracht der Zeit wird es aber nur eine Kurzversion sein.“

„Kein Problem, Sir.“

Knappe 10 Minuten später war Bud über die wichtigsten Ereignisse informiert. Seine Augen wurden im Verlauf von Harms Monolog immer größer.

„Das war’s im Großen und Ganzen, Lieutenant.“

„Wow!“

Der Ex-Pilot grinste. „Genau das hab ich auch gedacht.“

„Und die Zeugen?“

„Sind unterwegs. Hoffe ich jedenfalls.“

„Aber Commander Costners Aussage steht doch noch aus, Sir.“

„Ich weiß.“ seufzte Harm. „Aber die deckt sich mit denen der Zeugen.“

„Schlechte Karten für Captain Krennick, nicht wahr?“

Harms Grinsen wurde noch breiter, sofern das überhaupt ging. „Gaaanz schlechte Karten.“

„Sie kann einem ja fast schon Leid tun.“

Bevor Harm antworten konnte, klopfte es an der Tür. „Herein!“ rief er.

Ein Marine betrat den Raum. „Commander Costner ist da, Sir.“

„Ah, gut. Bringen Sie ihn rein.“

Begleitet von einem anderen Marine betrat Rick das Büro.

„Morgen, Rick.“

„Morgen, Harm.“ Costner wandte sich an Bud. „Lieutenant.“

„Guten Morgen, Commander.“

Rick wandte sich wieder Harm zu. „Heute gilt es, nicht wahr?“

„Jupp.“ Der Ex-Pilot grinste breit. „Aber es werden einige Leute ein blaues Wunder erleben.“

„Du scheinst dir ja sehr sicher zu sein, dass du gewinnst. Ich meine, ich hoffe das natürlich, aber...“

„Rick, ich WERDE gewinnen.“

Costner lachte. „Dein unerschütterliches Selbstvertrauen hast du jedenfalls nicht verloren.“

Bud schmunzelte über das Geplänkel der beiden. Dann sah er auf die Uhr. „Äh... Commanders... wir sollten vielleicht kurz über unsere Strategie sprechen, viel Zeit bleibt nicht mehr.“

„Danke, Bud.“

In den folgenden Minuten erläuterte Harm, wie er in der Anhörung vorgehen wollte.

Der blonde Pilot verzog zwar ab und zu das Gesicht, nickte aber immer wieder. „Okay, Harm, du bist der Fachmann. Ich vertraue dir, dass du das Richtige tust.“

„Das werde ich auch, Rick.“ Harm erhob sich. „Dann wollen wir mal.“

Eskortiert von dem Marine begaben sie sich in den Gerichtssaal, wo Mac bereits am Tisch saß. Sie bedachte Harm mit einem sanften Lächeln, das dieser auf gleiche Weise erwiderte.

Rick sah den wortlosen Austausch und fand seine Vermutung bestätigt, dass da „etwas“ war. Der Marine, der sie begleitet hatte, nahm ihm die Handschellen ab.

Wenig später ertönte auch schon der Ruf „Erheben Sie sich!“. Alle leisteten dem Folge und setzten sich wieder, nachdem Morris Platz genommen hatte.

„Commander Rabb, sind Sie und Ihr Mandant jetzt bereit?“

„Ja, Euer Ehren.“

„Gut.“

Das war Macs Stichwort. „Ich rufe Commander Rick Costner in den Zeugenstand.“

Rick erhob sich und ging nach vorne.

Dieses Mal nahm Mac die Vereidigung vor und begann dann auch sofort mit der Befragung.

„Commander, schildern Sie uns bitte die Ereignisse am Abend des 21. November.“

Costner nickte und beschrieb den Verlauf des Abends, wie er ihn erlebt hatte – und wie er es auch schon Harm mitgeteilt hatte: Vom gemeinsamen Feierabend-Bier mit seinen Leuten... wie diese nach und nach das Kasino verlassen hatten... wie sich Captain Krennick zu ihm gesetzt hatte.

„Kannten Sie Captain Krennick schon vorher?“

„Ja, Ma’am.“

„Woher?“

„Kennen gelernt haben wir uns dienstlich. Ich war Zeuge in einem Fall. Danach haben wir gelegentlich etwas zusammen getrunken.“

„Waren Sie dann mit ihr verabredet, oder waren das eher zufällige Treffen?“

„Teils, teils, Colonel.“

„Sie haben sich also mit ihr verabredet?“

„Ja, Ma’am.“

„Wollten Sie da etwas von ihr?“

„Nein.“

Mac zog eine Augenbraue hoch. „Wirklich nicht?“

„Na ja...“ Rick sah zu Harm, der leicht nickte.

„Beantworten Sie die Frage, Commander.“

„Am Anfang, da fand ich Allison interessant. Sie ist eine attraktive Frau... ungebunden. Sie reizte mich.“

„Fühlten Sie sich zu ihr hingezogen? Körperlich, meine ich.“

„Am Anfang, ja.“

„Wollten Sie näheren Kontakt mit ihr? Vielleicht sogar Sex?“

„Einspruch!“ rief Harm dazwischen.

„Abgewiesen.“

„Also, Commander Costner, wollten Sie mit Allison Krennick schlafen?“

„Ich habe es am Anfang mal in Erwägung gezogen, den Gedanken aber schnell wieder verworfen.“

„Warum?“

„Im Laufe der Zeit... nach einigen weiteren Treffen... da wurde sie zunehmend aufdringlicher. Das ist etwas, was ich bei Frauen nicht mag, Ma’am. Zumindest nicht in der Art, wie Captain Krennick es gemacht hat.“

Mac nickte. „Haben Sie ihr das gesagt?“

„Indirekt, ja.“

„Warum nicht direkt?“

„Ich wollte nicht unhöflich sein, Colonel.“

„Ist es nicht eher so, dass Sie die Aufmerksamkeit einer gutaussehenden Frau genossen?“

„Einspruch!“

„Stattgegeben.“

„Ich ziehe die Frage zurück.“ Sie bedachte Harm mit einem grimmigen Blick. „Commander, was geschah dann an besagtem Abend, nachdem sich der Captain zu Ihnen gesetzt hatte?“

„Wir haben etwas zusammen getrunken.“

„Alkohol?“

„Ja, Ma’am. Ich bin beim Bier geblieben, sie hat sich eine Karaffe Rotwein bestellt.“

„Haben Sie viel getrunken?“

„Ich hatte schon ein paar Bier mit meinen Männern.“

„Sie waren also nicht mehr nüchtern?“

„Nein, Ma’am. Aber wenn Sie wissen wollen, ob ich betrunken war, lautet die Antwort ebenfalls „nein“.“

„Sie haben sich mit Captain Krennick unterhalten. Worüber?“

„Genau weiß ich das nicht mehr. Vermutlich über „Gott und die Welt“, wie man so sagt. Stützpunktklatsch, Wetter, Politik... Small Talk halt.“

„Den ganzen Abend?“

„Nein, Ma’am. Ich bin gegen 21 Uhr gegangen. Weil ich genug getrunken hatte. Und weil Captain Krennick plötzlich recht... na ja... wie soll ich sagen... Sie wurde aufdringlich.“

Mac kniff die Augen zusammen. „Erläutern Sie das bitte, Commander.“

„Sie legte auf einmal ihre Hand zuerst auf meinen Arm, streichelte ihn. Dabei flüsterte sie: *Sie wollen schon gehen Rick? Haben Sie etwas dagegen, wenn ich Sie „Rick“ nenne?*

„Hatten Sie etwas dagegen?“

„Ehrlich gesagt, ja.“

„Haben Sie ihr das gesagt?“

„Anscheinend nicht deutlich genug, denn sie ignorierte meine Worte und machte einfach weiter.“

„Was hat sie getan?“

„Sie lehnte sich richtig gegen mich, legte ihre Hand auf meinen Oberschenkel, streichelte mich dort. Dazu flüsterte sie: *Sie sind doch bestimmt einsam, Rick. Ich kenne ein gutes Mittel gegen Einsamkeit.*

„Hat sie das näher ausgeführt?“

„Ja, Ma’am. *Alles, was ich dazu brauche, ist ein großes, breites und bequemes Bett.* hat sie gesagt.“

Mac hatte schon einiges im Gerichtssaal gehört, aber eine so dreiste Anmache war auch für sie neu. „Sind Sie darauf eingegangen?“

„Nein, Ma’am, natürlich nicht!“ Costners Stimme wurde laut. Verlegen grinsend wandte er sich an Morris. „Verzeihung, Euer Ehren. Aber das war für mich der Punkt, endgültig Schluss mit diesem Spielchen zu machen. Ich bin aufgestanden, habe gezahlt und bin nach Hause gegangen.“

„Alleine?“

„Ja, Colonel. Auf dem Weg nach draußen habe ich ein paar Bekannte begrüßt. Gegangen bin ich aber allein.“

„Dann haben Sie Captain Krennick also alleine sitzen lassen?“

„Sie hatte sich ungefragt zu mir gesetzt. Ich sah keinen Grund, ihr weiterhin Gesellschaft zu leisten. Außerdem hatte sie noch eine halbe Karaffe Wein vor sich stehen.“

„Das war jetzt aber nicht sehr höflich von Ihnen.“

„Einspruch! Die Anwältin äußert ihre eigene Meinung.“

„Stattgegeben.“ Morris bedachte Mac mit einem strengen Blick. „Unterlassen Sie das, Colonel.“

„Verzeihung, Euer Ehren.“

Er wandte sich an den Gerichtssekretär. „Streichen Sie die letzte Bemerkung von Colonel MacKenzie.“ Dann sah er Mac wieder an. „Fahren Sie fort.“

„Ja, Euer Ehren. Commander Costner, haben Sie Captain Krennick danach noch einmal gesehen?“

„Nein, Ma’am. Erst letzten Montag wieder, zu Beginn der Anhörung.“

„Sie stehen unter Eid, Sir.“

„Ich weiß. Aber ich habe diese Frau erst wiedergesehen, als sie am Montag den Zeugenstand betrat.“

„Nun gut.“ Mac schlenderte zu ihrem Tisch und tat so, als würde sie in ihren Notizen lesen. „Commander, vorhin haben Sie ausgesagt, Sie wären gegangen, weil Sie genug getrunken hatten. Jetzt sagen Sie, Sie hätten genug von Captain Krennick gehabt. Was stimmt denn nun? “

„Beides, Colonel.“

„Ach ja?“

„Einspruch!“

„Schon gut, ich ziehe die Bemerkung zurück. Aber erklären sollten Sie das dem Gericht schon, Commander.“

„Ich wollte gehen, weil ich genug getrunken hatte. Ich habe auch dem Captain gesagt, dass ich gehen wollte. Da hielt sie mich fest... bzw. hinderte mich am Gehen, indem sie meinen Arm etwas fester packte. *Sie wollen doch nicht wirklich schon gehen, Rick? Es ist Wochenende, da könnten wir doch noch ein bisschen Spaß miteinander haben. Ich hatte den Eindruck, auch Sie wären nicht abgeneigt.* Daraufhin habe ich energisch protestiert und bin gegangen.“

„Haben Sie gesehen, was Captain Krennick dann gemacht hat?“

„Nein, Ma’am.“

„Vorerst habe ich keine weiteren Fragen an Commander Costner.“ Sie ging zurück zu ihrem Tisch. „Ihr Zeuge, Commander Rabb.“

Harm erhob sich. Es würde nicht viele Fragen geben; das Meiste war ja schon gesagt.

„Commander Costner, haben Sie je irgendwelche Intimitäten mit dem Captain ausgetauscht? Damit meine ich Umarmungen, Küsse... so etwas in der Art.“

„Nein, Sir.“ Beiden war seltsam dabei zumute, sich zu siezen.

„Hatten Sie jemals die Absicht, das zu tun?“

„Einspruch! Frage schon beantwortet.“

Morris seufzte stumm. „Stattgegeben.“

Der Ex-Pilot drehte Rick den Rücken zu und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Ganz hinten sah er Allison Krennick sitzen. Seine Augen blieben dann an Mac hängen. „Finden Sie den Captain attraktiv, Commander?“

„Auf den ersten Blick, ja.“

Harm sah wieder zu der blonden Frau „Warum nur auf den ersten Blick?“ Sein Blick bohrte sich in den von Krennick.

„Wenn man sie näher kennt, entpuppt sie sich als sehr ehrgeizig und zielstrebig... vielleicht auch ziemlich berechnend. Ich würde nicht sagen, dass sie über Leichen geht, aber...“ Costner machte eine Pause.

„... es gäbe zumindest Schwerverletzte.“

„Einspruch!“ / „Ja.“ / „Stattgegeben.“ Die Worte von Mac, Costner und Richter Morris fielen im Sekundentakt.

„Verzeihung, Euer Ehren.“ Harm warf einen letzten Blick auf Allison Krennick und drehte sich wieder zu Rick. „Hat Sie das abgeschreckt, etwas mit ihr anzufangen?“

„Abgeschreckt nicht gerade. Wie schon gesagt fand ich sie am Anfang interessant.“

„Es hat Sie nicht gestört, dass Captain Krennick höherrangig ist als Sie?“

„So etwas passiert doch ständig, Sir.“

„Ja oder nein?“

„Nein, es hat mich nicht gestört.“

„Haben Sie in der Vergangenheit schon mal eine Beziehung oder Affäre mit einem Vorgesetzten gehabt?“

„Einspruch!“ rief Mac. „Nicht relevant.“

„Euer Ehren, es geht um das Verhalten des Zeugen.“

Morris nickte. „Abgewiesen, Colonel. Beantworten Sie die Frage, Commander.“

„Einmal, Sir.“ gab Costner zu.

„Kommen wir zurück zum fraglichen Abend. Gibt es Zeugen, die Ihre Aussage bestätigen können?“

„Ja, Commander. Sie können meine Männer befragen. “

„Und als die gegangen waren?“

„Das Kasino war gut gefüllt. Ich habe etliche bekannte Gesichter gesehen. Sie haben ja die Liste.“

„Wir werden noch darauf zurückkommen.“ nickte Harm. „Captain Krennick hat also Ihnen gegenüber die bereits erwähnten Avancen gemacht?“

„Ja, Sir, als ich gehen wollte. Anscheinend wollte sie mich unbedingt zum Bleiben bewegen.“

„Indem sie Ihnen ihr „Rezept“ mit dem breiten Bett erläutert hat.“

„Ja.“

„Das klingt nach einer ziemlich deutlichen Anmache.“

„Einspruch! Der Anwalt äußert seine Meinung.“

„Abgewiesen.“

Mac setzte zu einem Protest an. „Aber Euer Ehren...“

„Colonel, noch deutlicher geht es ja wohl kaum, egal, wie man es betrachtet.“

„Ja, Sir.“

„Gut.“ Morris wandte sich an Harm. „Fahren Sie fort, Commander.“

„Danke, Euer Ehren.“ Er sah Rick an. „Commander?“

„Ich empfand das als sehr eindeutige Anmache. Für mich war klar, was sie wollte.“

„Und was wollte sie Ihrer Meinung nach?“

Ricks Antwort kam kurz und bündig. „Sex.“

„Den Sie nicht wollten.“

„Nein, Sir. Ich hatte genug, bin aufgestanden und gegangen.“

„In Ihre Unterkunft?“

Costner nickte. „Auf dem Weg nach draußen habe ich noch einige Kameraden an einem Tisch nahe des Eingangs begrüßt und bin dann auf dem direkten Weg in mein Quartier gegangen.“

„Keine weiteren Fragen an den Zeugen.“ Harm ging zurück zu seinem Tisch.

„Sie können den Zeugenstand jetzt verlassen, Commander.“ meinte Morris nach ein paar Sekunden, als Rick nicht aufstand.

„Verzeihung, Euer Ehren.“ Costner erhob sich und ging ebenfalls zum Tisch der Verteidigung. „Was jetzt?“ raunte er Harm zu.

„Jetzt sollte Mac einen guten Zeugen für deine Schuld parat haben.“

„Harm!“

Der dunkelhaarige Pilot schmunzelte. „Rick, ich habe genug Zeugen für deine Unschuld.“

„Du bist dir sehr sicher, Harm.“

„Sicherer kann ich gar nicht sein.“

Costners Gesichtsausdruck blieb skeptisch. „Hoffen wir das.“

„Colonel MacKenzie, Sie können Ihren nächsten Zeugen aufrufen.“

Mac erhob sich. „Ich rufe Lieutenant Commander Francesca Damiano in den Zeugenstand.“

„Guter Gott!“ zischte Rick.

„Du kennst sie?“

„Äh... na ja... wir... wir haben uns ein paar Mal getroffen...“

Harm sah seinen Freund an und grinste leicht. „Das war doch nicht alles...“

„Uh... nein.“ Der blonde Mann wurde rot.

Bevor Harm etwas sagen konnte, tauchte eine rassige Schönheit in seinem Blickfeld auf, die im Zeugenstand Platz nahm.



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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#10 von Evi , 03.02.2014 13:16

„Wow!“ raunte er leise. „Ich kann dich verstehen, Rick.“

Dieser grinste. „Ich sage nur: Vollblut-Italienerin...“

Mac vereidigte gerade die junge Frau. „Nennen Sie uns bitte Ihren Namen und Stationierungsort, Ma’am.“

„Lieutenant Commander Francesca Damiano, stationiert in Norfolk.“

Harm musterte die Frau sorgfältig. Ihre Haut hatte eine ähnlich dunkle Tönung wie die von Mac; das zu einem Knoten geflochtene Haar glänzte tiefschwarz. Sie sprach mit einem leichten Akzent.

Unter anderen Umständen wäre er sofort interessiert gewesen, aber sein Herz gehörte längst Mac.

„Commander Damiano, Sie kennen den An... hm... den Beschuldigten?“ Mac bekam gerade noch die Kurve. Andernfalls hätte prompt Harms Einspruch ihre Befragung unterbrochen, dessen war sie sicher.

„Si.“

„Woher?“

„Wir hatten beruflich miteinander zu tun.“

Mac nickte. „An dem Abend, um den es hier geht, waren Sie auch im Casino?“

„Ja, Ma’am. Ich habe dort zu Abend gegessen und später noch ein Glas Wein getrunken.“

„Alleine?“

„Ja.“

„Was haben Sie gesehen?“

„Ich sah, wie Rick zusammen mit Captain Krennick an einem Tisch saß.“

„Rick?“

„Commander Costner, Ma’am.“

„Sie kennen ihn näher?“

„Ja, Ma’am.“

„Und Sie kennen auch Captain Krennick.“

„Ja.“

„Sie haben die beiden also an einem Tisch sitzen sehen?“

Die dunkelhaarige Frau nickte. „Ja.“

„Was haben sie gemacht?“

„Ich saß ein paar Tische weiter weg. Daher konnte ich nur sehen, was sie machten. Sie tranken etwas zusammen und unterhielten sich.“

„Sie konnten also nicht hören, worüber sie sich unterhielten?“

„Nein, Colonel.“

„Haben Sie mitbekommen, was dann passierte?“

„Nach einer Weile standen beide auf und verließen das Casino. Sie schienen sich gut zu amüsieren.“

„Woraus schließen Sie das?“

„Sie lachten und gingen Arm in Arm aus dem Casino.“

„Haben Sie gesehen, wohin sie gingen?“

„Nein, Ma’am.“

„Danke, Commander Damiano. Das wäre im Moment alles.“ Mac ging zurück zu ihrem Tisch. „Ihre Zeugin, Commander.“

Harm erhob sich. „Commander, haben Sie den Beschuldigten von vorne oder von hinten gesehen?“

„Einspruch! Die Zeugin hat den Angeklagten bereits identifiziert.“

Harm drehte sich zu Mac. „Frau Anwältin, das hier ist nur eine Anhörung. Ob es zu einer Anklage kommt, werden wir sehen. Und den Grund für meine Frage werden Sie gleich hören.“

„Euer Ehren...“ Mac beugte sich vor.

Morris seufzte erneut stumm. „Einspruch abgewiesen, Colonel. Commander Rabb hat Recht, das hier ist nur eine Anhörung. Allerdings bin auch ich auf den Grund für seine Frage gespannt.“

Mac sank zurück auf ihren Stuhl und bedachte Harm mit einem verärgerten Blick, den dieser jedoch mit einem triumphierenden Grinsen beantwortete.

„Commander Damiano?“

„Ich habe ihn von hinten gesehen, Sir.“

„Was macht Sie dann so sicher, dass es Commander Costner war?“

Sie grinste leicht. „Ich kenne Rick... ich meine natürlich Commander Costner.“

„Aha.“ machte Harm. „Sie sind sich absolut sicher, Ma’am?“

„Absolut, Sir.“

„Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.“ Er setzte sich wieder.

Morris nickte. „Colonel, Sie können Ihren nächsten Zeugen aufrufen.“

Mac erhob sich. „Keine weiteren Zeugen, Euer Ehren.“

Harm musterte sie erstaunt. Eine derart „schlampige“ Arbeitsweise entsprach nicht ihrer Art.

Gerade als Harm sich erheben wollte, sauste Admiral Morris’ Hammer nieder. „Es ist Zeit für die Mittagspause. Die Anhörung wird für eine Stunde unterbrochen.“

Der Ex-Pilot sah auf die Uhr.

„Commander, Sie können Ihre Zeugen dann nach der Mittagspause befragen.“

„Ja, Sir.“

Die meisten Zuhörer verließen den Saal.

„Was machen wir jetzt?“ fragte Rick.

Harm grinste. „Wir schicken Bud in die Kantine und essen eine Kleinigkeit bei mir im Büro.“

„Und meine Bewachung?“ lachte Rick, als der Marine ihm wieder die Handschellen anlegte.

„Corporal, haben Sie einen bestimmten Wunsch bezüglich des Lunchs?“

Der junge Mann wurde rot. Es geschah äußerst selten, dass es einen höherrangigen Offizier interessierte, ob Leute wie er auch etwas essen konnten. „Nein, Sir.“

„Gehen wir in mein Büro.“ Harm wollte sich auf den Weg machen. Dann jedoch wandte er sich an Mac. „Mac, heute musst du alleine lunchen, ich hab eine hungrige Meute zu füttern.“ lachte er. „Du könntest mir aber einen Tipp geben, was ein Marine gerne isst.“

Sie lachte, nicht im Mindesten enttäuscht, dass er keine Zeit für sie hatte. „Nimm einfach das größte Steak, das die Kantine zu bieten hat. Dazu ordentlich Pommes Frites und Ketchup, und ich bin sicher, der junge Mann hier wird glücklich sein.“ Sie deutete auf den Corporal.

Dessen Gesicht leuchtete inzwischen wie eine Tomate. „Ähm... ja, Ma’am.“

„Bis gleich, Mac.“ Mit Costner und dem Marine im Schlepptau verließ Harm den Gerichtssaal und ging in sein Büro. Unterwegs gab er Bud den Auftrag, für alle etwas aus der Kantine zu holen.

Eine gute Dreiviertelstunde später verließen die vier Männer wieder Harms Büro. Wenig später saßen dann alle im Gerichtssaal.

„Erheben Sie sich!“ ertönte der Ruf des Gerichtsdieners.

Nachdem Morris sich gesetzt hatte, sah er Harm an. „Commander, Sie können Ihren nächsten Zeugen aufrufen.“

„Ja, Euer Ehren.“

Harms nächste beiden Zeugen gehörten zu den Männern, mit denen Costner ein Bier getrunken hatte. Sie bestätigten seine Aussage bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie das Casino verlassen hatten.

Mac versuchte jedes Mal, die Aussagen zu entkräften, hatte aber keinen Erfolg damit.

Harm dritter Zeuge hatte Rick Costner alleine am Tisch sitzen sehen, bis sich Captain Krennick zu ihm gesetzt hatte. Kurz danach war der Zeuge gegangen.

Mac gedachte auch hier, die Aussage zu entkräften, aber erneut war diese wasserdicht.

Dann rief Harm Master Chief Shumaker in den Zeugenstand.

Dessen Aussage glich denen der vorherigen Zeugen, bis Harm zu dem Punkt kam, an dem Rick Costner das Casino verlassen hatte.

„Master Chief, Sie haben gesehen, wie Commander Costner das Casino verließ?“

„Ja, Sir.“

„War er alleine oder in Begleitung?“

„Alleine.“

„Sind Sie sicher?“

„Commander, Rick kam beim Verlassen direkt auf den Tisch zu, wo ich mit ein paar Kameraden saß. Wir haben ein paar Worte miteinander gewechselt.“

„Demnach kennen Sie Commander Costner?“

„Schon lange, Sir. Jetzt sind wir wieder in einem gemeinsamen Team.“

„Sagte Commander Costner irgendetwas Besonderes zu Ihnen?“

„Oh ja.“ Shumaker lachte leise. „Er sagte, er würde den „geordneten Rückzug“ antreten, solange er das noch könnte.“

„Hat er das näher erläutert?“

„Nein, Commander. Wir alle hatten gesehen, mit wem er am Tisch gesessen hatte.“

„Und?“

„Na ja...“ Shumaker zuckte mit der Schulter. „Der Captain hat... wie soll ich sagen... sie hat einen bestimmten Ruf in Norfolk.“

Harm riss die Augen auf. „Auf dem ganzen Stützpunkt?“

„Zumindest in dem Bereich, wo ich arbeite.“

„Welchen Ruf hat sie denn?“

„Einspruch!“

„Abgewiesen.“ erwiderte Morris nüchtern. Er ahnte zwar, worauf der Master Chief anspielte, brauchte aber eine Bestätigung seiner Vermutung.

„Master Chief?“

Der Mann rutschte leicht nervös auf seinem Stuhl herum. „Sagen wir mal so: Captain Krennick sucht anscheinend gerne die Gesellschaft alleinstehender Männer.“

„Hm.“ Der Ex-Pilot nickte. „Haben Sie gesehen, was passierte, nachdem Commander Costner gegangen war?“

„Nicht genau, Sir. Aber plötzlich saß ein anderer Mann neben dem Captain.“

„Kennen Sie ihn?“

„Nein, Commander.“

„Können Sie ihn beschreiben?“

„Er war blond, ähnlich wie Rick.“

„Haben Sie gesehen, wie groß er war?“

„Nein, Sir.“

„Hätte man die beiden Männer miteinander verwechseln können?“

„Von weitem durch aus, Commander.“

„Danke, Master Chief. Ich habe keine weiteren Fragen.“ Er setzte sich wieder, wandte sich aber zuvor an Mac. „Ihr Zeuge, Colonel.“

Mac versuchte erneut ihr Glück, die Aussage des Mannes zu zerpflücken. Aber wie bei den anderen zuvor gelang es ihr nicht. Vielleicht würde ja Harms nächster Zeuge einen Angriffspunkt bieten.

Nachdem Shumaker den Zeugenstand verlassen hatte, rief Harm Major Theodora „Teddy“ Quinn auf.

Eine burschikos wirkende junge Frau mit dem typischen Haarschnitt der Marines betrat den Zeugenstand.

Nach der Vereidigung durch Mac legte Harm auch schon los. „Major, Sie waren an besagtem Abend auch im Casino?“

„Ja, Sir.“ kam die knappe Antwort.

„Was haben Sie gesehen?“

„Ich sah, wie sich Lieutenant Commander Chris Lapski zu einer Frau an den Nachbartisch setzte. Dorthin, wo zuvor Commander Costner gesessen hatte.“

„Sie kennen Commander Costner?“

„Vom Sehen, ja.“ Sie sah Rick an.

„Kannten Sie die Frau, neben der er gesessen hatte?“

„Nein, Sir. Aber ich sehe sie dort hinten sitzen.“ Quinn deutete auf Allison Krennick.

„Fürs Protokoll: Die Zeugin identifiziert das mutmaßliche Opfer Captain Krennick.“

„Lieutenant Commander Lapski ist Ihnen bekannt?“

Sie verzog das Gesicht. „Ja, Sir.“

„Woher?“

„Einspruch! Für den Fall nicht relevant.“

„Stattgegeben.“

Die junge Frau antwortete trotzdem. „Ich hatte einmal eine dienstliche Auseinandersetzung mit ihm, Commander.“

„Was taten der Commander und die Frau?“

„Sie tranken zusammen.“

„Was?“

„Einspruch!“

„Abgewiesen.“

„Er schien Wasser zu trinken; sie hatte eine halbvolle Karaffe Rotwein vor sich stehen.“

„Das konnten Sie genau sehen?“

„Ja, Sir. Ich saß am Nachbartisch.“

„Tranken die beiden nur oder machten sie noch etwas anderes?“

„Sie unterhielten sich angeregt.“

„Den ganzen Abend?“

„Ich habe ungefähr eine Dreiviertelstunde mitbekommen, Sir. Bis gegen 22 Uhr.“

„Warum sind Sie sich da so sicher?“

„Mein Dienst begann um 23 Uhr, Commander.“

„Und da waren Sie vorher noch im Casino und haben etwas getrunken?“

„Ein Freund von mir hatte Geburtstag. Ich habe einen Kaffee und zwei Wasser getrunken.“

„Konnten Sie hören, über was Captain Krennick und Commander Lapski geredet haben?“

„Ja, Sir.“

„Was haben Sie mitbekommen?“

„Sie unterhielten sich sehr angeregt. Zuerst war es Smalltalk, aber dann wurde es zunehmend intimer.“

„Intimer?“

„Ja, Commander. Der Captain klagte Commander Lapski ihr Leid, dass sie an dem Abend wohl keinen Spaß mehr haben würde.“

„Hat sie gesagt, was sie damit meinte?“

„Nur dass dazu ein großes Bett gehört.“

„Was machte Commander Lapski?“

„Er schien diesem „Spaß“ nicht abgeneigt zu sein.“

„Inwiefern?“

„Er holte plötzlich ein Fläschchen aus seiner Jackentasche und meinte, damit könne man noch mehr Spaß haben als sonst. Es wäre rezeptfrei und völlig ungefährlich. Man wäre nicht so schnell erschöpft.“

„Wie hat der Captain darauf reagiert?“

„Sie lachte und meinte, für Spaß sei sie immer zu haben. Und wenn er lange dauern würde, fände sie das noch besser.“

„Was passierte dann?“

„Commander Lapski schüttete ihr ein paar Tropfen davon ins Glas, sich selbst aber nicht.“

„Wollte er keinen Spaß?“

„Einspruch! Spekulation.“

„Ich ziehe die Frage zurück.“ Harm hob entschuldigend eine Hand. „Wie ging es weiter, Major?“

„Nach einer Weile verließen beide das Casino, Arm in Arm und lachend. Commander Lapski musste den Captain führen.“

„Warum?“

„Sie schien unsicher auf den Beinen zu sein.“

„Hatte sie zu viel getrunken?“

„Ich weiß es nicht, Sir. Aber es hätte durchaus der Fall sein können.“

„Haben Sie noch etwas von den beiden gesehen, als Sie zu Ihrem Dienst gegangen sind?“

„Nein.“

„Danke, Major Quinn.“ Harm ging zum Tisch zurück.

„Colonel MacKenzie?“ Morris blickte zu Mac.

Diese erhob sich halb aus ihrem Sessel. „Keine Fragen, Euer Ehren.“

Harms Kopf fuhr herum. Fragend sah er sie an.

Mac zuckte jedoch nur leicht mit einer Schulter.

„Major, Sie können dann den Zeugenstand verlassen.“

„Ja, Sir.“ Die junge Frau stand auf und begab sich in den hinteren Teil des Gerichtssaals, wo auch die anderen Zeugen aus Norfolk saßen.

Harm kramte in seinem Koffer und holte ein Blatt Papier hervor. „Euer Ehren, ich habe inzwischen auch das vermisste Beweisstück ausgehändigt bekommen und es dem NCIS zur Untersuchung übergeben. Hier ist die Empfangsbestätigung des NCIS.“ Er trat zum Richtertisch und gab Morris den Zettel. „Der NCIS wird versuchen, aus den vorhandenen Spuren ein DNA-Profil zu erstellen.“

„Danke, Commander.“

„Es wird eine Weile dauern, dieses Profil zu erarbeiten, aber ich bin sicher, dass nichts auf meinen Mandanten hinweisen wird.“

Der dunkelhäutige Admiral war inzwischen zu der gleichen Erkenntnis gekommen. Er sah auf die Uhr. „In Anbetracht der Uhrzeit vertage ich die Anhörung auf morgen früh, 10 Uhr.“ Der Hammer sauste nieder; sie waren entlassen.

Harm seufzte schwer. „Tut mir Leid, Rick. Ich hätte das Theater gerne heute noch zum Abschluss gebracht.“

„Kein Problem, Harm. Die eine Nacht überstehe ich auch noch. Ich denke, jetzt ist klar, was passiert ist.“

„Mhm.“ Der Ex-Pilot nickte. „Da waren garantiert KO-Tropfen im Spiel. Oder etwas sehr ähnliches.“

„Wie geht es jetzt weiter?“

„Die Anschuldigungen gegen dich werden wohl fallengelassen; was mit Krennick geschieht, ist noch unklar.“

Rick nickte. „Aber sie ist doch auch ein Opfer.“

„Das ziemlich blauäugig in eine Falle getappt ist, so plump wie dieser Lieutenant Commander ihr die Tropfen verabreicht hat. Ich vermute, sie wird sich zumindest wegen falscher Anschuldigungen verantworten müssen.“

„Hast du mal wieder Glück gehabt, Seemann?“

Harm blickte auf und direkt in die rehbraunen Augen von Sarah MacKenzie, die vor den Verteidiger- Tisch getreten war.

„Sieht so aus.“ grinste er breit. „Du entschuldigst uns...“

„Bin schon weg.“ lachte sie und eilte aus dem Raum.

Bud erhob sich ebenfalls. „Wenn Sie nichts dagegen haben, Sir, würde ich gerne in mein Büro zurückkehren und schon mal mit dem Bericht anfangen.“

„Gehen Sie ruhig, Bud.“

Rick hatte Mac hinterher gesehen. „Sie sieht nur aus wie Diane, aber sonst...“

„... ist sie ein ganz anderer Mensch.“ ergänzte Harm leise. Er sah einen Marine auf ihren Tisch zusteuern. „Deine Eskorte ist da.“

Während Costner „transportfähig“ gemacht wurde, dankte er Harm noch mal.

„Rick, ich kenne dich lange genug. Zu so etwas bist du einfach nicht fähig.“

„Als Anwalt müsstest du doch wissen, dass Menschen durchaus zu etwas fähig sind, was ihnen nie einer zugetraut hätte.“

„Das stimmt schon, aber eine Vergewaltigung?“ Er schüttelte den Kopf. „Nein, dazu kenne ich dich zu gut.“

„Danke für dein Vertrauen, Harm.“

Ein dezentes Räuspern ertönte. „Entschuldigung, Commander, aber wir müssen los.

„Natürlich, Corporal.“ Der Ex-Pilot grinste. „Eine Frage hab ich noch, Rick: Kennst du Major Quinn näher?“

Der blonde Mann wurde rot. „Na ja...“

„Schon verstanden, Rick.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Du scheinst dich nicht geändert zu haben.“

Costner grinste zurück wie ein typischer Flyboy. „Nicht wirklich.“

„Commander...“ Der Marine wurde ungeduldig.

„Ich bin bereit, Marine.“ Costner erhob sich. „Bis morgen, Harm.“

Harm sah den beiden hinterher. „Bis morgen, Kumpel.“

Als er am Vortag die Aussage von Major Quinn gehört hatte, war er ebenso erstaunt gewesen wie vorhin das Auditorium hier.

Langsam packte er seine Sachen zusammen und kehrte zurück in sein Büro.


#+#+#

Freitag, 12. Dezember
08:04 Ortszeit
JAG-Hauptquartier, Falls Church


Mit der obligatorischen Frühstückstüte in der Hand betrat Harm Macs Büro.

„Guten Morgen.“ grinste er und ließ sich in einen ihrer Stühle sinken. Den Aktenkoffer stellte er neben sich.

„Guten Morgen.“ Mac strahlte. „Du bist spät dran heute.“

„Es wollten zu viele Leute Kaffee haben.“ Er öffnete die Tüte, holte seinen Kaffee und seinen Muffin heraus und stellte die Tüte auf den Schreibtisch. „Bedien dich.“ Er trank einen Schluck.

„Danke.“ Immer noch grinsend begann auch sie, Kaffee und Muffin zu genießen.

„Guten Morgen, Ma’am.“ ertönte wenig später die Stimme von PO Coates. „Oh... guten Morgen, Sir.“ fügte sie hinzu, als sie Harm entdeckte.

„Morgen, Jennifer.“ nuschelte er mit vollem Mund.

„Morgen, Petty Officer.“ Mac sah die junge Frau fragend an. „Was gibt es?“

„Der Admiral schickt mich zu Ihnen. Er meint, Sie beide bräuchten nicht am Morgenmeeting teilnehmen, sollen aber nach Abschluss der Anhörung zu ihm kommen.“

„Okay.“ Mac nickte. „Sonst noch was?“

„Nein.“ Coates nickte beiden zu, bevor sie den Raum verließ. „Ma’am, Sir.“

„Dann haben wir ja ein paar Minuten mehr für uns.“ grinste Harm breit und wedelte mit seinem angebissenen Muffin. „Und für diese Leckereien hier.“

Mac lächelte ihn über den Rand ihres Bechers an. In ihren Augen saß die größte „Köstlichkeit“ auf einem Stuhl vor ihrem Schreibtisch und verspeiste mit Genuss seinen Blaubeer-Muffin nebst Kaffee. „Jupp.“ antwortete sie schlicht.

Den Rest des Frühstücks verbrachten sie schweigend, warfen sich aber hin und wieder tiefe Blicke zu.

Schließlich sah Harm auf die Uhr. „Ich muss los.“

„Zum Gerichtssaal ist es doch nicht weit, du kannst noch was bleiben.“

„Ich will aber erstmal mein Büro startklar machen.“ grinste er und griff nach seinem Koffer.

„Okay.“ lachte sie. „Vergiss dein Schlussplädoyer nicht.“

Er grinste süffisant. „Bist du etwa die Einzige, die noch von der Unschuld meines Mandanten überzeugt werden muss?“

dachte sie. „Vielleicht...“

„Maaac, selbst dir dürfte doch klar sein, was passiert ist.“

Sie nickte. „Es gab unfreiwilligen Sex, im Allgemeinen auch als „Vergewaltigung“ bezeichnet... es gab ein Opfer... es gab einen Täter.“

„Ich stimme dir in allen Punkten zu. Einzig in der Person des Täters dürften wir uneins sein.“

„Nicht mehr, Seemann.“

Harm riss die Augen auf. „Wie bitte?“

„Ich weiß, dass ich nicht darüber reden sollte, aber auch ich glaube nicht mehr an die Schuld von Commander Costner.“

Er grinste breit. „Ich wusste das schon immer.“

„Wehe, du verwendest das jetzt gegen mich!“

„Maaac!“ Er legte eine Hand auf die Brust. „Du beleidigst mich ja.“

Ihr Blick wurde ernst. „Du hast schon ganz andere Sachen gemacht, Harm.“

„Ich weiß.“ Er senkte den Kopf. „Sorry.“

„Mach dich lieber auf in dein Büro, wir haben noch 14 Minuten und 41 Sekunden.“

„Hoppla.“ Er erhob sich und eilte in sein Büro.

„Bis gleich!“ rief sie ihm hinterher, was er allerdings nicht mehr mitbekam.

In seinem Büro stellte Harm den Koffer ab und fuhr seinen PC hoch. Dann sammelte er alle benötigten Unterlagen zusammen.

„Guten Morgen, Sir.“ Ein Klopfen am Türrahmen ließ ihn aufblicken. „Sind Sie bereit?“ Bud sah ihn erwartungsvoll an.

„Jupp.“ grinste er und erhob sich. „Dann wollen wir mal.“

Mac wartete bereits startbereit vor ihrem Büro.

„Oooh, welch hübsche Eskorte.“ grinste der Ex-Pilot.

Sie kicherte. „In der Gesellschaft zweier starker Männer fühle ich mich doch wohler.“

Während Bud vor Stolz kein Wort hervorbrachte und grinste wie eine ganze Herde Honigkuchenpferde, blieb Harm stehen und sah sie mit großen Augen an. „So etwas aus deinem Munde? Als Marine?“

„Jupp.“ Ihr Lachen wurde lauter.

„Tse.“ machte der dunkelhaarige Mann und schüttelte den Kopf.

Mac ging derweil weiter. „Wir haben noch 7 Minuten und 52 Sekunden, Jungs.“

Harm verdrehte nur die Augen und grinste Bud an, der genauso „dämlich“ zurückgrinste.

Wenig später betraten alle drei den Gerichtssaal.

Rick Costner saß schon an seinem Platz und wunderte sich über den fröhlichen Umgangston zwischen Harm und Mac.

„Morgen, Harm. Guten Morgen, Lieutenant.“ begrüßte er seine beiden Verteidiger.

„Morgen, Rick. Alles klar?“

„Ja, mir geht’s gut.“ Er beugte sich zu Harm. „Läuft da was zwischen dem Colonel und dir?“ fragte er leise.



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#11 von Evi , 03.02.2014 13:29

Harm versuchte, eine neutrale Miene aufzusetzen. „Warum?“

„Na ja...“ Costner senkte die Stimme noch mehr. „Ihr benehmt euch, als ob ihr ein Paar wärt.“

„Sind wir aber nicht.“ erwiderte der Ex-Pilot mit einem Seitenblick zu Mac. <Leider.>

Bevor Rick dann etwas sagen konnte, ertönte schon der Ruf: „Erheben Sie sich!“

Alle Anwesenden standen auf, warteten, bis Admiral Morris sich gesetzt hatte, und nahmen dann wieder Platz.

„Sind die Parteien bereit?“

„Ja, Euer Ehren.“ kam es unisono von Harm und Mac.

„Können wir die Zeugenbefragung abschließen, oder hat einer der Anwälte noch neue Zeugen oder Fragen an die bereits gehörten?“

Mac schüttelte den Kopf. „Keine Fragen, Euer Ehren.“

„Commander Rabb?“

Harm erhob sich und blickte zu den Besucherplätzen. „Ich rufe erneut Captain Allison Krennick auf.“ Er wollte keineswegs die Karriere der blonden Frau zerstören, aber die nächsten Minuten würden wohl über ihr Schicksal entscheiden.

Allison Krennick erhob sich und ging zum Zeugenstand, wobei sie Harm im Vorübergehen einen giftigen Blick zuwarf.

„Captain, bedenken Sie bitte: Sie stehen noch unter Eid.“

„Ja, Commander.“

„Sie haben gestern gehört, was einige Zeugen ausgesagt haben?“

„Ja, Sir.“

„Sind Sie aufgrund dieser Aussagen immer noch der Meinung, Commander Costner hätte Ihnen das angetan?“

Allison Krennick senkte den Kopf, wohl wissend, dass mit ihrer Antwort ihre Karriere ein jähes Ende finden könnte. „Nein, Sir.“ wisperte sie.

„Lauter bitte, Ma’am.“

Die blonde Frau hob den Kopf und sah ihn mit einem Blick an, der sogar Mac frösteln ließ. „Nein, SIR.“

Harm überging ihren beißenden Tonfall. „Warum haben Sie dann Commander Costner beschuldigt?“

„An ihn und den gemeinsamen Drink konnte ich mich erinnern.“

„Aber nicht an Lieutenant Commander Lapski?“

„Nein. Der Name sagt mir auch nichts.“

„Sie können sich aber daran erinnern, dass und vor allem WIE Sie vergewaltigt wurden.“

„Ja, Commander.“

„Warum können Sie sich an die Tat erinnern, nicht aber an den Täter?“

„Anscheinend war ich nicht völlig weggetreten. Ich habe gespürt, wie mir jemand die Unterwäsche ausgezogen hat. Ich habe gespürt, wie jemand in mich eingedrungen ist. Ich weiß aber nicht, wer dieser „Jemand“ war.“

„Sie haben ausgesagt, das Ganze wäre in der Unterkunft von Commander Costner passiert.“

„Da habe ich mich wohl auch geirrt. Als ich etwas klarer denken konnte, wusste ich, dass ich nicht in MEINER Wohnung war. Also „musste“ es aus meiner Sicht die von Commander Costner gewesen sein.“

„Was ja nicht der Fall war.“

„Nein.“

„Hohes Gericht, ich habe in Norfolk den NCIS angewiesen, die Unterkunft von Lieutenant Commander Lapski forensisch zu untersuchen. Vielleicht lassen sich noch Spuren des Verbrechens finden.“

Morris nickte. „Danke, Commander.“

Harm wandte sich wieder an Allison. „Danke, Captain. Ich habe keine weiteren Fragen an die Zeugin.“ Er ging zurück zu seinem Tisch und setzte sich, wobei er es vermied, Allison Krennick anzusehen, als diese zurück zu ihrem Platz ging.

„Colonel MacKenzie?“

„Keine Fragen, Euer Ehren.“

„Gut.“ Der dunkelhäutige Admiral nickte. „Sind Sie dann bereit für Ihre Schlussplädoyers?“

„Ja, Euer Ehren.“ kam die synchrone Antwort.

Beide Plädoyers fielen dann überraschend kurz aus und klangen vom Wortlaut her so ähnlich, dass Morris erstaunt die Augen aufriss.

Mac musste niemanden von der Schuld Costners überzeugen, und Harm niemand von dessen Unschuld.

Allison Krennick war das Opfer eines abscheulichen Verbrechens geworden; der Täter war inzwischen bekannt und würde bestraft werden. Wie, das musste eine andere Verhandlung ergeben.

Was mit Krennick und ihren falschen Anschuldigungen Commander Costner gegenüber passieren würde, war eine weitere zu klärende Frage. Vermutlich sogar die schwerste.

Schließlich ergriff Morris das Wort. „In Anbetracht der Umstände und der gestern gehörten Zeugenaussagen wird auf eine Anklageerhebung verzichtet. Was mit Captain Krennick geschehen soll im Hinblick auf ihre – wenn auch nicht beabsichtigten – falschen Anschuldigungen, werde ich eine Empfehlung an ihren kommandierenden Offizier abgeben.“ Er sagte jedoch nicht, welcher Art diese sein würde.

„Die Verhandlung ist beendet.“ Der Hammer sauste auf den Holzklotz. „Commander Costner, Sie sind ein freier Mann.“

Rick erhob sich. „Danke, Euer Ehren.“ Er wandte sich an Harm. „Danke natürlich auch dir, Harm. Und Ihnen auch, Lieutenant.“

„Es war mein Job, Rick. Abgesehen davon hatte ich nie Zweifel an deiner Unschuld.“

„Wird es einen Eintrag in meiner Dienstakte geben?“

„Einen Eintrag bestimmt. Aber da wird auch drinstehen, dass du zu Unrecht beschuldigt wurdest. Ich glaube nicht, dass sich das negativ auswirken wird.“

„Optimist.“ lächelte Rick gequält. „Du bekommst ihn ja nicht.“

„Rick, ich habe genug Einträge in meiner Akte.“

„Und bist trotzdem der Held. Ich habe also doch noch Chancen.“

Die Stimme von Allison Krennick unterbrach ihren freundschaftlichen Plausch. „Gut, gemacht, Commander, wirklich gut.“

„Ma’am...“ Harm wollte sich erheben.

„Bleiben Sie sitzen, Harm.“ Sie lehnte sich gegen den Tisch, argwöhnisch beäugt von Mac, die ihre Sachen zusammengepackt hatte und eigentlich den Raum verlassen wollte.

„Captain, Sie müssten doch auch ein Interesse an der Wahrheit haben.“

„Das habe ich auch, Commander, auch wenn es nicht den Anschein hat. Meiner Karriere dürften Sie aber einen gehörigen Dämpfer verpasst haben.“

Harm machte schon den Mund auf, um etwas zu erwidern, aber sie winkte ab und wandte sich an Costner. „Es tut mir Leid, dass ich Sie fälschlicherweise beschuldigt habe, Commander. Aber ich kann mich beim besten Willen nicht an den Täter erinnern, nur an Sie.“

Der Ex-Pilot glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. Das klang nicht nach der Allison Krennick, die er kannte. Und die mitunter wirklich über Leichen gehen konnte.

„Ma’am, darf ich offen zu Ihnen sprechen?“ fragte Rick Costner.

„Natürlich.“

„Captain, ich werde meine nun vorherrschende Meinung über Sie nicht ändern. Ich glaube Ihnen sogar, dass Sie Ihre Anschuldigungen bedauern. Da die Wahrheit ja doch noch ans Licht gekommen ist, nehme ich Ihre Entschuldigung an. Jeden weiteren und/oder näheren Kontakt mit Ihnen möchte ich in Zukunft jedoch vermeiden.“ Er holte tief Luft. „Es tut mir Leid, dass auch Sie ein Opfer geworden sind.“

„Faire Worte, Commander.“ Allison nickte. „Mehr kann ich nicht verlangen.“ Sie löste sich vom Tisch. „Viel Glück, Commander.“

„Ihnen auch, Captain.“

Krennick wandte sich an den Ex-Piloten. „Harm, Sie sind immer noch der gerissen Hund, der in letzter Minute die Kaninchen aus dem Bau holt.“

„Danke, Ma’am.“ grinste dieser breit, fast schon ein wenig frech.

„Vielleicht kreuzen sich unsere Wege noch einmal. Oder wollen auch Sie keinen Kontakt mehr mit mir?“

Mac spitzte die Ohren. <Sie kann es einfach nicht lassen!> dachte sie empört.

„Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, Captain.“ war Harms nüchterne Antwort.

„Ihre wird vermutlich rosiger sein als meine.“

<Das hoffe ich doch – allerdings aus einem ganz anderen Grund.> dachte er und schielte zu Mac. Als er ihren Gesichtsausdruck sah, schmunzelte er innerlich. <Sie ist eifersüchtig...>

Krennick redete bereits weiter. „Ich wünsche Ihnen Glück, Harm, was immer Sie auch machen werden.“

„Danke, Ma’am.“

„Wiedersehen.“ Die blonde Frau verließ den Saal.

„Und jetzt?“ meldete sich Rick zu Wort.

Harm lachte. „Jetzt bist du ein freier Mann, Rick. Du kannst gehen, wohin du willst; und du kannst machen, was du willst. Ich rate dir aber dringend davon ab, dich wieder in eine Situation zu begeben, die dich vor Gericht bringen könnte.“

„Ich werde mich bemühen, Harm.“

„Glückwunsch, Commander.“ Mac war vor ihrem Tisch aufgetaucht.

Ein breites Fliegergrinsen traf sie. „Danke, Ma’am.“ Seine blauen Augen strahlten sie an. Was ein Lächeln auf ihr Gesicht zauberte. Welches wiederum argwöhnisch von Harm zur Kenntnis genommen wurde. „Sagen Sie doch „Rick“ zu mir, Colonel.“ Jetzt, wo alles vorbei war, konnte er ihr diese vertraute Anrede anbieten.

„Dann bin ich „Mac“.“ grinste sie. „Es ist bald Lunchzeit. Sollen wir irgendwo zusammen was essen gehen?“

Rick sah auf die Uhr. „Stimmt.“

„Ich hätte dich vielleicht vorwarnen sollen, Rick.“ lachte Harm. „Mac ist ein wandelndes Präzisionsuhrwerk. Sie weiß immer, wie spät es ist.“

„FAST immer, Flyboy. Was ist jetzt mit dem Lunch?“

<Flyboy?> Costner musterte sie unauffällig. Erwartungsvoll ruhte ihr Blick auf Harm.

„Harm, Mac, seid mir bitte nicht böse, aber ich will so schnell wie möglich zurück nach Norfolk. Geht ruhig ohne mich essen.“

„Bist du sicher, Rick?“

„Absolut sicher, Kumpel. Ich muss mich ja auch noch um den Transport kümmern. Bevor halb Washington ins Wochenende aufbricht, will ich weg sein.“

„Fragen Sie doch Bud. Im Organisieren ist er ein Genie.“ Mac lächelte den blonden Mann an. „Wenn Sie wirklich nicht mitkommen wollen.“

„Nein, ich will so schnell wie möglich zurück.“ versicherte Costner. „Meine Männer wollen ja auch wissen, wie das Ganze ausgegangen ist.“

„Harm, kommst du wenigstens mit?“

„Klar doch.“ Der Ex-Pilot lachte. „Schließlich schuldest du mir ein Essen.“

Sie lachte, als sie Ricks irritierten Blick sah. „Der Verlierer schuldet dem Gewinner ein Essen, wenn wir vor Gericht gegeneinander antreten.“

„Und wie ist das Verhältnis?“ Costner schmunzelte.

„Ziemlich ausgeglichen, würde ich sagen.“

Harm zuckte mit der Schulter. „Also ich hab nicht mitgezählt.“

„Ich ehrlich gesagt auch nicht.“ gab Mac zu.

„Na ja, jetzt hat Harm einen Pluspunkt mehr auf der Liste.“ grinste Rick. „Stört Sie das, Mac?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ausnahmsweise nicht. Ebenso wie Harm hatte ich von Anfang an ein merkwürdiges Gefühl bei der Sache.“

„Du kanntest doch weder Krennick noch Rick.“

„Bauchgefühl, Seemann. Lag vermutlich hauptsächlich an dem fehlenden medizinischen Bericht.“ Sie sah sich um und deutete auf den inzwischen leeren Gerichtssaal. „Wollen wir hier eigentlich Wurzeln schlagen?“

„Gott, nein.“ Costner stimmte in ihr Lachen ein und erhob sich. „Ich begebe mich jetzt mal auf die Suche nach Lieutenant Roberts.“ Er verließ den Raum.

„Lass uns auch gehen, Harm.“

Er grinste und stand auf. „Hunger?“

„Aha.“ nickte sie. „Chinesisch?“

„Gute Idee.“

Ohne Eile begaben sie sich ins Bullpen und zu ihren jeweiligen Büros.

„In 10 Minuten hole ich dich ab, Flyboy.“ meinte sie auf der Schwelle ihres Büros.

Harm grinste breit. „Ich werde bereit sein.“

„Wer’s glaubt...“ lachte sie über ihre Schulter.

Kopfschüttelnd und immer noch grinsend betrat Harm sein Büro und stellte den Koffer ab.

„Sie ist eine klasse Frau, nicht wahr?“

Der Ex-Pilot drehte sich um. „Ja, das ist sie.“

Rick hatte sein Büro betreten und grinste ihn vielsagend an. „Was läuft da eigentlich zwischen euch?“

„Nichts.“

„Harm, das kannst du deiner Großmutter erzählen, aber nicht mir. Ich habe Augen im Kopf.“

„Meine Großmutter nervt mich deswegen auch schon ständig.“ Harm verzog leicht gequält das Gesicht. „Hat Bud was für dich gefunden?“

„Ja, erstaunlich schnell. Ihr habt gute Leute hier.“

Nun grinste Harm arrogant. „Ins HQ kommen halt nur die Besten.“

„Mach das Fenster auf.“

„Warum?“

„Hier stinkt’s.“

„Hä?“

Rick lachte laut. „Eigenlob stinkt, Buddy.“

„Idiot!“ Harm knuffte seinen Freund in die Seite.

„Feiern Sie Ihren Sieg, Gentlemen?“ Chegwidden erschien im Türrahmen.

Zwei Navy-Commander standen plötzlich stocksteif da. „Sir!“

„Rühren.“ Der Ex-SEAL betrat das Büro. „Also?“

„Ja, Sir.“ antworteten sie synchron.

Der Admiral legte den Kopf schief und sah Harm an. „Rabb, Sie erstatten mir doch Bericht?“

„Natürlich, Sir. Wenn es Ihnen passt, komme ich nach dem Lunch vorbei.“

„Es passt ausgezeichnet, Commander. Um 17 Uhr habe ich einen Termin bei Sheffield im Pentagon. Es geht zwar nicht um Ihren Fall, aber er wird mich garantiert danach fragen. Ich würde ihm dann gerne eine Antwort präsentieren.“

„Verstanden, Sir.“ Der dunkelhaarige Mann checkte seinen Kalender. „Es liegen keine Termine an am Nachmittag. Wenn es recht ist, bin ich gegen 15 Uhr bei Ihnen. Was ist mit Colonel MacKenzie?“

„Machen Sie Ihren Termin mit PO Coates aus. Der Colonel hat bereits einen Termin.“ Chegwidden wandte sich an Rick. „Commander Costner, ich wünsche Ihnen alles Gute.“

<So etwas hört man auch nicht alle Tage von einem Admiral.> „Danke, Sir.“

„Weitermachen.“ Chegwidden verließ das Büro.

„Ja, Sir.“ Erneut standen sie stramm.

Costner erwachte als erster aus seiner Starre. „Ist er immer so?“

„Wie?“

„Mal brummig, mal nett. Das ist das erste Mal, dass mir ein Zwei-Sterne-Admiral einfach so alles Gute gewünscht hat.“

„Das ist eben Rear-Admiral AJ Chegwidden.“ Harm lachte. „Er ist streng, setzt sich aber auch für seine Leute ein. Ich glaube, er sieht uns als so etwas wie sein persönliches SEAL-Team an.“

„Wofür steht denn das „AJ“?“

„Ich glaube nicht, dass Chegwidden das jeden wissen lassen will.“

„Haaarm...“

Der Ex-Pilot schmunzelte. „Albert Jethro.“

„Oh.“

Mac erschien in der Tür. „Seid ihr Flyboys fertig?“

„Yep.“ kam die synchrone Antwort der beiden Männer, gefolgt von einem ebenso synchronen Flyboy-Grinsen.

Sie schüttelte lachend den Kopf. „Flieger...“

„Haben Sie etwa was gegen Flieger, Mac?“

„Nein.“ Sie lachte immer noch. „Es sind ja nicht alle so wie er.“ Mit einem frechen Grinsen deutete sie auf Harm.



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Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#12 von Evi , 05.02.2014 09:13

Prompt kam dessen Protest. „Maaac!“ Er hatte eine Hand auf die Brust gelegt und sah sie mit großen Augen an.

„Lass dir gesagt sein...“ Gutmütig tätschelte sie seinen Arm. „Ganz so schlimm wie du jetzt vielleicht denkst, bist du nicht.“

„Na, da bin ich aber froh.“ grinste der Ex-Pilot breit und griff zum Telefon, um den Termin beim Admiral mit Coates abzuchecken.

Amüsiert hatte Rick das Geplänkel der beiden verfolgt. <Anscheinend ist das ihr üblicher Umgangston.> Theoretisch wäre er gerne mit ihnen essen gegangen – allein schon Harms wegen –, aber dann hätte er sich wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt.

„Ich mache mich auf den Weg, Leute.“

„Willst du wirklich nicht mitkommen, Rick?“

Der blonde Pilot wandte sich an Mac. „Ist er immer so hartnäckig?“

„Meistens ja.“ Sie schielte zu Harm. „Vor allem, wenn es um die Wahrheit geht.“

„Na ja, bei mir hat es funktioniert. Aber ich muss los. Das Essen holen wir nach, Kumpel. Vermutlich werde ich bald in Washington zu tun haben, dann erwarte ich ein kaltes Bier.“

„Sollst du haben, Buddy. Wir begleiten dich nach draußen.“ Harm schob Mac zur Tür hinaus.

Gemeinsam schlenderten alle zum Fahrstuhl.

„Wo ist Lieutenant Roberts? Ich will mich auch von ihm verabschieden.“

„Einen Moment.“ Harm machte auf dem Absatz kehrt und eilte zu Buds Büro. „Mitkommen, Mr. Roberts.“

„Äh...“ Bud erhob sich und folgte Harm. „Sir?“

Der dunkelhaarige Ex-Pilot stoppte dann vor Rick und Mac. „Bitte sehr.“

„Lieutenant Roberts, ich wollte Ihnen nur danken für das, was Sie für mich getan haben. Sie sind ein guter Anwalt.“

Bud strahlte. „Danke, Sir.“

„Machen Sie weiter so, und er...“ Rick deutete auf Harm. „... kommt eines Tages in arge Schwierigkeiten.“

„Das passiert bereits.“ grinste Mac. „Zu Harms Leidwesen immer häufiger.“

Dieser grinste und klopfte Bud anerkennend auf die Schulter. „Wir haben ihn halt zu gut erzogen, Mac.“

„Alles Gute für Sie, Commander Costner.“ Bud gab dem Mann die Hand und ging zurück in sein Büro.

„Feines Kerlchen.“ sinnierte Rick, während sie auf den Aufzug warteten.

„Aha.“ kam es unisono von Harm und Mac.

Alle drei betraten die Kabine des Liftes.

„Rick, wenn du demnächst in Washington bist, melde dich.“

„Das habe ich doch eben schon gesagt.“

„Ich wollte dich nur noch mal dran erinnern.“ Harm grinste. „SO löchrig ist mein Gedächtnis nicht.“

„Sicher?“ kicherte Mac dazwischen.

„MAC!“

Inzwischen hatten sie auch den Parkplatz erreicht.

Harm deutete auf einen Wagen. „Das dürfte deiner sein, Rick.“

„Tja, dann mache ich mich mal auf den Weg.“ Costner gab Mac die Hand. „Wiedersehen, Mac.“

Sie lachte. „Wiedersehen, Rick. Aber nicht wieder unter solchen Umständen wie jetzt.“

„Gott bewahre!“ grinste er und drehte sich zu Harm. „Mach’s gut, Kumpel.“

„Du auch.“

Die beiden Männer umarmten sich herzlich.

„Ich erwarte eine Einladung zur Hochzeit, Harm.“ flüsterte der blonde Mann seinem Freund ins Ohr.

Harm wurde rot. „Rick!“ zischte er.

„Mach’s gut, Buddy.“ grinste Costner, als er sich wieder vom Harm löste.

Amüsiert hatte Mac den Abschied der beiden Freunde verfolgt. Es war schön zu sehen, dass Harms alte Freunde auch wirkliche Freunde waren – und umgekehrt. Was immer auch Rick gesagt hatte, Harm schien „peinlich berührt“ davon zu sein.

Rick Costner winkte ein letztes Mal, bevor er in den Wagen stieg und losfuhr.

„Er ist ein netter Kerl.“ meinte Mac auf dem Weg zu Harms Lexus.

„Ja, das ist er.“ Harm lächelte. „Darum konnte ich mir auch nicht vorstellen, was ihm vorgeworfen wurde.“

„Viel Kontakt habt ihr aber nicht, oder?“

„Nein, aber wir haben uns auch nie völlig aus den Augen verloren.“

Sie standen nun vor dem SUV und stiegen ein.

„Hatten wir uns eigentlich schon geeinigt, wo wir essen gehen?“

„Harm, dein Gedächtnis scheint heute wirklich etwas löchrig zu sein. Wir wollten zum China-Mann.“

„Maaac...“

„China-Mann, Commander.“ erwiderte sie in ihrem besten Marine-Befehlston. „Ich hab Hunger!“

„Aye, Ma’am!“ Der Ex-Pilot salutierte lässig.

Das Essen verlief dann wie so viele zuvor in ziemlich lockerer Atmosphäre. Sie alberten herum, genossen ihre Menüs und ließen die Welt der Paragraphen außen vor. Der Rückweg ins HQ bildete keine Ausnahme.

Harm brachte dann seine Mütze in sein Büro. „Ich muss zum Admiral, Bericht erstatten über die Krennick-Anhörung.“

„Okay.“ erwiderte Mac. „Wir sehen uns noch?“

„Natürlich.“ grinste er und beugte sich zu ihr. „Schließlich müssen wir ja noch die Details für morgen klären. Mein Hemd will wissen, wann wir dich abholen sollen.“

Sie lachte herzhaft. „Bis später, Kindskopf.“

Sie verließen Harms Büro. Und während Mac in ihrem verschwand, begab Harm sich ins Vorzimmer von Chegwiddens Büro. „Jennifer, kann ich zu ihm?“

„Ja, Commander.“ nickte sie.

„Danke.“ Der Ex-Pilot klopfte an die Tür und trat ein.

„Ah, Commander, setzen Sie sich. Der Fall Krennick ist also vorbei.“

„Ja, Sir.“ In kurzen Worten berichtete Harm dann von Verlauf und Ergebnis der Anhörung.

„Gut gemacht, Commander. Ich erwarte dann Ihren ausführlichen Bericht.“

„Schon begonnen, Sir.“

Chegwidden nickte zufrieden. „Das wäre dann auch alles, Harm. Oder haben Sie noch etwas?“

„Nein, Sir.“ Das kommende Date mit Mac wollte er seinem CO keinesfalls auf die Nase binden.

„Gut, wegtreten.“

Harm erhob sich und grüßte stramm. „Aye, aye, Sir.“

Zurück in seinem Büro verbrachte er dann den größten Teil des Nachmittags damit, den Bericht über die Anhörung zu schreiben. Gegen 17 Uhr war er fertig damit.

<Zeit fürs Wochenende.> grinste er mit einem Blick auf seine Uhr. Rasch speicherte er alles ab und fuhr den PC herunter. Er packte seinen Koffer und griff nach seinem Cover.

Immer noch grinsend verließ er sein Büro. Wie üblich warf er einen Blick in Macs Büro. Dort brannte noch Licht.

Schmunzelnd lehnte er sich gegen den Türrahmen.

„Komm rein.“ Mac winkte ihn mit einer Hand herein, sah aber nicht auf.

Er trat vor ihren Schreibtisch. „Wäre dir 19 Uhr genehm?“

„Wie?“ Sie sah ihn an.

Er grinste breit. „Mein Hemd lässt fragen, ob es okay ist, wenn wir dich um 19 Uhr abholen kommen.“

„Vollkommen okay.“ lächelte sie.

„Wir freuen uns schon.“

„Ich freue mich auch, Harm. Vor allem auf dein Hemd.“

„Freust du dich auch ein bisschen auf mich?“

Sein Dackelblick entlockte ihr ein lautes Lachen. „Natürlich.“

Er grinste beruhigt. „Mach dich schick, mein Hemd stellt hohe Ansprüche.“

„Ich denke, dein Hemd wird zufrieden sein.“

„Guuut.“ machte er gedehnt. „Dann sehen wir uns morgen um 19 Uhr.“

„Jupp.“ Sie lächelte. „Bis morgen, Harm.“

„Bye.“ Er verließ ihr Büro und machte sich auf den Heimweg.

„Bye, Seemann.“ wisperte sie und starrte noch eine Weile verträumt in die Leere. <Wir haben ein Date!>

#+#+#

Samstag, 13. Dezember
14:52 Ortszeit
Macs Appartement, Washington DC


Mac stand im Bad vor dem Spiegel und starrte die Person an, die ihr aus dem Glas entgegenschaute. Das sollte sie sein??? Ein fremdartiges Wesen glotzte sie an: Dicke rote Nase, verquollene und glasige Augen.

„TSCHI!“ Mac nieste zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Tag. <Verfluchte Sch... warum ausgerechnet heute?>

Letzten Samstag – während ihres gemeinsamen Shopping-Trips – hatte Harm sie zu einem Date eingeladen. Nach einigem Hin und Her hatten sie sich darauf geeinigt, dass er offiziell sein neues Hemd ausführen wollte.

Nun wollte sie mit den Vorbereitungen für den Abend beginnen – was bedeutete, dass zuerst ein schönes heißes Bad anstand mit einer Extraportion Pflege für ihre Haare.

„HA... HA... HATSCHI!“ Mac schüttelte langsam den Kopf. „So wird das nichts.“ seufzte sie.

Schon gestern Abend hatte sie sich nicht wohl gefühlt, das aber auf den Stress der Woche geschoben. Der Krennick-Fall hatte Donnerstag eine unerwartete Wendung genommen. Harm hatte gewonnen – wieder einmal. Nicht wirklich erbost über diese Wende hatte sie sich gestern Abend einen Tee gekocht und es sich auf der Couch gemütlich gemacht.

Heute Morgen dann war ihre Nase verstopft gewesen, ihr Schädel pochte dumpf, und sie fühlte sich, als hätte ein Panzer sie überrollt.

„Shit! Shit! SHITTSCHI!“ <Selbst Fluchen klappt nicht mehr.> dachte sie gereizt.

Es half alles nichts: Sie musste ihn anrufen und das Date absagen. <Da lädt er mich endlich ein und dann DAS!> Schniefend schlurfte sie zum Telefon und drückte auf die Schnellwahltaste für Harm.

„Hallo mein Lieblings-Marine.“ Seine Stimme klang äußerst aufgeräumt.

<Mist! Er freut sich. Und ich verderbe ihm jetzt auch noch den Abend.> „Hi Harm...“

Ihr Ton alarmierte ihn sofort. „Hey, was ist los?“

„Ich... ah... HATSCHI!“

„Gesundheit!“

„Mbanke.“ nuschelte sie.

„Ich höre es: Du bist erkältet.“

„Aha.“

„Dann verschieben wir unser Date.“

„Aber...“

„Keine Widerworte, Marine.“

„Jetzt versaue ich dir noch... TSCHI!“

„Gesundheit!“ lachte er leise, um dann wieder ernst zu werden. „Du versaust mir gar nichts. Ich hätte keine Freude an dem Abend, wenn es dir nicht gut geht.“

„Tut mir leid.“ erwiderte sie kleinlaut. „Ich hab mich so gefreut, dein Hemd auszuführen.“

„Wir beide, mein Hemd und ich, haben uns darauf gefreut, DICH auszuführen, Sarah.“ Er lachte erneut. „Wenn du momentan allerdings so aussiehst, wie ich vermute, dann wäre mein Hemd sehr, sehr traurig.“

Ein Kichern entfuhr ihr ob seiner Wortwahl. „Warum?“

„Ein schönes Hemd... eine im Prinzip schöne Frau, die momentan allerdings ein dickes rotes Näschen und tränende Augen zur Schau trägt... das passt nicht wirklich zusammen.“

„Harm...“

„Mein Hemd möchte mit einer gesunden und munteren Sarah MacKenzie ausgehen...“ Sein Tonfall wurde leiser. „... mit einem richtig hübsch zurecht gemachten Marine.“ Er verbiss sich den Ausdruck „sexy“.

Sie lachte leise. „Sorry, dass ich dein Hemd enttäuschen muss.“

„Pass auf, wir verschieben das Ganze, bis du wieder gesund bist. Versprochen.“

„Du bist mir nicht böse?“

„MAC!“ Etwas sanfter fuhr er fort. „Ich finde es zwar schade, aber böse bin ich dir nicht. Allerdings...“ Er lachte leise. „Ich wäre dir böse, wenn du trotzdem versuchen würdest, mit mir ausgehen zu wollen.“

„Ich will ja gar nicht mit dir ausgehen.“

„WIE BITTE?“

„Sorry.“ Sie biss sich auf die Zunge. <Mist!> „Ich meine... natürlich will ich... aber... HATSCHI!“

„Gesundheit! Aber das war das letzte Mal.“

„Wa... was... TSCHI!“

Ein leises Lachen entfuhr ihm. „Ich meinte damit, dass es das letzte Mal war, dass ich „Gesundheit!“ gesagt habe.“

„'Kay.“ schniefte sie. „Ich will ja mit dir ausgehen, aber...“

„Eben wolltest du nicht.“

Sie rollte mit den Augen. „Ich will nur nicht mit dir ausgehen, wenn ich krank bin.“

„Das will ich auch nicht.“ lachte er lauter. „Und mein Hemd erst recht nicht.“

„Puh.“ machte sie erleichtert.

„Hast du alles, was du brauchst?“

„Ja, ich war gestern noch einkaufen. Meine... TSCHI! ... meine Vorräte sind aufgefüllt. Ich werde mich aufs Sofa verkriechen und nichts tun.“

„Du solltest dich auskurieren, Mac. Und zwar im Bett.“

„Harm, Montag bin ich garantiert wieder... HAAATSCHI! ... fit.“

„Ich höre es.“ Sie sah es zwar nicht, wusste aber, dass sein Schmunzeln immer breiter wurde.

„Bäh.“ machte sie.

„Okay, Marine, wenn du irgendetwas brauchst, dann melde dich.“

„Ja, ja.“

„Versprich mir das.“

„Versprochen, Seemann.“ schniefte sie. „Zufrieden?“

„Fast.“

„Warum... HAAATSCHI!“ Sie griff nach einem Taschentuch und schnäuzte sich laut.

„Autsch.“ entwich es dem Ex-Piloten, als ihr „Trompeten“ in sein Ohr drang.

„Sorry. Warum bist du nur fast zufrieden?“

Er lachte zuerst leise, wurde dann aber ernst. „Ich wäre GANZ zufrieden, wenn ich mich persönlich davon überzeugen könnte, dass du im Bett liegst bzw. mich sofort anrufst, wenn du etwas brauchen solltest.“

<Er ist so süß.> Kaum waren die Worte gedacht, riss Mac verwundert die Augen auf. <Er ist so süß? Hab ich das jetzt wirklich gedacht? Ich muss schon arg benebelt sein...> Gleichwohl fand sie „ihren“ Flieger mitunter ziemlich süß. Wenn er z. B. seinen Dackelblick einsetzte oder sein charmantestes Lächeln.

„Bist du noch da?“

„Ja, natürlich.“

„Gut. Versprich mir, dass du mich anrufst, Mac.“

„Versprochen.“ Sie schniefte leise. „Großes Marine-Ehrenwort.“

„Dann bin ich beruhigt. Und du kannst mich jederzeit anrufen, auch mitten in der Nacht.“

„Ich weiß. Aber das wird nicht nötig sein.“

„Maaac...“

„Harm, ich werde dich anrufen... WENN es notwendig sein sollte.“

Der Ex-Pilot war nicht wirklich überzeugt. „Soll ich nicht doch besser vorbeikommen?“

„Ich komme schon zurecht. Andernfalls weiß ich ja, was ich zu... HAAATSCHI! ... zu tun habe.“

„Was ist mit Medikamenten?“ Er wusste, ebenso wie er hasste Mac Pillen jeglicher Art.

Sie seufzte. „Ich hab Tylenol da.“

„Aber doch hoffentlich nicht als Saft!“ Harms Alarmglocken schrillten los. Im Saft war schließlich Alkohol enthalten.

„Natürlich nicht.“ Sie schüttelte den Kopf und bereute es sofort.

„Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten, aber...“

Sie lächelte sanft, auch wenn er das nicht sehen konnte. „Du meinst es ja nur gut, Seemann.“

„Aha.“ erwiderte er erleichtert.

„Harm, ich melde mich bei dir, wenn ich was brauchen sollte. Aber jetzt... ich bin müde und mein Kopf...“

„Dann ab ins Bett mit dir, Marine.“ Er lachte leise. „Oder muss ich wirklich vorbeikommen und nachschauen, ob du...“

„Nein!“ unterbrach sie ihn.

„Okay, dann gute Besserung.“

„Da... TSCHI! ... danke.“ Sie schniefte erneut. <Gott, ich HASSE Erkältungen!>

„Ich ruf dich morgen an, okay?“

„Na gut.“ Sie seufzte erneut. „Es tut mir wirklich Leid wegen heute Abend.“

„Mir auch. Aber deine Gesundheit geht vor. Das Date läuft uns ja nicht weg.“

„’Kay.“ murmelte sie. „Bye.“

„Bye, Sarah.“ Harm beendete das Gespräch.

Minutenlang starrte er dann den Hörer an. Einerseits war er enttäuscht, dass ihr Date nun nicht stattfinden würde. Da hatte er all seinen Mut zusammengenommen und die Gelegenheit beim Schopf ergriffen... und nun das.

Auf der anderen Seite jedoch sprang sein Beschützer- und Fürsorgeinstinkt an. Er fing an, sich ernsthaft Sorgen um Mac zu machen. Schließlich kannte er sie gut genug, um zu wissen, dass sie nur im äußersten Notfall auf Medikamente zurückgreifen würde.

Es juckte ihn in den Fingern, sich seine Autoschlüssel zu schnappen und zu ihr zu fahren.

#+#+#

Montag, 15. Dezember
08:52 Ortszeit
JAG-Hauptquartier, Falls Church, Virginia


Munter vor sich hin pfeifend betrat Harm das Großraumbüro – mit der üblichen „Harm-&-Mac-Frühstückstüte“ in der Hand. Wie üblich fiel sein erster Blick in Macs Büro. Er stoppte verwirrt, als er sah, dass kein Licht brannte. <Nanu?>

„Colonel MacKenzie hat sich krank gemeldet, Sir.“ Harriet war neben ihn getreten. „Sie hörte sich wirklich schlimm an.“

Er stellte die Tüte auf einen Schreibtisch in der Nähe. „Sie war schon am Samstagnachmittag erkältet. Gestern Abend hat sie mir noch versichert, sie würde heute wieder ins Büro kommen. Anscheinend war sie da ein bisschen zu optimistisch.“ Er schüttelte den Kopf. „Typisch sturköpfiger Marine.“

Harriet legte eine Hand auf seinen Unterarm und grinste. „Sie kennen Sie doch, Commander.“

„Eben.“ seufzte der dunkelhaarige Mann. „Sie setzt alles daran, möglichst schnell wieder fit zu sein.“

„Tut das nicht jeder?“

„Natürlich.“ Er sah die blonde Frau an. „Aber Mac neigt zu Radikal-Methoden.“

„Sie nicht?“ flüsterte Harriet und grinste fast schon ein bisschen keck.

Er zog eine Braue hoch. „Lieutenant?“ Es sollte keinesfalls eine Maßregelung sein.

„Oh... Sir!“ Sie schlug die Hand vor den Mund und wurde rot. „Entschuldigen Sie bitte... ich... ich wollte nicht...“ Vor Verlegenheit wäre sie am liebsten im Boden versunken. Doch der tat ihr nicht den Gefallen und öffnete sich unter ihr. „Ich... ahm... ich hätte das nicht... Verzeihung, Commander.“ Sie wandte sich ab. „Verdammter Mist!“ murmelte sie.

Harm musterte sie eingehend. Irgendetwas schien nicht mit ihr zu stimmen. Die blonde Frau wirkte ungewohnt fahrig. Und dass sie fluchte, war völlig neu.

„Kommen Sie, Harriet.“ Ihren Ellenbogen packend zog er sie mit in sein Büro und schloss die Tür. „Setzen Sie sich.“ Er legte seine Mütze ab und stellte den Koffer an die gewohnte Stelle. „Was ist los?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nichts, Sir.“

„Harriet...“ Er sah sie ernst an. „Sie bedrückt doch etwas.“

„Nicht wirklich, Sir.“

„Raus mit der Sprache, Lieutenant.“

„Lieber nicht, Commander.“ Sie hob den Kopf.

<Taktik ändern, Rabb.> Er seufzte schwer. „Erinnern Sie sich, als Sie zu mir kamen nach Baby Sarahs Tod?“

„Aha.“

„Sie brauchten damals keinen Rat, sondern einfach nur jemanden zum Reden.“

„Aha.“

„Kann es sein, dass Sie jetzt wieder das Bedürfnis haben, eine starke Schulter zu benötigen?“

Ihre blauen Augen wurden feucht. „Mhm.“ gab sie leise zu.

„Hier im HQ kann ich Ihnen die starke Schulter zwar nicht so bieten wie damals...“ Harm lächelte behutsam. „... aber reden können und sollten wir.“ Er erhob sich. „Sekunde.“

Rasch holte er die Frühstückstüte, kehrte in sein Büro zurück und setzte sich neben sie. „Hier, genießen Sie einen guten Kaffee und einen Schoko-Muffin. War eigentlich für Mac gedacht, aber...“

Zögernd nahm Harriet die Sachen entgegen. „Danke, Sir.“

„Es wäre doch zu schade, das zu vernichten.“ grinste er.

„Ja, Sir.“ Sie trank einen Schluck.

Er nahm neben ihr Platz und genehmigte sich ebenfalls einen Schluck. Nach einer Weile, in der beide schweigend ihre Muffins vertilgten, grinste er. „So, gestärkt sind wir, jetzt wird geredet, Lieutenant.“

„’Kay.“

„Also?“



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Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#13 von Evi , 05.02.2014 09:25

„Ich... ahm...“ Ihr Blick bohrte sich in seinen. „Vor knapp zwei Wochen... da... da...“ Tieftraurig sah sie ihn an. „Commander... ich... uhm... ich habe ein Baby verloren...“

„Guter Gott, Harriet.“ Harm ergriff ihre freie Hand. „Was machen Sie dann hier im Büro?“

„Auf andere Gedanken kommen, Sir.“

Er nickte. Zumindest verstehen konnte er ihr Motiv. „Ich wusste gar nicht, dass Sie schwanger waren.“

„Ich habe es auch keinem gesagt. Der Arzt hatte es mir gerade erst bestätigt.“

Argwöhnisch beäugte er sie. „Sie haben es KEINEM gesagt?“

„Ah-ah.“

„Auch nicht Bud?“

In Harriets Trauer mischte sich Furcht. „Ah-ah.“

„Harriet, Harriet...“ seufzte er. „Warum haben Sie nicht mit ihm gesprochen?“

„Ich... hm... ich wollte ja, aber... Als er an dem Tag nach Hause kam und ich es ihm sagen wollte, hatten Sie beide gerade den Krennick-Fall bekommen. Er war so stolz, Ihnen dabei assistieren zu können... und... und...“

Harm schmunzelte. „Ich weiß, wie begeistert er sein kann.“

„Ich hab mich so für ihn gefreut, Commander. Ich hab gedacht, dass ich ihm das mit dem Baby auch noch einen Tag später sagen kann. Dann hätte er ZWEI wundervolle Tage gehabt. Aber in der Nacht... da... da...“

„... da haben Sie das Baby verloren...“ ergänzte er leise.

„Mhm.“

„Waren Sie denn sicher, dass Sie es verloren haben?“

„Ziemlich sicher, Sir. Da war...“ Harriet wurde rot. „Da war so viel Blut... viel zu viel für... na ja... Sie wissen schon...“

Peinlich berührt rutschte Harm auf dem Stuhl herum. Frauenprobleme speziell dieser Art waren vollkommen unbekanntes Terrain für ihn. „Ich... ah... ich weiß, was Sie meinen, Harriet...“ Er grinste schief. „Waren Sie denn trotzdem beim Arzt?“

„Am nächsten Tag, ja.“ nickte sie und schniefte. „Es war definitiv eine Fehlgeburt.“

Er hätte sie am liebsten in den Arm genommen wie damals nach Baby Sarahs Tod. Allerdings konnte das hier im Büro gründlich missverstanden werden, falls ein Paar zu neugierige Augen das mitbekam. „Harriet, es tut mir so leid.“ meinte er leise und drückte ihre Hand.

„Danke, Commander.“ Sie sah ihn an. „Auch dass Sie mich zum Reden gebracht haben. Das hilft schon etwas.“

„Wir sind doch Freunde. Und Freunde sollten füreinander da sein, gerade in schlechten Zeiten.“

„Aha.“

„Harriet, Sie MÜSSEN es Bud sagen. Er ist Ihr Mann.“

„Ich... ich kann nicht...“

„Warum nicht? *In guten wie in schlechten Tagen...* Schon vergessen?“

Sie musste schmunzeln. „Nein.“

„Sie haben die Geschichte mit Baby Sarah überstanden – auch wenn das nicht einfach für Sie beide war. Das hier... das werden Sie auch überstehen. Bud und Sie, Sie lieben sich doch.“

„Natürlich, aber...“

„Also, wo ist das Problem?“ Harm sah zumindest keins.

„Bud würde nicht damit zurecht kommen, dass ich ihn nicht SOFORT eingeweiht habe, als ich von der Schwangerschaft erfuhr.“

„Sie werden doch schon vorher Anzeichen dafür gehabt haben, oder?“ Die Wangen des Ex-Piloten röteten sich. „Ich meine, normalerweise stoppt doch dann die... ähm... die...“

„Nicht immer, Sir.“ unterbrach sie ihn, grinsend ob seiner Verlegenheit.

Seine rechte Braue hob sich. „Nicht?“

„Ah-ah.“ Harriet schüttelte den Kopf. „Dieses Mal lief „alles“ ganz normal weiter wie bisher. Ich hatte einen Vorsorge-Termin, da wurde das festgestellt.“

„Oh.“

„Die anderen Male... bei AJ und Sarah... da habe ich Bud sofort davon erzählt.“

„Und warum jetzt nicht? Nur wegen seines Enthusiasmus’ über die Mitarbeit am Krennick-Fall?“

Sie nickte. „Er war wie aufgedreht. Den ganzen Abend kannte er kein anderes Thema als diesen wichtigen Fall. Ich wollte ihm seine Freude darüber nicht nehmen.“

„Ich bin sicher, über das Baby hätte er sich noch mehr gefreut. Ich jedenfalls würde es.“

„Deshalb wollte ich ihm ja am nächsten Tag mitteilen, dass er wieder Vater wird.“

„Aber dann kam die Nacht...“

„Aha.“ Sie schniefte erneut. „Und mein Baby... das... das war plötzlich... einfach weg...“

„Hat er denn überhaupt nichts davon mitbekommen?“

„Nein, Bud hat einen tiefen Schlaf.“

„Harriet...“ Sein Daumen glitt über ihre Fingerknöchel. „Sie hätten es ihm sofort sagen müssen.“

„Ich weiß, Commander, aber...“

Er grinste. „Ich denke, in Anbetracht des Themas und der geschlossenen Tür dürfen Sie ruhig „Harm“ zu mir sagen.“

„Okay... Harm...“ Sie holte tief Luft. „Ich war so enttäuscht von mir selbst. Da konnte ich ihm das nicht antun. Nicht nach der Freude des vorherigen Tages.“

„Aber Sie haben doch nichts falsch gemacht. Vielleicht wäre das Baby gar nicht lebensfähig gewesen. Ich hab mal gelesen, dass nur ein Bruchteil der befruchteten Eizellen sich überhaupt zu einem Baby entwickelt.“

„Das stimmt schon, aber bei Baby Sarah gab es auch Komplikationen.“

„Für die konnten Sie doch nichts, Harriet.“

„Trotzdem...“

„Sie fühlen sich schuldig. Immer noch.“

„Mhm.“

„Lassen Sie sich eins sagen: Sie haben nicht versagt, Harriet.“

„Warum fühle ich mich dann als Versagerin?“

„Ganz einfach: Sie lieben Bud.“ Harm grinste breit. „Ich vermute mal, Sie wollen daher, dass er glücklich ist.“

„Ja.“ grinste sie. „Auf eine gewisse Art bin auch ich dann glücklich.“

„Na bitte.“ lachte er. „Sie haben immerhin schon einen gesunden Sohn. Ich bin sicher, dass es irgendwann auch mit einem Mädchen klappt. Oder zumindest mit einem zweiten Kind.“

„Wir wollten immer drei Kinder.“

„Sie sind beide noch jung, da ist noch Zeit genug.“ Harm grinste. „Schauen Sie mich alten Kerl an, da ist es bald...“ Urplötzlich überkam ihn eine gewisse Melancholie. Er beneidete die junge Frau neben ihm. Um ihre Ehe... um ihren Sohn... Würde er selbst irgendwann einmal Ehe- und Vaterfreuden genießen können?

„Alles in Ordnung, Sir?“ Aus Gewohnheit verfiel Harriet wieder in die vertraute und vor allem sichere Militär-Hierarchie.

„Natürlich, Harriet.“ Der Ex-Pilot schüttelte grinsend den Kopf. „Aber wir hatten uns doch auf „Harm“ geeinigt.“

„Verzeihung, HARM.“ lachte sie. „Aber Sie sahen gerade so... hm...“

„Ja?“ fragte er, als sie nicht weiter redete.

Harriet musterte ihn aufmerksam. „Darf ich ganz offen sein, Sir?“

„Selbstverständlich.“

„Sie sahen gerade so verloren aus.“

Er räusperte sich verlegen. „Na ja... ich werde langsam ein bisschen zu alt für Kinder.“

„Papperlapapp. Viele berühmte Männer sind in hohem Alter noch Vater geworden.“

Harm lachte. „Ich bin aber nicht berühmt.“

„In der Navy haben Sie es aber zu einiger Berühmtheit gebracht. Sie gelten als einer der besten Anwälte, wenn nicht sogar als DER Beste... sind ein erfahrener Pilot... waren das Aushängeschild in diesem Rekrutierungsvideo...“

Er lehnte sich zurück. „Harriet, wissen Sie eigentlich, dass ich Sie und Bud gelegentlich beneide?“

„Wie bitte?“

„Was hat mir der Ruhm denn eingebracht? SIE hingegen haben eine wundervolle Familie.“ Harm wunderte sich, dass es ihm leicht fiel, darüber zu reden.

„Harm, Sie werden Ihre Familie auch noch bekommen, da bin ich ganz sicher.“

„Harriet, Sie sind eine unerschütterliche Optimistin.“

„Ich bin glücklich, das ist alles.“

„Wenn das Leben doch nur so einfach wäre...“

„Es KANN manchmal wirklich so einfach sein.“

„Meins neigt dazu, äußerst kompliziert zu sein.“ Er sah sie an. „Macht die Liebe Sie so glücklich?“

„Ja, da bin ich mir sicher.“ erwiderte sie schlicht. „Ich liebe Bud von ganzem Herzen. Und würde alles für ihn tun. Darum hab ich ihm auch noch nichts von dem verlorenen Baby erzählt. Genauso liebe ich auch meinen Sohn. Haben Sie jemals jemanden so geliebt, dass Sie alles für ihn – oder sie – geben würden?“

Harm starrte sekundenlang auf ihre immer noch verschränkten Hände, bevor er antwortete. „Ja.“ wisperte er und sah dann zum Fenster hinaus.

Harriet nahm allen Mut zusammen. „Colonel MacKenzie?“

Seine Augen flogen zu ihr. „Wie kommen Sie darauf?“

„Harm...“ Ihr Ton wurde gutmütig-milde. „Ich habe Augen im Kopf.“

„Es ist nicht so, wie Sie denken, Harriet.“

„Wirklich nicht?“ fragte sie leise.

„Das ist alles sehr kompliziert.“

„Warum?“ Sie drückte nun ihrerseits seine Hand. „Liebe KANN sehr einfach sein, Harm.“

„Nicht bei uns.“ Ihm ging gar nicht auf, dass er streng genommen gerade zugegeben hatte, Mac zu lieben.

Harriet hingegen registrierte den kleinen Versprecher, beschloss aber, nicht darauf einzugehen – noch nicht. Bevor sie etwas erwidern konnte, redete Harm schon weiter.

„Zeige ich Interesse an ihr, hat sie einen anderen Mann. Oder umgedreht.“

Die blonde Frau schmunzelte kaum merklich. <Ich wusste es doch.> „In den letzten Tagen ist es aber anders geworden zwischen Ihnen beiden.“

„Anders?“ Mit großen Augen sah er sie an. „Inwiefern anders?“

„Sie sind richtig nett zueinander. Sie bringen ihr häufig was mit...“ Harriet hob den Kaffeebecher. „... verbringen viele Mittagspausen miteinander... scherzen herum...“

„Das alles haben Sie mitbekommen?“ <SHIT!>

„Ich bin eine Frau, Harm.“ Harriet lächelte. „Mitunter haben wir Frauen ein ganz gutes Gespür für so etwas.“

„So etwas?“ Argwöhnisch sah er sie an. „Was meinen Sie damit?“

„Tiefe Gefühle wie Liebe...“ Sie musterte ihn erneut. „... oder Leidenschaft...“

Harms Kopf ruckte hoch. „Harriet!!!“

„Okay, okay.“ Abwehrend hob sie die Hände. „Bleiben wir bei der Liebe.“

Er atmete erleichtert wieder aus.

„Sie lieben sie doch, nicht wahr?“ Harriet hoffte inständig, mit ihrer Frage keine Grenze überschritten zu haben.

Lange sah der Ex-Pilot sie an. „Sie sind ganz schön neugierig, Lieutenant.“ grinste er schließlich.

„Sorry, wenn ich...“ Ihre Wangen röteten sich verlegen.

„Nein, nein, ist schon okay, Harriet.“ Er drückte ihre Hand und senkte den Kopf. Ein leises „ja“ war alles, was er dann sagte. Insgeheim war er allerdings ziemlich erstaunt über sich selbst.

Harriet glaubte, einen Anflug von Resignation oder Niedergeschlagenheit in der Stimme des großgewachsenen Mannes zu hören. Er war immer der Starke gewesen; derjenige, auf den sich das ganze JAG-Büro stützen konnte – und es auch tat.

„Ich werde es keinem verraten, Sir.“ Sie drückte erneut seine Hand. „Geben Sie die Hoffnung auf ein Happy End nicht auf, Harm.“

Er sah sie an. „Sie sind und bleiben eine Optimistin, Harriet.“

„Ich hab die Erfahrung gemacht, dass man damit besser durchs Leben kommt.“ grinste sie. „Sie sind doch sonst immer so zuversichtlich.“

„Aber nicht bei Mac.“ wisperte er.

„Ein Anfang ist doch schon mal gemacht, Sir.“

Der Ex-Pilot grinste. „Wie war das mit „Harm“?“

„’Tschuldigung, HARM, alte Gewohnheit.“ lächelte sie. „Machen Sie weiter so wie bisher. Frauen mögen es, wenn sie ein bisschen verwöhnt werden.“

Harm schnaubte amüsiert. „Mac ist ein Marine.“

„Der aber ziemlich weiblich und sexy aussieht.“ Harriet schielte ihn an. „Finden Sie nicht?“

„Hm... na ja...“ Er wurde rot. „Irgendwie schon.“

Sie lachte. „Jetzt untertreiben Sie aber ganz schön.“

„Okay, ich gebe zu: Mac ist eine äußerst attraktive Frau.“

Beide verfielen dann für eine Weile in ein angenehmes Schweigen.

Plötzlich seufzte Harm schwer. „Ich... ah... ich muss zum Admiral.“

„Warum?“

„Wenn es Mac wirklich so schlecht geht, wie Sie vorhin beschrieben haben, will ich nachher mit ihr zum Arzt. Dazu brauche ich den Nachmittag frei.“

„Verstehe.“ Sie nickte und grinste. „Freiwillig wird sie wohl nicht mitgehen wollen.“

Er lachte. „Das ist mir egal. Ich hab schon Schlimmeres durchgemacht.“

„Ich glaube, Sie sind der Einzige, der einigermaßen mit ihr klarkommt.“

Harm hob einen Finger. „Wenn sie krank ist.“

„Wenn sie krank ist.“ wiederholte Harriet grinsend und erhob sich. „Danke, Harm, dass Sie mir Ihr Ohr geliehen haben.“

„Geht es Ihnen jetzt besser, Harriet?“

„Viel besser.“ lächelte sie. „Auch wenn ich immer noch nicht weiß, wie ich es Bud beibringen soll.“

„Soll ich vielleicht mit ihm reden?“

„Guter Gott, nein!“ platzte es aus ihr. „Sorry, Commander, ich wollte nicht...“ Sie wurde rot. „Aber ich... hm... ich meine, es wäre besser, wenn Bud und ich... unter vier Augen... Sie wissen schon...“

Er stand ebenfalls auf und drückte ihre Hand. „Kein Problem, Harriet.“ nickte er. „Aber Sie müssen es ihm sagen.“

„Ich weiß. Ich werde das schon schaffen, Sir.“ Dann straffte sie ihre Schultern. „Ab und an ist das Erbe der Beaumonts auch nicht zu verachten.“

Harm lachte laut. „Wenn ich ehrlich sein soll, ziehe ich das Erbe der Sims vor.“

„Commander!“ Ihre Empörung war nur gespielt, erzeugte aber rote Ohren bei dem großgewachsenen Mann.

„Uhm...“

Die junge Frau ergriff die Türklinke. „Bestellen Sie Colonel MacKenzie Grüße und gute Besserung von mir und Bud.“ Auf dem Weg nach draußen grinste sie noch einmal über ihre Schulter. „Und danke für den göttlichen Kaffee und den Muffin. Kein Wunder, dass Mac morgens immer so strahlt...“

„Harriet, Harriet!“ Harm zwinkerte vergnügt.

„Soll ich die Tür auf lassen?“ flötete sie fröhlich.

Er nickte und setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch. „Ja, bitte.“

Harm beschloss, den Admiral am späten Vormittag um den freien Nachmittag zu bitten. In den nächsten drei Stunden arbeitete er weiter an einem der Fälle, der aufgrund der Krennick-Sache beiseite geschoben worden war.

Schließlich sah er auf die Uhr. <Zeit für den Boss.> Nachdem er die Datei abgespeichert hatte, erhob er sich und machte sich auf den Weg zum Büro des JAG.

„Petty Officer, ist der Admiral zu sprechen?“

„Einen Moment, Sir.“ Jennifer Coates griff nach dem Telefon. „Admiral, Commander Rabb möchte Sie gerne sprechen.“

„Soll reinkommen.“

„Gut, Sir.“ Jennifer wandte sich an Harm. „Sie können rein, Commander.“

„Danke.“ Er klopfte an die Tür und betrat nach dem „Herein!“ das Büro des Ex-SEALs.

Chegwidden sah ihn neugierig an. „Commander, was kann ich für Sie tun?“

„Admiral, ich hätte heute gerne den Nachmittag frei.“

„Gibt es einen speziellen Grund dafür? Sie wissen, dass wir durch Colonel MacKenzies Fehlen Engpässe haben.“

„Ja, Sir, das ist mir klar.“ Der dunkelhaarige Mann holte tief Luft. „Aber genau darum geht es.“

„Inwiefern?“

„Colonel MacKenzie ist allem Anschein nach richtig krank.“

„Sie hat sich krank gemeldet, ja.“ Chegwidden nickte. „Haben Sie schon mit ihr gesprochen?“

„Nein, Sir, heute noch nicht. Aber wir wollten uns am Wochenende treffen, und da... hm... da hat sie schon abgesagt, weil sie sich nicht gut fühlte. Und nach dem zu urteilen, was Lieutenant Sims mir vorhin erzählt hat, hat sich Macs Zustand verschlimmert.“

„Aha.“ Der Admiral schmunzelte kaum merklich. „Sollte das am Samstag etwa ein Date werden?“

„Na ja...“ Harm wurde rot und wusste erst einmal nicht, was er sagen sollte.

„Hatten wir diesbezüglich nicht eine Vereinbarung getroffen, Commander?“

Harm wand sich innerlich. „Schon, Sir, aber...“

„Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich mich eigentlich SEHR klar ausgedrückt.“ Chegwidden biss sich auf die Lippe.

„Hatten Sie, Admiral.“

„Also, warum erfahre ich erst jetzt davon?“

Harms nächster Satz war das Albernste, was er seit langem von sich gegeben hatte. Aber er rutschte ihm einfach so raus – wie so oft. „Äh... genau genommen hatte mein Hemd ein Date mit dem Colonel...“

„WIE BITTE? Ihr HEMD???“ Chegwidden sprang auf. „Haben Sie sich mal wieder den Kopf gestoßen, Rabb?“

<SHIT!> „Nein, Sir, mir geht es gut.“ Stur fixierte er den Knauf des rechten Fensters.

„Das bezweifle ich aber.“ Der Ex-SEAL baute sich vor seinem Star-Anwalt auf. „Erläutern Sie mir das bitte.“

„Mac und ich... also der Colonel und ich... wir waren gemeinsam einkaufen.“ In kurzen Worten schilderte er die Ereignisse des vorletzten Samstags. Und fügte das geplante „Date mit dem Hemd“ hinzu.

Chegwidden drehte sich um und trat zum Fenster, hauptsächlich, um sein Amüsement zu verbergen. Er stand kurz vor einem Lachanfall. <Auf so etwas können auch nur Rabb und MacKenzie kommen...> „Und das hat nicht geklappt?“

„Nein, Sir.“

Der Admiral sah zum Fenster hinaus. „War Ihr Hemd sehr enttäuscht?“

„Wie bitte?“ <Spinne ich?> fuhr es Harm durch den Kopf.

„Commander, ich erkundige mich nur nach der psychischen Verfassung Ihres Hemdes. Ein abgesagtes Date ist schließlich nicht leicht zu verkraften... vor allem, wenn es das erste Date ist.“

<Ich spinne wirklich.> „Nun ja... wir... also... Mac und ich... wir haben das verschoben...“

„Mac und Sie oder Ihr Hemd und Mac?“

„Mein Hemd, Mac und ich, Sir.“ <Ich bin schon völlig bescheuert.>

Allmählich konnte Chegwidden seine Belustigung nicht mal mehr aus seiner Stimme halten. „Ein Date zu dritt?“

„So etwas Ähnliches, ja.“

„Dates zu dritt sind nie eine gute Idee, Commander.“

<Dates zu viert auch nicht...> Harm erinnerte sich an das Date mit Renée, Mic und Mac. „Ich weiß, Sir. Aber gewissermaßen ist mein Hemd ja neutral.“

„Allerdings.“ Der Ex-SEAL drehte sich um. „Also ist es doch eher ein Date zwischen Ihnen und Colonel MacKenzie?“

„Streng genommen, ja.“

„Nun gut.“ grinste der ältere Mann. „Ich sehe mal darüber hinweg. Sollte sich aus diesem Date aber etwas Ernsteres ergeben, will ich ASAP Bescheid wissen. Verstanden, Commander?“

Harm reckte sich. „Kristallklar, Sir.“

„Dann hätten wir das geklärt.“ Chegwidden setzte sich wieder. „Und warum wollen Sie jetzt den Nachmittag frei haben?“

„Sir, ich bin der Meinung, Colonel MacKenzie sollte zum Arzt gehen, da es ihr nicht besser, sondern eher schlechter geht. Daher will ich mit ihr ins Bethesda fahren. Sie wissen doch, wie sie ist. Alleine und freiwillig würde sie nie zum Arzt gehen.“

„Verstehe.“ Der Admiral nickte. <Rabb hat Recht.> „Machen Sie sich darauf gefasst, sie dorthin schleifen zu müssen, Commander.“ grinste er.

„Ich weiß.“ Harm lächelte zurück. „Es wird schon klappen, Sir.“

Chegwidden lehnte sich zurück und sah seinen Star-Anwalt lange an. „Gut, Commander. Fahren Sie mit ihr ins Krankenhaus. Und sehen Sie zu, dass Mac den Anweisungen des Arztes Folge leistet.“

„Verstanden.“

„Falls sie länger krank sein sollte, beauftrage ich Sie hiermit mit der Krankenpflege, Mr. Rabb.“

Harm sah seinen Vorgesetzten an. „Das hätte ich auch so getan.“

„Ich weiß.“ Der alte Haudegen lächelte sanft. „Ich weiß auch, wie viel Sie Ihnen bedeutet, Harm.“

Harm nickte nur. „Ja, Sir.“

„Halten Sie mich auf dem Laufenden, Commander. Wegtreten.“

„Aye, aye, Sir.“ Der Ex-Pilot grüßte stramm und verließ Chegwiddens Büro.

In seinem eigenen ließ er sich auf den Stuhl fallen und rieb sich die Augen. <Guter Gott, bin ich SO transparent?>

Nach einigen Minuten hatte er sich wieder im Griff und wählte Macs Nummer.

„’Kenschie.“ rumpelte es rau und ziemlich schwer verständlich durch den Hörer.

„Ich bin’s, Harm.“

„Hi.“ Sie lächelte gequält.

„Dir geht es also nicht besser.“

„Nope.“

„Warst du schon beim Arzt?“

„Nein.“ krächzte sie. „Und ich gehe da auch nicht hin.“

„Mac, ich habe von Chegwidden die Erlaubnis, heute früher Feierabend machen zu dürfen, damit wir gemeinsam ins Bethesda fahren können. In einer knappen Stunde bin ich bei dir.“

Statt einer Antwort kam erst mal ein raues Husten. „Haaarm...“

„Keine Widerrede, Sarah.“ Er setzte seinen besten Befehlston auf. „Wir gehen nachher zum Arzt, und wenn ich dich dorthin schleifen muss.“

„Nein.“

„NEIN?“

„Nope, ich geh da nicht hin!“ hustete sie.

„Zieh dich warm an, Mac.“ Er lachte leise. „Und damit meine ich nicht nur warme Kleidung...“

„Verdammt, Harm!“ Sie holte tief Luft – oder wollte es zumindest. „’TSCHI!“

„Bist du immer noch der Meinung, du bist morgen wieder gesund?“

Angesichts ihrer Halsschmerzen und ihres sonstigen Zustandes kamen ihr allmählich doch Zweifel. Doch sie war zu stur, es zuzugeben. „Aha.“ brummte sie daher undeutlich.

„Wie bitte?“

„Ich bin morgen wieder da, Seemann.“

„Das werden wir noch sehen, Sarah. Ich will doch nur dein Bestes...“ meinte er in erheblich sanfterem Tonfall. <Vielleicht bringt das sie ja zur Vernunft.>

„Ich weiß, aber... HAAATSCHI!“

„Gesundheit!“

„Mbanke.“

„30 Minuten, Mac. Bis dahin bist du fertig. Das ist ein Befehl.“

„Du kannst mir gar nichts befehlen, Mister.“

„Ich nicht, aber der Admiral. Soll ich ihn fragen?“ Er drohte ungern mit ihrem CO, aber diesem Marine musste anscheinend deutlich gezeigt werden, wo der Hase lang lief.



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Evi
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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#14 von Evi , 07.02.2014 09:11

„NEIN!“ zischte sie. „Ich geb mich ja schon geschlagen.“

Er lachte leise – und war froh, dass sie nicht vor ihm stand. „Braves Mädchen.“

„Ich hasse dich, wenn du so bist.“

„Wie bin ich denn?“

„Herablassend, besserwisserisch, arrogant... ach, was weiß ich...“

„Zuallererst bin ich besorgt um dich, Sarah.“ meinte er nachgiebig. „Und ich weiß, dass du das nicht wirklich ernst meinst.“

Mac hasste sich selbst, wenn sie so launisch war. „Tut mir leid, Harm.“

„Schon gut, du bist krank und gereizt.“

„Ich fühle mich beschissen.“ gab sie leise zu.

<Dann steht es wirklich schlimm um sie.> „Ich bin ja gleich bei dir.“

„’Kay.“

„Zieh dich warm an.“

„’Kay.“

„Bis gleich, Mac.“

„Aha.“

„Bye.“

„Bye.“

Harm legte den Hörer auf das Telefon und fuhr seinen PC hinunter. Dann verstaute er ein paar Akten in seinem Koffer und verließ das Büro.

„Harriet, ich mache für heute Schluss. Der Admiral weiß Bescheid.“

„In Ordnung, Commander.“ nickte sie. „Colonel MacKenzie?“ fragte sie leise.

„Ja, ich will mit ihr zum Arzt. Das wird sonst nicht besser bei ihr.“

„Viel Glück...“ Sie sah sich verstohlen um und grinste verschmitzt. „... HARM.“ Dann wurde sie wieder ernst. „Grüßen Sie mir den Colonel. Gute Besserung an sie.“

„Danke, Harriet, ich werde es ihr ausrichten.“

„Wenn ich irgendetwas tun kann, Sir...“

„Dann lasse ich es Sie wissen.“ Er lächelte. „Danke für das Angebot.“

„Gern geschehen.“

Er deutete mit dem Finger auf sie. „Und Sie reden mit Bud!“

„Ja, Sir.“ Harriet sah gar nicht glücklich aus.

„Versprechen Sie mir das, Harriet.“

„Ja, Sir.“ erwiderte sie erneut.

„Ich muss los. Wiedersehen, Lieutenant.“

„Wiedersehen.“ Sie sah dem dunkelhaarigen Mann hinterher, wie er zum Aufzug ging.

Kurz darauf war Harm mit seinem SUV unterwegs. Zuerst fuhr er noch bei sich vorbei und warf ein paar bequeme Freizeitklamotten in eine Sporttasche. Dann machte er sich auf den Weg Richtung Georgetown.

42 Minuten später öffnete er mit seinem Ersatzschlüssel Macs Wohnung.

„Ich bin da, Mac!“

„Hi.“ Langsam kam sie ihm entgegen.

„Gott, Mac...“ Er musterte sie eingehend. „Mit Verlaub... du siehst fürchterlich aus.“ Ihre Nase war rot, die Augen sahen verquollen aus und tränten.

„Danke, Commander.“ Sie streckte ihm die Zunge raus. „Du weißt, wie man einer Frau Komplimente macht.“

„Maaac...“

„Ja, ja, schon gut.“ brummte sie. „Du kommst 18 Minuten spät.“

„Ich bin noch bei mir daheim vorbei und habe ein paar bequemere Sachen mitgenommen.“ Er deutete auf die Tasche. „Bist du fertig?“

„Sehe ich aus, als wäre ich nicht fertig?“ Schließlich stand sie in voller Uniform vor ihm – wie es sich für den Besuch in einem Militärkrankenhaus gehörte.

Harm ahnte, dass die folgenden Tage nicht einfach werden würden. Wenn Mac krank war, was bisher selten der Fall gewesen war, ließ sie ihre schlechte Laune an allem und jedem aus. Aber wer tat das nicht?

„Dann zieh dir deinen Mantel über, wir fahren jetzt.“

Wie ein trotziges Kind baute sie sich vor ihm auf. „Ich will da aber nicht hin.“

„Ich auch nicht, aber es wird besser für uns alle sein.“

„Euch alle?“

Er holte tief Luft. „Vor allem für dich, Mac.“

„Pffft.“ machte sie, gefolgt von einem lauten „’TSCHI!“.

„Gesundheit.“ grinste er, griff nach ihrem Mantel und hielt ihn ihr hin. „Anziehen!“

Anhand seines Tonfalls erkannte sie, dass sie keine Chance haben würde. Wortlos, aber mit äußerst grimmigem Gesichtsausdruck schlüpfte sie in den Mantel.

„So ist es gut.“ Er öffnete die Tür. „Abmarsch.“

Hoch erhobenen Hauptes stolzierte sie an ihm vorbei zum Aufzug.

Harm verschloss die Tür und folgte ihr. Während der Fahrt sprachen sie kaum ein Wort miteinander.

20 Minuten später parkte er seinen Lexus vor dem großen Marine-Hospital. Er drehte sich zu ihr. „Wir sind...“ Ein Schmunzeln umspielte seine Lippen: Mac war eingeschlafen. „... da.“

Behutsam weckte er sie. „Mac, wir sind da.“

„Was?“ Irritiert sah sie sich um. „Wo sind wir?“

„Bethesda.“

„Oh... ähm... HA... HATSCHI!“ Lautstark putzte sie sich die Nase.

„Genau deshalb sind wir hier.“

„Aha.“ Sie stieg aus. „Und jetzt?“

Er folgte ihr und verschloss den Wagen. „Jetzt gehen wir da rein, Marine.“ Er zeigte auf das Gebäude. „Dann suchen wir einen Doktor, der dich gründlich untersucht. Wenn wir wissen, was genau du hast, fahren wir wieder. Vorausgesetzt, der Doc hat nichts dagegen.“

„Ich bleibe NICHT hier!“ Sie blieb stehen.

Harm packte sie am Arm. „Und wenn du eine Lungenentzündung haben solltest?“

„Die hab ich nicht.“ Sie riss sich los. „Und außerdem muss man bei einer Lungenentzündung nicht immer ins Krankenhaus.“

„Warten wir ab, was der Doc sagt.“ Er packte wieder ihren Arm und zog sie sanft, aber beharrlich mit sich.

Am Empfang schilderte er der Schwester dann Macs Probleme.

„Sie sind nicht das erste Grippeopfer, Colonel.“ lächelte die dunkelhäutige Frau. „Der Wetterumschwung letzte Woche hat für etlichen Betrieb hier gesorgt.“

„Wenn Sie überlastet sind... kein Problem...“ Mac wandte sich wieder dem Ausgang zu. „Ich werde schon... TSCHI!“

Harm grinste die Schwester an. „Marines...“ flüsterte er.

„Kranke Marines...“ wisperte sie zurück.

„Ihr braucht nicht zu flüstern, ich bin NICHT kra... Ha... HATSCHI!“

„Ja, ja.“ grinste Harm. „Und ich bin der Kaiser von China.“

„Ma’am, Sir, wenn Sie bitte auf Station 4, 8. Stock, gehen würden? Dr. Patrick wird Sie abholen.“

„Danke, Schwester.“ Harm bedachte die junge Frau mit einem klassischen Flieger-Grinsen und machte sich dann mitsamt Mac auf zur angegebenen Station.

Sie mussten nicht lange warten, bis ein kleiner rappeldünner Mann auftauchte. „Colonel MacKenzie?“

„Ja?“

„Ich bin LtCdr. Dr. Patrick. Kommen Sie bitte mit.“

Mac beäugte den Arzt skeptisch. Er sah aus, als würde er bei einem zu kräftigen Niesen einfach umgeblasen. „Dauert es lange?“

„Das müssen wir erst mal sehen, Colonel.“

„Ah...“ meldete sich Harm zu Wort. „Wo kann ich hier warten?“

„Den Gang hinunter ist eine Wartezone. Dort ist auch ein Kaffee-Automat.“

Harm nickte. „Danke.“ Dann sah er den Arzt noch mal an. „Geben Sie mir Bescheid, wenn Sie fertig sind?“ Die Vorstellung, Mac alleine zu lassen, schmeckte ihm nicht.

„Sind Sie ein Angehöriger?“

„Nein, aber ich besitze alle nötigen Vollmachten. Schauen Sie in die Akte des Colonels.“

„Werde ich machen, Commander.“ Dr. Patrick fühlte sich nicht so recht wohl in der Gegenwart dieses Mannes, der ihn um gut anderthalb Köpfe überragte. Zudem strömte der Ex-Pilot eine Autorität aus, die er selbst gerne gehabt hätte. „Ich melde mich bei Ihnen, wenn wir fertig sind.“

„Danke.“ murmelte Harm erneut und sah dem Gespann hinterher. Ungeduldig begann er dann, kleine Runden auf dem Flur zu drehen. Zum Sitzen war er zu nervös.

Nach gut 30 Minuten tauchte Mac wieder auf.

„Und?“ Harm rannte ihr fast entgegen.

„Frag den Doktor.“ brummte sie und deutete hinter sich.

Dr. Patrick kam aus dem Untersuchungszimmer geeilt. „So...“ schnaufte er und sah Harm an. „Colonel MacKenzie hat einen normalen, wenn auch ziemlich heftigen grippalen Infekt.“

„Soll heißen?“

„Ich habe sie bis Freitag krankgeschrieben. Am besten sind jetzt Bettruhe und leichte Kost.“

Im Augenwinkel sah der Ex-Pilot, wie Mac das Gesicht verzog. „Was ist mit Medikamenten?“

„Das Rezept bekommen Sie unten.“

„Ah...“ Harm wusste nicht, wie er dem guten Mann klarmachen sollte, dass Mac keinerlei Medikamente nehmen durfte, in denen Alkohol enthalten war. „Was... hm... was haben Sie verschrieben?“

„Etwas zur Stärkung des Immunsystems. Gegen die Halsschmerzen helfen Halsbonbons und Eis; für die verstopfte Nase empfehle ich ein ätherisches Öl.“

„Doktor, diese Medizin...“ Harm beugte sich hinab. „... ist da Alkohol drin? Der Colonel ist...“

„Ich weiß, Commander. Sie hat es mir gesagt, wenn auch notgedrungen. Es gibt genügend Medikamente ohne Alkohol.“

Harm richtete sich beruhigt wieder auf. „Okay...“

„Colonel MacKenzie sollte in den nächsten Tagen nicht alleine bleiben. Hat sie jemanden, der sich um sie kümmert?“

„Ich werde das übernehmen.“

Dr. Patrick beäugte sein Gegenüber. „Gut, Commander. Sie braucht Ruhe, viel Schlaf und viel Flüssigkeit. Dazu noch leichte Kost wie Suppen oder helles Brot. Dann dürfte sie am Wochenende wieder fit sein.“

„Andernfalls kommen wir wieder.“ erwiderte Harm bestimmt.

<Das kann ich mir denken.> „Ich hoffe, das wird nicht nötig sein, Sir.“ lächelte der Arzt.

„Ich lege es auch nicht darauf an.“ Harm grinste. „Sie ist ein Marine.“

„Oh, ich weiß, wie „angenehm“ kranke Marines sein können.“

Harm streckte seine Hand aus. „Danke, Doktor.“

„Nichts zu danken, Commander. Passen Sie auf sie auf. Wiedersehen.“

„Lieber nicht.“ grinste der Ex-Pilot.

Dr. Patrick drehte sich um und machte sich auf den Weg zurück.

„Habt ihr euren Glucken-Plausch endlich beendet?“ knurrte Mac ungeduldig.

„Er hat mir nur ein paar Tipps gegeben, wie ich mit einem launischen, kranken und äußerst missgelaunten Marine umgehen soll.“

„Sehr witzig.“ giftete sie. Dann verzog sie ihre Nase. „Ha... ha... ’TSCHIII!“

„Gesundheit.“ grinste Harm und schob sie sanft, aber bestimmt zum Aufzug. Unten angekommen ließ er sich das Rezept geben.

„Gib her, ich hole mir das gleich.“ Sie griff nach dem Papier. „Danke fürs Bringen, aber ich kann mir jetzt ein Taxi nehmen.“

„Papperlapapp.“ Er schob sie zur Tür hinaus und Richtung Auto. „Erstens gehe ICH das holen, während du im Wagen wartest. Zweitens fahren wir zu dir, und du legst dich sofort ins Bett. Drittens werde ich dir was Leichtes kochen.“

„Haaarm...“

„Keine Widerrede!“ Er gab seiner Stimme gerade genug Autorität, um Mac klarzumachen, dass er in diesem Punkt nicht mit sich würde spaßen lassen.

„Tu, was du nicht lassen kannst.“

Er startete den Motor und fuhr los. „Das werde ich auch.“

Während der Fahrt sah Mac zum Fenster hinaus. Sie fühlte sich grässlich. Ihr Hals schmerzte, ihre Nase triefte wie ein offener Wasserkran. Hinzu kam die allgemeine Kraftlosigkeit. Sie hasste es, so schwach zu sein.

„’TSCHI!“

„Gesundheit.“

„Wenn ich dieses Wort noch einmal von dir höre, erschieße ich dich.“

Harm konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Zur Kenntnis genommen, Frau Anwältin.“

„Hmpf.“

Immer noch schmunzelnd bog er auf den Parkplatz einer Apotheke ein. „Du wartest hier.“ meinte er, als er ausstieg.

„Ja-ha.“

Nach ein paar Minuten kehrte der Ex-Pilot mitsamt einer gar nicht so kleinen Tüte zurück.

Mac beäugte ihn skeptisch. „Das hat mir der Doktor aber nicht alles verschrieben.“

„Nein, da sind noch Halstabletten drin... was für deine Nase... all so was.“

„All so was?“

„Ja, alles, was bei Erkältung hilfreich sein kann.“ Er startete den Motor und fuhr los.

Es dauerte dann nicht mehr lange, bis sie in Macs Wohnung angekommen waren.

„Du ziehst dich jetzt um und legst dich ins Bett.“

„Umziehen, ja. Bett, nein.“ erwiderte sie trotzig.

„Der Arzt hat gesagt, du gehörst ins Bett. Und da gehst du jetzt auch hin. Oder soll ich dich persönlich ins Bett bringen?“ Er schmunzelte süffisant.

Mac schnaubte verärgert. „Nein danke, Commander.“ Sie verschwand Richtung Schlafzimmer.

„Haaalt, Marine!“

Sie drehte sich um. „Was ist denn nun schon wieder?“

„Deine Medikamente.“ Er hielt ihr die Apotheken-Tüte hin. „Und du nimmst das, wie es sich für einen braven Marine gehört.“

Sie streckte ihm nur die Zunge raus und schloss die Tür hinter sich.

Harm zog sein Jackett aus, lockerte die Krawatte und ging in die Küche. <Was nun?> Er sah im Kühlschrank nach, was sie an Vorräten noch hatte. Natürlich nicht viel; schon gar nicht das, was der Doktor erwähnt hatte. <Hatte sie nicht Freitag noch eingekauft?>

Einer Eingebung folgend holte er sein Handy aus der Jacke und wählte eine bestimmte Taste.

„Rabb.“ ertönte nach kurzem Freizeichen die Stimme seiner Großmutter.

„Hi Grandma, Harm hier.“

„Harm! Was für eine Überraschung! Lange nichts mehr von dir gehört, mein Junge.“

„Sorry, aber...“

„Ich weiß: Der Job... der Job... und – nicht zu vergessen – der Job.“ lachte sie. „Was kann ich für dich tun? Ohne Grund rufst du deine alte Großmutter schließlich nicht an.“

Harm fühlte quasi, wie sie ihn spielerisch an den Ohren zog. Sie hatte ja Recht; er meldete sich viel zu selten bei ihr. „Du kennst mich zu gut, Grandma.“

„Raus mit der Sprache.“

„Ah... ich wollte von dir das Rezept für deine Hühnersuppe haben.“

Sie riss die Augen auf. „Hühnersuppe?“

„Selbst gekochte Hühnersuppe hilft doch bei Erkältungen, oder?“

„Allerdings. Wer ist denn krank? Du jedenfalls nicht.“

„Mac ist krank.“

„Mac...“ echote sie.

„Ja, sie hat eine schwere Erkältung. Und da dachte ich...“

„Gut gedacht, Harm. Die Suppe hat euch immer wieder auf die Beine gebracht, wenn ihr krank wart.“ lachte Sarah Rabb. „Hast du was zu schreiben da?“

„Einen Moment, ich muss erst was suchen.“ Er schlenderte zu Macs Schreibtisch und fand einen Block. „Okay.“

Knappe sechs Minuten später hatte er den Block voller Notizen und das Rezept für die Hühnersuppe seiner Großmutter bis ins Detail notiert.

„Hast du alles?“

Er überflog den Zettel. „Ich denke schon.“

„Bestell Mac mal gute Besserung von mir.“

„Mache ich, aber erst, wenn sie etwas besserer Laune ist.“ Er lachte leise. „Momentan ist sie ungenießbar.“

„Meinst du etwa, du wärest anders gewesen?“ kicherte sie. „Dann bist du aber gewaltig auf dem Holzweg.“

„Hör zu, Grandma, ich muss...“

„... Hühnersuppe kochen.“ Die alte Dame lachte. „Ich weiß.“

„Sorry.“

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Harm. Ich hoffe nur, du meldest dich das nächste Mal nicht nur dann, wenn du etwas brauchst.“

Er wurde rot. Seine Großmutter hatte absolut Recht: Er war ein lausiger Enkel – und ein lausiger Sohn, denn bei seiner Mutter meldete er sich kaum häufiger. „Tut mir Leid, Grandma.“

„Nun mach dich an die Suppe; es dauert eine Weile, bis die fertig ist.“

„Ja, Ma’am.“

Deutlich konnte sie ihren Enkel vor sich sehen, wie er lässig grüßte. „Kindskopf.“

„Sagt Mac auch immer.“

<Mac hier... Mac da...> „Mach deiner Mac jetzt die Suppe; wir hören voneinander.“

„Grandma!“

„Wiederhören, mein Junge.“ flötete sie in den Hörer und beendete mit einem breiten Grinsen das Gespräch.

<MEINE Mac?> Harm starrte das Handy an. Dann erinnerte er sich daran, dass er noch fast alle Zutaten für die Suppe holen musste. Er ging zu Macs Schlafzimmertür und klopfte.

„Mac?“

„Ja?“

„Kann ich reinkommen?“

„’Türlich.“ brummte sie.

Er betrat den Raum und setzte sich aufs Bett. „Ich werde jetzt noch ein paar Besorgungen machen und dir dann das Rabb’sche Geheimrezept zubereiten.“

„Geheimrezept? Ich trinke KEINE obskuren Kräutertinkturen, egal, was du sagst oder tust.“

„Du bekommst eine schöne leichte Hühnersuppe. Die schmeckt und ist gut bei Erkältungen.“

Sie sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. „SUPPE?“

„Jawohl, Suppe. Genauer gesagt Hühnersuppe. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Aber sie muss selbst gekocht sein.“

„Du kannst mir viel erzählen, Mister.“

„Vielleicht. Aber es stimmt.“ Er sah sie an. „Hast du deine Medizin genommen?“

„Ja, Daddy.“ Sie verdrehte die Augen. „Du bist schlimmer als eine Glucke.“

„Die Glucke kommt gleich in den Topf.“ lachte er und erhob sich. „Wenn irgendwas sein sollte... ich hab mein Handy dabei.“

„Vergiss das Eis nicht. Gegen die Halsschmerzen ist Eis gut. Hat der Doc gesagt.“

„Ich werde garantiert genug Eis mitbringen.“ Erneut lachte er. „Ich weiß doch, wie sehr du auf „Chunky Monkey“ und dergleichen stehst.“

„’TSCHI!“ Sie schnäuzte sich laut und sah ihn fragend an.

„Was ist?“

„Ich habe ge... ge... HAAATSCHI!“

„Ich werde jetzt einkaufen gehen. Je eher du dein Süppchen bekommst, desto eher wirst du wieder gesund.“

Sie sah ihn immer noch seltsam an. „Ich habe geniest.“

„Zwei Mal sogar. Und?“

„Da wünscht man „Gesundheit!“.“

Harm lachte laut. „Ich bin doch nicht lebensmüde.“

„Wie bitte?“

„Vorhin hast du mir angedroht, mich zu erschießen, wenn ich das noch einmal sage.“

„Ups.“ Zum ersten Mal an diesem Tag lächelte sie. „Sorry.“

Er grinste zurück. „Ich mach mich jetzt auf den Weg.“

„’Kay.“ Sie legte sich wieder und zog die Bettdecke hoch bis ans Kinn.

„Ist dir kalt?“

„Nein.“

„Gut. Bis nachher dann.“

„Bis nachher.“

Er verließ den Raum, zog Jackett und Mantel an und schnappte sich seine Schlüssel. Auf dem Weg nach unten richtete er noch seine Krawatte.

#

Eine knappe Stunde später betrat er mit drei Tüten beladen wieder ihre Wohnung. Zuerst versorgte er alles, was ins Tiefkühlfach musste, bevor er die anderen Sachen wegräumte. Dann machte er es sich bequemer: Das Jackett landete an Macs Garderobe, seine Krawatte im Koffer. Er holte seine Ersatzkleidung aus der Sporttasche und zog sich im Wohnzimmer um. Die Gefahr, dass Mac auf einmal vor ihm stehen und ihn in irgendeiner „kompromittierenden“ Pose sehen würde, war äußerst gering.

Rasch gab er dem Admiral Bescheid, wie es um Mac stand und wie lange sie ausfallen würde.

„Bleiben Sie heute bei ihr, Commander. Aber morgen brauche ich Sie wieder hier.“

„Verstanden, Sir. Und danke.“

Der Admiral lachte. „Ich möchte nicht Krankenschwester bei einem kranken Marine spielen.“

„Ich auch nicht unbedingt, aber ich... na ja...“ Der Ex-Pilot seufzte leise.

Chegwiddens Tonfall wurde erstaunlich sanft. „Ich weiß, Sie können nicht anders, Harm.“



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RE: Weihnachtsvorbereitungen unter besten Freunden (Re-post!)

#15 von Evi , 07.02.2014 09:22

„Nicht wirklich, Sir.“

„Bestellen Sie ihr gute Besserung. Bis morgen dann.“

„Bis morgen, Sir.“ Harm beendete das Gespräch und legte sein Handy auf den Tisch. Als nächstes bereitete er alles für die Suppe vor und setzte sie auf. Dann machte er sich auf den Weg ins Schlafzimmer.

Leise klopfte er an die Tür. „Mac?“

Keine Reaktion.

Er klopfte lauter. „Sarah...“

Immer noch nichts.

Mit einem mentalen Stoßseufzer – und gefasst auf alles Mögliche oder Unmögliche – öffnete er die Tür und schmunzelte.

Mac schlief tief und fest.

Lächelnd trat er näher und betrachtete sie eine Weile. Auf dem Nachttisch lag ein ganzer Haufen benutzter Taschentücher. Leise holte er eine Mülltüte aus der Küche und warf die Tücher hinein.

„Haaarm...“ stöhnte sie plötzlich.

Er setzte sich aufs Bett und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „Ja?“

„Wobissu?“ krächzte sie kaum hörbar.

„Ich bin hier.“

Ein braunes Auge öffnete sich und sah ihn an. „Bleibst du hier?“

„Natürlich bleibe ich hier.“ Seine Stimme war leise und sanft. „Wie geht es dir?“

„Beschissen.“

Er legte eine Hand auf ihre Stirn. „Du scheinst Fieber zu haben.“

„Weiß nich.“ brummte sie. Harms große Hand war angenehm kühl. „Dasisssööön...“

„Meine Hand?“

„Aha.“ Das Auge schloss sich wieder.

„Ich hole dir einen kalten Waschlappen.“ Er nahm die Hand weg.

„Nicht...“

Er legte die Hand wieder hin. „Okay.“

„Mhm.“ brummte sie.

Mehrere Minuten blieb er so sitzen. Langsam meldete sich sein Rücken und protestierte gegen die gekrümmte Haltung. Aber Harm ignorierte das leichte Zwicken. Ihm lag mehr an Macs Wohl als an seinem.

Schließlich jedoch musste er aufstehen, da er nach der Suppe gucken musste. „Mac?“

„Hm?“

„Ich muss in die Küche... nach der Suppe sehen.“

„Aha.“

„Ich werde dir jetzt einen Waschlappen holen und auf die Stirn legen.“

„’Kay.“

Harm stand auf und streckte sich. Dann ging er ins Bad, holte den mit kaltem Wasser getränkten Lappen und legte ihn auf ihre Stirn. „So.“

„Gut.“

Er schmunzelte über ihre Einsilbigkeit. Immerhin schien sie so „fertig“ zu sein, dass sie keinerlei Protest erhob. „Ich komme gleich wieder.“

„Aha.“ Sie sah ihn an. „Danke.“ wisperte sie.

Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss auf die Nase. „Gern geschehen.“ Mit einem Lächeln im Gesicht verließ er dann ihr Schlafzimmer.

Mac sah ihm hinterher. Sie wollte es nicht laut zugeben, aber sie war froh, dass er da war und sich um sie kümmerte.

In der Küche checkte der Ex-Pilot als erstes, wie weit die Hühnerbrühe war. Kurz sah er auf den Zettel mit dem Rezept und dann auf die Uhr. Eine gute Stunde würde sie noch kochen müssen. Er ging zurück zu Mac.

„Mac?“

„Ja?“

„Die Suppe braucht noch eine ganze Weile. Hast du was dagegen, wenn ich an ein paar Akten arbeite?“

„Nein.“

Er trat zu ihr und fühlte am Waschlappen. „Ich mach ihn noch mal nass.“

„’Kay.“ Ihre Augen blieben geschlossen.

„Ich lasse die Tür auf.“ meinte er, als er fertig war. „Wenn was ist, ruf mich bitte.“

„Aha.“

Mit einem letzten Blick auf sie ging er zurück ins Wohnzimmer und beschäftigte sich in den nächsten 45 Minuten mit einigen mitgebrachten Akten. Richtig darauf fokussieren konnte er sich jedoch nicht, daher wählte er keine Sachen, bei denen er sich stark konzentrieren musste.

Schließlich gab er auf. Außerdem musste die Suppe bald fertig sein. Er stand auf und ging in die Küche. „So, dann wollen wir mal sehen.“ murmelte er und stellte die Herdplatte ab. Er probierte einen Löffel von der Brühe und befand sie für gut. Rasch suchte er ein Sieb, holte das Huhn aus der Flüssigkeit und schüttete die Brühe durch das Sieb in einen anderen Topf.

Dann füllte er einen großen Becher mit der dampfenden Suppe und brachte ihn zu Mac.

„Mac?“ Er setzte sich aufs Bett. „Hier ist die Brühe.“

Sie sah ihn an. „Muss das sein?“

„Ja, das muss sein.“ lächelte er. „Warte, ich helfe dir.“ Er stellte den Becher auf den Nachttisch und half ihr, sich aufzusetzen.

„Danke.“ murmelte sie, als er ihr den Becher gab. Vorsichtig schlürfte sie ein paar Schlucke. „Bäh, ist das heiß.“ brummte sie.

„Ich weiß, aber kalte Brühe schmeckt nicht.“

„Das tut aber weh beim Schlucken.“

Harm schmunzelte unmerklich. <Sie mault herum wie ein kleines Kind.> „Wenn du den Becher austrinkst, bekommst du zur Belohnung ein Eis.“

„Mhmmm.“ Ihre Augen fixierten ihn, als sie behutsam den Rest schlürfte und ihm dann den Becher hinhielt. „Fertig.“ grinste sie erwartungsvoll.

„Braves Mädchen.“ Er strich ihr über die Stirn und erhob sich. In der Küche tauschte er den leeren Becher gegen eine volle Schüssel „Chunky Monkey“ und kehrte ins Schlafzimmer zurück.

Mac saß immer noch aufrecht gegen das Kopfende gelehnt. Als sie die Schüssel sah, wurden ihre Augen immer größer – was ihn leise lachen ließ.

„Nicht so ungeduldig, Marine.“

„Ich habe doch meine... 'TSCHI! ... meine Suppe getrunken, jetzt will ich die Belohnung.“

Er lachte lauter, setzte sich wieder und gab ihr das Gewünschte. „Hier.“

„Mhmmm.“ Sie fing an zu löffeln.

Der Ex-Pilot schmunzelte amüsiert. <Immerhin isst sie etwas, auch wenn es vielleicht nicht gerade das Gesündeste ist.>

Schneller als gedacht war das Eis weg. Sie hielt ihm das Schüsselchen hin. „Kann ich noch was haben?“

„Mac, ich glaube nicht...“

„Das tut sooo gut im Hals.“ unterbrach sie ihn und sah ihm mit ihrem Bambiblick an. „Außerdem hat der Doc gesagt...“

„Ich weiß durchaus noch, was der Doc gesagt. Zu viel Eis ist aber auch nicht gut.“ Es kostete ihn schon Überwindung, ihrem Bettelblick zu widerstehen.

„Das war doch nicht viel.“ lachte sie und musste prompt husten. „Verdammt!“

„Hey, hey.“ Er stellte das Gefäß auf den Nachttisch und half ihr, sich wieder hinzulegen. „Jetzt ist Gesund-Schlafen angesagt. Später gibt es dann noch ein Eis.“

„Jetzt nicht?“

„Nein, jetzt nicht. Du ruhst dich aus.“

Sie rutschte wieder tiefer und verschwand bis zum Kinn unter der Bettdecke. „Zufrieden?“

„Fast.“ lachte er leise. „Wenn du jetzt brav noch die Augen schließt und schläfst...“

Mit einem „Hmpf.“ machte sie die Augen zu und drehte sich auf die Seite. Es dauerte tatsächlich nur ein paar Minuten, bis sie eingeschlafen war.

Harm hörte es an ihrem gleichmäßigen Atmen. Behutsam fuhr sein Finger über ihre Schläfe. „Gute Besserung, Sarah.“ wisperte er und erhob sich schließlich.

In der nächsten Zeit widmete er sich den mitgebrachten Akten. Seine Konzentration war besser als vorhin; schließlich wusste er Mac gut versorgt.

„Harm?“

Die leise Frage holte ihn aus den Gedanken um seinen aktuellen Fall. Sein Kopf fuhr zur Tür.

Im Schlafanzug stand „sein“ Marine an den Türrahmen gelehnt und sah ihn äußerst verlegen an.

„Mac, was machst du hier? Du gehörst ins Bett!“

„Ich... ah... Harm, mir... hm... mir ist da was passiert...“

Er erhob sich und trat zu ihr. „Was denn?“

„Mir... mir war plötzlich übel. Und da...“ Sie hatte es nicht mehr bis ins Bad geschafft. „Mein Bett... das...“

„Schon verstanden, Sarah.“ Sanft packte er sie am Arm, drehte sie um und ging mit ihr zurück in ihr Schlafzimmer. „Das ist kein Problem.“

„Es macht dir nichts aus?“

„Nein.“ erwiderte er schlicht und drückte sie auf einen Stuhl. „Hinsetzen. Wo hast du deine Bettwäsche?“

Sie deutete auf einen Schrank. „Da drin.“

Rasch bezog er das Bett neu. „Bitte sehr.“

„Danke.“ Sie legte sich wieder hin. „Tut mir leid.“

Er setzte sich aufs Bett. „Mac, du bist krank. Da passiert so was schon mal. Ich bin hier, um dir zu helfen.“ Sanft strich er über ihre Stirn. „Du hast aber immer noch Fieber.“

„Ich fühl mich beschissen.“

„Wo ist deine Waschmaschine?“

„Harm, du brauchst das nicht...“

Energisch unterbrach er sie. „Maaac...“

„In der Küche. Ist mit Trockner.“

„Okay. Ich stecke das Zeug schnell da rein, dann ist es sauber.“ Er stand wieder auf und ging in die Küche. Wenige Minuten später war er wieder zurück. „Maschine läuft.“

„Danke.“ murmelte sie.

Er ging ins Bad, feuchtete den Waschlappen an und legte ihn ihr auf die Stirn. „Wenn das nicht besser wird, müssen wir uns was ausdenken.“

„Mhm.“ brummte sie.

„Wo hast du einen Eimer?“

„Eimer?“

„Falls es dir noch einmal schlecht werden sollte.“

„Haaarm...“

Er grinste. „Meine Mom und meine Grandma haben das auch immer bei mir gemacht, wenn ich krank war.“

„Oh.“

„Also, wo ist er?“

„Du kannst den aus der Küche nehmen, im Wandschrank. Aber ich glaube nicht, dass das nötig ist.“

„Sag niemals nie.“ lachte er leise. „Das wusste schon James Bond.“

Amüsiert sah sie ihn an. „Geschüttelt oder gerührt?“

„Weder noch.“ Er war schon fast aus der Tür. „Hoffe ich jedenfalls.“

Wenig später stand der Eimer neben ihrem Bett. Harm setzte sich wieder. „Soll ich heute Nacht hier bleiben?“

„Du hast doch nichts dabei für morgen, keine frische Wäsche, keine Uniform, kein Waschzeug.“

Beunruhigt stellte er fest, dass sie nicht vehement protestiert hatte, wie es normalerweise der Fall gewesen wäre. „Das macht nichts, dann stehe ich halt was früher auf und fahre vor dem Dienst bei mir vorbei.“

„Und wo willst du schlafen?“

„Nebenan, auf deiner Couch.“

„Die ist doch viel zu kurz für dich.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich komm schon alleine zurecht.“

„Ich würde mich wirklich besser fühlen, Sarah.“ Ernst sah er sie an. „Zumindest in dieser ersten Nacht wüsste ich dich dann gut versorgt... ich wäre da, wenn was sein sollte... so wie eben...“

Sie lächelte sanft. „Machst du dir so große Sorgen um mich?“

Statt einer Antwort nickte er nur.

„Du musst dann morgen aber viel früher raus als sonst, das weißt du.“

„Ich schaff das schon.“ grinste er. Er wusste nur, dass er eine äußerst unruhige Nacht vor sich hätte, wenn er zu Hause schlafen würde.

„Ich kann dich nicht davon abbringen?“

„Nicht wirklich.“

„Na gut, dann bleib hier. Wenigstens einer von uns soll sich besser fühlen. Im Badezimmerschrank ist noch eine Zahnbürste.“

„Okay.“ nickte er. „Sag mir, wo ich das Bettzeug finde, und ich erledige alles.“

„Oben auf dem Schrank... in der blauen Box.“

Er stand auf und holte die Box herunter. Als er sie leise lachen hörte, drehte er sich neugierig um. „Was ist?“

„Wenn ich die da runterholen muss, brauche ich eine Leiter.“

Er grinste breit. „Tja, Größe hat auch ihre Vorteile.“

„Dein Ego ist groß genug, Flyboy.“ Sie lachte lauter und musste prompt husten. „Mist verdammter!“

„Langsam, langsam.“

Sie sank tiefer in ihr Kissen. „Shit.“

„Fluchen kannst du jedenfalls noch, Marine.“ Er trat neben das Bett.

„Sehr witzig.“ knurrte sie. „Wenn du nicht immer solche Späße machen würdest...“

„Ich wollte dich nur aufheitern, sorry.“

Sie grinste ihn aus den Kissen an. „Hat ja auch geklappt.“

„Dafür musstest du husten. Das wollte ich nicht.“

„Ich weiß.“ Sie gähnte. „Sorry.“

„Sarah MacKenzie, du bist krank, dein Körper kämpft gegen die Viren. Es ist völlig normal, dass du müde bist.“ Er sah auf die Uhr. „In einer guten Stunde bringe ich dir noch mal etwas Brühe.“

„Meinetwegen. Aber wenn ich die nun auch wieder...“

„Dann kommt das Bettzeug halt wieder in die Waschmaschine.“ unterbrach er sie. „Außerdem hast du ja den Eimer da. Und mich.“

„Danke, Harm.“

„Keine Ursache.“ Er beugte sich hinab und gab ihr einen leichten Kuss auf die Stirn. „Schlaf etwas.“ Nachdem er die Bettdecke noch einmal zurechtgezupft hatte, verließ er den Raum.

„’Kay.“

In der Küche löste Harm das Hühnerfleisch von den Knochen. Er beschloss, einen Teil davon einzufrieren. Aus dem Rest würde er ein Ragout machen. Das war leicht verdaulich und hatte „mehr Substanz“ als die reine Brühe. Auch einen Teil der Brühe fror er ein; sie würde nie und nimmer alles in zwei Tagen aufessen können. Als er mit allem fertig war, sah er auf die Uhr und stellte fest, dass es Zeit für die nächste Ration Suppe war.

Mit einem vollen Becher in der Hand machte er sich auf den Weg Richtung Schlafzimmer. Vorsichtig öffnete er die Tür.

„Mac?“

„Komm rein, ich bin wach.“ murmelte sie.

Er betrat den Raum, ging zum Bett und setzte sich. „Hast du etwas geschlafen?“

Sie sah ihn an. „Ein bisschen.“

„Wie geht es dir?“

„Nicht besonders.“ Als sie den Becher sah, setzte sie sich auf. Vorsichtig trank sie einen Schluck. „Warum muss das Zeug immer so heiß sein?“ Jeder Schluck brannte in ihrem Hals.

„Ein paar Minuten kannst du sie noch abkühlen lassen. Kalt werden sollte sie aber nicht.“

„Wenn ich den Becher austrinke, krieg ich dann wieder ein Eis?“ fragte sie mit großen Augen.

Der Ex-Pilot nickte grinsend. „Jupp.“

„Mhm.“ lächelte sie. „Das ist das einzig Gute an dieser scheiß Erkältung.“

„Gesund ist zwar was anderes, aber du befindest dich im Ausnahmezustand.“

Sie lachte leise. „Den du mit militärischer Präzision zu bekämpfen gedenkst.“

„Anders ist euch beiden ja nicht beizukommen.“ nickte er grinsend.

„UNS beiden?“

„Jupp.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Deiner Erkältung und deinem Sturkopf.“

Entrüstet sah sie ihn an. „HARM!“

„Mac, ich musste mit einem Machtwort Chegwiddens drohen, damit du überhaupt zum Arzt gingst.“

„Du brauchst mich nicht daran zu erinnern.“ schnaubte sie.

Ernst sah er sie an. „Unter normalen Umständen hättest du dich doch ins Büro geschleppt.“

„Ich hasse es, wenn du Recht hast.“

„Solange du nicht mich hasst...“

„Hassen könnte ich dich nicht, Harm.“ Sie atmete tief durch. „Es tut mir Leid, wenn ich eklig zu dir bin. Das hast du nicht verdient.“

Wie bei einem kranken Kind legte er eine Hand auf ihre Wange und streichelte diese mit dem Daumen. „Du bist krank, Sarah. Ich weiß, wie sehr du es hasst, von jemandem abhängig zu sein. Wir sind uns da ziemlich ähnlich.“ Seine Worte waren leise, fast zärtlich.

Mac schloss die Augen und genoss seine sanften Bewegungen.

Harm streichelte sie weiter und sah sie an. Ihr Gesichtsausdruck wirkte so friedlich... glücklich – wenn man von der geröteten Nase absah.

Nach einer Weile merkte er, dass sie eingeschlafen war. Behutsam löste er sich von ihr und suchte das Bad auf. Dann ging er zurück in die Küche, um dort das Ragout einzufrieren und anschließend die Küche aufzuräumen. Nachdem er damit fertig war, packte er seine Akten zusammen. Immerhin hatte er ein bisschen von seinem Pensum abarbeiten können.

Gerade als er seinen Aktenkoffer neben Macs Wohnungstür stellte, meldete sich sein Handy. Irritiert sah er auf die Uhr. Es war kurz nach halb zehn. <Wer ruft mich denn jetzt noch an?>

Seufzend nahm er das Gespräch an. „Rabb.“

„Hi Kumpel.“

„Jack!“

„Leibhaftig, ja.“ lachte Keeter. „Störe ich?“

„Na ja...“

„Oooh... machst du was mit Mac?“ flötete die tiefe Stimme unschuldig.

„Ja... ich meine... nein.“ Harm seufzte. „Zumindest nicht das, was du jetzt vielleicht denkst.“

„Okaaay.“ erwiderte Jack gedehnt. „Was machst du dann mit ihr?“

„Sie pflegen.“

„Sie pflegen?“

„Ja.“ Harm rollte mit den Augen. „Sie hat sich eine ausgewachsene Erkältung eingefangen und ist die ganze Woche krankgeschrieben.“

„Und da spielst du jetzt Krankenschwester?“ fragte Keeter amüsiert.

„So ungefähr.“

„Dann brauche ich ja gar nicht erst zu fragen, wie die Dinge stehen.“

„Nope.“

„Es gibt aber noch einen Grund, weshalb ich anrufe.“

„Und welchen?“

„Dein Wett-Einsatz...“ Keeter wartete gespannt auf Harms Reaktion. „Der steht ja noch aus.“

Der schnaubte missmutig. „Muss das jetzt sein?“

„Es muss nicht sein, aber ich finde, je eher du Bescheid weißt, desto besser.“

„Na gut, schieß los.“

„Du solltest dich vielleicht hinsetzen, Buddy.“

„Jaaack!“ Trotzdem setzte sich Harm auf die Couch.

„Sitzt du?“

„Ja-ha.“

„Okay, jetzt sag ich dir, was auf dich zukommt.“

Harm musste wider Willen lachen. „Eine Frau. Nämlich Mac.“

„Das mit der Frau stimmt.“ Keeter lachte dröhnend. „Aber da du die Wette verlieren wirst, werden es ZWEI Frauen sein.“

„Wie bitte? ZWEI Frauen?“ Harms schnaubte empört. „Jack, ich will nur EINE Frau.“

„Wenn du diese EINE Frau bekommst – ausgemacht war bis Weihnachten –, verlierst du die Wette. Und jetzt kommt die zweite Frau ins Spiel.“

„Verdammt, Jack, hör auf, in Rätseln zu sprechen.“

Erneut lachte der blonde Mann. „Du wirst einen Tag als Frau verkleidet verbringen.“

„Guter Gott, Keeter!“

„Wettschulden sind Ehrenschulden.“

„Nein!“

„Nein?“

„Jack, ich weiß, dass Wettschulden Ehrenschulden sind. Aber ich laufe NICHT als Frau verkleidet herum.“

„Feigling.“ Jack wusste, wie man seinen Freund packen konnte.

Feigling. Da war es wieder, dieses Wort. Das Wort, das er als Mann UND als kampferprobter Offizier nicht auf sich sitzen lassen konnte. „Keeeter.“ knurrte er drohend.

„Buddy, um dir die Sache zu vereinfachen, werde ich mich opfern und mich ebenfalls verkleiden.“

Der Ex-Pilot wollte keinen Streit mit seinem besten Freund. „Na gut.“ lenkte er ein. „Hast du auch schon einen Termin?“

„Noch nicht, aber es könnte sich in der nächsten Zeit eine Möglichkeit ergeben. Ich arbeite da an einer bestimmten Sache.“ Die „Sache“ war brünett und seine aktuelle Freundin. Vielleicht würde sie sogar mehr werden. Aufgrund ihrer Herkunft hatte Jack eventuell eine passende Gelegenheit für ihren „Weiberauftritt“.

„Wehe, du verrätst Mac etwas von der Wette.“

„Harm, du solltest mich besser kennen als mir das zu unterstellen.“

„Sorry, Buddy, aber...“

„Ich weiß, du bist im Stress. Jetzt wohl noch mehr, wo Mac krank ist. Ich will dich nicht länger stören. Bestell ihr mal gute Besserung.“

„Mache ich.“

„Bye, Harm.“

„Bye.“

Sie beendeten das Telefonat.

Harm breitete dann sein Bettzeug auf Macs Couch aus. Er beschloss, ihr noch einen halben Becher Brühe zu bringen. Rasch erwärmte er die Suppe und füllte etwas ab, das er dann ins Schlafzimmer trug.

„Mac?“

„Ja?“

„Hier ist die letzte Portion Brühe für heute.“

„Ich glaube, ich werde diese Nacht nicht vom Klo runterkommen.“ Sie deutete auf die beiden Wasserflaschen auf dem Nachttisch.

Harm grinste. „Viel Flüssigkeit, hat der Onkel Doktor gesagt.“

„Sehr witzig.“ Grimmig sah sie ihn über den Rand des Bechers an.

„Ich soll dich von Jack grüßen. Er wünscht dir gute Besserung.“

„Danke. Ist er immer noch in Washington?“

„Er ist Anfang des Monats überraschend nach Andrews versetzt worden.“

„Dann werdet ihr euch wohl häufiger sehen, oder?“

„Ich denke schon.“

Sie reichte ihm den nun leeren Becher. „Ich vermute mal, JETZT krieg ich kein Eis...“

„Wenn du darauf bestehst, bekommst du eins. Ich wollte aber allmählich ins Bett, schließlich muss ich ja morgen früher raus als sonst.“

„Dann lass das mit dem Eis.“

„Ich hab dir vom Hühnerfleisch was Ragout gemacht, das kannst du morgen essen. Schaffst du das?“

Sie nickte. „Bestimmt, Harm.“

„Hast du deine Medizin genommen?“

„Ja.“

„Okay.“ Er nahm ihr den Becher ab und erhob sich. „Dann schlaf dich gesund, Marine.“ Rasch drückte er ihr einen leichten Kuss auf die Stirn. „Wenn was ist, ich bin nebenan.“

Sie kuschelte sich tiefer in ihre Kissen. „’Kay.“

„Gute Nacht.“ Er warf noch einen letzten Blick auf sie und verließ den Raum.

„Gute Nacht, Harm.“ murmelte sie.

Harm brachte den Becher in die Küche, ging ins Wohnzimmer und stellte sein Handy als Wecker. <Gott, ist das früh...> stöhnte er stumm. Dann zog er sich bis auf Slip und T-Shirt aus und legte sich hin. Es dauerte allerdings eine Weile, bis er eine geeignete Schlafposition gefunden hatte.

Das Nächste, was er registrierte, war das Zwitschern seines Handys, das ihn daran erinnerte, dass er aufstehen musste.

#+#+#

Freitag, 19. Dezember
15:52 Ortszeit
JAG-Hauptquartier, Washington DC


Harm sah auf die Uhr und seufzte erleichtert. Noch eine gute Stunde, und er konnte ins Wochenende entfliehen. Durch Macs Krankheit war sein Arbeitspensum „ein wenig“ größer gewesen als üblich.

Schmunzelnd griff er zum Hörer und drückte die vertraute Schnellwahltaste.

„MacKenzie.“

„Wie geht es dir?“ fragte er leise lachend ob ihres genervten Tonfalls.

„Harm, das habe ich dir doch schon vor einer Stunde gesagt.“

„Inzwischen könnte es dir doch NOCH besser gehen.“

„Tut es aber nicht.“

„Dann wird es Zeit, dass Doc Rabb sich um dich kümmert. Pass auf, ich...“

„Doc Rabb?“ unterbrach sie ihn.

„Jupp, Doc Rabb. In ca. zwei Stunden bin ich bei dir.“

„Du sollst mir nicht deinen wohlverdienten Feierabend opfern. Es geht mir doch schon wesentlich besser als noch Anfang der Woche.“

„Das mag ja sein, aber richtig gesund bist du auch noch nicht. Außerdem opfere ich dir NICHT meinen Feierabend. Ich bin gerne mit dir zusammen, das sollte dir inzwischen klar sein.“

„Ich weiß.“ meinte sie sanft. Und ich freue mich ja auch, Harm.“ Trotz ihrer Erkältung hatte sie seine Gegenwart immer genossen.

„Mac, ich habe nichts vor heute Abend.“ Genauer gesagt hatte er das gesamte Wochenende nichts vor. „Und ich verbringe meine Freizeit lieber in der Gesellschaft eines kranken und missgelaunten Marines als alleine.“

„HARM!“ kam prompt ihr Protest.

„Zwei Stunden, Sarah.“ erwiderte er energisch. „Soll ich noch etwas mitbringen?“

„Nein.“ seufzte sie. „Bis nachher dann.“

„Bis nachher.“ Er legte auf.

Drei Minuten später klingelte sein Telefon. Ohne hinzusehen griff er nach dem Hörer.

„Rabb.“

„Einen Topf „Chunky Monkey“ bitte.“ tönte es erstaunlich kleinlaut durch die Leitung.

„Ich höre, dir geht es doch besser. Gestern jedenfalls wolltest du kein Eis.“

„Blödmann.“

Er lachte. „Pass auf, was du sagst, Marine. Sonst bringe ich dir stattdessen die ekligste Medizin mit, die die Apotheke zu bieten hat.“

„Ich werde nur mit „Chunky Monkey“ wieder richtig gesund.“ behauptete sie trotzig. „Die Halsschmerzen habe ich ja auch damit wegbekommen.“

„Okay. Aber dir reicht doch nie und nimmer nur ein Topf.“

„Gegen eine Extraportion Sünde habe ich nichts einzuwenden.“ Ihre Belustigung war nicht zu überhören.

<Extraportion Sünde... DAGEGEN hätte ich auch nichts einzuwenden...> Seine Auffassung von „Sünde“ hatte jedoch rein gar nichts mit Eis zu tun. <Reiß dich am Riemen, Rabb.> Ihm wurde plötzlich ziemlich warm, zudem verspürte er eine „gewisse“ Reaktion. <Am Riemen reißen... ja klar...> Er atmete tief durch.

„Harm, bist du noch da?“

„Klar doch.“ Er holte erneut tief Luft. „Bis später dann.“

„Bye.“

Sekundenlang starrte er auf den Hörer, bevor er ihn zurück auf den Apparat legte.

Die restliche Zeit verging wie im Fluge. Pünktlich konnte er sein Büro verlassen und sich auf den Heimweg machen. Als hätten die Götter ein Einsehen mit seinen Plänen, kam er sogar reibungslos und ohne Stau in seiner Wohnung an.

Dort zog er sich rasch um und packte seinen Seesack für das Wochenende. Dabei hatte er die ganze Zeit ein dämliches Grinsen im Gesicht. Mac würde gehörig protestieren, aber er hatte sich in den Kopf gesetzt, das ganze Wochenende bei und mit ihr zu verbringen. Die Nacht von Montag auf Dienstag hatte er ja schließlich auch ohne Probleme überstanden.

35 Minuten später verließ er seine Wohnung wieder und machte sich auf den Weg zu „seinem“ Marine. Unterwegs musste er einen kleinen Umweg fahren, da er bei einem speziellen Geschäft etwas bestellt hatte, worüber Mac sich garantiert freuen würde.

Einen Block vor ihrem Appartementhaus bog er dann auf den Parkplatz des Supermarktes ein und tätigte einen Großeinkauf, der für das Wochenende reichen sollte. Vier Packungen „Chunky Monkey“ waren auch darunter.

Bepackt wie ein Esel öffnete er schließlich ihre Wohnungstür.

„Mac, ich bin da!“ rief er und schloss die Tür hinter sich.

„Was ist denn das?“ ertönte plötzlich ihre Stimme hinter ihm.

Er fuhr herum.

Sie stand in Schlafanzug, Morgenmantel und dicken Socken vor ihm und sah ihn fragend an.

Er grinste breit. „Das ist deine Sünde, Marine. Und noch ein paar leckere Kleinigkeiten.“

„Nein, ich meine deinen Seesack.“

„Ach so... der...“ Er stellte besagtes Teil neben die Tür und hielt eine der Einkaufstüten hoch. „Das muss schnell ins Tiefkühl.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, marschierte er mit sämtlichen Lebensmitteln in die Küche.

Mac folgte ihm. „Haaarm... der Sack...“

Er packte das Eis weg und stellte die restlichen Tüten auf den Küchentresen. Dann drehte er sich um. „Hunger?“

„Harm...“ Sie wurde ungeduldig. „Was soll das?“

Er grinste breit. „Da sind Klamotten zum Wechseln drin; mein Kulturbeutel... halt alles, was ich übers Wochenende brauche. Du musst mir nur ein Handtuch leihen.“

„Handtuch leihen?“ Ihre Augen wurden immer größer. „Willst du etwa hier bleiben?“

„Jupp.“ Er lehnte sich gegen die Anrichte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du brauchst gar nicht erst den Versuch eines Protestes zu starten, Marine. Die nächsten 50 Stunden weiche ich nicht von deiner Seite.“

Sie sah ihm an, dass er es ernst meinte und jede Diskussion darüber sinnlos sein würde. Zudem genoss sie seine Gegenwart, gerade jetzt, wo sie durch ihre Erkältung ans Haus gefesselt gewesen war. „Na gut.“ meinte sie und grinste dann. „Aber aufs Klo gehen oder duschen darf ich doch noch alleine, oder?“

„Klo definitiv ja, aber Dusche...“ Ein arrogantes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Das müssen wir mal sehen.“

„HARM!“ Sie gab ihm einen Klaps auf die Brust.

Er packte ihre Hand und drückte sie. „Zu zweit duschen kann sehr viel Spaß machen. Außerdem spart es Wasser.“ Seine Stimme war tief und leise geworden.

„Ahm... na ja... aber nicht, wenn man Spaß hat.“ erwiderte sie schmunzelnd, unsicher, WIE ernst er es meinte.

Seine Mundwinkel zogen sich nach oben, seine Augen fixierten die ihren. „Manchmal doch.“

„Hm.“ machte sie verlegen und sah zu Boden. <Er flirtet ja schon wieder...> In den letzten Wochen war sie verdächtig oft das „Flirt-Ziel“ gewesen. Ein sanftes Rumoren in ihrem Bauch erinnerte sie daran, dass sie heute noch nicht viel gegessen hatte.

Sie hob den Kopf. „Was willst du kochen?“

„Wie?“ Harms Gedanken waren noch „in der Dusche“. Er blickte hinter sich und grinste. „Oh... ja... also, was Schmackhaftes für dich und was Leckeres für mich.“

Ihre Augen wurden groß. „Was denn?“

„Etwas, womit du bestimmt wieder zu Kräften kommst.“

Sie machte den Hals lang und versuchte, den Inhalt der Tüten auszuspähen.

„Ah-ah.“ Er schob die Tüten aus ihrem Blickfeld.

„Haaarm... verrate es mir doch.“ Sie klimperte mit den Wimpern. „Bitte, bitte...“

Diesem Blick hatte er noch nie widerstehen können. „Reicht es, wenn ich dir verrate, dass es totes Tier ist?“ lächelte er.

„Fisch?“ Sie wusste, sie hatte ihn am Haken. Ihr war nur nicht bewusst, wie sehr.

„Nein.“

„Fisch ist aber auch totes Tier.“ grinste sie.

„Das stimmt, aber es ist etwas Schmackhaftes für DICH.“ Er tippte ihr gegen die Schulter.

„Dann ist es Fleisch!“ rief sie enthusiastisch und strahlte über das ganze Gesicht.

„Aha.“ nickte er. „Ein schönes saftiges Steak.“

„Oooh jaaa.“ Mac machte vor Freude fast einen Luftsprung.

„Genauer gesagt ein fein marmoriertes und gut abgehangenes Kobe-Steak.“

Geschockt sah sie ihn an. „Harm, du bist verrückt!“



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