Santa Mau und Santa Wuff

#1 von Evi , 07.01.2010 16:43

So, der Vollständigkeit halber poste ich hier jetzt auch die Weihnachts-FF aus dem Adventskalender von 2009

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Santa Mau und Santa Wuff


Autor: Evi
RATING: PG
DISCLAIMER: Alle JAG-Charaktere sowie die Serie „JAG“ selbst gehören Donald P. Bellisario, CBS und PARAMOUNT.

Diese FF ist „etwas“ unter Zeitdruck geschrieben worden, so dass mein Beta-Kuscheltier (leider) keine Korrektur mehr lesen konnte. Daher mögen die geneigten LeserInnen etwaige Fehler bitte entschuldigen. Sie gehen ganz allein auf mein Konto... *grinst*

***

Sonntag, 22. Dezember; 07:34 PST Ortszeit
La Jolla, Kalifornien


„Daddy, Daddy! Aufwachen! Santa Mau ist da!“

Die helle Kinderstimme holte Harm aus tiefem Schlaf. „Wwersssummmteu...“ nuschelte er in sein Kissen hinein und tastete nach seiner Frau. Dort, wo sie normalerweise lag, herrschte gähnende Leere.

„Mmmaaac?“ murmelte er und öffnete ein Auge. Keine Mac zu sehen.

„Daddy!“

Der dunkelhaarige Mann drehte sich um und sah seinen Sohn an, der aufgeregt und zappelnd vor dem Bett stand. „Was ist denn, Pat?“

„Santa Mau ist wieder da.“ Der Sechsjährige grinste seinen Vater an.

Harm hatte keine Ahnung, wovon der Junge sprach. Er gähnte. „Wer ist Santa Mau?“

„DADDY!“ Pat stemmte die Hände auf die Hüften. „Wir haben dir doch von Santa Mau und Santa Wuff erzählt.“ Vorwurfsvoll runzelte er die Stirn über die Begriffsstutzigkeit seines Vaters.

„Santa Mau? Santa Wuff?“ Der Ex-Pilot rieb sich den Schlaf aus den Augen und verstand immer noch nichts.

„Harm, Santa Mau ist eine Katze.“ ertönte da Macs amüsierte Stimme von der Tür her. „Und Santa Wuff ein Hund.“

Als er seine Frau hörte, wurde Harm richtig wach. „Morgen, Marine. Ich hab dich vermisst. Wo warst du?“

„Guten Morgen, du Schlafmütze.“ Sie trat neben das Bett und reichte ihm ihre vier Monate alte Tochter Nalani. „Nalani hatte Hunger... und ein verschmutztes Heck.“ Sie lachte, als sie seinen Gesichtsausdruck sah, und setzte sich auf die Bettkante.

Der Ex-Pilot griff nach seiner Tochter und legte sie auf seine Brust. „Na meine Süße, hast du Mommy geweckt?“

Das Baby blickte in das lächelnde Gesicht seines Vaters und gluckste vor sich hin.

„Daddy, du musst dir Santa Mau ansehen. Sie hat kein Zuhause. Darum wollen Frannie und ich sie doptieren.“

Harm lachte leise. „Du meinst wohl „adoptieren“?“

„Sie soll hier wohnen.“ Pat sah seinen Vater flehend an. „Biiiittteee, Daddy...“

„Du weißt doch gar nicht, ob sie kein Zuhause hat.“

„Sie hat bestimmt keins. Sonst würde sie doch nicht immer zu uns kommen.“

Harm seufzte leise. „Pat, Katzen laufen viel in der Gegend herum. Ihr Revier ist ganz bestimmt viel größer als unser Garten.“

„Was ist ein Revier?“

„So etwas wie ein Garten.“

„Aber wenn sie ihren Garten bei uns hat, kann sie doch auch hier wohnen.“

„Patrick, wir können...“

„Mommy!“ Ein lauter Schrei ertönte, als sich die Schlafzimmertür ganz öffnete und Frannie auf ihre Mutter zu rannte. „Santa Wuff will rein, Mommy.“

„Das ist dann wohl der Hund...“ murmelte Harm und verdrehte die Augen, was Mac schmunzeln ließ.

„Daddy, kann ich Santa Wuff zu Weihnachten haben?“ Frannie hatte diesen bettelnden Kinderblick genauso drauf wie ihr Bruder.

„Fran, ich glaube nicht...“

„Ich will Santa Mau haben!“ rief Pat dazwischen.

Harm stöhnte – dieses Mal laut. Er betrachtete seine jüngste Tochter, die inzwischen an einem seiner Finger nuckelte. „Gott sei Dank reichen DIR Milch und ein sauberer Po, Engelchen.“

Nun musste Mac lachen. „Noch, Flyboy. Es wird nicht lange dauern, dann wird sie ihren eigenen Dickschädel haben.“

„Den du von deiner Mommy geerbt hast...“ Er grinste das Baby an und strich mit dem Zeigefinger über die zarte Wange.

„Au!“ rief er kurz darauf und verzog das Gesicht. Mac hatte ihm einen Klaps auf die nackte Schulter gegeben.

„Wessen Dickschädel sie geerbt hat, wird sich noch zeigen.“ kicherte sie. „Du kannst nur beten, dass sie nicht BEIDE mitbekommen hat.“

„Beide?“

„Jupp, Darling. Deinen UND meinen.“

„Ich soll einen Dickschädel haben?“ fragte er unschuldig und grinste frech.

Sie nickte. „Mhmmm...“ Ihre Augen funkelten vergnügt.

„Mommy, Daddy... Santa Mau und Santa Wuff haben Hunger.“

Mac wandte sich den Zwillingen zu. „Ich komme gleich. Ihr dürft sie schon mal in die Küche lassen. Aber nur in die Küche!“ rief sie den beiden hinterher, die schon fast aus dem Zimmer waren.

„Du hast Katzenfutter im Haus?“ Harm riss die Augen auf. Als sie nickte, fuhr er fort. „Ich finde, sie sind noch zu klein für einen Hund oder eine Katze.“

„In diesem Fall wären es Hund UND Katze.“

„Noch schlimmer.“ stöhnte er. „Über ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen oder einen Vogel ließe sich ja vielleicht reden, aber Hund und/oder Katze... nein danke.“

„Warum nicht?“ Sie stand auf, umrundete das Bett und streckte sich neben ihm aus, den Kopf auf eine Hand gestützt.

„Die Arbeit, Mac!“ Er sah sie an. „Du hast schon genug zu tun mit den Zwillingen und dem Baby und dem Haus.“

„Meerschweinchen, Vogel oder Kaninchen machen auch Arbeit.“

„Bist du etwa dafür, dass sie diese Tiere behalten?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Die Kinder haben Santa Wuff und Santa Mau in ihr Herz geschlossen, seit die das erste Mal hier aufgetaucht sind.“

„Und wann war das?“

„Vor zwei Wochen.“

Er runzelte die Stirn. „Warum erfahre ich dann jetzt erst davon?“

„Harm, bis gestern warst du doch auf dieser NATO-Konferenz in Neapel.“

„Ja und? Wir haben fast jeden Tag miteinander telefoniert. Da hat keiner was gesagt.“

„Doch, haben wir.“ Mac grinste verschmitzt. „Aber du warst anscheinend zu erledigt, um alles richtig mitzubekommen.“ Sie wollte ihm nicht auch noch unter die Nase reiben, dass er sogar zwei- oder dreimal am Telefon eingeschlafen war.

„Maaac.“

„Harm, zwischen uns lag ein Zeitunterschied von 9 Stunden. Diese zwei Wochen waren für dich mehr als anstrengend mit den vielen Meetings, Workshops, Geschäftsessen und diesem ganzen Brimborium.“

„Du hast ja Recht.“ Er nickte. „Manchmal wundere ich mich, wie Chegwidden das alles gemanagt hat.“

„Der hatte Tiner.“

„Und ich hab Jennifer, die ist mindestens genauso gut, wenn nicht noch besser. Trotzdem...“ Er seufzte und sah sie zerknirscht an. „Hab ich sehr viel nicht mitbekommen?“

„Hm-hm.“ Sie schüttelte den Kopf. „Nur das mit Santa Wuff und Santa Mau.“

„Gott sei Dank. Ich dachte schon, ich würde alt.“

Mac gab ihm einen Kuss und kicherte. „Du WIRST alt, Flyboy.“

„Mac!“

„Na ja... sagen wir mal, du wirst älter. Aber du alterst wie ein sehr, sehr guter Wein. Die werden richtig sexy.“

Er lachte. „Ein Wein wird nicht sexy, Weib.“

„Aber du.“ zwinkerte sie.

„Danke, Mrs. Rabb.“ Er grinste sein klassisches Rabb-Grinsen.

Sie setzte sich auf. „Ich muss mal nach den Kindern sehen.“

„Wenn du nichts dagegen hast, bleibe ich noch was liegen. Schließlich habe ich zwei wichtige Wochen im Leben von Nalani Rabb verpasst.“

„Harm, du leidest eher unter dem Jetlag. Noch passiert nicht viel bei der Kleinen.“

„Doch, sie lächelt jetzt mehr als vorher.“ Er blickte auf seine Tochter, die friedlich schlief. „Sie hat dein Lächeln, Marine.“

Mac gab ihm einen letzten Kuss und rutschte vom Bett. „Bis nachher, Seemann.“

Harm sah seiner Frau hinterher. Dann betrachtete er das Baby. „Du bist das Ebenbild deiner Mommy, meine Kleine.“ Er streichelte vorsichtig über den weichen dunklen Flaum. Nalani roch nach Babypuder und sogar noch ein bisschen nach süßer Milch. Selbst im Schlaf nuckelte sie immer noch an Harms Finger herum.

Es dauerte nicht lange, und der Ex-Pilot folgte seiner Jüngsten ins Reich der Träume.

*

75 Minuten später weckte ihn ein sanfter Kuss auf die Wange.

„Hmpf.“ machte er.

„Aufstehen, Darling. Dein Frühstück wartet.“ flüsterte Mac.

„Hmmm... Frühstück... klingt phantastisch...“ Er drehte den Kopf zu ihr. „Wie spät ist es?“

„Gleich halb 10.“

„Wo ist Nalani?“

„Die hab ich schon vor 56 Minuten wieder in ihr Bett gebracht.“

„Warum hast du mich nicht geweckt?“

„Du brauchtest den Schlaf.“ Sie setzte sich auf die Bettkante. „Du leidest noch unter dem Jetlag.“

„Tu ich nicht.“

Ihre Augen funkelten amüsiert. „Bist du sicher?“

„Warum...“ Er runzelte die Stirn und dachte nach. Dann riss er die Augen auf. „Oh... ähm... ja, okay...“ Sein Räuspern klang mehr als verlegen. „Marine, warum nur musst du immer Recht behalten?“

„Tatsachen kann man schlecht verleugnen, Herr Anwalt.“

„Ja, ja...“ brummte er und wollte nicht mehr an die vorherige Nacht erinnert werden. Er hatte definitiv nicht vorgehabt, so früh einzuschlafen wie er dann eingeschlafen war.

„Steh auf, die Zwillinge warten.“

Er schwang die Beine aus dem Bett. „Was ist mit diesen Viechern?“

„Santa Mau und Santa Wuff?“

„Jupp.“

„Spielen mit den Kindern in der Küche.“

„Woher kommen eigentlich diese seltsamen Namen?“ Er erhob sich und schlurfte ins Bad.

Sie folgte ihm. „Die Katze ist schneeweiß mit roten Ohren und einer roten Schwanzspitze. Pat ist der Meinung, sie sieht aus wie Santa Claus.“

„Eine Katze, die aussieht wie Santa Claus?“ Er sah sie skeptisch an und griff nach seinem Rasierapparat.

Mac grinste. „Santa Wuff sieht genauso aus. Aber er hat außerdem noch so entzückende Schlappohren.“

„Hast du dich etwa verliebt, Marine?“ schmunzelte er.

Ihre Wangen röteten sich. „Na ja... Tierkinder sind doch sehr niedlich... und wenn Santa Wuff einen anguckt...“

„Du HAST dich verliebt.“ Er wedelte mit dem surrenden Gerät vor ihrer Nase herum. Sein Grinsen wurde immer breiter. „Habe ich Grund, eifersüchtig zu sein?“

„Red keinen Quatsch, Captain. DU brauchst auf nichts und niemand eifersüchtig zu sein.“

Nun lachte er laut. „Soll das etwa heißen, dass DU auf irgendwen eifersüchtig bist?“

„Abgesehen von den ganzen attraktiven Frauen, die dich täglich umschwärmen?“ Sie kicherte. „Nope.“

„Maaac, du hast überhaupt...“

„Harmon Rabb Jr., du bist sooo leicht zu durchschauen...“ Lachend gab sie ihm erst einen Klaps auf seinen Hintern und dann einen Kuss auf die Wange. „... und aus dem Konzept zu bringen...“

„Weib, du kannst froh sein, dass die Kids auf uns warten. Sonst würde ich dir auf der Stelle zeigen, was ich von so einer Bemerkung halte.“ Seine plötzlich sehr tiefe Stimme ließ deutlich erkennen, an was er dachte.

Mac lachte. „Später, Flyboy, später. Jetzt ab mit dir unter die Dusche und dann komm endlich. Wir haben Hunger.“ Sie verließ das Badezimmer und ging hinunter in die Küche.

Harm starrte ihr amüsiert hinterher. Dann gönnte er sich eine rasche Dusche. Schließlich zog er seine bequemste Jeans und ein Sweatshirt an.

In der Küche angekommen sah er, dass alle bereits am Tisch saßen.

„Na endlich, Daddy.“ Sein Sohn sah ihn missbilligend an. „Du brauchst aber lang.“

Der Ex-Pilot grinste. „Ich musste mich doch noch fein für euch machen.“

„Fein?“ Mac lachte und deutete auf seine Jeans. „Mit dem ollen Ding?“

„Sie ist so herrlich be... WAAAHHH!“ rief er überrascht aus und schaute an seinem Schenkel hinunter. „Was ist DAS?“

Ein dreistimmiges lautes Lachen antwortet ihm. „Das ist Santa Mau.“

Harm starrte in das Gesicht einer kleinen Katze, die inzwischen bis zur Hüfte an seinem Bein hochgeklettert war.

Sie sah ihn an und mauzte leise.

„Du musst sie festhalten, Daddy. Sonst fällt sie runter.“

Er griff vorsichtig nach dem kleinen Tier und löste es behutsam von seiner Jeans. „Ich bezweifle, dass sie runterfällt, Fran. So wie die sich festgekrallt hat.“ Er rieb unbewusst seinen Oberschenkel, während er dem Tier in die Augen blickte.

„Mmmrrraaauuu.“ Große blaugrüne Augen sahen ihn neugierig an.

Harm strich mit dem Zeigefinger über den kleinen Kopf, woraufhin das kleines Wesen in lautes Schnurren ausbrach. „So klein und machst schon so viel Krach.“ lachte er leise.

„Sie mag dich, Daddy.“ Pat stand jetzt neben seinem Vater und schaute zu ihm hoch. „Dürfen wir sie behalten? Sie ist doch noch so klein.“

Harm würde es nie zugeben, aber er hasste es, dass er den bittenden Blicken seiner Kinder nicht oder nur sehr schlecht widerstehen konnte. „Mal sehen, Pat.“

Mac wusste in diesem Moment, dass sein Widerstand bröckelte. Wahrscheinlich war die Kletteraktion von Santa Mau nicht ganz unschuldig daran.

„Setzt euch, damit wir endlich anfangen können.“ meinte sie jedoch nur.

Der große Offizier tat wie ihm geheißen, gefolgt von seinem Sohn. „Mal sehen... was hast du denn alles Gutes vorbereitet?“

„Körnerfutter für Daddy, Honig-Pops für die Kinder und für mich...“

„... gebratenen Speck.“ Er beäugte skeptisch ihren Teller und zog die Nase kraus. „Musst du immer so ungesund essen?“

„Ich esse, was mir schmeckt. Zum Frühstück ist das erlaubt.“ Ein triumphierendes Grinsen begleitete Macs Worte. Immerhin bestand Harm immer darauf, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit des Tages. Daher konnte er auch schlecht etwas gegen die süßen Flocken der Kinder sagen.

Er schüttelte lachend den Kopf. „Du weißt doch immer ganz genau, wie du mich reinlegen kannst, Marine.“

„Wo legt Mommy dich rein?“

Nun lachte er erst recht. „Frannie, Mommy legt mich nirgendwo rein; sie macht nur Spaß mit mir.“

„Ach sooo...“

Es vergingen einige Minuten, in denen alles mit essen beschäftigt waren.

„Harm, ich hab übrigens mit deiner Mom ausgemacht, dass wir Weihnachten zu ihnen gehen. Trish meinte, da sie letztes Jahr hier waren und wir das Baby haben, wolle sie dieses Mal alles vorbereiten.“

„Cool, wir gehen zu Granny Trish.“ krähte Frannie los. Sie liebte den großen Garten der Burnetts; vor allem aber das große Baumhaus, das Frank zusammen mit Harm im Sommer gebaut hatte.

„Dürfen Santa Mau und Santa Wuff auch mit?“

„Nein, Pat.“ Mac schüttelte den Kopf. „Die können wir nicht mitnehmen.“

„Warum nicht?“

„Sie gehören uns doch nicht. Vielleicht sitzt jetzt irgendwo ein kleiner Junge oder ein kleines Mädchen und weint, weil sein Hund weggelaufen ist.“

„Aber dann können wir doch Santa Mau behalten.“

Harm wandte sich an seinen Sohn. „Pat, ich denke, Santa Mau UND Santa Wuff gehören zu irgendjemand. Vielleicht nicht zur selben Familie, aber sie haben bestimmt ein Herrchen oder Frauchen.“

„Aber...“

„Aaahhh... wer zum...“ Harm schrie erschrocken auf und schob hastig seinen Stuhl zurück. Verstört blickte er unter den Tisch.

Zwei braune Augen sahen ihn mit dem treuherzigsten Dackelblick an, den er je gesehen hatte. Rote Schlappohren umrahmten das Gesicht eines Hundebabys, das kaum älter als 10 Wochen sein konnte. Schwanzwedelnd kam dieses Wesen nun auf ihn zu und leckte seinen Zeh.

„Hey! Lass das!“ Er zog rasch seinen nackten Fuß unter seinen Stuhl. „Beiß mich nicht...“

„Santa Wuff leckt nun mal gerne an Zehen herum.“ lachte Mac. „Dein Pech, wenn du im Haus ohne Schuhe herumläufst.“

„Aber bitte nicht an meinen.“ Noch während er das sagte, kam Santa Wuff unter dem Tisch hervor und setzte sich neben Harms Stuhl. „Bei Tisch wird nicht gebettelt.“

„Wuff!“

„Maaac...“

„Du bist neu für ihn; er will dich nur kennen lernen.“

„Das ist ein „er“?“

„Jupp.“ Sie fing an zu kichern. „Vom Benehmen her müsste es eigentlich eine „sie“ sein.“

„Warum?“

„Du und deine Wirkung auf das andere Geschlecht. Du ziehst weibliche Wesen magisch an.“

„Maaac, ich...“

„Ist Santa Wuff nicht süß, Daddy?“ unterbrach Frannie ihren Vater.

„Na ja... ganz niedlich sieht er ja aus.“ Das war wieder etwas, was Harm nicht zugeben wollte. Aber der kleine Hund hatte sein Herz im Sturm erobert. Er blickte auf ihn hinab.

Geduldig saß der Vierbeiner neben Harms Stuhl und beobachtete ihn genau. Als er jetzt merkte, wie Harm ihn musterte, erhob er sich und wedelte freudig mit dem Schwanz.

Mac schmunzelte. Zumindest ein Haustier würde demnächst den Rabb’schen Haushalt bereichern.

„Wwrrufff!“ Santa Wuff stupste Harm am Oberschenkel.

„Was will er?“

Fran war aufgestanden und neben ihren Vater getreten. „Du sollst mit ihm spielen. Das macht er immer so.“ Sie streichelte den Kopf des Tieres.

Harm schielte zu Mac. „Echt?“

„Jupp.“ lächelte sie.

„Was spielt ihr denn so?“

„Fangen oder verstecken.“ rief Pat von seinem Platz aus, den Mund voller Honig-Pops.

Harm grinste das Hunde-Baby an. „Ich wette, da gewinnst immer du.“

„Wwrrufff... wwrrufff!“ kam die Antwort.

Harm musste lachen und fragte sich, ob da der Hund mit dem Schwanz wedelte oder der Schwanz mit dem Hund. Das ganze Tier wackelte und bebte.

„Mommy, können wir raus zum Spielen?“

„Erst wird gefrühstückt, ihr Helden.“ meinte Mac bestimmt und grinste ihren Ehemann an. „Das gilt auch für dich, Harm.“

„Ich hab doch gar nichts gesagt.“ versuchte sich dieser zu verteidigen.

Sie lachte lauter. „Ich kenne dich, Mister. Du kannst es kaum erwarten.“

Nun grinste er verlegen wie ein kleiner Junge, sagte aber kein Wort. Unauffällig – zumindest in seinen Augen – glitt seine Hand auf den flauschigen Kopf des Hundes und begann, ihn hinter den Ohren zu kraulen.

„Siehst du, Mommy, Daddy mag Santa Wuff auch.“ Francine sah ihre Mutter an. „Wir müssen ihn einfach behalten.“ fügte sie im Brustton der Überzeugung hinzu.

„Frannie, erstmal müssen wir sehen, ob der nicht doch jemand gehört. Sonst heißt es nachher noch, wir hätten ihn gestohlen.“

Das Mädchen blickte Harm erschrocken an. „Ehrlich?“

„Ja, Mommy hat Recht.“ nickte er. „Mit der Katze ist es genauso.“

„Wenn Santa Mau und Santa Wuff keinem gehören, dürfen wir sie dann behalten?“ Erwartungs- und hoffnungsvoll sahen ihn beide Kinder an.

Harm wand sich innerlich. „Ich muss das erst mit Mommy bereden.“

„Aber Mommy hat doch nichts dagegen.“

„Pat, ich hab gesagt, wir müssen Daddy fragen. Das ist eine wichtige Entscheidung. Schließlich leben Haustiere einige Jahre. Die wollen versorgt sein; das ist ein bisschen so wie bei Kindern.“

Harm blickte die Zwillinge ernst an. „Wollt ihr denn für sie sorgen?“

„JA!“ ertönte ein enthusiastischer Chor.

„Ihr müsst sie füttern, die Schlafplätze sauber halten... mit Santa Wuff Gassi gehen... das Klo...“

„Was ist Gassi gehen, Daddy?“

Er schmunzelte in sich hinein. „Dann geht man mit dem Hund spazieren, damit der sein Häufchen machen kann. Und das muss man mindestens zwei Mal am Tag machen. Bei Wind und Wetter.“

„So oft muss der aufs Klo?“

„Wenn er stubenrein ist, dann muss man mit ihm Gassi gehen. Sonst macht er hier überall hin... ins Wohnzimmer... in die Küche... vielleicht auch in eure Zimmer...“

Pat verzog das Gesicht. „Iiiihhh!“

„Baaah!“ rief Frannie gleichzeitig.

„Mommy, muss man mit Santa Mau auch Gassi gehen?“

„Nein, eine Katze hat ihr Katzenklo. Aber das muss man sauber machen.“

„Kann Santa Wuff nicht auch auf das Klo von Santa Mau gehen?“

Harm und Mac bissen sich beide auf die Zunge, um nicht laut loszulachen. „Nein, das geht nicht.“

„Schade.“

Harm blickte erleichtert zu seiner Frau. Wenigstens schien keiner der Zwillinge wissen zu wollen, warum genau ein Hund nicht auf ein Katzenklo gehen konnte. Macs Grinsen zeigte ihm, dass sie ganz ähnlich dachte.

„Ich sehe, alle sind satt.“ Sie erhob sich. „Ihr könnt jetzt mit Santa Mau und Santa Wuff draußen spielen gehen. Aber verlasst ja nicht das Grundstück!“ rief sie der Meute aus Kindern und Tieren noch energisch hinterher.

„Jaaa, Mommy!“

„Und wann darf ich raus?“ fragte Harm grinsend.

„Wenn du die Küche in Ordnung gebracht hast UND wir über Hund und Katze geredet haben.“

Er stand ebenfalls auf. „Können wir das nicht heute Abend machen?“

„Ich dachte, du wolltest was mit den Kindern im Garten spielen?“

Er nickte und zog sie in seine Arme. „Da will ich auch. Allerdings wäre mir ein anderer Spielgefährte NOCH lieber.“ Seine Hände wanderten über ihren Rücken.

„Hast du etwa ein Tier aus Neapel mitgebracht?“ kicherte sie.

Ein tiefes Lachen rumpelte durch seine Brust. „Nah, mein Spielzeug ist ein süßer und verdammt sexy Marine... mit großen braunen Bambiaugen...“

„Habt ihr schon wieder Neuzugänge im Büro, von denen ich nichts weiß?“

Er löste sich von ihr. „Maaac.“

„Zu Diensten, Captain.“ Sie deutete einen Salut an. „Aber nicht jetzt. Erstens können die Kinder jeden Moment wieder ins Haus kommen, zweitens dürfte Nalani bald...“

„Uuuääähhh...“ tönte es wie aufs Stichwort durch das Babyphon auf der Anrichte.

„... Hunger haben.“ vollendete Harm lachend den Satz. „Okay, geh du das Baby füttern; ich zieh mir rasch ein Paar Schuhe an und mache die Küche.“

„Du willst doch nur schnell raus und spielen, Flyboy.“

Er grinste sein patentiertes Rabb-Grinsen. „Ist das denn so schlimm, wenn ich nach so langer Abwesenheit mit meinen Kindern spielen will?“

„Nope, du Kindskopf. Vor allem macht das Herumtoben viel mehr Spaß, wenn da noch ein Hund ist, der mitspielt.“

„Santa Mau tobt nicht?“

„Harm, Katzen sind keine wirklichen Rudeltiere wie Hunde. Die gehen lockere Beziehungen ein. Wir Menschen sind für sie in erster Linie Dosenöffner.“ Sie lachte. „Was aber nicht heißen soll, dass eine junge Katze nicht toben kann. Du hast es doch selbst gespürt.“

„Ja, sie hat gedacht, ich bin ein Baum.“

„Aus ihrer Sicht bist du ja auch groß wie ein Baum.“

„UÄÄÄH UUÄÄÄÄHHH!“ Das Klagen aus Nalanis Zimmer wurde eindringlicher.

„Nun verschwinde schon, Mommy.“ Harm drehte sie zur Tür und gab ihr einen Klaps auf den Po.

„Das zahl ich dir heim, Sailor!“ rief sie von der Treppe aus.

„Immer doch, Sweetheart!“ Mit großen Schritten folgte er ihr und holte sie auf dem Treppenabsatz ein. Rasch drückte er ihr einen Kuss auf die Wange. „Lass mich nur nicht ZU lange warten.“

Sie verschwand im Kinderzimmer. „Schuft!“

Harm zog sich seine Sneakers über und ging wieder nach unten in die Küche. Fröhlich pfeifend machte er sich ans Werk.

Gerade als er fertig war, kam Mac mit dem Baby auf dem Arm die Treppe hinunter. „Dein Engel ist wieder satt und sauber.“

„Und richtig wach.“ Er nahm ihr die Kleine ab und drückte sie an sich. „Willst du mit Daddy spielen?“

„Bahbahababab.“

„Soll das „ja“ heißen?“ Neugierig blickte er Mac an.

Diese zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, ich höre das zum ersten Mal.“

„Bababab.“

„Klingt wie „Papa“. Meinst du „Papa“, mein Schatz?“

„Mabababmam.“

„Ähm... ja... okay.“ Er sah Mac etwas hilflos an. „Ich werd da nicht schlau draus.“

„Baby-Gebrabbel. Das muss keine Bedeutung haben.“

„Schade.“

Mac ging derweil zum Sofa im Wohnzimmer. „Setz dich, dann können wir reden.“

„Wegen der Tiere?“

Sie rollte mit den Augen. „Wegen was denn sonst?“

„Was weiß ich...“ Er setzte sich neben sie und legte ihre Füße in seinen Schoß. Nalani lag auf den Oberschenkeln ihrer Mutter.

„Also, schieß los. Du scheinst dafür zu sein, dass wir Santa Mau und Santa Wuff behalten.“

„Ja, bin ich.“

„Warum? Und wie stellst du dir das vor, Mac?“

„Es ist eine gute Möglichkeit, die Kinder Verantwortung zu lehren.“

„Aber Tiere kann man nicht so einfach wieder abschaffen, wenn sie einmal da sind.“

„Ich weiß. Ich hab mir dazu folgendes überlegt...“

In der nächsten halben Stunde erläuterte Mac ihren Plan. Zuerst war der Ex-Pilot sehr skeptisch, aber nachdem er ihr eine Weile zugehört hatte, musste er zugeben, dass sie gute Argumente für ihren Standpunkt hatte.

Schließlich teilte Harm ihr seine Bedenken mit. Er sah eine Menge Mehrarbeit auf sie zukommen, auch wenn die Zwillinge intensiv in die Pflege mit einbezogen werden würden. Immerhin war da noch ein Säugling, der die meiste Aufmerksamkeit seiner Mutter brauchte.

Es ging eine Weile hin und her, jedes Argument wurde buchstäblich auf die Goldwaage gelegt. Ihre Diskussionen waren nicht mehr so hitzig wie einst in Washington, aber sie schenkten sich auch nichts. Da waren sie immer noch die alten Sturköpfe.

Nach fast zwei Stunden endlosen Debattierens grinsten sie sich an.

„Sieht so aus, als hätten wir eine gute Lösung gefunden.“ grinste Harm.

Mac lachte. „Jupp, wir waren gut.“

„Wir sind immer gut.“ lachte er. „Kümmerst du dich um die Details? Ich mach den Rest.“

Sie nickte. „Denk dran, du musst auch noch einen Baum besorgen.“

„Ich weiß.“ seufzte er. „In Washington war das einfacher. Hier findest du zig Arten von Palmen, aber...“

„Komm mir bloß nicht mit einem Kaktus wieder.“ Lachend hob sie einen Zeigefinger.

„HA!“ rief er. „Ein Rabb findet immer einen Tannenbaum. Hatten wir nicht schöne Bäume in den letzen Jahren?“

„Ja, ja... Piloten-Ego findet Weihnachtsbaum. Vermutlich bist du bis nach Oregon geflogen, um einen zu holen.“

Er grinste. „Nicht ganz.“

„Wie bitte?“ Sie riss die Augen auf. „Soll das etwa heißen, du hast wirklich mal einen Tannenbaum eingeflogen?“

„Mhmm.“ nickte er. „Einfliegen lassen.“

Dazu fiel ihr nun nichts mehr ein. „Tse!“ machte sie kopfschüttelnd.

„Ein Captain kann sich ein paar Extravaganzen erlauben.“ Sein Grinsen grenzte schon an Unverschämtheit.

„Und Captain Rabb ganz besonders.“ erwiderte sie trocken.

„Hey!“

Nun grinste SIE frech. „Das kann wiederum ICH mir erlauben, den großen Captain Harmon Rabb Jr. wieder auf den Boden der Tatsachen holen.“

„Ich glaube, ich kümmere mich jetzt besser mal um den Baum...“ versuchte er einen strategischen Rückzug.

„Jaaa...“ meinte sie gedehnt. „Wenn’s brenzlig wird, zieht die Navy den Schwanz ein.“

Langsam wanderte seine linke Braue in die Höhe. „Marine, Marine...“

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum...“ fing Mac leise an zu singen.

„Noch subtiler geht es wohl nicht?“ Er schob ihre Beine beiseite und stand auf. „Du bringst mich um wilde Spiele im Garten.“

„Solange es nur die Gartenspiele sind...“ lachte sie verschmitzt.

„Sarah MacKenzie-Rabb, werd nicht noch frech. Die Spiele, die du gerade im Sinn hast, sind nichts für den Garten.“

„Ach nein? Ich hab da aber andere Erinnerungen.“

Harm stöhnte. „Gott, Weib.“

„Nun hau endlich ab und hol den Baum. Alles andere kommt später.“

„Versprochen?“

„Versprochen.“

„Braves Mädchen.“ Mit diesen Worten verließ er das Wohnzimmer und schnappte sich die Autoschlüssel, um den Tannenbaum zu organisieren.

Mac grinste ihre Tochter an, die immer noch auf ihren Schenkeln lag. „Dein Daddy ist wirklich ein großer Kindskopf, Nalani.“

„Bababamamab.“

Sie kitzelte den Bauch des Mädchens und lachte. „Genau das sag ich auch immer.“

*

Mittwoch, 25. Dezember; 08:03 PST Ortszeit
Elternschlafzimmer; La Jolla, Kalifornien


Mac stupste ihren Ehemann an der Schulter. „Harm.“

„Hmpf.“ brummte Harm. „Wassssiss?“

„Aufwachen, Flyboy. Ich höre die Zwillinge im Haus herumtrappeln.“

Er öffnete ein Auge. „Hmmm.“

„Frohe Weihnachten, Schlafmütze.“ Sie küsste seine raue Wange. „Ich liebe dich.“

„Liebdichauch.“ murmelte er und schloss das Auge wieder.

„Hey, nicht wieder einschlafen. Deine Eltern kommen in 37 Minuten zum Frühstück.“

Nun riss er beide Augen auf. „So früh?“

„Jaaa... du weißt doch... die Überraschung...“

„Was?“ Er gähnte. „Wie? Welche Über...? Oh... ach so... ja... DIE Überraschung...“ Er reckte sich und dehnte dabei seine Muskeln.

„Außerdem wollen die Kinder ihre Geschenke auspacken. Trish und Frank wollten doch dabei sein.“

„Ich weiß.“ Er rutschte zur Bettkante und setzte sich aufrecht. „Was macht Nalani?“

„Ist gefüttert und trockengelegt und schläft wieder wie ein Engel.“ Macs Gesichtszüge wurden weich, als sie an das Baby im Nebenzimmer dachte, dem sie zur Feier des Tages einen Strampler mit weihnachtlichen Motiven angezogen hatte.

„Wann war sie denn wach?“

„Gegen 6:24 Uhr.“

Er stöhnte. „Oh Mann...“

„Darling, du kannst im Moment eh nicht viel machen, wenn sie morgens Hunger hat. Noch stille ich sie ja.“

Mac brauchte nicht hinzuzufügen, dass das ihre liebste Zeit war, wenn alle noch schliefen und sie sich ganz ihrem Baby widmen konnte. Harm hatte ein paar Mal neben ihr gesessen und stillschweigend den Anblick seiner Frau und des Säuglings genossen.

„Aber wenn sie mit der Flasche anfängt...“

Sie lachte. „Ja, Daddy, dann darfst auch du den Nalani-Fütter-Trockenleg-Dienst übernehmen.“

„Mit Vergnügen.“ Harm erhob sich. „Ich geh mal schnell unter die Dusche.“ Mit diesen Worten spazierte er ins Badezimmer.

Mac sah ihm hinterher. Sein Haar war im letzten Jahr grauer geworden, aber er hatte kaum an Gewicht zugelegt. Er war immer noch ein Mann, nach dem sich die Frauen umdrehten.

Eine leise Kinderstimme holte sie aus ihren Tagträumen. „Mommy?“ Francine steckte vorsichtig den Kopf zur Tür herein.

„Fröhliche Weihnachten, Frannie.“ Mac klopfte auf die Matratze neben sich. „Komm her.“

„Santa Wuff ist nicht da.“ Traurig blickte die Sechsjährige ihre Mutter an. Normalerweise stand das Hundebaby nämlich um diese Zeit an der Rabb’schen Terrassentür.

„Vielleicht kommt er ja noch...“

Die Kleine schüttelte den Kopf. „Santa Wuff ist nie zu spät.“

„Habt ihr denn Santa Mau gesehen?“

„Nein, aber Pat sucht sie überall.“

Mac runzelte die Stirn. „Ist er etwa rausgelaufen?“

„Mhmm.“ Frannie nickte.

Mac sah ihre Tochter streng an. „Francine, was hab ich euch gesagt? Dürft ihr in den Garten, ohne zu fragen?“

„Hm-hm...“ Das Mädchen schüttelte den Kopf und sah aus, als würde es jeden Moment in Tränen ausbrechen.

„Wir müssen wissen, wenn ihr draußen seid.“

„Ja... aber... Santa Mau...“ Nun floss eine erste Träne.

„Schsch, Baby... es wird bestimmt alles gut.“ Sie nahm die Kleine in den Arm. „Daddy guckt gleich mit euch nach Santa Mau und Santa Wuff.“

„Mac, wo ist mein...“ Harm kam aus dem Bad geschlendert und sah seine Tochter mit Tränen auf den Wangen im Bett sitzen. „Frannie! Was ist denn?“

„Santa Wuff ist nicht gekommen.“ schniefte sie.

Mac zwinkerte verschwörerisch. „Und Santa Mau auch nicht.“

„Oooh...“ meinte er gedehnt und schmunzelte.

Fran warf sich ihrem Vater um den Hals. „Daddy, sie sind beide weg. Ich will sie wiederhaben.“

„Daddy hilft euch gleich beim Suchen.“ Er streichelte seiner großen Tochter über den Rücken. „Aber zuerst muss ich mich anziehen.“

„Kannst du nicht... jetzt...?“

Mac musste wider Willen kichern. „Francine, Daddy kann doch nicht nackt durch den Garten laufen.“

„Daddy ist nicht nackt.“

„Ein Handtuch um die Hüften ist aber so was ähnliches wie nackt.“

„Ich bin doch auch schon nackt im Garten rumgelaufen. Dann kann Daddy das auch.“

Harm schnaubte amüsiert. „Du bist ein kleines Mädchen, die dürfen das.“

„Ich bin kein kleines Mädchen. Ich bin schon groß!“ protestierte Fran.

„Ja, das bist du, mein Schatz. Und ein großes Mädchen ist vernünftig und erlaubt seinem Daddy, sich anzuziehen.“

„Na gut.“ Sie löste sich von ihm. „Aber dann suchen wir alle nach Santa Mau und Santa Wuff.“

„Granny und Grandpa kommen gleich zum Frühstück.“ meinte Mac.

„Die können auch mithelfen beim Suchen.“

„Wir müssen sie aber vorher fragen.“ Harm lachte. „Ich glaube nicht, dass Granny Trish an Weihnachten durch den Garten kriechen will. Schließlich kommen sie, um euch ihre Geschenke zu bringen.“

„Daddy, ich möchte sooo gern Santa Wuff haben.“

„Wollt ihr denn eure Geschenke gar nicht auspacken?“ Harm runzelte die Stirn.

„Doch... schon... aber...“ Francines Unterlippe bebte.

Beide Eltern sahen sich besorgt an. Das entsprach nun gar nicht dem Naturell der Kinder.

„Ah... ich geh schon mal runter und decke den Frühstückstisch.“ Harm zwinkerte Mac vielsagend zu. „Kommst du mit, Fran?“

Ihre Antwort kam ohne viel Begeisterung. „Ja, Daddy.“

„Harm, guck dann bitte mal nach Pat. Er ist in den Garten gelaufen, Santa Mau suchen.“

„Einfach so?“

„Anscheinend.“

„Na, dann werde ich wohl mal ein Wörtchen mit ihm zu reden haben.“

„Aber sei nicht zu streng... es ist Weihnachten. “

Der Ex-Pilot grinste und deutete einen Salut an. „Aye, Ma’am.“

Mac streckte ihm daraufhin nur die Zunge raus.

„Frannie, komm.“ Er streckte eine Hand aus.

Fran schob ihre Hand in die große ihres Vaters. Sie gab ihr wie immer Sicherheit und Trost. Gemeinsam verließen sie dann das Schlafzimmer.

Unten angekommen fand Harm Pat in der Küche sitzend vor. Der Junge sah aus wie ein Häufchen Elend.

„Frohe Weihnachten, mein Großer.“ meinte er munter und wuschelte ihm durch die Haare.

Pat blickte seinen Vater an. „Frohe Weihnachten, Daddy.“ Von dem sonst üblichen Enthusiasmus fehlte jede Spur.

„Patrick, wo warst du?“

„Ich hab Santa Mau gesucht, Daddy.“

„Du weißt doch, dass ihr nicht einfach so in den Garten sollt, ohne uns Bescheid zu sagen.“

„Ja, Daddy.“ Pat seufzte schwer, was für einen Sechsjährigen sehr merkwürdig klang. „Ich wollte Santa Mau suchen. Sie war nicht da.“

„Ich weiß, Frannie hat uns das mit Santa Wuff erzählt.“ Harms Stimme war voller nun Mitgefühl, auch wenn er kurz zuvor seinen Sohn gerüffelt hatte. Aber jegliche Vorfreude auf Weihnachten schien beiden Kindern verloren gegangen zu sein, seit ihre vierbeinigen Lieblinge verschwunden waren.

„Wir gehen nachher noch mal zusammen suchen, Pat. Ich helfe euch dabei. Das habe ich auch schon zu Frannie gesagt. Aber zuerst müssen wir den Frühstückstisch decken, gleich kommen Granny und Grandpa. Helft ihr mir dabei?“ Er blickte seine Tochter an, die immer noch an seiner Hand hing.

„Na gut, Daddy.“

In den nächsten Minuten waren die drei damit beschäftigt, den Tisch herzurichten. Harm vermisste das sonst fröhliche Geschnatter der Zwillinge.

„Das sieht ja schon gut aus.“

Harm drehte sich zur Tür.

Dort stand Mac mit Nalani auf dem Arm. „So genieße ich mein Frühstück.“ Sie grinste breit. „Alles fix und fertig für einen hungrigen Marine.“

„Na ja, wir mussten uns ein bisschen beeilen, schließlich kommen Mom und Dad gleich.“ Er gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange. „Die Zwillinge sind am Boden zerstört, weil die Tiere nicht zu finden sind.“ raunte er ihr dabei ins Ohr.

„So schlimm?“ wisperte Mac zurück.

„Mhmmm.“ brummte er zustimmend.

Auf einmal packte Nalani Harms Ohr und zog daran. „Mbabmbababuuh.“

„Au!“ rief er erschrocken.

„Brrrmmmabbrrabbam.“

„Ja, ich weiß.“ Harm rieb sich sein Ohr und gab seiner Jüngsten einen Kuss. Er hatte keine Ahnung, was das Baby vielleicht gemeint haben könnte.

„Setzt euch schon mal hin, ich hole nur...“

Ein Klingeln an der Haustür unterbrach ihn. Er warf einen wissenden Blick zu Mac, die leicht nickte.

Was allerdings eigenartig war: Keiner der Zwillinge machte Anstalten, zur Tür zu laufen und sie zu öffnen. Normalerweise konnten die Kinder es nicht erwarten, ihren Großeltern die Tür zu öffnen.

Es klingelte erneut.

„Wollt ihr nicht nachgucken, wer das ist?“ fragte Mac.

„Das sind doch nur Granny und Grandpa.“

„Seid ihr sicher?“

„Ja.“

„Und wenn es Santa Claus ist?“

„Der kommt doch immer in der Nacht. Der war schon da und hat Geschenke unter den Baum gelegt.“

„Vielleicht hat er ja was vergessen?“ Harm sah die Zwillinge fragend an.

Francine blickte vorwurfsvoll zu ihrem Vater. „Daddy, Santa Claus vergisst keine Geschenke. Aber er mag uns nicht mehr.“

„Warum?“

„Pat und ich... wir... wir haben uns so sehr Santa Mau und Santa Wuff gewünscht. Und nun sind sie weg. Santa Claus mag uns nicht mehr.“ Francine stand erneut kurz vor den Tränen.

Es klingelte erneut, dieses Mal länger als zuvor.

„Nun lauft schon und macht die Tür auf.“ drängte Mac.

„Kann Daddy nicht die Tür aufmachen?“

„Patrick...“

„Sorry, Daddy.“ Der Junge erhob sich und schlurfte zur Tür.

Bis er sie erreicht hatte, klingelte es erneut.

„Frannie, willst du nicht auch nachsehen?“

„Nööö...“

„FRANNIE!“ Ein lauter Schrei hallte durch den Flur.

„MOMMY! DADDY!“ Aufgeregt kam Pat in die Küche gerannt und ergriff Frannies Hand. „Fran, komm mit... Santa Wuff ist wieder da! Und Santa Mau auch!“ Lachend rannte er mit seiner Schwester zur Tür.

„Na endlich.“ wisperte Mac. „DAS nenn ich richtige Weihnachtsstimmung.“

Plötzlich klopfte es an der Terrassentür.

Beide drehten sich um und erblickten die lachenden Gesichter von Trish und Frank.

Harm öffnete ihnen die Tür. „Frohe Weihnachten, Mom, Dad.“ Er umarmte seine Eltern. „Wir mussten die Kinder richtig drängen, damit sie die Tür öffneten.“

„Daddy! Mommy! Kommt schnell gucken!“ rief Pat laut.

„Wir kommen!“ rief Mac. An ihre Schwiegereltern gewandt meinte sie entschuldigend: „Frohe Weihnachten auch von mir. Und danke für das alles hier.“

„Keine Ursache, Mädchen.“ Trish grinste wie ein Honigkuchenpferd.

Mac lachte und reichte ihr Nalani. „Hier, nimm du sie mal. Hey, Frank.“ Sie umarmte ihren Schwiegervater.

„MOMMY!!!“

„Wir sind unterwegs!“ Harm und Mac eilten in den Flur.

Die Zwillinge standen in der immer noch offenen Haustür und hüpften aufgeregt auf und ab.

„Mommy, Santa Claus mag uns doch. Guck mal! Er hat mir Santa Wuff gebracht.“

„Und mir Santa Mau!“

Die beiden Eltern grinsten sich an und blickten dann auf das Bild, das sich ihnen bot.

Dort in der Tür... da standen sie: Santa Mau und Santa Wuff. Beide angebunden und mit einer großen roten Schleife am Halsband bzw. Katzengeschirr.

„Mrrraaauuu... miiirrraaauuu.“

„Wuff, wrrruuufff.“

„Können wir sie reinholen, Mommy?“

Harm legte Mac einen Arm um die Schulter und antwortete für sie. „Natürlich.“

„Dürfen wir sie behalten?“

„Natürlich.“ Diesmal gab Mac die Antwort. Sie schmiegte sich an ihren Ehemann.

„Für immer?“ Die Frage kam jetzt synchron von beiden Kindern.

„Ja.“ kam die synchrone Antwort der Erwachsenen.

„Cool!“

Beide Kinder beeilten sich, ihre Tiere loszubinden und ins Haus zu holen. Nachdem sie die Tür geschlossen hatten, fielen sie ihren Eltern in die Arme, während Santa Wuff schwanzwedelnd um das Ensemble herumlief.

„Danke, Mommy, Daddy! Wir dürfen sie behalten! Das ist SOOO cool!“

„Au!“ rief Harm plötzlich. Lachend blickte er auf die kleine Katze, die erneut an ihm hochgeklettert war. „Santa Mau, eins wirst du lernen müssen: Ich bin KEIN Baum!“

„Mrrraaauuu.“

„Wuff, wuff, wuff.“

Die Vier waren so in sich vertieft, dass sie überhaupt nicht mitbekamen, wie Trish ihre Kamera zückte und jede Menge Fotos machte, die noch Jahre später Stoff für die eine oder andere Anekdote boten.

Es sollte eine ganze Weile dauern, bis sich alle – inkl. der Tiere – soweit beruhigt hatten, dass sie frühstücken konnten. Sogar Mac hatte ihren knurrenden Magen überhört, was für einen ewig hungrigen Marine wie sie schon ein bemerkenswertes Ereignis war.


The End



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Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects!!!

 
Evi
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