Shenandoah von Kalimera

#1 von Petra , 04.05.2007 00:17

Shenandoah

von Kalimera


17.08 Z-Zeit
JAG-HQ, Falls Church, Virginia

Das Jahr war noch keine zwei Wochen alt und schon lagen Major Sarah MacKenzie und Lt. Commander Harmon Rabb sich wieder in den Haaren.
„Du hättest mich über den neuen Zeugen in Kenntnis setzen müssen, das war unfair von dir“, schimpfte Mac. „Weshalb hätte ich das tun sollen? Der Fall hat sich doch damit erledigt, mein Mandat ist unschuldig“, erwiderte ihr Kollege mit einem breiten Grinsen. „Mich einfach so ins offene Messer laufen zu lassen, das ist wieder typisch für dich“, regte Mac sich weiter auf. „Ach komm, Mac, lass uns zusammen Mittag essen und uns wieder vertragen, es war doch nur ein Fall.“

Aber so schnell war sie dieses Mal nicht zu beruhigen. „Wenn du glaubst, dass du mich mit einer Mahlzeit bestechen kannst, dann hast du dich aber gewaltig getäuscht. Ich mache noch meinen Bericht fertig, danach fahre ich nach Hause und genieße meinen Urlaub. Zwei Wochen ohne deine hinterhältigen Tricks werden mir gut tun.“ Mit diesen Worten ließ sie ihn vor dem Verhandlungszimmer stehen und stürmte in ihr Büro.

Harm zuckte nur mit den Schultern, in letzter Zeit stritten sie sich wieder häufiger, vielleicht war es wirklich besser, wenn sie sich einige Zeit aus dem Weg gingen.
Auch er hatte in der nächsten Woche ein paar Tage frei, die er für Wartungsarbeiten an seiner Stearman nutzen wollte. Bei den eisigen Temperaturen, die zur Zeit herrschten, konnte er ohnehin nicht fliegen.
Seufzend machte er sich auf den Weg in sein Büro.


23.34 Z-Zeit, drei Tage später
Sarah MacKenzies Wohnung,
Georgetown, Washington D.C.

Mühsam setzte Mac sich auf dem Sofa auf. Sie hatte den ganzen Tag in einem Buch über Dinosaurier geschmökert, das sie gestern bei ihrem Besuch im National Museum of Natural History erstanden hatte. Erst jetzt merkte sie, wie hungrig sie war.
„Harm wird mir nie glauben, dass ich eine Mahlzeit verpasst habe“, grinste sie in sich hinein. „Wieso bin ich letzte Woche nur so aus der Haut gefahren? Ich muss wirklich urlaubsreif gewesen sein. Ich sollte mich bei ihm entschuldigen, vielleicht mit einer Einladung zum Abendessen als Friedensangebot…“

Nachdem Mac vergeblich versucht hatte, Harm telefonisch zu erreichen, beschloss sie trotzdem zu ihm zu fahren. Wahrscheinlich hatte er den Tag auf dem Flugplatz verbracht und würde gleich nach Hause kommen.
Nachdem sie sich ihre Lieblingsjeans und ihren neuen Pullover angezogen hatte, schlüpfte sie in ihre dicke Winterjacke und verließ gutgelaunt die Wohnung.


30 Minuten später,
nördlich der Union-Station, Washington D.C.

Langsam stieg Mac aus ihrem Auto, sie hatte bereits gesehen, dass kein Licht im Apartment ihres Kollegen brannte. Sie zögerte, sollte sie trotzdem auf ihn warten? Auf einmal sah sie ein kleines Licht hinter den Fenstern aufflackern. „Wahrscheinlich ist bei seinen Bastelarbeiten wieder einmal die Sicherung herausgeflogen. Kein Wunder, dass sein Telefon nicht funktioniert, allerdings hätte er dann auch sein Handy einschalten können.“ Froh, dass sie nicht vergebens hergefahren war, stieg sie in den Fahrstuhl.

Vor Harms Wohnungstür angekommen, strich Mac sich noch einmal die Haare zurecht und klingelte
Keine Reaktion. Als sie an die Tür klopfen wollte, öffnete diese sich von allein.
Vorsichtig trat sie in die Wohnung, die jetzt wieder ganz im Dunkeln lag. Noch bevor ihre Augen sich an die Finsternis gewöhnen konnten, wurde Mac von hinten ergriffen und sie spürte nur noch, wie jemand einen mit einer stark riechenden Flüssigkeit getränkten Lappen auf ihr Gesicht drückte. Dann wurde Major Sarah MacKenzie bewusstlos.


1.14 Z-Zeit
nördlich der Union-Station, Washington D.C.

Harmon Rabb betrat pfeifend das Haus, Morgen würde er die letzten Ersatzteile einbauen, dann war sein Flugzeug so gut wie neu. Fröstelnd öffnete er die Tür zu seinem Apartment, jetzt brauchte er erst einmal einen heißen Kaffee. Nachdem er die Kaffeemaschine angestellt hatte, stieg er schnell unter die Dusche, um sich die Ölflecken vom Körper zu waschen.
Er zog sich frische Sachen an, nahm seine gefüllte Kaffeetasse und setzte sich auf die Couch.
Eigentlich hätte er sich jetzt gern mit jemandem unterhalten, nachdem er den ganzen Tag allein mit seiner Stearman gewesen war.
„Schade, dass Mac sauer auf mich ist, sonst könnten wir dieses neue italienische Restaurant an der East Capitol Street ausprobieren.“

Das Klingeln des Telefons durchbrach die Stille. In der leisen Hoffnung, dass Mac der Anrufer sei, griff Harm den Hörer und meldete sich: „Lt. Commander Rabb“
„Rabb, wie geht es Ihnen? Als ich Sie vorhin besucht habe, ist mir etwas in die Hände gefallen, was Sie bestimmt gerne wieder hätten“
„Wer ist denn da?“, Harm kam die Stimme bekannt vor, konnte sie aber nicht zuordnen.

„Sie werden mich doch nicht vergessen haben? Schließlich habe ich es Ihnen zu verdanken, dass man mich nach Leavenworth gesteckt hat. Aber ich bin noch überall rausgekommen.“
„Palmer, Sie Abschaum! Was soll das heißen, als Sie mich besucht haben? Waren Sie in meinem Apartment? Wie sind Sie hier hereingekommen?“
„Rabb, Sie sollten doch nun wirklich wissen, dass mich nichts aufhält. Auf jeden Fall habe ich Ihre hübsche Freundin mitgenommen.“

„Welche hübsche Freundin, ich habe keine Freundin!“
„Oh, dann kann ich sie also behalten? Aber vielleicht möchten Sie doch noch einmal mit ihr sprechen.“ Eine zitternde Stimme erklang: „Harm, es tut mir Leid…“ „Mac, wie um alles in der Welt…Wie, wie geht es Ihnen, hat er Ihnen etwas angetan?“
Palmer sprach wieder mit gehässiger Stimmer: „Sie erinnern sich ja doch an Ihre Freundin. Naja, so eine Frau würde ich auch nicht vergessen.“

„Was wollen Sie, Palmer?“ fragte Harm mit kaum unterdrückter Wut in der Stimme, „wehe, Sie tun ihr etwas an.“
„Keine Angst, Commander, solange Sie tun, was ich verlange, geschieht ihr nichts. Sie sind daran schuld, dass ich nach Leavenworth kam, an Ihnen will ich mich rächen.“
„Was verlangen Sie?“

„Fahren Sie mit Ihrem Wagen in den Shenandoah National Park, um diese Jahreszeit ist man dort ganz allein. Am Fuße des Saddleback Mountain befindet sich ein kleiner Parkplatz, dort werde ich Sie in zwei Stunden erwarten. Ach ja, sollten Sie mit dem Gedanken spielen, die Polizei oder sonst irgendjemanden zu informieren, müsste ich mich doch noch mit Ihrer kleinen Freundin beschäftigen. Also, tun Sie besser, was ich sage, sonst wird es Ihnen Leid tun.“ Das Freizeichen ertönte, Clark Palmer hatte die Verbindung unterbrochen.

Blass legte Harm den Telefonhörer weg.

Seine Mac in den Händen dieses Verbrechers! Er schaute auf die Uhr. Zwei Stunden waren nicht viel für diese Strecke. Er steckte seine Waffe ein und verließ schnellstens das Haus.
Kurz kam ihm der Gedanke, wenigstens den Admiral zu benachrichtigen, doch er verwarf ihn sofort wieder. Wenn Mac etwas zustoßen würde, könnte er es sich nie verzeihen.
Aufheulend ließ er den Motor an und brauste davon.


2.58 Z-Zeit
Shenandoah National Park, Virginia

Trotz des starken Schneefalls, der kurz nach Washington eingesetzt hatte, raste Harm so schnell der Motor es zuließ. Allerdings bremste er in den Ortschaften kurz auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit ab, nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Polizei ihn jetzt anhielte.
Endlich erreichte er den National Park, jetzt konnte man vor lauter Schnee kaum noch die Hand vor Augen sehen. Glücklicherweise kannte er sich durch zahlreiche Wanderungen hier so gut aus, dass er auch bei diesem Wetter den von Palmer angegeben Parkplatz fand.

Er machte den Motor aus und wartete.


2.59 Z-Zeit
in einer Hütte am Saddleback Mountain,
Shenandoah National Park

Zufrieden summend durchschritt Clark Palmer die kleine Hütte.
Entsetzt musste Mac mitansehen, wie er seine Ausrüstung packte um Harm zu töten. Sie war an einen Stuhl gefesselt und geknebelt, aber wenigstens hatte Palmer sie nicht wieder mit Chloroform betäubt.

Er verließ die Hütte und sofort versuchte Mac sich zu befreien. Die leichte Übelkeit, die noch von der Betäubung herrührte, verstärkte sich wieder, aber Mac wusste, dass sie nicht viel Zeit hatte.
Sie nahm mit ihrem gesamten Körper Schwung und kippte den Stuhl, auf dem sie saß, zur Seite. Jetzt, da sie selbst am Boden lag, robbte sie mühsam mit dem Stuhl an die Steinwand heran und begann den alten Holzstuhl so heftig sie konnte dagegen zu schlagen.

Nach einigen Minuten musste sie vor Erschöpfung innehalten. Sie dachte an Harm, der ihretwegen irgendwo da draußen war und in den sicheren Tod lief. Wieder nahm sie ihre ganze Kraft zusammen und nach einigen weiteren Versuchen hörte sie, wie der Stuhl auseinanderbrach.
Hastig befreite Mac sich von ihren Fesseln und dem Knebel, sprang auf und rannte vor die Tür.
Draußen tobte ein gewaltiger Schneesturm, der Boden war bereits mit einer 20 Zentimeter hohen Schicht bedeckt, der Weg kaum noch zu erkennen. Mac lief so schnell sie konnte den Berg hinunter, vielleicht war es noch nicht zu spät…


3.11 Z-Zeit
am Fuße des Saddleback Mountain,
Shenandoah National Park

Harm, der hinter einem Gebüsch wartete, hörte ein leises Geräusch. Durch das Heulen des Sturmes konnte er aber nicht sagen, aus welcher Richtung es kam. Er zog seine Waffe, glücklicherweise trug er seine schwarze Lederjacke, so dass er in der Dunkelheit gut getarnt war.
Da! Hinter ihm ertönte das Geräusch wieder. Leise schlich er hinter einigen Bäumen entlang und spähte vorsichtig auf die Lichtung, von der er die Laute gehört hatte.
Seine Nerven waren zum Reißen gespannt. Er hob die Waffe, trat hinter dem Baum hervor und sah – einen Luchs, der ein Kaninchen gerissen hatte.
Harm holte tief Luft, hoffentlich hatte er Palmer nicht auf sich aufmerksam gemacht.

Er sah sich vorsichtig um, da ertönte ein Schuss und eine Kugel verfehlte ihn nur knapp.
„Wie schön, dass Sie gekommen sind, Rabb. Ich habe lange darauf gewartet Sie zu töten.“ Durch den vielen Schnee war es Harm unmöglich, Palmers Stimme zu orten.
Er ging hinter einem Baum in Deckung. „Wo ist Major MacKenzie? Was haben Sie mit ihr gemacht?“ überschlug seine Stimme sich.
„Ich habe noch gar nichts mit ihr gemacht“, antwortete Palmer, „erst sind Sie an der Reihe, danach widme mich Ihrer reizenden Kollegin.“

Harm wurde vor Wut eiskalt, er musste Palmer töten, bevor dieser Mac etwas antun konnte. Sein Körper straffte sich, er trat hinter dem Baum hervor und schoss auf die Stelle, von der er die Stimme gehört hatte.
Der erwartete Schmerzensschrei blieb aus, stattdessen hörte er, wie Palmer flüchtete. Harm setzte ihm nach, den steilen Bergpfad hinauf. Als er an seinem Auto vorbeikam, sah er aus den Augenwinkeln, dass Palmer sämtliche Reifen aufgeschlitzt hatte. Sollte er Mac finden, blieb ihnen als einziges Fluchtmittel Palmers Wagen.
Palmer flüchtete weiter den Berg hinauf, immer am Gebirgsfluss entlang, Harm hatte Mühe, ihn nicht aus den Augen zu verlieren.
Von einer Kiefer über Harm fiel eine Ladung Schnee auf ihn hinab, der kurze Augenblick genügte Palmer zu entwischen.

Vorsichtig tastete Harm sich weiter, bereit, jederzeit in die Dunkelheit zu schießen.


3.38 Z-Zeit
Saddleback Mountain,
Shenandoah National Park

Mac konnte jemanden heftig atmen hören, wusste aber nicht, ob es Harm oder Palmer war.
Sie befand sich direkt am Gebirgsfluss, der aufgrund des starken Schneefalls mehr Wasser als gewöhnlich führte. Jetzt wurde das Atmen lauter, Mac verbarg sich hinter einem Baum und beobachtete, wie Palmer auf der anderen Seite des Weges entlang rannte und dann selbst hinter einem Gebüsch in Deckung ging.
Ihr Herz blieb beinahe stehen, als sie sah, dass Harm den Pfad hochkam, nicht ahnend, dass Palmer mit gezogener Waffe auf ihn wartete.

„HARM – NEIN - ER LAUERT DIR AUF!“

Dann hörte man einen Schuss.


3.42 Z-Zeit
Saddleback Mountain,
Shenandoah National Park

Harm erstarrte für Sekundenbruchteile als er den Schuss hörte, dem ein weiblicher Schmerzensschrei folgte. Ohne an seine eigene Sicherheit zu denken, rannte er auf die Stelle zu von der Macs Schrei gekommen war.
Von Palmers Schuss getroffen war Mac in den eiskalten Gebirgsfluss gefallen, mit dem Hinterkopf auf einen Stein geprallt und trieb nun ohnmächtig auf den nicht weit entfernten Wasserfall zu, an dem es 15 Meter in die Tiefe ging.

„NEIN!“
Harm stürzte sich in das Wasser und versuchte seine Partnerin zu erreichen. Die Kälte lähmte seine Glieder, durch das Schneetreiben konnte er kaum erkennen, wohin die starke Strömung Mac trug.
Noch höchstens zehn Meter bis zum Wasserfall, Harm merkte entsetzt, dass er Mac nicht mehr rechtzeitig erreichen konnte. Ein Schrei der Verzweiflung entfuhr ihm. Mac würde sterben, weil sie ihm mit ihrer Warnung das Leben retten wollte.
Die Strömung trieb ihn weiter bis er sich plötzlich in etwas verfing: ein Baum war in den Fluss gestürzt und die vom Wasser mitgetriebenen Äste waren daran hängengeblieben. Harm schöpfte neue Hoffnung, blind tastete er diesen natürlichen Staudamm ab. Ein leises Stöhnen wies ihm schließlich den richtigen Weg, auch Mac war von dem Baum zurückgehalten worden.
„Mac, ich hol’ dich hier raus.“ Harm umklammerte ihren eiskalten Körper und hangelte sich vorsichtig an dem umgestürzten Baum Richtung Ufer. Mac war immer noch ohne Bewusstsein. Mühsam zog er sie aus dem Wasser und bettete sie behutsam auf die Erde.
Ängstlich beugte er sich über sie. Als er ihren Atem hörte, fiel ihm ein Stein vom Herzen.
Mit zitternden Fingern strich er die dunklen Haarsträhnen aus Macs weißem Gesicht.


Ein Knacken ließ ihn auffahren. Palmer hatte er ganz vergessen. Harm griff automatisch nach seiner Waffe, fasste aber ins Leere, er musste er sie im Wasser verloren haben.
Ihm war klar, mit der bewusstlosen Mac konnte er nicht schnell genug fliehen, seine einzige Chance bestand darin, Palmer direkt anzugreifen und den Überraschungseffekt zu nutzen.
Seine Beine wackelten noch als er aufstand und seinem Feind entgegenging. Hinter einem Baum versteckt wartete er ab, bis Palmer mit erhobener Waffe an die Böschung trat. Mit einem gewaltigen Schlag gegen Palmers rechten Arm erreichte er, dass dieser die Pistole fallen ließ. Palmer erwiderte seinen Schlag, Harm, der nicht schnell genug reagieren konnte, fiel zu Boden, riss seinen Gegner aber mit sich.

Ineinander verkeilt rollten die beiden auf die rutschige Böschung zu, Palmer hatte Harm im Würgegriff, doch Harm gelang es sich daraus zu befreien. Mit allerletzter Kraft stieß er Palmer ins Wasser, längst sie waren an dem schützenden Damm vorbeigerollt.

Palmer erkannte, dass er auf den Wasserfall zutrieb, doch seine verzweifelten Versuche ans Ufer zu gelangen waren vergebens. Ein panischer Schrei ertönte, dann war es plötzlich totenstill.

Harm zog sich weiter die Böschung hinauf, seine Partnerin lag noch immer still im Schnee.
„Mac, hörst du mich, bitte komm zu dir“, bat Harm verzweifelt, doch es kam keine Antwort.

In der Dunkelheit konnte er nicht erkennen, wie schwer sie verletzt war. Vorsichtig umfasste er ihren Körper, richtete sich auf und stolperte im Dunkeln den Waldweg entlang. Noch immer tobte der Schneesturm, doch die Sorge um Mac ließ Harm vergessen, dass er klatschnass und völlig durchgefroren war.


Er wusste nicht, wie lange er schon gelaufen war, als er schließlich eine kleine Hütte fand.
Harm legte Mac behutsam auf die Holzbank, die vor der Hütte stand und wollte gerade die Tür gewaltsam öffnen, als er sah, dass der Schlüssel unvorsichtigerweise neben dem Türrahmen hing. Er öffnete die Tür und schleppte Mac hinein.

Sein Blick fiel als erstes auf eine schmale Pritsche, er bettete Mac darauf und sah sich um.
In dem engen Raum befand sich noch eine zweite Pritsche, außerdem ein einfacher Tisch mit zwei Stühlen und eine –leider kalte- Feuerstelle.
In einer Ecke stand eine große Holzkiste. Sie enthielt außer zwei Wolldecken noch Bettlaken, Streichhölzer, Kerzen, einige Konservendosen sowie einen Erste-Hilfe-Kasten.

Dankbar zündete Harm eine der Kerzen an und ging zurück zu Mac. Noch immer regte sie sich nicht, ihr Gesicht war weißlich-gräulich verfärbt und ihr Körper schien aus Eis zu sein.

Harm befreite sie rasch aus ihrer nassen Kleidung, auf der sich bereits Eiskristalle gebildet hatten.
Erleichtert stellte er fest, dass sie nur einen oberflächlichen Streifschuss am rechten Oberschenkel abbekommen hatte. Allerdings hatte sie sich wohl bei dem Sturz ins Wasser den Kopf an einem Stein aufgeschlagen und blutete leicht.
Aus dem Erste-Hilfe-Kasten nahm Harm eine Rettungsdecke, hüllte Mac sorgfältig darin ein und breitete noch eine der Wolldecken darüber.

Dann machte er sich daran, ein Feuer zu entzünden, zum Glück lagen einige Holzscheite bereit. Erst jetzt merkte er, wie durchgefroren er selber war. Er zog seine nassen Sachen aus, hängte sie wie Macs Kleidung neben dem Feuer auf und wickelte sich in die andere Decke. Dabei fand er in der Kiste weitere Dosen mit Nahrungsmitteln und Teebeutel, sowie einfaches Koch- und Essgeschirr.

Nachdem er einen Topf mit Schnee gefüllt hatte, stellte Harm ihn über das Feuer und schaute erneut nach Mac. Nur sehr langsam schien sich ihr Körper zu erwärmen. Harm griff nach ihren eiskalten Händen und rieb sie vorsichtig. Als das Wasser kochte, machte er Tee und versuchte ihn Mac einzuflößen, doch ohne Erfolg.

„Bitte, Marine, du musst aufwachen. Was sollte ich denn ohne dich nur tun?“ flüsterte Harm verzweifelt. Um sie besser wärmen zu können, legte er sich zu ihr auf die Pritsche, breitete beide Decken über ihnen aus und nahm Mac zärtlich in die Arme.


Er kuschelte sich eng an sie und nach wenigen Augenblicken war er vor Erschöpfung eingeschlafen.


13.08 Z-Zeit
Saddleback Mountain, Shenandoah National Park



Harm erwachte aus seinem unruhigen Schlaf, als er ein leises Stöhnen neben sich vernahm.
Irritiert setzte er sich auf und blickte sich um. Die Geschehnisse des Vorabends fielen ihm wieder ein.


„Mac, wie geht es Ihnen?“ Besorgt beugte er sich über sie.
Ein weiteres Stöhnen war die Antwort, doch schließlich konnte er sie verstehen.
„Harm? Was ist denn passiert, wo sind wir hier?“
„Palmer hatte Sie entführt. Als Sie mich vor ihm gewarnt haben, hat er Sie angeschossen und Sie sind in den Fluss gefallen.“
„Wo ist Palmer jetzt?“ fragte Mac mit schwacher Stimme.
„Hoffentlich da, wo er hingehört: in der Hölle!“ murmelte Harm leise und sagte dann lauter: „Er ist den Wasserfall hinuntergestürzt, das kann er unmöglich überlebt haben.“

Harm fiel ein, dass er immer noch unbekleidet neben seiner Kollegin lag.
„Ich sollte lieber machen, dass ich aus dem Bett komme, bevor es peinlich für mich wird. Obwohl, am liebsten würde ich den ganzen Tag mit ihr hier liegen bleiben“, dachte er bei sich und warf ihr einen verstohlenen Blick zu.

Eilig griff er eine der Decken und wickelte sie um seinen Körper. Mac hatte wieder die Augen geschlossen und bekam von dieser Aktion nichts mit.

„Ich mache Ihnen einen Tee, Mac. Leider haben wir nur Konservendosen, aber wie ich Sie Marine kenne, stört es Sie nicht, Cornedbeef zum Frühstück essen zu müssen.“
Mac reagierte nur mit einem blassen Grinsen auf seinen Scherz und versuchte aufzustehen.
Doch mit einem unterdrückten Schmerzenslaut ließ sie sich wieder zurückfallen und fasste sich an die Stirn.


Kopfschüttelnd sah Harm ihr zu.
„Mac, Sie sind einige Minuten im eiskalten Wasser gewesen und anschließend musste ich Sie noch eine ganze Weile durch den Schneesturm tragen. Sie waren völlig unterkühlt als wir hier
ankamen. Außerdem haben Sie eine gewaltige Beule am Hinterkopf, von dem Streifschuss ganz zu schweigen. Also bleiben Sie gefälligst im Bett, das ist ein Befehl!“
„Sie können mir gar keine Befehle erteilen“, murrte Mac, blieb aber gehorsam liegen.


Harm fachte das Feuer an, setzte Wasser auf und zog sich umständlich unter der Wolldecke an. Dann durchstöberte er erneut die Holzkiste.
„Sie haben Glück, es gibt außerdem noch Zwieback, nur auf Ihr Nutella werden Sie wohl verzichten müssen.“
Er ging wieder zu Mac herüber und brachte ihr das ‚Frühstück’.

Mac setzte sich auf, die Decke bis zum Hals hochgezogen, und nahm schweigend ihren Teller in Empfang. Auf Harms Versuche eine Unterhaltung in Gang zu bringen, reagierte sie nur einsilbig, so dass er seine Bemühungen schließlich einstellte.


Nachdem sie ihr dürftiges Mahl beendet hatten, holte Harm den Erste-Hilfe-Kasten.

„So, jetzt möchte ich Ihren Oberschenkel noch mal sehen.“
Empört sah Mac ihn an. „Ich wüsste nicht, was Sie mein Oberschenkel angeht.“
„Mac, verdammt noch mal, Sie haben zwar nur einen kleinen Streifschuss abgekriegt, aber auch der kann sich entzünden. Außerdem weiß ich nicht, ob ich heute Nacht im Kerzenlicht alles richtig gesehen habe.“
In dem Moment als er es sagte, fiel ihm erst die Zweideutigkeit dieses Satzes auf.

Mac reagierte auch prompt: „Ob Sie was alles richtig gesehen haben? Schlimm genug, dass Sie mich komplett ausgezogen haben. Sie mussten sich wohl auch noch alles genau angucken?“ Mit einem giftigen Blick fixierte sie ihn, die Decke enger um ihren Körper wickelnd.
Jetzt wurde Harm langsam wütend. „Glauben Sie mir, Sie haben nichts, was ich nicht auch schon bei einem Haufen anderer Frauen gesehen habe. Wie kann man nur so prüde sein? Aber ich hätte Sie auch erfrieren lassen können, wäre Ihnen das lieber gewesen? So, und jetzt zeigen Sie mir gefälligst Ihr Bein.“

Wortlos und böse mit den Augen funkelnd hielt Mac ihm ihren Oberschenkel hin.
Der Schuss hatte ihre Haut lediglich gestreift, die Wunde schien sich nicht entzündet zu haben.
Mit unbewegter Miene warf Harm Mac eine Tube zu. „Da, eine entzündungshemmende Salbe. Tragen Sie sie besser selbst auf, ich möchte Ihnen nicht noch einmal zu nahe treten.“

Mit diesen Worten drehte er sich um, griff seine Jacke und verließ ohne sich noch einmal umzudrehen die Hütte.

Mac sah ihm entgeistert nach.


„Das hast du ja sauber hingekriegt, Marine. Er rettet dir das Leben und zum Dank schreist du ihn an. Was stellst du dich überhaupt so an? Du bist sonst nicht so verklemmt. Was ist denn schon dabei, wenn Harm dich nackt sieht, andere Männer haben dich schließlich auch schon so gesehen.“
Aber insgeheim wusste sie, dass es sie störte gerade weil es Harm war.
„Na ja, wenigstens weißt du jetzt, dass du für ihn nichts anderes bist als ein Haufen anderer Frauen. Aber das war dir ja sowieso schon klar. Nicht mal, wenn du nackt und bewusstlos neben ihm liegst, hat er Interesse an dir.“

Als Harm nach einer Stunde noch nicht wieder da war, wurde Mac zunehmend unruhig.
„Wo kann er überhaupt hingegangen sein bei diesem Wetter? Selbst wenn er wütend auf mich ist würde er mich hier doch nicht allein zurücklassen.“
Durch das Fenster konnte sie sehen, dass es immer noch schneite, aber wenigstens hatte sich der Sturm gelegt.

„Was ist, wenn Palmer den Sturz doch überlebt hat und ihm irgendwo auflauert?“

Entschlossen stand sie auf und zog ihre inzwischen getrockneten Sachen an. Als sie die Tür öffnete, konnte sie Harms Spuren im tiefen Schnee erkennen und folgte ihnen.


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
Chefchen/Administrator
Beiträge: 9.041
Registriert am: 16.04.2007


RE: Shenandoah von Kalimera

#2 von Petra , 04.05.2007 00:18

15.34 Z-Zeit
Saddleback Mountain, Shenandoah National Park


Nachdem sie eine ganze Weile durch den Schnee gestapft war, erreichte Mac den Fuß des Berges. Schon von weitem konnte sie Harms Auto sehen, das fast komplett eingeschneit war, nur vor der Fahrertür befand sich kein Schnee.
Mit klopfendem Herzen erkannte Mac, dass sich jemand im Inneren des Fahrzeugs befand und rannte so schnell sie konnte hin.

„Harm“, sie riss die Tür auf und beugte sich über ihren Partner, der auf dem Sitz zusammengebrochen war.
Mühsam öffnete Harm seine Augen. „Mac, ich wollte per Handy Hilfe holen, aber ich kriege einfach keinen Empfang.“ Resigniert hob sie sein Handy auf, das in den Fußraum gefallen war.
„Harm, wahrscheinlich gibt es hier zwischen den Bergen sowieso kein Netz und bei diesem Wetter schon gar nicht. Vorerst müssen wir hier alleine klarkommen.“

Sie bemerkte, dass Harm ihr gar nicht zuhörte.
Besorgt befühlte Mac seine Stirn, sie fühlte sich heiß und trocken an. Harm schloss bei ihrer Berührung seufzend die Augen.
„Harm, Sie haben hohes Fieber, wir müssen schnellstens zurück in die Hütte und Sie ins Bett stecken.“
„Rotes Licht, Major“, murmelte Harm, ließ sich aber von Mac aus dem Wagen zerren.
Sie umfasste seine Hüfte und legte seinen Arm über ihre Schulter.

„Los geht’s, Sailor. Typisch Navy, wenn es darauf ankommt, müssen wir Marines euch unter die Arme greifen“ neckte Mac ihren Kollegen und bemühte sich, ihn ihre Sorge um ihn nicht spüren zu lassen.

Schritt für Schritt kämpften sie sich mühsam den Berg hinauf bis zu ihrer Hütte. Teilnahmslos ließ Harm sich von Mac weitertreiben. Immer wieder mussten sie eine Pause einlegen, weil seine Beine ihn nicht mehr tragen konnten.

Mac machte sich bittere Vorwürfe, weil sie nicht eher nach ihm gesucht hatte.
„Du Egoistin liegst seelenruhig im Warmen und schmollst, während dein Partner mit Fieber durch die Kälte läuft, um Hilfe zu holen. Er war doch auch im eisigen Wasser und hat dich sogar noch anschließend bis zur Hütte getragen. Kein Wunder, dass er krank ist. Du kannst nur hoffen, dass er keine Lungenentzündung bekommt.“
Während Mac sich diese und noch weitere Vorhaltungen machte, erreichten sie endlich die Hütte.

Aufatmend schloss Mac die Tür hinter ihnen. Vor Anstrengung war sie trotz der Kälte nass geschwitzt. .
Sie war zwar durchtrainiert, aber Harm wog doch einiges mehr als sie und er hatte sich zunehmend auf ihre Schultern gestützt.

Behutsam setzte sie ihn auf die Pritsche. Besorgt nahm sie zur Kenntnis, dass Harm begonnen hatte heftig zu zittern. Sie zog ihm die Schuhe aus, hob seine Beine an, legte ihn hin und deckte ihn sorgfältig zu. Willenlos ließ Harm alles mit sich geschehen, frierend zog er seine langen Beine an, bis er schließlich in Embryohaltung dalag.

Hastig füllte Mac den Topf mit Schnee und setzte ihn auf die Feuerstelle. Sie zerbrach sich den Kopf, was sie tun könnte um das Fieber zu senken.
Das Wasser kochte. Mac füllte eine Tasse, gab einen der Teebeutel dazu und ging damit hinüber zu Harm, der mittlerweile unkontrolliert mit den Zähnen klapperte.

Da sie merkte, dass er sich nicht allein aufrichten konnte, setzte sie sich neben ihn auf die Liege und zog ihn vorsichtig auf ihren Schoß, so dass sie ihn wie ein kleines Kind in ihrem linken Arm halten konnte während sie ihm den Tee einflößte.
„So, Sailor, jetzt gibt es etwas zum Aufwärmen und danach werden Sie schön schlafen, dann werden Sie schnell wieder gesund“, versuchte Mac Harm und auch sich selbst zu beruhigen.

Nachdem er die Tasse geleert hatte, hielt Mac ihn noch eine Zeitlang im Arm bis er eingeschlafen war. Sie strich ihm sanft über die heiße Stirn und wollte gerade aufstehen, als Harm sich in ihren Armen zu winden begann.
Seine Augen bewegten sich heftig hinter den geschlossenen Lidern, panisch griff er nach Mac, sein zunächst unverständliches Gestöhne wurde lauter und deutlicher.


„Mac…nein… der Wasserfall…“, er klammerte sich im Fiebertraum an sie, „du darfst nicht sterben…ich liebe dich…“


17.21 Z-Zeit
Saddleback Mountain, Shenandoah National Park



Mac erstarrte.
Hatte sie richtig gehört?

Noch immer hielt Harm sich krampfhaft an ihr fest. „Lass mich nicht allein… ohne dich kann ich nicht weiterleben….“

Sie schluckte.
Waren das seine wahren Gefühle für sie? Aber warum hatte er ihr gegenüber nie auch nur eine Andeutung gemacht? Die ganze Zeit hatte sie geglaubt, dass er immer noch um Diane trauere, dass er in ihr nur eine Kollegin sähe, die seiner großen Liebe bis aufs Haar glich.


Harm wälzte sich unruhig auf ihrem Schoß. Besänftigend strich sie ihm über den Rücken und flüsterte: „Ich liebe dich auch, Harm. Es ist alles gut, ich bin doch bei dir.“

Sofort ließ seine Anspannung nach. Mac wartete noch, bis er sich völlig beruhigt hatte und in tiefen Schlaf gesunken war. Dann löste sie sich sacht aus seiner Umklammerung, stand auf und setzte sich grübelnd an den kleinen Tisch.


Konnte das die große Wendung in ihrer Beziehung sein, nach all den Streitereien in den letzten Monaten? Schon lange hatte sie sich eingestanden, dass sie in Harm nicht nur einen Kollegen sah, aber sie hätte nie vermutet, dass er ihre Gefühle erwidern könnte.

„Vergiss es, Marine. Gut, du hast ihm endlich gesagt, dass du ihn liebst. Aber er hat hohes Fieber und wahrscheinlich wird er sich morgen an nichts mehr erinnern. Außerdem meint er es nicht so. Vorhin hat er noch erklärt, dass du nichts Besonderes für ihn bist. Denk besser nicht mehr daran und jetzt mach lieber irgendetwas um sein Fieber zu senken.“

Mac erhob sich, atmete tief durch und nahm eines der Laken zur Hand. Geschickt schnitt sie es mit dem Messer in breite Streifen und tauchte einige davon in das mittlerweile wieder abgekühlte Wasser. Dann trat sie an Harms Lager und zog seine Decke zurück. Harm war immer noch vollständig bekleidet. Zögernd begann Mac ihm die Jeans auszuziehen.

„Jetzt werd’ bloß nicht rot, nur weil du Harm in Boxershorts siehst. Das wäre ja wohl lächerlich, schließlich willst du ihm nur helfen.“

Aber sie konnte nicht verhindern, dass ihr Herz ein wenig schneller schlug, als Harm schließlich so vor ihr lag. In ihrem Bauch kribbelte es heftig, als sie sich schließlich zwang ihren Blick abzuwenden.

Sie nahm einen der nassen Stoffstreifen und wickelte ihn behutsam um Harms Wade.
Dieser reagierte auf die plötzliche Kälte mit dem Versuch ihr sein Bein zu entziehen. Zart begann Mac über Harms Oberschenkel zu streichen. Schlagartig ließ seine Gegenwehr nach.

Sie fuhr fort, seine Waden zu umwickeln, unterbrach aber immer wieder, um ihn durch sanftes Streicheln zu beruhigen. Nachdem sie die nassen Streifen mit dem restlichen trockenen Stoff umwickelt hatte, deckte sie Harm wieder sorgfältig zu.

Das Feuer war schon ziemlich heruntergebrannt. Mac hatte draußen einen Stapel mit Brennholz gesehen, sie holte einige Scheite und legte sie auf das Feuer.
Anschließend zog sie einen Stuhl an die Pritsche, setzte sich an Harms Seite und fing an, wieder und wieder über seinen Kopf zu streicheln.


Mehrmals stand sie auf und wechselte die Wadenwickel, um danach erneut an Harms Kopfende Platz zu nehmen und ihn zärtlich zu berühren.


Sie bemerkte, dass sein Körper mittlerweile begonnen hatte das Fieber auszuschwitzen. Der Schweiß rann ihm von der Stirn und die Sachen, die er noch trug, waren genau wie die Decke davon durchnässt.

Ohne darüber nachzudenken, nahm Mac die Decke weg und zog ihm auch die restliche Kleidung aus.
Gebannt blickte sie auf Harms muskulösen Körper. Der Wunsch in ihr, ihn unter ihren Händen zu spüren, wurde fast übermächtig, doch sie riss sich energisch zusammen und deckte ihn mit der anderen Decke zu.
„Du kommst vielleicht auf Ideen, Marine! Dein Partner liegt hier fast bewusstlos und du möchtest am liebsten über ihn herfallen.“


„Mac?“
Harm war aus seinem tiefen Schlaf erwacht und schaute sie mit fiebrigen Augen an.
Mac errötete tief und war froh, dass er nicht ihre Gedanken lesen konnte.
Ihre Verlegenheit überspielend brachte sie ihm eine Tasse Tee.

„Hier, trink, Flyboy, damit du bald wieder gesund wirst.“ Wie schon beim vorherigen Mal half sie ihm sich aufzusetzen. Harm lehnte sich erschöpft an sie und trank die Tasse mit großen Schlucken leer.
Unterdessen befühlte Mac seine Stirn, sie war nicht mehr ganz so heiß wie vorher.
„Ich mache dir sofort noch mehr Tee, du musst viel trinken, damit du richtig schwitzen kannst. Und dann musst du unbedingt etwas essen, auch wenn es nur Dosengemüse ist.“


Hektisch öffnete sie eine der Konserven und kippte den Inhalt in einen mit Wasser gefüllten Topf und stellte ihn aufs Feuer.


„Essen fassen, Sailor. Nicht, dass du mir noch vom Fleisch fällst.“
Mit diesen Worten setzte Mac sich wieder auf die Pritsche und richtete Harms Oberkörper behutsam auf.
Auffordernd hielt sie ihm den gefüllten Teller und die Gabel hin, doch Harm schüttelte nur abwehrend den Kopf. „Ich habe aber überhaupt keinen Appetit“, quengelte er.
„Von wegen, du wirst jetzt etwas essen“, beharrte Mac und belud die Gabel mit etwas Gemüse.
„Hier kommt eine Tomcat geflogen und möchte landen.“ Sie kreiste mit der Gabel direkt vor Harms Gesicht. Als dieser lächeln musste, schob sie ihm das Essen schnell in den Mund. Eine ‚Tomcat’ nach der anderen landete an ihrem Bestimmungsort.

Kurze Zeit später hatte Harm auf diese Weise alles aufgegessen.

Zum Abschluss flößte Mac ihm eine weitere Tasse Tee ein und half ihm, sich wieder hinzulegen.
„Du bist eine tolle Krankenschwester, Mac“, dankbar sah Harm in ihre braunen Augen. Lächelnd erwiderte Mac seinen Blick: „Und du bist ein toller Lebensretter. Versuch noch ein bisschen zu schlafen, damit dein Fieber ganz verschwindet. Wir werden mindestens noch bis morgen hier bleiben müssen, solange die Strasse unpassierbar ist.“


Folgsam schloss Harm die Augen, Mac legte sich auf die andere Liege, um auch ein wenig zu schlafen.


03.04 Z-Zeit
Saddleback Mountain, Shenandoah National Park


Harm schlug die Augen auf.
Es war dunkel in Hütte, nur das Feuer flackerte in der Ecke.

Von der anderen Seite des Raumes hörte Harm das gleichmäßige Atmen seiner Kollegin, die immer noch friedlich schlummerte.


Einen Moment lang musste er seine Gedanken sortieren.
„Ach ja, Palmer, der Schneesturm.“
Er hatte mit seinem Handy, das noch im Auto lag, Hilfe holen wollen, als ihm schwarz vor Augen wurde. Alles, was danach geschehen sein musste, lag in dichtem Nebel verborgen. Schemenhaft konnte er sich noch daran erinnern, dass Mac ihm Essen und Tee gemacht hatte.


Der zunehmende Druck auf seiner Blase veranlasste Harm sich aufzurichten.

Konsterniert stellte er fest, dass er splitterfasernackt unter der Wolldecke war. Er zog eine Augenbraue in die Höhe und warf einen argwöhnischen Blick auf Mac, die, mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, wie ein Kätzchen zusammengerollt auf ihrer Pritsche lag.

Er wickelte die Decke eng um seinen Körper und stellte die Füße auf den Boden. Seine Knie fühlten sich an, als wären sie aus Gummi.


Mac schreckte aus ihrem Schlaf hoch.
Im Feuerschein sah sie Harm, der sich bemühte auf die Beine zu kommen.

„Harm, bleib bitte liegen, Wenn du etwas brauchst, kann ich es dir doch holen.“
„Ich fürchte, in diesem Fall geht das leider nicht“, druckste Harm herum. „Der viele Tee vorhin…. Ich muss mal für kleine Offiziere.“

Er stand auf, doch ein heftiges Schwindelgefühl ließ ihn auf der Stelle wieder zurücksinken.

„Ich helfe dir“, Mac, die inzwischen herübergekommen war, umfasste Harms Hüfte und half ihm in die Höhe.
„Danke für das Angebot, aber das würde ich doch lieber allein machen“, entgegnete Harm peinlich berührt.
„Hey, du hast nichts, was ich nicht auch schon bei anderen Männern gesehen habe“, grinste Mac spitzbübisch mit einem Funkeln in den Augen und setzte warnend hinzu:„Ohne mich gehst du nicht durch diese Tür.“
Harm zauderte, doch er konnte wirklich nicht mehr länger warten. „Wenn es unbedingt sein muss.“

Mit Macs Unterstützung trat er vor die Hütte.
Es hatte aufgehört zu schneien, über ihnen funkelten zahlreiche Sterne am klaren Nachthimmel.

Mac geleitete Harm hinter eine Baumgruppe, wandte sich diskret ab und betrachtete das Firmament.

„So viele Sterne habe ich nicht mehr gesehen, seit ich mit Onkel Matt auf der Red Rock Mesa gewesen bin. Oh, guck mal, Harm, eine Sternschnuppe! Schnell, wünsch dir was“, befahl Mac, unterbrach sich aber selbst: „Vergiss es, du hast ja bequeme Schuhe.“


Nachdem Harm sich erleichtert hatte, hakte Mac sich blitzschnell wieder bei ihm unter und führte ihn munter plaudernd zurück ins Warme, wo sie Holz nachlegte und eine neue Kerze anzündete.


Harm legte sich wieder hin und überlegte krampfhaft, ob irgendetwas vorgefallen war, was er nicht mitbekommen hatte.
Am Morgen hatte sie ihm noch fast den Kopf abgerissen, nur weil er sich ihren Oberschenkel ansehen wollte und jetzt lag er hier ohne eigenes Zutun völlig nackt unter der Decke, während Mac mit ihm scherzte und ihn zudem auch noch duzte.
Nicht, dass es ihn gestört hätte, ganz im Gegenteil, aber es passte so überhaupt nicht zu ihrem Verhalten in letzter Zeit.


„Ähm, Mac, wie bin ich eigentlich hierher gekommen?“ fragte er vorsichtig. „Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich im Auto saß.“
„Ich hatte mir Sorgen um dich gemacht und dich gesucht“, antwortete Mac und schaute ihm forschend ins Gesicht um zu sehen, ob er sich an ihre Liebeserklärung oder ihre Zärtlichkeiten erinnerte. „Du hattest sehr hohes Fieber, deshalb habe ich dich gleich ins Bett gesteckt.“

Harm war noch nicht zufrieden. „Und meine Sachen?“
„Die musste ich dir ausziehen, um dir die Wadenwickel machen zu können.“.
„Ich wusste gar nicht, dass man für Wadenwickel sogar die Boxershorts ausziehen muss“, meinte er scherzend.

Mac verstummte, ihre Gesichtsfarbe wurde eine Nuance röter. Ohne auf seine Äußerung einzugehen wandte sie sich um und machte sich erneut daran Tee zu kochen und eine weitere Konservendose zu öffnen.


Als sie Harm die gefüllte Tasse brachte, setzte sie sich automatisch zu ihm auf die Liege, zog ihn sanft auf ihren Schoß und lehnte seinen Kopf gegen ihre Brust.

Mit großen Augen sah Harm sie an.

Als hätte sie sich die Finger verbrannt, ließ sie ihn los, drückte ihm die Tasse in die Hand und stürmte zur Tür hinaus.


Verdattert blickte Harm ihr nach.


03.57 Z-Zeit
Saddleback Mountain, Shenandoah National Park



Er stellte die Tasse an die Seite und erhob sich.
Durch das Fenster sah er Mac mit angezogenen Beinen auf der Holzbank vor der Hütte hocken und in die Finsternis starren.

Harm zog sich seine Sachen und ging hinaus zu ihr. „He, lass mich nicht allein.“
Mac drehte langsam den Kopf in seine Richtung und sah ihn fassungslos an.

Als er seine eigenen Worte hörte, blitzte eine Erinnerung in ihm auf: ‚Ich liebe dich auch, Harm’, erklang Macs Stimme in seinem Kopf. Er sah Mac vor seinem inneren Auge. Mac, wie sie ihn im Arm hielt, wie sie ihn zärtlich streichelte.

Ein Vogelschrei brachte ihn in die Realität zurück.
Ihm wurde bewusst, dass Mac ihn beklommen anblickte.
Schweigend setzte er sich zu ihr und sah ihr tief in die dunklen Augen. Wie hypnotisiert erwiderte sie seinen Blick.

Sachte, um sie nicht zu erschrecken, legte Harm seine Arme um ihren Körper und näherte sich ihrem Gesicht.
Ganz sanft berührte er ihren Mund mit seinen Lippen. Nach einem kurzen Moment des Zögerns begann Mac seinen Kuss zu erwidern, erst zart, dann immer heftiger. Ihre Arme schlangen sich um ihn und zogen ihn näher an sie heran, während ihre Zunge seinen Mund erforschte.

Atemlos lösten sie sich schließlich voneinander. Einige Sekunden sahen sie sich wortlos an, dann unterbrach Harm die Stille: „Wir sollten besser reingehen, meinst du nicht?“
Mac nickte nur stumm. Er ergriff zärtlich ihre Hand und zog sie in die Hütte. Kaum dass die Tür geschlossen war, versanken sie in einem weiteren nahezu endlosen Kuss.

Mit ihren Fingerspitzen erforschte Mac Harms Gesicht, während er ihr liebevoll durch das Haar fuhr. Erneut löste Mac sich aus Harms Armen und begann, ihn von seinem Pullover zu befreien, während sie ihn fordernd ansah. Harm konnte kaum glauben, was er in ihren Augen las.
Ihre Lippen strichen über seinen Mund, glitten über seinen Hals zu seinem Schulterblatt, gleichzeitig drängte sie ihn sanft, aber bestimmt Richtung Bett.

Mit kleinen leichten Küssen bedeckte sie seine Brust, Harm schloss leise stöhnend die Augen und genoss die zarten Berührungen auf seiner Haut.

Hungrig suchten Harms Lippen ihren Mund, seine Finger glitten unter ihr Oberteil und tasteten sich von ihrer schlanken Taille hoch zu ihren Brüsten, um diese sanft zu massieren.
Zitternd vor Erregung zog sich Mac das Shirt über den Kopf und ließ es zu Boden fallen.
Bewundernd betrachtete Harm ihren makellosen Busen, der nur noch von einem knappen BH aus schwarzer Spitze bedeckt war.

Zielstrebig öffnete Mac Harms Gürtel und knöpfte seine Jeans auf.
Ein heiserer Laut entfuhr Harm, als er ihre Hand er ihre Hand in seiner Hose spürte.
Im Nu hatte er sich seiner restlichen Kleidung entledigt und ging dazu über, Mac aus ihrer Hose zu helfen.

Das Feuer knisterte leise, als sie eng umschlungen auf die Pritsche sanken.
Im flackernden Schein der Flammen verschmolzen ihre beiden Körper zu einem, hemmungslos liebten sie sich, alle Zurückhaltung war endlich von ihnen gefallen…



----------------------------------------------------------------------------------------------------
-----



Stunden später lagen sie dicht aneinandergeschmiegt unter der Decke. Gedankenverloren strich Mac Harm über den Rücken. „Damit hatte ich nicht gerechnet, als ich gestern Abend zu dir fuhr.“
„Was wolltest du eigentlich bei mir?“ fragte Harm und knabberte zärtlich an ihrem Ohrläppchen.

„Ich wollte mich für mein dämliches Benehmen letzten Freitag entschuldigen und fragen, ob du noch böse auf mich bist.“

Harm richtete sich erstaunt auf, hob mit dem Zeigefinger Macs Kinn an, so dass er ihr in die dunklen Augen sehen konnte und sagte eindringlich: „Sarah, ich war nie böse auf dich und werde es auch nie sein, dafür liebe ich dich viel zu sehr.“

„Ich liebe dich auch, Harmon Rabb junior.“ Glücklich kuschelte sich Mac an ihn und schloss die Augen.



ENDE


Liebe Grüsse Petra

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.

 
Petra
Chefchen/Administrator
Beiträge: 9.041
Registriert am: 16.04.2007


   

Unausgesprochene Liebe von Kate
Warum ? (Mac)Teil 2 von Marine88

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor